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{{QS-Ereignisse}}
Die '''Proteste im [[Irak]] ab 2011''' begannen im Februar 2011 und sind Teil des [[Arabischer Frühling|Arabischen Frühlings]].
== Chronologie ==
Im Irak fanden am 22. Februar 2011 Demonstrationen in [[Basra]] statt. Am 25. Februar 2011 wurden nach den [[Freitagsgebet]]en erstmals auch aus anderen Landesteilen Demonstrationen gemeldet, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Ursache war Ärger über soziale Ungerechtigkeit, insbesondere wurden Korruption und hohe Arbeitslosigkeit angeprangert. Die Kundgebungen wurden teilweise gewaltsam beendet, als die Teilnehmer in mehreren Städten versucht hatten, Regierungsgebäude zu stürmen. Dabei fanden die größten Demonstrationen in den Städten [[Mosul]], [[Falludscha]] (überwiegend von sunnitischen Arabern bewohnt), [[Bagdad]] und Basra (überwiegend von schiitischen Arabern bewohnt) statt. In der [[Autonome Region Kurdistan|Autonomen Region Kurdistan]] im Nordirak gab es ebenfalls Demonstrationen und Tote. Das kurdische Regionalparlament in [[Arbil]] erließ daraufhin einen 17 Punkte umfassenden Plan, um die Situation zu deeskalieren. In Bagdad demonstrierten tausende Menschen, von denen einige versuchten, die Grüne Zone, das Zentrum internationaler Präsenz, Sitz des irakischen Parlaments und der amerikanischen Botschaft, zu erreichen. Diese Protestkundgebung wurde gewaltsam beendet. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Knüppel gegen die Demonstranten auf dem Bagdader Tahrir-Platz ein. Der irakische Ministerpräsident [[Nuri al-Maliki]] wurde als „Lügner“ bezeichnet; al-Maliki behauptete, Anhänger des früheren Diktators [[Saddam Hussein]] hätten die Unruhen geschürt. Über ebenso große Menschenmengen wurde aus Basra berichtet; dort richtete sich die Wut gegen den in der Bevölkerung als korrupt geltenden Gouverneur [[Scheltak Abbud]], der aufgrund der massiven Proteste zurücktrat. Der schiitische Großayatollah [[Ali as-Sistani]] rief zunächst zur Zurückhaltung auf, bezeichnete die Demonstrationen am Folgetag jedoch als legitim, da es sich um berechtigte Forderungen handele und es berechtigt sei, diesen friedlich Ausdruck zu geben.

Am 4. März 2011 fanden erneut Proteste in der Hauptstadt Bagdad, Basra sowie in anderen Städten des Südirak statt.

Am 16. März 2011 demonstrierten tausende in Bagdad und im Südirak. Sie wandten sich gegen den saudischen Einmarsch in Bahrain und riefen zur Unterstützung der dortigen Opposition auf. As-Sistani äußerte sich ebenfalls für die bahrainische Opposition. 

Am 17. März 2011 demonstrierten in Kerbela etwa 3000 Schiiten gegen Saudi-Arabien. Großayatollah Mohammed Taki al-Mudarrisi 
hatte dazu aufgerufen. Nuri al-Maliki schloss sich der Kritik der Demonstranten an.

Am 27. März gab es in Irak mehrere Selbtsmordanschläge in schiitischen Moscheen.

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[[Kategorie:Politik (Irak)]]
[[Kategorie:Geschichte Iraks‎]]
[[Kategorie:Demonstration]]
[[Kategorie:Politik 2011]]
[[Kategorie:Politik 2012]]
[[Kategorie:Konflikt 2011]]
[[Kategorie:Konflikt 2012]]

[[ar:الاحتجاجات العراقية 2011]]
[[az:2011-ci il İraq iğtişaşları]]
[[en:2011 Iraqi protests]]
[[es:Protestas en Irak de 2011]]
[[fr:Contestation en Irak en 2011]]
[[it:Proteste in Iraq del 2011]]
[[ko:2011년 이라크 반정부 시위]]
[[pl:Protesty w Iraku (2011)]]
[[pt:Protestos no Iraque em 2011]]
[[ru:Волнения в Ираке (2011)]]
[[sv:Protesterna i Irak 2011]]
[[tr:2011 Irak protestoları]]
[[vi:Biểu tình Iraq 2011[[Datei:2010-2011 Arab world protests.PNG|300px|thumb|
{{Farblegende|#Ffd42a|Kleinere Proteste}}
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]]
Die '''Proteste in der Arabischen Welt 2010–2011''' haben sich in mehreren Staaten der [[Arabische Welt|arabischen Welt]] gegen die [[Autoritarismus|autoritär]] herrschenden Regimes und deren politische und soziale Strukturen entwickelt und führten zu [[Revolution]]en in [[Tunesien]] und [[Ägypten]].

== Ereignisse ==
Ausgehend von der [[Revolution in Tunesien 2010/2011|Revolution in Tunesien]] begannen am 5. Januar 2011 [[Unruhen in Algerien 2011|Unruhen in Algerien]]. Zwanzig Tage danach, am 25. Januar 2011, kam es in Ägypten zu Protesten, die schließlich zur [[Revolution in Ägypten 2011]] führten; dieser Umsturz war mit einer Machtübernahme des [[Militärregierung|Militärs]] verbunden. Im Zuge dieser Ereignisse kam es auch in anderen [[Arabische Welt|arabischen Ländern]] zu Protesten, unter anderem [[Proteste im Jemen 2011|protestierten Regierungsgegner im Jemen]] und [[Proteste in Jordanien 2011|in Jordanien]]; auch aus weiteren arabischen Staaten wurde über Demonstrationen berichtet.

Die Massenproteste führten bisher zur Absetzung und Flucht des tunesischen Machthabers [[Zine el-Abidine Ben Ali]] und zum Rücktritt des ägyptischen Präsidenten [[Husni Mubarak]]. Der Präsident [[Jemen]]s, [[Ali Abdullah Salih]], kündigte nach über 30-jähriger Herrschaft an, für keine weitere Amtsperiode zu kandidieren. In [[Jordanien]] wurde [[Maʿruf al-Bachit]], wie bereits zuvor 2005, von König [[Abdullah II.]] mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. In [[Algerien]] wurde die Aufhebung des seit 19 Jahren bestehenden [[Ausnahmezustand]]s durch den Präsidenten [[Abd al-Aziz Bouteflika]] angekündigt. In [[Bahrain]] wurden am 16/17. Februar 2011 Demonstrationen von der Polizei niedergeschlagen.<ref name="tagesschau_bahrain122">{{cite news |url=http://www.tagesschau.de/ausland/bahrain122.html |work=tagesschau.de |title=Gewalt in Bahrain: Schüsse auf Demonstranten |author=Felix de Cuveland |date=2011-02-17 |accessdate=2011-02-19 }}</ref> Auch in [[Libyen]] gab es Proteste gegen den Staatschef [[Muammar al-Gaddafi]], bei denen Dutzende Menschen gestorben sind und weitere verletzt wurden.<ref name="focus20110217T1900">{{cite news |url=http://www.focus.de/politik/ausland/unruhen-in-arabien-panzer-in-bahrain-tote-in-libyen-ben-ali-im-koma_aid_601043.html |work=Focus Online |title=Unruhen in Arabien: Panzer in Bahrain, Tote in Libyen, Ben Ali im Koma |date=2011-02-17 |acccessdate=2011-02-19}}</ref> Über die Arabische Welt hinaus kam es im [[Iran]] zu [[Proteste im Iran 2011|erneuten Protesten]].

=== Ägypten ===
{{Hauptartikel|Revolution in Ägypten 2011}}
Der Aufstand in Ägypten begann am 25. Januar 2011, dem „Tag des Zorns“. Am 11. Februar 2011 trat der langjährige Staatspräsident [[Husni Mubarak]] zurück und ein Militärrat übernahm die Macht. Dieser sicherte den Demonstranten freie und demokratische Wahlen sowie die Aufhebung des seit 30 Jahren geltenden Notstandsgesetzes zu.

=== Algerien ===
{{Hauptartikel|Unruhen in Algerien 2011}}
Die Unruhen in Algerien breiteten sich seit dem 5. Januar 2011 aus Zorn über massiv gestiegene Grundnahrungsmittelpreise aus. Die Unruhen entzündeten sich spontan an Einzelereignissen und waren nicht einheitlich organisiert.

=== Bahrain ===
{{Hauptartikel|Proteste in Bahrain 2011}}
Die Proteste im Golf-Königreich [[Bahrain]] begannen am 14. Februar 2011, als einige Hundert Demonstranten am zentralen Pearl Monument in [[Manama]] ein illegales Zeltlager errichteten. In der Nacht vom 16. zum 17. Februar wurde das Zeltlager geräumt und die Demonstranten von Sondereinheiten der Polizei angegriffen.<ref name="tagesschau_bahrain122" /> Dabei wurden vier Menschen getötet und über 230 Menschen verletzt. Die überwiegend schiitische Bevölkerung protestiert vor allem gegen das sunnitische [[Liste der Emire von Bahrain|Königshaus]] von [[Hamad ibn Isa Al Chalifa]]. Die Märtyrer-Begräbnisse für die vier Todesopfer nutzten am 18. Februar 2011 über 15.000 Demonstranten für Proteste gegen das Königshaus.<ref>{{cite news |work=[[Spiegel Online]] |url=http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,746391,00.html |title=Bahrain: Tausende verwandeln Trauerfeier in Massenprotest |date=2011-02-18 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

=== Dschibuti ===
In [[Dschibuti]] demonstrierten am 18. Februar Tausende gegen Präsident [[Ismail Omar Guelleh]].<ref>{{cite news |url=http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/gaddafi-will-nicht-klein-beigeben/ |title=Proteste in Libyen: Gaddafi will nicht klein beigeben |work=taz.de |author=Dominic Johnson |date=2011-02-18 |accessdate=2011-02-19 }}<!-- taz-Artikel 19./20. Februar 2011 „Gaddafi will nicht klein beigeben“, Abschnitt Djibuti. --></ref><ref>{{cite news |url=http://english.aljazeera.net/news/africa/2011/02/201121816513686216.html |title=Djiboutians rally to oust president |language=en |work=Al Jazeera English |date=2011-02-18 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

=== Jemen ===
{{Hauptartikel|Proteste im Jemen 2011}}
Im Jemen begannen die Proteste mit einer Demonstration am 27. Januar 2011, als rund 16.000 Jemeniten in den Straßen von Jemens Hauptstadt Sanaa gegen die Politik von Präsident Ali Abdullah Salih protestierten. Am 2. Februar 2011 erklärte Salih, nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen und sein Amt auch nicht seinem Sohn zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen der Proteste starben mehrere Menschen.

=== Jordanien ===
{{Hauptartikel|Proteste in Jordanien 2011}}

Die Proteste in [[Jordanien]] begannen am 7. Januar 2011.<ref>{{cite news |url=http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743493,00.html |title=Proteste in Jordanien: Nieder mit der Regierung! Es lebe der König! |author=Juliane von Mittelstaedt |work=Spiegel Online |date=2011-02-04 |accessdate=2011-02-19}}</ref> Die [[Islamische Aktionsfront]] rief am 26. Januar 2011 zu Protesten gegen die Regierung von [[Samir ar-Rifai]] auf. König [[Abdullah II.]] bin al-Hussein mahnte aufgrund der [[Revolution in Tunesien 2010/2011|Entwicklungen in Tunesien]] und [[Revolution in Ägypten 2011|Ägypten]] im Januar 2011 echte Reformen an. Dabei wurde Ministerpräsident Samir ar-Rifai abgesetzt und am 1. Februar 2011 [[Maʿruf al-Bachit]], der bereits von 2005 bis 2007 das Amt des Premierministers innehatte, mit der Regierungsbildung beauftragt.<ref>{{cite news |work=[[Die Welt|welt.de]] |url=http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article12418400/Jordanischer-Koenig-ordnet-nach-Unruhen-politische-Reformen-an.html |title=Monarch: Jordanischer König ordnet nach Unruhen politische Reformen an |date=2011-02-02 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

=== Libyen ===
Auch in [[Libyen]] gab es Proteste gegen den Staatschef [[Muammar al-Gaddafi]], bei denen bisher mindestens 84 Menschen gestorben sind.<ref>{{cite news |url=http://www.tagesschau.de/ausland/libyen198.html |title=Gewalt gegen Regierungsgegner: Dutzende Tote in Libyen - Internet abgeschaltet |work=tagesschau.de |date=2011-02-19 |accessdate=2011-02-19 }}</ref><ref  name="focus20110217T1900" />
Bei Massenprotesten nach den Freitagsgebeten am 18. Februar 2011 gab es in der Hafenstadt [[Banghazi]] Tote und weitere Verletzte.<ref>{{cite news |work=welt.de |url=http://www.welt.de/politik/ausland/article12586732/Ich-fuehle-dass-es-zu-Ende-geht-mit-Gaddafi.html |title=Libyen: "Ich fühle, dass es zu Ende geht mit Gaddafi" |author=Dietrich Alexander |date=2011-02-18 |accessdate=2011-02-19 }}</ref> Am 19. Februar sollen Spezialeinheiten in Banghazi von einem Dach aus 15 Menschen erschossen haben, die an einer Trauerfeier für ermordete Regierungsgegner teilgenommen hatten. Am selben Tag wurde der öffentliche Internetverkehr im Land lahmgelegt und der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook gekappt.<ref>{{cite news |url=http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,746597,00.html |title=Aufstände in Arabien: Gaddafi kappt Facebook und Twitter |work=Spiegel Online |date=2011-02-19 |accessdate=2011-02-19}}</ref><ref>{{cite news |url=http://www.tagesschau.de/ausland/bahrainproteste102.html |title=Tote und Verletzte bei Protesten in arabischer Welt |work=tagesschau.de |date=2011-02-19 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

In [[Al-Baida]], der drittgrößten Stadt des Landes, soll es zu bürgerkriegsähnlichen Gefechten zwischen Oppositionellen und der libyschen Armee gekommen sein, in dessen Folge die Stadt nun von Aufständischen kontrolliert werde. Dabei seien diese auch von Teilen der Polizei unterstützt worden. Die Angaben konnten bislang nicht von unabhängigen Berichterstattern bestätigt werden.<ref>{{cite news |url=http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/libyen-al-baidha |title=Proteste in Libyen: Gadhafi verliert drittgrößte Stadt des Landes |work=Zeit Online |date=2011-02-18 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

=== Sudan ===
Im [[Sudan]] demonstrierten vor allem Studenten sowie Anhänger der kommunistischen und der von [[Hasan at-Turabi]] geführten islamistischen Opposition gegen das Regime von [[Umar Hasan Ahmad al-Baschir|al-Baschir]] und gegen die wirtschaftliche Verschlechterung, die sich infolge der Unabhängigkeit des [[Südsudan]] abzeichnet.<ref>{{cite news |author=Dominic Johnson |url=http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/khartum-traeumt-von-kairo/ |title=Keine Massenproteste im Sudan: Khartum träumt von Kairo |work=taz.de |date=2011-02-02 |accessdate=2011-02-19}}</ref><ref>{{cite news |author=Johannes Dieterich |url=http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Es-wird-auch-uns-gelingen-/story/17105987 |title=«Es wird auch uns gelingen» |work=Tages-Anzeiger |date=2011-02-02 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

=== Tunesien ===
{{Hauptartikel|Revolution in Tunesien 2010/2011}}
Die auch Jasminrevolution genannten politischen Ereignisse in Tunesien begannen mit landesweiten Massenunruhen in der Bevölkerung Ende Dezember 2010. Auslöser der Unruhen war die sich rasch verbreitende Nachricht über die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid.  Am 14. Januar 2011 verließ das tunesische Staatsoberhaupt [[Zine el-Abidine Ben Ali]] das Land.
Am 17. Januar 2011 wurde von Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi eine Übergangsregierung gebildet.

== Ursachen und Beteiligte ==
Ursachen für die erhöhte Protestbereitschaft sind der Unmut über die autoritären Regimes mit einem ausgeprägten Sicherheitsapparat, fehlende Mitsprachemöglichkeiten der Bürger sowie [[Korruption]] in Staat, Wirtschaft und Verwaltung. Eine wesentliche weitere Ursache ist die hohe [[Arbeitslosigkeit]] insbesondere der jüngeren Bevölkerung (deren Bevölkerungsanteil durch ein starkes [[Bevölkerungswachstum]] deutlich ansteigt<ref>{{cite news |url=http://pewresearch.org/pubs/1872/muslim-population-projections-worldwide-fast-growth?src=prc-latest&proj=peoplepress |title=The Future of the Global Muslim Population: Projections for 2010-2030 |publisher=[[Pew Research Center]] |language=en |date=2011-01-27 |accessdate=2011-02-19}}</ref>, was auch als eine weitere Ursache für die Protestbereitschaft angesehen wird<ref>{{cite news |url=http://www.zenithonline.de/deutsch/gesellschaft//article/aufstand-einer-betrogenen-generation/ |title=Aufstand einer betrogenen Generation'' |author=Yasemin Ergin |work=[[Zenith – Zeitschrift für den Orient]] |date=2011-01-30 |accessdate=2011-02-19}}</ref>) und eine wachsende [[Armut]]. Hinzu kommen weltweit [[Nahrungsmittelpreiskrise|steigende Nahrungsmittel]]- und [[Energiepreiskrise|Energiepreise]], die große Teile der Bevölkerung belasten.<ref>{{cite news |url=http://www.dw-world.de/dw/function/0,,83389_cid_14819169,00.html |title=UN besorgt wegen hoher Lebensmittelpreise |work=[[Deutsche Welle]] |date=2011-02-04 |accessdate=2011-02-19 }}</ref><ref>{{cite news |url=http://nachrichten.rp-online.de/politik/grundnahrungsmittel-so-teuer-wie-noch-nie-1.331416 |title=Grundnahrungsmittel so teuer wie noch nie |date=2011-02-04 |work=[[RP Online]] |accessdate=2011-02-19}}</ref><ref>{{cite news |url=http://www.welt.de/wirtschaft/article12406604/IWF-Chef-Strauss-Kahn-warnt-vor-sozialen-Unruhen.html |title=Teuerung: IWF-Chef Strauss-Kahn warnt vor sozialen Unruhen] |work=[[Die Welt#Welt Online|Welt Online]] |date=2011-02-01 |accessdate=2011-02-19}}</ref><ref>{{cite news |url=http://womblog.de/2011/01/12/neue-krise-im-anmarsch-anstieg-der-nahrungsmittelpreise-frdert-inflation/ |title=Neue Krise im Anmarsch – Anstieg der Nahrungsmittelpreise fördert Inflation |work=Womblog |author=Thalif Deen |date=2011-01-12 |accessdate=2011-02-19}}</ref><ref>{{cite news |url=http://derstandard.at/1295571033512/Kommentar-der-anderen-Es-geht-um-Brot-und-Arbeit-nicht-um-die-Scharia |work=Der Standard |title=Es geht um Brot und Arbeit, nicht um die Scharia |author=Thomas Schmidinger |date=2011-01-27 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

Neben der Unzufriedenheit mit dem System wird auch darüber diskutiert, inwiefern moderne Kommunikationstechnologien (Mobiltelefone, Internet, aber auch der Empfang vom Satellitenfernsehen, insbesondere [[Al Jazeera]]) die Proteste förderten. Diese starke Mobilisierung im Internet wurde schon seit den frühen Jahren nach 2000 sorgfältig kultiviert durch Plattformen wie z.&nbsp;B. [[Facebook]], [[Twitter]] und ägyptische [[Blog]]s. Es besteht ein Konsens darüber, dass dadurch eine Informationsstruktur abseits des Mainstreams ermöglicht wurde, welche die Proteste gefördert habe.<ref name="blo">{{cite news |url=http://www.jadaliyya.com/pages/index/599/from-the-blogosphere-to-the-street_the-role-of-social-media-in-the-egyptian-uprising |author=Charles Hirschkind |title=From the Blogosphere to the Street: The Role of Social Media in the Egyptian Uprising |work=Jadaliyya |publisher=ASI (Arab Studies Institute) |author=Charles Hirschkind |date=2001-02-09 |accessdate=2011-02-19}}</ref> Bezüglich der Demonstrationen in Ägypten wird von Beobachtern allerdings die Rolle dieser Internetkommunikation als eher unterstützend und nicht als fundamental eingeschätzt<ref>{{cite news |url=http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1382263/ |title=Ägypten ist keine "Twitter-Revolution" |publisher=Deutschlandfunk |author=Dirk-Oliver Heckmann, Philip Rizk |date=2011-02-07 |accessdate=2011-02-19}}</ref> sowie darauf verwiesen, dass das Internet neben der Verbreitung von alternativen Informationen auch zur getarnten Verbreitung von [[Öffentlichkeitsarbeit|PR]] durch die Regimes geeignet ist.<ref>{{cite news |url=http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/02/06/jeder-twitt-ein-tritt.aspx |work=F.A.Z.-Blogs |title=Deus ex Machina: Jeder Twitt ein Tritt |author=Marco Settembrini di Novetre |date=2011-02-06 |accessdate=2011-02-19}}</ref> Die Proteste gingen auch nach Abschaltung des Internets unvermindert weiter.

Getragen werden die Proteste von einer breit gefächerten Bewegung, der verschiedenste soziale Schichten abseits der Regimeelite, sowohl Linke als auch Bürgerliche, Säkulare wie auch Christen und Muslime – darunter teils auch Mitglieder der fundamentalistischen [[Muslimbruderschaft]] – angehören. An Protesten teilnehmende Mitglieder der Muslimbruderschaft haben in Ägypten dazu unter anderem von einer Einführung der Scharia Abstand genommen.<ref name="blo" /> Anführer von religiös-fundamentalistischen Organisationen haben hingegen Probleme, sich gegenüber den arabischen Protesten zu positionieren, oder stehen (z.&nbsp;B. Anführer der [[Hamas]]) diesen ablehnend gegenüber, obwohl auch sie in Opposition zu den Regimes stehen. Nach Einschätzung des norwegischen Historikers Brynjar Lia liegt der Grund darin, dass die Protestbewegungen gewaltfrei, populär, überwiegend säkular und integrativ sind.<ref>{{cite news |url=http://www.heise.de/tp/blogs/8/149234 |work=Telepolis |title=Ratlose Dschihadisten |author=Thomas Pany |date=2011-02-09 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

== Einschätzungen zur Ausbreitung und Parallelen ==
Roland Popp, Forscher an der Forschungsstelle für [[Sicherheitspolitik]] der [[ETH Zürich]], sah es im Januar 2011 als unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen an, dass sich die Proteste zu einem „arabischen Frühling“ ausweiten. Die Situation in den Ländern sei zu unterschiedlich für eine Ausweitung der Revolution von Tunesien auf andere arabische Länder. Parallelen der Proteste gäbe es dennoch, die allgemeine „Frustration mit der Herrschaftsrealität in den arabischen Republiken, weitverbreitete [[Korruption]] der Eliten, scharfe [[Unterdrückung|Repressionen]] durch die allgegenwärtigen [[Mukhabarat]], die Geheimdienste“, die sich vor allem durch „die Frustrationen der jungen Generation“ ventilieren, „die selbst trotz Hochschulausbildung kaum Chancen haben, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“.<ref>{{cite news |author=Isabelle Imhof, Roland Popp |url=http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/interview_tunesien_arabien_1.9125267.html |title=«Ein arabischer Frühling steht kaum bevor» |work=[[NZZ Online]] |date=2011-01-18 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

Nach Stephan Roll, Forscher für wirtschaftliche und politische [[Transformation (Politikwissenschaft)|Transformationsprozesse]] der Forschungsgruppe ''Naher Osten und Afrika'' bei der [[Stiftung Wissenschaft und Politik]]<ref>{{cite web |url=http://www.swp-berlin.org/de/wissenschaftler-detail/profile/stephan-roll.html |title=Stephan Roll |publisher=[[Stiftung Wissenschaft und Politik]] |accessdate=2011-02-19}}</ref>, brächten die Unruhen und Proteste in mehreren arabischen Staaten nicht zwangsläufig die dortigen Regime zu Fall, da es anders als in [[Revolutionen im Jahr 1989|Osteuropa 1989]] keinen [[Domino-Effekt]] geben werde. Die Regimes, die gesellschaftlichen Bedingungen, die politische Lage und die wirtschaftliche Situation in den einzelnen Ländern „sind zu verschieden“.<ref>{{cite news |url=http://www.stern.de/politik/ausland/fachmann-sieht-keinen-domino-effekt-im-nahen-osten-1649580.html |title=Fachmann sieht keinen Domino-Effekt im Nahen Osten |work=stern.de |date=2011-02-01 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

Paul Salem von der [[Carnegie-Stiftung#Stiftungen|Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden]] schätzte die Folgen der Proteste folgendermaßen ein: „Die Ereignisse haben die Psyche der arabischen Völker und die Machtbalance in der Region verändert. Die internationale Gemeinschaft muss erkennen, dass sie sich mit fragwürdigen Regimen eingelassen hat und dass es sich nicht um einen islamistischen Aufstand handelt, sondern um demokratischen Protest.“ Natürlich würden in jedem arabischen Land spezielle Bedingungen herrschen, „aber jetzt stehen alle vor sehr ähnlichen Herausforderungen.“ Seiner Meinung nach träfe das auch für die [[Persischer Golf|Golfstaaten]] zu, in denen ebenfalls [[Monarchie]]n an der Macht sind: „Die ölreichen Länder kennen nicht Arbeitslosigkeit und Armut wie Tunesien, Ägypten, Marokko, Algerien, Syrien, Jordanien und Jemen. Am Golf sind politische Reformen zu erwarten, mehr Machtbeteiligung. Kuwait ist da relativ offen, wird eher Zugeständnisse machen.“ Bahrain sei ein spezieller Fall: „Da geht es mehr um den Ausgleich konfessioneller Unterschiede. Das läuft weniger auf Revolte als auf Reform hinaus.“

Mit der in Jordanien tätigen politischen Publizistin Lamis Andoni stimmt er überein, dass ohne die flächendeckende Berichterstattung bei [[Al Jazeera]] oder [[al-Arabiya]] die derzeitigen Umwälzungen kaum vorstellbar wären. Andoni sagte: „Die Satellitenkanäle beteiligen alle an den Ereignissen. Die Leute haben die tunesische und ägyptische Revolution verfolgt und hatten das Gefühl, sie sind selbst dabei. Sie haben praktisch an der Seite von Tunesiern und Ägyptern gekämpft. Sie teilen Freude und Angst, und so wurde ihr Erfolg zum Sieg für alle Araber.“<ref>{{cite news |url=http://www.tagesschau.de/ausland/arabischeraufstand100.html |title=Analyse zur Revolution in Nahost: Arabischer Aufstand - ein Erfolg für die ganze Region |author=Ulrich Leidholdt |work=tagesschau.de |date=2011-02-16 |accessdate=2011-02-19}}</ref>

== Weblinks ==
* {{commonscat|2010–2011 Arab world protests|Proteste in der Arabischen Welt 2010–2011}}
* [http://www.dasdossier.de/schwerpunkt/aufbruch-arabien Aufbruch in Arabien] Presseschau und Hintergrundberichte zum Geschehen auf www.dasdossier.de
* [http://mondediplo.com/2011/02/ Schwerpunkt The Arab wall begins to fall], [[Le Monde diplomatique]] 2/2011
* Kristin Bakke: [http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-02/revolution-theorie-ostblock-aegypten?page=1 Revolutionen sind ansteckend], [[Zeit.de]], 2. Februar 2011.
* Nada Bakri: [http://www.nytimes.com/2011/02/03/world/middleeast/03arab.html?ref=africa Street Battle Over the Arab Future], [[nytimes.com]], 2. Februar 2011.
* [[Slavoj Žižek]]: [http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2011/feb/01/egypt-tunisia-revolt Why fear the Arab revolutionary spirit?], [[The Guardian|guardian.co.uk]], 1. Februar 2011.
* [[Juan Cole]], Nahostexperte und Professor für Geschichte an der University of Michigan: [http://www.juancole.com/2011/02/why-egypt-2011-is-not-iran-1979.html Why Egyt 2011 is not Iran 1979]
* [http://www.politische-bildung.de/tunesien_aegypten.html Unruhen in der arabischen Welt] auf dem Informations-Portal zur politischen Bildung

== Einzelnachweise ==
<references />

[[Kategorie:Arabische Welt]]
[[Kategorie:Konflikt 2011|Arabische Welt]]

[[ar:الاحتجاجات العربية 2010-2011]]
[[az:Ərəb ölkələrində etiraz dalğası (2010-2011)]]
[[bg:Арабски протести (2010-2011)]]
[[ca:Protestes dels països àrabs de 2010–2011]]
[[en:2010–2011 Arab world protests]]
[[es:Protestas en el mundo árabe de 2010-2011]]
[[eu:2010-2011ko arabiar munduko matxinadak]]
[[fa:اعتراضات در شمال آفریقا و غرب آسیا (۲۰۱۰–۲۰۱۱)]]
[[fr:Protestations dans les pays arabes de 2010-2011]]
[[he:גל המחאות בארצות ערב (2011-2010)]]
[[it:Proteste nel mondo arabo del 2010-2011]]
[[ja:2010年-2011年アラブ世界騒乱]]
[[ka:არაბული სამყაროს საპროტესო აქციები (2010-2011)]]
[[ko:2010~2011년 아랍 세계 시위]]
[[mk:Арапски протести (2010-2011)]]
[[nl:Protesten in de Arabische wereld (2010-2011)]]
[[no:Opprøret i den arabiske verden i 2011]]
[[pl:Protesty w krajach arabskich (2010-2011)]]
[[pt:Protestos no mundo árabe em 2010-2011]]
[[ro:Protestele din lumea arabă din 2010–2011]]
[[ru:Волнения в странах арабского мира (2010—2011)]]
[[sv:Protesterna i arabvärlden 2010–2011]]
[[ta:2010-2011 மத்திய கிழக்கு எதிர்ப்புப் போராட்டங்கள்]]
[[tr:2010-2011 Arap dünyası protestoları]]
[[uk:Протести в арабському світі (2010—2011)]]
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[[vi:Biểu tình tại thế giới Ả Rập 2010–2011]]
[[zh:2010-2011年阿拉伯世界的反政府示威]]