Difference between revisions 138799056 and 138799464 on dewiki<!-- Dieser Artikel ist teilweise Gegenstand von heftigen Edit-Wars gewesen und mußte deswegen wiederholt gesperrt werden. Er ist jetzt versuchsweise wieder freigegeben. Alle Änderungen mit inhaltlichem Bezug sollten wegen der anscheinend vorherrschenden Empfindlichkeiten auf der Diskussionsseite begründet werden, möglichst mit Quellenangabe. --> [[Bild: liwa-e-ahmadiyya.png |thumb|Flagge der Ahmadiyya Muslim Jamaat]] Die '''Ahmadiyya''' ([[Urdu]]: {{Ar|احمدیہ|b=Ahmadiyya}}) ist eine [[Glaubensgemeinschaft]], die 23. März [[1889]] von [[Mirza]] [[Ghulam Ahmad]] in [[Qadian]] ([[Indien]]) als Reformbewegung innerhalb des [[Islam]] gegründet wurde. Nachdem sich jedoch 1890 Ghulam Ahmad zum "Mahdi und Messias" erhob und Basheeruddin Mahmood Ahmad, der zweite Kalif der Ahmadiyya, jeden Muslim, der nicht die Prophetie von Ghulam Ahmad anerkannte, zum "[[Kafir]]" erklärte, wurde im April [[1974]] von der [[Islamische Weltliga|Islamischen Weltliga]] in [[Mekka]] eine [[Fatwa]] erlassen, nach der die Ahmadiyya nicht zu der Gemeinschaft des Islam ([[Umma]]) gezählt wird. <ref>[http://www.aboutahmadiyya.com/fatwa.html Fatwas and Statements of Islamic Scholars about Ahmadiyya]</ref> Die Ahmadiyya verbot daraufhin ihren Anhängern hinter Nicht-Ahmadi-[[Imam]]en zu beten oder Ehen außerhalb der Ahmadiyya-Gemeinschaft einzugehen. Die Ahmadiyya teilte sich [[1914]] in die Untergruppen: *'''Ahmadiyya Muslim Jamaat''' (AMJ, {{ar| الجماعة الأحمدية}}) und *'''Lahore Ahmadiyya Movement''' (auch ''Ahmadiyya Anjuman Ishaat-i-Islam Lahore'', AAIIL, {{Ar|أحمدية أنجومان اشاعات الاسلام}}) auf. Die Ahmadiyya grenzt sich scharf von militant-[[Fundamentalismus|fundamentalistischen]] Strömungen des Islam ab und betonen die friedlichen und toleranten Elemente dieser Religion. == Geschichte == Die Ahmadiyya-Bewegung wurde [[1889]] gegründet. [[1891]] verkündete [[Ghulam Ahmad]], der vom Propheten [[Mohammed]] angekündigte [[Mahdi]] zu sein, außerdem behauptete er, dass die prophezeite Wiederkunft von [[Jesus Christus]], [[Krishna]] und [[Buddha]] in seiner Person erfüllt worden sei. Sein gottgegebener Auftrag sei die Vereinigung aller Religionen unter dem Banner des Islam. Nach der Lehre der Ahmadiyya starb Jesus nicht am Kreuz; er wurde gerettet und emigrierte daraufhin unter dem Namen [[Yuz Asaf]] nach Indien, wo er nach einer langen Lehrtätigkeit eines natürlichen Todes starb. In [[Srinagar]], der Hauptstadt [[Kaschmir|Kashmirs]], soll sich sein Grab befinden. Ghulam Ahmad entstammt einer aristokratischen Familie persischer Abstammung. Die Nachfolger von Ghulam Ahmad werden von der AMJ als [[Kalif]]en (Nachfolger eines Propheten) bezeichnet. === Spaltung 1914 === Nach dem Tod des ersten [[Kalif]]en spaltete sich die Gemeinschaft [[1914]] an der Frage, ob das [[Kalifat]] (d.h. die Institution der Nachfolge Ghulam Ahmads) weiterhin Bestand haben sollte, oder ob das Kalifat durch ein Komitee (Anjuman) abgelöst werden sollte, das von nun an die Gemeinschaft verwalten sollte. Die Gruppe, welche das Kalifat ablehnte, errichtete in Lahore eine Art Präsidium (geleitet von einem [[Emir]]). Seitdem ist sie als die '''Lahore Ahmadiyya Movement''' (AAIIL) bekannt. Dr. [[Abdul Karim Saeed Pasha]] ist seit [[2002]] Emir der AAIIL. Die Befürworter des [[Kalifat]]s wählten [[Basheeruddin Mahmood Ahmad]], den ältesten Sohn [[Ghulam Ahmad]]s, zum zweiten Kalifen und somit zum neuen [[spirituell]]en Führer der '''Ahmadiyya Muslim Jamaat''' (AMJ). Die Kalifen der AMJ werden von einem Wahlkomitee auf Lebenszeit gewählt. Seit 2003 ist [[Masroor Ahmad]] als Khalifatul Massih V. das geistliche Oberhaupt der AMJ. Die große Mehrheit der Ahmadis gehört der AMJ an. === Entwicklung in Indien/Pakistan === Nach der Teilung Indiens verlegte die AMJ ihren Hauptsitz [[1954]] von [[Qadian]] ([[Indien]]) nach [[Rabwah]] ([[Pakistan]]). Wegen der sich verschärfenden Verfolgung verlegte der vierte Kalif seinen Sitz [[1984]] nach [[London]]. Rabwah und Qadian gelten aber nach wie vor als die geistlichen Zentren der AMJ. === Entwicklung in Kanada === In [[Calgary]] baut die AMJ für 14 Mio USD die größte [[Moschee]] in [[Amerika (Kontinent)|Amerika]] . === Bekannte Persönlichkeiten === * Sir [[Zafrullah Khan|Muhammad Zafrullah Khan]], Außenminister Pakistans (1947-1954), Präsident der 17. UNO-Generalversammlung (1962-1963) und Präsident des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag (1970-1973). * Dr. [[Abdus Salam]], der erste islamische Nobelpreisträger (1979 in Physik) und Gewinner der Einstein-Medaille der UNESCO (1979) * [[Muzaffar Ahmad]], unter den damaligen Präsidenten der Organisationen, jeweils Direktor der Weltbank (1972-1984) und Geschäftsführer des Internationalen Währungsfonds (1972-1984). * [[Hadayatullah Hübsch]], deutscher Schriftsteller (zahlreiche Lyrikbände und Bücher über den Islam), ehem. Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller in Hessen, Mitglied des Ethikrats Hessen und ehem. Pressesprecher der deutschen AMJ. * [[Iftikhar Janjua]], Generalmajor der pakistanischen Armee und Held von [[Rann von Kutch]] * [[Akhtar Hussain Malik]], Generalleutnant der pakistanischen Armee und Kriegsheld * [[Abdul Ali Malik]], General der pakistanischen Armee * [[Yusef Lateef]], Jazzmusiker === Führung === {| cellpadding="6" style="margin: 0em 0em 0em 0; border: 0px #aaa solid; border-collapse: collapse;" ! || Kalifen der AMJ || || Emire der AAIIL |- ! valign="top" | | valign="top" | # [[Hakeem Maulvi Nooruddin]] ([[1908]]-[[1914]]) # [[Basheeruddin Mahmood Ahmad]] ([[1914]]-[[1965]]) # [[Nasir Ahmad]] ([[1965]]-[[1982]]) # [[Tahir Ahmad]] ([[1982]]-[[2003]]) # [[Masroor Ahmad]] (seit [[2003]]) || | valign="top" | # [[Maulana Muhammad Ali]] ([[1914]]-[[1951]]) # [[Sadr-ud-Din]] ([[1951]]-[[1981]]) # Dr. [[Saeed Ahmad Khan]] ([[1981]]-[[1996]]) # Dr. [[Asghar Hameed]] ([[1996]]-[[2002]]) # Dr. [[Abdul Karim Saeed Pasha]] (seit [[2002]]) |} === Deutschland === AMJ und AAIIL traten etwa zeitgleich in den 20er Jahren missionarisch in Deutschland auf. Die [[1922]] entstandene „Islamische Gemeinde zu Berlin e.V.“ vereinte in den ersten Jahren ihrer Existenz den größten Teil der in der Reichshauptstadt lebenden Muslime. Gläubige aus über vierzig Nationen waren Mitglieder im Verein. Ab dem Jahre [[1930]] führte die Moscheegemeinde den Namen ''„Deutsch-Muslimische Gesellschaft e.V.”''. Mit dieser Umbenennung war ein ungewöhnliches Programm verbunden: Die neue Gemeinschaft nahm auch Christen und Juden als Mitglieder auf. <ref>[http://www.way-to-allah.com/themen/DeutscherIslam.html Zwischen Preussenadler und Hakenkreuz - Islam in Deutschland von 1739-1945]</ref> Am 9. Oktober [[1924]] legte die AAIIL in [[Berlin]] den Grundstein der [[Wilmersdorfer Moschee]]. Die älteste erhaltene [[Moschee]] Deutschlands wurde am 26. April [[1925]] eröffnet. Die Moschee-Gemeinde gab von 1924 bis 1940 die Zeitschrift ''„Moslemische Revue”'' heraus, und ihr Imam [[Sadr-ud-Din]] legte [[1939]] die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer Feder vor. Aufgrund der [[Weltwirtschaftskrise]] mussten die Missionare wieder nach Indien zurückkehren. Die „Islamische Gemeinde Berlin“ bzw. die Moschee wurde von einheimischen Muslimen weiter betreut. Nach dem Krieg gründete die AMJ [[1949]] die erste Lokalgemeinde in [[Hamburg]] durch einen Missionar aus der [[Schweiz]] und baute die Moscheen in Hamburg ([[1957]]) und Frankfurt/Main ([[1959]]). Als Förderverein für die Wilmersdorfer Moschee entstand am 17. November [[1990]] die ''Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e.V.''. Am 9. August [[1955]] gründete die AMJ in Hamburg den Verein ''Ahmadiyya Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland e.V.'' Im Jahre [[1969]] verlegte sie den Vereinssitz nach Frankfurt am Main und nennt sich seit [[1988]] ''Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e.V.'' Im Jahre [[2002]] kaufte sie ein Industrieareal in [[Frankfurt-Bonames]] für die neue Zentrale, das ''Baitus Sabuh'' genannt wird. Die AAIIL hat in Deutschland ihren Sitz in der ''Wilmersdorfer Moschee'' in [[Berlin]]. <ref>AAIIL: [http://berlin.ahmadiyya.org/ Die Berliner Moschee und die deutsche Mission]</ref> {| cellpadding="6" style="margin: 0em 0em 0em 0; border: 0px #aaa solid; border-collapse: collapse;" ! || <b>Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland</b> || || <b>AAIIL-Geschäftsführer Deutschland</b> |- ! valign="top" | | valign="top" | {{Lückenhaft| * "missionary incharge" und "national amir" in Deutschland.}} #Mubarak Ali Bengali, Imam (1922 - 1924) #Malik Ghulam Farid, Imam (1923 - 1924) #Chaudhry Abdul Latif (1949 - ?) #F. I. Anweri, Imam (? - ?) #[[Abdullah Wagishauser|Abdullah Uwe Wagishauser]], Emir (seit 1984) <ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/muslim/person/abdullah_wagishauser.html Emir Abdullah Wagishauser]</ref><br />Haidar Ali Zaffar, Imam (seit ?) || | valign="top" | # Sadr-ud-Din, Imam (Gründer) (1922) # Abdul Majid, Asstt. Imam (1921) # Fazal Karim Durrani, Imam (1925) # Dr. S. Muhammad Abdullah, Imam (1928) # Dr. Mirza Aziz-ur-Rahman, Asist. Imam (1933) # Dr. Nazir-ul-Islam, Asist. Imam (1938) # Fr. Amina Mosler, Hausmeisterin (1937) # Br. [[Mohammed Aman Hobohm]], Imam (1949) # Mr. Abdul Aziz Khan, Acting Imam (Februar 1959) # Maulana Muhammad Yahya Butt, Imam (November 1959) # Saeed Ahmad Chaudhry, Imam (1987) # Abdul Aziz, zweiter Imam (1989) # A.S. Abdul Santoe, kommissarischer Imam (seit [[2002]]) <ref>AAIIL: [http://berlin.ahmadiyya.org/berlin-mission-june06.pdf Die Berliner Moschee der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore).<br />Geschichte und Gegenwart einer internationalen islamischen Gemeinschaft in Berlin.] (Juni 2006)</ref> |} === Schweiz === Am 13. Oktober [[1946]] trafen drei Missionare der AMJ, [[Sheikh Nasir Ahmad]], Abdul Latif und Ghulam Ahmad Bashir in [[Zürich]] ein. Eigentlich sollte in Deutschland eine islamische Missionsstelle eröffnet werden, doch waren Einreisegenehmigungen nach Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren kaum zu erhalten. Nach einiger Zeit reisten Abdul Latif und Ghulam Ahmad Bashir in die [[Niederlande]]. Der Grundstein der Mahmud-Moschee wurde am 25. August [[1962]] durch Amatul Hafeez Begum, Tochter des Gründers Ghulam Ahmad, gelegt. Sie wurde am 22. Juni [[1963]] durch den seinerzeitigen Präsidenten der 17. Session der UNO-Generalversammlung, Sir [[Zafrullah Khan]] eröffnet, in Anwesenheit des Stadtpräsidenten von Zürich, Dr. Emil Landolt. Zur Zeit ist eine zweite Moschee in [[Wigoltingen]] in Planung. Die Mahmud Moschee ist die erste Moschee des Landes und die Zentrale der AMJ Schweiz. Die Gemeinde hat etwa 500 Mitglieder und ihr Emir ist Walid Tariq Tarnutzer. <ref>Webseite Schweiz: http://www.ahmadiyya.ch</ref> :<b>Missionarleiter</b> #[[Sheikh Nasir Ahmad]] (1946 - 1962) #Mushtaq Ahmad Bajwa (1962 - 1975) #N.N. (1975 - 1997) #Sheikh Nasir Ahmad (1997 - 2000) #Ahmed Sadaqat (2001 - heute) Bis [[1962]] wurden in der Schweiz drei bedeutsame Schwerpunktaufgaben bewältigt: Die erste Auflage der arabisch-deutschen Ausgabe des Korans 1954, die Gründung und Herausgabe der Zeitschrift „Der Islam“ und der Bau einer Moschee. === Österreich === In [[Österreich]] hat die AMJ etwa 30 Mitglieder über das Land verstreut und wird von Dr. Muhammad Jalal Shams geleitet. Eine Kontaktadresse besteht in [[Wien]]. <ref>Webseite Österreich: http://www.ahmadiyya.at</ref> == Lehre == Ahmadis teilen die zentralen Werte des [[Islam]] ([[Gebet]], [[Almosen]], [[Fasten]], ...). Die Lehre der Ahmadiyya unterscheidet sich von der des orthodoxen Islam in folgenden Punkten. Besonders die Frage der Nachfolge der Prophetentum [[Mohammed]]s provoziert die Feindseligkeit der Muslime zur Ahmadiyya. Ahmadiyya unterscheidet sich vom orthodoxen Islam in folgendem: * Der Koran enthält keine Widersprüche und es sind keine seiner [[Ayat]] aufgehoben ([[Abrogation]]), und der Koran hat Vorrang über [[Hadith]] und [[Tradition]]en. Das bedeutet, dass kein Koranvers einem anderen widerspricht und kein Hadith kann Versen des Koran widersprechen. Hadith, die im Widerspruch zum Koran stehen, werden von Ahmadis nicht akzeptiert. <ref>AAIIL: [http://www.aaiil.org/text/hq/sermons/mali/godwordjews.shtml#abrog Abrogation]</ref> * Jesus Christus, der am Kreuz hing, überlebte und wurde genesen in einer Grabkammer. Er starb in [[Kaschmir]], nachdem er die „[[Verlorene Stämme Israels|Verlorenen Stämme Israels]] “ gesucht hat. <ref>AAIIL: [http://www.aaiil.org/uk/newsletters/2001/1001ukbulletin.pdf Bulletin 2001]</ref> Er hat auch die Ankunft des Propheten Mohammeds vorhergesagt, was Christen als „Heiliger Geist“ missverstanden. * Der (kriegerische) [[Dschihad]] darf nur zur Verteidigung in extremen Situationen von religiöser Verfolgung, nicht aber als politische Waffe oder als Vorwand für die Eroberung fremder Territorien geführt werden. <ref>AAIIL: [http://www.aaiil.org/text/articles/others/truemeaningjihad.shtml True Meaning of Jihad]<br />AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/library/jihaad-wahres_konzept.html Wahrheit über Jihaad - Das tatsächliche islamische Konzept]</ref> Die Auswanderung ist dem Kampf vorzuziehen. (Sure 8:72, 22:58) * Der „Messias“ und „Mahdi“ ist ein und dieselbe Person und der Islam wird den Anti-Christ ([[Dajjal]]) besiegen in einer ähnlich langen Zeitspanne, die das werdende Christentum brauchte sich zu etablieren (300 Jahre). Muslime glauben, dass Jesus Christus leibhaftig in den „Letzten Tagen“ vom Himmel steigen wird, um „das Schwein zu töten und das Kreuz zu brechen“ – und dies in wörtlicher Weise –, um den Islam wiederzubeleben. Ahmadis glauben, dass die „Wiedergeburt“ des Islam durch eine spirituelle Erneuerung stattfindet (Töten des Schweins), und der Sieg über das Christentum durch die Kraft der Argumente (Brechen des Kreuzes) erreicht wird. <ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/library/ausgewaehlte_hadith/29.html Ausgewählte Hadith]</ref> === Glaubensartikel === Die Glaubensartikel der Ahmadiyya Bewegung stimmen mit dem Islam dahingehend überein, dass der Koran das Wort Gottes ist, das die Menschen führt und leitet, und dass der Prophet Mohammed die vollkommene Verkörperung der islamischen Lehren war, dessen Beispiel ([[Sunna]]) jeder Muslim für alle Zeit nacheifern soll. Jedoch bringt jedes neue Zeitalter neue Herausforderungen mit sich, und mit der Zeit geht auch das ursprüngliche Verständnis der Religion stückweise verloren. Aus diesem Grunde hat Gott den Muslimen versprochen, die Religion von Zeit zu Zeit zu erneuern bzw. zu reformieren. Die gottgewollte Aufgabe eines [[Mudschaddid]]s (Erneuerer [der Religion]) ist es, die ursprünglichen Lehren der Religion wiederherzustellen, neue Wahrheiten aus dem Koran hervorzuholen, die den Nöten, Herausforderungen und Zweifeln des neuen Zeitalters begegnen und den lebendigen Glauben im Herzen der Muslime durch das neue Wissen, die religiöse Erfahrung und die göttlichen Zeichen zu erwecken, die dem Mudschaddid von Gott gewährt werden. *Der Islam ist '''international'[[Bild: liwa-e-ahmadiyya.png |thumb|{{FIAV|100000|1}}{{FIAV|normal}} Liwa-e-Ahmadiyyat (''Fahne der Ahmadiyyat'')<br />Seitenverhältnis: 1:2<ref>Symbolik: „Nach den [[Sunna]] wird der [[Mahdi]] in den Letzten Tagen mit einer schwarzen Fahne erscheinen.“<br />Lexikon des Islam, S. 678, Th. P. Hughes, Orbis-Fourier 1995. </ref>]] Die '''Ahmadiyya''' ([[Urdu]]: {{Ar|احمدیه|b=Ahmadiyya}}) ist eine [[Glaubensgemeinschaft]], die [[Mirza Ghulam Ahmad]] 1889 in [[Indien]] als Reformbewegung innerhalb des [[Islam]]s gründete. Sie teilte sich 1914 in die Untergruppen ''Ahmadiyya Muslim Dschamaat'' (AMJ = Ahmadiyya Muslim Jamaat, {{ar| الجماعة الأحمدية}}) und ''Lahore Ahmadiyya Movement'' (auch ''Ahmadiyya Anjuman Ischat-i-Islam Lahore'', AAIIL, {{Ar|أحمدية أنجمن اشاعت اسلام}}) auf. == Geschichte == [[Bild:Mirza Ghulam Ahmad.jpg|thumb|[[Mirza Ghulam Ahmad]], Begründer der Ahmadiyya]] Mirza Ghulam Ahmad gründete die Ahmadiyya-Bewegung am 23. März 1889 in [[Qadian]]. Er trat als islamischer Erneuerer ([[Mudschaddid]]) auf. Ihren Namen erhielt die Glaubensgemeinschaft anlässlich einer Volkszählung im Jahr 1901, als Ahmad seinen Anhängern empfahl, sich als Ahmadi-Muslime registrieren zu lassen. Volkstümlich wurde sie bis dahin als Qadiani oder Mirzai bezeichnet. Ahmad bezeichnete sich ab 1891 als der vom Propheten [[Mohammed]] angekündigte [[Mahdi]] und verstand sich als die prophezeite Wiederkunft von [[Jesus Christus]], [[Krishna]] und [[Buddha]] in einer Person. Sein gottgegebener Auftrag sei die Vereinigung aller Religionen unter dem Banner des Islam.<ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/library/botschaft_100_jahrfeier.html Botschaft zur Hundertjahrfeier], [http://www.ahmadiyya.de/library/islamischeRedeDeutschland.html Eine islamische Rede an Deutschland]</ref> Ahmad entstammt einer aristokratischen Familie persischer Abstammung. Seine Nachfolger werden von der AMJ als [[Khalifat-ul Massih]] (Nachfolger des Messias) bezeichnet. === Teilung 1914 === Nach dem Tod des ersten [[Kalif]]en spaltete sich die Gemeinschaft 1914 an der Frage, ob das [[Kalifat]] (d. h. die Institution der Nachfolge Mirza Ghulam Ahmads) weiterhin Bestand hat, oder nur noch ein Komitee (Anjuman), das von nun an die Gemeinschaft verwalten sollte. Auch soll es Meinungsverschiedenheiten über den Alleinvertretungsanspruch der Ahmadiyya gegeben haben. <ref name="eslam">Enzyklopädie des Islam: Ahmadiyya</ref> #Die Befürworter des Kalifats wählten [[Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad]], den ältesten Sohn Mirza Ghulam Ahmads, zum zweiten Kalifen und somit zum neuen geistigen Führer der ''Ahmadiyya Muslim Dschamaat'' (AMJ). Ein Komitee (Anjuman) gibt es trotzdem noch. #Die Gruppe, welche das Kalifat ablehnt, errichtete in Lahore ein von einem [[Emir]] geführtes Präsidium (AAIIL). Seitdem sind beide Gruppen auch unter den Bezeichnungen ''Qadiani'' (AMJ) und ''Lahori'' (AAIIL) bekannt. Die Kalifen der AMJ werden von einem [[Khalifat-ul Massih|Wahlkomitee]] auf Lebenszeit gewählt. Seit 2003 ist [[Mirza Masrur Ahmad]] als Khalifat-ul Massih V. das geistliche Oberhaupt der AMJ. Die Mehrheit der Ahmadis gehört der AMJ an, während die AAIIL in ihrem Bestand gefährdet ist.<ref>[[Muniruddin Ahmed]]: [http://munirdahmed.netfirms.com/Ahmadiyya.htm Geschichte und Lehre der Ahmadiyya]</ref> === Indien/Pakistan === Nach der Teilung des indischen Subkontinents mussten die Ahmadi-Muslime 1947 [[Qadian]] verlassen. Zum Schutz ihrer Institutionen, Lehranstalten, Bibliotheken, Druckereien, Friedhof usw. ließen sie 313 Ahmadis, genannt Derwischan-e-Qadian, zurück. Das Hauptzentrum wurde vorübergehend nach [[Lahore]] verlegt. Von der pakistanischen Regierung kaufte die Bewegung ein Stück Ödland <ref>AMJ: „Der Islam“, Jubiläumsausgabe 1989, S. 22</ref> wo sie am 20. September 1948 den Grundstein für die Stadt [[Rabwah]] legte. September 1949 wurde der Hauptsitz dann nach Rabwah verlegt.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/history/ahmadiyya/65.html A Brief History of Ahmadiyya Movement In Islam]</ref> Wegen der sich verschärfenden Verfolgungssituation in Pakistan verlegte [[Mirza Tahir Ahmad]], der vierte Khalifat-ul Massih, den Sitz 1984 nach [[London]]. Rabwah und Qadian gelten aber nach wie vor als die geistlichen Zentren der AMJ. === Europa === ;Deutschland AMJ und AAIIL traten etwa zeitgleich in den 20er Jahren missionarisch in Deutschland auf. Die 1922 entstandene ''Islamische Gemeinde zu Berlin e. V.'' vereinte in den ersten Jahren ihrer Existenz den größten Teil der in der Reichshauptstadt lebenden Muslime. Gläubige aus über vierzig Nationen waren Mitglieder im Verein. Ab dem Jahre 1930 führte die Moscheegemeinde den Namen ''Deutsch-Muslimische Gesellschaft e. V.''. Mit dieser Umbenennung war ein ungewöhnliches Programm verbunden: Die neue Gemeinschaft nahm auch Christen und Juden als Mitglieder auf.<ref>[http://www.way-to-allah.com/themen/DeutscherIslam.html Zwischen Preussenadler und Hakenkreuz – Islam in Deutschland von 1739 bis 1945]</ref> Am 9. Oktober 1924 legte die AAIIL in [[Berlin]] den Grundstein für die [[Wilmersdorfer Moschee]]. Die älteste erhaltene Moschee Deutschlands wurde am 26. April 1925 eröffnet und war zunächst unter dem Namen „Berliner Moschee“ bekannt. Die Moschee-Gemeinde gab von 1924 bis 1940 die Zeitschrift ''Moslemische Revue'' heraus, und ihr Imam [[Sadr-ud-Din]] legte 1939 die erste deutsche Koranübersetzung aus muslimischer Feder vor. Aufgrund der [[Weltwirtschaftskrise]] mussten die Missionare wieder nach Indien zurückkehren. Die „Islamische Gemeinde Berlin“ bzw. die „Berliner Moschee“ wurde von deutschen Muslimen weiter betreut. Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] gründete [[Sheikh Nasir Ahmad]] von 1946 bis 1962 Missionsstellen im deutschsprachigen Raum. Es wurde ihm von der Alliierten Besatzungsmacht gestattet, Deutschland von der [[Schweiz]] aus zu bereisen. In [[Hamburg]] entstand eine kleine Ahmadiyya-Gemeinde, die am 11. Juni 1948 vom Missionar Ahmad erstmals besucht wurde. Am 27. April 1949 sendete der [[Nordwestdeutscher Rundfunk|NWDR]] Hamburg einen Vortrag von S. N. Ahmad, die wahrscheinlich erste Rundfunksendung Deutschlands zum Thema Islam. Schließlich erhielt die AMJ die Genehmigung für eine feste Missionsstelle und am 20. Januar 1949 übernahm Missionar Abdul Latif die Leitung der ersten Lokalgemeinde in Hamburg.<ref>AMJ: ''Der Islam'', Jubiläumsausgabe 1989, S. 33</ref> Bald wurde eine eigene Koran-Übersetzung auf Deutsch herausgebracht (1954)<ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/der-heilige-qur-an/deutsche-ubersetzung/ Deutsche Koranübersetzung]</ref> und zwei Moscheen in Westdeutschland gebaut, die [[Fazle-Omar-Moschee]] in Hamburg (1957) und die [[Nuur-Moschee]] in Frankfurt/Main (1959). Als Förderverein für die Wilmersdorfer Moschee (AAIIL) entstand am 17. November 1990 die ''Gesellschaft zur Erhaltung der Moschee e. V.''. Am 9. August 1955 gründete die AMJ in Hamburg den Verein ''Ahmadiyya Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland e. V.'' Im Jahre 1969 verlegte sie den Vereinssitz nach Frankfurt am Main und nennt sich seit 1988 ''Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e. V.'' Im Jahre 2002 wurde ein Industrieareal in [[Frankfurt-Bonames]] gekauft und für die neue Zentrale in Deutschland mit dem Namen ''Baitus Sabuh'' (Haus des sehr Reinen) umgebaut. Die AAIIL hat in Deutschland ihren Sitz in der ''Wilmersdorfer Moschee'' in [[Berlin]].<ref>AAIIL: [http://berlin.ahmadiyya.org/ Die Berliner Moschee und die deutsche Mission]</ref> {| cellpadding="6" style="margin: 0em 0em 0em 0; border: 0px #aaa solid; border-collapse: collapse;" ! || '''AMJ-Emire Deutschland''' || || '''AAIIL-Geschäftsführer Deutschland''' |- ! valign="top" | | valign="top" | #Mubarak Ali Bengali, Imam (1922–1924) #Malik Ghulam Farid, Imam (1923–1924) #Chaudry Abdul Latif (1949–1967) #Fazal Ilahi Anweri, Imam (Juni 1964–Dezember 1967) #N.N., Imam (1967–1972) #Fazal Ilahi Anweri, Imam (September 1972 – Januar 1977) #Nawab Mansoor Khan, Imam (1977–1984) #Alhaj Attaullah Kaleem (1990er) #[[Abdullah Wagishauser|Abdullah Uwe Wagishauser]], erster Amir von Deutschland (seit 1984) <ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya-muslim-jamaat-im-islam/themen---personlichkeiten/abdullah-wagishauser.html Emir Abdullah Wagishauser]</ref><br />Haider Ali Zafar, Imam (seit 1973) || | valign="top" | # Abdul Majid, Asstt. Imam (1921) # [[Sadr-ud-Din]], Imam (Gründer) (1922) # Fazal Karim Durrani, Imam (1925) # Dr. S. Muhammad Abdullah, Imam (1928) # Dr. Mirza Aziz-ur-Rahman, Asist. Imam (1933) # Dr. Nazir-ul-Islam, Asist. Imam (1938) # Fr. Amina Mosler, Hausmeisterin (1937) # Br. [[Mohammed Aman Hobohm]], Imam (1949) # Mr. Abdul Aziz Khan, Acting Imam (Februar 1959) # Muhammad Yahya Butt, Imam (November 1959) # Saeed Ahmad Chaudry, Imam (1987) # Abdul Aziz, zweiter Imam (1989) # A.S. Abdul Santoe, kommissarischer Imam (seit 2002) <ref>AAIIL: [http://berlin.ahmadiyya.org/berlin-mission-june06.pdf Die Berliner Moschee der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore).<br />Geschichte und Gegenwart einer internationalen islamischen Gemeinschaft in Berlin.] (Juni 2006)</ref> |} ;Schweiz [[Bild:Mahmud_Moschee1.jpg|thumb|Mahmud Moschee in Zürich]] Am 13. Oktober 1946 trafen drei Missionare der AMJ, Sheikh Nasir Ahmad, Abdul Latif und Ghulam Ahmad Baschir in [[Zürich]] ein. In Deutschland sollte eine islamische Missionsstelle eröffnet werden, jedoch waren Einreisegenehmigungen nach Deutschland in den ersten Nachkriegsjahren kaum zu erhalten. Daher reisten wenig später Abdul Latif und Ghulam Ahmad Baschir in die [[Niederlande]]. Der Grundstein der [[Mahmud-Moschee]] wurde am 25. August 1962 durch Amatul Hafiz Begum, Tochter des Gründers Mirza Ghulam Ahmad, gelegt. Sie wurde am 22. Juni 1963 durch Sir [[Muhammad Zafrullah Khan]], den damaligen Präsidenten der 17. UNO-Generalversammlung, eröffnet, in Anwesenheit des Stadtpräsidenten von Zürich, Dr. Emil Landolt. Zurzeit ist eine zweite Moschee in [[Wigoltingen]] in Planung. Die Mahmud-Moschee in Zürich ist die erste Moschee in der Eidgenossenschaft und die Zentrale der AMJ Schweiz. Die Gemeinde hat etwa 500 Mitglieder und ihr Emir ist Walid Tariq Tarnutzer. Bis 1962 wurden in der Schweiz drei bedeutsame Schwerpunktaufgaben bewältigt: Die erste Auflage der arabisch-deutschen Ausgabe des Korans (1954), die Gründung und Herausgabe der Zeitschrift „Der Islam“ und der Bau einer Moschee. ;Missionarleiter * 1946-1962: [[Sheikh Nasir Ahmad]] * 1962-1972: Muschtaq Ahmad Bajwa * 1972-1977: Maulana Fazal Ilahi Anweri * 1977-1997: Nasim Mahdi * 1997-2000: Sheikh Nasir Ahmad * seit 2001: Ahmed Sadaqat <ref>[http://www.blick.ch/news/schweiz/artikel30927 Der friedliche Imam von Zürich], Blick Online vom 3. Februar 2006</ref> ;Österreich Von der Schweiz aus wurde die Missionstätigkeit auch in Österreich entfaltet. In Wien und anderen Orten entstanden neue Gemeinden, die von Sheikh Nasir Ahmad betreut wurden.<ref>AMJ: „Der Islam“, Jubiläumsausgabe 1989, S. 34</ref> Heute hat die AMJ in [[Österreich]] etwa 80 Mitglieder. Diese sind über das Land verstreut und werden von Muhammad Jalal Shams geleitet. Eine Kontaktadresse besteht in [[Wien]]. === Kanada === Am 17. Oktober 1992 wurde in Anwesenheit des 4. Khalifat-ul Massih und vielen Regierungsmitgliedern in der Nähe von [[Toronto]] die ''Baitul Islam-Moschee'' (Haus des Islam) eröffnet.<ref>[http://www.nytimes.com/2007/11/18/realestate/18nati.html Building an Enclave Around a Mosque in Suburban Toronto]</ref> Umliegende Gemeinden erklärten den 16. bzw. 17. Oktober 1992 zum ''Ahmadiyya-Moschee Tag'' und die Woche vom 16. bis 23. Oktober 1992 zur ''Ahmadiyya-Moschee Woche''. In [[Calgary]] baut die AMJ für 14 Mio. USD die größte Moschee in [[Amerika (Kontinent)|Amerika]].<ref>[http://www.worldarchitecturenews.com/index.php?fuseaction=wanappln.projectview&upload_id=1825 Canada's largest mosque under construction]</ref> In East Mississauga gibt es eine theologische Ausbildungsstelle für Ahmadiyya-Missionare. <ref name="jamia_ca">[http://www.jamiaahmadiyya.ca/ Jamia Ahmadiyya Canada], [http://www.ahmadiyya.ca/jamia.php Jamia Ahmadiyya Canada]</ref> == Lehre == Ahmadi-Muslime teilen die zentralen Werte des [[Islam]] ([[Gebet]], [[Almosen]], [[Fasten]], …). Insbesondere die Frage, ob es weitere Propheten nach Mohammed gäbe, spaltet die Muslime und Ahmadiyya. Ahmadiyya unterscheidet sich vom [[Orthodoxie|orthodoxen]] Islam in folgendem: * Der Koran enthält keine Widersprüche und es sind keine seiner [[Ayat]] aufgehoben ([[Abrogation]]), und der Koran hat Vorrang über [[Hadith]] und [[Tradition]]en. Das bedeutet, dass kein Koranvers einem anderen widerspricht und kein Hadith kann Versen des Korans widersprechen. Hadithe, die im Widerspruch zum Koran stehen, werden von der Ahmadiyya nicht akzeptiert, da sie im Gegensatz zum Koran nicht als Gottes Wort gelten.<ref>AAIIL: ''[http://www.aaiil.org/text/hq/sermons/mali/godwordjews.shtml#abrog God’s Word and the Turning Away of the Jews – The Matter of Abrogation]''.</ref> * Jesus Christus, der am Kreuz hing, habe überlebt und sei in einer Grabkammer genesen. Unter dem Namen [[Yuz Asaf]] sei er daraufhin nach [[Kaschmir]] emigriert, wo er die „[[Verlorene Stämme Israels|Verlorenen Stämme Israels]]“ gesucht habe. Nach einer langen Lehrtätigkeit sei er eines natürlichen Todes gestorben. Das Grab von Yuz Asaf befinde sich in [[Srinagar]], der Hauptstadt Kaschmirs.<ref>AAIIL: ''[http://www.aaiil.org/uk/newsletters/2001/1001ukbulletin.pdf Bulletin 2001]''.</ref> Er habe auch die Ankunft des Propheten Mohammeds vorhergesagt, was Christen als „Heiliger Geist“ missverstanden hätten. * Der (kriegerische) [[Dschihad]] darf nur zur Verteidigung in extremen Situationen von religiöser Verfolgung, nicht aber als politische Waffe oder als Vorwand für die Eroberung fremder Territorien geführt werden.<ref>AMJ: ''[http://www.ahmadiyya.de/library/jihaad-wahres_konzept.html Wahrheit über Jihaad – Das tatsächliche islamische Konzept]''.</ref><ref>AAIIL: ''[http://www.aaiil.org/text/articles/others/truemeaningjihad.shtml True Meaning of Jihad]''.</ref> Die Auswanderung ist dem Kampf vorzuziehen. (Sure 8:72, 22:58) * Der „Messias“ und „Mahdi“ sind ein und dieselbe Person und der Islam wird den Anti-Christ ([[Daddschal]]) besiegen in einer ähnlich langen Zeitspanne, die das werdende Christentum brauchte sich zu etablieren (300 Jahre).<ref>Hadayatullah Hübsch: [http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/ahmadiyyat/islam_forum/was_will_der_islam.html Was will der Islam?], in: „Der Islam“ September 1998</ref> Muslime glauben, dass Jesus leibhaftig in den „Letzten Tagen“ vom Himmel steigen wird, um „das Schwein zu töten und das Kreuz zu brechen“ – und dies in wörtlicher Weise –, um den Islam wiederzubeleben. Ahmadis glauben, dass die „Wiedergeburt“ des Islam durch eine spirituelle Erneuerung stattfindet (Töten des Schweins), und der Sieg über das Christentum durch die Kraft der Argumente (Brechen des Kreuzes) erreicht wird.<ref>AMJ: ''[http://www.ahmadiyya.de/library/ausgewaehlte_hadith/29.html Ausgewählte Hadith]''.</ref> === Glaubensartikel === Die Glaubensartikel der Ahmadiyya-Bewegung definieren übereinstimmend mit der islamischen Orthodoxie den Koran als [[Wort Gottes]], das die Menschen führt und leitet, und den Propheten Mohammed als vollkommene Verkörperung der islamischen Lehren, dessen Beispiel ([[Sunna]]) jeder Muslim nacheifern soll. Jedoch bringt jedes neue Zeitalter neue Herausforderungen mit sich, und mit der Zeit geht auch das ursprüngliche Verständnis der Religion stückweise verloren. Aus diesem Grunde hat Gott den Muslimen versprochen, die Religion von Zeit zu Zeit zu erneuern bzw. zu reformieren. Die gottgewollte Aufgabe eines [[Mudschaddid]]s (Erneuerer der Religion) ist es, die ursprünglichen Lehren der Religion wiederherzustellen, neue Wahrheiten aus dem Koran hervorzuholen, die den Nöten, Herausforderungen und Zweifeln des neuen Zeitalters begegnen und den lebendigen Glauben im Herzen der Muslime durch das neue Wissen, die religiöse Erfahrung und die göttlichen Zeichen zu erwecken, die dem Mudschaddid von Gott gewährt werden. *Der Islam ist ''international''. :Gott hat seine [[Prophet]]en unter allen Völkern berufen, nicht nur unter den [[Israel]]iten (wie bereits unter Muslimen allgemein anerkannt) sondern auch in Indien, China, Persien usw. Ein Muslim muss an all diese Propheten glauben, sie respektieren und an ihre Schriften glauben. Der Islam stellt die ursprüngliche Reinheit der von ihnen gelehrten ewigen Wahrheit wieder her und erweitert die Gültigkeit der nationalen Lehren, um einen universellen Glauben für alle Menschen bereitzustellen. [[Tugend]]/[[Frömmigkeit]], gute Menschen und [[Wahrheit]] kann in allen Völkern gefunden werden. Gott ist gleich für alle Menschen, unabhängig ihrer [[Nationalität]], [[Rasse]] oder [[Religion]]. *Der Islam ist '''tolerant'''. :Er gibt jedem Mensch die völlige [[Freiheit]] einen [[Glaube]]n und eine [[Religion]] anzunehmen, zu vertreten und auszuüben. Unterschiede im Glauben und Interpretation, mit wem sie auch bestehen mögen, müssen [[Toleranz|toleriert]] werden. [[Kritik]] gegen den Islam darf nur mit Worten beantwortet werden, jede empfundene Beleidigung muss mit Geduld ausgehalten werden; die Antwort mit [[Gewalt]] ist den Lehren des Islam fremd. Die allgemeine Vorstellung des Islam als eine [[Intoleranz|intolerante]] Religion ist völlig falsch. *Der Islam ist '''friedfertig'''. :Er verurteilt jeglichen Gebrauch von [[Gewalt]] mit Ausnahme von unvermeidbarer [[Selbstverteidigung]]. Alle Schlachten des frühen Islam waren reine Verteidigungskämpfe. Muslime müssen unter jeder [[Gesellschaftsform]] friedlich leben, die ihnen [[Religionsfreiheit]] gewährt. Der Eindruck, dass der Islam seine Anhänger auffordere Krieg zu führen oder zu rebellieren, um ihre eigene Gesellschaftsform zu etablieren, ist vollkommen falsch. Das Konzept des [[Dschihad]] wird weitreichend missverstanden: es bedeutete zu allererst eine [[Spiritualität|spirituelle]], intellektuelle und [[Moral|moralische]] Anstrengung sich selbst zu verbessern und dann auch andere. *Der Islam ist '''nicht sektiererisch'''. :Jeder Mensch, der die [[Schahada|Kalima]] (den Spruch „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist Sein Gesandter“) bekennt, muss wie ein Bruder der Muslime behandelt werden. Es ist keine [[Inquisition]] (Befragung, Untersuchung) hinsichtlich Überzeugungen oder (Glaubens)Motive erlaubt. Sogenannte Entscheidungen, die unter gewissen Umständen Menschen aus dem Islam [[Exkommunikation|exkommunizieren]], die die Kalima bekennen, stehen vollkommen entgegen der islamischen Lehre. *Der Islam ist '''rational'''. :Er verlangt nachdrücklich den Gebrauch der [[Vernunft]] und des [[Wissen]]s in allen Dingen, auch in religiösen Angelegenheiten. Der Islam gründet all seine Lehren auf Argumente und Tatsachen. Der Koran muss im Lichte des Wissens, der [[Wissenschaft]] und der Vernunft studiert werden. Blinde Gefolgschaft gegenüber religiösen Führern wird verworfen, die gedankenlose Nachahmung wird nicht empfohlen und die Freiheit des Denkens gewährt. *Der Islam ist '''lebendig'''. :Sein [[Gottesdienst]] besteht nicht aus Ritualen, die ohne zu Denken und ohne Gefühle zu vollziehen sind. Seine Bedeutung liegt darin, die menschliche Seele in Kontakt mit einem lebendigen Gott zu bringen. Muslime müssen den Zweck von [[Gebet]] und [[Fasten]] kennen und sie dann in ihrem wahren Geist ausüben. Gott hört die Bitten der Menschen und antwortet ihren Gebeten. Zu allen Zeiten gab es Heilige, die (eine besondere) Nähe zu Gott hatten und [[Offenbarung]]en erhielten. Ihr Beispiel zeigt uns, dass es einen lebendigen Gott gibt, der sich der Menschheit mitteilt. *Der Islam ist '''progressiv'''. :Der Koran offenbart ständig neue Schätze des [[Wissen]]s als Antwort auf die neuen Probleme, [[Philosophie]]n und Gedanken jedes Zeitalters. *Der Islam '''unterstützt die Frauen'''. :Eine große Menge an Missverständnissen haben sich an diesem Punkt durchgesetzt, hauptsächlich weil lokale [[Tradition]]en mit den Lehren des Islam vermischt wurden. Nach islamischen Verständnis ist die Frau ein vollständiges und selbstständiges menschliches Wesen, so wie der Mann auch. Sie sollte dieselbe Entscheidungsgewalt über ihr Leben haben (einschließlich [[Heirat]]s- und [[Scheidung]]sangelegenheiten) wie sie der Mann über sein Leben hat. *Der Islam lehrt '''höchste Sittlichkeit'unterstützt die Frauen''. :Eine große Menge an Missverständnissen haben sich an diesem Punkt durchgesetzt, hauptsächlich weil lokale [[Tradition]]en mit den Lehren des Islam vermischt wurden. Nach islamischem Verständnis ist die Frau ein vollständiges und selbstständiges menschliches Wesen, so wie der Mann auch. Sie sollte dieselbe Entscheidungsgewalt über ihr Leben haben (einschließlich [[Islamische Ehe|Heirats- und Scheidungsangelegenheiten]]) wie sie der Mann über sein Leben hat. *Der Islam lehrt ''höchste Sittlichkeit''. :Er verlangt von den Muslimen die persönlich höchsten moralischen Fähigkeiten zu entwickeln, und diese noble Gesinnung zu zeigen auch auf Kosten von persönlichen und nationalen Interessen. Die islamische Gesellschaft wird nicht geschaffen indem Menschen Gesetze und Regeln auferlegt werden. Sie wird allein durch die Reformierung des Charakters von Individuen mittels moralischer Übung und gutem Beispiel/Vorbild erreicht. Und das ist genau das, was der Prophet Mohammed tat. *Der Islam '''gewinnt die Herzen'''. :Er trachtet danach, die Herzen und Sinne der Menschen auf einfühlsame, liebevolle Weise, durch Vernunftargumente und moralische Aufrufe zu gewinnen. Er verurteilt [[Fanatismus]], Zwang und Intoleranz als Mittel zur Verbreitung des Glaubens. Weder wurde der Islam je durch Zwang verbreitet, noch wird sein prophezeiter Triumph durch solche Mittel herbeigeführt werden. *Der Islam ist '''vollendet'''. :Der Koran und das Leben des Propheten [[Mohammed]] geben der Menschheit für alle künftigen Zeiten eine abgeschlossene und vollkommene Leitregel. Der Prophet Mohammed ist das beste und vollkommene Beispiel für die höchste Sittlichkeit, weshalb er das „Siegel der Propheten“ genannt wird. Es werden aber [[Mudschaddid]]s (Reformer) von Gott herausgerufen werden, die das Licht des islamischen Glaubens wiederbeleben und neu entfachen sollen. <ref>AAIIL: [http://www.aaiil.org/german/articles/diebewegung.shtml Die Bewegung] [http://www.aaiil.org/index.shtml The Movement]</ref> === Vergleich der Dogmen === {| border="1" cellpadding="4" cellspacing="0" style="margin: 1em 1em 1em 0; border: 1px #aaa solid; border-collapse: collapse;" ! width="100px"|Glaubenssatz||Islamische Orthodoxie||Lahore Ahmadiyya Movement||Ahmadiyya Muslim Jamaat |- ! valign="top" | Die Wiederkunft von [[Isa (Prophet)|Isâ]] | valign="top" | In den „Letzten Tagen“ wird Jesus leibhaftig vom Himmel herabsteigen. || colspan="2" valign="top" | Jesus wird nicht leibhaftig wiederkommen. Die Berichte über seine Wiederkunft sind allegorisch zu verstehen und beziehen sich auf Ghulam Ahmad. |- ! | valign="top" | Er würde „östlich von Damaskus“ auf ein Minarett herabsteigen. || colspan="2" valign="top" | Die Prophezeiungen des zweiten Auftretens von Jesus wurde in der Person von Ghulam Ahmad erfüllt. Als Zeichen dieser Erfüllung wurde das „Weiße Minarett“ in Qadian gebaut, das östlich von Damaskus liegt. |- ! | align="right" | <ref>http://www.islamicperspectives.com/ReturnOfJesus.htm</ref> || align="right" | <ref>http://www.aaiil.org/text/acus/mga/mirzaghulamahmadnotprophet.shtml</ref> || align="right" | <ref>http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=63#top</ref> |- ! valign="top" | Die Stellung von Ghulam Ahmad | valign="top" rowspan="2" | Orthodoxe Muslime sehen in Ghulam Ahmad einen [[Apostat]]en und als einen von 30 falschen Propheten, vor denen der Prophet Mohammed gewarnt hatte. <ref>http://www.fataawa.de/Fatawaas/14.Sonstiges/1.Gruppierung%20&%20Sekten/4.Ahmadiyya/0147.pdf] </ref><ref>[http://www.inter-islam.org/faith/qadian.htm#30%20Liars</ref> || valign="top" | Er ist Prophet nur im allegorischen Sinn. <ref>http://aaiil.info/misconceptions/nabirasul/nabirasul.htm</ref> || valign="top" | Er ist Prophet in vollem Wortsinn mit der Ausnahme, dass er kein neues Gesetz (Koran) brachte. |- | || colspan="2" valign="top" | Er sei der „Mudschaddid des 14. islamischen Jahrhunderts“. Er sei der [[Messias]] (2. Erscheinen von Jesus) und der [[Mahdi]] . <ref>http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=11#top</ref> |- ! rowspan="2" valign="top" | Kalima Schahada | colspan="3" valign="top" align="center" | Die Kalima-Schahada lautet ''„La illaha ilallah, muhammadur rasullulah“''. |- | valign="top" rowspan="2" | Das Sprechen der [[Schahada|Kalima]] ist die Basis, um [[Muslim]] zu sein. In manchen Ländern (Pakistan <ref>http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html</ref>, Bangladesch, ...) ist die Zustimmung zur Aussage „Ghulam Ahmad ist ein Apostat“ Voraussetzung, um als Muslim zu gelten. <ref>http://pakistan.gov.pk/forms/pdf/form_a_dip_1_(rev)_for_persons_above_12_years.pdf</ref> || colspan="2" valign="top" | Niemand, der die Kalima Schahada spricht, kann von jemand anders zum Nicht-Muslim erklärt werden. |- | ||valign="top" colspan="2" | Trotzdem werden orthodoxe Muslime, die die Kalima sprechen, als „Kafir“ in Bezug auf ihren Unglauben an das Prophetentum von Ghulam Ahmad bezeichnet. <ref>http://www.alislam.org/library/split/part1.html</ref><ref>http://www.ahmadiyya.org/qadis/takfir1.htm</ref> |- ! valign="top" | Der Abschluss des Prophetentums | valign="top" | Der Ausdruck im Koran „Siegel der Propheten“ bedeute, dass Mohammed der letzte Prophet ist. <ref>http://www.fataawa.de/Fatawaas/14.Sonstiges/1.Gruppierung%20&%20Sekten/4.Ahmadiyya/0147.pdf</ref>||valign="top" | Mohammed ist der letzte Prophet. || valign="top" | Mohammed ist der „größte“ und „beste“ Prophet, nicht aber der „letzte“ Prophet. Er brachte das Prophetentum zur Perfektion und schloss das religiöse Gesetz (Koran) ab. |- | || valign="top" rowspan="2" | Trotzdem schließt das nicht das Wiedererscheinen eines „alten“ Propheten aus, z.B. die Wiederkunft Jesu in den „Letzten Tagen“. <ref>http://muslim-canada.org/oxford.html</ref> ||valign="top" | Kein Prophet, weder ein neuer noch ein alter, kann nach ihm kommen. <ref>http://aaiil.info/misconceptions/khatam/khatam.htm</ref>||valign="top" | Propheten nach Mohammed müssen seiner [[Sunna]] (Beispiel) und [[Hadith]] (Botschaft) folgen. Sie müssen den Stempel Mohammeds (Siegel) tragen, dürfen kein neues Gesetz (Koran) bringen und können ihn nicht in Perfektion übertreffen. |- | || valign="top" | Ghulam Ahmad sei der Mudschaddid (Reformer) des 14. Islamischen Jahrhunderts, aber kein Prophet. <ref>http://aaiil.info/misconceptions/twenty/noclaim.htm</ref>||valign="top" | Ghulam Ahmad war der Mudschaddid (Reformer) des 14. Islamischen Jahrhunderts und ein (Mohammed nachgeordneter) Prophet. <ref>http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=37</ref> |- ! valign="top" | Jesus, Sohn der Maria | colspan="3" | Isâ (Jesus) wurde in wunderbarer Weise durch die Jungfrau Maria (Maryam) geboren. Er starb nicht am Kreuz. <ref>http://library.thinkquest.org/26756/islam/index.htm</ref> |- | ||valign="top" | Über das Kreuzigungsgeschehen gibt es mehrere Versionen: a) Gott hat Jesus errettet, indem er ein großes Durcheinander heraufbeschwor, so dass niemand recht weiß was geschah, b) ein anderer als Jesus wurde gekreuzigt (Verwechslungstheorie) <ref>http://www.evangelium.de/996.0.html</ref> || colspan="2" valign="top" | Jesus entkam dem „verfluchten Tod“ am Kreuz und starb eines natürlichen Todes. Er wird nicht leibhaftig wiederkommen. |- | || valign="top" | Jesus befindet sich im Himmel <ref>http://encarta.msn.com/encyclopedia_761579171_5/Islam.html#p42</ref> und wird von dort kurz vor der „Stunde“ wieder auf die Erde zurückkommen. <ref>http://muslim-canada.org/oxford.html</ref> Obwohl Jesus (der als Prophet gilt) wiederkommen soll, berührt das nicht den Anspruch Mohammeds, der letzte Prophet zu sein. || valign="top" | Die Jesus-Lehre ist sehr ähnlich der von AMJ. Allerdings ist die Jesus-Lehre (bis auf die Jungfraugeburt) kein wesentlicher Glaubensbestandteil und der persönlichen Überzeugung des Einzelnen überlassen. <ref>http://aaiil.info/misconceptions/jesus/birth.htm</ref> || valign="top" | Nach der Errettung vom Kreuz wanderte Jesus bis nach [[Kaschmir]] auf der Suche nach den „Verlorenen Stämmen“. Er starb nach einem langen Leben und wurde in [[Srinagar]] unter dem Namen [[Yuz Asaf]] (Jesus-Grab) beerdigt. <ref>http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=50#top</ref> |- ! valign="top" | Dschihad | valign="top" | Der gewaffnete [[Dschihad]] ist prinzipiell auch heute noch möglich. Traditionell wurde dieser Dschihad vom Emir-al-Muminin, dem Führer der Gläubigen ausgerufen. Mit der Abschaffung des osmanischen Kalifats und die Errichtung der Nationalstaaten in der islamischen Welt ist dies in dieser Form nicht mehr möglich. || colspan="2" valign="top" | Ghulam Ahmad hat das Recht, aus Glaubensgründen zur Waffe zu greifen, für aufgehoben erklärt. Es gehört zu den Prophezeiungen über das Erscheinen des Messias, dass er den (religiös begründeten) bewaffneten Dschihad abschaffen würde. <ref>http://www.ahmadiyya.de/library/jihaad-wahres_konzept.html</ref> |- | || valign="top" | Heute muss die Ausrufung des Dschihad wohl unter „Psychologischer Kriegsführung“ verbucht werden. Die Vorstellungen über die Voraussetzungen für den Dschihad variieren stark. || colspan="2" valign="top" | Heute steht Muslimen, die verfolgt und unterdrückt werden, die Möglichkeit offen auszuwandern und ein Gebiet zu finden, in dem sie in Frieden leben können. Der bewaffnete Dschihad wurde durch den Dschihad des Argumentes abgelöst. Nach einem Hadith ist ''„Tinte des Gelehrten wertvoller als das Blut des Märtyrers“''. |- ! valign="top" | Führung der Umma | valign="top" | <b>Sunniten:</b> Der Kalif wird von der Umma entweder gewählt oder mindestens seine Ernennung bestätigt.<br />Der letzte osmanische Kalif ([[Abdülmecit II.]]) wurde [[1924]] von [[Kemal Atatürk]] abgesetzt. || colspan="2" valign="top" | Der Nachfolger von Ghulam Ahmad war Hakeem Maulvi Nooruddin. Nach seinem Ableben kam es zur Spaltung. |- | || valign="top" | <b>Shia:</b> Der Imam muss Nachfolger von Mohammed und Ali sein. Die Schiiten warten auf das Wiedererscheinen des „Verborgenen Imam“. In Iran (12er-Schiiten) führt der ranghöchste Ayatollah stellvertretend die Führung der [[Umma]]. || valign="top" | Die Fraktion, die die Idee des Kalifats verwarf, wurde nach ihrem Hauptsitz kurz „Lahori“ genannt. Sie bildete eine Art Präsidium mit einem [[Emir]] als Leiter. || valign="top" | Die Gruppe, die am Kalifat festhält, wurde nach ihrem Hauptsitz auch kurz „Qadiani“ genannt. Sie wählte Basheerudin Mahmood Ahmad zum 2. Kalifen. |- ! valign="top" | Kalifat | valign="top" | <b>Sunniten:</b> Die Wiederaufrichtung des [[Kalifat]]s ist immer wieder Diskurs in der islamischen Welt. || valign="top" | Die AAIIL verwarf mit der Spaltung im Jahre 1914 die Kalifat-Idee. || valign="top" | Nach Auffassung der AMJ wurde das mit dem Osmanischen Reich zum Ende gekommene Kalifat von der Ahmadiyya neu belebt. Darunter wird nicht die Fortsetzung des osamanischen Kalifats verstanden sondern ein Neuanfang. |} === Das Fiqh der Ahmadiyya === Die Ahmadiyya steht in der [[Scharia]] der [[Hanafiten|hanafitischen]] Rechtsschule nahe. Eine wichtige Lehrmeinung ist die Ablehnung von [[Taqlid]] (wörtlich: Nachahmung vollendet''. :Der Koran und das Leben des Propheten [[Mohammed]] geben der Menschheit für alle künftigen Zeiten eine abgeschlossene und vollkommene Leitregel. Der Prophet Mohammed ist das beste und vollkommene Beispiel für die höchste Sittlichkeit, weshalb er das „Siegel der Propheten“ genannt wird. Es werden aber [[Mudschaddid]]s (Erneuerer) von Gott herausgerufen werden, die das Licht des islamischen Glaubens wiederbeleben und neu entfachen sollen.<ref>AAIIL: ''[http://www.aaiil.org/german/articles/diebewegung.shtml Die Bewegung]''.<br />AAIIL: ''[http://www.aaiil.org/index.shtml The Movement]''.</ref> === Vergleich der Dogmen === {| border="1" cellpadding="4" cellspacing="0" style="margin: 1em 1em 1em 0; border: 1px #aaa solid; border-collapse: collapse;" ! width="100px"|Glaubenssatz||Islamische Orthodoxie||Lahore Ahmadiyya Movement||Ahmadiyya Muslim Jamaat |- ! valign="top" | Die Wiederkunft von [[Isa bin Maryam]] | valign="top" | In den „Letzten Tagen“ wird Jesus leibhaftig vom Himmel herabsteigen. | valign="top" colspan="2" | Jesus wird nicht leibhaftig wiederkommen. Die Berichte über seine Wiederkunft sind allegorisch zu verstehen und beziehen sich auf Mirza Ghulam Ahmad. |- ! | valign="top" | Er würde „östlich von Damaskus“ auf ein [[Minarett]] herabsteigen. | valign="top" colspan="2" | Die Prophezeiungen des zweiten Auftretens von Jesus wurde in der Person von Mirza Ghulam Ahmad erfüllt. Als Zeichen dieser Erfüllung wurde das „[[Weißes Minarett|Weiße Minarett]]“ in Qadian gebaut, das östlich von Damaskus liegt. |- ! | align="right" | <ref>[http://www.islamicperspectives.com/ReturnOfJesus.htm Islamic View of the Coming/Return of Jesus]</ref> | align="right" | <ref>AAII: [http://www.aaiil.org/text/acus/mga/mirzaghulamahmadnotprophet.shtml Mirza Ghulam Ahmad Sahib of Qadian never Claimed Prophethood] </ref> | align="right" | <ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=63 A Prophet Like Unto Moses]</ref> |- ! valign="top" | Die Stellung von Mirza Ghulam Ahmad | valign="top" rowspan="2" | Orthodoxe Muslime sehen in [[Mirza Ghulam Ahmad]] einen [[Apostasie im Islam|Apostaten]] und als einen von 30 falschen Propheten, vor denen der Prophet Mohammed gewarnt hatte.<ref>[http://www.fataawa.de/Fatawaas/14.Sonstiges/1.Gruppierung%20&%20Sekten/4.Ahmadiyya/0147.pdf Der Unterschied zwischen den Muslimen und der Ahmadiyya (Sekte)] </ref><ref>[http://www.inter-islam.org/faith/qadian.htm#30%20Liars Who Was the Impostor of Qadian? – 30 Liars]</ref> | valign="top" | Er ist Prophet nur im allegorischen Sinn.<ref>AAIIL: [http://aaiil.info/misconceptions/nabirasul/nabirasul.htm The Use of the Terms Nabi & Rasul For Non-prophets]</ref> | valign="top" | Er ist Prophet in vollem Wortsinn mit der Ausnahme, dass er kein neues Gesetz (Koran) brachte. |- | | valign="top" colspan="2" | Er sei der „Mudschaddid des 14. islamischen Jahrhunderts“. Er sei der [[Messias]] (2. Erscheinen von Jesus) und der [[Mahdi]].<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=11 A World Reformer]</ref> |- ! valign="top" | Kalima Schahada | align="center" colspan="3" | Die Kalima-Schahada lautet „La illaha ilallah, muhammadur rasullulah“. |- | | valign="top" rowspan="2" | Das Sprechen der [[Schahada|Kalima]] ist die Basis, um [[Muslim]] zu sein. In manchen Ländern (Pakistan,<ref>[http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html Constitution (Second Amendment) Act, 1974]</ref> Bangladesch, …) ist die Zustimmung zur Aussage „Mirza Ghulam Ahmad ist ein Apostat“ Voraussetzung, um als Muslim zu gelten.<ref>[http://pakistan.gov.pk/forms/pdf/form_a_dip_1_(rev)_for_persons_above_12_years.pdf Pakistanisches Regierungsformular mit „Anti Ahmadiyya“-Passus]</ref> | valign="top" colspan="2" | Niemand, der die Kalima Schahada spricht, kann von jemand anders zum Nicht-Muslim erklärt werden. |- | | valign="top" | Mirza Ghulam Ahmad verurteilte es, dass Muslime andere Muslime zu Ungläubigen („Kafir“) erklären.<ref>AIIL: [http://www.ahmadiyya.org/qadis/takfir2.htm Hazrat Mirza Ghulam Ahmad regarded other Muslims as Muslims]</ref> | valign="top" | Trotzdem werden orthodoxe Muslime, die die Kalima sprechen, als „Kafir“ in Bezug auf ihren Unglauben an das Prophetentum von Mirza Ghulam Ahmad bezeichnet.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/split/part1.html Refutation of Maulvi Muhammad Ali's Account of Ahmadiyya Dissensions] <br />AAIIL: [http://www.ahmadiyya.org/qadis/takfir1.htm Declaring Muslims as kafir]</ref> |- ! valign="top" | Der Abschluss des Prophetentums | align="center" colspan="3" | Mohammed ist „Siegel der Propheten“ خاتم النبيين / ḫātam an-nabiyyīna |- | | valign="top" | Der Ausdruck im Koran „Siegel der Propheten“ bedeute, dass Mohammed der letzte Prophet ist.<ref>[http://www.fataawa.de/Fatawaas/14.Sonstiges/1.Gruppierung%20&%20Sekten/4.Ahmadiyya/0147.pdf Der Unterschied zwischen den Muslimen und der Ahmadiyya (Sekte)]</ref> | valign="top" | Mohammed ist der letzte Prophet. | valign="top" | Mohammed ist der „größte“ und „beste“ Prophet, nicht aber der „letzte“ Prophet. Er brachte das Prophetentum zur Perfektion und schloss das religiöse Gesetz (Koran) ab. |- | | valign="top" rowspan="2" | Trotzdem schließt das nicht das Wiedererscheinen eines „alten“ Propheten aus, z.B. die Wiederkunft Jesu in den „Letzten Tagen“.<ref>[http://muslim-canada.org/oxford.html Further Similarities and Differences] (between esoteric, exoteric & Sunni/Shia)</ref> | valign="top" | Kein Prophet, weder ein neuer noch ein alter, kann nach ihm kommen.<ref>AAIIL: [http://aaiil.info/misconceptions/khatam/khatam.htm The Issue of Khatam-un-Nabiyyin]</ref> | valign="top" | Propheten nach Mohammed müssen seiner [[Sunna]] (Beispiel) und [[Hadith]] (Botschaft) folgen. Sie müssen den Stempel Mohammeds (Siegel) tragen, dürfen kein neues Gesetz (Koran) bringen und können ihn nicht in Perfektion übertreffen. |- | | valign="top" | Mirza Ghulam Ahmad sei der Mudschaddid (Erneuerer) des 14. Islamischen Jahrhunderts, aber kein Prophet.<ref>AAII: [http://aaiil.info/misconceptions/twenty/noclaim.htm No Claim To Prophethood: 20 Arguments by Mirza Ghulam Ahmad]</ref> | valign="top" | Mirza Ghulam Ahmad war der Mudschaddid (Erneuerer) des 14. Islamischen Jahrhunderts und ein (Mohammed nachgeordneter) Prophet.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=37 The Question of Finality of Prophethood]</ref> |- ! valign="top" | Jesus Christus | align="center" colspan="3" | Isâ (Jesus) wurde in wunderbarer Weise durch die Jungfrau Maria (Maryam) geboren. Er starb nicht am Kreuz.<ref>[http://library.thinkquest.org/26756/islam/index.htm Early History of Islam]</ref> |- | | valign="top" | Über das Kreuzigungsgeschehen gibt es mehrere Versionen: a) Gott hat Jesus errettet, indem er ein großes Durcheinander heraufbeschwor, so dass niemand recht weiß was geschah, b) ein anderer als Jesus wurde gekreuzigt (Verwechslungstheorie) <ref>Evangeliumsnetz: [http://www.evangelium.de/996.0.html Kreuzigung und Erlösung im Islam]</ref> | valign="top" colspan="2" | Jesus entkam dem „verfluchten Tod“ am Kreuz und starb eines natürlichen Todes. Er wird nicht leibhaftig wiederkommen. |- | | valign="top" | Jesus befindet sich im Himmel <ref>MSN Encyclopedia: [http://encarta.msn.com/encyclopedia_761579171_5/Islam.html#p42 The Qur’an and the Bible]</ref> und wird von dort kurz vor der „Stunde“ wieder auf die Erde zurückkommen.<ref>[http://muslim-canada.org/oxford.html Further Similarities and Differences] (between esoteric, exoteric & Sunni/Shia)</ref> Obwohl Jesus (der als Prophet gilt) wiederkommen soll, berührt das nicht den Anspruch Mohammeds, der letzte Prophet zu sein. | valign="top" | Die Jesus-Lehre ist sehr ähnlich der von AMJ. Allerdings ist die Jesus-Lehre (bis auf die Jungfraugeburt) kein wesentlicher Glaubensbestandteil und der persönlichen Überzeugung des Einzelnen überlassen.<ref>AAII: [http://aaiil.info/misconceptions/jesus/birth.htm The Birth of Jesus]</ref> | valign="top" | Nach der Errettung vom Kreuz wanderte Jesus bis nach [[Kaschmir]] auf der Suche nach den „Verlorenen Stämmen“. Er starb nach einem langen Leben und wurde in [[Srinagar]] unter dem Namen [[Yuz Asaf]] (Jesus-Grab) beerdigt.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/books/promisedmessiah/index.htm?page=50 Jesus Migrated to India]</ref> |- ! valign="top" | Dschihad | valign="top" | Der (kriegerische) [[Dschihad]] ist prinzipiell auch heute noch möglich. Traditionell wurde dieser Dschihad vom Emir-al-Muminin, dem Führer der Gläubigen ausgerufen. Mit der Abschaffung des osmanischen Kalifats und die Errichtung der Nationalstaaten in der islamischen Welt ist dies in dieser Form nicht mehr möglich. | valign="top" colspan="2" | Mirza Ghulam Ahmad hat das Recht, aus Glaubensgründen zur Waffe zu greifen, für aufgehoben erklärt. Es gehört zu den Prophezeiungen über das Erscheinen des Messias, dass er den (religiös begründeten) bewaffneten Dschihad abschaffen würde.<ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/library/jihaad-wahres_konzept.html Wahrheit über Jihaad – Das tatsächliche islamische Konzept]</ref> |- | | valign="top" | Heute muss die Ausrufung des Dschihad wohl unter „[[Psychologische Kriegführung]]“ verbucht werden. Die Vorstellungen über die Voraussetzungen für den Dschihad variieren stark. | valign="top" colspan="2" | Heute steht Muslimen, die verfolgt und unterdrückt werden, die Möglichkeit offen auszuwandern und ein Gebiet zu finden, in dem sie in Frieden leben können. Der bewaffnete Dschihad wurde durch den Dschihad des Argumentes abgelöst. Nach einem Hadith ist „Tinte des Gelehrten wertvoller als das Blut des Märtyrers“. |- ! valign="top" | Apostasie | valign="top" | Apostasie gilt als strafbares Vergehen.<br />(s. [[Apostasie im Islam]]) | valign="top" colspan="2" | Die im Koran gewährte Religionsfreiheit (Koran 2:256, 10:99) gilt uneingeschränkt. Aufgabe des islamischen Glaubens oder Übertritt zu einer anderen Religion unterliegt keiner (irdischen) Strafe.<ref> AMJ: [http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/ahmadiyyat/weisses_minarett/apostasie.html Tod dem Ketzer? Über Eiferer und Abtrünnige im Islam], in: „Weißes Minarett“, Januar 1998, Seite 20<br />AMJ: [http://www.alislam.org/library/books/mna/chapter_7.html Punishment for Apostasy] (alislam.org)</ref> |- ! valign="top" | Führung der Umma | valign="top" | '''Sunniten:''' Der Kalif wird von der [[Umma]] entweder gewählt oder mindestens seine Ernennung bestätigt.<br />Der letzte osmanische Kalif ([[Abdülmecit II.]]) wurde 1924 von [[Mustafa Kemal Atatürk]] abgesetzt. | valign="top" colspan="2" | Der Nachfolger von Mirza Ghulam Ahmad war [[Hakim Nur-ud-Din]]. Nach seinem Ableben kam es zur Spaltung. |- | | valign="top" | '''Shia:''' Der Imam muss Nachfolger von [[Mohammed]] und [[Husain ibn Ali|Ali]] sein. Die Schiiten warten auf das Wiedererscheinen des „Verborgenen Imam“. In Iran ([[Imamiten|12er-Schiiten]]) führt der ranghöchste Ayatollah stellvertretend die Führung der Umma. | valign="top" | Die Fraktion, die die Idee des Kalifats verwarf, wurde nach ihrem Hauptsitz kurz „Lahori“ genannt. Sie bildete eine Art Präsidium mit einem [[Emir]] als Leiter. | valign="top" | Die Gruppe, die am Kalifat festhält, wurde nach ihrem Hauptsitz auch kurz „Qadiani“ genannt. Sie wählte Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad zum 2. [[Khalifat-ul Massih]]. |- ! valign="top" | Kalifat | valign="top" | '''Sunniten:''' Die Wiederaufrichtung des [[Kalifat]]s ist immer wieder Diskurs in der islamischen Welt. | valign="top" | Die AAIIL verwarf mit der Spaltung im Jahre 1914 die Kalifat-Idee. | valign="top" | Nach Auffassung der AMJ wurde das mit dem Osmanischen Reich zum Ende gekommene Kalifat von der Ahmadiyya neu belebt. Darunter wird nicht die Fortsetzung des osmanischen Kalifats verstanden, sondern ein Neuanfang. |- ! rowspan="2" valign="top" | Feste | colspan="3" valign="top" align="center" | Das [[Zuckerfest|Fest des Fastenbrechens]] (''´Īd al-fitr'')<br /> das [[Islamisches Opferfest|Opferfest]] ('Īd ul-Adha) |- | valign="top" | '''Shiiten:''' Märtyrertod Hussains ([[Aschura|Aschura-Fest]]). | valign="top" colspan="2" align="center" | [[Dschalsa Salana]] |} === Das Fiqh der Ahmadiyya === Die Ahmadiyya steht in der [[Scharia]] der [[Hanafiten|hanafitischen]] Rechtsschule nahe. Eine wichtige Lehrmeinung ist die Ablehnung von [[Taqlid]] (wörtlich: Nachahmung) wonach jeder Muslim verpflichtet ist, sein Tun nach derjenigen Rechtsschule zu richten, der er von Geburt an oder durch Beitritt angehört. So soll es möglich sein, in jedem einzelnen Fall aus den Lehrmeinungen verschiedener Rechtsschulen eine den Zeitbedürfnissen entsprechende Entscheidung auswählen, oder sie durch die Anwendung von [[Idschtihad]] (selbständige Entscheidung einer Rechtsfrage auf Grund der Interpretation von Quellen) neu fällen. Der Koran gilt als die primäre Rechtsquelle. An zweiter Stelle kommt die [[Sunna]] (das Vorbild) des Propheten, die sich durch die Jahrhunderte in der muslimischen Gemeinde lebendig gehalten hat. Das [[Hadith]] (die Überlieferung) bildet die dritte Stelle in der Reihenfolge von Rechtsquellen gefolgt durch [[Qiyas]] (Analogieschluss). ⏎ ⏎ Obwohl die Ahmadiyya betont daran festhält, ggfs. Rechtsfragen auf Grund Quelleninterpretation neu zu fällen, richtet sie sich weitgehend nach der hanafitischen Rechtsschule. Die wenigen Fälle, bei denen sie sich anders entschieden hat, sind meistens von untergeordneter Bedeutung. Wichtig ist der Einfluss der ''Ahl-i Hadith'', die auf die Lehren des großen Gelehrten Schah Wali Allah aus Delhi zurückgeht. Die von ihm eingeleitete Bewegung machte es sich zur Aufgabe, den Islam vom hinduistischen und sonstigen dem Wesen des Islam fremden Einflüssen zu befreien. Sie unternimmt den bewussten Versuch, sich sowohl von den un-islamischen Einflüssen als auch von den verkrusteten Strukturen innerhalb der fiqh-Schulen zu befreien; zumal viele dieser un-islamischen Praktiken gewissermaßen von den Rechtsschulen stillschweigend geduldet wurden. Eine praktische Konsequenz davon ist, dass sie sich damit (zumindest teilweise) außerhalb der Rechtsschulen stellt. Ghulam Ahmad übte in seiner Eigenschaft als Mahdi und Messias in mehreren Fällen [[Idschtihad]]. Er erklärte zum Beispiel den Dschihad (aus religiösen Gründen) für aufgehoben. Damit setzte er sich im Gegensatz zu der Mehrheit, für die die Verpflichtung zum Dschihad stets bestehen bleibt, insbesondere im damaligen Indien, wo die Kolonialmacht Großbritannien ein Muslim-Reich abgelöst hatte. Dies trug ihm den Vorwurf der Komplizenschaft mit England ein. Zwei weitere Idschtihad betrafen das Fasten. Einmal ging es um die Verpflichtung zum Fasten für Arbeiter, denen es schwerfällt, wegen der extremen Wetter- und Arbeitsbedingungen dieser Verpflichtung nachzukommen. Ghulam Ahmad billigte ihnen das Recht zu, nicht zu fasten, mit der Möglichkeit, die ausgelassenen Tage nachzufasten. Ansonsten fallen sie, seiner Meinung nach, in die Kategorie der Kranken, oder derjenigen, die vom Koran deshalb von dieser Verpflichtung freigesprochen wurden, „weil sie dazu nicht im Stande sind (alladhina la yutiqunahu)“. In einem anderen Fall wurde er gefragt, wie diejenigen fasten sollen, bei denen der Tag sechs Monate lang ist. Damit wollte der Anfrager nach der Bemessungsgrundlage für die Tageszeit erkundigen, während dessen die Bewohner der Polargebiete fasten sollen, wo monatelang weder der Sonnenaufgang, noch -untergang zu beobachten ist. Ghuam Ahmad hielt in solchen Fällen die Bemessung der Tage und Nächte mit Hilfe der Uhr für angebracht. Richtungsweisend war auch sein Rechtsspruch ([[Fatwa]]) über Bankzinsen. Zwar hielt er Zinsen in jeglicher Form für unzulässig, doch riet er seinen Anhängern dazu, die üblichen Bankzinsen für Spareinlagen anzunehmen. Sie sollten aber das Geld nicht für sich verwenden, sondern für die islamische Mission ([[Dawa]]) ausgeben. Er betonte, dass diese Regelung zeitlich und räumlich begrenzt war. Sobald der Islam sich von seiner momentanen Schwäche erholt haben wird, wird dieser Dispens ungültig. In einem weiteren Rechtsspruch lehnte er Lebensversicherungen ab, weil er sie mit Glücksspiel gleichsetzte. Ein Großteil der muslimischen Theologen ist der Meinung, dass die Apostasie ein strafwürdiges Verbrechen ist. Die Ahmadiyya hat sich jedoch theologisch gegen eine Bestrafung von Apostaten festgelegt. Zu den bedeutungsvollsten Rechtssprüchen Maulavi Noor-ud-Din zählt seine Fatwa darüber, dass neben Juden und Christen auch die Parsis, Anhänger Zoroasters, sowie Hindus und die Buddhisten zu den Ahl al-Kitab (Schriftbesitzern) gehören. Vor wenigen Jahren veröffentlichte das Ahmadiyya Zentrum in Rabwah ein Buch über das ''„Fiqh-e-Ahmadiyya“''. === Motto === ''Liebe für alle, Hass für keinen.'' ("''Love for All, Hatred for None''" von [[Nasir Ahmad]]) === Symbole === Das [[Weißes Minarett|Weiße Minarett]] von [[Qadian]]. == Organisation und Aufgaben (AMJ) == Die AMJ besteht aus den drei Teilorganisationen [[Khuddam|Khuddam-ul-Ahmadiyya]] (jüngere Männer), [[Lajna|Lajna Imaullah]] (Frauen) und [[Ansarullah]] (ältere Männer). Die Mitgliederstärke ergibt sich aus den Mitgliedern der Teilorganisationen, die alle drei gleich aufgebaut sind. Es gibt die vier Ebenen der Lokalgemeinde (Lokal Jamaat), Regional Jamaat, National Jamaat und die internationale Ebene. Auf jeder Ebene gibt es einen Vorsitzenden (''Sadr''), dazu viele Amtsträger, die alle kleinere Aufgaben wahrzunehmen haben: Pressearbeit, Bildung, Erziehung, Literatur, Sport, usw. In großen Jamaats kann es viele Amtsträger geben, während in kleinen Jamaats mehrere Funktionen von einer Person wahrgenommen werden. Jede Teilorganisation verwaltet und führt sich selbst. Besonders ist das bei der [[Lajna]] (den Frauen) wichtig, wo es auch in der Führung keine Männer gibt. Es gibt allerdings eine Aufgabenteilung. So sind die Khuddam auch für den Aufbau der Veranstaltungen der Ansarullah und der Lajna zuständig, sowie für Sicherheitsdienste, da die Ahmadiyya Muslim Jamaat keine fremden Sicherheitsdienste nutzt. Für die Technik sind noch weitgehend die Männer zuständig, weil es an kompetenten Frauen fehlt. Es wird aber daran gearbeitet, dass die Frauen auf ihren Veranstaltungen auch die Technik selbst bedienen. Beim gemeinschaftseigenen [[Fernsehen|Fernsehkanal]] [[Muslim Television Ahmadiyya|MTA]] (Muslim Television Ahmadiyya) gibt es bereits Sendungen, die von Frauen gestaltet, moderiert und technisch umgesetzt werden. Die wichtigste Veranstaltung ist die [[Jalsa Salana]], die jährlich stattfindet. === Mitgliedschaft (AMJ) === Mitglied wird man durch Ablegen des Treueeides ([[Baiat]]) gegenüber dem amtierenden [[Kalif]]en. Jeder Ahmadi gehört einer der drei Teilorganisationen [[Khuddam|Khuddam-ul-Ahmadiyya]], [[Lajna|Lajna Imaullah]] oder [[Ansarullah]]. Stirbt ein Kalif, muss dem neugewählten Kalifen gegenüber erneut ein Treuegelübde (Baiat) abgelegt werden. Der Austritt erfolgt durch schriftliches Aufkündigen des Baiat. == Gegenwart == Die AMJ zählt in Deutschland etwa 30.000 Mitglieder in 250 Gemeinden. <ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyyat/deutschland.html#end Lokale Gemeinden]</ref> Weltweit hat sie nach eigenen Angaben etwa 80 Millionen Anhänger, was in etwa 1/15 der muslimischen Welt ausmachen würde. <ref>AMJ: [http://www.alislam.org/introduction/index.html Overview]</ref> Eine andere Quelle spricht von geschätzten 10 Millionen Ahmadis. <ref>"Of the estimated 10 million Ahmadis, some 12,000 were said to be in the U.S."<br/>Quelle: "Religion." Encyclopædia Britannica, [http://www.britannica.com/eb/article-231690 Encyclopædia Britannica Online], Review 1998</ref> Die derzeitige Hauptverwaltung der AMJ befindet sich in Rabwah, Pakistan. Größere Gemeinden der Ahmadiyya Muslim Jamaat bestehen außer in Südost-Asien in Europa (England, Deutschland) und Nord-Amerika (USA, Kanada). Ihre größten Erfolge erzielte Ahmadiyya in West- und Ostafrika, wo sie sich auch im Bildungs- und Sozialwesen engagiert (Bau von Schulen und Krankenhäusern). Die AAIIL hat eine Gemeinde in [[Berlin-Wilmersdorf]] mit 60 Mitgliedern. <ref>Der Tagesspiegel: [http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/29.08.2001/ak-be-be-4414392.html Mit Kuppel komplett. Gotteshaus an der Brienner Straße erhielt krönenden Abschluss.] (29.08.2001)</ref> Es gibt keine zuverlässigen Quellen über die globale Mitgliederstärke. Sie hat eine Moschee in Europa, die [[Wilmersdorfer Moschee]] in [[Berlin]]. Besonders in [[Holland]] hat die AAIIL weitere Gemeinden. === Moscheebau in Europa === ====Moscheebau AMJ==== Als erste [[Moschee]] in Europa wurde [[1924]] die [[Al-Fazl-Moschee]] in [[London]] eingeweiht. 1957 und 1959 entstanden die Fazle-Omar-Moschee in [[Hamburg]] und [[Nuur-Moschee]] in [[Frankfurt am Main]], 1963 die Mahmud Moschee in [[Zürich]]. Am [[10. September]] [[1982]] wurde die [[Basharat-Moschee]] in [[Pedro Abad]] ([[Córdoba (spanische Provinz)|Córdoba]] ) von Tahir Ahmad eingeweiht. Dies war der erste [[Moscheebau]] in [[Spanien]] seit etwa 700 Jahren. Mit der [[Baitul Futuh]] wurde am [[3. Oktober]] [[2003]] eine 4.500 Gläubige fassende Moschee in London eingeweiht. <ref>Die Moschee im Baitul Futuh fasst 4.500 Gläubige, das Gebäude mit allen zum Gebet nutzbaren Räumen fast 10.000 Besucher.</ref> AMJ verfolgt einen „100-Moscheen-Plan für Deutschland“. Die Durchführung dieses Plans wird in den betroffenen Orten zum Teil kritisch gesehen. In [[Schlüchtern]] ([[Hessen]]) wurde als Reaktion auf den Plan, in der Gemeinde eine Moschee zu errichten, eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, um den Bau zu verhindern. In [[Usingen]] (Hessen) wurde in einer im [[Dezember 2004]] eingeweihten Moschee Feuer gelegt, die Täter sind bis heute unbekannt (Stand: [[2005]]). Im Jahr 2004 wurden insgesamt sechs neue Moscheen in Deutschland eingeweiht, sodass sich die Anzahl der Gebetszentren, die jetzt auch als Moschee erkennbar sind, sich auf etwa 15 erhöht hat. Weltweit sollen über 14.000 Moscheen der AMJ gehören. Die meisten sollen in Südasien und Afrika anzufinden sein. Weitere Moscheen der AMJ: [[Liste der Ahmadiyya-Moscheen]] ====Moscheebau AAIIL==== Neben der [[Wilmersdorfer Moschee]] errichtete die AAIIL 1913 eine Missionsstation in [[Woking]] (bei London) und betrieb dort eine Moschee bis in die 60er Jahre. <ref>[http://www.wokingmuslim.org/history/woking.htm Brief history of the Woking Muslim Mission](siehe letzter Abschnitt)</ref> === Verfolgung === Wegen der Ablehnung der orthodox-islamischen [[Christologie]] wird sie von vielen Muslimen nicht als islamisch anerkannt und ihre Anhänger in einigen Ländern religiös verfolgt. <ref>AMJ: [http://www.thepersecution.org/ thepersecution.org]</ref> In Pakistan wurden extra Parteien gegründet, die sich den Kampf gegen den sogenannten '''Qadianismus''' zum Programm gemacht haben <ref>bspw. Berliner Zeitung: [http://www.ahmadiyya.de/internes/archiv/bz_1998-05-18.htm Militante Pakistani sind in Deutschland aktiv. Verfassungsschutz bestätigt Angriffe der Gruppe „Khatme Nabuwwat“ auf Landsleute.] (18.05.1998)</ref>, in [[Saudi-Arabien]] sind es die [[Wahhabiten]], die die Ahmadis bekämpfen. So werden Ahmadis keine Visa ausgestellt, womit ihnen praktisch die [[Haddsch|Wallfahrt]] unmöglich gemacht wird. ====Pakistan 1953==== [[1953]] musste erstmals der Notstand ausgerufen werden weil, angeführt von der [[Jamaat-e-Islami]], der Mob gegen die Ahmadiya-Muslime auf die Straße gegangen war. Die Ausschreitungen richteten sich damals aber auch gegen die Eliten der Flüchtlinge aus [[Indien]]. ==== Pakistan 1974 ==== Am 21. September [[1974]] wurde die Ahmadiyya vom pakistanischen Parlament auf Druck der sunnitischen Gelehrten Pakistans zu einer nicht-muslimischen Religionsgemeinschaft erklärt. <ref>[http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html Constitution (Second Amendment) Act, 1974]</ref> Formal wurden sie damit auf eine Stufe mit Juden, Christen, Buddhisten, Sikhs und Hindus gestellt, praktisch aber führte es zur Legitimierung von Gewalt gegen Ahmadis, ihre Moscheen wurden geschändet oder niedergebrannt, usw.. Desweiteren durften sich die Ahmadis sich auch nicht mehr als Muslime und ihre Gebetshäuser nicht mehr als Moscheen bezeichnen. ==== Pakistan 1984 ==== Den islamischen Gelehrten ging der Beschluss von [[1974]] nicht weit genug, so dass die pakistanische Regierung zu weiteren Verschärfungen der Gesetze gezwungen wurde. Unter [[Zia-ul-Haq]] wurde [[1984]] die Ordinance XX <ref>[http://www.thepersecution.org/50years/paklaw.html Government of Pakistan - Religious and Ahmadi-specific Laws; The Gazette of Pakistan, Extraordinary published by Authority Islamabad, April 26, 1984]</ref> verabschiedet, was den Ahmadis Missionstätigkeiten verbot, das Verbreiten von Schrifttum und es den Ahmadis verbot sich selbst als Muslime zu bezeichnen. Von ihren Moscheen wurden Schilder mit der Aufschrift „Moschee“ entfernt, Schriftzüge übermalt. Nach der Ordinance ist es Ahmadis verboten sich selbst als Muslim zu bezeichnen, sei es in Wort oder Schrift oder durch visuelle Darstellung, direkt oder indirekt, oder zum Gebet aufruft wie es andere Muslime tun, ist mit Gefängnis bis zu drei Jahren bedroht. Aufgrund dieser Schwierigkeiten verließ der 4. Kalif [[Tahir Ahmad|Tahir Ahmad]] [[Pakistan]] und wanderte nach London aus. ==== Bangladesch ==== In [[Bangladesch]] (dem ehemaligen Ostpakistan) sind dieselben orthodoxen Gruppen aktiv wie in Pakistan. Sie haben erreicht, das gesamte Schrifttum der Ahmadiyya verbieten zu lassen. Druck, Vertrieb, Verkauf, Besitz und Lektüre von Ahmadiyya-Literatur wurden unter Strafe gestellt. Die Klage gegen dieses Verbot ist noch beim High Court anhängig. <ref>[http://www.thepersecution.org/world/bangladesh/2006/03/ds09.html The Daily Star March 09, 2006]</ref> Eine Verschärfung der Gesetze (ähnlich wie die Ordinance XX in Pakistan) wird angestrebt. ==== Indonesien ==== Der Ursprung der Ahmadiyya in dem größten islamischen Land der Erde geht auf das Jahr [[1925]] zurück. Juristisch anerkannt wurde sie erstmals [[1953]] von der indonesischen Regierung. Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten hat aber [[1984]] in einem Rundbrief seine Regionalbüros angewiesen, Ahmadiyya als Irrlehre zu betrachten, seit die Anhänger Ghulam Ahmad als Prophet verehren. [[2005]] startete die islamische Orthodoxie in [[Indonesien]] eine Initiative, um die Ahmadiyya auch dort nach pakistanischem Vorbild amtlich zu einer nicht-islamischen Religion erklären zu lassen. Seitdem kommt es zu Übergriffen gegenüber Einrichtungen der Ahmadiyya Muslim Jamaat, zuletzt in einem Dorf der Provinz [[Sulawesi Selatan|Südsulawesi]], wo Unbekannte in der Nacht zum 30. April [[2006]] in die ''„Nuur Rabwah Moschee“'' eindrangen und Verwüstungen anrichteten. <ref>Jakarta Post vom 1. Mai 2006</ref> ==== Deutschland ==== Der [[1974]] durch das pakistanische Parlament erfolgte Ausschluss der Ahmadis aus der Weltgemeinschaft der Muslime hat auch Auswirkungen für die in Europa lebenden Ahmadis gezeigt. Von [[Großbritannien]] aus agieren verschiedene pakistanisch-islamische Organisationen unter der Bezeichnung „[[Pasban Khatme Nabuwwat]]“ (Siegel des Prophetentums) gegen sie. Pakistanische Fundamentalisten lobten nicht nur ein Kopfgeld für [[Salman Rushdie]] aus, sondern auch umgerechnet 250 000 Dollar demjenigen, der [[Tahir Ahmad]] tötet, den in London lebenden 4. Kalifen. Der Mordaufruf wurde auch in einer pakistanischen Zeitung gedruckt, die in London erscheint. Diese Terrororganisation pakistanischer Extremisten, deren Name deutsch „Bewahrer des Siegels des Propheten“ bedeutet, hat das Ziel Ahmadis zu bekämpfen und zu töten. <ref>[http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/0202/blickpunkt/0001/ Berliner Zeitung, am 02.02.1999]</ref> In Deutschland wurde diese Organisation erstmals [[1998]] bekannt. Am 25. März attackierten etwa 30 Extremisten drei Ahmadis im Reutlinger Heim mit Eisenstangen und Holzschlägern. Im April wurde ein Pakistani in Heilbronn wegen schwerer Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er drei Monate zuvor einen Ahmadi krankenhausreif geschlagen hatte. In Nordrhein-Westfalen attackierte am 29. März 1998 ein militanter Anhänger der Khatme Nabuwwat im Asylbewerberheim von Borken einen Ahmadi mit einem Messer und verfehlte nur knapp dessen Halsschlagader. „Ich werde alle Ahmadis töten“, habe der Angreifer gebrüllt. <ref>[http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0518/politik/0018/ Berliner Zeitung, am 18.05.1998]</ref> Am 16. August 1998 veranstaltete der Pakistanische ''Wohlfahrtsverein Mannheim e.V.'' zusammen mit dem Verein ''Einheit des Islam e.V.'' aus Offenbach in den Räumen der Mannheimer ''Yavuz Sultan Selim-Moschee'' eine Khatme-Nabuwat-Konferenz. In ihren Äußerungen richteten sich die Anhänger der ''Khatme Nabuwat'' dabei nicht nur gegen die Ahmadis, sondern auch gegen die Bundesrepublik Deutschland, da diese ihnen Schutz gewährt. <ref>[http://www.fes.de/fulltext/asfo/00803008.htm Friedrich Ebert Stiftung]</ref> Der deutsche Verfassungsschutz konnte diese Aktivitäten und Übergriffe aber unter Kontrolle bringen, sodass aktuell keine Gefährdung durch diese Gruppen für Ahmadis in Deutschland besteht. == Kritik an der Ahmadiyya == === Kritik in Deutschland === Die Sozialwissenschaftlerin [[Hiltrud Schröter]] stellt in ihrem Buch ''Ahmadiyya-Bewegung des Islam'' <ref>Siehe [http://www.moschee-schluechtern.de/ahmadiyya moschee-schluechtern.de] oder [http://www.pro-schluechtern.de/texte/schroeter pro-schluechtern.de]</ref> die These auf, dass es sich bei der Ahmadiyya um eine Gruppierung handle, die eine Gesellschaftsordnung nach Maßgabe der [[Scharia]] anstrebe, die eine Trennung von [[Religion]] und [[Staat]] nicht vorsehe. In den Schriften der Ahmadiyya fänden sich antidemokratische, antichristliche und [[Antisemitismus|antisemitische]] Auffassungen, die die Harmlosigkeit der Ahmadiyya in Frage stellten. Die [[Staatsanwalt]]schaft in [[Frankfurt am Main]] stellte im Februar [[2003]] ein Ermittlungsverfahren ein, das die Ahmadiyya Muslim Jamaat e.V. wegen ''Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses'' gegen Schröter angestrengt hatte. <ref>[http://www.ahmadiyya.de/aktuelles/moscheebau/landgericht_urteil.html Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt am Main vom 7.2.2003 - Az.: 6100 Js 239185/02]</ref> Einem Artikel der Hannoverschen Neuen Presse zufolge hat der Religionswissenschaftler [[Peter Antes]] Schröter vorgeworfen, „''unwissenschaftlich und mit nicht belegten Unterstellungen zu arbeiten.''“ Antes wird wörtlich zitiert: „''Gerade die Ahmadiyya, die von den meisten Muslimen abgelehnt wird, hat ein Bekenntnis zur Demokratie abgelegt.''“ <ref>[http://ahmadiyya.de/aktuelles/presse/hnp_2003-06-19.html Der Endlose Glaubenskampf - Thema des Tages: Streit um die Moschee in Stöcken], Hannoversche Neue Presse vom 19.06.2003<br />[http://www.welt.de/data/2004/09/14/332137.html?prx=1 Angst vor Minarett: Bürgerprotest gegen Moschee], Edgar Hasse, Die Welt, [[14. September]] 2004</ref> Die ehemalige Bürgerrechtlerin [[Vera Lengsfeld]] <ref>[[Vera Lengsfeld]] ist die Bürgerrechtlerin, die [[Martin Hohmann#Unterstützung für Hohmann|Martin Hohmann]] und seine antisemitische Rede verteidigt hatte.</ref> schließt sich Schröters Analyse an. Einem ''Online-Tagebuch der Mitglieder des publizistischen Netzwerks'' zufolge hat sie den geplanten Bau einer Moschee in [[Berlin-Heinersdorf]] als „''Kaderschmiede einer islamischen Politreligion''“ bezeichnet, von der latent „''antisemitische und antiemanzipatorische Tendenzen''“ ausgehen sollen. <ref>[http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=3101&ref=8 Jagdszenen in Pankow - Gastbeitrag von V. Lengsfeld], [[Dirk Maxeiner]], [[Die Achse des Guten]], [[17. August]] 2006</ref> Entgegen anderslautenden Bekundungen wird die Ahmadiyya vom [[Verfassungsschutz]] ''weder als extremistisch noch gewalttätig'' eingestuft. Sie wird eher mit den Attributen unaufälllig, integrationswillig oder friedlich tituliert. <ref>Berliner Morgenpost: [http://morgenpost.berlin1.de/content/2006/04/23/bezirke/824657.html Verfassungsschutz-Chefin äußert sich im Streit um Moschee-Neubau]<br />Kinzigtal-Nachrichten: [http://www.fuldaerzeitung.de/sixcms/detail.php?id=93731 Toleranz wird angemahnt]<br />Kinzigtal-Nachrichten: [http://www.fuldaerzeitung.de/sixcms/detail.php?id=48175 Ahmadiyya unauffällig]</ref> === Kritik orthodoxer Muslime === Die Kritik orthodoxer Muslime ergeben sich größtenteils aus den o.g. Lehrunterschieden. Der wichtigste Kritikpunkt ist dabei aus der Interpretation des koranischen Begriffs ''Siegel des Propheten'' woraus orthodoxe Muslime den Abschluss des [[Prophet]]entums verstehen, Ahmadis hingegen glauben, dass nachfolgende Propheten das ''Siegel'' [[Mohammed]]s tragen müssen, d.h. als Schattenpropheten Mohammeds ausschließlich der Lehre und dem Beispiel von Mohammed folgen müssen. Ein oft (besonders in Pakistan/Indien) erhobener Vorwurf ist, dass die Ahmadiyya von ''den Briten gepflanzt'' sei. Der Hintergrund ist hierbei, dass im indischen Befreiungskampf verschiedene islamische Gruppen zum [[Dschihad]] gegen die Engländer aufriefen, während Ghulam Ahmad dies ablehnte mit der Begründung, solange die Engländer die Religionsfreiheit garantieren würden, sei ein Dschihad nicht zulässig. Die Ahmadiyya wurde daraufhin von islamischen Extremisten als Verräter eingestuft. Basheeruddin Mahmood Ahmad, der zweite Kalif, erklärte jeden Moslem, der nicht an die Prophetie von Ghulam Ahmad glaubte zum [[Kafir]], d.h. zum Ungläubigen.<ref>http://www.ahmadiyya.org/qadis/takfir1.htm</ref> Nach einem Prophetenspruch wird jeder Moslem der einen anderen Moslem als Kafir bezeichnet, selber als Kafir angesehen. Eine [[Fatwa]] der [[Islamische Weltliga|Islamischen Weltliga]] in [[Mekka]] im April 1974 erkärte die Ahmadiyya zu "Nicht-Muslimen". <ref>[http://www.aboutahmadiyya.com/fatwa.html Fatwas and Statements of Islamic Scholars about Ahmadiyya]</ref>Daraufhin wurde die Ahmadiyya am 21. September [[1974]] auf Betreiben islamischer Gelehrten in Pakistan, dem Land mit der größten Ahmadiyya-Gemeinde, vom pakistanischen Parlament zu „Nicht-Muslimen“ erklärt. <ref>[http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html Constitution (Second Amendment) Act, 1974]<br>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/library/sind_ahmadis_muslime.pdf Maha Dabbous, Hadayatullah Hübsch: Sind Ahmadis Muslime?]</ref> == Fußnoten == <div class="references-small" style="-moz-column-count:2; column-count:2;"> <references /> </div> == Literatur == === Selbstdarstellungen der Ahmadiyya === *Maha Dabbous, [[Hadayatullah Hübsch]]: ''Sind Ahmadis Muslime?'', Frankfurt 1994, (Verlag der Islam), ISBN 3-921458-94-3 *Masud Ahmad: ''Jesus starb nicht am Kreuz'', Frankfurt (Verlag der Islam), ISBN 3-921458-81-1 *Sir Muhammed [[Zafrullah Khan]]: ''Grundsätze der islamischen Kultur'', Frankfurt (Verlag der Islam) *Sir Muhammed [[Zafrullah Khan]]: ''Die Frau im Islam'', Frankfurt (Verlag der Islam) *Ghulam Ahmad: ''Die Philosophie der Lehren des Islam'', Frankfurt 1996 (Verlag der Islam), ISBN 3-921458-97-8 *B.A. Rafiq: ''Die Wahrheit über Ahmadiyyat'', Verlag der Islam ISBN 3-921-458-59-3 === Kritik an Ahmadiyya === *Hiltrud Schröter: ''Ahmadiyya-Bewegung des Islam'', Frankfurt 2002, Dr. Hänsel-Hohenhausen, ISBN 3-8267-1206-4 *Mohammed Al Khoder Hussein, Abu Al Aala Al Maudoodi, Abu Al Hassan Ali Al Hassani Al Nadwi: ''Der Qadianismus, Destruktive Bewegungen'', Liga der islamischen Welt, Mekka/Cairo, (124 S.) === Historische Darstellungen === *Yohanan Friedmann: ''Prophecy Continuous: Aspects of Ahmadi Religious Thought and Its Medieval Background'', Oxford University Press India 2003 (2. Auflage), ISBN 0195662520 *Antonio Gualtieri: ''The Ahmadis. Community, Gender, and Politics in a Muslim Society'', Montreal 2004, ISBN 0773527389 === Sonstige === *I. Gill, M. Backhausen: ''Die Opfer sind schuld - Machtmißbrauch in Pakistan'', Akropolis 1993, ISBN 3-929528-08-8 == Weblinks == {{Wiktionary|Ahmadiyyat}} {{Wiktionary|Ahmadiyya}} {{Wiktionary|Ahmadi}} *http://www.alislam.org - offizielle Hauptseite der Ahmadiyya Muslim Jamaat *http://www.ahmadiyya.de - deutsche Seite der Ahmadiyya Muslim Jamaat *http://www.aaiil.org - Ahmadiyya Anjuman Isha'at-e-Islam Lahore's (Lahore Ahmadiyya Movement for the Propagation of Islam) *[http://www.ahmadiyya.org/bookspdf/split/conts.htm Split in the Ahmadiyya Movement, by Maulana Mohammad Ali, 1918] *[http://www.aaiil.org/text/articles/others/briefhistoryberlinmuslimmissiongermany.shtml A Brief History of The Berlin Muslim Mission (Germany) (1922-1988)] (HTML) *[http://berlin.ahmadiyya.org/berlin-mission-june06.pdf Die Berliner Moschee der Ahmadiyya-Bewegung zur Verbreitung des Islam (Lahore).<br />Geschichte und Gegenwart einer internationalen islamischen Gemeinschaft in Berlin.] (PDF) *[http://www2.alislam.org/gallery/mosques Moscheen der Ahmadiyya Muslim Jamaat] (Bildergalerie) *[http://ehome.compuserve.de/urduafsane/Fiqh.html Das Fiqh der Ahmadiyya] von Munir D. Ahmed *[http://www.ahmadiyya.de/download/baiat_formular.pdf Das Baiat der AMJ] <!-- *[http://www.rep-schluechtern.de/Manifest.htm Schlüchterner Manifest] --> *[http://www.geocities.com/thirdgenius123/manifest_schluechtern.htm Schlüchterner Manifest] *[http://www2.rz.hu-berlin.de/stadtsoz/lehre/diplarb/moscheebaukonflikte_hohmann.pdf Sozialwissenschaftliche Qualifikationsarbeit zum Schlüchtener Moscheebaukonflikt] (Autor: Dipl. Sowi. René Hohmann) *[http://www.ahmadiyya.de/aktuelles/moscheebau/main.html Moscheebaukonflikt in Schlüchtern aus Sicht der Ahmadiyya] *[http://www.ahmadiyya.de/islam/artikel/hadayatullah/entgegnung_schroeter.html Eine Entgegnung auf Frau Schröter von Hadayatullah Hübsch] *[http://www.bangladesh-web.com/news/view.php?hidDate=2006-07-11&hidType=TOP&hidRecord=0000000000000000117031 Bigots begin anti-Ahmadiyya campaign at Sarishabari (Bangla Desh)] *[http://alhafeez.org/rashid/german.htm Anti-Ahmadiyya Movement] *[http://www.fataawa.de/Fatawaas/14.Sonstiges/1.Gruppierung%20&%20Sekten/4.Ahmadiyya/0147.pdf Der Unterschied zwischen den Muslimen und der Ahmadiyya] [[Kategorie:Ahmadiyya|!]] [[Kategorie:Islam in Deutschland]] [[ar:أحمدية]] [[da:AhmadiyyaMirza Ghulam Ahmad übte in seiner Eigenschaft als Mahdi und Messias in mehreren Fällen [[Idschtihad]]. Er erklärte zum Beispiel den Dschihad (aus religiösen Gründen) für aufgehoben. Damit setzte er sich im Gegensatz zu der Mehrheit, für die die Verpflichtung zum Dschihad stets bestehen bleibt, insbesondere im damaligen Indien, wo die Kolonialmacht Großbritannien ein Muslim-Reich abgelöst hatte. Dies trug ihm den Vorwurf der Komplizenschaft mit England ein. Richtungsweisend war auch sein Rechtsspruch ([[Fatwa]]) über Bankzinsen. Zwar hielt er Zinsen in jeglicher Form für unzulässig, doch riet er seinen Anhängern dazu, die üblichen Bankzinsen für Spareinlagen anzunehmen. Sie sollten aber das Geld nicht für sich verwenden, sondern für die islamische Mission ([[Dawa]]) ausgeben. Er betonte, dass diese Regelung zeitlich und räumlich begrenzt war. Sobald der Islam sich von seiner momentanen Schwäche erholt haben wird, wird dieser Dispens ungültig. In einem weiteren Rechtsspruch lehnte er Lebensversicherungen ab, weil er sie mit Glücksspiel gleichsetzte.<ref>[[Muniruddin Ahmed]]: [http://munirdahmed.netfirms.com/Fiqh.html Das Fiqh der Ahmadiyya]</ref> ;Apostasie Muslimische Theologen sind sich einig, dass [[Apostasie im Islam|Apostasie]] ein strafwürdiges Verbrechen sei. Die Ahmadiyya hat sich jedoch theologisch gegen eine Bestrafung von Apostaten festgelegt.<ref>AMJ: „Der Islam sieht keine weltliche Strafe für Apostasie vor.“, in: [http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/ahmadiyyat/weisses_minarett/apostasie.html Tod dem Ketzer? – Über Eiferer und Abtrünnige im Islam], Weißes Minarett, Januar 1998, Seite 20<br />AMJ: [http://www.alislam.org/library/books/mna/chapter_7.html Punishment for Apostasy] (alislam.org)</ref> Zu den bedeutungsvollsten Rechtssprüchen Hakim Nur-ud-Dins zählt seine Fatwa darüber, dass neben [[Juden]] und [[Christen]] auch [[Parsen]], Anhänger Zoroasters, sowie [[Hindu]]s und die [[Buddhist]]en zu den [[Ahl al-Kitab]] (Schriftbesitzern) gehören. Vor wenigen Jahren veröffentlichte das Ahmadiyya-Zentrum in Rabwah ein Buch über das „Fiqh-e-Ahmadiyya“. ;Dschihad Dschihad umschreibt die Anstrengungen oder das Bemühen auf dem Weg Gottes zur Umsetzung und Ausbreitung des Glaubens an Allah und die Wahrheiten der Botschaft des [[Koran]]s. Die Ahmadiyya unterscheidet dabei drei Ebenen: *Der größte Dschihad (''dschihād akbar''): ::Der Kampf gegen das niedere Selbst, die Seele, die zum Bösen verführt, die Schwächen und Fehler von denen niemand gerne spricht. (Privater Dschihad) *Der große Dschihad (''dschihād kabīr''): ::Das Verbreiten von Weisheit und Wissen, vornehmlich anhand der Lehren des Heiligen Korans. (Gesellschaftlicher Dschihad, soziales Engagement, Mission, Dawa) *Der kleine Dschihad (''dschihād saghīr''): ::Die Verteidigung von Glauben, Gut und Leben, notfalls mit der Waffe. Dies gilt nur für den Verteidigungsfall. (Dschihad des Schwertes) Die Ahmadiyya bezieht sich für diese Gliederung auf den Propheten Mohammed, der, als er von einem Feldzug zurückkehrte, einem Hadith zufolge gesagt haben soll: ::''»Wir kommen aus dem kleinen Dschihad und vor uns liegt der größte Dschihad.«'' Der Kampf des Mystikers um Gotteserkenntnis wird demnach ebenso als Dschihad verstanden wie die Missionstätigkeit eines Predigers. Der Dschihad kann aber auch weltlich verstanden werden, so wie in Tunesien der Kampf gegen das Analphabetentum als Dschihad deklariert wurde. Mirza Ghulam Ahmad lehrte, dass der Dschihad der heutigen Zeit nicht der „Dschihad des Schwertes“, sondern der „Dschihad der Zunge“ und der „Dschihad der Feder“, also ein „Kampf des Argumentes“ sei. ;Homosexualität Die Ahmadiyya lehnt Homosexualität als ein un-islamisches, un-christliches und un-jüdisches Verhalten ab. Allerdings will sie damit nicht zu Verfolgung, Hass oder Gewalt aufrufen. Homosexuelle Veranlagung soll nicht öffentlich gezeigt werden. So heißt es über lesbische Mosleminnen: „Wenn man es ihnen aber gestattet, sich frei in der Gesellschaft zu bewegen, können sie auch andere Frauen anstecken. Aus diesem Grunde soll das Ausgehverbot genügen, und sie dürfen ohne Begleitung nicht alleine ausgehen.“<ref>AMJ: [http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/library/60-fragen_und_antworten/59.html 60 Fragen und Antworten: Homosexualität]</ref> Offen homosexuell lebende Mitglieder müssen deshalb mit einem Ausschluss aus der Gemeinde rechnen.<ref>[http://www.taz.de/dx/2007/04/27/a0155.1/text.ges,1 Die Ahmadiyya-Gemeinde nimmt Abstand von der Behauptung, es gäbe einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und dem Verzehr von Schweinefleisch], taz vom 27. April 2007</ref> === Motto und Symbole === Das Motto AMJ, ''Liebe für alle, Hass für keinen'', stammt von [[Mirza Nasir Ahmad]].<ref>Das Motto „Love for All, Hatred for None“ erwähnte [[Mirza Nasir Ahmad]] in einer Rede in England.</ref> Das Symbol der Ahmadiyya-Bewegung ist das [[Weißes Minarett|Weiße Minarett]] von [[Qadian]]. == Organisation und Aufgaben == === Führung === {| cellpadding="6" style="margin: 0em 0em 0em 0; border: 0px #aaa solid; border-collapse: collapse;" ! || Khalifat-ul Massih der AMJ || || Emire der AAIIL |- ! valign="top" | | valign="top" | # [[Hakim Nur-ud-Din]] (1908-1914) # [[Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad]] (1914-1965) # [[Mirza Nasir Ahmad]] (1965-1982) # [[Mirza Tahir Ahmad]] (1982-2003) # [[Mirza Masroor Ahmad]] (seit 2003) || | valign="top" | # [[Maulana Muhammad Ali]] (1914-1951) # [[Sadr-ud-Din]] (1951-1981) # [[Saeed Ahmad Khan]] (1981-1996) # [[Asghar Hameed]] (1996-2002) # [[Abdul Karim Saeed Pasha]] (seit 2002) |} === Organisation der AMJ === Die AMJ besteht aus den drei Teilorganisationen [[Khuddam-ul Ahmadiyya]] (Männer im Alter von 15–40 Jahren), [[Ladschna Imaillah]] (Frauen) und [[Ansarullah]] (Männer ab 40 Jahren). Die Mitgliederstärke ergibt sich aus den Mitgliedern der Teilorganisationen, die alle drei gleich aufgebaut sind. Es gibt die vier Ebenen der Lokalgemeinde (Lokal Dschamaat), Regional Dschamaat, National Dschamaat und die internationale Ebene. Auf jeder Ebene gibt es einen Vorsitzenden (Sadr), dazu viele Amtsträger (Aamla), die alle kleinere Aufgaben wahrzunehmen haben: Pressearbeit, Bildung, Erziehung, Literatur, Sport, usw. In großen Dschamaats kann es viele Amtsträger geben, während in kleinen Dschamaats mehrere Funktionen von einer Person wahrgenommen werden. Jede Teilorganisation verwaltet und führt sich selbst. Besonders ist das bei der Ladschna Imaillah wichtig, wo es auch in der Führung keine Männer gibt. Es gibt allerdings eine Aufgabenteilung. So sind die Khuddam auch für den Aufbau der Veranstaltungen der Ansarullah und der Ladschna zuständig, sowie für Sicherheitsdienste, da die Ahmadiyya Muslim Dschamaat keine fremden Sicherheitsdienste nutzt. Für die Technik sind Männer sowie Frauen zuständig. Frauen bedienen auf ihren Veranstaltungen die Technik selbst. Beim gemeinschaftseigenen [[Fernsehen|Fernsehkanal]] [[Muslim Television Ahmadiyya|MTA]] (Muslim Television Ahmadiyya) gibt es bereits Sendungen, die von Frauen gestaltet, moderiert und technisch umgesetzt werden. Die wichtigste Veranstaltung ist die Dschalsa Salana, die jährlich stattfindet. Das höchste Entscheidungsgremium ist die [[Schura]]. Die dort gefassten Entschlüsse bedürfen aber noch der Zustimmung des Kalifen. ==== Mitgliedschaft ==== Mitglied wird man durch Ablegen des [[Baiat]] (Treuegelübde) gegenüber dem amtierenden Kalifen. Jeder Ahmadi gehört einer der drei Teilorganisationen ''Khuddam-ul Ahmadiyya, Ladschna Imaillah'' oder der ''Ansarullah'' an. Stirbt ein Kalif, muss gegenüber dem neugewählten Kalifen das Treuegelübde erneuert werden. Im Baiat verkündet der gläubige Ahmadi seine Treue gegenüber dem amtierenden Kalifen, die Praktizierung des Islams, das Fernhalten von Sünden jeder Art, und das Bekenntnis zu den Glaubensgrundsätzen der Ahmadiyya. Außerdem verpflichtet man sich 1/16 des monatlichen Einkommens an die AMJ als monatlichen Mitgliedsbeitrag abzuführen. Der Austritt erfolgt durch schriftliches Aufkündigen des Baiats. ==== Unterorganisationen ==== ;Jamia-Ahmadiyya Die Jamia-Ahmadiyya ist eine theologische Schule, die am 25. Mai 1928 von Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad in Qadian zur Ausbildung von Ahmadi-Theologen gegründet wurde. Heute unterhält die Ahmadiyya theologische Schulen in [[Qadian]] (Indien, Mai 1928),<ref>[http://www.ahmadiyya.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=228 Biographie – Mirza Bashir-ud-Din Mahmood Ahmad, Khalifatul Massih II]</ref> [[Rabwah]] (Pakistan),<ref>[http://www2.alislam.org/gallery/zafrulla/ado Rabwah Teachers Gallery]</ref> Ghana (März 1966), Indonesien (März 1982), East Mississauga (Kanada, September 2003)<ref name="jamia_ca" /> und London (Großbritannien).<ref>[http://www2.alislam.org/gallery/Jamiauk Jamia Ahmadiyya UK]</ref> Die AMJ will im September 2008 in [[Darmstadt]] eine Jamia eröffnen.<ref>AMJ: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, August 2006, S. 19</ref> Der Khalifat-ul Massih V. hat dem Antrag zu einem mit 90 Zimmern ausgestatteten Gebäude bereits zugestimmt. Damit werden die ersten islamischen Theologen, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, in rund 7 Jahren ihre Ausbildung beendet haben. ;Tehrik-e-Jadid Der Tehrik-e-Jadid-Plan wurde am 23. November 1934 mit dem Ziel gegründet, reformerische Aktivitäten und missionarische Arbeit im Ausland voranzutreiben. Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad bezeichnete Tehrik-e-Jadid als „Sprungbrett zur Etablierung der neuen Weltordnung“.<ref name="bulletin_2006_11">AMJ: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, November 2006, S. 35</ref> Für ihn war „das Fundament des Sieges der Religion und das Fundament der Dominanz von Ahmadiyya von jeher mit Tehrik-e-Jadid verbunden.“<ref>AMJ: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Februar 2006, S. 26</ref> So wurden viele Ahmadiyya-Muslim-Missionsstationen in der gesamten Welt gegründet. Erste Missionen wurden in Großbritannien 1913 in [[London]], in den USA 1921 in [[Chicago]], in Deutschland 1923 in [[Berlin]] eröffnet. ;Waqf-e-Jadid Seit 1957 wird das Tehrik-e-Jadid-Programm durch Waqf-e-Jadid ergänzt, ein Programm für die religiöse Bildung in den ländlichen Gebieten des Subkontinents.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/library/history/ahmadiyya/72.html A Brief History of Ahmadiyya Movement In Islam], Seite 72</ref> Die Ahmadiyya legt ihren Mitgliedern nahe, ihre Häuser zu verkaufen, um diese Pflicht zu erfüllen.<ref>Ansprache des Kalifen zu Waqf-e-Jadid am 5. Januar 1957, Freitagsansprache Haider Ali Zafar vom 12. Dezember 2003. Quelle: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Dezember 2006, S. 20</ref> Auch von Kindern wird Opferbereitschaft verlangt.<ref>Der Kalif forderte in der Freitagsansprache am 7. Januar 2005 die Ahmadi-Mütter dazu auf, ihre Kinder in dem Waqf-e-Jadid einzuschreiben. Quelle: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Juli/August 2005, Seite 29</ref> ;Waqf-e-Nau Das Waqf-e-Nau (wörtlich: Programm der neuen Aufopferung) startete Mirza Tahir Ahmad am 3. April 1987 mit den Worten: „Dies ist eine Zeit, in der das erste Jahrhundert islamischer Überlegenheit nach und nach übergeht in das zweite Jahrhundert islamischer Glorie. Es sollte ihrem (Waqfien-e-Nau) Bewusstsein entspringen, dass sie zu einem bedeutenden Kreuzpunkt der Geschichte geboren wurden. Wir haben um sie gebetet und gefleht bei Allah, dass Er sie zu herausragende Mudschaddids als Lehrer für die nachfolgende Generation mache.“,<ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.us/index.php?option=com_content&task=view&id=57&Itemid=70 Introduction to Department of Waqf-e-Nau]</ref>um den Nachwuchs für einen Dienst in der Dschamaat vorzubereiten und damit die Zukunft der Dschamaat zu sichern. Ahmadi-Eltern empfinden es als eine Ehre, ihre Kinder diesem Programm widmen zu dürfen. Von klein auf bekommen diese „Waqfien-e-Nau“ zusätzlichen Unterricht. Eltern können vor der Geburt ihr Kind schriftlich beim Kalifen zum Waqf-e-Nau widmen. Der Kalif entscheidet über den Antrag. Im Alter von 16 bis 18 Jahren entscheiden die gewidmeten Kinder, ob sie weiterhin Waqf-e-Nau bleiben oder aus dem Programm austreten möchten. Weltweit soll es rund 40.000 Waqfien-e-Nau geben, überwiegend in Pakistan, Indien, Deutschland, Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika. ;Sami wa Basri Die Abteilung Sami wa Basri (Hören und Sehen) ist verantwortlich für Musikkassetten, CD, Video und DVD. Die MTA-Studios gehören zu dieser Schoba (Abteilung): ;Ischat Die Abteilung Ischat (Publikationen) ist für das Schrifttum verantwortlich, vom internen Bulletin über Werbebroschüren bis hin zu Büchern. Nach außen firmiert diese Abteilung in Deutschland und der Schweiz unter dem Namen „Verlag Der Islam“. ;Nusrat Jehan Stiftung Die Nusrat Jehan Stiftung baut und betreibt Schulen, Krankenhäuser und andere humanitäre Projekte. Der dritte Khalifat-ul Massih unternahm 1970 eine Reise durch Westafrika, um im Rahmen des „Nusrat-Jehan-Plans“ die Förderung des Schul- und Gesundheitswesens in Westafrika voranzubringen. ;Humanity First Der Organisation [[Humanity First]] ist von der Ahmadiyya Muslim Dschamaat 1992 zu dem Zweck gegründet worden, um in Katastrophenfällen mit anderen Hilfs- und Rettungsdiensten kooperieren zu können. ==== Finanzierung ==== ;Tschanda (auch Chanda) Zu den Pflichtabgaben eines Ahmadi zählen: # Der Mitgliedsbeitrag (''Tschanda Aam'') beträgt für jeden Ahmadi, der über ein Einkommen verfügt, 1/16 des Netto-Einkommens bzw. der Einnahmen, die das Mitglied erhält. Darunter fallen auch jene Gelder, wie bspw. Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Sozialleistungen wie Sozialhilfe und Kindergeld. Wenn jemand nicht in der Lage ist, dementsprechend seinen Mitgliedsbeitrag zu leisten, kann er sich davon mit einer Bitte an den amtierenden Kalifen befreien lassen. Der der Bitte um Befreiung wird in der Regel entsprochen. Es wird den Bittstellern allerdings nahegelegt, zumindest einen symbolischen finanziellen Beitrag zu leisten – z.B. ein Euro – damit das Mitglied jener Segnungen teilhaftig wird, die im Koran den Spendenden verheißen werden.<br/>Wer dieser Spende nicht nachkommt, dem wird das aktive und passive Wahlrecht entzogen, d.h. er oder sie kann in kein Amt gewählt werden und darf an den Wahlen für Ämter nicht teilnehmen. # Eine weitere Pflichtabgabe ist an die jeweilige Unterorganisation zu zahlen. Für Männer zwischen 15 und 40 Jahren sind 1% vom Netto-Jahreseinkommen an die [[Khuddam-ul Ahmadiyya]], für über 40Jährige sind 1% vom Netto-Jahreseinkommen an die [[Ansarullah]] zu zahlen. Frauen der Gemeinde zahlen 2 Euro pro Monat an die [[Ladschna Imaillah]]. # Die Tschanda Dschalsa Salana kommt ausschließlich der Finanzierung der Jahresversammlung der Ahmadiyya Muslim Dschamaat zugute. Sie beträgt einmal jährlich 1% eines Netto-Monatseinkommens. # Zum Id-ul-Fitr, d.h. dem Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan ist ein Almosen, Fitrana genannt, zu zahlen. Ihre Höhe beträgt den Gegenwert in Geld von 2,75 Kilo Weizen, also ca. 2,50 Euro pro Mitglied des Haushaltes.<ref>Die Fitrana ist schon für Neugeborene zu zahlen. Quelle: Ahmadiyya Muslim Bulletin, Oktober 2006, Seite 15</ref> # Neben diesen Spendenarten besteht die Pflicht [[Zakat]] zu entrichten. Die Zakat wird ebenfalls von der AMJ eingezogen und anschließend an Bedürftige verteilt.<ref>Quelle: Deutsches Ahmadiyya Bulletin, November 2006, Seite 37/38</ref> ;Freiwillige Tschanda Darüber hinaus werden freiwillige Spenden für eine Reihe von Fonds gesammelt. Es wird jedoch beobachtet, dass diese freiwilligen Spenden mehr und mehr zur Pflicht werden.<ref>Answering-Ahmadiyya.com: [http://answering-ahmadiyya.com/index.php?option=com_content&task=view&id=21&Itemid=46 Ein Ex-Ahmadi erzählt]</ref> Es gibt Spenden für das Dschamaat-Fernsehen MTA; Waqf-e-Jadid und Tehrik-e-Jadid für die Verbreitung des Islam bzw. den Unterhalt von neuen Moscheen in aller Welt; Spenden für Moscheenbauprojekte in Deutschland, Spenden zur Vergabe von Stipendien an begabte, aber arme Studenten und vieles mehr. Es gibt Sonderspenden wie Tschanda Bosnien, Tschanda Afrika, Tschanda für Tsunami-Opfer usw. Für die 100-Jahr-Feier im Jahre 1989 wurde 16 Jahre lang eine Sonderspende gesammelt. Derzeit wird eine Sonderspende für die Festlichkeiten zum 100 jährigen Jubiläum des Kalifats im Jahre 2008 gesammelt. Des Weiteren soll „als Beweis für den Dank der Barmherzigkeit Allahs, dem 5. Khalifat-ul Massih von der Gemeinde aus eine angemessene Summe als Dankeschön“ geschenkt werden, „mit der Bitte, diese Summe […] anzunehmen und nach eigenem Belieben auszugeben.“ <ref>Deutsches Ahmadiyya Bulletin, März 2006, S. 14. Die AMJ Deutschland hat versprochen, dem Kalifen 250 000 Euro zu schenken. Ahmadiyya Muslim Bulletin, Oktober 2006, Seite 16</ref> ;Wasiyyat Ein weiteres Spendenprogramm, für das besondere Segnungen und eine Beerdigung auf einem speziellen Friedhof in [[Rabwah]], der „Himmlischer Frieden“ genannt wird, versprochen werden, heißt Wasiyyat (das Testament). Eine Person, ob Mann oder Frau, die eine Wasiyyat-Erklärung abgibt, wird Musi genannt, der dann (statt der o.g. 1/16) 1/10 bis 1/3 des Netto-Einkommens monatlich spendet. Darüber hinaus verpflichtet er sich 10% seines Erbes für die Ziele des Islam zu spenden (d.h. an die AMJ abzutreten) und ein spirituell sehr hohes moralisches Leben zu führen. Am 1. August 2004 äußerte der Khalifat-ul Massih V. in der Abschlussrede der Dschalsa Salana England den Wunsch, dass bis 2008 in jedem Land sich mindestens 50% der Mitglieder mit eigenem Einkommen diesem ''Nizam-e-Wasiyyat'' anschließen. In einer weiteren Ansprache am 14. April 2006 machte der Kalif die Aussage, dass alle Amtsinhaber zu 100% an dem Programm teilnehmen sollten.<ref>Deutsches Ahmadiyya Bulletin, Dezember 2006, S. 21/22; Januar 2007, S. 19; Sonderausgabe 2005</ref> ==== Webpräsenz ==== Die erste Webseite der AMJ startete 1994 und unter den freiwilligen Mitarbeitern gab es die Überzeugung, dies sei ein Gottesgeschenk für ihre Gemeinschaft, die sich immer missverstanden fühlte. Zögern und der Widerstand ihrer Führung führte schließlich zum Schließen aller Internet-Präsenzen bis auf eine offizielle Webseite, Diskussionen (Foren) wurden unterbunden. Mirza Tahir Ahmad – und auch sein aktueller Nachfolger – verfügten ein Moratorium für das Diskutieren über und Argumentieren mit Gegnern. Nach den aktuellen Internet-Richtlinien sind nationale Web-Präsenzen erlaubt, gleiches gilt für Unterorganisationen wie Humanity First, MTA, Khuddam-ul Ahmadiyya, doch unterliegen sie alle zentraler Kontrolle und Genehmigung.<ref>AMJ: <!--http://www.ahmadiyya.de/internes/internet_policy.html--> Policy Governing Internet, Websites und E-Mail, Stand: Juli 2004</ref> Im April 2007 wurde die Webpräsenz stark verkleinert, nachdem öffentlich über einen Artikel in dem Ahmadiyya-Jugendmagazin „JJJ“ diskutiert wurde, wobei es um das Verhältnis von Schweinefleisch und Homosexualität ging.<ref>[http://www.morgenpost.de/content/2007/04/12/berlin/893842.html Ahmadiyya-Jugend: Schweinefleisch macht schwul], Berliner Morgenpost am 12. April 2007; IPAHB: [http://www.ipahb.de/index-Dateien/Page2788.htm Gelöschte Seiten der Ahmadiyya-Page]</ref> Dafür wurden andere Webseiten ausgebaut.<ref>AMJ: [http://www.khuddam.de/ Khuddam-ul Ahmadiyya Deutschland], [http://www.iasv.de/ IASV – Islamische Ahmadiyya Studenten Vereinigung Deutschland]</ref> === Ziele === ==== Vorherrschaft des Islam ==== Ahmadis glauben fest an die bevorstehende Vorherrschaft des Islam. Die Ahmadiyya sieht keinen Unterschied zu anderen islamischen Bewegungen, außer in ihren Anstrengungen „die ursprüngliche Schönheit und Einfachheit des Islam“ wiederherzustellen und den absoluten Verzicht auf Gewalt bei der Verfolgung ihrer Ziele. Der Missionseifer der Ahmadiyya gründet sich in der Vision des Mirza Ghulam Ahmad von der „Eroberung Europas für den Islam“. Angesichts der Schwemme von christlichen Missionaren auf dem indischen Subkontinent genügte es Mirza nicht, die Angriffe der Christen auf den Islam nur passiv abzuwehren. Sein Ehrgeiz war es zur Offensive überzugehen, den Islam nach Europa zu tragen und die Invasoren in die Defensive zu drängen. Er war vollkommen überzeugt, dass „der Islam blühen und die Welt beherrschen“ werde und hat diesen Wunsch in die Herzen seiner Anhänger eingepflanzt. In ihrem „Glauben und Enthusiasmus“ und der „Opferbereitschaft“ für dieses Ziel läge das „Geheimnis für den Erfolg der Ahmadiyya-Bewegung“.<ref>AAIIL: [http://www.muslim.org/bookspdf/trueconc/truecon2.pdf True Conception of the Ahmadiyya Movement], Seite 44f</ref> Welches Ziel die Ahmadiyya mit ihrem Missionseifer verfolgt, geht u.a. aus dem Kommentar zu Sure 30 Vers 58 hervor: {{Zitat|Beim ersten Aufstieg des Islams war der Untergang der christlichen Völker nicht endgültig, aber sein Wiederaufstieg in unserer Zeit wird die vollständige Verdrängung des heutigen Christentums herbeiführen.|Koran – Der Heilige Qur-ân|Anmerkung 153 <ref>''Koran – Der Heilige Qur-ân'', Verlag der Islam, 1996, ISBN 978-3-921458-00-6</ref>}} ==== Missionsarbeit ==== Um die „Vorherrschaft des Islam“ Wirklichkeit werden zu lassen unternimmt die Ahmadiyya erhebliche Missionsanstrengungen. Dazu gehört die Entsendung von Missionaren in alle Welt (siehe [[Wilmersdorfer Moschee]]), die Produktion großer Mengen von Publikationen in eigenen Verlagen (Verlag Der Islam) und die Verbreitung missionarischer Fernsehsendungen mit einem eigenen Sender ([[Muslim Television Ahmadiyya|MTA]]). Bereits 1934 wurde der „Tehrik-e-Jadid-Plan“ mit dem Ziel gegründet, missionarische Arbeit im Ausland voranzutreiben, den Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad als „Sprungbrett zur Etablierung der neuen Weltordnung“ bezeichnete. <ref name="bulletin_2006_11" /> Für diese Aktivitäten (MTA, Tehrik-e-Jadid) gibt es eigene Spendenaktivitäten. ==== 100-Moscheen-Plan ==== Das Ziel, 100 Moscheen in Deutschland zu bauen, steht im Rahmen der weltweiten Missionsanstrengungen. Das „[[100-Moscheen-Plan|100-Moscheen Projekt]]“ wurde anlässlich der „100-Jahr-Feier“ 1989 vom 4. Kalifen, [[Mirza Tahir Ahmad]], bekannt gegeben und sollte ursprünglich in 10 Jahren umgesetzt werden.<ref>AMJ: [http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/aktuelles/moscheebau/100-moschee-plan.html 100-Moschee-Plan]<br />Evangelische Informationsstelle: [http://www.relinfo.ch/ahmadiyya/ahmadiyya.html Ahmadiyya-Bewegung – Das 100-Moscheen-Projekt]</ref> Der zwischenzeitlich auf 2010 verschobene Termin wird bei jährlich 4-6 Moschee-Neubauten ebenfalls nicht erreicht werden. Das Ziel ist [[Hinterhofmoschee]]n und angemietete Objekte aufzugeben und damit etwa 40% der 250 Ortsgemeinden mit einer Moschee auszurüsten. In Berlin wird zurzeit in [[Berlin-Heinersdorf#Politik|Heinersdorf]] die [[Chadidscha-Moschee]] gebaut. ==== Vereinigung der Religionen im Islam ==== Die Ahmadiyya lehrt, dass [[Buddha]], [[Krishna]], [[Abraham]] und [[Jesus Christus]] islamische Propheten waren, sich aber durch Vergessen, Manipulationen und Hinzufügungen die Religionen [[Buddhismus]], [[Hinduismus]], [[Judentum]] und [[Christentum]] entwickelt haben. Sie wollen in all diesen Religionen Anzeichen dafür gefunden haben, dass sie in der „Endzeit“ einen „Reformer“ erwarten, der im [[Islam]] als [[Mahdi]] erwartet wird. Mirza Ghulam Ahmad verstand sich als die prophezeite Wiederkunft von Jesus, Krishna und Buddha in einer Person. Mirza Ghulam Ahmad beanspruchte die Eigenschaften all dieser Propheten in sich zu vereinen und im Geist und der Kraft der früheren Propheten erschienen zu sein.<ref>[http://www.alislam.org/library/books/revelation/part_7_section_1.html „Revelation, Rationality, Knowledge & Truth“, Kapitel 7: „Future of Revelation“], Islam International Publications Ltd., ISBN 978-1-85372-640-8 <br /> [http://www.alislam.org/books/truth/reflection.html „Truth about Ahmadiyya“, Kapitel 8: „Reflection of all the Prophets“]</ref> Er will die Ahmadiyya-Bewegung im göttlichen Auftrag gegründet haben,<ref>[http://www.alislam.org/library/links/00000185.html A Life Sketch of the Promised Messiah]</ref> damit sich alle Religionen unter dem Banner des Islams vereinigen, was sich innerhalb von 300 Jahren erfüllen soll.<ref>„Da die Epoche der Vorherrschaft des Glaubens an die Kreuzigung Christi vorbei ist und die Welt ihr Gesicht geändert hat, so wird dieser Glaube den Weisen verleidet sein, und bevor drei Jahrhunderte vergangen sind, werden alle, die auf Jesus warten, die Muslime und die Christen, verzweifelt und mißtrauisch diesen Glauben aufgeben. Es wird in dieser Welt nur eine Religion geben und nur einen Propheten, der uns leitet.“, Mirza Ghulam Ahmad, ''Tazkirah'', Seite 462-463</ref> Diese Vorstellungen werden im interreligiösen Dialog teils als vereinnahmend teils als [[Synkretismus|synkretistisch]] verstanden. == Gegenwart == Die AMJ zählt in Deutschland etwa 30.000 Mitglieder in 250 Gemeinden.<ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya-muslim-jamaat-im-islam/einfuhrung/einfuhrung_2.html Dschamaat-Geschichte in Deutschland],<br /> [http://www.spiegel.de/international/0,1518,456751,00.html The Muslims Are Coming!], Spiegel vom 28. Dezember 2006, [http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,439389,00.html Schäuble wünscht sich „deutsche Muslime“], Spiegel vom 27. September 2006</ref> Weltweit hat sie die Zahl ihrer Anhänger 2005 mit 200 Millionen angegeben,<ref>AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/jalsa/2005/de/grussworte.html Grußwort von Abdullah Wagishauser auf der Dschalsa Salana Deutschland 2005]</ref> auf der Dschalsa Salana UK 2006 wurde diese Angabe allerdings mit 80 Millionen nach unten korrigiert.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/introduction/index.html Overview]</ref> Diese Angaben werden als überhöht kritisiert.<ref>[[Muniruddin Ahmed]]: [http://munirdahmed.netfirms.com/Soziologie.html „Angaben über die Zahl ihrer Anhänger sind gegenwärtig sehr widersprüchlich. Allein in Pakistan sollen sich laut Bekundungen des Oberhaupts der Ahmadiyya über drei Millionen Menschen zu ihr bekennen. Diese Zahl dürfte weit übertrieben sein. Bedeutende Ahmadi-Gemeinden in Großbritannien, in der Bundesrepublik Deutschland und in den skandinavischen Ländern bestehen vorwiegend aus eingewanderten Pakistanis. Trotz einer weltweiten Verbreitung darf nicht übersehen werden, dass die überwiegende Mehrzahl der Ahmadis aus Punjab, der Heimatprovinz von Mirza Ghulam Ahmad, stammt.“], XX. Deutschen Orientalistentag 1977 in Erlangen, <br />[http://munirdahmed.netfirms.com/Ausschluss.html „Es werden imposante Zahlen von Konvertierten genannt, die durch die Ahmadiyya-Missionen zum Islam übergetreten seien. Dabei ist belegbar, dass sie die Mitgliederzahlen immer höher als der Wirklichkeit entsprechend angibt. Gegenwärtig wird die Gesamtzahl der Ahmadis in der Welt mit 10 Millionen angegeben. Es ist eine Tatsache, dass durch die Manipulationen an den Zahlen in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, als ob die Ahmadiyya sehr rasch zunähme.“], Orient 16 (1975), S. 112-143 <br />Anti Ahmadiyya Movement: [http://www.alhafeez.org/rashid/baitfraud.html Fraud of Baiat in Germany – Deceptions of Abdullah Wagishauser and Zubair Khalil], [http://www.ahmedi.org/node/3 International Baiat Figures Published by Al-Fazal]</ref> Eine andere Quelle spricht von geschätzten 10 Millionen Ahmadis.<ref>„Of the estimated 10 million Ahmadis, some 12,000 were said to be in the U.S.“<br/>Quelle: Religion. Encyclopædia Britannica, [http://www.britannica.com/eb/article-231690 Encyclopædia Britannica Online], Review 1998</ref> Die derzeitige Hauptverwaltung der AMJ befindet sich in [[Rabwah]] (Pakistan). Größere Gemeinden der Ahmadiyya Muslim Dschamaat bestehen außer in Südost-Asien in Europa (England, Deutschland), Nord-Amerika (USA, Kanada) und West Afrika (Ghana, Nigeria etc). Ihre größten Missionierungserfolge erzielte Ahmadiyya in West- und Ostafrika, wo sie sich auch im Bildungs- und Sozialwesen engagiert (Bau von Schulen und Krankenhäusern). Die AAIIL hat eine Gemeinde in [[Berlin-Wilmersdorf]] mit 60 Mitgliedern.<ref>[http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/29.08.2001/ak-be-be-4414392.html Mit Kuppel komplett. Gotteshaus an der Brienner Straße erhielt krönenden Abschluss.], Der Tagesspiegel am 29. August 2001</ref> Es gibt keine zuverlässigen Quellen über die globale Mitgliederstärke. Sie hat eine Moschee in Europa, die [[Wilmersdorfer Moschee]] in [[Berlin]]. Besonders in den [[Niederlande|Niederlanden]] hat die AAIIL weitere Gemeinden. === Forschung === Trotz der langjährigen Präsenz der Ahmadiyya liegt bisher kaum wissenschaftliche Forschung zu ihrer gesellschaftlichen Stellung und kulturellen Integration in Deutschland und anderen Ländern Europas vor. Das Berliner ''Zentrum Moderner Orient'' (ZMO) strebt mit dem Teilprojekt „Die Ahmadiyya in Deutschland im Spannungsfeld zwischen islamischer Identität und säkularer Einbettung“ eine Verbesserung dieser Situation an und begründet den Bedarf zusätzlich auch mit den Kontroversen über Moscheebauprojekte und mit der Kritik, die von Vertretern anderer Religionsgemeinschaften und von Frauenrechtlerinnen vorgebracht wurde.<ref>[http://www.zmo.de Zentrum Moderner Orient]: [http://www.zmo.de/muslime_in_europa/downloads/Artikel/Lathan_%20Muslime%20in%20Europa.pdf Muslime in Europa – Die Ahmadiyya]</ref> === Moscheebau === [[Bild:Moschee Wilmersdorf.jpg|thumb|Älteste Moschee Deutschlands in Berlin-Wilmersdorf]] ;Moscheebau der AAIIL Neben der [[Wilmersdorfer Moschee]] errichtete die AAIIL 1913 eine Missionsstation in [[Woking]] (bei London) und betrieb dort eine Moschee (Shah Jehan Mosque) bis in die 60er Jahre.<ref>[http://www.wokingmuslim.org/history/woking.htm Brief history of the Woking Muslim Mission] (siehe letzter Abschnitt)</ref> ;Moscheebau der AMJ Als erste [[Moschee]] in Europa wurde 1924 die [[Al-Fazl-Moschee]] in [[London]] eingeweiht. 1957 und 1959 entstanden die [[Fazle-Omar Moschee]] in [[Hamburg]] und [[Nuur-Moschee]] in [[Frankfurt am Main]], 1963 die [[Mahmud-Moschee]] in [[Zürich]]. Am 10. September 1982 wurde die [[Bascharat-Moschee]] in [[Pedro Abad]] ([[Córdoba (spanische Provinz)|Córdoba]]) von Mirza Tahir Ahmad eingeweiht. Dies war der erste [[Moscheebau]] in [[Spanien]] seit etwa 700 Jahren. [[Bild:Baitul Futuh.jpg|thumb|left|Baitul Futuh - Größte Moschee Westeuropas]]Mit dem [[Baitul Futuh]] wurde am 3. Oktober 2003 eine 4.500 Gläubige fassende Moschee in London eingeweiht.<ref>Die Moschee im Baitul Futuh fasst 4.500 Gläubige, das Gebäude mit allen zum Gebet nutzbaren Räumen fast 10.000 Besucher.</ref> In Berlin wird zurzeit in [[Berlin-Heinersdorf#Politik|Heinersdorf]] die [[Chadidscha-Moschee]] gebaut. Die Spenden werden von den Ahmadifrauen ([[Ladschna Imaillah]]) aufgebracht, die Architektin Mubaschra Ilyas hat schon an Moschee-Entwürfen in Bremen und Offenbach mitgewirkt. <ref>[http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/1227/lokales/0049/index.html Heinersdorfer Moschee soll Khadija-Moschee heißen], Berliner Zeitung vom 27. Dezember 2006, <br />[http://www.morgenpost.de/content/2007/01/05/berlin/875061.html 28-Jährige ist Moschee-Architektin Mubashra Ilyas], Berliner Morgenpost vom 5. Januar 2007</ref> AMJ verfolgt in Deutschland ein „[[100-Moscheen-Plan|100-Moscheen Projekt]]“. Die Durchführung dieses Plans wird in Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen und führte in einigen Orten zur Gründung von Bürgerinitiativen, so in [[Schlüchtern#Gegenwart|Schlüchtern]] (Hessen) und [[Berlin-Heinersdorf#Politik|Heinersdorf]] (Berlin). Weltweit sollen über 14.000 Moscheen der AMJ gehören. 8.000 davon will die AMJ selbst gebaut haben.<ref>AMJ: [http://www.alislam.org/introduction/intro.pdf Infoblatt: The Ahmadiyya Muslim Community]</ref> Die meisten sollen sich in Südasien und Afrika befinden. == Verfolgung == Die Ahmadiyya Muslim Dschamaat wird wegen ihrer Ablehnung der orthodox-islamischen [[Christologie]] von vielen Muslimen nicht als islamisch anerkannt und ihre Anhänger in einigen Ländern religiös verfolgt.<ref>AMJ: [http://www.thepersecution.org/ thepersecution.org]</ref> In Pakistan wurden eigens Parteien gegründet, die sich den Kampf gegen den sogenannten Qadianismus zum Programm gemacht haben,<ref>bspw. Berliner Zeitung: [http://www.ahmadiyya.de/internes/archiv/bz_1998-05-18.htm Militante Pakistani sind in Deutschland aktiv. Verfassungsschutz bestätigt Angriffe der Gruppe „Khatme Nabuwwat“ auf Landsleute.] (18. Mai 1998)</ref> in [[Saudi-Arabien]] sind es die [[Wahhabiten]], die die Ahmadis bekämpfen. So werden Ahmadis keine Visa ausgestellt, womit ihnen praktisch die [[Haddsch|Wallfahrt]] unmöglich gemacht wird. ;Pakistan :; 1953 1953 musste erstmals der Notstand ausgerufen werden weil, angeführt von der [[Jamaat-e-Islami]], der Mob gegen die Ahmadi-Muslime auf die Straße gegangen war. Die Ausschreitungen richteten sich damals aber auch gegen die Eliten der Flüchtlinge aus [[Indien]]. :; 1974 Am 21. September 1974 wurde die Ahmadiyya vom pakistanischen Parlament auf Druck der sunnitischen Gelehrten Pakistans zu einer nicht-muslimischen Religionsgemeinschaft erklärt.<ref>[http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html Constitution (Second Amendment) Act, 1974]</ref> Formal wurden sie damit auf eine Stufe mit Juden, Christen, Buddhisten, Sikhs und Hindus gestellt, praktisch aber führte es zur Legitimierung von Gewalt gegen Ahmadis, ihre Moscheen wurden geschändet oder niedergebrannt. Des Weiteren durften sich die Ahmadis sich auch nicht mehr als Muslime bezeichnen. :; 1984 Den islamischen Gelehrten ging der Beschluss von 1974 nicht weit genug, so dass die pakistanische Regierung zu weiteren Verschärfungen der Gesetze gezwungen wurde. Unter [[Zia-ul-Haq]] wurde 1984 die Ordinance XX <ref>[http://www.thepersecution.org/50years/paklaw.html Government of Pakistan – Religious and Ahmadi-specific Laws; The Gazette of Pakistan, Extraordinary published by Authority Islamabad, April 26, 1984]</ref> verabschiedet, was den Ahmadis Missionstätigkeiten verbot, das Verbreiten von Schrifttum. Ahmadis durften ihre Gebetshäuser nicht mehr als Moscheen bezeichnen, von ihren Moscheen wurden Schilder mit der Aufschrift „Moschee“ entfernt, Schriftzüge übermalt. Ahmadis ist die Begrüßungsformel [[Salam]], sowie der Gebetsruf ([[Adhan]]) und die [[Bismillah]] untersagt und wird mit Geld- oder Haftstrafen geahndet. Aufgrund dieser Schwierigkeiten verließ Mirza Tahir Ahmad, der vierte Khalifat-ul Massih, [[Pakistan]] und wanderte nach London aus. :; 2005 Am 7. Oktober 2005 wurden acht Ahmadi-Muslime während des Fajr-Gebets bei einem bewaffneten Überfall von einigen Gegnern ermordet, zwanzig wurden schwer verletzt. ;Bangladesch In [[Bangladesch]] (dem ehemaligen Ostpakistan) sind dieselben orthodoxen Gruppen aktiv wie in Pakistan. Sie haben erreicht, das gesamte Schrifttum der Ahmadiyya verbieten zu lassen. Druck, Vertrieb, Verkauf, Besitz und Lektüre von Ahmadiyya-Literatur wurden unter Strafe gestellt. Die Klage gegen dieses Verbot ist noch beim High Court anhängig.<ref>[http://www.thepersecution.org/world/bangladesh/2006/03/ds09.html The Daily Star March 09, 2006]</ref> Eine Verschärfung der Gesetze (ähnlich wie die Ordinance XX in Pakistan) wird angestrebt. ;Indonesien Der Ursprung der Ahmadiyya in dem größten islamischen Land der Erde geht auf das Jahr 1925 zurück. Juristisch anerkannt wurde sie erstmals 1953 von der indonesischen Regierung. Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten hat aber 1984 in einem Rundbrief seine Regionalbüros angewiesen, Ahmadiyya als Irrlehre zu betrachten, seit die Anhänger Mirza Ghulam Ahmad als Prophet verehren. 2005 startete die islamische Orthodoxie in [[Indonesien]] eine Initiative, um die Ahmadiyya auch dort nach pakistanischem Vorbild amtlich zu einer nicht-islamischen Religion erklären zu lassen. Seitdem kommt es zu Übergriffen gegenüber Einrichtungen der Ahmadiyya Muslim Dschamaat, zuletzt in einem Dorf der Provinz [[Sulawesi Selatan|Südsulawesi]], wo Unbekannte in der Nacht zum 30. April 2006 in die „Nuur Rabwah Moschee“ eindrangen und Verwüstungen anrichteten.<ref>Jakarta Post vom 1. Mai 2006</ref> ;Deutschland Der 1974 durch das pakistanische Parlament erfolgte Ausschluss der Ahmadis aus der Weltgemeinschaft der Muslime hat auch Auswirkungen für die in Europa lebenden Ahmadis gezeigt. Von [[Vereinigtes Königreich|Großbritannien]] aus agieren verschiedene pakistanisch-islamische Organisationen unter der Bezeichnung „[[Pasban Khatme Nabuwwat]]“ (Siegel des Prophetentums) gegen sie. Pakistanische Fundamentalisten lobten nicht nur ein Kopfgeld für [[Salman Rushdie]] aus, sondern auch umgerechnet 250 000 Dollar demjenigen, der Mirza Tahir Ahmad tötet, den in London lebenden 4. Khalifat-ul Massih. Der Mordaufruf wurde auch in einer pakistanischen Zeitung gedruckt, die in London erscheint. Diese Terrororganisation pakistanischer Extremisten hat das Ziel Ahmadis zu bekämpfen und zu töten.<ref>[http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/0202/blickpunkt/0001/ Berliner Zeitung, am 2. Februar 1999]</ref> In Deutschland wurde diese Organisation erstmals 1998 bekannt. Am 25. März attackierten etwa 30 Extremisten drei Ahmadis im Reutlinger Heim mit Eisenstangen und Holzschlägern. Im April wurde ein Pakistaner in Heilbronn wegen schwerer Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er drei Monate zuvor einen Ahmadi krankenhausreif geschlagen hatte. In Nordrhein-Westfalen attackierte am 29. März 1998 ein militanter Anhänger der Khatme Nabuwwat im Asylbewerberheim von Borken einen Ahmadi mit einem Messer und verfehlte nur knapp dessen Halsschlagader. „Ich werde alle Ahmadis töten“, habe der Angreifer gebrüllt.<ref>[http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0518/politik/0018/ Berliner Zeitung, am 18. Mai 1998]</ref> Am 16. August 1998 veranstaltete der Pakistanische ''Wohlfahrtsverein Mannheim e.V.'' zusammen mit dem Verein ''Einheit des Islam e.V.'' aus Offenbach in den Räumen der Mannheimer [[Yavuz-Sultan-Selim-Moschee]] eine Khatme-Nabuwwat-Konferenz. In ihren Äußerungen sollen sich die Anhänger der ''Khatme Nabuwwat'' dabei nicht nur gegen die Ahmadis gerichtet haben, sondern auch gegen die Bundesrepublik Deutschland, da diese ihnen Schutz gewähre.<ref>[http://www.fes.de/fulltext/asfo/00803008.htm Friedrich Ebert Stiftung]</ref> Der deutsche Verfassungsschutz konnte diese Aktivitäten und Übergriffe aber unter Kontrolle bringen, sodass aktuell keine Gefährdung durch diese Gruppen für Ahmadis in Deutschland besteht. == Kritik an der Ahmadiyya == ;Kritik in Deutschland Die Erziehungswissenschaftlerin [[Hiltrud Schröter]] bezeichnet in ihrer Schrift ''Ahmadiyya-Bewegung des Islam'' (2002) und in diversen anderen Beiträgen <ref>Hiltrud Schröter: [http://www.moschee-schluechtern.de/texte/schroeter/index.htm Ahmadiyya: Religionsgemeinschaft auf der Basis unseres Grundgesetzes oder islamistische Politreligion?] (Vortrag, Hannover 18. Juni 2003)</ref> die Ahmadiyya als Gruppierung, die eine Gesellschaftsordnung nach Maßgabe der [[Scharia]] anstrebe und die eine [[Trennung von Religion und Staat]] nicht vorsehe. Nach ihrer Deutung sind in den Schriften der Ahmadiyya antidemokratische, antichristliche und [[Antisemitismus|antisemitische]] Auffassungen zu finden, die die Harmlosigkeit der Ahmadiyya in Frage stellen. Die [[Staatsanwalt]]schaft in [[Frankfurt am Main]] stellte im Februar 2003 ein Ermittlungsverfahren ein, das die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland e.V. wegen ''Beschimpfung eines religiösen Bekenntnisses'' gegen Schröter angestrengt hatte.<ref>Staatsanwaltschaft beim Landgericht Frankfurt am Main vom 7. Februar 2003 – [http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/aktuelles/moscheebau/landgericht_urteil.html Az.: 6100 Js 239185/02]</ref> Die ehemalige Bürgerrechtlerin [[Vera Lengsfeld]] schließt sich Schröters Analyse an. Einem ''Online-Tagebuch der Mitglieder des publizistischen Netzwerks Die Achse des Guten'' zufolge hat sie den geplanten Bau einer Moschee in [[Berlin-Heinersdorf]] als „Kaderschmiede einer islamischen Politreligion“ bezeichnet, von der latent „antisemitische und antiemanzipatorische Tendenzen“ ausgehen sollen.<ref>[http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=3101&ref=8 Jagdszenen in Pankow – Gastbeitrag von V. Lengsfeld], [[Dirk Maxeiner]], Internet-Blog „Die Achse des Guten“, 17. August 2006</ref> Einem Artikel der Hannoverschen Neuen Presse zufolge hat der Religionswissenschaftler [[Peter Antes]] Schröter vorgeworfen, „unwissenschaftlich und mit nicht belegten Unterstellungen zu arbeiten.“ Antes wird wörtlich zitiert: „Gerade die Ahmadiyya, die von den meisten Muslimen abgelehnt wird, hat ein Bekenntnis zur Demokratie abgelegt.“<ref>Der Endlose Glaubenskampf – Thema des Tages: „Streit um die Moschee in Stöcken“, Hannoversche Neue Presse vom 19. Juni 2003<br />[http://www.welt.de/data/2004/09/14/332137.html?prx=1 Angst vor Minarett: Bürgerprotest gegen Moschee], Edgar Hasse, Die Welt, 14. September 2004</ref> *Stefan Rech, [[Kulturanthropologe]] und [[Autor]] des Buches „Religionen in der Welt“, schreibt:<br/> „Die Ahmadiyya orientiert sich nach ihrem Selbstverständnis an der ursprünglichen Lehre des Islam und passt diese an zeitgenössische Bedingungen an.“<ref>Frankfurter Neue Presse vom 5. Februar .2004; Frankfurter Rundschau vom 9. Februar 2004</ref> *Stephan Rosiny, [[Islamwissenschaftler]] der [[Freie Universität Berlin|Freien Universität Berlin]], urteilt:<br/> „Wir haben es hier auf keinen Fall mit einer gewalttätigen Gruppe zu tun. Die Ahmadiyya ist in der Literatur beschrieben, eher als eine friedliche Gruppe, die für sich den Islam als eine friedliche Religion interpretiert.“<ref>[http://www.rbb-online.de/_/kontraste/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_4096434.html Blinder Volkszorn in Berlin – Wie aufgebrachte Bürger den Bau einer Moschee verhindern wollen], Kontraste, Rundfunk Berlin-Brandenburg am 13. April 2006</ref> *[[Ursula Spuler-Stegemann]], [[Turkologie|Turkologin]], sagt über Ahmadis:<br/> „Sie lehnen Gewalt ab und sind nicht militant.“<ref>Frankfurter Neue Presse vom 5. Februar 2004, Frankfurter Rundschau, vom 9. Februar 2004</ref> *[[Mathias Rohe]], [[Islamwissenschaftler]] und [[Jurist]] der [[Universität Erlangen]], erklärt:<br/> „Die Ahmadiyya versucht eine Lehre zu entwickeln, die sich anderen Glaubensgemeinschaften annähert und einen friedlichen Umgang mit ihnen propagiert.“<ref>Augsburger Allgemeine, am 19. Januar 2008</ref> *Manfred Backhausen, [[Journalist]] und [[Autor]], schreibt in seinem Buch „Die Opfer sind Schuld“:<br/> „Die Ahmadiyya-Moslem-Bewegung ist die einzige moslemische Organisation, die weder über einen politischen noch einen militanten Flügel verfügt.“<ref>Gill, I. und M. Backhausen: ''Die Opfer sind Schuld. Machtmißbrauch in Pakistan.'', Akropolis Verlag 1994, S. 41-45</ref> Entgegen anderslautenden Bekundungen wird die Ahmadiyya vom [[Verfassungsschutz]] ''weder als extremistisch noch gewalttätig'' eingestuft. Sie wird eher mit den Attributen unauffällig, integrationswillig oder friedlich beschrieben.<ref>[http://morgenpost.berlin1.de/content/2006/04/23/bezirke/824657.html „Verfassungsschutz-Chefin äußert sich im Streit um Moschee-Neubau“], Berliner Morgenpost am 23. April 2006<br />„Ahmadiyya unauffällig“, Kinzigtal Nachrichten am 26. Februar 2002 ([http://mitglied.lycos.de/ahmadiyyaarchiv/aktuelles/moscheebau/kinzigtal_nachrichten.html#5 Nachweis 1], [http://mitglied.lycos.de/moscheebau/konfliktverlauf_schluechtern.htm Nachweis 2])</ref> ;Kritik orthodoxer Muslime Die Kritik orthodoxer Muslime ergibt sich größtenteils aus den o.g. Lehrunterschieden. Der wichtigste Kritikpunkt ist dabei aus der Interpretation des koranischen Begriffs ''Siegel des Propheten'' woraus orthodoxe Muslime den Abschluss des [[Prophet]]entums verstehen, Ahmadis hingegen glauben, dass nachfolgende Propheten das ''Siegel'' [[Mohammed]]s tragen müssen, d.h. als Schattenpropheten Mohammeds ausschließlich der Lehre und dem Beispiel von Mohammed folgen müssen. Ein oft (besonders in Pakistan/Indien) erhobener Vorwurf ist, dass die Ahmadiyya von ''den Briten gepflanzt'' sei.<ref>[http://www.alhafeez.org/rashid/bjc.pdf Ahmadiyya Movement – British-Jewish Connections], 1994, by Baschir Ahmad</ref> <ref name="eslam" /> Der Hintergrund ist hierbei, dass im indischen Befreiungskampf verschiedene islamische Gruppen zum [[Dschihad]] gegen die Engländer aufriefen, während Mirza Ghulam Ahmad dies ablehnte mit der Begründung, solange die Engländer die Religionsfreiheit garantieren würden, sei ein Dschihad nicht zulässig. Die Ahmadiyya wurde daraufhin von islamischen Extremisten als Verräter eingestuft. Da Mirza Ghulam Ahmad sich selber zum Propheten erhob, wurde er von den orthodoxen Muslimen als [[Apostasie im Islam|Apostat]] angesehen. Mirza Baschir-ud-Din Mahmud Ahmad (AMJ) betonte jedoch, dass jeder wahre Muslim (Momin) verpflichtet wäre ''jeden'' Propheten Allahs anzuerkennen, sowohl vor als auch nach Mohammed. Demnach wären Nicht-Ahmadi-Muslime [[Kafir]] in Bezug auf die Ablehnung Mirza Ghulam Ahmads als Prophet.<ref>AAIIL: [http://www.ahmadiyya.org/qadis/takfir1.htm Declaring Muslims as kafir]</ref> Eine [[Fatwa]] der [[Islamische Weltliga|Islamischen Weltliga]] in [[Mekka]] im April 1974 erklärte die Ahmadiyya zu „Nicht-Muslimen“.<ref>[http://www.aboutahmadiyya.com/fatwa.html Fatwas and Statements of Islamic Scholars about Ahmadiyya]</ref> Daraufhin wurde die Ahmadiyya am 21. September 1974 auf Betreiben islamischer Gelehrter in Pakistan, dem Land mit der größten Ahmadiyya-Gemeinde, vom pakistanischen Parlament zu „Nicht-Muslimen“ erklärt.<ref>[http://www.pakistani.org/pakistan/constitution/amendments/2amendment.html Constitution (Second Amendment) Act, 1974]<br />AMJ: [http://www.ahmadiyya.de/library/sind_ahmadis_muslime.pdf Maha Dabbous, Hadayatullah Hübsch: Sind Ahmadis Muslime?]</ref> *Pasban Khatme Nabuwwat Die „Bewahrer des Siegels des Propheten“ haben sich der Bekämpfung der Ahmadiyya verschrieben. Ihrem programmatischen Namen entsprechend richten sie ihre Hauptkritik gegen die Vorstellung, dass es Propheten nach [[Mohammed]] geben könne. Sie geben Mirza Ghulam Ahmad die Schuld dafür, dass heute antiislamische Kräfte (im Westen) den Islam als „dogmatisch und intolerant gegenüber Minderheiten“ erkläre. Auch sei er für „hasserfüllte Reaktionen von extremen evangelistischen Christen gegen die Muslime“ verantwortlich. Weiterhin wirft man ihm als unislamisch vor, dass er „den Kampf für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung verbot“.<ref>[http://www.irshad.org/info_q/openletter.php Offener Brief an Mirza Masrur Ahmad], 19. Juli 2003</ref> *Kritik von Ex-Ahmadis Der Orientalist und ehemalige Ahmadi-Theologe [[Muniruddin Ahmed]] sieht zwei entscheidende Gründe für die Entstehung der Ahmadiyya-Bewegung. Einmal begünstigte die innerislamische theologische Diskussion auf dem indischen Subkontinent die Entstehung einer messianischen Bewegung, und dazu herrschte in Indien zur Zeit der britischen Kolonie weitgehende religiöse Freiheit. Entgegen dem Selbstverständnis der Ahmadiyya, eine islamische Reformbewegung zu sein, sieht er sie theologisch als eine messianische Bewegung, die eher puritanitisch-konservativ als liberal ausgerichtet ist. Die [[Synkretismus|synkretistischen]] Tendenzen und der Hang zum [[Messianismus]] sieht er in der speziellen historischen Situation des Islam in Indien bedingt.<ref>[[Muniruddin Ahmed]]: [http://munirdahmed.netfirms.com/Ahmadiyya.htm Ahmadiyya: Geschichte und Lehre] erschienen in: „Die Religionen der Menschheit. Der Islam. III. Islamische Kultur – Zeitgenössische Strömungen – Volksfrömmigkeit.“</ref> Vielleicht die verhängnisvollste aller Maßnahmen für die Ahmadiyya soll ihr Drang nach Exklusivität gewesen sein. Die Situation eskalierte mit der Folge, dass einerseits die Ulema (Rechtsgelehrten) sich von den Ahmadiyya distanzierten und andererseits es den Ahmadis verboten wurde, mit Nicht-Ahmadis gemeinsam zu beten, wenn diese den Vorbeter (Imam) stellen. Weitere Folgen waren das Verbot der Verheiratung einer Ahmadi-Frau außerhalb der Ahmadi-Gemeinde und das Gebot, nicht an den Totengebeten von Nicht-Ahmadis teilzunehmen. Als Beispiel führt Muniruddin Ahmed an, dass der damalige Außenminister Pakistans beim Totengebet ([[Salat al-Janazah]]) für den Staatsgründer Pakistans [[Muhammad Ali Jinnah]] keine Ausnahme machen wollte. Auf diese Weise soll sich im Volk ein Widerwille gegen die Ahmadiyya verfestigt haben, der 1953 und 1974 mit verantwortlich war für die Tätlichkeiten gegen die Angehörigen der Ahmadiyya und für die verhängnisvolle Entscheidung des pakistanischen Parlaments, die sie zu einer nicht-islamischen Gemeinschaft erklärte.<ref>Muniruddin Ahmed: [http://munirdahmed.netfirms.com/Fiqh.html Das Fiqh der Ahmadiyya]</ref> Prof. Munawwer Ahmad Malik bemängelt, dass in der AMJ großer Druck bezüglich der Tschanda Aam (Mitgliedspende) ausgeübt werde. Wenngleich dieser Spendensatz bei 6,25% liegt, sollen viele Zusatzspenden (Dschalsa, MTA, Tehrik Jadid) dazu führen, dass Mitglieder praktisch mit ca. 10% belastet werden. Die [[Haddsch]] soll zugunsten der [[Dschalsa Salana]] sowie die [[Zakat]] gegenüber der Mitgliedsspende (Tschanda) vernachlässigt werden. Nach seiner Einschätzung sollen Ahmadis mit wenig ''feinfühligen Schriften'' gegen Nicht-Ahmadiyya-Muslime mit dazu beigetragen haben, dass sie zur ''nichtislamischen Minderheit'' erklärt wurden. Bei der Wahl der Amtsträger soll die Wahlmethode begünstigen, dass einflussreiche Personen (Landesherren, Vertreter großer Familien) mit beträchtlichem Einfluss gewählt werden. Viele Mitglieder haben aufgrund der offenen Abstimmung Angst, den Gegnern einflussreicher Personen ihre Stimme zu geben. Spirituellere oder alternative Kandidaten haben so das Nachsehen. Diese können auch nicht ihre Position verbessern, da es nicht gestattet sei, gegen einen korrupten Amtsinhaber zu argumentieren. Diese Mechanismen, wonach unvorteilhafte Amtsträger sich lange im Amt halten, sollen bei der Mehrheit das Motiv derer gewesen sein, die die AMJ verließen. Da die Emire über keine religiöse Qualifikation verfügen müssen – es soll sogar möglich sein, dass sie Analphabeten sind – gebe es in der AMJ zweifelhafte Verwaltungsentscheidungen, Regeln und Praxen. Korrekturmöglichkeiten gebe es in der Praxis kaum, da in der Regel die Worte des Emirs als wahr erachtet werden und so Meinungsfreiheit innerhalb der Dschamaat nicht wirklich praktiziert wird.<ref>Prof. Munawwer Ahmad Malik: [http://www.answering-ahmadiyya.com/index.php?option=com_content&task=view&id=21&Itemid=46 Ein Ex-Ahmadi erzählt: „Warum ich die Ahmadiyya verließ“]</ref> Akber Choudhry ist überzeugt, dass es in den 60ern eine Möglichkeit zur Konsolidierung der Ahmadiyya gab und aus den Ereignissen von 1953 (s. [[#Verfolgung |Verfolgung Pakistan]]) zu lernen. Diese konnte nicht genutzt werden wegen des kränkelnden zweiten Kalifens und der fortschreitenden Bürokratisierung der Gemeinschaft. Sie war auf das heranziehende Informationszeitalter nicht vorbereitet. In den 60er breitete sich allgemeine Unzufriedenheit mit der Gemeindeverwaltung und fehlende strategische Ausrichtung, besonders unter der Jugend, aus. Als Antwort wurden strenge Maßnahmen bezüglich der Disziplin ergriffen. Punktuell sollen Probleme von der Führung zwar erkannt, aber als Anzeichen schwachen Glaubens abgetan worden sein. Kultähnliche Tendenzen sollen sich verbreitetet und eine Kluft zwischen offizieller Verkündigung und öffentlicher Wahrnehmung geöffnet haben. Ganz bewusst soll versucht worden sein den Eindruck zu erwecken, dass ein eventueller Sieg der Ahmadiyya über die (orthodoxen) Muslime unmittelbar bevorstände. [Durch entsprechende Beiträge im gemeindeeigenen MTA-Sender.] Um diesen Anspruch zu unterstützen, soll die Ahmadiyya krampfhaft versucht haben ihre Mitgliedszahlen zu steigern. Der ständige Druck der Führung zum Tabligh [Öffentlichkeitsarbeit, hier: Mitgliederwerbung] soll dann zu einem Überhandnehmen unredlicher Subjekte bei der Rekrutierung geführt haben.<ref>Akber Choudhry: [http://www.ahmedi.org/eart/RootProblems3 „Roots of Ahmadiyya’s Problems“]</ref> In Deutschland konnte diese Vorgehensweise besonders unter bosnischen Bürgerkriegsflüchtlingen beobachtet werden.<ref>Anti Ahmadiyya Movement: [http://www.alhafeez.org/rashid/baitfraud.html Fraud of Baiat in Germany]</ref> == Bekannte Persönlichkeiten == * Sir [[Muhammad Zafrullah Khan]], Außenminister [[Pakistan]] (1947-1954), Präsident der 17. [[UNO]]-Generalversammlung (1962-1963) und Präsident des [[Internationaler Gerichtshof|Internationalen Gerichtshofs]] in Den Haag (1970-1973). * Dr. [[Abdus Salam]], der erste islamische [[Nobelpreisträger]] (1979 in Physik) und Gewinner der Einstein-Medaille der [[UNESCO]] (1979) * [[Mirza Muzaffar Ahmad]], unter den damaligen Präsidenten der Organisationen, jeweils Direktor der [[Weltbank]] (1972-1984) und Geschäftsführer des [[Internationaler Währungsfonds|Internationalen Währungsfonds]] (1972-1984). * [[Hadayatullah Hübsch]], deutscher Schriftsteller (zahlreiche Lyrikbände und Bücher über den Islam), ehem. Vorsitzender des [[Verband deutscher Schriftsteller|Verbandes deutscher Schriftsteller]] in Hessen, Mitglied des [[Ethikrat]]s Hessen und ehem. Pressesprecher der AMJ Deutschland. * [[Farimang Singhateh|Farimang Mamadi Singhateh]] wurde 1966 Staatsoberhaupt (Generalgouverneur) [[Gambia]]s. * [[Iftikhar Janjua]], Generalmajor der pakistanischen Armee und Held von [[Rann von Kutch]] * [[Akhtar Hussain Malik]], Generalleutnant der pakistanischen Armee und Kriegsheld * [[Abdul Ali Malik]], General der pakistanischen Armee * [[Yusef Lateef]], Jazzmusiker und [[Grammy Award]] Gewinner * [[Mahershalalhashbaz Ali]], sehr bekannter Schauspieler, spielte in zahlreichen Serien mit wie z.B. [[CSI]], [[Crossing Jordan]] und [[4400 – Die Rückkehrer]]. == Fußnoten == <div class="refliste" style="height: 180px; overflow: auto; padding: 2px; border: 1px solid #ababab"> <references/> </div> == Literatur == ; Selbstdarstellungen der Ahmadiyya *Maha Dabbous, [[Hadayatullah Hübsch]]: ''Sind Ahmadis Muslime?'', Frankfurt 1994, Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-94-5 *Masud Ahmad: ''Jesus starb nicht am Kreuz'', Frankfurt, Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-81-5 *[[Muhammad Zafrullah Khan]]: ''Grundsätze der islamischen Kultur'', Frankfurt, Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-49-5 *Muhammad Zafrullah Khan: ''Die Frau im Islam'', Frankfurt, Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-03-7 *Mirza Ghulam Ahmad: ''Die Philosophie der Lehren des Islam'', Frankfurt 1996, Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-97-6 *B.A. Rafiq: ''Die Wahrheit über Ahmadiyyat'', Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-59-4 ; Stellungnahmen der Ahmadiyya zu aktuellen Themen *[[Abdullah Wagishauser]] (Hrsg.): ''Rushdies Satanische Verse. Islamische Stellungnahmen zu den Provokationen Salman Rushdies sowie zum Mordaufruf radikaler iranischer Schiiten.'', Frankfurt 1992, Verlag der Islam, ISBN 978-3-921458-80-8 ([http://www.ahmadiyya.de/library/rushdies_satanische_verse.pdf PDF]) *Hadayatullah Hübsch: ''Fanatische Krieger im Namen Allahs. Die Wurzeln des islamistischen Terrors.'', München 2001, Hugendubel/Diederichs, ISBN 978-3-7205-2296-0 *Haider Ali Zafar (Hrsg.): ''Glaube und Vernunft aus islamischer Perspektive. Antwort auf die Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt XVI.'', Frankfurt 2007, Verlag der Islam, ISBN 978-3-932244-87-2 ; Kritik an Ahmadiyya *[[Hiltrud Schröter]]: ''Ahmadiyya-Bewegung des Islam'', Frankfurt 2002, Dr. Hänsel-Hohenhausen, ISBN 978-3-8267-1206-7 *Mohammed Al Khoder Hussein, Abu Al Aala Al Maududi, Abu Al Hassan Ali Al Hassani Al Nadwi: ''Der Qadianismus, Destruktive Bewegungen'', Liga der islamischen Welt, Mekka/Cairo, (124 S.) ;Historische Darstellungen *Yohanan Friedmann: ''Prophecy Continuous: Aspects of Ahmadi Religious Thought and Its Medieval Background'', Oxford University Press India 2003 (2. Auflage), ISBN 0195662520 *Antonio Gualtieri: ''The Ahmadis. Community, Gender, and Politics in a Muslim Society'', Montreal 2004, ISBN 0773527389 ;Verfolgung *I. Gill, M. Backhausen: ''Die Opfer sind schuld. Machtmißbrauch in Pakistan.'', Akropolis 1993, ISBN 978-3-929528-08-4 *Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland: ''Verfolgung der Ahmadi-Muslime. Jahresüberblick 2006. Sonderberichte über die Verfolgung der Ahmadis in Indonesien, Bangladesch, Saudi-Arabien und Sri Lanka'', Verlag der Islam 2006 ([http://www.ahmadiyya.de/pdf/verfolgung_jahresueberblick_06.pdf PDF]) == Weblinks == {{Wiktionary|Ahmadiyya}} * Offizielle Seiten der Ahmadiyya Muslim Dschamaat (AMJ): [http://www.ahmadiyya.de de], [http://www.ahmadiyya.ch ch], [http://www.ahmadiyya.at at] * [http://www.aaiil.org Offizielle Seite] der Ahmadiyya Anjuman Isha'at-e-Islam Lahore's (AAIIL) * Artikel von [[Muniruddin Ahmed]] zu Ahmadiyya: [http://munirdahmed.netfirms.com/Ahmadiyya.htm Geschichte], [http://munirdahmed.netfirms.com/Soziologie.html Soziologie] und [http://munirdahmed.netfirms.com/Fiqh.html Das Fiqh]. * relinfo.ch: [http://www.relinfo.ch/ahmadiyya/ahmadiyya.html Evangelische Informationsstelle – Ahmadiyya-Bewegung] * '''wissenschaftlich''': ** [http://www.zmo.de/muslime_in_europa/ergebnisse/lathan/index.html The Ahmadiya Muslim Jamaat – Fieldwork in Pakistan], Zentrum Moderner Orient, <small>gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung</small> * '''kritisch''': ** [http://www.irshad.org/brochures/criticalstudy.php Qadianism – A Critical Study] ** [http://www.ahmedi.org Seite der Ehemaligen Ahmadiyya Anhänger und Anti-Ahmadiyya] [[Kategorie:Ahmadiyya| ]] [[ar:أحمدية]] [[bn:আহ্মদি]] [[bs:Ahmedije]] [[da:Ahmadiyya]] [[el:Αχμαντίγια]] [[en:Ahmadi]] [[eo:Ahmadismo]] [[es:Comunidad Ahmadía]] [[fa:احمدیه]] [[fr:Ahmadisme]] [[he:אחמדים]] [[hi:अहमदिय्या धर्म]] [[hu:Ahmadik]]⏎ [[id:Ahmadiyyah]] [[it:Ahmadiyya]] [[ja:アフマディーヤ]]⏎ [[nl:Ahmadiyya]] [[pl:Ahmadija]] [[sl:Ahmadija]] [[sv:Ahmadiyann:Ahmadiyya]] [[pl:Ahmadija]] [[sk:Ahmadíja]] [[sl:Ahmadija]] [[sv:Ahmadiya]] [[tg:Аҳмадӣ]] [[tt:Äxmädiyä]] All content in the above text box is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike license Version 4 and was originally sourced from https://de.wikipedia.org/w/index.php?diff=prev&oldid=138799464.
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