Difference between revisions 193740143 and 193740308 on dewiki

=== Nordseite ===
[[Datei:Stadtmauer Judengasse Worms 2018.jpg|mini|links|Nordmauer von der Feldseite mit innen angebauten Häusern der Judengasse]]

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Die Mauer ist auf Süd-, West- und Nordseite aus präzise gesetzten Bruchsteinquadern aus [[Sandstein]] gemauert.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Der nördliche Mauerabschnitt verläuft in einem weiten Halbbogen, dessen östlicher Teil die Mauer an der Judengasse bildet. Ab dem Beginn des 11. Jahrhunderts entstand hier – in Nachfolge der Siedlung der Friesen – ein jüdischer Siedlungsschwerpunkt.<ref> Bönnen in Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 142. </ref> Die Häuser der Judengasse grenzen rückseitig direkt an die Stadtmauer. Für das Haus Judengasse 37 wurde die Stadtmauer zur heutigen Herta-Mansbacher-Anlage hin um 1900 in eine [[Neuromanik|neuromanische]] (zweite, rückwärtige) [[Fassade]] umgestaltet.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>

Der östlichste Bereich des Nordabschnitts gehört schon zur östlichen Stadterweiterung des späten 12. Jahrhunderts. Fundamentreste davon sind – nach außen nicht sichtbar – im Haus Bärengasse 34 erhalten.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde der nördliche Mauerabschnitt stark historisierend restauriert.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75, 77. </ref>

In die Mauer der Nordseite eingestellt waren oder sind:

==== Martinspforte ====
Ob die Erwähnung einer Martinspforte in der Mauerbauordnung aus der Zeit um 900 sich auf dieses Stadttor oder einen Vorgänger an anderer Stelle bezieht oder ob ein Abschreibfehler des [[Kopist]]en vorliegt, ist nicht sicher.<ref> Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 696. </ref> Sicher scheint dagegen eine Erwähnung aus dem Jahr 1016 zu sein („porta s. Martini“). Die Bauzeit ist also nicht bekannt.

Die Martinspforte ist nach der benachbarten, gleichnamigen [[St. Martin (Worms)|Kirche]] benannt<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref>, die auch für die auf das Tor zuführenden Martinsgasse namensgebend war.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref> Im 19. Jahrhundert wurde der Durchgang durch die Mauer oft als „Mainzer Tor“ bezeichnet (das darf aber nicht mit der „Mainzer Pforte“ des äußeren Mauerrings verwechselt werden).<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104. </ref>

Die Martinspforte sicherte im nördlichen Abschnitt der Stadtmauer den Eintritt der wichtigen Handelsstraße von und nach Mainz in die Stadt. Kurz vor der Zerstörung war sie mit einer großen und fünf kleinen [[Kanone]]n bestückt. Auch war das Tor die kürzeste Verbindung aus der Stadt zur „Mainzer Vorstadt“ von Worms, die unmittelbar vor dem Tor lag. Unmittelbar dahinter lag der Zugang zur [[Judengasse (Worms)|Judengasse]]. Die Martinspforte war das zeremonielle Eintrittstor für einen neugewählten [[Liste der Bischöfe von Worms|Bischof]], wenn er zum ersten Mal die Stadt betrat<ref> Bönnen in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 230. </ref> oder den König, wenn er von [[Mainz]] oder der [[Burg Landskron (Oppenheim)|Pfalz Oppenheim]] anreiste. Das Tor war deshalb besonders prächtig gestaltet. [[Martin Luther]] hat Worms zum [[Reichstag zu Worms (1521)|Reichstag 1521]] in einem Wagen auf diesem Weg erreicht.<ref> Heimo Schwilk: ''Luther. Der Zorn Gottes. Biografie''. Blessing, München 2017, S. 226. </ref> Weiter diente der Dachreiter des Torturms dazu, hier die Stadtglocke aufzuhängen. Auch war in den Turm eine Uhr eingebaut.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref> Eine weitere Funktion des Gebäudes war es, Tagungsort des „Pörtelgerichts“ zu sein. Die Aufsicht über den Turm hatte die adelige Familie derer [[Dalberg (Adelsgeschlecht)|von Dalberg]]. Vor dem Tor befand sich eine [[Richtstätte]].<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref>

Das mittelalterliche Tor wurde um 1200 erneuert<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104. </ref> und noch 1665 umgebaut und ausgeschmückt.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Im mittelalterlichen Tor waren römische Grabsteine eingemauert.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref> Sie wurden im 19. Jahrhundert ins Museum gebracht.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref> Die Straße nach Mainz setzte die Tradition der alten Römerstraße fort. Nach römischer Tradition befanden sich die Friedhöfe oft an den Ausfallstraßen der Städte, so auch hier.

Unmittelbar vor der Zerstörung 1689 hatte das Tor vier Vollgeschosse (einschließlich der Durchfahrt) und ein mit [[Zwerchhaus|Zwerchhäusern]] in jede Himmelsrichtung ausgebautes, darauf aufgesetztes Dachgeschoss. Es war 28&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> An der nordöstlichen Seite befand sich ein angebauter Treppenturm mit [[Welsche Haube|welscher Haube]]. Der Torturm wies sichtbare bauliche Elemente der [[Gotik]], der [[Renaissance]] und des [[Barock]] auf. Stadtseitig befand sich zwischen den Fenstern des zweiten und des dritten Stocks das Stadtwappen, das von zwei Drachen gehalten wurde.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref>

Der vor dem Tor liegende Graben war mit zwei [[Zugbrücke]]n überspannt, vor denen ein weiteres, kleines Tor lag.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62; Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26. </ref> 

Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein [[Ravelin]] aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

Bevor die französischen Truppen 1689 Worms erreichten, wurde die Stadtglocke abgehängt und vergraben.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26. </ref> Ab März 1689 begann das französische Militär, das Worms im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges besetzt hatte, den inneren Mauerring abzureißen.<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref> Die Franzosen versuchten, die Martinspforte zu [[Sprengung|sprengen]]. Die Struktur hielt den gelegten fünf [[Mine (Waffe)|Minen]] stand, aber der Turm brannte aus. Aus dem Metall der vergrabenen Stadtglocke wurden später drei Glocken für die [[Dreifaltigkeitskirche (Worms)| Dreifaltigkeitskirche]] gegossen.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26. </ref><ref group="Anm."> Abweichend dazu gibt Hotz, Juni 1982, S. 10, an, die Stadtglocke sei in der Dreifaltigkeitskirche aufgehängt worden. </ref>

1719 wurde im Stadtrat über einen Wiederaufbau verhandelt, der aber unterblieb. 1779 war der Zustand der Ruine so bedenklich, dass die Stadt sie abreißen ließ. Die Steine wurden zur Uferbefestigung am Rhein verwendet, wo auch noch so manch anderer Teil der Stadtmauer endete. Ersetzt wurde das mittelalterliche Tor durch ein [[Barock|barockes]], das weniger der Verteidigung denn als Zollstation diente.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 56; Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104, nennt dafür bereits das Jahr 1699. </ref> Dieses stellte im 19. Jahrhundert ein Verkehrshindernis dar. Über die Abrisspläne entbrannte ein mehr als zwei Jahrzehnte währender Streit zwischen den städtischen und den staatlichen Behörden. Das Tor wurde in diesem Zusammenhang auch als „Mainzer Tor“ bezeichnet, was nicht zur Verwechslung mit dem damals schon nicht mehr existierenden Mainzer Tor des äußeren Befestigungsrings führen darf. Der zunächst ab 1842 als Kreisrat in Worms amtierende [[Reinhard Carl Friedrich von Dalwigk]], späterer [[Ministerpräsident]] des [[Großherzogtum Hessen|Großherzogtums Hessen]], setzte sich für den Erhalt des Tores ein, die Stadt präferierte eine breitere Straße. 1864 setzten sich die Wünsche der Stadt durch: Das Tor wurde beseitigt.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 468. </ref>

Dieses „Loch“ als Stadteingang wurde offensichtlich als [[Städtebau|städtebaulich]] unbefriedigend empfunden. Das wurde 1903/04 durch den Bau des [[Haus Martinspforte|Hauses „Martinspforte“]] gelöst, das aus der Mauerflucht etwas zurück gesetzt errichtet wurde und so den Verkehr nicht störte, in der Form aber dem ehemaligen Torturm nachempfunden war, nur um 180 Grad gedreht und in der Höhe etwa halbiert. Der Balkon bildet den ehemaligen Wehrgang nach. Vorlage dabei war dabei die Darstellung des Tors durch Peter Hamann.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref> Statt einer Tordurchfahrt war im Erdgeschoss ein Geschäftslokal untergebracht, ab 1908 die Stadtapotheke.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>

Im Bereich der östlich anschließenden Stadtmauer hat 1989 eine archäologische Grabung stattgefunden.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 102. </ref>

==== Ziegelturm ====
Der Ziegelturm, nach baulichen Merkmalen aus staufischer Zeit, steht im Nordabschnitt der Mauer, östlich der Martinspforte. Nach Beschädigungen in der Stadtzerstörung 1689 und bei [[Luftkrieg|Luftangriffen]] 1945 wurde er noch in den 1970er Jahren ein Stück abgetragen, „um die Belichtung einer dahinter gelegenen Wohnung zu gewährleisten“.<ref> Grün, August 1982, S. 8. </ref> So ist er heute nur noch zweigeschossig.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Ursprünglich war er 22&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Weiter wurde eine Tür in die historische Substanz eingebrochen.<ref> Grün, August 1982, S. 8. </ref>

==== Henker- oder Folterturm ====
Der Henker- oder Folterturm stand etwa auf der Höhe des Synagogenplatzes. Er wurde in den 1950er Jahren beim Wiederaufbau des Hauses Judengasse 33 abgetragen.<ref> Grün, August 1982, S. 8. </ref> Die Fundamente des Turms wurden später archäologisch noch einmal aufgedeckt.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Dabei wurde festgestellt, dass er baugleich mit dem Turm „Mayfels“ ist, was ihn ans Ende des 1200 Jahrhunderts datiert.<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2. </ref>

==== Scharfrichterturm ====
Der Scharfrichterturm steht im Nordabschnitt der Mauer, entstand wohl in [[Staufer|staufischer]] Zeit und ist unterkellert. Ursprünglich war er 22&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Der Turm wurde 1689 gesprengt und beschädigt, für den Bau des Raschitores aber wieder hergestellt. Seit dem Mauerdurchbruch des „Raschitores“ 1907/08 bildet er dessen westlichen „Torturm“.

==== Judenpforte ====
Die Judenpforte lag im Bereich der Bärengasse. Aus dem 12. Jahrhundert stammt das älteste schriftliche Zeugnis mit diesem Namen für dieses Stadttor („Porta Judeorum“). Dies steht in einer damals gefälschten, auf das Jahr 1080 datierten Urkunde.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Warmasia'', S. 665; Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 700. </ref> Das Tor war er 22&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> 

Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein Ravelin aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

Beim Wiederaufbau nach 1689 wurde das Tor vermauert. Nach der Öffnung des Ghettos wurde auch das Tor wieder geöffnet, im 19. Jahrhundert auch „Hamburger Tor“ genannt.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref>

==== Raschitor ====
[[Datei:Raschi gate.jpg|mini|Raschi-Tor, stadtseitig]]

Das Raschitor ist ein moderner Durchbruch durch die Mauer, der 1907/08 erfolgte.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref> Unter dem Baudezernenten und Bürgermeister [[Georg Metzler (Architekt)|Georg Metzler]] wurde damals die verbliebene Mauer saniert, aber neben dem Raschitor im Norden auch das neue Andreastor im Süden und der Durchbruch für die Herzogenstraße im Osten als neue Verbindungen durch die Mauer geschaffen, um modernen Verkehrserfordernissen zu genügen.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>

==== Kopsort ====
''Kopsort'' (auch: Capsort<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref>) war der nordöstliche Eckturm der inneren Stadtbefestigung. Er war mit einem kleinen Erker versehen<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref> und 23&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref>

Hier setzte auch der äußere Mauerring an, der von hier aus nach Norden verlief.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>

=== Ostseite ===
[[Datei:DSC9873 (36453715286).jpg|mini|links|Mauerabschnitt der Ostseite des inneren Mauerrings, Stadtseite]]

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Der Knick der Mauer, an dem der ''Kopsort'' steht und Nord- und Ostabschnitt aufeinander treffen, wird „Friesenspitze“ genannt. Die Bezeichnung stammt von den in diesem Areal im 10. Jahrhundert siedelnden [[Friesen]], die Fernhandel betrieben.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

Der Mauerverlauf entstand hier anlässlich einer Stadterweiterung zum Rhein hin am Ende des 12.<ref> Das relativ exakte Baudatum von 1196/1197 wird [[Dendrochronologie|dendrochronologisch]] belegt (Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 28), ist aber umstritten, weil die Entnahmestelle der Proben auch alternative Interpretationen zulassen (Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 26). </ref> oder im 13. Jahrhundert.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 27. </ref> Der Bau erfolgte in einem Zuge mit Mauern, [[Strebepfeiler]]n und Stützbogen für den Wehrgang<ref> Hotz, Mai 1982, S. 12. </ref> und hat einige Zeit in Anspruch genommen.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11, nimmt für den Bauabschluss die Zeit um 1230 an. </ref> Dieser Mauerabschnitt war – bevor spätere Umbauten ihn veränderten – ganz regelmäßig angelegt: Drei Türme, ein Tor, drei Türme, ein Tor und nochmals drei Türme.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 60. </ref> Markant sind vor allem die feldseitig aus der Mauerflucht herausragenden Türme. Um 1300 wurde die Mauer erhöht und der Wehrgang mit [[Arkaden]] versehen.

Dieser Mauerabschnitt erscheint als der am vollständigsten erhaltene<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref>, was daran liegt, dass ihn im 19. Jahrhundert wegen des schlechten, feuchten Baugrundes zunächst niemand kaufen wollte.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442. </ref> Dann wurde ein Abschnitt anlässlich der Restaurierungen des Stadtmauer 1907 bis hin zu den Schießscharten und dem Wehrgang ergänzt.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75; Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Dabei wurde für die stark beschädigten oberen Bereiche die Darstellungen von Peter Hamann aus dem 17. Jahrhundert zugrunde gelegt.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 5. </ref> Was heute zu sehen ist, ist in den oberen Bereichen also weitgehend ein Bauwerk des [[Historismus]]. In der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Bausubstanz sind drei Bauphasen festzustellen. Die beiden jüngeren erhöhten die Mauer jeweils um ein Stück. Die beiden älteren schlossen mit [[Zinne]]n ab, die jüngste versah die Mauer mit dem überdachten [[Wehrgang]].<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 24, 27. </ref>

1999 bis 2001 wurde an der Mauerinnenseite, zwischen Bürgerturm und Torturm – unter Einbeziehung der Stadtmauer und ihres Wehrgangs – das [[Nibelungenmuseum Worms|Nibelungenmuseum]] errichtet. Dem waren erhebliche Bedenken des [[Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz|Landesamtes für Denkmalpflege]] und der Versuch, das Projekt mit einem [[Bürgerentscheid]] zu verhindern vorangegangen, was aber am [[Quorum (Politik)|Quorum]] scheiterte.<ref> Ehrismann in Bönnen (Hg.): ''Worms und das ‚Nibelungenlied‘'', S. 845, 847. </ref>

In die Mauer der Ostseite eingestellt waren oder sind der oben beschriebene Kopsort. Ihm folgen südlich die Einbauten:

==== Wiedertäuferturm ====
Der Wiedertäuferturm stand auf dem Grundstück Wallstraße 3. Die Herkunft des Namens ist unklar. 1527 wurden alle [[Wiedertäufer]] aus Worms vertrieben.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Noch 1720 wurde erwogen, ihn als städtisches Gefängnis zu nutzen.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref>

==== Rheinpförtchen ====
Das Rheinpförtchen ist ein kleiner, gotischer Durchgang durch die Mauer, dessen stadtseitiger Bogen noch original ist.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref> Er diente dem Fußgängerverkehr, wenn die Rheinpforte geschlossen war.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>

==== Rheinpforte ====
Die Rheinpforte oder das Rheintor war in Nachfolge eines Tors, das sich früher im Turm Mayfels befand, eine der Durchfahrten durch die östliche Mauer zum Rhein hin.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 81. </ref> Hier wurden Abgaben auf in die Stadt eingeführte Verbrauchsgüter erhoben.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 441. </ref> Die Rheinpforte lag bei der Rheinstraße 29. Das Dach des Torturms trug einen [[Dachreiter]] und hatte vier Ecktürmchen. Hier war als Wächter ein Turmbläser stationiert.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref>

Die mittelalterliche Rheinpforte wurde am 15. Mai 1822 auf Abbruch versteigert, das Material in der Uferbefestigung des Rheins verbaut.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref> 1907 wurde ein neuer Durchlass für die Rheinstraße durch die Mauer geschaffen, um dem modernen Verkehr gerecht zu werden. Er gehört zu den modernen Durchbrüchen wie dem Raschi- und den Andreastor.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref>

Vor dem Turm lag eine holzgedeckte Brücke über den Woog. Die [[Woogbrücke (Worms)|Fundamente der Brücke]] wurden 2009 archäologisch ergraben<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 30f. </ref>, teilweise konserviert, sind erhalten und zugänglich. Die Brücke schützte rheinseitig ein weiteres kleines Torgebäude. Von hier lief der Weg weiter auf den Rhein zu und querte dazu den [[Gießen (Worms)|Gießen]], ein weiteres Gewässer, nochmals mit einer holzgedeckten Brücke. Dieser Übergang wurde von einem weiteren Torturm, der Gießenpforte, durch die der Weg führte, bewacht.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref>

Unmittelbar neben der Rheinpforte lag der städtische Bauhof, der auch dem Unterhalt der Mauern diente.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218. </ref> Das [[Zeughaus]] dagegen, in dem wertvollere Ausrüstung gelagert wurde, befand sich in der Römerstraße.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 6. </ref>

Die Rheinpforte war namensgebend für die Rheintorgasse.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

==== Mayfels ====
Die Fundamente des ''Mayfels'' entstanden anlässlich der östlichen Stadterweiterung zum Rhein hin. Der Turm ragte feldseitig aus der Mauerflucht heraus und war bis zum Bau des benachbarten Rheintors als „Rheinpforte“ das bedeutendste rheinseitige Stadttor.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref> Seine Fundamente kamen bei einer archäologischen Untersuchung 1987 zu Tage.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 81. </ref> Die für die [[Staufer]]zeit typischen [[Buckelquader]] wurden hier verbaut.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Aus schriftlicher Überlieferung ist bekannt, dass der Turm an seiner Ostseite, zum Rhein hin, am Ende des 15. Jahrhunderts mit einem Bild Kaiser [[Heinrich IV. (HRR)|Heinrich IV.]] bemalt war, der Worms 1074 seine Stadtfreiheiten beurkundete.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref> Der begleitende Text<ref group="Anm."> „DIVO HENRICO IV. ROM. REGI AUGUSTO VANGIONES IMMORTALES LAUDES DEBERE NULLO AEVO NEGABUNT / Die Wormser werden zu keiner Zeit leugnen, dem verewigten Heinrich IV. Römischen König und Augustus (Kaiser) unaufhörlich Lobpreisung schuldig zu sein (Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61). </ref> wies auf das Ereignis hin und enthielt auch ein Treuegelöbnis der Bürger.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 504. </ref> Wann das Bild entstand, ist unbekannt.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 12. </ref>

Die Ruine stand noch nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Ein teilweise noch erhaltener romanischer Torbogen an der Innenseite zeigte, dass hier ein Tor in einen Turm umgebaut worden war. Sein aufgehendes Mauerwerk wurde in den 1950er Jahren abgerissen<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>, um einer Neubebauung zu weichen.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref> 1987 wurden die Fundamente in einer archäologischen Grabung nochmals aufgedeckt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 25, Abb. ebd.: S. 50f. </ref> Dabei wurde auch ein Depot mit 150 steinernen Kanonenkugeln unterschiedlicher Kaliber entdeckt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 28f, 43–48. </ref>

Unmittelbar südlich des Mayfels wies die Stadtmauer einen Durchlass für einen Entwässerungskanal auf.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 25. </ref>

==== Schlosserturm ====
Der Schlosserturm wurde auch „Turm am Bauhof“ genannt.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref> Namensgebend war hier, dass einzelne Zünfte für Türme und / oder Mauerabschnitte die Verantwortung trugen, hier die Schlosser. Die Schlossergasse dagegen liegt im Stadtzentrum.

==== Eisbach-Auslass ====
Unmittelbar nördlich neben dem Bettelvogtturm befand sich der Auslass des [[Eisbach (Rhein)|Eisbachs]], der in diesem Abschnitt als „Unterbach“ bezeichnet wurde. Er durchzog die Stadt, war wichtig als Brauchwasser für verschiedene wasserintensive Gewerbe von den [[Gerben|Gerbern]] bis hin zum Betrieb von [[Mühle]]n und floss hier wieder aus dem ummauerten Stadtgebiet heraus in Richtung Rhein.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref>

==== Bettelvogtturm ====
Der Bettelvogtturm lag unmittelbar nördlich der Petersstraße. Seine Reste waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhanden und wurden in den 1950er Jahren  abgerissen<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>, um dort einen Wohnblock zu platzieren<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 61. </ref>, eine „städtebauliche Sünde“.<ref> Grün, September 1982, S. 54f. </ref>

==== Durchlass Herzogenstraße ====
[[Datei:Stadtmauer Worms 02.jpg|mini|links|Durchlass Herzogenstraße]]
Der Durchlass Herzogenstraße ist ein im 20. Jahrhundert eingebauter, [[Historismus|historisierender]] Durchbruch durch die Stadtmauer mit abruptem nördlichen Ende, wo die Reste der Stadtmauer noch nach dem Zweiten Weltkrieg für Wohnblock-Bebauung beseitigt wurden.

==== Bürgerturm ====
{{Doppeltes Bild|rechts|Stadtmauer Worms 11.jpg|200|Worms - Stadtmauer mit Bürgerturm - 2019-02-27 16-22-31.jpg|200|Bürgerturm – feldseitige Ansicht|Bürgerturm – stadtseitige Ansicht; davor: [[Nibelungenmuseum Worms|Nibelungenmuseum]]}}

Der ''Bürgerturm'' ist ebenfalls anlässlich der östlichen Stadterweiterung errichtet worden. Der Turm ist baugleich mit dem „Mayfels“.<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2. </ref> und ragt feldseitig aus der Mauerflucht heraus. Hier gibt es nur kleine [[Schießscharte]]n, rückwärts, zur Stadt hin dagegen große Fenster. Die für die [[Staufer]]zeit typischen [[Buckelquader]] wurden hier verbaut.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Der Turm ist viergeschossig. Erst 1988 wurden die Zinnen zu Fenstern umgestaltet und ein Turmhelm aufgesetzt.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>

==== Fischerpforte ====
[[Datei:Stadtmauer Worms 04.jpg|mini|links|Feldseitige Ansicht der Fischerpforte]]

Die Fischerpforte ist ein kleiner spitzbogiger Durchlass für Fußgänger. Er erhielt seine heutige Gestalt erst 1907.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Der Durchgang wird auch als „Lutherpförtchen“ bezeichnet<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>, hat aber mit dem Aufenthalt [[Martin Luther|Martin Luthers]] zum [[Reichstag zu Worms (1521)|Reichstag 1521]] in Worms nichts zu tun.

==== Torturm ====
Der ''Torturm'' (auch: „Fischerpforte“<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64; Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>) entstanden anlässlich der östlichen Stadterweiterung. Er diente als eines der Tore zum Rhein hin. Direkt vor ihm befand sich der „Woog“, ein angestauter Teich, über den die Fischerbrücke führte. Diese war rheinseitig durch ein zusätzliches kleines Außentor gesichert.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 60, 64. </ref> 

Der Turm wurde über der Flucht der Stadtmauer errichtet, er ragt feldseitig aus der Mauerflucht heraus, der Wehrgang führt stadtseitig an der Außenseite um das Gebäude herum. Die für die [[Staufer]]zeit typischen [[Buckelquader]] wurden hier verwendet. Die rheinseitigen Turmecken sind durch je zwei Strebepfeiler verstärkt. Das Erdgeschoss ist eine Torhalle mit spitzbogigem Zugang. Die [[Nut (Technik)|Nuten]] für ein Fallgitter sind erhalten. Zum Rhein hin gibt es nur kleine [[Schießscharte]]n, rückwärts, zur Stadt hin, dagegen große Fenster. Der Turm hatte insgesamt vier Geschosse mit hölzernen Decken. Im Raum des ersten Geschosses befand sich ein Kamin.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756; Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Der heutige Turmhelm stammt allerdings erst von 1987.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>

Bei der Stadtzerstörung 1689 brannte der Turm aus.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Er wurde ebenfalls 1907 restauriert.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75; Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>

Der Turm blieb erhalten, weil er zu dem Mauerabschnitt gehört, der aufgrund seiner Nähe zum Rhein als sehr schlechtes Bauland galt. Die entsprechenden Grundstücke der Befestigung erwiesen sich als unverkäuflich. So setzte sich der Gemeinderat 1838 – ganz entgegen seiner sonst geübten Politik – für den Erhalt des Turmes ein.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442, 468. </ref>

==== Marktmeisterturm ====
Der Marktmeisterturm ist nicht erhalten.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7; Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 60, 64. </ref>

==== Schmittturm ====
Der Schmittturm liegt nördlich nächst dem Bindturm. Namensgebend war hier, dass einzelne Zünfte für Türme und / oder Mauerabschnitte die Verantwortung trugen, hier die Schmiede. Zwischen den heutigen Grundstücken Weihergasse 8 und 9 sind Mauerreste in der Höhe eines Geschosses erhalten.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref>

==== Bindturm ====
Der Bindturm war das Scharnier zwischen südlicher und östlicher Mauer.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Er war stadtseitig offen und 23&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Reste des Turms sind hinter den Häusern Pfauenpforte 9 und Jahnstraße 10 erhalten.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42; Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 60; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Hier setzte auch die äußere Stadtmauer an, die von hier weiter nach Süden verlief, während die innere Mauer nach Westen weiterführte.

=== Südseite ===
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{{BSe|xDST||Luginsland|}}
{{BSe|xSTRr|||Anschluss Westabschnitt}}
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|}

[[Datei:Worms Stadtmauer (Süd) 02.JPG|mini|Südmauer]]

Das Scharnier zwischen der westlichen und südlichen Mauer bildete der Turm „Luginsland“<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 66. </ref>, das zwischen südlicher und östlicher Mauer der Bindturm.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Die Reste des östlichen Bereichs dieses Abschnitts wurde noch im 20. Jahrhundert beseitigt.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442. </ref> Hier gibt es aber einige archäologische Befunde, auch da, wo der Verlauf der Mauer durch neuzeitliche Bebauung im Stadtbild nicht mehr nachzuvollziehen ist.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79. </ref> Im westlichen Abschnitt, ab der Valckenbergstraße, steht die Süd-Mauer noch in erheblichen Teilen. Direkt hinter der Mauer, an diese angelehnt liegt das [[Andreasstift (Worms)|Andreasstift]]. Die Rückwand von dessen südlichem Kreuzgangflügel bildet die Stadtmauer und auch die Außenmauer für die beiden darüber liegenden Geschosse des Museums. Dabei gibt es im ersten Stock eine zweite Arkadenreihe, die auf der ersten aufsetzt, und erst darauf befand sich der Wehrgang<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 33f. </ref> Vier der Arkaden sind erhalten.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 30. </ref> Alle Fensterdurchbrüche durch die Mauer in diesem Bereich stammen aus dem 20. Jahrhundert.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 32. </ref> Drei vor die Stadtmauer gestellte [[Strebepfeiler]] stützen das Gebäude ab.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Hier fanden 2012 umfangreiche Bauuntersuchungen und eine Sanierung statt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 19. </ref>

Ein Teil dieses Mauerabschnitts neben dem Christoffelturm stürzte in der Nacht vom 14. Auf den 15. Mai 1907 ein, weil das Widerlager des letzten Pfeilers der Wehrgangarkaden teilweise abgetragen und durch ein Holzgerüst ersetzt worden war. Das aber war morsch geworden. Die Stadtmauer musste hier<ref group="Anm."> Es handelt sich um den Bereich, des heutigen Treppenhauses im Museum Andreasstift (Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23). </ref> neu aufgemauert werden.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23. </ref> 

Auf der grabenseitigen Fläche vor dem Andreasstift wächst der Luginslandwein<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref> – eine der kleinsten [[Weinlage]]n überhaupt. Die Anschüttung dieses Weinbergs ist nahezu so hoch, wie das innen gelegene Erdgeschoss des Museums.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 29. </ref>

In diesen südlichen Mauerabschnitt eingestellt war der oben beschriebene Bindturm, dem in Richtung Westen folgen oder folgten:

==== Pfauenpforte ====
Die Pfauenpforte (porta pavonis) war das östlichste Tor in der Südmauer. Von hier führte der Weg nach [[Kloster Maria Münster|Maria Münster]] (Nonnenmünster), einem [[Zisterzienser]]innenkloster und weiter Richtung Speyer. Das älteste erhaltene schriftliche Zeugnis zur Pfauenpforte stammt von 1035.<ref> Bönnen in Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 163. </ref> Hier gab es einen hohen Torturm mit [[Fallgatter]] und [[Zugbrücke]]. Nach außen war der Turm mit einem kleinen Erkertürmchen und der Inschrift „SPECULA VANGIONUM“<ref group="Anm."> „Ausguck der Wormser“ (so: Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 60) oder „Wangionenwarte“ (so: Hotz, Mai 1982, S. 12). </ref> dekoriert.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 60. </ref>

Der Torturm hatte eine Höhe von 29&nbsp;m<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref>, ist nicht erhalten, wurde aber 1993 bei einer archäologischen Grabung aufgedeckt. Der Torturm war rechteckig und besaß an den Ecken der Außenseite je zwei Strebepfeiler.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79. </ref>

Die Pfauenpforte war namensgebend für die Pfauentorstraße.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

==== Susannenturm ====
Der Susannenturm war grabenseitig vor die Mauer gestellt und hatte eine Höhe von 21&nbsp;m.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Er ist nicht erhalten<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7: „Der Susannenturm und ein weiterer namenloser Turm haben vielleicht die Stadtzerstörung 1689, ganz bestimmt aber nicht die [[Lederwerke Doerr & Reinhart|Lederfabrik Doerr & Reinhart]] und das Nibelungencenter überstanden.“ </ref>, konnte aber auch bei einer archäologischen Grabung im Hof einer Kfz-Werkstatt an der Ecke Schönauerstraße/Römerstraße nachgewiesen werden.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79; Grün, September 1982, S. 56. </ref> Er wurde daraufhin nach dem [[Befund (Archäologie)|Grabungsbefund]] des Pflasters der Straße wiedergegeben.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>

==== Unbezeichneter Turm ====
Ein weiterer Turm – für den kein Name überliefert und der auch als Bauwerk nicht erhalten ist<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7: „Der Susannenturm und ein weiterer namenloser Turm haben vielleicht die Stadtzerstörung 1689, ganz bestimmt aber nicht die [[Lederwerke Doerr & Reinhart|Lederfabrik Doerr & Reinhart]] und das Nibelungencenter überstanden.“ </ref> – wurde 1989 im Bereich der Schönauerstraße 11 bei einer archäologischen Grabung nachgewiesen. Er sprang etwa drei Meter aus der Mauerflucht hervor.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79. </ref>

==== Eisbach-Einlass ====
Westlich der Leonhardspforte gab es einen Durchlass durch die innere Mauer für den [[Eisbach (Rhein)|Eisbach]] in die Stadt hinein. Um in die Stadt zu gelangen, musste er den Stadtgraben queren. Das geschah auf einem hölzernen Steg. Auf der Innenseite der Mauer lief er unterirdisch weiter.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59f. </ref>

==== Leonhardspforte ====
Die Leonhardspforte war eines der südlichen Stadttore für die Verbindung nach [[Speyer]] und ist nicht erhalten.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Es ist unter verschiedenen Bezeichnungen bezeugt. 1259 wird es erstmals und unter der Bezeichnung „nova porta“ (neues Tor) erwähnt. Es darf nicht mit dem in der westlichen Stadtmauer gelegenen Neutor verwechselt werden. Es ist also wohl kurz vor dieser ältest erhaltenen Erwähnung in die Mauer eingebaut worden. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Verkehr von und nach Süden zunehmend vom Pfauentor hierher.<ref> Gensicke: ''Beiträge'', S. 56, nennt dafür das Jahr 1259. </ref> Das führte auch zur Bezeichnung „Innere Speyerer Pforte“.

Der Torturm hatte eine Höhe von 23&nbsp;m.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein Ravelin aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

Der hier vorgelagerte Stadtgraben führte – aus Richtung Rhein kommend – etwa bis hier hin Wasser. Er wurde vom Tor aus mit einer Brücke überwunden, der Leonhardsbrücke.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref>

Als die französischen Truppen ab März 1689 damit begannen, den inneren Mauerring abzureißen, wurde auch das Leonhardstor zerstört.<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref>

==== Christoffelturm ====
[[Datei:Worms - Stadtmauer - 2019-02-27 14-07-38.jpg|mini|Christoffelturm; hinter der Mauer liegt das [[Andreasstift (Worms)|Andreasstift]]]]

Der Christoffelturm (auch: Christophelturm<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref>) ist nur im unteren Bereich mittelalterlich. Er war 23&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Er wurde 1689 gesprengt. Dabei wurde aber wohl nur der obere Teil des Turms zerstört, wie neuere Bauuntersuchungen zeigen. Die Darstellung bei Peter Hamann, die den Turm als völlig zerstört darstellt, ist danach übertrieben.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 22. </ref>

Die oberen Geschosse wurden erst 1920<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> oder 1927<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> aufgesetzt. Der Turm gehört heute zum [[Museum der Stadt Worms]]<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref>, ebenso wie das benachbarte [[Andreasstift (Worms)|Andreasstift]]. Die gotischen Fenster wurden aus dem Südflügel des Kreuzgangs des Andreasstiftes ausgebaut und die Wetterfahne stammt von einem historischen Hafenkran am Rhein.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref> Ein hier als [[Spolie]] eingefügter, skulpierter Eckstein, der auf beiden Seiten zwei Drachen, die ein Wormser Schlüsselwappen halten, und die Jahreszahl 1667 zeigt, stammt von einer unbekannten Stelle aus den Festungsanlagen der Stadt.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref>

==== Andreastor (1907) ====
[[Datei:Worms Stadtmauer (Süd) 03.JPG|mini|Andreastor]]

Das heutige Andreastor liegt unmittelbar neben dem Andreasstift. Es entstand 1907 unter dem Baudezernenten und Bürgermeister [[Georg Metzler (Architekt)|Georg Metzler]] als Durchlass durch den südlichen Mauerabschnitt. Bei den Bauarbeiten erwies sich die bestehende Stadtmauer hier als so marode, dass sie in diesem Abschnitt komplett abgetragen werden und zusammen mit dem neu geschaffenen Tor neu aufgemauert werden musste.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23. </ref> Es hat einen großen Bogen zum Durchfahren und einen kleinen für Fußgänger. Nicht zu verwechseln ist es mit dem historischen, mittelalterlichen Andreastor in der Westseite der Stadtmauer. In dem Neubau wurden auch einige Spolien vermauert, unter anderem ein romanisches Christus-Relief.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Gleichzeitig wurde der Bestand des inneren Mauerringes saniert und neben dem Andreastor auch das ''Raschitor'' im Norden durch die Mauer gebrochen, um modernen Verkehrserfordernissen zu genügen.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>

Der folgende Mauerabschnitt bis zum Luginsland wird bei Peter Hamann als völlig zerstört darstellt. Bauuntersuchungen haben aber ergeben, dass er noch zu erheblichen Teilen ältere Bausubstanz im aufgehenden Mauerwerk aufweist. Die Darstellung bei Hamann ist danach übertrieben.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 22. </ref>

==== Luginsland ====
Der Turm „Luginsland“ war zu den anstoßenden, in rechtem Winkel aufeinander zulaufenden Mauern, der Süd- und der Westmauer der inneren Stadtbefestigung, diagonal gestellt und bildete die südwestliche Ecke und das Scharnier zwischen beiden Mauerabschnitten.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 66. </ref> Der Turm war er 33&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Bei der Sprengung des Turmes 1689 blieb ein Turmrest erhalten, der später mit einem Dach versehen wurde. Das Gebäude wurde erst beim Bau der in den 1890er Jahren errichteten Villa Werger abgebrochen.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 54; Hotz, Juli 1982, S. 24. </ref> Der Eckturm der Villa vollzieht die Situation an gleicher Stelle nach.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>

Der Turm „Luginsland“ war namensgebend für die gleichnamige Straße.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

=== Westseite ===
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Die Westseite der inneren Stadtmauer weist insgesamt nur wenige Türme auf. Sie ist ebenfalls aus präzise gesetzten Bruchsteinquadern gemauert.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Oberirdisch ist von der westlichen Partie vom Anschluss an die nördliche Mauer bis auf die Höhe der Stephansgasse nichts erhalten, die Mauerflucht aber noch an der Bebauungsgrenze zum Anlagenring (dem früheren Stadtgraben) ablesbar. Viele Häuser nutzten die Mauer als Fundament nach Westen hin. Hier stand ehemals auch der einzige und so genannte „Runde Turm“.

Anschließend, entlang des Lutherringes, blieben die ältesten Mauerpartien erhaltenen. Sie stehen auf römischen Fundamenten aus dem 2. Jahrhundert<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 77. </ref> Ob es sich dabei aber um Teile einer Stadtmauer aus dieser Zeit oder um Mauerwerk handelt, das ursprünglich einem anderen Bauwerk diente, ist nicht sicher. Einerseits soll davor ein Spitzgraben, wie er bei römischen Befestigungen üblich war, verlaufen sein.<ref> Reuter: ''Stadtmauern und Wehrtürme'', S. 5. </ref> Andererseits wird die Mauer hier als ein Gebäudeteil des angrenzenden römischen Tempelbezirks gedeutet.<ref> Grünewald: ''Spätrömisches Worms'', S. 25. </ref> Das älteste aufgehende Mauerwerk stammt aus fränkisch-karolingischer Zeit.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Es handelt sich um das älteste erhaltene mittelalterliche Architekturdenkmal in Worms.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 9. </ref> Im Garten des [[Heylshof]]s dient sie als [[Romantik|romantischer]] Abschluss des zugehörigen Parks nach Westen. Hier wurde im späten 19. Jahrhundert eine [[Grotte]] mit dem [[Herkulesbrunnen (Worms)|Herkulesbrunnen]] eingebaut und innen [!] ein neuromanisches Türmchen vorgestellt. Südlich des Parks, zwischen [[Wormser Dom|Dom]] und Stadtmauer wurde 1933/1935 durch Abriss der Wirtschafts- und [[Remise]]ngebäude des Heylshofs der [[Platz der Partnerschaft|Platz der Nation]] (heute: Platz der Partnerschaft) geschaffen.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 778; Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Er nutzt die Innenseite der Stadtmauer als Abschluss nach Westen. Die dort vorhandenen innenseitigen Bögen der Mauer wurden zugesetzt und zwei rundbogige Durchlässe eingebrochen.<ref> Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42; Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref>

In die westliche Mauer eingestellt waren oder sind der oben beschriebene Luginsland, dem nach Norden Einbauten folgen:

==== Unbezeichneter Turm ====
Zwischen dem mittelalterlichen Andreastor und dem Luginsland, gegenüber dem Eingang zum [[Heiliger Sand|Heiligen Sand]], gab es einen weiteren Turm, dessen Bezeichnung nicht überliefert ist.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59, 64; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref>

==== Mittelalterliches Andreastor ====
Das mittelalterliche (innere) Andreastor war nach der auf es zuführenden Andreasgasse benannt. Es war etwa 34&nbsp;m hoch<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> und befand sich im südlichen Abschnitt der westlichen Stadtmauer. Nicht zu verwechseln ist es mit dem neuen Andreastor von 1907 in der südlichen Stadtmauer. Die älteste erhaltene Erwähnung des mittelalterlichen Andreastors findet sich in der Mauerbauordnung aus der Zeit um 900<ref> Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 693. </ref> und in einer Urkunde von 1141.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 56. </ref> Vor dem Torturm spannte sich eine Brücke über den Stadtgraben.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref> Das Andreastor galt als eine besonders gefährdete Stelle, weil in der Nähe viele [[Kleriker]] lebten. Das Verhältnis zwischen Kirche und Stadt war oft gespannt und die Stadt fürchtete, dass der Klerus sich mit einem vor der Stadt liegenden Feind verbünden und ihm das Tor öffnen könne.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 76. </ref>

==== Platz der Partnerschaft ====
[[Datei:Platz der Partnerschaft - Vogelperspektive.jpg|mini|[[Platz der Partnerschaft]], rückwärtig begrenzt vom Westabschnitt der Stadtmauer. In der Ecke rechts der neuromanische Turm vom Ende des 19. Jahrhunderts]]

Der [[Platz der Partnerschaft|Platzes der Partnerschaft]] (damals: Platz der Nation) wurde in den 1930er Jahren angelegt. Dabei wurde auch die Stadtmauer zur davor liegenden Anlage hin mit zwei rundbogigen Durchgängen durchbrochen.

==== Neuromanisches Türmchen ====
Als [[Hochbehälter]], um die benachbarte Villa des Industriellen [[Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim]], den [[Heylshof|Heyl’s Hof]], und vor allem deren Park mit Wasser zu versorgen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts an der Innenseite [!] der Stadtmauer ein [[Neuromanik|neuromanisches]] Türmchen angebaut, das damit zugleich als randliche [[Staffage#Landschaftsarchitektur|Staffage]] für deren Park diente.<ref> Ferdinand Werner (Verleger)|Ferdinand Werner: ''Der Heylshofpark in Worms. Vom Villengarten zum Stadtgrün''. In: [[Der Wormsgau]] 31 (2014/2015), S. 119–156 (126f). </ref> Das Türmchen ist heute mit stark verändertem Dach in die Gestaltung des Platzes der Partnerschaft integriert.

==== Krämerturm ====
[[Datei:Bischofshof Worms 1 Ausschnitt.tif|mini|Bischofshof von Worms. Den „Horizont“ im Bildhintergrund bildet die Stadtmauer, dahinter der Krämer- oder Neidturm]]

Der Krämerturm (auch: „Neidturm“ oder „Mauerturm“<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 77. </ref>) war einer der wenigen Türme auf der Westseite der Mauer und der einzige zwischen Andreastor und Neupforte. Er stand an der Stelle der Mauer, hinter der sich der [[Bischofshof (Worms)|Bischofshof]] befand. Dies passte dem Bischof, [[Johann II. von Fleckenstein]] gar nicht und er erwirkte 1411 einen Baustopp<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 54. </ref>, so dass der Turm erst 1424 fertiggestellt werden konnte<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 74; Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref>, als das Verhältnis zwischen Bischof und Stadt sich vorübergehend entspannt hatte.

Der Turm wurde der Mauer im Graben frei vorgestellt, ohne sie zu berühren.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 74; Spille: ‘‘Denkmaltopographie’’, S. 42. </ref> Sein Stumpf ist im Bereich der Parkanlage erhalten. Die Ecken bestanden aus behauenen Quadern aus rotem [[Sandstein]], die übrigen Mauern waren in Bruchsteinen ausgeführt. Das Turm war er 17&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref>

Angebliches Motiv für den Bau des Turms war, dass die Bürger von Worms im Streit mit dem Bischof lagen und den Turm errichteten, um den Bischof zu ärgern und in seinen Garten hinein zu sehen. Bischofspalast und Turm wurden von den Franzosen 1689 zerstört.<ref> Armknecht: ''Der Neidturm'', S. 4. </ref>

Im 18. Jahrhundert errichtete der Bischof eine [[Orangerie]] mit zwei Türmchen und bezog dazu auch die Stadtmauer mit ein. Die Stadt protestierte zwar, konnte das aber nicht verhindern.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 56. </ref>

==== Neutor ====
Das „Neutor“ wurde auch als „Neupforte“ bezeichnet. Es soll Mitte des 13. Jahrhunderts angelegt worden sein.<ref> Gensicke: ''Beiträge'', S. 56. </ref> Sein Torturm war 34&nbsp;m hoch und damit der höchste Turm des inneren Mauerringes.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8; Hotz, Juni 1982, S. 9. </ref> Er trug im 17. Jahrhundert ein hohes Dach, das an den Ecken vier kleine Türmchen aufwies. Unmittelbar nördlich des Tors war das städtische Tanzhaus an die Mauer angebaut, das 1880 abgerissen wurde.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 59. </ref>

Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein Ravelin aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Ab März 1689 begann das französische Militär, das Worms im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges besetzt hatte, auch den inneren Mauerring abzureißen. Dabei wurde die Neupforte zerstört.<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref>

==== Runder Turm ====
Im Gegensatz zu allen anderen 25 Türmen der inneren Stadtmauer, die alle rechteckig waren, war dies der einzige runde Turm. Er ist nicht erhalten.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref> Er stand etwa auf der Höhe des Denkmals für die Gefallenen des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]].<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 55. </ref> Auf dem Vogelschauplan von Peter Hamann trägt er eine [[Welsche Haube]].

Anschließend folgte in nordöstlicher Richtung wieder die Martinspforte (siehe oben).

== Äußere Mauer ==
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{{BSe|xWBRÜCKE1||Durchlass nördlicher Stadtgraben|}}
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{{BSe|xABZlr||Nördliche / östliche Mauer|}}
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Zum äußeren Verteidigungsring sind die Informationen weit spärlicher als zur inneren Stadtmauer. Aus Ortsangaben, die in Urkunden erhalten sind und die sich auf die Mauer beziehen, kann geschlossen werden, dass die äußere Mauer in der zweiten Hälfte der 1360er Jahre, zumindest aber im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts gebaut wurde.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 128f, auch wenn der – im Übrigen auch sehr positivistisch schreibende Autor – sein Ergebnis im Hinblick auf andere Autoren und deren auf allgemeinen Erwägungen beruhende Annahme, der Mauerbau sei schon im 13. Jahrhundert erfolgt, wieder relativiert. </ref> Andere Autoren nehmen aufgrund allgemeiner Erwägungen schon das 13. Jahrhundert an. Auch ist wahrscheinlich, dass sich der Bau über Jahrzehnte hinzog.

Die bauliche Ausführung der Mauern des äußeren Mauerrings war über weite Strecken weniger aufwändig als beim inneren Mauerring: Es handelte sich um eine einfache Mauer, ohne Wehrgang, die mit meist kleinen, in überwiegender Zahl runden Türmen verstärkt war.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref> Die Toranlagen waren dagegen repräsentativer gestaltet<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>, dienten damit auch der Selbstdarstellung der Stadt nach außen und wiesen sechs eigene Torburgen auf.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 6. </ref> Es gelang in der gesamten Zeit des Bestehens des äußeren Mauerrings nie, das von ihm umfasste Areal auch nur annähernd geschlossen zu besiedeln.<ref> Gensicke: ''Beiträge'', S. 56. </ref> Die meisten hier liegenden Flächen wurden für Gartenbau und Landwirtschaft genutzt.

Der nachfolgend beschriebene Verlauf beginnt am Bindturm, dem südöstlichen Eckturm der inneren Befestigung, und führt im Uhrzeigersinn und von Süd nach Nord:

=== Viehpforte ===
Die Viehpforte war ein einfaches Tor und sicherte den Zugang zur Bürgerweide. Das Tor lag zwischen den Häusern Pfauentorstraße 8 und 9.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218, platziert es in die Südostecke des inneren Mauerrings. </ref>

=== Zwei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Zwei Türme unbekannter Bezeichnung schützten den südlichen Abschnitt der äußeren Mauer entlang des Rheins. Der nördliche von beiden war ein kleiner Rundturm, der südliche einer der wenigen viereckigen der Außenmauer.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 65. </ref>

=== Aulturm ===
Der Aulturm, auch kurz „Die Aul“ genannt, wird bei [[Sebastian Münster]] als „Nideck“ bezeichnet.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 56. </ref> Nach anderen Angaben trug nur das vorgelagerte Bollwerk die Bezeichnung „Nideck“.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5 </ref>

Der Aulturm schützte die südöstliche Ecke der äußeren Befestigung. Der Turm war rund und hatte ein gemauertes, kuppelförmiges Dach.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 57; Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref> Umgeben war er mit einer eigenen Bastion.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 65. </ref>

Bei der Stadtzerstörung durch die Franzosen 1689 wurde dieser Turm als erstes Bauwerk der Stadtbefestigung [[Sprengung|gesprengt]], wurde dabei beschädigt, stürzte aber zunächst nicht um.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 57. </ref> Erst beim zweiten Versuch gelang es, ihn zu zerstören.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

Zwischen Aulturm und Neuer Speyerer Pforte befand sich ein Bollwerk, aber kein Turm mehr.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64f. </ref>

=== Neue Speyerer Pforte ===
Das Tor lag im Bereich der Kreuzung der heutigen Speyerer Straße mit der [[Bahnstrecke Mainz–Mannheim]], südlich der Gleise.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref> Die historische Speyerer Straße war die Hauptachse von Worms nach Süden und bestand schon zu römischer Zeit. Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung stammt von 1258.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 20. </ref>

Die Neue Speyerer Pforte war ein mit einem [[Dachreiter]] verzierter Torturm auf quadratischem Grundriss.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 8 </ref> Sie ersetzte die westlich gelegene, viel aufwändiger angelegte Alte Speyerer Pforte.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64. </ref>

=== Alte Speyerer Pforte ===
Die Alte Speyerer Pforte lag im Bereich der Kreuzung der Speyerer Straße mit der Bahnstrecke Mainz–Mannheim, nördlich der Gleise.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref> Hier verließ die Speyerer Straße die Stadt Richtung [[Speyer]].

Es war ein Doppeltor mit zwei flankierenden Rundtürmen.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7 </ref> Davor lag noch eine Bastion. Aus unbekannten Gründen wurde das Tor aufgegeben, vermauert und durch die Neue Speyerer Pforte ersetzt.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

=== Drei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Den weiteren Verlauf der Mauer verstärkten drei weitere kleine runde Türme, deren Bezeichnung nicht überliefert ist.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63f. </ref>

=== Einlass des Eisbachs ===
Der Einlass des [[Eisbach (Rhein)|Eisbachs]] in die äußere Mauer war durch einen flankierenden viereckigen Turm geschützt. Der Einlass selber erfolgte durch einen einfachen Bogen.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

=== Pforte der Mühle des Klosters Nonnenmünster ===
In diesem Bereich war die Mühle des Klosters Nonnenmünster in die Mauer eingebaut. Hier gab es eine zusätzliche Tür in der Mauer, die den Zugang zum [[Absperrschieber|Wasserschieber]] ermöglichte. Der Schlüssel war dem [[Schaffner (Beruf)|Schaffner]] des Klosters anvertraut, der dem Rat der Stadt einen besonderen [[Eid]] für den Umgang mit dem Schlüssel [[Schwur]] schwören musste.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 55. </ref>

=== Michaelspforte ===
Die Michaelspforte war ein relativ unspektakuläres Tor in der Südwestecke der äußeren Mauer. Sie wurde nur bei Bedarf geöffnet, war aber wichtig für den landwirtschaftlichen Verkehr.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 17. </ref>

Vor der Michealspforte warfen 1515 in einer ad-hoc-Aktion alle Bewohner der Stadt angesichts der Bedrohung durch [[Franz von Sickingen]] eine zusätzliche Befestigung auf – nur die Geistlichkeit beteiligte sich nicht.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 17. </ref> Dem Tor war im 17. Jahrhundert eine Bastion vorgelagert.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63f. </ref>

=== Südwestlicher Eckturm ===
Für die in der älteren Literatur vermutete<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63f. </ref> römische Herkunft – zumindest der Fundamente – des folgenden Turms gibt es keinen archäologischen oder sonstigen Nachweis.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 79. </ref> Dieser Turm bildete die Südwestecke des äußeren Mauerrings.

=== Drei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgen drei Türme unbekannter Bezeichnung.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64. </ref> Der Wall zwischen dem nördlichsten dieser Türme und dem äußeren Andreastor ist als der erhöhte östliche Bereich des [[Heiliger Sand|historischen jüdischen Friedhofs]] erhalten. Nach Aufgabe der äußeren Verteidigungslinie wurde der Friedhof ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts auf den Wall ausdehnt, der so erhalten blieb.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref> Erhalten blieb auch der dem Wall vorgelagerte Graben, den die [[Hessische Ludwigsbahn]] ab 1853 für die [[Trasse (Verkehrsweg)|Trasse]] ihrer Strecke Mainz–Bobenheim (Landesgrenze) nutzte, die heutige [[Bahnstrecke Mainz–Mannheim]].

=== Äußere Andreaspforte ===
Die Äußere Andreaspforte korrespondierte mit der Inneren Andreaspforte. Beide dienten dem Schutz des Durchlasses für die Straße Richtung [[Alzey]]. Der Äußeren Andreaspforte war noch eine Bastion vorgelagert, die ein drittes Tor aufwies.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

Im Bereich der beiden Andreastore bestand ein 1519 gebauter unterirdischer Gang vom Stadtgraben am inneren Andreastor durch den äußeren Wall zum Graben vor der äußeren Verteidigungsanlage.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Warmasia'', S. 666. </ref> In den 1970er Jahren waren davon noch Spuren zu sehen.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

=== Vier Türme unbekannter Bezeichnung ===
Weitere vier Türme unbekannter Bezeichnung folgen. Die drei südlichen lagen im Bereich von [[Das Wormser]].<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

=== Neupforte ===
Die Neupforte lag in der heutigen [[Wilhelm-Leuschner-Straße (Worms)|Wilhelm-Leuschner-Straße]] zwischen den Häusern 29 und 30. Die Neupforte war von einem rechteckigen Turm flankiert. Davor führte eine Brücke über den Graben, die feldseitig mit einem weiteren Tor gesichert war. Das lag etwa dort wo heute der [[Fürstenbahnhof|Fürstenpavillon]] des [[Empfangsgebäude]]s des [[Worms Hauptbahnhof|Wormser Hauptbahnhofs]] steht.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

=== Vier Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgte in nördlicher Richtung ein Abschnitt mit vier Türmen unbekannter Bezeichnung. Der wurde im 19. Jahrhundert, beim Anlegen des neuen Friedhofs (heute: [[Albert-Schulte-Park]]), als dessen östliche Mauer zweitverwendet. Einer der Türme stand im Bereich Siegfriedstraße / Renzstraße.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>

=== Neuhauserpforte ===
Die Altmühl- oder Neuhauserpforte lag im Bereich des Kreisverkehrs Gaustraße / Altmühlstraße. Das Tor wurde nach einem Zwischenfall 1408 zugemauert.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 61; nach Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref>

=== Ein Turm unbekannter Bezeichnung ===
Im weiteren Verlauf folgte erneut ein Turm mit heute unbekannter Bezeichnung.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64. </ref>

=== Mainzer Pforte ===
Das Mainzer Pforte sicherte die von der Martinspforte nach Mainz führende alte Handelsstraße im äußeren Mauerring. Dass die Martinspforte des inneren Mauerringes im 19. Jahrhundert ebenfalls als „Mainzer Tor“ bezeichnet wurde, darf nicht zu Verwechslungen führen.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104. </ref> An der Mainzer Pforte wurden Abgaben auf in die Stadt eingeführte Verbrauchsgüter erhoben.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 441. </ref> 

Zunächst war die Mainzer Pforte ein von zwei Türmen geschütztes Tor.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 8, nach den Stichen von [[Sebastian Münster]] und [[Matthäus Merian]]. </ref> 1667 wurde hier der mit sieben Vollgeschossen größte und imposanteste aller Wormser Tortürme errichtet.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 8; Juli 1982, S. 21. </ref> Richtung Mainz zeigte er zum Schmuck zwei Seitentürmchen. Vorgestellt war ein Vorhof mit Vortor, Wachhaus, Bastion, Zugbrücke und einer [[Kapelle (Kirchenbau)|Kapelle]].<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63; Hotz, Juni 1982, S. 8. </ref>

Der 1689 abgerissene Torturm wurde kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert beim Bau der [[Nibelungenbrücke Worms|Ernst-Ludwig-Brücke]] Vorbild für deren linksrheinischen (heute noch erhaltenen) Brückenturm.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 520; Ehrismann in Bönnen (Hg.): ''Worms und das ‚Nibelungenlied‘'', S. 838. </ref><ref group="Anm."> Nach Hotz, Juni 1982, S. 8, soll die Mainzer Pforte sogar Vorbild für beide Brückentürme gewesen sein. </ref>

=== Vier Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgen vier Türme unbekannter Bezeichnung, mit den ungefähren Positionen: nahe der Mainzer Straße, Einmündung der Bergadistraße in den Liebfrauenring und Liebfrauenring 21.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63f. </ref> Vor dem östlichsten dieser Türme liegt der Liebfrauenbuckel, die nordöstlichste Bastion der äußeren Mauer. 

=== Neuturm ===
Der Turm ragte in den Rhein<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref>, in einem Bereich des [[Hafen Worms|Sicherheitshafens]], in dem heute ein Großsilo die Wormser [[Umriss|Stadtsilhouette]] ziert.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>. 

Er soll der erste Turm der äußeren Befestigung gewesen sein, der erbaut wurde – die Bauzeit ist aber nicht belegt. Das älteste erhaltene schriftliche Zeugnis zu dem Turm stammt von 1368. Der Turm schützte die benachbarte Güldene Pforte und den vorgelagerten [[Hafenkran]].<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5. </ref>

Der Neuturm war – nach allen erhaltenen Darstellungen – ein besonders imposanter Turm, der die Nordostecke der äußeren Mauer überragte.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5. </ref> Er stand auf einem besonders befestigten Podest.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref> Der Turm wies sechs gewölbte Stockwerke mit je zwei kleinen rechteckigen Fenstern zum Rhein in den oberen Stockwerken auf. In Höhe des Mauerabschlusses umlief den Turm ein vorkragender Gang. 

Geschmückt war der Neuturm mit einem Zinnenkranz über einem Bogenfries und einem hohen, pyramidenförmigen Dach, umgeben von vier achteckigen Ecktürmchen mit spitzen [[Turmhelm]]en.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5. </ref> Auf der Darstellung von Peter Hamann war er flussseitig mit einem [[Maria (Mutter Jesu)|Marienbild]] geschmückt, auf der Darstellung von [[Sebastian Münster]] ist es ein [[Ritter]]. Der prächtige Turm galt als „der Stolz der Stadt“.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 59. </ref>

Der Turm wurde von den französischen Besatzern 1689 zerstört, wozu 30 [[Mine (Waffe)|Sprengminen]] erforderlich waren.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Die verbliebene Ruine wurde aber erst beim Bau des Hafens im 19. Jahrhundert beseitigt.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref>

Der Neuturm war namensgebend für die Neuturmstraße.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

=== Güldene Pforte ===
Die „Gültenpforte“ trug ihren Namen wohl wegen einer besonders reichen Ausschmückung. Sie lag unmittelbar südlich des Neuturms. Sie diente dem repräsentativen Empfang auf dem Rhein anreisender hoher Gäste. Bezeugt ist das für Kaiserin [[Bianca Maria Sforza|Bianca Maria]], Ehefrau Kaiser [[Maximilian I. (HRR)|Maximilian I.]]<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63, spricht von „Maria Blanca“. </ref> Die Güldene Pforte wurde 1719 zugemauert.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63, Anm. 58. </ref>

=== Zwei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgen zwei weitere Türme im Verlauf der Mauer. Der nördliche lag im Gelände des heutigen [[Hafen Worms|Hafenbahnhofs]], der südliche stand etwa im Bereich der Einmündung der Friedensstraße in die Hafenstraße und war – im Gegensatz zu den meisten anderen Türmen der Außenmauer – viereckig.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref>

=== Gänspforte ===
Die Gänspforte lag an der Einmündung der Friesenstraße (ehemals: Fischergasse) in den Berliner Ring. Sie diente dazu, Vieh auf die vor der Mauer liegenden Weiden treiben zu können.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref>

=== Zwei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgten zwei weitere Türme unbekannter Bezeichnung. Einer lag an der Ecke Wallstraße / Berliner Straße und war viereckig. Der zweite stand vor dem Haus Nibelungenring 27.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62, 64. </ref>

=== Grabendurchlass ===
Unmittelbar bevor die äußere Mauer beim ''Kopsort'', dem nordöstliche Eckturm der inneren Stadtbefestigung, wieder an die innere Mauer anschloss, wies sie noch einen Durchlass für den vor der inneren Mauer entlangführenden Graben auf.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 62. </ref>

=== Vorgelagerte Bastionen ===
Im 16. Jahrhundert wurde die äußere Mauer mit 11 [[Bastion]]en verstärkt. Es handelte sich um Wälle, die im [[Rechter Winkel|rechten Winkel]] aus der Mauer hervorsprangen. Feindseitig wiesen sie überwiegend zwei ebenfalls rechtwinklig zueinander gestellte Wälle ([[Fachbegriffe Festungsbau #F|Facen]]) auf, die eingezogene rückwärtige Kehle war – bis auf drei mit einem der Tore oder einem Turm besetzt.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64. </ref> Im Uhrzeigersinn, von Süd nach Nord waren das die Bastionen
# Nideck vor dem Aulturm war eine Viereckschanze<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7; Reuter: ''Peter und Johann Friedrich Hamann, S. 27. </ref>
# zwischen dem Aulturm und der Neuen Speyerer Pforte<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 64f. </ref> (ohne Turm)
# Alte Speyerer Pforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# Michaelspforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# unbezeichnete Bastion, direkt vor dem Turm Luginsland der inneren Mauer<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218. </ref>
# Äußere Andreaspforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# nördlich der Altmühlpforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218 </ref>
# Mainzer Pforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# Liebfrauenbuckel, die nordöstlichste Bastion der äußeren Mauer. In Ihrer Mitte stand ehemals ein runder Turm.<ref> Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref> Die Bastion ist heute die einzige, die sich noch im Gelände, nördlich der Straße „Liebfrauenring“, im Weingarten des [[Wilhelm Valckenberg (Politiker, 1790)#Karriere|Weingutes Valckenberg]], abzeichnet.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44; Armknecht: ‘‘Die Wormser Stadtmauern’’, S. 63. </ref>
# Neuturm, eine viereckige Bastion neben dem Turm<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7; Reuter: ''Peter und Johann Friedrich Hamann, S. 27. </ref>