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[[Datei:21 O Mü Rheinpforte Woog Giessen Rhein.jpg|mini|300px|Wormser Stadtbefestigung vom Rhein her gesehen]]
[[Datei:44 A HE MZer Tor.jpg|mini|300px|Mainzer Tor]]
[[Datei:Stadtmauer Worms N1.jpg|mini|300px|Stadtmauer im Nordabschnitt]]
[[Datei:Raschi-Tor + Touristen.jpg|mini|300px|Die Stadtmauer ist heute ein touristischer Höhepunkt in Worms]]
[[Datei:Christoffelturm.jpg|mini|300px|Der Christoffelturm gehört heute zum Museum [[Andreasstift (Worms)]]]]

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Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde der nördliche Mauerabschnitt stark historisierend restauriert und dabei auch das „Raschi-Tor“ eingebrochen.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75, 77. </ref>

In die Mauer der Nordseite eingestellt waren oder sind:

==== Martinspforte ====
[[Datei:01 N HvRh Martindpforte.jpg|mini|links|Martinspforte mit vorgelagerter Bastion und Außentor]]
[[Datei:
Worms Martinspforte.jpg|mini|links|[[Haus Martinspforte|Historisierender Ersatzbau]] für die abgerissene Martinspforte]]
[[Datei:01 N HE Martinspforte.jpg|mini|Martinspforte vor der Zertsörung 1689 (Zeichnung: [[Peter Hamman (Worms)|Peter Hamman]])]]

Ob die Erwähnung einer „Martinspforte“ in der [[Mauerbauordnung (Worms)|Mauerbauordnung aus der Zeit um 900]] sich auf dieses Stadttor oder einen Vorgänger an anderer Stelle bezieht oder ob ein Lese- oder Abschreibfehler vorliegt, ist nicht sicher.<ref> Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 696. </ref> Die „Martinspforte“, wie sie dann bis ins 18. Jahrhundert bestand, wurde erstmals mit der nördlichen Erweiterung der Stadtmauer Anfang des 11. Jahrhunderts angelegt.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 161. </ref> Sicher scheint so eine Erwähnung aus dem Jahr 1016 zu sein („porta s. Martini“). 

Die Martinspforte ist nach der benachbarten, gleichnamigen [[St. Martin (Worms)|Kirche]] benannt<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref>, die auch für die auf das Tor zuführenden Martinsgasse namensgebend war.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref> Im 19. Jahrhundert wurde der Durchgang durch die Mauer oft als „Mainzer Tor“ bezeichnet (das darf aber nicht mit der „Mainzer Pforte“ des äußeren Mauerrings verwechselt werden).<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104. </ref>

Die Martinspforte sicherte im nördlichen Abschnitt der Stadtmauer den Eintritt der wichtigen Handelsstraße von und nach Mainz in die Stadt. Kurz vor der Zerstörung 1689 war sie mit einer großen und fünf kleinen [[Kanone]]n bestückt. Auch war das Tor die kürzeste Verbindung aus der Stadt zur „Mainzer Vorstadt“ von Worms, die unmittelbar vor dem Tor lag. Unmittelbar dahinter lag der Zugang zur [[Judengasse (Worms)|Judengasse]]. Die Martinspforte war das zeremonielle Eintrittstor für einen neugewählten [[Liste der Bischöfe von Worms|Bischof]], wenn er zum ersten Mal die Stadt betrat<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 230. </ref> oder den König, wenn er von [[Mainz]] oder der [[Burg Landskron (Oppenheim)|Pfalz Oppenheim]] anreiste. Das Tor war deshalb besonders prächtig gestaltet. [[Martin Luther]] hat Worms zum [[Reichstag zu Worms (1521)|Reichstag 1521]] auf einem Wagen durch dieses Tor erreicht.<ref> Heimo Schwilk: ''Luther. Der Zorn Gottes. Biografie''. Blessing, München 2017, S. 226. </ref> Weiter diente der Dachreiter des Torturms dazu, hier die Stadtglocke aufzuhängen. Auch war in den Turm eine Uhr eingebaut.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref> Eine weitere Funktion des Gebäudes war es, Tagungsort des „Pörtelgerichts“ zu sein. Die Aufsicht über den Turm hatte die adelige Familie derer [[Dalberg (Adelsgeschlecht)|von Dalberg]]. Vor dem Tor befand sich eine [[Richtstätte]].<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref>

Das mittelalterliche Tor wurde um 1200 erneuert<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104. </ref> und noch 1665 umgebaut und ausgeschmückt.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Im mittelalterlichen Tor waren römische Grabsteine eingemauert.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref> Sie wurden im 19. Jahrhundert ins Museum gebracht.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref> Die Straße nach Mainz setzte die Tradition der alten Römerstraße fort. Nach römischer Tradition befanden sich die Friedhöfe oft an den Ausfallstraßen der Städte, so auch hier.

Unmittelbar vor der Zerstörung 1689 hatte das Tor vier Vollgeschosse (einschließlich der Durchfahrt) und ein mit [[Zwerchhaus|Zwerchhäusern]] in jede Himmelsrichtung ausgebautes, darauf aufgesetztes Dachgeschoss. Der Torturm war 28&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> An der nordöstlichen Seite befand sich ein angebauter Treppenturm mit [[Welsche Haube|welscher Haube]]. Der Torturm wies sichtbare bauliche Elemente der [[Gotik]], der [[Renaissance]] und des [[Barock]] auf. Stadtseitig befand sich zwischen den Fenstern des zweiten und des dritten Stocks das Stadtwappen, das von zwei Drachen gehalten wurde.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref>

Der vor dem Tor liegende Graben war mit zwei [[Zugbrücke]]n überspannt, vor denen ein weiteres, kleines Tor lag.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62; Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26. </ref>

Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein [[Ravelin]] aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

[[Datei:Judengasse 9 Rueckseite (2).jpg|mini|links|Stadtmauer an der Rückseite des Hauses Judengasse 9, östlich der Martinspforte]]

Bevor die französischen Truppen 1689 Worms erreichten, wurde die Stadtglocke abgehängt und vergraben.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26. </ref> Ab März 1689 begann das französische Militär, das Worms im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges besetzt hatte, den inneren Mauerring abzureißen.<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref> Die Franzosen versuchten, die Martinspforte zu [[Sprengung|sprengen]]. Die Struktur hielt den gelegten fünf [[Mine (Waffe)|Minen]] stand, aber der Turm brannte aus. Aus dem Metall der vergrabenen Stadtglocke wurden später drei Glocken für die [[Dreifaltigkeitskirche (Worms)|Dreifaltigkeitskirche]] gegossen.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26. </ref><ref group="Anm."> Abweichend dazu gibt Hotz, Juni 1982, S. 10, an, die Stadtglocke sei in der Dreifaltigkeitskirche aufgehängt worden. </ref>

1719 wurde im Stadtrat über einen Wiederaufbau verhandelt, der aber unterblieb. 1779 war der Zustand der Ruine so bedenklich, dass die Stadt sie abreißen ließ. Die Steine wurden zur Uferbefestigung am Rhein verwendet, wo auch noch so manch anderer Teil der Stadtmauer endete. Ersetzt wurde das mittelalterliche Tor durch ein [[barock]]es, das weniger der Verteidigung denn als Zollstation diente.<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 26; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 56; Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104, nennt dafür bereits das Jahr 1699. </ref> Dieses stellte im 19. Jahrhundert ein Verkehrshindernis dar. Über die Abrisspläne entbrannte ein mehr als zwei Jahrzehnte währender Streit zwischen den städtischen und den staatlichen Behörden. Das Tor wurde in diesem Zusammenhang auch als „Mainzer Tor“ bezeichnet, was nicht zur Verwechslung mit dem damals schon nicht mehr existierenden Mainzer Tor des äußeren Befestigungsrings führen darf. Der zunächst ab 1842 als Kreisrat in Worms amtierende [[Reinhard Carl Friedrich von Dalwigk]], späterer [[Ministerpräsident]] des [[Großherzogtum Hessen|Großherzogtums Hessen]], setzte sich für den Erhalt des Tores ein, die Stadt präferierte eine breitere Straße. 1864 setzten sich die Wünsche der Stadt durch: Das Tor wurde beseitigt.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 468. </ref>

Dieses „Loch“ als Stadteingang wurde offensichtlich als [[städtebau]]lich unbefriedigend empfunden. Das wurde 1903/04 durch den Bau des [[Haus Martinspforte|Hauses „Martinspforte“]] gelöst, das aus der Mauerflucht etwas zurück gesetzt errichtet wurde und so den Verkehr nicht störte, in der Form aber dem ehemaligen Torturm nachempfunden war, nur um 180 Grad gedreht und in der Höhe etwa halbiert. Der Balkon bildet den ehemaligen Wehrgang nach. Vorlage dabei war dabei die Darstellung des Tors durch [[Peter Hamman (Worms)|Peter Hamman]].<ref> Armknecht: ''Die Martinspforte'', S. 25. </ref> Statt einer Tordurchfahrt war im Erdgeschoss ein Geschäftslokal untergebracht, ab 1908 die Stadtapotheke.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>Judengasse 9 Rueckseite (2).jpg|mini|Stadtmauer an der Rückseite des Hauses Judengasse 9, östlich der Martinspforte]]

Die Martinspforte sicherte im nördlichen Abschnitt der inneren Stadtmauer den Eintritt der wichtigen Handelsstraße von und nach Mainz in die Stadt. Sie wurde 1689 schwer beschädigt und im 18. Jahrhundert abgerissen, ebenso wie im 19. Jahrhundert ein an gleicher Stelle errichtetes Zolltor. {{Hauptartikel|Martinspforte (Worms)}}

1903/04 wurde durch den Bau des [[Haus Martinspforte|Hauses „Martinspforte“]] eine Replik geschaffen, die ihrer Form dem ehemaligen Torturm nachempfunden, aber um 180 Grad gedreht und in der Höhe etwa halbiert war.

Im Bereich der östlich anschließenden Stadtmauer hat 1989 eine archäologische Grabung stattgefunden.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 102. </ref> Hier sind auch noch zwei Mauerabschnitte in den Häuserwänden erhalten und sichtbar.

==== Ziegelturm ====
[[Datei:Ziegelturm 1.jpg|mini|Ziegelturm von Westen]]

(contracted; show full)<references group="Anm." />

== Einzelnachweise ==
<references responsive />

[[Kategorie:Stadtbefestigung in Deutschland|Worms]]
[[Kategorie:Bauwerk in Worms]]
[[Kategorie:Kulturdenkmal in Worms]]