Revision 104911070 of "Systematic Inventive Thinking" on dewikiSysstematic Inventive Thinking ([[SIT]]) ist eine [[Denkmethode]], die auf den Ergebnissen jahrzehntelanger wissenschaftlicher Forschung aufbaut und dazu genutzt werden kann, [[Innovation]]en zu generieren und Probleme zu lösen [[Problemlösung]].
Dabei liegen der SIT-Methodik Grundprinzipien zugrunde:
Die SIT Methodik ist ein systematischer Ansatz, neue [[Ideen]] und Konzepte durch die optimale Nutzung bestehender Ressourcen zu entwickeln. Es ist eine bipolare Vorgehensweise, die durch eine Wechselwirkung zwischen analytischen und provokativen Methoden zu einem effektiven [[Kreativprozess]] führt.
Durch ihren systematischen Ansatz hilft die Methode Fixierungen zu brechen bzw. mentalen Blockierungen zu Überwinden.
== GESCHICHTE DER METHODIK ==
=== Überblick – Die kreative Datenbasis ===
SIT beschäftigt sich mit zwei Hauptaufgaben: Entwickeln neuer Ideen und lösen von bestehenden Problemen<reference>{{cite journal|last=Goldenberg|first=J|coauthors=Lehmann D; Mazursky D|title=The idea itself and the circumstances of its emergence as predictors of new product success|journal=Management Science|year=2001|pages=69–84|url=http://www.jstor.org/discover/10.2307/2661560?uid=3738240&uid=2&uid=4&sid=21100699504921}}</ref>. Um Kreativität messen zu können, entwickelten und etablierten Forscher aus dem Bereich [[Kognitives Denken]] um 1970 eine messbare Orientierung: Die kreative Person wurde definiert, als jemand, der eine Vielzahl von ständig neuen Ideen hat<ref>{{cite book|title=Strategy for R&D Studies in Microeconomics of Development|year=1967|publisher=Springer-Verlag|location=New York|coauthors=Marshak Y; Glenman T; Summers R.}}</ref>. Als Messwert für Kreativität wurde die Anzahl der Ideen im Verhältnis zur benötigten Zeit definiert. Dieser Ansatz führte zu einer Serie von Methoden um Kreativität zu fördern, mit der Ausgangslage, dass eine Vielzahl von unterschiedlichsten Ideen auch zwangsläufig zu einigen qualitativen Ideen führen muss. Methoden, die auf diesen Ansatz zurückgeführt werden können sind z.B. [[Brainstorming]], Synectics, Random Stimulation und Lateral Thinking (identifiziert von [[Edward de Bono]]).
Aktuellere Studien legen einen anderen Ansatz nahe. Diese Studien zeigen, dass die Hauptproblematik nicht das Generieren von einer Vielzahl an Ideen ist, sondern vielmehr das identifizieren der wirklich Vielversprechenden. Die zuvor angenommen Parallele zwischen Quantität und Qualität gilt nicht mehr als Orientierung. Bei den Studien hat sich herausgestellt dass der große Fluss von Ideen nicht zwangsläufig auch zu besonders guten Ideen führt sondern vielmehr, dass die sehr wenig versprechenden Ideen durch die Gruppendynamik den Entwicklungsprozess behindern und ausbremsen<ref>{{cite book|title=On the effectiveness of groups brainstorming: test of one underlying cognitive mechanism|year=1993|publisher=Small Group Research|pages=490–503|coauthors=Connolly T; Routhieaux R. L; Schneider, S. K}}</ref><ref>{{cite journal|last=Paulus|first=B.P|title=Perception of performance in group brainstorming: the illusion of group productivity|journal=Personality and Social Psychology Bullettin|year=1993}}</ref>. Diese Erkenntnisse haben einen neuen Ansatz gefordert, der nicht auf unkontrollierten Ideenfluß basiert, sondern der interessante und attraktive Ideen durch einen organisierten und strukturierten Denkprozess fördert. Dieser organsierte und strukturierte Denkprozess ist die Grundlage von Systemaiv Inventive Thinking.<ref>{{cite journal|last=Goldenberg|first=J|coauthors=Mazursky D, Solomon S|title=Creative Sparks|journal=Science|year=1999|pages=1495–1496|url=http://www.sciencemag.org/content/285/5433/1495.short|doi=10.1126/science.285.5433.1495}}</ref>.
===Der Ursprung durch TRIZ===
===Von TRIZ zu SIT===
Der Schritt von TRIZ zu SIT war motiviert durch das vereinfachen der komplexen und schwierig anzuwendenden Methode, was vor allem durch die Reduzierung der Werkzeuganzahl und die Formulierung der Regeln geschehen konnte. Darüberhinaus wurde die Anwendung erweitert, indem sehr spezifische Werkzeuge eliminiert wurden und die Umsetzung spezifischer, durch eine strikte Definition der Rahmenbedingung (sog. Closed World) im Vorfeld. Insbesondere die Closed World und damit die ausschließliche Verwendung interner Ressourcen ist ein Differenzierungsmerkmal von SIT im vergleich zu TRIZ.
Das zeigt sich besonders schön bei der Anwendung von SIT für Problem Solving. In einem ersten Schritt werden für die Closed World alle internen Komponenten gelistet, die im direkten Umfeld des Problems sind. Sind diese erst definiert, weiß der Lösungssuchende, dass alle Bausteine zum Lösen seines Problems vor ihm liegen und die Auflösung des Problems lediglich die richtige Anordnung bzw. Verbindung der einzelnen Bausteine benötigt. Damit ermöglicht die Closed World einen sehr scharfen Fokus und hohe Energie für den Findungsprozess.
==Die fünf Denkwerkzeuge==
===<small>1. Subtraction </small>===
===<small>2. Multiplication </small>===
===<small>3. Division </small>===
===<small>4. Task Division </small>===
===<small>5. Attribute Dependency </small>===
==Prinzipien==
===The Closed World – Denken innerhalb der Box===
Das Closed World Prinzip besagt, bei Erfindungen soweit und solange wie möglich nur von bereits bestehenden oder verwandten Elementen des Produktes und der Ressourcen im Unternehmen Gebrauch zu machen. Jedes Produkt hat möglicherweise eine Reihe von Closed Worlds, die es während der verschiedenen Abschnitten seiner Existenz „durchlebt“. Wenn man mit den Tools arbeitet, ist es wichtig sich auf jeweils eine Closed World zu konzentrieren. Dennoch ist die Definition der Closed World nicht absolut. Abhängig von zweckmäßigen Überlegungen, gibt es verschiedene Abstufungen wie „geschlossen“ diese Welt sein sollte. Manchmal ist es besser nur einen Bestandteil des Produktes zu betrachten, oft aber wird die „Welt“ vergrößert, um zusätzliche Bestandteile mit einzubeziehen.
Autos, zum Beispiel, „durchleben“ mehrere Welten: die Fertigung, den Vertrieb, den Ausstellungsraum, Parkplätze, in der Stadt und auf dem Land, etc. Jede Welt bringt ein anderes Cluster an fremden Komponenten mit sich – Dinge, die entweder physisch oder konzeptionell nah am Auto sind.
===Qualitative Veränderung===
Qualitative Veränderung bezeichnet einen Zustand einer Komponente, der sich zum Lösen eines Problems oder bei einer Innovation komplett verändert. So kann in beiden Fällen ein Schlüsselelement entweder komplett eliminiert werden, oder Anstelle der Problemursache zur Lösung des Problems dienen. Wenn eine solche Veränderung eintritt, hat für diese Komponente eine qualitative Veränderung stattgefunden.
===Funktion folgt Form===
Das Ziel von Innovation ist nicht nur die bereits existierenden Bedürfnisse zu erfüllen, sondern die verborgenen Verbraucherbedürfnisse aufzudecken und sogar neue zu schaffen. Wenn ein Bedürfnis klar und offensichtlich genug ist, um durch Forschung entdeckt zu werden, sind die Chancen groß, dass auch die Konkurrenz davon weiß.
Diese Tatsache führt in der Praxis häufig dazu, dass neue Produkte von mehreren Wettbewerben nahezu gleichzeitig auf den Markt kommen.
Um wirklich innovativ zu sein, muss man im Idealfall neue Kundenbedürfnisse schaffen, die dem Markt noch gar nicht bekannt sind. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, bietet SIT eine umgekehrte Herangehensweise: Der Prozess beginnt mit einer Analyse des Produktes (oder Service oder Prozess/Work Flow) und geht dann gezielt in die Suche neuer, bisher unbekannter oder unentdeckter Kundenbedürfnisse sowie einer Bewertung des potenziellen Marktes und der Möglichkeiten der Umsetzbarkeit. Dieser umgekehrte Denkprozess heißt Function Follows Form (siehe folgenden Absatz für nähere Erläuterungen), das erst das Design eines potentiellen neuen Produkts hervorbringt, bevor aus dieser neuen Situation heraus bestehende oder zukünftige Verbraucherbedürfnisse systematisch gesucht und identifiziert werden. Dieser Prozess hat eine Reihe von Vorteilen:
Das Aufdecken von nicht identifizierten und unvorhergesehenen Bedürfnissen verschafft dem Unternehmen einen erheblichen Vorteil gegenüber der Konkurrenz und die Möglichkeit höherer Margen.
Da die neuen Produkte auf den bereits vorhandenen Produkten aufbauen, führen Sie meist zu vergleichsweise geringen Umsetzungs- und Herstellungskosten und eine kurze Produkteinführungszeit.
Die genaue Skizzierung potenziell aller möglichen Entwicklungswege des Produktes erlaubt die Entwicklung eines nachhaltigen Innovationsplans anstelle eines One-Hit-Wonders.
Die Anwendung von SIT nutzt das bestehende Know-how über die Einbindung interdisziplinärer Teams. Die neuen Produkte werden von unternehmenseigenem Mitarbeitern erfunden, gestützt auf deren beruflichen Erfahrungen als auch deren Wissen über das Produkt und den Markt.
===Weg des größten Wiederstands===
In der Natur sucht sich das Wasser, das einen Berg hinunterfließt, immer den Weg des geringsten Widerstands – den einfachsten Weg. Im Denken ist das genauso, unsere Gedanken neigen dazu, den Weg des geringsten Widerstands zu nehmen – diejenigen Wege, die uns am geläufigsten sind. Daher ist es schwierig, Ideen zu entwickeln, die neu für uns oder unsere Konkurrenz sind. Um auf wirklich neue und innovative Ideen zu stoßen, ist es daher sinnvoll einen eher ungewöhnlichen Weg zu gehen: nämlich den des größten Widerstands. Diesen Weg sind unsere Gedanken eher nicht gewohnt. Alle SIT Tools sind daher so ausgelegt/gestaltet den Denker durch den PMR zu führen.
===Kognitive Fixierung===
Innovativ sein bedeutet unter anderem, mentale Fixierungen zu durchbrechen bzw. zu überwinden. Jeder hat schon einmal den guten Tip bekommen, „außerhalb der Box zu denken“ (Thinking out oft he box). Die Grenzen der Box, in der wir uns geistig bewegen, werden durch unsere mentalen Fixierungen bestimmt. Die kognitive Forschung hat dabei gezeigt, dass es einfacher ist, mit System an das Durchbrechen der mentalen Fixierungen heranzugehen.
Dabei müssen zwei verschiedene Fixierungen gelöst werden:
====Funktionale Fixierung====
Der Wissenschaftler Karl Duncker hat den Begriff Funktionsgebundenheit geprägt: Er hat die menschliche Tendenz identifiziert, bestimmte Funktionen entsprechenden Gegenständen zuzuschreiben. Bei seinem Kerzen-Versuch hat er gezeigt, dass Menschen ein und den selben Sacherhalt unterschiedlich beurteilen, wenn er auf zwei Arten präsentiert wird.
Um diesen Effekt auszuschließen, sollte man bei der Verwendung von Denkwerkzeugen immer damit beginnen eine Liste aller Komponenten oder Variablen zusammenzustellen. Es wird dadurch leichter die Funktionsgebundenheit aufzubrechen, da man dazu gezwungen ist sich jede Komponente als eine separate Einheit vorzustellen. Es hilft z.B. bei „die Reißnägel aus der Schachtel zu nehmen“. Task Unification ist das Tool das am besten bei der Lösung dieser Aufgabe hilft.
====Strukturelle Fixierung====
Bei der Strukturgebundenheit neigt man dazu, die Objekte als ein Ganzes zu betrachten: Als eine Gestalt. Das macht es oft schwer sich vorzustellen wie das Produkt umgestaltet werden könnte, um anders auszusehen. Warum müssen die Bedienelemente z.B. immer am unteren Teil des Fernsehers sein?
===Sweet Spot der Innovation===
Im Zusammenhang mit Innovation gibt es einen Bereich, der als Innovation Sweet Spot bezeichnet wird und in dem alle erfolgreichen Ideen liegen. Charakterisiert wird er dadurch, dass er einen Bereich bezeichnet, in dem Ideen weder zu weit weg sind von den aktuellen Möglichkeiten und damit nicht realistisch sind, noch zu nah dran sind am bestehen Prozess/Produkt und damit nicht als Innovation wahrgenommen werden. Erreicht wird dieser Bereich durch die zwei wesentlichen SIT Prinzipien: CLosed World und Qualitative Change. Die Closed World vermeidet, dass die Ideen zu weit aus dem Rahmen des Möglichen abrutschen und das Prinzip Qualitative Change stellt sicher, dass die Ideen weit genug weg sind von der aktuellen Situation.
==Literatur==
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