Revision 134373543 of "Russells Teekanne" on dewiki

[[Datei:Bertrand Russell.jpeg|mini|Bertrand Russell]]
'''Russells Teekanne''' (von [[Englische Sprache|engl.]] ''Russell’s teapot'') ist eine [[Religionsparodie]] in Form eines [[Analogismus]]. Sie geht auf einen Aufsatz des Mathematikers und Philosophen [[Bertrand Russell]] aus dem Jahr 1952 zurück.

Spezifisch gibt diese Analogie wieder, dass es nicht Sache der Wissenschaft ist, Gott zu widerlegen.

== Ursprung ==
{{Zitat-en|If I were to suggest that between the Earth and Mars there is a china teapot revolving about the sun in an elliptical orbit, nobody would be able to disprove my assertion provided I were careful to add that the teapot is too small to be revealed even by our most powerful telescopes. But if I were to go on to say that, since my assertion cannot be disproved, it is an intolerable presumption on the part of human reason to doubt it, I should rightly be thought to be talking nonsense. If, however, the existence of such a teapot were affirmed in ancient books, taught as the sacred truth every Sunday, and instilled into the minds of children at school, hesitation to believe in its existence would become a mark of eccentricity and entitle the doubter to the attentions of the psychiatrist in an enlightened age or of the Inquisitor in an earlier time.|Bertrand Russell|''Is There a God?''<ref>''[http://russell.mcmaster.ca/cpbr11p69.pdf Is There a God? (PDF, 89k), 1952]'' (,Gibt es einen [[Gott]]?‘) von Bertrand Russell, aus ''[http://russell.mcmaster.ca/volume11.htm The Collected Papers of Bertrand Russell, Volume 11: Last Philosophical Testament, 1943–68]''</ref>|Übersetzung=Wenn ich behaupten würde, dass es zwischen Erde und Mars eine Teekanne aus Porzellan gebe, welche auf einer elliptischen Bahn um die Sonne kreise, so würde niemand meine Behauptung widerlegen können, vorausgesetzt, ich würde vorsichtshalber hinzufügen, dass diese Kanne zu klein sei, um selbst von unseren leistungsfähigsten Teleskopen entdeckt werden zu können. Aber wenn ich nun zudem auf dem Standpunkt beharrte, meine unwiderlegbare Behauptung zu bezweifeln sei eine unerträgliche Anmaßung menschlicher Vernunft, dann könnte man zu Recht meinen, ich würde Unsinn erzählen. Wenn jedoch in antiken Büchern die Existenz einer solchen Teekanne bekräftigt würde, dies jeden Sonntag als heilige Wahrheit gelehrt und in die Köpfe der Kinder in der Schule eingeimpft würde, dann würde das Anzweifeln ihrer Existenz zu einem Zeichen von Exzentrik werden. Es würde dem Zweifler in einem aufgeklärten Zeitalter die Aufmerksamkeit eines Psychiaters einbringen oder die eines Inquisitors in früherer Zeit.}}

== Rezeption ==
[[Richard Dawkins]] nahm in Bezug auf Russells Teekanne folgendermaßen Stellung:
{{Zitat|Der Grund, weshalb organisierte Religion offene Feindschaft verdient, ist, dass Religion, anders als der Glaube an Russells Teekanne, mächtig, einflussreich und steuerbefreit ist und systematisch an Kinder weitergegeben wird, die zu jung sind, sich dagegen zu wehren. Kinder sind nicht gezwungen, ihre prägenden Jahre damit zu verbringen, verrückte Bücher über Teekannen auswendig zu lernen. Staatlich subventionierte Schulen schließen keine Kinder vom Unterricht aus, deren Eltern das falsche Aussehen der Teekanne bevorzugen. Teekannen-Gläubige steinigen keine Teekannen-Ungläubigen, Teekannen-[[Renegat]]en, Teekannen-Ketzer und Teekannen-Lästerer zu Tode. Mütter warnen ihre Söhne nicht davor, Teekannen-[[Schickse]]n zu heiraten, deren Eltern an drei Teekannen statt an eine glauben. Leute, die ihre Milch zuerst einschenken, schießen nicht jenen, die den Tee zuerst einschenken, die Kniescheiben weg.|übersetzt aus Richard Dawkins|''A Devil’s Chaplain: Selected Essays''<ref>Richard Dawkins: ''A Devil’s Chaplain. Selected Essays'' („Eines Teufels Kaplan. Ausgewählte Essays“), Houghton Mifflin Weidenfeld & Nicolson, Boston 2003, Seite ?, ISBN 0-618-33540-4</ref>}}

== Kritik ==
{{Belege fehlen|Kein einziger Beleg, siehe [[Diskussion:Russells Teekanne#Abschnitt Kritik vom 25. September 2014|diesen Diskussionsabschnitt]].|Dieser Abschnitt|}}
Die Analogie zwischen einer Teekanne und Gott ist bewusst provokativ und blendet wesentliche Merkmale von Religiosität aus:

Russel setzt den religiösen Glauben damit gleich, dass etwas für wahr gehalten wird. Religionen aber beanspruchen, dass der von ihnen vermittelte [[Glaube]] sich nicht darin erschöpft, etwas für wahr zu halten, sondern darauf gerichtet ist, auf etwas zu hoffen. Wer an [[Gott]] glaubt, nimmt nicht nur an, dass Gott existiert, sondern erhofft sich auch ein Entgegenkommen Gottes, z.B. [[Gnade]] oder [[Barmherzigkeit]]. 

Außerdem beantworten Religionen mit dem Glauben auch [[Sinnfrage]]n, was die Vermutung der Existenz einer Teekanne nicht leistet. Für Menschen zu allen Zeiten wichtige Fragen nach der Herkunft und dem Ziel des Seins werden von Religionen mit Bezugnahme auf die Transzendenz beantwortet. Dies geschieht in der Mehrzahl der Religionen durch die Annahme mindestens eines personalen Gottes. Mit Hilfe der Annahme eines Gottes lassen sich also Fragen beantworten, die sich mit der Annahme einer Teekanne nicht beantworten lassen. Dies betrifft auch vorhandene Phänomene, z.B. die unwahrscheinliche aber gegebene Existenz autonom denkender und sich ihres Seins bewusster Menschen oder die Existenz eines Universums, in dem Leben existieren kann. [[Wissenschaftstheorie|Wissenschaftstheoretisch]] ist die Annahme der Existenz Gottes also eine brauchbare [[Theorie]], da sie Beobachtungen erklären kann, die ohne diese Theorie nicht erklärbar sind, hingegen die Annahme der Existenz einer Teekanne nicht.

[[Immanuel Kant]] in seiner Kritik der reinen Vernunft ontologisch den philosophische Beweis dafür, dass es für den Menschen sinnvoll ist, die Existenz Gottes für das weitere Philosophieren vorauszusetzen. Gerade diese Argumentation ist weithin anerkannt. Eine entsprechende Beweisführung für Teekannen liegt nicht vor. Auch die spieltheoretisch begründete Annahme Gottes durch Pascal führt den Beweis, dass es sinnvoll sei, die Existenz Gottes anzunehmen.

Auch setzt sich Russel auch nicht damit auseinander, dass viele Menschen über alle Zeiten hinweg von eigenen Gotteserfahrungen (z.B. Wundern, Erscheinungen) berichten, wohingegen entsprechende Erfahrungsberichte für eine Teekanne fehlen.

Schließlich setzt sich dei Analagie von Russel auch nicht mit dem Thema der Gottesbeweise auseinander. Während die Teekannenanalogie gerade darauf aufbaut, dass etwas grundsätzlich unbeweisbares behauptet wird, gibt es eine Reihe von [[Gottesbeweis]]en, wenn auch mit mehr oder weniger Überzeugungskraft.

Russels Teekanne provoziert daher den Leser, selbst darüber nachzudenken, was dafür spricht, die Existenz (eines) Gottes anzunehmen. Eine theologische oder philosophische Auseinandersetzung mit den hierzu existierenden Antworten (u.a. Kant, Gödel), findet durch die Provokation nicht statt sondern wird dem Leser überlassen.

== Einzelnachweise ==
<references />

[[Kategorie:Atheismus]]
[[Kategorie:Bertrand Russell]]
[[Kategorie:Religionsparodie]]