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Der Begriff '''Low-Tech''' bildet den Gegensatz zu [[High-Tech]] und bezieht sich auf Technik, die unter den Maßstäben:
* einfache Funktion
* einfache Herstellung
* einfache Bedienung
* Robustheit
* einfache [[Wartung]]
* einfache Reparierbarkeit
entwickelt wird. Low-Tech sagt nichts über die hinter der Technologie stehende Intelligenz aus.Es bezieht sich lediglich auf die praktische Umsetzung. Oft werden neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung von Low-Tech-Geräten verwendet. Ein Teil von Low-Tech ist aber auch einfach sehr alte und bewährte Technik. Low-Tech ist eine Konstruktionsphilosophie, die den Gegenpol zur [[High-Tech]] bildet. Es bedeutet das bewusste Verzichten auf teure komplizierte Technik und die Nutzung einfacher Wirkprinzipien beispielsweise [[Einfache Maschine|einfache Maschinen]] wie Seil, Hebel, Rolle, schiefe Ebene oder einfache Maschinen mit kombinierten Wirkungsweisen wie Flaschenzug, Wellrad, Kurbel und Schraube. Die Benutzung von Low-Tech ist häufig intuitiv zu erlernen oder beim einmaligen Zuschauen, so dass aufwendige Einarbeitung oder Bedienungsanleitungen entfallen können. Produzenten von Low-Tech-Geräten verwenden anstatt einer geschriebenen Bedienungsanleitung häufig Piktogramme, die in jeder Sprache und Kultur verstanden werden können und nicht übersetzt werden müssen.
Ein Beispiel sind [[Konservendose]]n und der zugehörige [[Dosenöffner]]. Es werden oft einfache mechanische Öffner verwendet, obwohl es bereits vollautomatische elektrische Öffner gibt, die viel komfortabler zu bedienen, jedoch teuer und komplizierter sind. Auch die Mechanik, Form und Werkstoffe des einfachen Öffners sind oft mit viel [[Know-how]] gestaltet.
Low-Tech wird in hoch entwickelten Ländern und [[Entwicklungsländer|Entwicklungsländern]] eingesetzt. Der Einsatz von teuren hochwertigen Maschinen in Entwicklungsländern hat dort schon mehrfach zu Fehlschlägen geführt. Die High-Tech-Geräte waren nicht auf die rauen Bedingungen vor Ort abgestimmt und damit fehleranfälliger. Die Menschen waren vor Ort nicht in der Lage die komplexen, teuren Maschinen zu warten. Das lag an fehlender Ausbildung, sowie vor allem an der mangelnden Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Werkzeugen ([[Infrastruktur]]). Low-Tech-Maschinen können vor Ort gewartet und repariert werden. Die dafür benötigten Werkzeuge und Ersatzteile orientieren sich an den örtlichen Gegebenheiten.
Low-Tech Produkte werden auch unter dem Aspekt der [[Nachhaltigkeit]] und [[Müll]]vermeidung entwickelt. Durch die hohe Robustheit haben sie schon ab Werk eine längere Lebensdauer als vergleichbare High-Tech-Produkte. Durch die einfache Wartbarkeit und [[Reparierbarkeit]] kann die Lebensdauer mit geringem Aufwand oft erheblich verlängert werden. Die Produkte müssen nicht ersetzt werden. Es sind keine Spezialwerkzeuge und -ersatzteile zur Wartung nötig, die nach Ablauf der Produktlebensdauer mangels anderer Verwendung überflüssig werden. Low-Tech-Produkte lassen sich nach ihrer Nutzung leichter demontieren und einem geeigneten [[Recycling]] zuführen. Sie kommen häufig auch ohne elektrischen Strom aus. Damit fallen u. a. ökologisch bedenkliche Materialien bei der Herstellung von [[Elektronik]] weg. Für den Betrieb reicht meist Handkraft aus, es werden keine [[Batterie (Elektrotechnik)|Batterien]] benötigt.
== Low-Tech-Produkte ==
Beispiele für Low-Tech-Produkte, die sich vornehmlich an gering entwickelte Regionen richten und Probleme wie die Gewinnung sauberen Trinkwassers, das Kühlen und Zubereiten von Lebensmitteln, etc. mit einfachen Möglichkeiten und ohne Elektrizität ermöglichen:
* [[Watercone]]: Der ''Watercone'' ist ein durchsichtiger Kunststoffkegel, der einfach über eine Wasserpfütze oder eine dunkle Wanne gestülpt wird. Die Sonne sorgt für Verdunstung und das klare Wasser kondensiert an den Wänden des Kegels. Es läuft an den unteren Rand des Kegels, wo es gesammelt wird. An der Spitze befindet sich ein Schraubverschluss, durch den dann das gesammelte Wasser abgefüllt werden kann. So entstehen etwa 1,5 Liter Wasser pro Tag.
* [[Nebelkondensation|Nebel-Fangnetz]], auch ''Atrapaniebla'' genannt: Schon seit über 1000 Jahren verwenden die Menschen in Trockengebieten (wie etwa der [[Atacamawüste]]) Tücher, die Luftfeuchtigkeit sammeln und so lebenswichtiges Wasser spenden. Die Idee wurde von Fogquest wieder aufgegriffen und umgesetzt. Günstige, 20 Quadratmeter große Kunststoffnetze versorgen nun Menschen in Südamerika, Äthiopien und Jemen mit Wasser. Fogquest erhielt im Jahre 2005 in München den „Internationalen Hundertwasserpreis“.
* [[Tonkrugkühler]]: Beim ''Tonkrugkühler'' handelt es sich um zwei Tonkrüge, die ineinander gestellt sind. Zwischen den beiden Töpfen wird Sand eingefüllt und befeuchtet. Durch die Verdunstungskälte sinkt im inneren Topf die Temperatur um einige Grad Celsius; ausreichend um die Haltbarkeit von Lebensmitteln um ein Vielfaches zu erhöhen.<ref>{{internetquelle|url=http://www.suedwind-magazin.at/start.asp?ID=233579&rubrik=20&ausg=200012|titel=C. Pölzl. „Topf im Topf: Der Nigerianer Mohammed Bah Abba erfand den einfachsten und billigsten Kühlschrank der Welt“. Südwind-Magazin, Dezember 2000.|zugriff=2014-06-08}}</ref>
* [[Solarkocher]]: Ein ''Solarkocher'' nutzt die Energie der Sonnenstrahlung, um damit Speisen zuzubereiten oder auch Wasser [[Abkochen|abzukochen]]. Dazu wird die [[Insolation (Physik)|Einstrahlung]] durch einen [[Hohlspiegel]] gebündelt, in dessen [[Fokus|Brennpunkt]] sich der Behälter mit dem zu erwärmenden Inhalt befindet.
Beispiele für Low-Tech-Produkte, die sich vornehmlich an gut entwickelte Regionen richten und die teure, komplizierte und fehleranfällige Technik durch einfachere, robustere, kostengünstigere und ökologischere Alternativen ersetzen können:
* So können z. B. im Bereich der Gebäude-Klimatisierung aufwändig einzubauende Klimaanlagen, die regelmäßige Wartung benötigen und einen hohen Stromverbrauch (inkl. damit verbundener Kosten und Umweltauswirkungen) haben, häufig durch [[Rollladen|Außen-Rollläden]], [[Markise]]n, [[Markise#Sonnenschutzsegel|Sonnenschutzsegel]], o. ä. ersetzt oder zumindest ergänzt werden.
* Viele traditionelle, teilweise durch industrielle Fertigung verdrängte und aussterbende, [[Handwerk]]s- und [[Kunsthandwerk]]s-Berufe sind ebenfalls Beispiele für Low-Tech: [[Tischler]], [[Schmied]]e, [[Kesselmacher]], [[Messerschmied]], [[Drechsler]], [[Stellmacherei|Wagner]], [[Spinner (Beruf)|Spinner]], [[Weber]], [[Sattler]], [[Polstern|Polsterer]], [[Töpferei|Töpfer]], [[Küfer|Faßbinder]], [[Glasbläser]], [[Graveur]]e, [[Korbmacher]], [[Bürstenbinder]], [[Seil]]er, [[Posament]]enmacher, [[Scherenschleifer]], [[Buchbinder]], [[Schriftsetzer]], [[Notenstecher]], [[Musikinstrumentenbau]]er, [[Uhrmacher]], [[Feinmechanik]]er, [[Schneider]], [[Schuhmacher|Schuster]], [[Hutmacher]], etc.
* Viele aufwändige, elektrisch betriebene Küchengeräte können durch spezialisierte, rein mechanisch arbeitende und manuell betriebene Alternativen ersetzt werden, die nicht nur ohne Elektrizität auskommen, sondern auch einfacher zu reinigen und zu reparieren sind und die auch in der Anschaffung preiswerter sind.
* [[Liste textiler Handarbeiten|Textile Handarbeiten]] zum Herstellen, Verzieren oder Ausbessern textiler Werkstücke wie Kleidung, Decken, Zierdeckchen, Lampenschirme, Bezüge, Teppiche, etc. ([[Nähen]], [[Stricken]], [[Sticken]], [[Häkeln]], [[Klöppeln]], [[Knüpfen]], [[Stopfen (Handarbeit)|Stopfen]], [[Filz]]en, etc.) können ebenfalls dem Low-Tech zugerechnet werden.
== Siehe auch ==
* [[KISS-Prinzip]]
* [[Obsoleszenz]]
* [[Geplante Obsoleszenz]]
* [[Do it yourself]]
* [[Lifehack]]
* [[Recycling]] / [[Upcycling]]
* [[Repair-Café]]
== Weblinks ==
* [https://www.lowtechmagazine.com/ www.lowtechmagazine.com] – Low-Tech Magazine – Doubts on progress and technology ''(engl.)''
: Unter [https://solar.lowtechmagazine.com/ solar.lowtechmagazine.com] existiert eine Version der Webseite, die (entsprechend der Low-Tech-Philosophie) gänzlich ohne Scripting, dynamische Seitengenerierung, etc. auskommt und die nur auf statischen Webseiten basiert. Daneben werden nur Standardschriften verwendet und die Bilder werden per [[Dithering (Bildbearbeitung)|Dithering]] stärker als auf der regulären Website komprimiert. Eine weitere Besonderheit ist, dass der Server auf einem [[Einplatinencomputer|Einplatinen-Computer]] läuft, der mit [[Solarstrom]] betrieben wird – dementsprechend ist diese Website nicht erreichbar, wenn am Serverstandort die Sonne nicht scheint.<ref>{{Internetquelle|url=https://www.heise.de/select/ct/2018/24/1542615603143697|titel=c’t Magazin: Web-Tipps 24/2018, S. 186|werk=[[c’t|c’t-Magazin]]|zugriff=2018-12-26}}</ref>
== Einzelnachweise ==
<references />
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