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[[Datei:21 O Mü Rheinpforte Woog Giessen Rhein.jpg|mini|300px|Wormser Stadtbefestigung vom Rhein her gesehen]]
[[Datei:44 A HE MZer Tor.jpg|mini|300px|Mainzer Tor]]
[[Datei:Stadtmauer Worms N1.jpg|mini|300px|Stadtmauer im Nordabschnitt]]
[[Datei:Raschi-Tor + Touristen.jpg|mini|300px|Die Stadtmauer ist heute ein touristischer Höhepunkt in Worms]]
[[Datei:Christoffelturm.jpg|mini|300px|Der Christoffelturm gehört heute zum Museum [[Andreasstift (Worms)]]]]

Die '''Stadtbefestigung Worms''', die zum Schutz der Stadt [[Worms]] seit der [[Römisches Reich|Römerzeit]], im [[Mittelalter]] und in der [[Frühe Neuzeit|Frühen Neuzeit]] entstand, bestand im Endausbau aus zwei Mauerringen mit etwa 60 Türmen und acht Toren im inneren und neun Toren im äußeren Mauerring. Die Befestigung wurde nie eingenommen.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 4; Hotz, Mai 1982, S. 6. </ref>

== Geschichte ==
=== Römer ===
Erst gegen Ende des [[Römisches Reich|Römischen Reiches]] erhielt die Stadt Worms (civitas Vangionum / Borbetumagus) eine Ummauerung, etwa um 360 n. Chr., als die Bedrohung durch Überfälle von der rechten [[Rhein]]seite latent wurde. Dieses Datum ist vor allem durch eine umfangreiche Grabung an der Ostseite der Befestigung gesichert, wo etwa 40&nbsp;m freigelegt wurden und [[Archäologie|archäologische]] [[Befund (Archäologie)|Befunde]] das belegten.<ref> Grünewald: ''Spätrömisches Worms''; Porsche: ''Stadtmauer'', S. 59f. </ref> Zuvor hatte die Siedlung keine Mauer gehabt.<ref group="Anm."> Die ältere lokale Forschung dagegen war – ohne Belege – von einer umfangreichen römischen Mauer ausgegangen (Porsche: ''Stadtmauer'', S. 57f; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 55; Friedrich M. Illert: ''Die Reichsbedeutung der Stadt Worms. Hinweis auf die geographische Lage der Stadt und ihre Auswirkungen''. In: Der Wormsgau 2 (1939), S. 197–220 (210f)). Als sich in den 1930er Jahren entgegenstehende archäologische Befunde ergaben, wurden diese von der „herrschenden Meinung“ unterdrückt, was bis zur Versetzung des Mitarbeiters führte, der diese „missliebigen“ Ergebnisse ergraben hatte (Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 11f). [[Mathilde Grünewald]] zieht daraus „den Schluss, dass es von ihr [der römischen Mauer] nichts gibt, dass sie als Mythos aber sehr hartnäckig weiterlebt“ (Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 16). </ref> Für eine in der älteren Literatur vielfach vermutete frühere römische Stadtmauer gibt es keine archäologischen Belege<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 79; Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 13. Insofern unzutreffend: Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 13, 40. </ref>, dafür sprossen aber zahlreiche Vermutungen.<ref> Vgl.: Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 54–58. </ref>

Die römische Mauer verlief südlich entlang der heutigen Andreas- und Wollstraße.<ref> Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 18, bezeichnet ihre „Re“konstruktion selbst als „Gedankengebäude“. </ref> Im Osten etwas westlich von Fischmarkt und Bauhofgasse, der ursprünglichen Abbruchkante zum Rhein hin. Hier wurde die Mauer durch eine Ausgrabung nachgewiesen und ein Teil des Befundes in einem [[Archäologisches Fenster|Archäologischen Fenster]] offen gehalten, so dass sie hier zu sehen ist.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 42. </ref> Der Verlauf des nördlichen Abschnitts dagegen ist nicht bekannt<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 95. </ref> und wird auf einer Linie zwischen Ludwigsplatz und nördlich der Paulusstraße vermutet.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 161; vgl. Rekonstruktion in Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 13. </ref> Auch in der westlichen Stadtmauer ist römisches Mauerwerk sichtbar. Wahrscheinlich handelt es sich dabei aber nicht um die römische Stadtmauer, sondern um ein im [[Mittelalter]] sekundär verwendetes Gebäudeteil des angrenzenden römischen Tempelbezirks.<ref> Grünewald: ''Spätrömisches Worms'', S. 25. </ref>

=== Mittelalter ===
[[Datei:Sebastian Münster Stadtmauer.jpg|mini|600px|links|Die Rheinfront von Worms um 1550 mit der Stadtmauer von [[Sebastian Münster]]]]

Bis ins Hochmittelalter reichte der römische Mauerring für die Bedürfnisse der Stadt weiterhin aus. Er wurde – auch später – immer wieder repariert. Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung der Mauer stammt aus dem Jahr 897.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 20; Porsche: ''Stadtmauer'', S. 66. </ref>

An der Innenseite der östlichen Mauer, zum Rhein hin, befand sich im Hochmittelalter die Burg der [[Salier]]<ref> Kohl / Felten in Bönnen (Hg.): ''Worms'', S. 109, 121. </ref>, die als Grafenfamilie hier ihre Karriere begann.

[[Datei:Stadtmauer Nordanlage 2.jpg|mini|Nordmauer – Zustand nach knapp 1000-jähriger Baugeschichte]]
[[Datei:Stadtmauer Nordanlage 3.jpg|mini|Fensterdurchbrüchen zur Feldseite seit der [[Romanik]]]]

Erst im 10. Jahrhundert kam es zu einer ersten Erweiterung nach Süden, wo die Mauer nun entlang dem heutigen Willy-Brandt-Ring und der Schönauer Straße verlief.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 95, 161. </ref> Im Umfeld dieser Erweiterung oder wegen der Bedrohung durch die [[Normannen]], die den Rhein hinauf vorstießen, allerdings – im Gegensatz zu den [[Ungarn]] – nie bis Worms gelangten<ref> Kohl / Felten in Bönnen (Hg.): ''Worms'', S. 130. </ref>, entstand eine [[Mauerbauordnung (Worms)|Mauerbauordnung]], die Bischof [[Thietlach]] zugeschrieben wird. Sie regelte, wer zum Bau und Unterhalt der Mauer beizutragen hatte. Dazu zählten neben den anderen Stadtbewohnern auch die [[Friesen]], die im nordöstlichen Bereich des Stadtgebiets siedelten und im Fernhandel tätig waren. Der dortige Mauerabschnitt unterlag ihrer Pflege.<ref> Kohl / Felten in Bönnen (Hg.): ''Worms'', S. 130. </ref> Bau und ständiger Unterhalt einer solchen Stadtbefestigung waren teuer. Sie zu gewährleisten, waren verschiedene Gruppen der Stadtbewohner und auch potentiell Schutzsuchende aus unbefestigten Orten des Umlandes verpflichtet, die dafür ein Recht besaßen, im Kriegsfall hinter den Mauern Schutz zu suchen.<ref> Reuter: ''Stadtmauern und Wehrtürme'', S. 7; eine dieser Gruppen war die jüdische Gemeinde (Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 209). </ref> Das funktionierte nicht immer reibungslos. Öfter wies die Mauer Bauschäden auf und auch die Weigerung einzelner Verpflichteter, ihren Beitrag zu leisten, sind bezeugt.<ref group="Anm."> So wollten z. B. die in der Stadt begüterten [[Ritter]] 1272 ihren Beitrag verweigern (Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 204). </ref>

Die zweite Erweiterung erfolgte unter Bischof [[Burchard von Worms|Burchard]] am Anfang des 11. Jahrhunderts.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 166. </ref> Nach einer Phase, in der der bauliche Unterhalt der Mauern vernachlässigt worden war<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 137. </ref>, veranlasste er die Reparatur und der nördliche Abschnitt der römischen Mauer wurde durch den weit gezogenen Bogen einer neuen Mauer, die vom Westrand des heutigen Ludwigsplatzes, entlang der Martinsgasse, der Judengasse und der Bärengasse verlief, ersetzt. Im Osten schloss sie wieder an die bestehende römische Mauer, die die Ostseite von Worms schützte, an.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 95, 161. </ref> Zum konkreten Aussehen der Anlage in damaliger Zeit geben die erhaltenen Schriftquellen keine verlässlichen Anhaltspunkte. Zum Teil sind sie auch widersprüchlich. Hin und wieder ist dort zudem von einem Wall die Rede, ohne dass dessen Verhältnis zur Mauer erklärt wird oder geklärt ist.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 20; Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 28. </ref>

In den [[Lampert von Hersfeld#Die Annales|''Annales'']] des [[Lampert von Hersfeld]], entstanden 1078/1079, berichtet dieser darüber, dass die Wormser Bürger sich in dem Konflikt um [[Heinrich IV. (HRR)|Heinrich IV.]] auf dessen Seite schlugen. Dabei wird die Wormser Befestigungsanlage als hervorragend und uneinnehmbar erwähnt.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 144. </ref> Da der Bischof von Worms, [[Adalbert II. (Worms)|Adalbert II.]], sich auf die Seite der Gegner Heinrich IV. geschlagen hatte, sahen die Bürger eine Chance, sich gegen den Stadtherrn mit dem König zu verbünden. Dieser legte Truppen in die Stadt und übernahm so faktisch die Stadtherrschaft. Bei dem stufenweisen Rückzug des königlichen Militärs überließ er den Bürgern der Stadt auch die Verfügungsgewalt über die Stadtmauer, ein Prozess, der im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts ablief. Seit dieser Zeit hatte die Bürgerschaft die Hoheit über die Stadtverteidigung und die ihr dienenden Anlagen.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 3. </ref> Nachrichten aus den Jahren 1116 und 1234/35 berichten auch von einer militärisch ernst zu nehmende Stadtbefestigung.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 21. </ref>

[[Datei:Torturmplatz Bauphasen.jpg|mini|Die Stadtmauer am Torturmplatz zeigt drei Bauphasen:<br>1. Unten: roter Sandstein, Abschluss mit Zinnen<br>2. Mitte: Grau-braune Ziegel, Abschluss mit Zinnen<br>3. Oben: Dunkle Steine, Abschluss mit gedecktem Wehrgang (außerhalb des Bildes)]]
Die dritte Erweiterung der Stadtmauer – jetzt in Regie der Stadt – entstand kurz vor 1200 in deren Osten, wo die Mauer um 70&nbsp;m, etwa die Stärke eines Gebäudeblocks, in Richtung Rhein, nach Osten, vorverlegt wurde.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 92; Kohl / Felten in Bönnen (Hg.): ''Worms'', S. 161; Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Die Datierung sei nach einer archäologischen Grabung 1987 [[Dendrochronologie|dendrochronologisch]] gesichert: Verbaute Holzpfähle stammen aus dem Jahr 1196.<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2; Porsche: ''Stadtmauer'', S. 82. </ref> Dies wäre zugleich die älteste absolute historische Datierung, die für die Stadtbefestigung vorliegt.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 83. </ref> Weil die Entnahmestelle der Proben aber auch alternative Interpretationen zulässt, wird diese Datierung von Anderen angezweifelt<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 26. </ref> und der Bau der Mauer aufgrund [[Kunstgeschichte|kunstgeschichtlicher]] Kriterien im zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts angesetzt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 27. </ref>

Ursprünglich verlief die einfache Mauer, mit Zinnen versehen, um die Stadt. Sie war etwa 6,30&nbsp;m hoch.<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2. </ref> Der Bewegung der Wachen und des Militärs entlang der Mauer diente eine Gasse, die unmittelbar hinter der Mauer verlief.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Eine Ausnahme davon bildete die Judengasse. Deren nördliche Häuserzeile war rückwärtig unmittelbar an die Stadtmauer angebaut, was zu Konflikten zwischen den Verteidigungsinteressen der Stadt und den Interessen der Grundeigentümer führte. Dieser Anbau von Häusern an die Mauer ist im mittelalterlichen Worms singulär<ref group="Anm."> Dass ein Schutzbrief für die Jüdische Gemeinde von König [[Heinrich IV. (HRR)|Heinrich IV.]] aus dem Jahr 1090 dieses Privileg sicherte, wird zwar in der Literatur immer wieder angeführt. Der Text der Urkunde gibt das aber nicht her (Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 29). </ref> und hatte baulich zur Folge, dass die Stadtmauer hier feldseitig [!] die Reste von Fenstern aus [[Romanik]], [[Gotik]] und [[Renaissance]] aufweist.

[[Datei:Stadtmauer Wehrgang Judengasse 39.jpg|mini|Haus „Zur Büchs“: Der Wehrgang setzte sich ursprünglich durch das Gebäude fort]]

Die Mauer wurde – wohl im 14. Jahrhundert<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 53; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 5, geht vom 14./15. Jahrhundert aus. </ref> – auf etwa 8&nbsp;m erhöht<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 7. </ref>, nachdem [[Schwarzpulver]] und [[Schusswaffe]]n aufkamen. Hinter die Mauer wurden breite Bögen gesetzt. Auf diesen verlief ein hölzerner [[Wehrgang]], der stadtseitig weitgehend offen war.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 58. </ref> Eine Rekonstruktion ist im Bereich des [[Nibelungenmuseum Worms|Nibelungenmuseums]] zu sehen und begehbar. Im Bereich der Judengasse, wo die Häuser ja direkt an die Stadtmauer angebaut waren, hatte das zur Folge, dass der Wehrgang bei manchen Gebäuden durch das Haus geführt werden musste, so etwa in der Nr. 39, dem Haus „Zur Büchs“ (auch: „Guggenheimhaus“<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 19. </ref>), im zweiten Obergeschoss, was erst bei einer Renovierung 1980 beseitigt wurde.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

Für 1201 ist überliefert, dass auch die Männer der [[Jüdische Gemeinde Worms|jüdischen Gemeinde]] bewaffnet und zur Verteidigung der Stadtmauer verpflichtet waren.<ref> Adolf Kober: ''Die deutschen Kaiser und die Wormser Juden''. In: Ernst Róth: ''Festschrift zur Wiedereinweihung der Alten Synagoge zu Worms''. Ner Tamid Verlag, Frankfurt am Main 1961, S. 184; Reuter in Bönnen (Hg.): ''Warmasia'', S. 669. </ref>

1234 stürzte ein Teil der Mauer am inneren Andreastor ein.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref>

Für 1272 gibt es eine Nachricht, dass sich – zumindest Teile – der Stadtmauer in einem ruinösen Zustand befanden.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 204. </ref> 1321 erließ der Stadtrat eine Ordnung über Bau und Unterhalt des Stadtgrabens.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 56. </ref>

1491 wird der Baumeister [[Jakob Bach (Dombaumeister)|Jakob Bach]] aus [[Ettlingen]] vom Wormser Rat der Stadt Frankfurt empfohlen, wo er den [[Kaiserdom St. Bartholomäus#Langsamer Baufortschritt und provisorischer Abschluss|Domturm]] vollendet. Das macht es wahrscheinlich, dass er zuvor Bauaufgaben für die Stadt Worms und an deren Befestigungsanlagen wahrgenommen hat.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7 </ref>

=== Frühe Neuzeit ===
1515 bis 1518 belagerte [[Franz von Sickingen]] die Stadt. Die Befestigung hielt dem Stand.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 5. </ref>

Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieges]] hat die Stadt den Kaiserlichen (1620 und 1635–1642), den Schweden (1632), den Lothringern (vor 1631 und 1642–1644) und den Franzosen (1644–1650) je auf Vertragsbasis die Tore geöffnet.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Die Stadt und ihre Befestigung blieben so von Beschädigungen weitgehend verschont.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 6; anders – aber ohne Belege – dargestellt bei Illert: ''Vor dem Ende'', S. 312. </ref> Nur die Schweden demolierten 1630 die äußere Befestigung und die Vorstädte.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 6. </ref>

Für das Jahr 1686 liegt das Protokoll einer Begehung des inneren Mauerrings vor.<ref> Auszugsweise abgedruckt bei: Illert: ''Vor dem Ende'', S. 312f. </ref> Es hält fest, was die Vertreter des Stadtrates in den Türmen des inneren Mauerringes vorfanden. Überprüft wurde der Zustand der militärischen Ausrüstung, insbesondere der [[Geschütz]]e. Vieles war noch brauchbar, ein Teil der Ausrüstung aber auch defekt.

1688 besetzten französische Truppen aufgrund einer Vereinbarung mit dem Stadtrat im Zuge des [[Pfälzischer Erbfolgekrieg|Pfälzischen Erbfolgekriegs]] die Stadt. Sie zerstörten zunächst ab Februar 1689 den äußeren Befestigungsring und begannen ab März 1689 damit, auch den inneren Mauerring zu zerstören. Martinspforte, Neutor und Leonhardstor wurden gesprengt.<ref group="Anm."> Nach Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 58, wurden alle sechs landeinwärts gelegenen Tore zerstört. </ref> Nach der Zerstörung der Stadt am 31. Mai 1689, spätestens aber nach Abzug der französischen Truppen im Juni 1689 wurde die innere Mauer teilzerstört zurück gelassen<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref>, etwa 1150&nbsp;m der etwa 2750&nbsp;m langen Mauer waren vollkommen zerstört.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 6. </ref> Der Schaden an den Befestigungsanlagen belief sich auf 800.000 [[Reichstaler]].<ref> Hotz, Juli 1982, S. 23. </ref>

Die mittelalterliche Stadtmauer war inzwischen angesichts „moderner“ [[Artillerie]] militärisch sinnlos und die verbliebenen Reste für Verteidigung nutzlos.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 58 [b] (Achtung: Seite 58 ist doppelt gezählt!). </ref> Allerdings diente sie nach wie vor zur rechtlichen, polizeilichen und steuerlichen Abgrenzung gegen das Umland und wurde deshalb repariert.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 56. </ref> Das geschah jetzt nicht mehr durch die Bürger selbst, sondern der Rat beauftragte Handwerker damit.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 17, 60. </ref> Über den Umfang dieser Reparaturen ist nicht viel bekannt, so dass z. B. angezweifelt wird, ob die abgebrannten, hölzernen Teile der Wehrgänge wieder hergestellt wurden.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23. </ref> In der Phase des Wiederaufbaus ab etwa 1700 wurde gestattet, die Mauer als Rückwand für Gebäude zu nutzen. Dort wurden dann Fenster eingebrochen. Der umlaufende Wehrgang verschwand bis auf geringe Reste. Abschnittweise diente die Mauer auch als Steinbruch, z. B. für den Bau der [[Dreifaltigkeitskirche (Worms)|Dreifaltigkeitskirche]] 1710–1715.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref> Ein Abschnitt des äußeren Walls wurde zur Erweiterung des [[Heiliger Sand|jüdischen Friedhofs]] genutzt, ein Abschnitt des davor liegenden Grabens diente im 19. Jahrhundert der [[Hessische Ludwigsbahn|Hessischen Ludwigsbahn]] als Trasse für ihre [[Bahnstrecke Mainz–Mannheim|Strecke von Mainz bis zur Landesgrenze]] beim [[Königreich Bayern|bayerischen]] [[Bobenheim-Roxheim|Bobenheim]], die 1853 eröffnet wurde.

=== Neuzeit ===
[[Victor Hugo]], der als Rheinreisender 1838 auch Worms besuchte, berichtet ironisch-enttäuscht auch von den Resten der Stadtbefestigung, die er vorfand:

<blockquote> ''Ein paar altersschwache Mauerstücke, aus denen Fensterhöhlen entgegenstarren, ein paar Mauerstümpfe, entweder von Efeu ganz überwuchert und erstickt, oder in Wohnungen guter Wormser Bürger verwandelt, mit weißen Fenstervorhängen, grünen Läden oder daran hängenden Weinlauben und Gartenhäuschen, anstelle von Zinnen, Schießscharten und Zwingern. Unförmige Trümmer eines runden Turmes, die sich in östlicher Richtung von der Mauer abhoben, schienen die Überreste des alten Turmes Niedeck zu sein'' […] ''Wir erreichten die Stadt'' […], ''wo ursprünglich ein Tor sich befand und jetzt nur noch ein Loch war. Zwei Pappeln links, ein Misthaufen rechts''.<ref> [[Victor Hugo]]: ''Worms im Oktober 1838. Ein Reisebericht aus dem alten Worms''. 2. Auflage. Norberg, Worms 1969. Ohne ISBN </ref> </blockquote>

Bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts wurden seitens der Stadt Mauerabschnitte als Bauland oder an Anlieger verkauft und Toranlagen beseitigt, um breitere Durchbrüche für den wachsenden Verkehr zu gewinnen. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Teile des südlichen Mauerabschnitts abgerissen. 1874 erließ die Stadtverordnetenversammlung eine Preisliste für den Verkauf von Stadtmauerteilen. Dem standen aber auch Bemühungen gegenüber, historische Substanz zu erhalten: 1838 wurde der Abbruch des Torturmes mit dem Argument verhindert, dass er ein historisches Denkmal sei. 1851 legte der Stadtrat fest, dass bei Abbrucharbeiten an der Stadtmauer gefundene wertvolle Altertümer an die Stadt abzugeben seien, und im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden Teile der Mauer als historisches Denkmal wieder in Stand gesetzt.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442, 468. </ref>

Der Stadtgraben der inneren Mauer im Westen und teilweise im Norden wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Parkanlage umgestaltet, im Westen dann – 1868 eingeweiht – das monumentale [[Lutherdenkmal (Worms)|Lutherdenkmal]] in der Grünanlage aufgestellt. Woog und [[Gießen (Worms)|Gießen]] an der Ostseite verlandeten zunehmend. Hier entstand später Bauland.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

1907 kam es unter dem Baudezernenten und Bürgermeister [[Georg Metzler (Architekt)|Georg Metzler]] zur Sicherung und Neugestaltung der verbliebenen Mauer, auch im [[denkmalpflege]]rischen Sinn. Der Bestand wurde saniert, aber auch das neue Andreastor im Süden und das Raschitor im Norden durch die Mauer gebrochen, um modernen Verkehrserfordernissen zu genügen.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>

1920 wurden Teile des Stadtgrabens im Bereich der Grünanlage an der Westseite der inneren Stadtbefestigung aufgefüllt.<ref> Armknecht: ''Der Neidturm'', S. 4. </ref> Noch bis in die 1960er Jahre hinein wurden Teile der Mauer eingerissen, wenn sie einer Neubebauung im Wege standen.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 54. </ref>

Mit dem Einsetzen der modernen [[Denkmalpflege]] in den 1970er Jahren, wie es sich etwa im „Europäischen Denkmalschutzjahr 1975“ manifestierte, wurde auch in Worms zunehmend auf den Erhalt der verbliebenen baulichen Zeugnisse der Stadtmauer geachtet.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 2. </ref> Ab den 1980er Jahren traten dann vermehrt [[Archäologie|archäologische]] [[Ausgrabung|Untersuchungen]] hinzu.

<blockquote> ''Ein derart großes und über viele Jahrhunderte hinweg genutztes Bauwerk wie die Wormser Stadtmauer stellt für die Forschung und die Denkmalpflege gleichermaßen eine große Herausforderung dar''.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 42. </ref></blockquote>

=== Geschichte des äußeren Mauerrings ===
Im 12. und 13. Jahrhundert wurde in größerem Umfang auch vor den Mauern gebaut („Martinsvorstadt“, später „Mainzer Vorstadt“<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5 </ref>). 1268 ist die nördlich gelegene Siedlung an der Mainzer Straße, die Hauptachse nach [[Mainz]] und nach Norden, noch durch einen Pfahlzaun, nicht durch eine Mauer gesichert. Seit wann der äußere Mauerring entstand, ist ungeklärt.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44, spricht vom „hohen Mittelalter“. </ref> Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung stammt von 1279.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 20. </ref> Wiederholte Berichte über Umlagen zum Mauerbau aus dem 13. Jahrhundert werden heute als Zeugnisse für Reparaturen an dem bestehenden inneren Mauerring gedeutet.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 198f. </ref> Für Türme der äußeren Mauer gibt es ab der Mitte des 14. Jahrhunderts urkundliche Belege, aber diese äußere Mauer ist vor 1500 „nur ganz vereinzelt fassbar“.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 199. </ref> Die Nord-Süd-Ausdehnung des äußeren Mauerrings betrug etwa 2200&nbsp;m, in Ost-West-Richtung waren es etwa 800&nbsp;m.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5 </ref>

Die Kenntnis über Geschichte und Aussehen des äußeren Mauerrings ist geringer als die über den inneren.<ref group="Anm."> So verzichtet etwa Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 252f, ganz auf die Darstellung des äußeren Mauerrings in der Karte „Worms um 1500“. </ref> Auch die bauliche Ausführung war weniger aufwändig als die des inneren Mauerringes und es gibt heute kaum noch erhaltene bauliche Zeugnisse.

Im 16. Jahrhundert wurde die äußere Mauer mit 11 [[Bastion]]en verstärkt<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7 </ref>, erhielt Wall und Graben.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 54; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 6, geht vom 16./17. Jahrhundert aus. </ref> Die Darstellung der Stadt Worms im Zustand vor der Zerstörung von 1689 aus der Vogelperspektive, gezeichnet von [[Peter Hamman (Worms)|Peter Hamman]] am Ende des 17. Jahrhunderts<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref>, zeigt den geschlossenen Mauerring, der im Norden, Westen und Süden die Stadt umgab.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', Abb. 29, S. 65. </ref> Nur im Osten, zum Rhein hin, gab es eine zweite Mauer nicht.

Bereits 1630, in der Zeit des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]], beschädigten Schweden die äußere Befestigung und die Vorstädte.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 6. </ref> 1688 besetzten französische Truppen im Zuge des [[Pfälzischer Erbfolgekrieg|Pfälzischen Erbfolgekriegs]] auch die neutrale Stadt Worms. Ab Februar 1689 wurde der äußere Mauerring niedergelegt unter anderem auch mehr als 40 Türme.

Obwohl militärisch nutzlos, wurde städtischerseits versucht, auch den äußeren Mauerring wieder herzustellen. Da das Geld dafür fehlte, vergab die Stadt anliegende städtische Grundstücke für landwirtschaftliche Zwecke unter der Auflage, dass der Bewirtschaftende auch die angrenzende Mauer wieder errichtete. Die Maßnahme hatte nur mäßigen Erfolg.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 61; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 6, dagegen behauptet – im Gegensatz zu Isele ohne Beleg –, dass die äußere Mauer nicht mehr repariert worden sei. </ref>

=== Landwehr ===
Beiden Mauerringen vorgelagert gab es noch eine weit in die [[Gemarkung]] vorgeschobene Landwehr.<ref> Illert: ''Vor dem Ende'', S. 312. </ref>

== Organisation ==
=== Bauwesen ===
Die Stadt unterhielt für Bauarbeiten an der Mauer ab dem Spätmittelalter besoldete Bauhandwerker, die gegebenenfalls durch [[Tagelöhner]] unterstützt wurden<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 58 [a] (Achtung: Seite 58 ist doppelt gezählt!); 60. </ref>, die dem „Allment- und Bauamt“ unterstanden. Dieses leiteten der ältere und der jüngere Baumeister, die Fachleute waren. Diese wiederum unterstanden der Aufsicht von zwei Ratsherren mit den Titeln „Oberbauherr“ und „Unterbauherr“.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 57. </ref> Das „Allment- und Bauamt“ betrieb einen städtischen Bauhof, dessen älteste Erwähnung von 1499 stammt und der auch für den Unterhalt der Mauer zuständig war.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 59. </ref>

Die Überwachung des baulichen Zustandes der Mauer oblag sowohl den Baumeistern als auch den Ratsherren. Mauer- und Grabenabschnitte wurden einzelnen Ratsherren auf Lebenszeit dafür zugewiesen.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 58 [b] (Achtung: Seite 58 ist doppelt gezählt!). </ref> Darüber hinaus vergab die Stadt Wohnungen in den Türmen an „zünftige Junggesellen“. Statt einer Miete waren diese verpflichtet, die Türme und Treppen baulich und die dort stationierten Geschütze gefechtsbereit zu unterhalten und die Wache zu verstärken.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 59, 66. </ref>

Die Stadtreformation von 1499 – eine Zusammenfassung des Wormser Stadtrechts – enthielt auch eine Reihe von Bestimmungen zum baulichen Schutz der Stadtmauer.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 54. </ref> Denn zahlreich waren die Versuche von Anliegern, die Mauer baulich für ihre Bedürfnisse zu nutzen und zu verändern, sei es durch An- oder Aufbauten oder gar den Durchbruch von Türen.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 55. </ref>

=== Wache ===
Ob in Friedenszeiten Mauern und Türme immer besetzt waren, darüber gibt es unterschiedliche Informationen<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64, 65. </ref>, die geöffneten Tore aber wurden immer bewacht.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64. </ref> Einzelne Mauerabschnitte und Türme waren den 17 Zünften zur Verteidigung zugewiesen, die daran zum Teil auch ihre Zunftzeichen anbrachten.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 45. </ref> Alle Türme waren ständig mit Geschützen bestückt.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 77. </ref> Die ständige Mauerwache wurde spätestens nach 1689 aufgegeben.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 66. </ref>

Um die Gefahren, die mit den geöffneten Stadttoren verbunden waren, so gering wie möglich zu halten, waren in der Regel nur die vier Haupttore<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 62. </ref> – und das auch nur, so lange es Tageslicht gab<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 63. </ref> – immer geöffnet, die anderen nur nach saisonalem Bedarf, insbesondere für die Landwirtschaft.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 62. </ref> Die Haupttore waren: Martinspforte, Rheintor, Leonhardspforte und Andreaspforte.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 5. </ref>

Das Öffnen und Schließen der Tore war ein umständlicher Prozess. Die Tore waren so schwer, dass die Wache dazu Hilfe benötigte. Da die Schlüssel aus Sicherheitsgründen nachts beim Bürgermeister verwahrt wurden, mussten diese zunächst am Morgen von den Torschließern dort abgeholt werden. Für jedes Tor gab es besondere Torschließer. Sie stammten aus den Reihen der Jungbürger, die in der Nähe des betreffenden Tores wohnten. Sie halfen dann auch der Wache beim Öffnen und Schließen des Tores.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 63. </ref>

[[Datei:Legende Stadtmauer Worms.pdf|mini|Legende zu den schematischen Darstellungen der Mauerverläufe]]

Bewacht wurde das geöffnete Tor von der Tagwache. An deren Spitze stand der Pförtner, ein besoldeter städtischer Beamter.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 63. </ref> Neben der militärisch-polizeilichen Bewachung des Tores hatte er die Aufgabe, darüber zu wachen, dass niemand die Stadt verließ, ohne die Quittung über das entrichtete [[Ungeld]] vorweisen zu können.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64. </ref> Nachts war es seine Aufgabe, Post, die am Stadttor ankam, weiter zu leiten.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 63. </ref> Die eigentliche Wache bestand aus den „Gesellen vom Schlag“ und umfasste drei oder vier Männer.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64. </ref> Die Tagwache war besoldet.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 65. </ref> Jede der 17 [[Zunft|Zünfte]] in Worms hatte eine zu stellen. Die Umstellung auf [[Söldner]], wie das in vielen anderen Städten geschah, erfolgte in Worms bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64. </ref> Außer dem eigentlichen Wachdienst oblagen den „Gesellen vom Schlag“ auch Botendienste zum Bürgermeister, wenn fraglich war, ob jemand in die Stadt eingelassen werden durfte.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 65. </ref>

Die Nachtwache war anders organisiert: Hier stellte im 15. Jahrhundert eine Zunft für drei aufeinander folgende Nächte 14 Mann, die das unbesoldet tun mussten. Sie hatten die Tore abzugehen und darauf zu achten, dass alle ordnungsgemäß verschlossen waren.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 65. </ref> Auch im Vorfeld der Befestigung wurde [[Patrouille|patrouliert]], insbesondere nachts.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 70. </ref>

Nach Fertigstellung des äußeren Mauerrings wurden in Friedenszeiten nur noch die Tore der äußeren Mauer besetzt.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 76. </ref>

Die Stadtmauer diente aber nicht nur der Verteidigung. Sie war vielmehr auch eine [[Zoll (Abgabe)|Zollgrenze]]. Hier wurden ab dem 16. Jahrhundert<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64. </ref> Abgaben auf in die Stadt eingeführte Verbrauchsgüter<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 441. </ref>, Steuern und Zölle erhoben<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 62. </ref> oder auch Ausfuhrverbote überwacht. So wandelte sich die Bezeichnung des Chefs der Torwache von „Pförtner“ zu „Torgeldschreiber“.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 64. </ref>

== Innerer Mauerring vor dem 13. Jahrhundert ==
Die südliche Stadtmauer wurde im 10., die und östliche Ende des 12. Jahrhunderts, gegenüber der bestehenden römischen Mauer nach außen verschoben neu errichtet.

=== Alte Ostmauer ===
{{Doppeltes Bild|rechts|Alte Südmauer Worms.pdf|200|Alte Ostmauer Worms.pdf|200|Schematische Darstellung der alten Südmauer|Schematische Darstellung der alten Ostmauer}}
[[Datei:Anschluss alte Ostmauer 2.jpg|mini|links|Anschluss der alten Ostmauer (links) an die Nordmauer (rechts); letztere setzte sich in Richtung auf die Betrachter über die Straße im Vordergrund (Bärengasse) fort.]]
[[Datei: Arch Fenster St Paul 2 Worms.jpg|mini|links|[[Archäologisches Fenster]] vor dem Ostchor von [[St. Paulus (Worms)|St. Paulus]] mit römisch-mittelalterlichen Fundamenten der ersten, östlichen, inneren Stadtmauer]]

Die um 1200 oder im 13. Jahrhundert aufgegebene erste Ostmauer bestand historisch aus zwei Abschnitten: Einem nördlichen, der anlässlich des Neubaus der nördlichen Befestigungsanlage am Beginn des 11. Jahrhunderts errichtet worden war.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 161. </ref> Er schloss an die weiter südlich liegende römische Mauer an. Beide zusammen bildeten bis zum 13. Jahrhundert die östliche Stadtmauer.

Im Bereich des [[St. Paulus (Worms)|St. Paulus-Stifts]] waren an dieser ersten Ostmauer in den Jahren 1987–1989 in größerem Umfang archäologische Untersuchungen möglich.<ref> Grünewald: ''Spätrömisches Worms''. </ref> Davon ist vor Ort ein „archäologisches Fenster“ geöffnet geblieben.

==== Altes Hafentor ====
In der alten Ostmauer befand sich etwa an der Stelle, an der heute Judengasse, Bärengasse und Sterngasse aufeinander treffen, ein Stadttor zum Rheinhafen hin. Da dies nur urkundlich, nicht aber durch einen archäologischen Befund belegt ist, bleibt dessen genaue Position offen.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 100. </ref> Ob Mauerreste, die in diesem Bereich bei einer Grabung 1987 zu Tage traten, dem Tor zuzuordnen sind, bleibt ebenfalls offen.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 188–191. </ref>

==== Brotpforte ====
Zur Brotpforte ist nichts Näheres bekannt. Ihre älteste erhaltene Erwähnung<ref> So: Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 57. </ref> stammt aus einer im 12. Jahrhundert gefälschten, auf das Jahr 1080 datierten Urkunde.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Warmasia'', S. 665; Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 700. </ref> Ihren Namen hatte sie von der dort mündenden Brotgasse.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 19. </ref> Die Brotpforte ist eventuell identisch mit der „Salzpforte“ (Brotgasse und Salzgasse verliefen hier parallel).<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 58. </ref> Dies macht es wahrscheinlich, dass sie zur alten Ostmauer gehörte, da die neue Ostmauer frühestens Ende des 12. Jahrhunderts gebaut wurde.<ref> Reuter: ''Stadtmauern und Wehrtürme'', S. 6. </ref>

Andere ordnen die „Brotpforte“ dem Bereich der Rheinpforte in der neueren Ostmauer zu.<ref> Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 700; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 57. </ref> Zu ihr gehörte dann vielleicht eine der beiden teilweise erhaltenen [[Laibung|Sandsteinlaibungen]], der nachträglich in die Mauer gebrochenen Pforten, zwischen Rheinpforte und Mayfels.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 30. </ref>

==== Hantor ====
Das Hantor / Hanport war ein Durchlass am Südende der Mauer. Der Name kommt von der hier mündenden Hagenstraße<ref group="Anm."> Der Name hat nichts mit [[Hagen von Tronje]] zu tun, sondern mit einem Adligen gleichen Namens, der im Hochmittelalter hier ein Anwesen hatte (Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 43f). </ref>, die zeitweise umgangssprachlich auf „Hanstraße“ verkürzt wurde.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 43f. </ref> Das Tor lag im Verlauf der Straße.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 161. </ref> Archäologisch wurde es bis jetzt nicht nachgewiesen<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 95. </ref>, ein römischer Ursprung scheint aber plausibel.<ref> Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 20f. </ref> Die Stadtzerstörung 1689 überstand es noch in seiner Substanz, erst 1788 ließ der Rat der Stadt das Tor abbrechen und das Abbruchmaterial versteigern.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 57. </ref>

=== Alte Südmauer ===
Der Verlauf von Andreasstraße und Wollstraße entspricht dem Verlauf der alten, aus römischer Zeit herrührenden Mauer, die ab dem 10. Jahrhundert durch die neue, weiter südlich positionierte Mauer ersetzt wurde.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 161. </ref> Von den nun rückwärtig liegenden Abschnitten der römisch-frühmittelalterlichen Mauer gibt es nur wenige Zeugnisse, da deren Abbruchmaterial an anderer Stelle wieder verbaut wurde. Allerdings gibt es einige archäologische Befunde.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 24, 27. </ref>

== Innerer Mauerring nach 1200 ==
Im Endausbau bestand die innere Stadtmauer aus einer einfachen Mauer, die in Abständen durch 27 Türme<ref> Hotz, Mai 1982, S. 6. </ref> verstärkt war, acht Tore aufwies und nachträglich noch mit einem Wehrgang versehen wurde. Sie war etwa 2500&nbsp;m lang.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 6. </ref> Alle 26 Türme waren rechteckig, bis auf einen: Den Runden Turm (nicht erhalten) auf der Westseite.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref> Ebenfalls alle Türme – bis auf einen – waren Volltürme<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref>, nur der Bindturm war ein [[Schalenturm]].<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Dem inneren Mauerring war ein Graben vorgelagert<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 199. </ref>, der besonders nach Westen hin sehr tief war.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 11. </ref> Wegen des Geländegefälles zum Rhein hin führte der nur im östlichen Halb Wasser, im Süden etwa bis zum Leonhardstor, im Norden bis zum Martinstor. Die westliche Hälfte lag trocken.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 5. </ref>

Die Zuordnung einzelner Mauerabschnitte oder -teile zu bestimmten Epochen oder Baumaßnahmen ist außerordentlich problematisch und bis heute nur in wenigen Abschnitten geleistet.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 72ff; Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer''. </ref>

Entlang des inneren Mauerrings gibt es neben dem noch heute sichtbaren Mauerwerk noch 11 Stellen, an denen [[Archäologie|archäologische]] [[Ausgrabung]]en stattgefunden haben.<ref> Eine Übersicht findet sich in: Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 49. </ref>

Die folgenden Einzelbeschreibungen beginnen im Norden und setzen sich im Uhrzeigersinn fort.

=== Nordseite ===
[[Datei:Nordmauer Worms.pdf|mini|Schematische Darstellung des Nordabschnitts der inneren Stadtmauer]]
[[Datei:Stadtmauer Judengasse Worms 2018.jpg|mini|links|Die Stadtmauer mit Wehrgang trifft auf das „Haus zur Büchs“. Der Wehrgang lief hier bis in die 1980er Jahre durch das Gebäude.]]

Die Mauer ist auf Süd-, West- und Nordseite aus präzise gesetzten Bruchsteinquadern aus [[Sandstein]] gemauert.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Der nördliche Mauerabschnitt verläuft in einem weiten Halbbogen, dessen östlicher Teil die Mauer an der Judengasse bildet. Ab dem Beginn des 11. Jahrhunderts entstand hier – in Nachfolge der Siedlung der Friesen – ein jüdischer Siedlungsschwerpunkt.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 142. </ref> Die Häuser der Judengasse grenzen rückseitig direkt an die Stadtmauer. Im Haus Judengasse 39, dem Haus „Zur Büchs“, lief der Wehrgang durch das Gebäude, eine Situation, die erst in den 1980er Jahren beseitigt wurde.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref> Für das Haus Judengasse 37 wurde die Stadtmauer zur heutigen Herta-Mansbacher-Anlage hin um 1900 in eine [[Neuromanik|neuromanische]] (zweite, rückwärtige) [[Fassade]] umgestaltet<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> (nicht erhalten).

Der östlichste Bereich des Nordabschnitts gehört schon zur östlichen Stadterweiterung des späten 12. Jahrhunderts. Fundamentreste davon sind – nach außen nicht sichtbar – im Haus Bärengasse 34 erhalten.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurde der nördliche Mauerabschnitt stark historisierend restauriert und dabei auch das „Raschi-Tor“ eingebrochen.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75, 77. </ref>

In die Mauer der Nordseite eingestellt waren oder sind:

==== Martinspforte ====
[[Datei:01 N HvRh Martindpforte.jpg|mini|links|Martinspforte mit vorgelagerter Bastion und Außentor]]
[[Datei:Judengasse 9 Rueckseite (2).jpg|mini|Stadtmauer an der Rückseite des Hauses Judengasse 9, östlich der Martinspforte]]

Die Martinspforte sicherte im nördlichen Abschnitt der inneren Stadtmauer den Eintritt der wichtigen Handelsstraße von und nach Mainz in die Stadt. Sie wurde 1689 schwer beschädigt und im 18. Jahrhundert abgerissen, ebenso wie im 19. Jahrhundert ein an gleicher Stelle errichtetes Zolltor. {{Hauptartikel|Martinspforte (Worms)}}

1903/04 wurde durch den Bau des [[Haus Martinspforte|Hauses „Martinspforte“]] eine Replik geschaffen, die ihrer Form dem ehemaligen Torturm nachempfunden, aber um 180 Grad gedreht und in der Höhe etwa halbiert war.

Im Bereich der östlich anschließenden Stadtmauer hat 1989 eine archäologische Grabung stattgefunden.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 102. </ref> Hier sind auch noch zwei Mauerabschnitte in den Häuserwänden erhalten und sichtbar.

==== Ziegelturm ====
[[Datei:Ziegelturm 1.jpg|mini|Ziegelturm von Westen]]

Der Ziegelturm, nach baulichen Merkmalen aus staufischer Zeit, steht im Nordabschnitt der Mauer, östlich der Martinspforte. Namensgebend war ein aus Ziegeln errichtetes Obergeschoss, das heute nicht erhalten ist.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 18. </ref>

Nach Beschädigungen in der Stadtzerstörung 1689 und bei [[Luftkrieg|Luftangriffen]] 1945 wurde er noch in den 1970er Jahren ein Stück abgetragen, „um die Belichtung einer dahinter gelegenen Wohnung zu gewährleisten“.<ref> Grün, August 1982, S. 8. </ref> So ist er heute nur noch zweigeschossig<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> und dient als Dachterrasse der benachbarten Wohnung. Ursprünglich war er 22&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Weiter wurde eine Tür in die historische Substanz eingebrochen und eine Podesttreppe vorgestellt. Denkmalpflegerisch höchst zweifelhafte Maßnahmen.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 18. </ref>

==== Durchbruch Herta-Mansbach-Anlage ====
Der Durchbruch der ''Herta-Mansbach-Anlage'' ist eine nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene kurze Straße zwischen dem ''Berliner Ring'' und der [[Judengasse (Worms)|Judengasse]]. Sie ist in Bezug auf die Stadtmauer nicht gestaltet.

==== Henker- oder Folterturm ====
[[Datei:06 N Hv Henker - Folterturm.jpg|mini|links|Henker- oder Folterturm, dahinter die [[Judengasse (Worms)|Judengasse]]]]

Der Henker- oder Folterturm stand etwa auf der Höhe des Synagogenplatzes. Er wurde in den 1950er Jahren beim Wiederaufbau des Hauses Judengasse 33 abgerissen.<ref> Grün, August 1982, S. 8. </ref> Die Fundamente des Turms wurden später archäologisch noch einmal aufgedeckt.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Dabei wurde festgestellt, dass er baugleich mit dem Turm „Mayfels“ ist, was ihn ans Ende des 1200 Jahrhunderts datiert.<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2. </ref>

==== Scharfrichterturm ====
[[Datei:Scharfrichterturm 2.jpg|mini|Scharfrichterturm]]

Der Scharfrichterturm steht im Nordabschnitt der Mauer, entstand wohl in [[Staufer|staufischer]] Zeit und ist unterkellert. Ursprünglich war er 22&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Der Turm wurde 1689 gesprengt und beschädigt, für den Bau des Raschitores 1907/08 aber wieder hergestellt. So ist die stadtseitige Wand mittelalterliches Mauerwerk, die feldseitigen Mauern dagegen stammen aus der Zeit nach 1689. Der Turm wurde nur noch bis zur Höhe des Wehrgangs wieder aufgemauert.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 19. </ref> Seit dem Mauerdurchbruch des „Raschitores“ bildet der Scharfrichterturm den westlichen „Torturm“ des Tores.

==== Judenpforte ====
[[Datei:12 N Hv Judenpforte.jpg|mini|links|Judenpforte vor 1689]]

Die Judenpforte lag im Bereich der Bärengasse. Aus dem 12. Jahrhundert stammt das älteste schriftliche Zeugnis mit diesem Namen für dieses Stadttor („Porta Judeorum“). Dies steht in einer damals gefälschten, aber auf das Jahr 1080 datierten Urkunde.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Warmasia'', S. 665; Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 700. </ref> Der Torturm war er 22&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref>

Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein Ravelin aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

Beim Wiederaufbau nach 1689 wurde das Tor vermauert. Nach der Öffnung des Ghettos wurde auch das Tor wieder geöffnet, im 19. Jahrhundert auch „Hamburger Tor“ genannt.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref>

==== Raschitor ====
[[Datei:Stadtmauer Worms zugesetztes Fenster 2.jpg|mini|Zugesetztes Fenster in der Stadtmauer im Abschnitt an der Nordanlage. Eingestellt ist eine kleine Säule mit [[Würfelkapitell]]]]

Das Raschitor ist ein moderner Durchbruch durch die Mauer, der 1907/08 erfolgte.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref> Unter dem Baudezernenten und Bürgermeister [[Georg Metzler (Architekt)|Georg Metzler]] wurde damals die verbliebene Mauer saniert, aber neben dem Raschitor im Norden auch das neue Andreastor im Süden und der Durchbruch für die Herzogenstraße im Osten als neue Verbindungen durch die Mauer geschaffen, um modernen Verkehrserfordernissen zu genügen.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>

Die Mauer setzt sich hier östlich fort. Nach etwa 100 m, an der südwestlichen Ecke der querenden Bärengasse ist der Ansatz der ersten Ostmauer aus dem 11. Jahrhundert zu erkennen.

==== Kopsort ====
[[Datei:15 N-O Mü Kropsort.jpg|mini|Kropsort (Mitte 16. Jahrhundert)]]

''Kopsort'' (auch: Capsort<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref>) war der nordöstliche Eckturm der inneren Stadtbefestigung. Er war mit einem kleinen Erker versehen<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref> und 23&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref>

Hier setzte auch der äußere Mauerring an, der von hier aus nach Norden verlief.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>

=== Ostseite ===
[[Datei:Ostmauer Worms.pdf|mini|links|Schematische Darstellung des Ostabschnitts der inneren Stadtmauer (Rheinfront)]]
[[Datei:DSC9873 (36453715286).jpg|mini|Mauerabschnitt der Ostseite des inneren Mauerrings, Stadtseite]]

Der Knick der Mauer, an dem der ''Kopsort'' stand und an dem Nord- und Ostabschnitt aufeinander treffen, wird „Friesenspitze“ genannt. Die Bezeichnung stammt von den in diesem Areal im 10. Jahrhundert siedelnden [[Friesen]], die Fernhandel betrieben.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

Der Mauerverlauf entstand hier anlässlich einer Stadterweiterung zum Rhein hin am Ende des 12.<ref> Das relativ exakte Baudatum von 1196/1197 wird [[Dendrochronologie|dendrochronologisch]] belegt (Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 28), ist aber umstritten, weil die Entnahmestelle der Proben auch alternative Interpretationen zulassen (Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 26). </ref> oder im 13. Jahrhundert.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 27. </ref> Der Bau erfolgte in einem Zuge mit Mauern, [[Strebepfeiler]]n und Stützbogen für den Wehrgang<ref> Hotz, Mai 1982, S. 12. </ref> und hat einige Zeit in Anspruch genommen.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11, nimmt für den Bauabschluss die Zeit um 1230 an. </ref> Dieser Mauerabschnitt war – bevor spätere Umbauten ihn veränderten – ganz regelmäßig angelegt: Drei Türme, ein Tor, drei Türme, ein Tor und nochmals drei Türme.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 60. </ref> Markant sind vor allem die feldseitig aus der Mauerflucht herausragenden Türme. Die Mauer zum Rhein hin hatte so auch repräsentativen Charakter.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 9. </ref> Um 1300 wurde die Mauer erhöht und der Wehrgang auf innen vorgestellte [[Arkaden]] gesetzt.

Dieser Mauerabschnitt erscheint heute als der am vollständigsten erhaltene.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Allerdings waren Anfang des 19. Jahrhunderts noch 9 der ursprünglich 11 Türme der Rheinfront erhalten. Heute stehen davon noch zwei.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 16. </ref> Und diese sind nur erhalten, weil das Gelände wegen des schlechten, feuchten Baugrundes niemand kaufen wollte.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442. </ref> Später wurde der Abschnitt am Bürger- und Torturm anlässlich der Restaurierung einzelner Abschnitte der Stadtmauer 1907 bis hin zu den Schießscharten und dem Wehrgang ergänzt.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75; Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Für die stark beschädigten oberen Bereiche wurden dazu die Darstellungen von Peter Hamman aus dem 17. Jahrhundert zugrunde gelegt.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 5. </ref> Was heute zu sehen ist, ist in den oberen Bereichen also weitgehend ein Bauwerk des [[Historismus]]. In der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Bausubstanz sind drei Bauphasen festzustellen. Die beiden jüngeren erhöhten die Mauer jeweils um ein Stück. Die beiden älteren schlossen mit [[Zinne]]n ab, die jüngste versah die Mauer mit dem überdachten [[Wehrgang]].<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 24, 27. </ref>

1999 bis 2001 wurde an der Mauerinnenseite, zwischen Bürgerturm und Torturm – unter Einbeziehung der Stadtmauer und ihres Wehrgangs – das [[Nibelungenmuseum Worms|Nibelungenmuseum]] errichtet. Dem waren erhebliche Bedenken des [[Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz|Landesamtes für Denkmalpflege]] und der Versuch, das Projekt mit einem [[Bürgerentscheid]] zu verhindern, vorangegangen, was aber am [[Quorum (Politik)|Quorum]] scheiterte.<ref> Ehrismann in Bönnen (Hg.): ''Worms und das ‚Nibelungenlied‘'', S. 845, 847. </ref>

In die Mauer der Ostseite eingestellt waren oder sind der oben beschriebene Kopsort. Ihm folgen südlich die Einbauten:

==== Wiedertäuferturm ====
Der Wiedertäuferturm stand auf dem Grundstück Wallstraße 3. Die Herkunft des Namens ist unklar. 1527 wurden alle [[Wiedertäufer]] aus Worms vertrieben.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Noch 1720 wurde erwogen, ihn als städtisches Gefängnis zu nutzen.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref>

Während der Wiedertäuferturm nicht erhalten blieb, ist der entsprechende Mauerabschnitt gut erhalten und besonders von der ''Rheintorgasse'' aus gut zu sehen. Einzelne Durchblicke sind auch von der parallel verlaufenden Wallstraße aus möglich. Jedoch bildet hier die Stadtmauer die rückwärtige Begrenzung der Grundstücke und ist deshalb schlecht zugänglich.

==== Rheinpförtchen ====
[[Datei:Rheinpförtchen.jpg|mini|Rheinpförtchen]]

Das Rheinpförtchen ist ein kleiner, gotischer Durchgang durch die Mauer im Zuge der Straße ''Große Affengasse'', dessen stadtseitiger Bogen noch original ist.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref> Er diente dem Fußgängerverkehr, wenn die Rheinpforte geschlossen war.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>

==== Rheinpforte ====
[[Datei:21 O Mü Rheinpforte Woogübergang.jpg|mini|links|Rheinpforte (Mitte 16. Jh.)]]

Die Rheinpforte oder das Rheintor war in Nachfolge eines Tors, das sich früher im Turm Mayfels befand, eine der Durchfahrten durch die östliche Mauer zu Rhein und Hafen hin.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 81. </ref> Hier wurden Abgaben auf in die Stadt eingeführte Verbrauchsgüter erhoben.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 441. </ref> Die Rheinpforte lag bei der Rheinstraße 29. Das Dach des Torturms trug einen [[Dachreiter]] und hatte vier Ecktürmchen. Hier war als Wächter ein Turmbläser stationiert.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref>

Die mittelalterliche Rheinpforte wurde am 15. Mai 1822 auf Abbruch versteigert, das Material in der Uferbefestigung des Rheins verbaut.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref> Allerdings sollen Fundamentreste im Keller eines Hauses an der Ecke Rheinstraße/Rheintorgasse erhalten sein.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 10, 20. </ref>

Vor dem Turm lag eine holzgedeckte Brücke über den Woog. Die [[Woogbrücke (Worms)|Fundamente der Brücke]] wurden 2009 archäologisch ergraben<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 30f. </ref>, teilweise konserviert, sind erhalten und zugänglich. Die Brücke wurde rheinseitig von einem weiteren kleinen Torgebäude geschützt. Von hier lief der Weg weiter auf den Rhein zu und querte dazu den [[Gießen (Worms)|Gießen]], ein weiteres Gewässer, nochmals mit einer holzgedeckten Brücke. Dieser Übergang wurde von einem weiteren Torturm, der Gießenpforte, durch die der Weg führte, bewacht.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref>

Die Rheinpforte war namensgebend für die Rheintorgasse.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

Unmittelbar neben der Rheinpforte lag der städtische Bauhof, der auch dem Unterhalt der Mauern diente.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218. </ref> Das [[Zeughaus]] dagegen, in dem wertvollere Ausrüstung gelagert wurde, befand sich in der Römerstraße.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 6. </ref>

 [[Datei:Mauer Haspelgasse d.jpg|mini|Rheinseitiger Blick auf den Mauerabschnitt entlang der Haspelgasse: Der Putz kennzeichnet hier verschiedene Bauabschnitte. Im Hintergrund der Ersatzbau für den Turm ''Mayfels'']]

Von der Mauerstrecke zwischen der Rheinpforte und dem nächst südlich gelegenen Turm ''Mayfels'' sind erhebliche Teile parallel zur Haspelgasse erhalten. Von dort gibt es einen Fußgängerdurchgang durch die Mauer. Rheinseitig verläuft hier ein Weg durch eine kleine Grünanlage mit gutem Blick auf die Außenseite der Stadtmauer. Mit Putz sind hier seit den 1990er Jahren die verschiedenen Bauphasen und Aufstockungen der Mauer hervorgehoben.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 10, 20. </ref> Stadtseitig wurden hier in die Bögen, die den Wehrgang tragen, im 18. Jahrhundert Häuschen armer Leute eingebaut, die nur etwa vier Meter Tiefe aufweisen. Diese wurden in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg saniert und modernisiert.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 20. </ref>

==== Mayfels ====
[[Datei:24 O Mü Mayfels.jpg|mini|links|Mayfels in der Darstellung aus dem 16. Jahrhundert]]

Die Fundamente des ''Mayfels'' entstanden anlässlich der östlichen Stadterweiterung zum Rhein hin. Der Turm ragte feldseitig aus der Mauerflucht heraus und war bis zum Bau des benachbarten Rheintors als „Rheinpforte“ das bedeutendste rheinseitige Stadttor.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref> Für die [[Staufer]]zeit typische [[Buckelquader]] wurden hier verbaut.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Aus schriftlicher Überlieferung ist bekannt, dass der Turm an seiner Ostseite, zum Rhein hin, am Ende des 15. Jahrhunderts mit einem Bild Kaiser [[Heinrich IV. (HRR)|Heinrichs IV.]] bemalt war, der Worms 1074 seine Stadtfreiheiten beurkundete.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref> Der begleitende Text<ref group="Anm."> DIVO HENRICO IV. ROM. REGI AUGUSTO VANGIONES IMMORTALES LAUDES DEBERE NULLO AEVO NEGABUNT / Die Wormser werden zu keiner Zeit leugnen, dem verewigten Heinrich IV. Römischen König und Augustus (Kaiser) unaufhörlich Lobpreisung schuldig zu sein (Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61). </ref> wies auf das Ereignis hin und enthielt auch ein Treuegelöbnis der Bürger.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 504. </ref> Wann das Bild entstand, ist unbekannt.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 12. </ref>

Die Ruine des Turmes stand noch nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Ein teilweise noch erhaltener romanischer Torbogen an der Innenseite zeigte, dass hier ein Tor in einen Turm umgebaut worden war. Sein aufgehendes Mauerwerk wurde in den 1950er Jahren abgerissen<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>, um einer Neubebauung zu weichen.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref> 1987 wurden die Fundamente in einer archäologischen Grabung nochmals aufgedeckt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 25, Abb. ebd.: S. 50f; Porsche: ''Stadtmauer'', S. 81. </ref> Dabei wurde auch ein Depot mit 150 steinernen Kanonenkugeln unterschiedlicher Kaliber entdeckt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 28f, 43–48. </ref> Anschließend wurde auf dem Bereich in annähernd der [[Kubatur]] des Mayfels ein Hochhaus errichtet<ref group="Anm."> Haspelgasse 2. </ref>, das äußerlich die Form des Turms aufnimmt, wie Peter Hamman ihn im 17. Jahrhundert dargestellt hat.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 20. </ref>

Unmittelbar südlich des Mayfels wies die Stadtmauer einen Durchlass für einen Entwässerungskanal auf.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 25. </ref> Hier wurde modern auch im Straßenpflaster der Verlauf der Stadtmauer gekennzeichnet und die Mauer ist unter der Bodenoberfläche als Wand der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses erhalten.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 20. </ref>

==== Schlosserturm ====
Der Schlosserturm wurde auch „Turm am Bauhof“ genannt.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref> Namensgebend war hier, dass einzelne Zünfte für Türme und / oder Mauerabschnitte die Verantwortung trugen, hier die Schlosser. Die Schlossergasse dagegen liegt im Stadtzentrum.

==== Eisbach-Auslass ====
[[Datei:29 O Hv Eisbachauslass.jpg|mini|Bettelvogtturm und Eisbachauslass]]

Unmittelbar nördlich neben dem Bettelvogtturm befand sich der Auslass des [[Eisbach (Rhein)|Eisbachs]], der in diesem Abschnitt als „Unterbach“ bezeichnet wurde. Er durchzog die Stadt, war wichtig als Brauchwasser für verschiedene wasserintensive Gewerbe von den [[Gerben|Gerbern]] bis hin zum Betrieb von [[Mühle]]n und floss hier wieder aus dem ummauerten Stadtgebiet hinaus in Richtung Rhein.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref>

==== Bettelvogtturm ====
Der Bettelvogtturm lag unmittelbar nördlich der Petersstraße. Seine Reste waren auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhanden und wurden in den 1950er Jahren abgerissen<ref> Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>, um dort einen Wohnblock zu platzieren<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 61. </ref>, eine „städtebauliche Sünde“.<ref> Grün, September 1982, S. 54f. </ref>

==== Durchlass Herzogenstraße ====
[[Datei:Stadtmauer Worms 02.jpg|mini|links|Durchlass Herzogenstraße]]

Der Durchlass Herzogenstraße ist ein 1907 geschaffener neuer Durchlass in der Mauer, um dem modernen Verkehr gerecht zu werden. Er gehört zu den in dieser Zeit gestalteten Durchbrüchen wie auch das Raschi- und das Andreastor.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Er wurde [[Historismus|historisierend]] gestaltet. Sein abruptes nördliches Ende entstand, als dort nach dem Zweiten Weltkrieg die Stadtmauer „einem architektonisch geistlosen und städtebaulich falsch platzierten Mehrfamilienhaus weichen“<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 16. </ref> musste.

==== Bürgerturm ====
[[Datei:Stadtmauer Worms 11.jpg|mini|Bürgerturm]]

Der ''Bürgerturm'', ebenfalls anlässlich der östlichen Stadterweiterung errichtet, ist baugleich mit dem „Mayfels“.<ref> Grünewald: ''Die neuen Daten'', S. 2. </ref> und ragt feldseitig aus der Mauerflucht heraus. Hier gibt es nur kleine [[Schießscharte]]n, rückwärts, zur Stadt hin, dagegen große Fenster. Die für die [[Staufer]]zeit typischen [[Buckelquader]] wurden hier verbaut.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Der Turm ist viergeschossig. Erst 1988 wurden die Zinnen zu Fenstern umgestaltet und ein Turmhelm aufgesetzt.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>

==== Fischerpforte ====
[[Datei:Fischerpfoertchen.jpg|mini|links|Ansicht der Fischerpforte vom Torturmplatz]]

Die Fischerpforte ist ein spitzbogiger Durchlass für Fußgänger. Er erhielt seine heutige Gestalt erst 1907.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Der Durchgang wird auch als „Lutherpforte“ bezeichnet<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref>, hat aber mit [[Martin Luther]] oder seinem Aufenthalt in Worms zum [[Reichstag zu Worms (1521)|Reichstag 1521]] nichts zu tun.

==== Torturm ====
[[Datei:36 O Hg Torturm m vorgelagerter Brücke u Marktmeisterturm.jpg|mini|Torturm und vorgelagerte Woogbrücke]]
[[Datei:Fischerpfoertchen 2.jpg|mini|links|Torturm, Rheinseite. Die tiefe Lage des Tores zeigt den Geländeauftrag seit dem Mittelalter.]]

Der ''Torturm'' (auch: „Fischerpforte“<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64; Hotz, Mai 1982, S. 11. </ref>, nicht zu verwechseln mit der vorgenannten Fischerpforte) entstand anlässlich der östlichen Stadterweiterung. Er diente als eines der Tore zum Rhein hin. Direkt vor ihm befand sich der „Woog“, ein angestauter Teich, über den die Fischerbrücke führte. Diese war rheinseitig durch ein zusätzliches kleines Außentor gesichert.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 60, 64. </ref>

Der Turm ragt feldseitig aus der Mauerflucht heraus, der Wehrgang führt stadtseitig an der Außenseite um das Gebäude herum. Die für die [[Staufer]]zeit typischen [[Buckelquader]] wurden hier verwendet. Die rheinseitigen Turmecken sind durch je zwei Strebepfeiler verstärkt. Das Erdgeschoss ist eine Torhalle mit spitzbogigem Zugang. Zum Rhein hin gibt es nur kleine [[Schießscharte]]n, rückwärts, zur Stadt hin, dagegen große Fenster. Der Turm hatte insgesamt vier Geschosse mit hölzernen Decken. Im Raum des ersten Geschosses befand sich ein Kamin.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756; Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Der heutige Turmhelm stammt erst von 1987.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref>

Bei der Stadtzerstörung 1689 brannte der Turm aus.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Er wurde ebenfalls 1907 restauriert.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75; Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Der Turm blieb erhalten, weil er zu dem Mauerabschnitt gehört, der aufgrund seiner Nähe zum Rhein als sehr schlechtes Bauland galt. Die entsprechenden Grundstücke der Befestigung erwiesen sich als unverkäuflich. So setzte sich der Gemeinderat 1838 – ganz entgegen seiner sonst geübten Politik – für den Erhalt des Turmes ein.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442, 468. </ref> Während des Zweiten Weltkriegs war hier ein [[Luftschutzbunker]] angebaut. Bei dessen Abbruch nach dem Krieg wurde die [[Laibung|Bogenlaibung]] des Tors stark beschädigt.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 16. </ref>

==== Marktmeisterturm ====
Der Marktmeisterturm ist nicht erhalten.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 60, 64. </ref>

==== Schmitturm ====
{{Doppeltes Bild|rechts|40 O HnS Schmitturm.jpg|170|Schmitturm Weihergasse Worms.jpg|200|Schmitturm von der Stadtseite aus gesehen, ca. 1690|Schmitturm (2019)}}

Der Schmitturm folgt südlich.<ref group="Anm."> „Schmitturm“ wird in der – allerdings meist älteren und damit der [[Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996|alten Rechtschreibung]] verpflichteten Literatur – mit zwei „t“ geschrieben. Ich behandele das hier als Eigenname und belasse es dabei. </ref> Namensgebend war hier, dass einzelne Zünfte für Türme und / oder Mauerabschnitte die Verantwortung trugen, hier die Schmiede. Auf der Zeichnung von Peter Hamman, die die Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 zeigt, scheint der Turm unversehrt und trägt noch sein Dach.<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>

Zwischen den heutigen Grundstücken Weihergasse 8 und 9 sind Mauerreste in der Höhe eines Geschosses erhalten.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Sie sind von der Straße aus zu sehen.

In der Weiherstraße<ref group="Anm."> Vor dem Gebäude Weiherstraße 9. </ref> und der Wollstraße<ref group="Anm."> Vor dem Gebäude Wollstraße 60. </ref> ist der Verlauf der oberirdisch nicht mehr erhaltenen Stadtmauer, die die heutigen Straßen hier nahezu im rechten Winkel kreuzte, in der Pflasterung des Straßenbelages markiert.

==== Bindturm ====
[[Datei:01 A Hg Viehpforte Biedturm.jpg|mini|links|Bindturm (rechts), Viehpforte (links)]]

Der Bindturm war das Scharnier zwischen südlicher und östlicher Mauer.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Er war stadtseitig offen und 23&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Auf der Zeichnung von Peter Hamman, die die Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 zeigt, ist der Turm vor allem stadtseitig beschädigt, das Dach fehlt, aber die feldseitige Wand scheint weitgehend noch in der ursprünglichen Höhe zu stehen.<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>

Reste des Turms sind heute hinter den Häusern Pfauenpforte 9 und Jahnstraße 10 erhalten.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 60; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Hier setzte auch die äußere Stadtmauer an, die von hier weiter nach Süden verlief, während die innere Mauer nach Westen weiterführte.

=== Südseite ===
[[Datei:Südmauer Worms.pdf|mini|Schematische Darstellung des Südabschnitts der inneren Stadtmauer]]

Das Scharnier zwischen der westlichen und südlichen Mauer bildete der Turm „Luginsland“<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 66. </ref>, das zwischen südlicher und östlicher Mauer der Bindturm.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 75. </ref> Die Reste des östlichen Bereichs dieses Abschnitts wurde noch im 20. Jahrhundert beseitigt.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 442. </ref> Hier gibt es aber einige archäologische Befunde, auch da, wo der Verlauf der Mauer durch neuzeitliche Bebauung im Stadtbild nicht mehr nachzuvollziehen ist.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79. </ref> Im westlichen Abschnitt, ab der Valckenbergstraße, steht die Süd-Mauer noch in erheblichen Teilen. Direkt hinter der Mauer, an diese angelehnt, liegt dort das [[Andreasstift (Worms)|Andreasstift]]. Die Rückwand von dessen südlichem Kreuzgangflügel bildet die Stadtmauer und auch die Außenmauer für die beiden darüber liegenden Geschosse des Museums. Dabei gibt es im ersten Stock eine zweite Arkadenreihe, die auf der unteren aufsetzt, und erst darauf befand sich der Wehrgang<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 33f. </ref> Vier der Arkaden sind erhalten.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 30. </ref> Alle Fensterdurchbrüche durch die Mauer in diesem Bereich stammen aus dem 20. Jahrhundert.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 32. </ref> Drei vor die Stadtmauer gestellte [[Strebepfeiler]] stützen das Gebäude ab.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Hier fanden 2012 umfangreiche Bauuntersuchungen und eine Sanierung statt.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 19. </ref>

Ein Teil dieses Mauerabschnitts neben dem Christoffelturm stürzte in der Nacht vom 14. Auf den 15. Mai 1907 ein, weil das Widerlager des letzten Pfeilers der Wehrgangarkaden teilweise abgetragen und durch ein Holzgerüst ersetzt worden war. Das aber war morsch geworden. Die Stadtmauer musste hier<ref group="Anm."> Es handelt sich um den Bereich des heutigen Treppenhauses im Museum Andreasstift (Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23). </ref> neu aufgemauert werden.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23. </ref>

Auf der grabenseitigen Fläche vor dem Andreasstift wächst der ''Luginslandwein''<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref> – eine der kleinsten [[Weinlage]]n überhaupt. Die Anschüttung dieses Weinbergs ist nahezu so hoch, wie das innen gelegene Erdgeschoss des Museums.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 29. </ref>

In diesen südlichen Mauerabschnitt eingestellt war der oben beschriebene Bindturm, dem in Richtung Westen folgen oder folgten:

==== Pfauenpforte ====
[[Datei:45 S HE Pfauenpforte Biedturm.jpg|mini|links|Pfauenpforte (vorne), Stadtgraben und Bindturm (hinten)]]

Das älteste erhaltene schriftliche Zeugnis zur Pfauenpforte stammt von 1035.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Die Blütezeit'', S. 163. </ref> Die Pfauenpforte (porta pavonis) war das östlichste Tor in der Südmauer. Nach den Grabungsbefunden von 1993 lag es wenige Meter aus der Achse nach Osten verschoben in der Straße ''Pfauenpforte'' an deren Einmündung in die Kreuzung Schönauer Straße / Pfauentorstraße.<ref> Grünewald: ''Neue Thesen'', beigelegter Plan Abb. 25. </ref> Von hier führte der Weg nach [[Kloster Maria Münster|Maria Münster]] (Nonnenmünster), einem [[Zisterzienser]]innenkloster und weiter Richtung Speyer. Daher stammt auch die Bezeichnung: „Pfauenpforte“ ist eine [[Verballhornung]] von „Frauenpforte“.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

Der Torturm war rechteckig und besaß an den Ecken der Außenseite je zwei Strebepfeiler.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79. </ref> Er war mit [[Fallgatter]] und [[Zugbrücke]] ausgestattet und nach außen mit einem kleinen Erkertürmchen und der Inschrift „SPECULA VANGIONUM“<ref group="Anm."> „Ausguck der Wormser“ (so: Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 60) oder „Wangionenwarte“ (so: Hotz, Mai 1982, S. 12). </ref> dekoriert.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 60. </ref> Im [[Holzschnitt]] von [[Sebastian Münster]] erscheint diese Inschrift sogar als namentliche Bezeichnung des Tores.<ref> Münster: ''Cosmographia''. </ref> Der Torturm hatte eine Höhe von 29&nbsp;m.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> In einer Zeichnung von Peter Hamman, die er, aus südlicher Richtung auf die 1689 zerstörte Stadt Worms blickend, gefertigt hat, ist das Tor schwer beschädigt dargestellt.<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>

Heute ist das Tor nicht mehr erhalten, wurde aber 1993 bei einer archäologischen Grabung aufgedeckt.<ref> Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 23, beigelegter Plan Abb. 25. </ref>

==== Susannenturm ====
[[Datei:48 O Hv Susannenturm.jpg|mini|Susannenturm vor 1689]]
[[Datei:53 S HnS Eisbacheinlass.jpg|mini|Östlich der Leonhardspforte gibt es einen weiteren Einlass in die Stadt – unklar lässt die Zeichnung, woher das Wasser kommt.]]

Der Susannenturm lag nach den Grabungsbefunden von 1993 östlich der Römerstraße etwa 20 Meter nördlich von deren Einmündung in die Schönauer Straße.<ref> Grünewald: ''Neue Thesen'', beigelegter Plan Abb. 25. </ref> Er war grabenseitig vor die Mauer gestellt und hatte ursprünglich eine Höhe von 21&nbsp;m.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Auf der Zeichnung von Peter Hamman, die er, aus südlicher Richtung auf die 1689 zerstörte Stadt Worms blickend, gefertigt hat<ref> Detail aus: Peter Hamman: Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden. Stadtarchiv Worms, Abt. 1B, Nr. 48. </ref>, ist der Turm im Trümmerschutt der Mauer nicht mehr auszumachen, also wohl vollständig zerstört.<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>

Von dem Turm ist heute oberirdisch nichts mehr erhalten.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7: „Der Susannenturm und ein weiterer namenloser Turm haben vielleicht die Stadtzerstörung 1689, ganz bestimmt aber nicht die [[Lederwerke Doerr & Reinhart|Lederfabrik Doerr & Reinhart]] und das Nibelungencenter überstanden.“ </ref> Er konnte aber bei einer archäologischen Grabung auf einem Grundstück an der Ecke Schönauerstraße/Römerstraße nachgewiesen werden.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79; Grün, September 1982, S. 56. </ref> Dort wurde sein Umriss daraufhin nach dem [[Befund (Archäologie)|Grabungsbefund]] im Pflaster wiedergegeben<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref>, was aber heute (2019) nicht mehr erhalten ist und dazu führt, das die öffentliche Erinnerung an die Position des Turmes entschwunden ist.<ref> Johannes Götzen: ''Susannenturm taucht wieder auf''. In: Wormser Zeitung vom 19. November 2019, S. 10. (Tatsächlich handelt es sich bei dem hier Beschriebenen um die Reste des weiter westlich stehenden „namenlosen Turms“.) Dazu: [[Reinhard Dietrich (Jurist)|Reinhard Dietrich]]: ''Susannenturm lag weiter östlich''. In: Wormser Zeitung vom 5. Dezember 2019, S. 15. </ref>

==== Turm ohne bekannte Bezeichnung ====
Ein weiterer Turm – für den kein Name überliefert und der auch als Bauwerk nicht erhalten ist – wird auf der Zeichnung von Peter Hamman, die er von der 1689 zerstörten Stadt Worms gefertigt hat<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>, nicht wiedergegeben. Der Turm ist im Trümmerschutt der Mauer nicht mehr auszumachen, wurde also vollständig zerstört. 1990 wurde er bei einer archäologischen Grabung im Bereich der Schönauerstraße 11 nachgewiesen.<ref> Grünewald: ''Neue Thesen'', Abb. 25. </ref> und erneut anlässlich von Bauarbeiten 2019 aufgedeckt.<ref> Johannes Götzen: ''Susannenturm taucht wieder auf''. In: Wormser Zeitung vom 19. November 2019, S. 10. (Tatsächlich handelt es sich bei dem hier Beschriebenen um die Reste des „namenlosen Turms“.) Dazu: Reinhard Dietrich: ''Susannenturm lag weiter östlich''. In: Wormser Zeitung vom 5. Dezember 2019, S. 15.</ref> Er sprang etwa drei Meter aus der Mauerflucht vor.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 79. </ref>

==== Leonhardspforte ====
[[Datei:55 S HnS Eisbacheinlass und Leonhardspforte.jpg|mini|links|Der Eisbach fließt westlich (links) der 1689 zerstörten Leonhardspforte in die Stadt hinein und verläuft dort zunächst unterirdisch weiter.]]

Die Leonhardspforte war eines der südlichen Stadttore für die Verbindung nach [[Speyer]] und ist nicht erhalten.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref> Es ist unter verschiedenen Bezeichnungen bezeugt. 1259 wird es erstmals und unter der Bezeichnung „nova porta“ (neues Tor) erwähnt. Es darf nicht mit dem in der westlichen Stadtmauer gelegenen Neutor verwechselt werden. Es ist also wohl kurz vor dieser ältesten erhaltenen Erwähnung in die Mauer eingebaut worden. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Verkehr von und nach Süden zunehmend vom Pfauentor hierher.<ref> Gensicke: ''Beiträge'', S. 56, nennt dafür das Jahr 1259. </ref> Das führte auch zur Bezeichnung „Innere Speyerer Pforte“.

Der Torturm hatte eine Höhe von 23&nbsp;m.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein Ravelin aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Auf der Zeichnung von Peter Hamman, die er von der 1689 zerstörten Stadt Worms gefertigt hat<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>, zeigt er die östliche Wand des Torturms eingestürzt.

Der dem Tor vorgelagerte Stadtgraben führte – aus Richtung Rhein kommend – etwa bis hier hin Wasser. Er wurde vom Tor aus mit einer Brücke überwunden, der Leonhardsbrücke.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref>

Als die französischen Truppen ab März 1689 damit begannen, den inneren Mauerring abzureißen, wurde auch das Leonhardstor zerstört.<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref>

==== Eisbach-Einlass ====
Bei der Leonhardspforte gab es einen Durchlass durch die innere Mauer für den [[Eisbach (Rhein)|Eisbach]] in die Stadt hinein. Vermutlich erfolgte das auf der Westseite des Torturms. Ein weiterer Durchlass etwas östlich des Turms könnte zu einer Mühle gehört haben.<ref> Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden''. </ref> Um in die Stadt zu gelangen, musste der Eisbach den Stadtgraben queren. Das geschah auf einem hölzernen Steg. Auf der Zeichnung von Peter Hamman, die er von der 1689 zerstörten Stadt Worms gefertigt hat, wird diese Konstruktion als weiter voll funktionsfähig gezeigt!<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref> Auf der Innenseite der Mauer lief der Eisbach unterirdisch weiter.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59f. </ref>

==== Christoffelturm ====
[[Datei:Christoffelturm 2.jpg|mini|links|Christoffelturm]]
[[Datei:57 S HnS Christoffelturm.jpg|mini|Christoffelturm nach der Zerstörung 1689 – eine nach dem archäologischen Befund wohl übertriebene Darstellung]]

Der Christoffelturm (auch: Christophelturm<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref>) ist nur im unteren Bereich mittelalterlich. Er war 23&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Auch er wurde 1689 gespreng, wobei aber wohl nur der obere Teil des Turms zerstört wurde, wie neuere Bauuntersuchungen zeigen. Die Zeichnung von Peter Hamman, die den Turm als völlig zerstört darstellt<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>, ist danach übertrieben.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 22. </ref>

Die oberen Geschosse wurden erst in den 1920er Jahren ergänzt.<ref> Nach Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42, war das 1920; nach Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7, war das 1927; nach Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 16, war das 1928/1929. </ref> Der Turm gehört heute zum [[Museum der Stadt Worms]]<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref>, ebenso wie das benachbarte [[Andreasstift (Worms)|Andreasstift]]. Die gotischen Fenster wurden aus dem Südflügel des Kreuzgangs des Andreasstiftes ausgebaut und die Wetterfahne stammt von einem historischen Hafenkran am Rhein.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref> Als [[Spolie]] ist ein [[Skulptur|skulpierter]] [[Eckstein]] eingefügt, der auf beiden Seiten zwei Drachen, die ein Wormser Schlüsselwappen halten, und die Jahreszahl 1667 zeigt. Er stammt von einer unbekannten Stelle aus den Festungsanlagen.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 10 </ref>

==== Andreastor (1907) ====
[[Datei:Neues Andreastor.jpg |mini|Andreastor]]

Das heutige Andreastor liegt unmittelbar neben dem Andreasstift. Es entstand 1907 unter dem Baudezernenten und Bürgermeister [[Georg Metzler (Architekt)|Georg Metzler]] als Durchlass durch den südlichen Mauerabschnitt. Bei den Bauarbeiten erwies sich die bestehende Stadtmauer hier als so marode, dass sie in diesem Abschnitt komplett abgetragen werden und zusammen mit dem neu geschaffenen Tor neu aufgemauert werden musste.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 23. </ref> Es hat einen großen Bogen zum Durchfahren und einen kleinen für Fußgänger. Nicht zu verwechseln ist es mit dem historischen, mittelalterlichen Andreastor in der Westseite der Stadtmauer. In dem Neubau wurden auch einige Spolien vermauert, unter anderem ein romanisches Christus-Relief.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref><ref group="Anm."> Das Relief befand sich stadtseitig auf dem Pfeiler zwischen Straßendurchfahrt und Fußgängerdurchgang, ist heute (2019) nahezu komplett abgewittert und als solches kaum noch zu erkennen. </ref> Gleichzeitig wurde der Bestand des inneren Mauerringes saniert und neben dem Andreastor auch das ''Raschitor'' im Norden durch die Mauer gebrochen, um modernen Verkehrserfordernissen zu genügen.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 537. </ref>

Der folgende Mauerabschnitt bis zum Luginsland wird bei Peter Hamman als völlig zerstört darstellt. Bauuntersuchungen haben aber ergeben, dass er noch zu erheblichen Teilen ältere Bausubstanz im aufgehenden Mauerwerk aufweist. Die Darstellung bei Hamman ist danach übertrieben.<ref> Wagener / de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer'', S. 22. </ref>

==== Luginsland ====
[[Datei:60 S-W Hv Luginsland.jpg|mini|links|Luginsland vor 1689]]
[[Datei:Luginsland Worms.jpg|mini|Turm der Villa Werger, der die topografische Situation des mittelalterlichen Turms ''Luginsland'' aufnimmt.]]

Der Turm „Luginsland“ war zu den anstoßenden, in rechtem Winkel aufeinander zulaufenden Mauern, der Süd- und der Westmauer der inneren Stadtbefestigung, diagonal gestellt und bildete die südwestliche Ecke und das Scharnier zwischen beiden Mauerabschnitten.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 66. </ref> Der Turm war er 33&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Nach einer lokalen Legende ließ [[Friedrich II. (HRR)|Kaiser Friedrich II.]] 1235 hier seinen sich gegen ihn auflehnenden Sohn, Heinrich (VII.), einsperren.<ref> Infotafel der städtischen Denkmalpflege auf dem Stadtwall vor der Villa Werger. </ref> Auf einer Zeichnung von Peter Hamman, die er von der 1689 zerstörten Stadt Worms gefertigt hat<ref> Hamman: [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']. </ref>, zeigt er den gesprengten Turm, dessen stadtseitige Wand erhalten, aber dessen feldseitige Wand komplett eingestürzt ist. Der Turm wurde später wieder aufgebaut. Erst beim Bau der in den 1890er Jahren errichteten Villa Werger wurde er abgebrochen.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 54; Hotz, Juli 1982, S. 24. </ref> Der Eckturm der Villa vollzieht die Situation an gleicher Stelle nach.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref>

Der Turm „Luginsland“ war namensgebend für die gleichnamige Straße.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

=== Westseite ===
[[Datei:Westmauer Worms.pdf|mini|Schematische Darstellung des Westabschnitts der inneren Stadtmauer]]
[[Datei:Werger Mauerimitat.jpg|mini|links|Die Gartenmauer der Villa Werger steht auf dem Fundament der Stadtmauer und interpretiert das Thema in [[Historismus|historistischer]] Manier.]]

Die Westseite der inneren Stadtmauer weist insgesamt nur wenige Türme auf. Sie ist ebenfalls aus präzise gesetzten Bruchsteinquadern gemauert.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Oberirdisch ist von der westlichen Partie vom Anschluss an die nördliche Mauer bis auf die Höhe der Stephansgasse nichts erhalten, die Mauerflucht aber noch an der Bebauungsgrenze zum Anlagenring (dem früheren Stadtgraben) ablesbar. Viele Häuser nutzten die Mauer als Fundament nach Westen hin. Hier stand ehemals auch der einzige und so genannte „Runde Turm“ des inneren Mauerrings.

Anschließend, entlang des Lutherringes, blieben die ältesten Mauerpartien erhaltenen. Sie stehen auf römischen Fundamenten aus dem 2. Jahrhundert.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 77. </ref> Ob es sich dabei aber um Teile einer Stadtmauer aus dieser Zeit oder um Mauerwerk handelt, das ursprünglich einem anderen Bauwerk diente, ist nicht sicher. Einerseits soll davor ein Spitzgraben, wie er bei römischen Befestigungen üblich war, verlaufen sein.<ref> Reuter: ''Stadtmauern und Wehrtürme'', S. 5. </ref> Andererseits wird die Mauer hier als ein Gebäudeteil des angrenzenden römischen Tempelbezirks gedeutet.<ref> Grünewald: ''Spätrömisches Worms'', S. 25; Grünewald: ''Neue Thesen'', S. 13. </ref> Das älteste aufgehende Mauerwerk stammt aus fränkisch-karolingischer Zeit.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 756. </ref> Es handelt sich um das älteste erhaltene mittelalterliche Architekturdenkmal in Worms.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 9. </ref> Im Garten des [[Heylshof]]s, der sich hier stadtseitig an die Mauer anschließt, dient sie als [[Romantik|romantischer]] Abschluss des Parks nach Westen. Hier wurde im späten 19. Jahrhundert eine [[Grotte]] mit dem [[Herkulesbrunnen (Worms)|Herkulesbrunnen]] eingebaut und innen [!] ein neuromanisches Türmchen vorgestellt. Südlich des Parks, zwischen [[Wormser Dom|Dom]] und Stadtmauer wurde 1933/1935 durch Abriss der Wirtschafts- und [[Remise]]ngebäude des Heylshofs der [[Platz der Partnerschaft|Platz der Nation]] (heute: Platz der Partnerschaft) geschaffen.<ref> Spille / Böcher: ''Baugeschichte'', S. 778; Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Er nutzt die Innenseite der Stadtmauer als Abschluss nach Westen. Die dort vorhandenen innenseitigen Bögen der Mauer wurden zugesetzt und zwei rundbogige Durchlässe eingebrochen.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref>

In die westliche Mauer eingestellt waren oder sind der oben beschriebene Luginsland, dem nach Norden Einbauten folgen:

==== Unbezeichneter Turm ====
Zwischen dem mittelalterlichen Andreastor und dem Luginsland, gegenüber dem Eingang zum [[Heiliger Sand|Heiligen Sand]], gab es einen weiteren Turm, dessen Bezeichnung nicht überliefert ist.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59, 64; Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer'', S. 7. </ref>

==== Mittelalterliches Andreastor ====
[[Datei:63 W Hv Andreastor.jpg|mini|links|Altes Andreastor vor der Zerstörung 1689]]
[[Datei:Spielplatz Herta-Mansbacher-Anlage Worms.jpg|mini|Das Andreastor im Modell auf dem Spielplatz in der ''Herta-Mansbacher-Anlage'']]

Das mittelalterliche (innere) Andreastor war nach der auf es zuführenden Andreasgasse benannt. Es war etwa 34&nbsp;m hoch<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> und befand sich im südlichen Abschnitt der westlichen Stadtmauer. Nicht zu verwechseln ist es mit dem neuen Andreastor von 1907 in der südlichen Stadtmauer. Die älteste erhaltene Erwähnung des mittelalterlichen Andreastors findet sich in der Mauerbauordnung aus der Zeit um 900<ref> Bönnen und Kemper in Bönnen (Hg.): ''Das geistliche Worms'', S. 693. </ref> und in einer Urkunde von 1141.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 56. </ref> Vor dem Torturm spannte sich eine Brücke über den Stadtgraben.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref> Das Andreastor galt als eine besonders gefährdete Stelle, weil in der Nähe viele [[Kleriker]] lebten. Das Verhältnis zwischen Kirche und Stadt war oft gespannt und die Stadt fürchtete, dass der Klerus sich mit einem vor der Stadt liegenden Feind verbünden und ihm das Tor öffnen könne.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 76. </ref> Auf einer Zeichnung von Peter Hamman, die er von der 1689 zerstörten Stadt Worms gefertigt hat<ref> Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Norden''. </ref>, stellt er das Andreastor als komplett zerstört da.

==== Platz der Partnerschaft ====
Der [[Platz der Partnerschaft]] (damals: ''Platz der Nation'') wurde in den 1930er Jahren angelegt. Dabei wurde auch die Stadtmauer zur davor liegenden Anlage hin mit zwei rundbogigen Öffnungen durchbrochen.

==== Neuromanisches Türmchen ====
[[Datei:Neuromanischer Turm Heyl.jpg|mini|links|Heyl’s neuromanischer Turm]]

Als [[Hochbehälter]], um die benachbarte Villa des Industriellen [[Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim]], den [[Heylshof|Heyl’s Hof]], und vor allem deren Park mit Wasser zu versorgen, wurde Ende des 19. Jahrhunderts an der Innenseite [!] der Stadtmauer ein [[Neuromanik|neuromanisches]] Türmchen angebaut, das damit zugleich als randliche [[Staffage#Landschaftsarchitektur|Staffage]] für den Park diente.<ref> Ferdinand Werner (Verleger)|Ferdinand Werner: ''Der Heylshofpark in Worms. Vom Villengarten zum Stadtgrün''. In: [[Der Wormsgau]] 31 (2014/2015), S. 119–156 (126f). </ref> Das Türmchen ist heute mit stark verändertem Dach in die Gestaltung des Platzes der Partnerschaft integriert.

==== Krämerturm ====
{{Doppeltes Bild|rechts|66 W Hv Krämerturm.jpg|100|Neidturm.jpg|210|Krämer- oder Neidturm vor 1689|Fundamentruine des Krämerturms (2019)}}

Der Krämerturm (auch: „Neidturm“ oder „Mauerturm“<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 77. </ref>) war einer der wenigen Türme auf der Westseite der Mauer und der einzige zwischen Andreastor und Neupforte. Er stand an der Stelle der Mauer, hinter der sich der [[Bischofshof (Worms)|Bischofshof]] befand. Dies passte dem Bischof, [[Johann II. von Fleckenstein]], gar nicht und er erwirkte 1411 einen Baustopp<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 54. </ref>, so dass der Turm erst 1424 fertiggestellt werden konnte<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 74; Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref>, als das Verhältnis zwischen Bischof und Stadt sich vorübergehend entspannte. Dass das Motiv für den Bau des Turms die Neugier der Bürger von Worms gewesen sei, um dem Bischof in seinen Garten hinein zu sehen und ihn damit zu ärgern<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 2. </ref>, ist eine nette Geschichte, aber nirgends belegt.

Der Turm wurde der Mauer im Graben frei vorgestellt, ohne sie zu berühren.<ref> Porsche: ''Stadtmauer'', S. 74; Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 42. </ref> Sein Stumpf ist im Bereich der Parkanlage des Lutherrings erhalten. Die Ecken bestanden aus behauenen Quadern aus rotem [[Sandstein]], die übrigen Mauern waren in Bruchsteinen ausgeführt. Das Turm war er 17&nbsp;m hoch.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8. </ref> Bischofshof und Turm wurden von den Franzosen 1689 zerstört.<ref> Armknecht: ''Der Neidturm'', S. 4. </ref>

Im 18. Jahrhundert errichtete der Bischof hier eine [[Orangerie]] mit zwei Türmchen und bezog dazu auch die Stadtmauer mit ein. Die Stadt protestierte zwar, konnte das aber nicht verhindern.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 56. </ref>

==== Inneres Neutor ====
[[Datei:69 W Hv Neupforte.jpg|mini|links|Neupforte in der inneren Stadtmauer vor 1689]]
{{Doppeltes Bild|rechts|99 W Hv Runder Turm.jpg|125|99 W HnN Runder Turm.jpg|200|Runder Turm vor …| und nach der Zerstörung 1689}}

Das innere „Neutor“ wurde auch als „Neupforte“ bezeichnet. Es lag an der Ecke von Adenauerring und Obermarkt, vor den Häusern Obermarkt 13 und 15, und soll Mitte des 13. Jahrhunderts angelegt worden sein.<ref> Gensicke: ''Beiträge'', S. 56. </ref> Sein Torturm war 34&nbsp;m hoch und damit der höchste Turm des inneren Mauerringes.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 8; Hotz, Juni 1982, S. 9. </ref> Er trug im 17. Jahrhundert ein hohes Dach, das an den Ecken vier kleine Türmchen aufwies. Unmittelbar nördlich des Tors war das städtische Tanzhaus an die Mauer angebaut, das 1880 abgerissen wurde.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59. </ref>

Während der schwedischen Besetzung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg wurde 1632 vor dem Tor ein [[Ravelin]] aufgeworfen.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Ab März 1689 begann das französische Militär, das Worms im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges besetzt hatte, den inneren Mauerring abzureißen. Dabei wurde das Innere Neutor zerstört.<ref> Mahlerwein in Bönnen (Hg.): ''Die Reichsstadt'', S. 301. </ref> Beim Wiederaufbau der Stadt nach 1700 wurde hier ein einfaches Tor errichtet, das wiederum 1866 abgebrochen wurde.<ref> Plakette in der Pflasterung vor dem Haus Obermarkt 13. </ref> Dessen Fundament wird in der Pflasterung und mit einer dort eingelassenen Plakette markiert.

==== Runder Turm ====
Im Gegensatz zu allen anderen 25 Türmen der inneren Stadtmauer, die alle rechteckig waren, war dies ein runder Turm. Er stand etwa auf der Höhe des Denkmals für die Gefallenen des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]].<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 55. </ref> Auf dem Vogelschauplan von Peter Hamman, der die Stadt vor der Zerstörung 1689 zeigt, trägt er eine [[Welsche Haube]].<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref> Auf einer Zeichnung, die er von der 1689 zerstörten Stadt Worms gefertigt hat<ref> Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Norden''. </ref>, sind nur noch die Fundamente des Turms zu sehen. Heute ist auch davon oberirdisch nichts erhalten.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40. </ref>

Anschließend folgte in nordöstlicher Richtung wieder die Martinspforte (siehe oben).

== Äußere Mauer ==
[[Datei:Aussenmauer Nord Worms.pdf|mini|links|Schematische Darstellung des nördlichen Teils der äußeren Stadtmauer]]
[[Datei:Aussenmauer Süd Worms.pdf|mini|links|chematische Darstellung des südlichen Teils der äußeren Stadtmauer]]
[[Datei:Außenmauer Me.jpg|mini|Abschnitt der äußeren Mauer ([[Matthäus Merian]])]]

{{Doppeltes Bild|rechts|01 A Hv Viehpforte Biedturm.jpg|240|80 A Hv Einlass nördl Stadtgraben in den Woog - Kropsort.jpg |200|Südlicher Anschluss der äußeren (links) an die innere Mauer (Turm: Bindturm); dazwischen: Stadtgraben vor dem südlichen, inneren Mauerabschnitt|Nördlicher Anschluss der äußeren (rechts) an die innere Mauer (Turm: Kropsort); dazwischen: Stadtgraben vor dem nördlichen, inneren Mauerabschnitt}}

Zum äußeren Verteidigungsring sind die Informationen weit spärlicher als zur inneren Stadtmauer. Aus Ortsangaben, die in Urkunden erhalten sind und die sich auf die Mauer beziehen, kann geschlossen werden, dass die äußere Mauer in der zweiten Hälfte der 1360er Jahre, zumindest aber im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts gebaut wurde.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 128f, auch wenn der – im Übrigen auch sehr positivistisch schreibende Autor – sein Ergebnis im Hinblick auf andere Autoren und deren auf allgemeinen Erwägungen beruhende Annahme, der Mauerbau sei schon im 13. Jahrhundert erfolgt, wieder relativiert. </ref> Andere Autoren nehmen aufgrund allgemeiner Erwägungen schon das 13. Jahrhundert an. Auch ist wahrscheinlich, dass sich der Bau über Jahrzehnte hinzog.

Die bauliche Ausführung der Mauern des äußeren Mauerrings war über weite Strecken weniger aufwändig als beim inneren Mauerring: Es handelte sich um eine einfache Mauer, ohne Wehrgang, die mit meist kleinen, oft, aber nicht ausschließlich runden Türmen verstärkt war.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62; Peter Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt [...] verblieben''. </ref> Die Toranlagen waren dagegen repräsentativer gestaltet<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>, dienten damit auch der Selbstdarstellung der Stadt nach außen und wiesen sechs eigene Torburgen auf.<ref> Hotz, Mai 1982, S. 6. </ref> Schon ab dem 14. Jahrhundert aber stagnierte das Wachstum der Stadt.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 11. </ref> Es gelang so in der gesamten Zeit des Bestehens des äußeren Mauerrings nie, das von ihm umfasste Areal auch nur annähernd geschlossen zu besiedeln.<ref> Gensicke: ''Beiträge'', S. 56; Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 11. </ref> Die meisten hier liegenden Flächen wurden für Gartenbau und Landwirtschaft genutzt.

Der nachfolgend beschriebene Verlauf beginnt am Bindturm, dem südöstlichen Eckturm der inneren Befestigung, und führt im Uhrzeigersinn und von Süd nach Nord:

=== Viehpforte ===
[[Datei:02 A Hg Viepforte.jpg|mini|links|Viehpforte in der Darstellung von Braun, Novellanus und Hogenberg (Drittes Viertel 16. Jh.)]]

Die Viehpforte war ein einfaches Tor und sicherte den Zugang zur Bürgerweide. Das Tor lag zwischen den heutigen Häusern Pfauentorstraße 8 und 9.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218, platziert es in die Südostecke des inneren Mauerrings. </ref>

=== Zwei oder drei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Zwei<ref> So: Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref> oder drei<ref> So: Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms im Zustand vor 1689 von Osten (Rheinfront)''. </ref> Türme unbekannter Bezeichnung schützten den südlichen Abschnitt der äußeren Mauer entlang des Rheins.<ref group="Anm."> Braun / Novellanus / Hogenberg: ''Beschreibung'', stellen in diesem Mauerabschnitt gar keinen Turm dar. </ref> Auf der Darstellung von Sebastian Münster<ref> Münster: ''Cosmographia''. </ref> gibt es sie noch nicht. Die meisten Autoren gehen in der Folge von Peter Hammans Darstellung ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' […] ''verblieben'', also zwei Türmen, aus.<ref> Das beruht wahrscheinlich auf der Umzeichnung von Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64, die auch noch in anderen Veröffentlichungen verwendet wird (vgl. etwa: Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 28f). </ref> Der nördliche oder die beiden nördlichen Türme waren kleine Rundtürme, der südliche einer der wenigen viereckigen der Außenmauer.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 65. </ref> Zwischen dem viereckigen Turm und dem Aulturm gab es eine rundbogige Öffnung in der Mauer, aus der eine Entwässerung herausfloss.<ref> So, aber nur dort: Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms im Zustand vor 1689 von Osten (Rheinfront)''. </ref>

=== Aulturm ===
{{Doppeltes Bild|rechts|06 A HvRh Aulturm mit Niedeck.jpg|170|08 A Hv Speyerer Tore.jpg|200|Aulturm in der Bastion Niedeck|Neue Speyerer Pforte (vorne), Alte Speyerer Pforte (hinten)}}

Der Aulturm, auch kurz „Die Aul“ genannt, wird bei Sebastian Münster als „Nideck“ bezeichnet.<ref> Münster: ''Cosmographia''. </ref> Aber nur das vorgelagerte Bollwerk trug diese Bezeichnung.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5 </ref> Der Name „Aul“ oder „Eule“ war die Bezeichnung für eine Topf-Form, die in etwa dem Aussehen des Turmes entsprach.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 57. </ref>

Der Aulturm schützte die südöstliche Ecke der äußeren Befestigung. Der Turm war rund und hatte ein gemauertes, kuppelförmiges Dach.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 57; Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref> Der Bauform nach war er für die Stationierung von [[Artillerie]] gedacht. Ebenfalls nach der Bauform beurteilt, soll er um 1450 entstanden sein.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 14. </ref> Umgeben war er mit einer eigenen Bastion.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 65. </ref>

Bei der Stadtzerstörung durch die Franzosen 1689 wurde dieser Turm als erstes Bauwerk der Stadtbefestigung [[Sprengung|gesprengt]], wurde dabei beschädigt, stürzte aber zunächst nicht um.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 57. </ref> Erst beim zweiten Versuch gelang es, ihn zu zerstören.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref>

Zwischen Aulturm und Neuer Speyerer Pforte befand sich ein Bollwerk, aber kein Turm mehr.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64f. </ref>

=== Neue Speyerer Pforte ===
Das Tor lag im Bereich der Kreuzung der heutigen Speyerer Straße mit der [[Bahnstrecke Mainz–Mannheim]], südlich der Gleise.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref> Die historische Speyerer Straße war die Hauptachse von Worms nach Süden und bestand schon zu römischer Zeit. Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung des Tors stammt von 1258.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 20. </ref>

Die Neue Speyerer Pforte war ein mit einem [[Dachreiter]] verzierter Torturm auf quadratischem Grundriss.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 8 </ref> Sie ersetzte die westlich gelegene, viel aufwändiger angelegte Alte Speyerer Pforte.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64. </ref>

=== Alte Speyerer Pforte ===
Die Alte Speyerer Pforte lag im Bereich der Kreuzung der Speyerer Straße mit der Bahnstrecke Mainz–Mannheim, nördlich der Gleise.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref> Hier verließ die Speyerer Straße die Stadt Richtung [[Speyer]].

Es war ein Doppeltor mit zwei flankierenden Rundtürmen.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7 </ref> Davor lag noch eine Bastion. Aus unbekannten Gründen wurde das Tor aufgegeben, vermauert und durch die Neue Speyerer Pforte ersetzt.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

{{Hauptartikel|Altes Speyerer Tor}}

=== Drei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Den weiteren Verlauf der Mauer verstärkten drei weitere kleine runde Türme, deren Bezeichnung nicht überliefert ist.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63f. </ref>

=== Einlass des Eisbachs ===
Der Einlass des [[Eisbach (Rhein)|Eisbachs]] in die äußere Mauer war durch einen flankierenden viereckigen Turm geschützt. Der Einlass selber erfolgte durch einen einfachen Bogen.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

=== Pforte der Mühle des Klosters Nonnenmünster ===
In diesem Bereich war die Mühle des Klosters Nonnenmünster in die Mauer eingebaut. Hier gab es eine zusätzliche Tür in der Mauer, die den Zugang zum [[Absperrschieber|Wasserschieber]] ermöglichte. Der Schlüssel war dem [[Schaffner (Beruf)|Schaffner]] des Klosters anvertraut, der dem Rat der Stadt einen besonderen [[Eid]] für den Umgang mit dem Schlüssel [[Schwur|schwören]] musste.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 55. </ref>

=== Michaelspforte ===
[[Datei:15 A Hv Michaelstor.jpg|mini|Michaelspforte]]

Die Michaelspforte war ein relativ unspektakuläres Tor in der Südwestecke der äußeren Mauer. Sie wurde nur bei Bedarf geöffnet, war aber wichtig für den landwirtschaftlichen Verkehr.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 17. </ref>

Vor der Michealspforte warfen 1515 in einer ad-hoc-Aktion alle Bewohner der Stadt angesichts der Bedrohung durch [[Franz von Sickingen]] eine zusätzliche Befestigung auf – nur die Geistlichkeit beteiligte sich nicht.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 17. </ref> Dem Tor war so im 17. Jahrhundert eine Bastion vorgelagert.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63f. </ref>

=== Südwestlicher Eckturm ===
Für die in der älteren Literatur vermutete<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63f. </ref> römische Herkunft – zumindest der Fundamente – des folgenden Turms gibt es keinen archäologischen oder sonstigen Nachweis.<ref> Grünewald in Bönnen (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms'', S. 79. </ref> Dieser Turm bildete die Südwestecke des äußeren Mauerrings.

=== Drei Türme unbekannter Bezeichnung ===
[[Datei:50 BS MA-MZ - Wall Jüd Friedhof m Zug.jpg|mini|300px|Bahnstrecke Mainz-Mannheim, südlich von [[Worms Hauptbahnhof]] mit Blick nach Norden, rechts der Wall der äußeren Stadtbefestigung, darauf der [[Heiliger Sand|historische jüdische Friedhof]]]]

Es folgen drei Türme unbekannter Bezeichnung.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64. </ref> Der Wall zwischen dem nördlichsten dieser Türme und dem äußeren Andreastor ist als der erhöhte östliche Bereich des [[Heiliger Sand|historischen jüdischen Friedhofs]] erhalten. Nach Aufgabe der äußeren Verteidigungslinie wurde der Friedhof ab dem Anfang des 18. Jahrhunderts auf den Wall ausdehnt, der so erhalten blieb.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref> Erhalten blieb auch der dem Wall vorgelagerte Graben, den die [[Hessische Ludwigsbahn]] ab 1853 für die [[Trasse (Verkehrsweg)|Trasse]] ihrer Strecke Mainz–Bobenheim (Landesgrenze) nutzte, die heutige [[Bahnstrecke Mainz–Mannheim]].

=== Äußere Andreaspforte ===
[[Datei:21 A Hv Äußeres Andreastor.jpg|mini|links|Äußere Andreaspforte]]

Die Äußere Andreaspforte korrespondierte mit der Inneren Andreaspforte. Beide dienten dem Schutz des Durchlasses für die Straße Richtung [[Alzey]]. Der Äußeren Andreaspforte war noch eine Bastion vorgelagert, die ein drittes Tor aufwies.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

Im Bereich der beiden Andreastore bestand ein 1519 gebauter unterirdischer Gang vom Stadtgraben am inneren Andreastor durch den äußeren Wall zum Graben vor der äußeren Verteidigungsanlage.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Warmasia'', S. 666. </ref> In den 1970er Jahren waren davon noch Spuren zu sehen.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

=== Vier Türme unbekannter Bezeichnung ===
Weitere vier Rundtürme unbekannter Bezeichnung folgen. Die drei südlichen lagen im Bereich von [[Das Wormser]].<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref> Vor dem nördlich nächst folgenden lag wieder eine Bastion. Nach dem Stadtplan von Peter Hamman, der die Stadt vor ihrer Zerstörung 1689 darstellt<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref>, hatten die beiden mittleren dieser Türme einstöckige Begleitbauten an jeder Seite entlang der Mauer.

=== Äußeres Neutor ===
Das Äußere Neutor lag in der heutigen [[Wilhelm-Leuschner-Straße (Worms)|Wilhelm-Leuschner-Straße]] zwischen den Häusern 29 und 30. Nach der Darstellung von Peter Hamman war es von einem rechteckigen Turm flankiert, Durchfahrt und zugehöriger Torbogen befanden sich nördlich des Turms. Über den vorgelagerten Graben führte eine Brücke, die feldseitig mit einem weiteren Tor gesichert war. Das lag etwa dort, wo heute der [[Fürstenbahnhof|Fürstenpavillon]] des [[Empfangsgebäude]]s des [[Worms Hauptbahnhof|Wormser Hauptbahnhofs]] steht.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

=== Vier Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgte in nördlicher Richtung ein Abschnitt mit vier Türmen unbekannter Bezeichnung. Nach dem Stadtplan von Peter Hamman, der die Stadt vor ihrer Zerstörung 1689 darstellt<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref>, hatten sie zweistöckige Flügelbauten an jeder Seite, parallel zur Mauer. Einer der Türme stand im Bereich Siegfriedstraße / Renzstraße.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

Der hier verlaufende Mauerabschnitt wurde im 19. Jahrhundert, beim Anlegen des neuen Friedhofs (heute: [[Albert-Schulte-Park]]), als dessen östliche Mauer zweitverwendet.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>

=== Neuhauserpforte ===
[[Datei:40 A Hv Neuhausenpforte mit östl Bastion.jpg|mini|Neuhauser Pforte vor 1689]]

Die Altmühl- oder Neuhauserpforte lag im Bereich des Kreisverkehrs Gaustraße / Altmühlstraße. Das Tor wurde nach einem Zwischenfall 1408 zugemauert.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 61; nach Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62. </ref>

=== Ein Turm unbekannter Bezeichnung ===
Im weiteren Verlauf folgte erneut ein Turm mit heute unbekannter Bezeichnung.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64. </ref>

=== Mainzer Pforte ===
[[Datei:44 A HE MZer Tor.jpg|mini|links|Mainzer Pforte]]

Das Mainzer Pforte stand im Bereich der heutigen Straßenkreuzung ''Mainzer Straße'' und ''Liebfrauenring''.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 18. </ref>

Sie sicherte die von der Martinspforte nach Mainz führende alte Handelsstraße im äußeren Mauerring. Dass die Martinspforte des inneren Mauerringes im 19. Jahrhundert ebenfalls als „Mainzer Tor“ bezeichnet wurde, darf nicht zu Verwechslungen führen.<ref> Grünewald: ''Unter dem Pflaster'', S. 104. </ref> An der Mainzer Pforte wurden Abgaben auf in die Stadt eingeführte Verbrauchsgüter erhoben.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Zwischen Reaktion'', S. 441. </ref>

Zunächst war die Mainzer Pforte ein von zwei Türmen geschütztes Tor.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 8, nach den Stichen von Sebastian Münster und Matthäus Merian: ''Topographia''. </ref> 1667 wurde hier der mit sieben Vollgeschossen größte und imposanteste aller Wormser Tortürme errichtet.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 8; Juli 1982, S. 21. </ref> Richtung Mainz zeigte er zum Schmuck zwei Seitentürmchen. Vorgestellt war ein Vorhof mit Vortor, Wachhaus, Bastion, Zugbrücke und einer [[Kapelle (Kirchenbau)|Kapelle]].<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63; Hotz, Juni 1982, S. 8. </ref>

Der 1689 abgerissene Torturm wurde kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert beim Bau der [[Nibelungenbrücke Worms|Ernst-Ludwig-Brücke]] Vorbild für deren linksrheinischen (heute noch erhaltenen) Brückenturm.<ref> Reuter in Bönnen (Hg.): ''Der Sprung'', S. 520; Ehrismann in Bönnen (Hg.): ''Worms und das ‚Nibelungenlied‘'', S. 838. </ref><ref group="Anm."> Nach Hotz, Juni 1982, S. 8, soll die Mainzer Pforte sogar Vorbild für beide Brückentürme gewesen sein. </ref>

=== Vier Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgen vier Türme unbekannter Bezeichnung, mit den ungefähren Positionen: nahe der Mainzer Straße, Einmündung der Bergadistraße in den Liebfrauenring Liebfrauenring 21 und nördlich der Liebfrauenkirche.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63f. </ref> Vor Letzterem lag der Liebfrauenbuckel, die nordöstlichste Bastion der äußeren Mauer. Nach dem Stadtplan von Peter Hamman, der die Stadt vor ihrer Zerstörung 1689 darstellt<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref>, hatten alle Türme zweistöckige Flügelbauten an jeder Seite, parallel zur Mauer. Keiner der Türme ist erhalten.

=== Neuturm ===
[[Datei:60 A Mü Neuturm.jpg|mini|links|Neuturm bei Sebastian Münster (ca. 1550)]]
[[Datei:60 A HE Neuturm.jpg|mini|Neuturm von Peter Hamman (ca. 1630)]]

Der Turm ragte in den Rhein<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62. </ref>, in einem Bereich des [[Hafen Worms|Sicherheitshafens]], in dem heute ein Großsilo die Wormser [[Umriss|Stadtsilhouette]] ziert.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44. </ref>

Er soll der erste Turm der äußeren Befestigung gewesen sein, der erbaut wurde – die Bauzeit ist aber nicht belegt. Das älteste erhaltene schriftliche Zeugnis zu dem Turm stammt von 1368. Der Turm schützte die benachbarte Goldene Pforte und den vorgelagerten [[Hafenkran]].<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5. </ref>

Der Neuturm war – nach allen erhaltenen Darstellungen – ein besonders imposanter Turm, der die Nordostecke der äußeren Mauer überragte.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5. </ref> Er stand auf einem besonders befestigten Podest.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62. </ref> Der Turm wies sechs gewölbte Stockwerke mit je zwei kleinen rechteckigen Fenstern zum Rhein in den oberen Stockwerken auf. In Höhe des Mauerabschlusses umlief den Turm ein vorkragender Gang.

Geschmückt war der Neuturm mit einem Zinnenkranz über einem Bogenfries und einem hohen, pyramidenförmigen Dach, umgeben von vier achteckigen Ecktürmchen mit spitzen [[Turmhelm]]en.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5. </ref> Auf der Darstellung von Peter Hamman war er flussseitig mit einem [[Maria (Mutter Jesu)|Marienbild]] geschmückt, auf der Darstellung von Sebastian Münster ist es ein [[Ritter]]. Der prächtige Turm galt als „der Stolz der Stadt“.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 59. </ref>

Der Turm wurde von den französischen Besatzern 1689 zerstört, wozu 30 [[Mine (Waffe)|Sprengminen]] erforderlich waren.<ref> Hotz, Juli 1982, S. 21. </ref> Die verbliebene Ruine wurde aber erst beim Bau des Hafens 1893 beseitigt.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62; Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 14. </ref>

Der Neuturm war namensgebend für die Neuturmstraße.<ref> Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen'', S. 18. </ref>

=== Goldene Pforte ===
[[Datei:61 A Me Goldene Pforte.jpg|mini|Doch eher bescheiden: ''Die Goldene Pforte'']]

Die „Gültenpforte“ lag unmittelbar südlich des Neuturms. Sie soll ihren Namen vielleicht wegen einer besonders reichen Ausschmückung getragen haben.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref> Allerdings handelte es sich nach allen erhaltenen historischen Abbildungen um ein äußerst einfach gestaltetes Tor ohne jeden Schmuck.<ref> Vgl.: Münster: ''Cosmographia''; Merian: ''Topographia''; Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben'', ''Ansicht der Stadt Worms im Zustand vor 1689 von Osten (Rheinfront)''. </ref> Weit verbreitet findet sich in der Literatur, dass sie dem repräsentativen Empfang auf dem Rhein anreisender hoher Gäste diente.<ref> Für alle: Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 14. </ref> Einziges, dafür aber immer wieder angeführtes Beispiel ist die Ankunft von Kaiserin [[Bianca Maria Sforza|Bianca Maria]]<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63, spricht von „Maria Blanca“. </ref>, Ehefrau Kaiser [[Maximilian I. (HRR)|Maximilian I.]] Die Güldene Pforte wurde 1719 zugemauert.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63, Anm. 58. </ref>

=== Zwei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgen zwei weitere Türme im Verlauf der Mauer. Der nördliche lag im Gelände des heutigen [[Hafen Worms|Hafenbahnhofs]] und war ein Rundturm, wie die meisten kleineren Türme des Außenrings. Bei Sebastian Münster<ref> Münster: ''Cosmographia''. </ref>, also um 1550, bei Braun / Novellanus / Hogenberg: ''Beschreibung''.<ref> Braun / Novellanus / Hogenberg: ''Beschreibung''. </ref>, vor 1574, und ebenso bei [[Matthäus Merian]]<ref> Merian: ''Topographia''. </ref>, also um 1650, wird der nördliche der beiden Türme als Ruine oder unvollendet dargestellt. Er steht nur etwa bis zur Höhe der Mauerkrone und hat kein Dach. Der südliche stand etwa im Bereich der Einmündung der Friedensstraße in die Hafenstraße und war – im Gegensatz zu den meisten anderen Türmen der Außenmauer – viereckig.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62. </ref> Nach dem Stadtplan von Peter Hamman, der die Stadt vor ihrer Zerstörung 1689 darstellt<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref>, hatte er zweistöckige Flügelbauten an jeder Seite, parallel zur Mauer. Die Türme sind nicht erhalten.

=== Gänspforte ===
[[Datei:70 A Hg Gänspforte.jpg|mini|links|Gänspforte]]

Die Gänspforte lag an der Einmündung der Friesenstraße (ehemals: Fischergasse) in den Berliner Ring. Sie diente dazu, Vieh auf die vor der Mauer liegenden Weiden zu treiben.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62. </ref> Alle Darstellungen vor Peter Hamman<ref> Münster: ''Cosmographia''; Merian: ''Topographia''; Braun / Novellanus / Hogenberg: ''Beschreibung''. </ref> zeigen ein Tor mit Durchlass in Ost-West-Richtung. Peter Hamman<ref> Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Norden''; Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref> dagegen zeigt ein um 90 Grad gedrehtes Torgebäude mit einem Durchgang in Nord-Süd-Richtung. Ob hier zwischenzeitlich ein Umbau stattfand oder Peter Hamman einem Irrtum aufsaß, muss dahingestellt bleiben.

=== Zwei Türme unbekannter Bezeichnung ===
Es folgten zwei weitere Türme unbekannter Bezeichnung. Einer stand vor dem heutigen Haus Nibelungenring 27, der andere an der Ecke der heutigen Wallstraße / Berliner Straße.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62, 64. </ref>

Die Ansicht von Sebastian Münster aus der Zeit um 1550 zeigt in diesem Mauerabschnitt nur einen Turm mit viereckigem Grundriss.<ref> Münster: ''Cosmographia''. </ref> Braun / Novellanus / Hogenberg: ''Beschreibung'', zeigt in diesem Mauerabschnitt überhaupt keinen Turm.<ref> Braun / Novellanus / Hogenberg: ''Beschreibung''. </ref> Der Plan von Peter Hamman, der die Stadt vor ihrer Zerstörung 1689 darstellt<ref> Hamman: ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. </ref>, zeigt zwei im Grundriss viereckige Türme. In seiner Zeichnung der Rheinfront der Stadt Worms<ref> Hamman: ''Ansicht der Stadt Worms im Zustand vor 1689 von Osten (Rheinfront)''. </ref> ist dagegen der Turm vor dem Haus Nibelungenring 27 als kleiner Rundturm dargestellt. Von dieser Darstellung gehen die meisten Autoren aus.<ref> Das beruht wahrscheinlich auf der Umzeichnung von Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64, die auch noch in anderen Veröffentlichungen verwendet wird (vgl. etwa: Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 28f). </ref> Die Türme sind nicht erhalten.

=== Grabendurchlass ===
Unmittelbar bevor die äußere Mauer beim ''Kopsort'', dem nordöstlichen Eckturm der inneren Stadtbefestigung, wieder an die innere Mauer anschloss, wies sie noch einen Durchlass für den vor der inneren Mauer entlangführenden Graben auf.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62. </ref>

=== Vorgelagerte Bastionen ===
[[Datei:56 A Hv Rundturm 4 östl MZer Tor - Bastion Liebfrauenbuckel.jpg|mini|Bastion Liebfrauenbuckel (Anfang 17. Jahrhundert)]]

Im 16. Jahrhundert wurde die äußere Mauer mit 11 [[Bastion]]en verstärkt. Das war die Reaktion auf eine stärker werdende Artillerie.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 15. </ref> Es handelte sich um Wälle, die im [[Rechter Winkel|rechten Winkel]] aus der Mauer hervorsprangen. Feindseitig wiesen sie überwiegend zwei ebenfalls rechtwinklig zueinander gestellte Wälle ([[Fachbegriffe Festungsbau #F|Facen]]) auf, die eingezogene rückwärtige Kehle war – bis auf drei – mit einem der Tore oder einem Turm besetzt.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64. </ref> Im Uhrzeigersinn, von Süd nach Nord waren das die Bastionen:
# Nideck vor dem Aulturm, eine Viereckschanze<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7; Reuter: ''Peter und Johann Friedrich Hamman'', S. 27. </ref>
# Bastion zwischen dem Aulturm und der Neuen Speyerer Pforte<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64f. </ref> (ohne Turm)
# Alte Speyerer Pforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# Michaelspforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# Eine unbezeichnete Bastion, direkt vor dem Turm Luginsland der inneren Mauer<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218. </ref> (ohne Turm)
# Äußere Andreaspforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# Bastion südlich der Neupforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7; Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 218. </ref>
# Bastion östlich der Neuhauser Pforte<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 64. </ref> (ohne Turm)
# Mainzer Pforte<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7. </ref>
# Liebfrauenbuckel, die nordöstlichste Bastion der äußeren Mauer. In Ihrer Mitte stand ehemals ein runder Turm.<ref> Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref> Die Bastion ist heute die einzige, die sich noch im Gelände, nördlich der Straße „Liebfrauenring“, im Weingarten des [[Wilhelm Valckenberg (Politiker, 1790)#Karriere|Weingutes Valckenberg]], abzeichnet.<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 44; Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 63. </ref>
# Neuturm, eine viereckige Bastion neben dem Turm<ref> Hotz, Juni 1982, S. 7; Reuter: ''Peter und Johann Friedrich Hamman'', S. 27. </ref>

== Weitere Befestigungs- und Verteidigungsanlagen ==
Das südlich, vor den Toren der Stadt gelegene [[Kloster]] Nonnenmünster wurde Mitte des 13. Jahrhunderts städtischerseits befestigt, eine Maßnahme, die allerdings Teil eines politischen Streits innerhalb der Stadt zwischen der bürgerlichen Obrigkeit und einer gegen sie gerichteten, zunftähnlich organisierten Handwerkerschaft, war. Die Befestigung musste deshalb wieder abgetragen werden.<ref> Bönnen, in: Bönnen (Hg.): ''Zwischen Bischof'', S. 202. </ref>

Die Stadt Worms war in der Lage Kriegsschiffe auszurüsten. Der überwiegende Teil der Belege dazu stammt aus dem 13. Jahrhundert und bezieht sich auf auswärtige Kriegsfahrten.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 58. </ref> Die Schiffe konnten aber auch zur Verteidigung bei einem Angriff vom Rhein her eingesetzt werden.<ref> Isele: ''Das Wehrwesen'', S. 59. </ref>

== Wissenswert ==
[[Datei:Spielplatz Herta-Mansbacher-Anlage 1.jpg|mini|Die Stadtmauer als Spielgerät auf dem Spielplatz ''Herta-Mansbacher-Anlage'']]

* Die erhaltenen Teile der Stadtbefestigung von Worms sind [[Kulturdenkmal|Kulturdenkmäler]] aufgrund des [[Denkmalschutzgesetz (Rheinland-Pfalz)|Denkmalschutzgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz]].<ref> Spille: ''Denkmaltopographie'', S. 40–45. </ref>
* Vor der Zerstörung von 1689 haben französische Offiziere die Mauer vermessen und Pläne angefertigt, die heute noch in Paris aufbewahrt werden sollen.<ref> Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang'', S. 5. </ref> Weitere Unterlagen zur Wormser Befestigung werden im Kriegsarchiv in Stockholm vermutet.<ref> Hotz, Juni 1982, S. 5 </ref>
* In der ''Herta-Mansbacher-Anlage'' ist auf einem [[Spielplatz]] die Stadtmauer mit ihren acht Toren verkleinert als Spielgerät nachgebaut. Damit wird versucht, Kindern die Struktur der inneren Stadtmauer zu vermitteln.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 18. </ref> Die „Tore“ sind dort allerdings als [[Schalenturm|Schalentürme]] erstellt, was die Originale nie waren.
* In den 1990er Jahren gab es ein „Stadtmauerfest“.<ref> Grün: ''Die Stadtmauer'', S. 2. </ref>

== Quellen ==
[[Datei:Pflasterung Stadtmauer Wollstraße Worms.jpg|mini|Pflasterung des Verlaufs der Stadtmauer in der Wollstraße]]

=== Literatur ===
<small> nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet </small>
* KH. (= Karl Heinz Armknecht<ref group="Anm."> Vgl.: Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 62, Anm. 53. </ref>): ''Die Martinspforte''. In: Wormser Monatsspiegel vom Dezember 1968, S. 25f.
* KH. (= Karl Heinz Armknecht<ref group="Anm."> Vgl.: Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern'', S. 59, Anm. 32. </ref>): ''Der Neidturm''. In: Wormser Monatsspiegel vom Dezember 1970, S. 4f.
* Karl Heinz Armknecht: ''Die Wormser Stadtmauern''. In: [[Der Wormsgau]] 9 (1970/1971), S. 54–65.
* [[Gerold Bönnen]] (Hg.): ''Geschichte der Stadt Worms''. Theiss, Stuttgart 2005. ISBN 3-8062-1679-7, darin:
** Gerold Bönnen: ''Die Blütezeit des hohen Mittelalters: Von Bischof Buchard zum Rheinischen Bund (1000–1254)'', S. 133–179.
** Gerold Bönnen: ''Zwischen Bischof, Reich und Kurpfalz: Worms im späten Mittelalter (1254–1521)'', S. 193–261.
** Gerold Bönnen und Joachim Kemper: ''Das geistliche Worms: Stifte, Klöster, Pfarreien und Hospitäler bis zur Reformation'', S. 691–734.
** Otfried Ehrismann: ''Worms und das ‚Nibelungenlied‘'', S. 824–849.
** [[Mathilde Grünewald]]: ''Worms von der vorgeschichtlichen Epoche bis in die Karolingerzeit'', S. 44–101.
** Thomas Kohl und [[Franz Josef Felten]]: ''Worms – Stadt und Region im frühen Mittelalter von 600–1000'', S. 102–132.
** Gunter Mahlerwein: ''Die Reichsstadt Worms im 17. Und 18. Jahrhundert'', S. 291–352.
** [[Fritz Reuter (Historiker)|Fritz Reuter]]: ''Zwischen Reaktion und hessischer Städteordnung (1852–1874)'', S. 441–478.
** Fritz Reuter: ''Der Sprung in die Moderne: Das „Neue Worms“ (1874–1914)'', S. 479–544.
** Fritz Reuter: ''Warmasia – das jüdische Worms. Von den Anfängen bis zum jüdischen Museum des Isidor Kiefer (1924)'', S. 664–690.
** Irene Spille und Otto Böcher: ''Baugeschichte und Baudenkmäler'', S. 735–792.
* Hellmuth Gensicke: ''Beiträge zur Wormser Stadtbeschreibung des Hochmittelalters''. In: Der Wormsgau 3 (1951–1958), S. 49–63.
* Wolfgang Grün: ''Die Stadtmauer von Worms''. [[Stadtarchiv Worms]], Worms 1998. ISBN 3-00-002765-3
* Wolfgang Grün: ''Wehrhaftes Worms. 5. Die Stadtmauer: Denkmal, Dokument, Maßstab. 1) Alte Mauer – neue Stadt''. In: Wormser Monatsspiegel vom August 1982, S. 5–8. [zitiert: Grün, August 1982]
* Wolfgang Grün: ''Wehrhaftes Worms. 5. Die Stadtmauer: Denkmal, Dokument, Maßstab. 2) Erneuerungsmaßnahmen – ein bürgerschaftliches Bekenntnis in Worms''. In: Wormser Monatsspiegel vom September 1982, S. 53–57. [zitiert: Grün, September 1982]
* Mathilde Grünewald: ''Die neuen Daten der inneren Wormser Stadtmauer und der östlichen Stadterweiterung''. In: [[Stadtarchiv Worms]] (Hg.): ''Festschrift für Fritz Reuter zum 60. Geburtstag''. Worms 1990. Ohne durchgehende Seitenzählung. Ohne ISBN.
* Mathilde Grünewald: ''Neue Thesen zu den Wormser Stadtmauern''. In: [[Mannheimer Geschichtsblätter]] NF 8 (2001), S. 11–44.
* Mathilde Grünewald: ''Spätrömisches Worms. Grabungen an der Stiftskirche St. Paul in Worms (III.)''. In: Der Wormsgau 20 (2001) [Sonderdruck mit eigener Seitenzählung], S. 7–25.
* Mathilde Grünewald: ''Unter dem Pflaster von Worms. Archäologie in der Stadt''. Josef Fink, Lindenberg 2012. ISBN 978-3-89870-754-1
* Walter Hotz: ''Wehrhaftes Worms. 4. Kunstgeschichte der Stadtbefestigung. 1.) Von der Römerzeit bis zu den Hohenstaufen''. In: Wormser Monatsspiegel vom Mai 1982, S. 5–12. [zitiert: Hotz, Mai 1982]
* Walter Hotz: ''Wehrhaftes Worms. Kunstgeschichte der Stadtbefestigung. 2) Türme und Tore der Spätgotik und der Renaissance''. In: Wormser Monatsspiegel vom Juni 1982, S. 5–11. [zitiert: Hotz, Juni 1982]
* Walter Hotz: ''Wehrhaftes Worms. Kunstgeschichte der Stadtbefestigung. 5) Zerstörung, barocke Wiederherstellung und Niedergang''. In: Wormser Monatsspiegel vom Juli 1982, S. 19–24. [zitiert: Hotz, Juli 1982]
* Friedrich M. Illert: ''Vor dem Ende der wehrhaften Stadtbefestigung''. In: Der Wormsgau 2 (1941), S. 312f.
* Heribert Isele: ''Das Wehrwesen der Stadt Worms von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts''. Masch. Diss. Heidelberg [1951?].
* Monika Porsche: ''Stadtmauer und Stadtentstehung. Untersuchungen zur frühen Stadtbefestigung im mittelalterlichen deutschen Reich''. Wesselkamp, Hertingen 2000. ISBN 3-930327-07-4
* Fritz Reuter: ''Peter und Johann Friedrich Hamman. Handzeichnungen von Worms vor und nach der Stadtzerstörung 1689 im „Pfälzischen Erbfolgekrieg“''.Besseler, Worms 1989. ISBN 3-925518-05-3
* Fritz Reuter: ''Stadtmauern und Wehrtürme im Wandel der Zeiten''. In: Wormser Monatsspiegel vom Februar 1982, S. 5–7.
* Fritz Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 2. Staufermauer und spätmittelalterlicher Ausbau''. In: Wormser Monatsspiegel vom März 1982, S. 5–8.
* Fritz Reuter: ''Wehrhaftes Worms. 3. Türme, Mauern und Wehrgang''. In: Wormser Monatsspiegel vom April 1982, S. 5–8.
* Erich Schwan: ''Die Straßen- und Gassennamen im mittelalterlichen Worms'' = Der Wormsgau. Beiheft 1. Stadtbibliothek, Worms 1936.
* Irene Spille: ''[[Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland]]. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz.'' Band 10 (Stadt Worms). [[Wernersche Verlagsgesellschaft]], Worms 1992, ISBN 978-3-88462-084-7
* Olaf Wagener und Aquilante de Filippo: ''Die Wormser Stadtmauer – Neue Erkenntnisse zu Datierung und Entwicklung sowie Bericht über die Bauforschung an der Stadtmauer im Bereich des Andreasstifts''. In: Der Wormsgau 30 (2013), S. 19–57.

=== Historische Abbildungen ===
[[Datei:Braun Worms HAAB.jpg|mini|600px|Stadtansicht aus Braun, Novellanus und Hogenberg: ''Beschreibung und Contrafactur der vornembster Stät der Welt'', 1574]]

<small> nach Erscheinungsjahr geordnet </small>
* [[Sebastian Münster]]: ''[[Cosmographia (Sebastian Münster)|Cosmographey]]''. Hencicpetrina, Basel 1572, S. DCXCIII–DCXCVI. [Darstellung von Worms von der Ost-, also der Rheinseite gesehen, um 1550<ref> Eugen Kranzbühler: ''Verschwundene Wormser Bauten. Beiträge zur Baugeschichte und Topographie der Stadt''. Kräuter’sche Buchhandlung, Worms 1905, Tafel vor S. V; Stadtarchiv Worms: Abt. 217 Nr. 1478. </ref>].
* Georg Braun, Simon Novellanus und Franz Hogenberg: ''Beschreibung und Contrafactur der vornembster Stät der Welt''. Heinrich von Ach, Köln 1574. Tafel zwischen den Seiten 35 und 36. Stadtarchiv Worms: Abt. 214 Nr. 1499.
* [[Matthäus Merian]]: ''Topographia Palatinus Rheni et Vicinarum Regionum''. Hoffmann, Frankfurt 1645, Tafel zwischen S. 96 u. 97. Stadtarchiv Worms: Abt. 217 Nr. 1495.
* Anonym: Festungsplan der Stadt Worms. Ansicht von Norden. Gezeichnet 1622 für den oberrheinischen Feldzug des Grafen [[Ernst von Mansfeld]]<ref> Hotz, Juli 1982, S. 19. </ref>
* [[Peter Hamman (Worms)|Peter Hamman]], 1690–1692:
** ''Statt Wormbß wie selbige 1631 vor dem Schwedischen Ruin der Vorstätt'' [...] ''verblieben''. (Federzeichnung). Frankfurt am Main, 1691.<ref> [[Stadtarchiv Worms]], Abt. 1B, Nr. 48. </ref>
** [''Ansicht der Stadt Worms im Zustand vor 1689 von Osten (Rheinfront)''] (Federzeichnung). Frankfurt am Main, 1691.<ref> Stadtarchiv Worms, Abt. 1B, Nr. 48. </ref>
** [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Süden'']<ref> Stadtarchiv Worms, Abt. 1B, Nr. 48. </ref>
** [''Ansicht der Stadt Worms nach der Zerstörung 1689 von Norden'']<ref> Stadtarchiv Worms, Abt. 1B, Nr. 48. </ref>
** Einzelzeichnungen von Martinspforte, Pfauenpforte, Mainzer Tor und Neuturm.

== Anmerkungen ==
<references group="Anm." />

== Einzelnachweise ==
<references responsive />

[[Kategorie:Stadtbefestigung in Deutschland|Worms]]
[[Kategorie:Bauwerk in Worms]]
[[Kategorie:Kulturdenkmal in Worms]]