Difference between revisions 1994453 and 1994465 on dewikisource{{LineCenterSize|100|23|Der}} {{LineCenterSize|160|23|'''KUNSTVEREIN.'''}} {{Linie}} {{LineCenterSize|100|23|NEUE SERIE:}} {{LineCenterSize|110|23|''Stahlstich-Sammlung der vorzüglichsten Gemälde''}} {{LineCenterSize|90|23|der}} {{LineCenterSize|140|23|DRESDENER GALLERIE.}} (contracted; show full)seine Entschließungen zu vernichten. Pater Giuseppe ward im Jesuitencollegium geheilt und reisete still nach Rom zurück. Gabriel Ricci ging nach Malta, um bis zum Comthur der Johanniter-Ritter unter Kämpfen gegen die Barbaresken und Türken sich aufzuschwingen. Die Regierung des kurfürstlichen Paares aber, von keinem widrigen Zufalle mehr getrübt, rief von jetzt an den Aufschwung der Residenz Düsseldorf sowohl wie des ganzen Landes hervor, und ward noch lange nachher vom Volke mit Segenswünschen genannt. ==13. Heft.== === Die Hochzeit zu Cana. Von Paul Veronese (Cagliari).=== [[File:Gemäldegalerie Alte Meister (Dresden) Galeriewerk Payne 033.jpg|700px|center]] Die Bilder dieses großen Meisters, welchem wir später wieder begegnen werden, zeichnen sich durch eine so reiche, lebendige und zwanglose Gruppirung aus, wie sie nur wenige Maler zu schaffen verstanden und verstehen. Eins der Gemälde dieses Italieners, das diese Kunst desselben in schöner Vollendung zeigt, ist das Gastmahl bei der, in der Bibel mit lieblicher, gläubiger Naivetät geschilderten Hochzeit zu Cana in Galiläa. Mit gleicher Gläubigkeit und Anmuth gelang es dem Künstler, die Scene des Weinwunders zu malen. Die Composition, in großem, umfassenden Stile und dennoch in vollkommen harmonischer Weise, ohne die geringste Härte und Eckigkeit, entworfen, ist in der Gruppirung der Figuren voll und reich, und doch klar und von jeder Verwirrung entfernt. Die charakteristische Mannigfaltigkeit der ideal gehaltenen Köpfe zeugt für den geistigen Reichthum des Künstlers. Die Bestimmung des Ausdrucks, des Zweifels, der erlangten Ueberzeugung, des Erstaunens und Verwunderns, der Ehrfurcht und Achtung, womit die Hochzeitsgäste das Wunder der Verwandlung des Wassers in Wein aufnahmen, ist dann so fein als schlagend, und überhebt uns eines weiteren Commentars zu der Scene. Ebenfalls beweist der Meister durch das mannigfache Costüm seiner Figuren seine blühende Phantasie, obgleich dasselbe bei der Mehrzahl der Personen keinen Anspruch auf die historische Treue machen kann, welche etwa Leonardo da Vinci in seinem Abendmahlsbilde auf so unübertreffliche Weise mit den höchsten Anforderungen der Kunst hinsichtlich der Gewandung zu vereinigen gewußt hat. ---- ===Niederländische Dorfschenke. Von David Teniers dem Jüngern.=== [[File:Gemäldegalerie Alte Meister (Dresden) Galeriewerk Payne 034.jpg|600px|center]] Der Name Teniers ist einer der ausgezeichnetsten in der Geschichte niederländischer Kunst. Es giebt zwei Maler dieses Namens, Vater und Sohn. David Teniers der Aeltere wird gewöhnlich zum Unterschiede von seinem, ihn weit überragenden Sohne, David Teniers dem Jüngeren, <tt> „il Bassano“ </tt> genannt. Er konnte nämlich den italienischen Meister Chiacomo Ponte, mit dem Beinamen: Bassano, in Stil und Manier täuschend nachahmen. David Teniers d. J. ward 1610 zu Antwerpen geboren und starb als Director der Antwerpener Kunstacademie im Jahre 1690 zu Brüssel. Von seinem Vater vorgebildet, ward er später ein Schüler von Peter Paul Rubens und verfolgte eine Zeitlang die von diesem gewaltigen Meister als unterscheidendes Zeichen der neueren flamändischen Malerschule eingeschlagene historische und kirchliche Richtung. In mehren hieher gehörigen Stücken zeigte Teniers, daß seine Phantasie eines bedeutenden Aufschwunges fähig war; im Ganzen aber blieb er in idealen oder gar heiligen Gegenständen schwach; ebenso sind seine See- und Thierstücke mangelhaft, nicht selten mißlungen. Im Genrebilde ist Teniers dagegen der größte flamändische Meister. Er wendet sich hier der vollen Wirklichkeit zu, die er fast portraitartig auffaßt. Er malt das Leben und Weben des Volks, Wirthshaus- und Wachtstuben-Scenen, Bauergesellschaften, Dorffeste. In seinen effectreichen Situationen und im leichten, natürlichen Colorit ausgezeichnet, steht er fast einzig da durch den köstlichen Humor und die unwiderstehliche, breite Komik, welche aus seinen Schöpfungen sprechen. Hier ist David Teniers auf seiner höchsten Höhe. Der Erzherzog Leopold von Oesterreich, welcher den Meister zu seinem ersten Kammerdiener ernannte, wies ihn durch seine Aufträge ausschließlich auf diese Darstellungen aus dem Leben der niedern Classen hin. Teniers begann seine Studien, indeß er die Urbilder seiner Schöpfungen selbst aufsuchte, obwohl er, dem Cynismus Rembrandts fremd, an diesem Volksleben nicht persönlich sich betheiligte, sondern eben nur den Beobachter machte. Auf einer solchen Wanderung belauschen wir den genialen Künstler. Er schlendert aus dem altehrwürdigen Antwerpen hinaus, einem Dorfe an der Scheide zu, und begiebt sich in die Stube der Schenke, die ihm schon manche originelle Gestalt geliefert hat. Auch heute fehlen dergleichen nicht. Von dem alten, triefäugigen, zahnlosen Ohm (Onkel) vom Hause bedient, sitzen vorn in dem gewölbten Schenkzimmer vier Gäste an einem rohen Eichentische. Sie sind in eine so wichtige Angelegenheit vertieft, daß sie weder von dem Wirthe, der Wirthin, noch von einigen Gästen, die sich in der Küche im Hintergrunde des Zimmers zu schaffen machen, Notiz nehmen. Es bedarf nur einer Minute, um aus dem Gespräche dieser vier Menschen zu erfahren, wer sie sind, wie sie heißen, und was sie so eifrig mit einander verhandeln. Rechts am Tische saß ein alter Scheldeschiffer, mit einem abgelebten, hohen Hute auf dem Kopfe; ein entschlossenes Gesicht von einem struppigen, ganzen Barte beschattet. Wie eine Kriegswaffe hatte er seine gebräunte Thonpfeife und den Tabaksbeutel am Gurt hängen. Diesen Mann nannten die Uebrigen Ian van Bierlieb. An der andern Seite des Tisches saß der Sohn des alten Schiffers, ein etwa zweiunddreißigjähriger kräftiger Mann mit offenen Zügen. Er trug die altniederländische Jacke ohne Aermel und eine, den alten Doctorbaretts ähnliche Kopfbedeckung. Dieser hieß Willem. Vergebens sucht der Sohn dem Vater die Erlaubniß abzudringen, das schönste aber auch ärmste Mädchen im Dorfe zu heirathen. Der Vater eben dieser Braut, Mynheer Taaks, hatte dem Schiffer gegenüber Platz genommen. Er war ein sanftmüthig blickender Mann mit langem, braunen Haar. Bald hätten wir den vierten Gast nicht erwähnt, welcher zwischen Vater und Sohn sichtbar wurde; Isak, ein bärtiger Sohn Israels, war’s, der Unterhändler bei der Werbung. Er hatte versprochen, der armen Katherina den Brautschatz vorzuschießen, wenn ihn Willem als seine Schuld anerkenne. – Alle Drei aber hatten es darauf abgesehen, den Schiffer zu ihrem Willen zu bewegen. Ich gebe meiner Katherina zweitausend Goldgülden! rief Taaks. <tt>Je well! </tt> Ich habe Geld geerbt. – Ich sage doch nicht: Ja! erwiderte Jan van Bierlieb. – Was hast Du denn an dem Mädchen auszusetzen? – Gar nichts! antwortete der Schiffer. Sie gefällt mir, wenn sie Geld besitzt. Aber Mynheer Taaks, Dich mag ich nicht, weil Du kein Bier trinken kannst. Glaubst Du, ich will einen Verwandten, über den ich mich Zeit meines Lebens ärgern muß, statt mit ihm zu zechen? Isak winkte mit den Augen. – O, sagte Taaks, ich kann sehr wohl trinken und mehr als Ihr, Mynheer . . . – Das möcht’ ich sehen! sprach der Schiffer staunend. – Aber ich trinke nur auf besondre Veranlassung! Bekommt meine Tochter Euren Sohn, wenn ich zechen kann? – Wer weiß, was Mynheer Taaks zechen nennt! rief Jan sehr aufgeregt. Aber Eins will ich mit Dir eingehen. Kannst Du nur einen Schoppen Bier mehr trinken, als ich, so bist Du ein braver Mann, der morgen schon Katherina in mein Haus bringen mag. Zu Isak flüsterte der Alte aber: Taaks wird unter den Tisch kommen; das ist allein hundert Gülden werth. Der Wirth brachte Bier und Kreide. Die Zecher leerten eifrig die Gläser und merkten sich jedes geleerte Glas mit einem Kreidestrich auf dem Tische an. Endlich blickte der alte Schiffer den Mynheer Taaks, welcher höchst angenehm und selig lächelte, aber längst zu trinken aufgehört hatte, siegreich an. – Der Kampf ist zu Ende! rief Jan. Ich kann nichts mehr trinken. Wir wollen die Gläser zählen. – O, Mynheer, ich habe die meisten Striche! lallte Taaks. Jan stand sehr beleidigt auf, beugte sich über den Tisch und verglich mühsam seine Kreidestriche mit denen des Gegners. – Welche Hexerei ist das? sagte der Schiffer die Hand ballend. Du machtest keinen Strich zu viel, ich hab’ genau aufgemerkt, und ich sicherlich keinen zu wenig, und doch hast Du zwei Gläser mehr getrunken als ich, dem’s Niemand im Biertrinken gleich thut? Willem, der Sohn, sah zum Scheine die Striche nach, während der, den Scherz errathende, alte Ohm höchst vergnügt über seine Schulter schaute. Der joviale, bärtige Isak aber, welcher seine rechte Hand auf Willems Schulter gelegt hatte, blickte den alten Schiffer in seinem komischen Zorne ironisch und überlegen an. Isak hatte heimlich die Striche des Schiffers, so wie sie hingezeichnet waren, gewissenhaft weggewischt. Jan rief den Wirth zum Zeugen. Dieser nahm die Kreide, ging nach dem Thürpfosten und fing an zu rechnen. Aber der Schalk war in’s Complot gezogen und band die Lüge, welche man dem alten, hartnäckigen Bootsmann aufgeheftet, durch seine Beredtsamkeit vollends auf seinem Rücken fest. Jan van Bierlieb mußte, getreu seinem Wort, die Segel streichen. – Fünf Minuten später waren Willem und die schöne Katherina verlobt und einige Augenblicke darauf wanderte David Teniers, in heiterster Stimmung, nach Antwerpen zurück. Der Meister trägt in seiner Mappe die Skizze eines seiner reizendsten Gemälde . . . Das Original unsers Blattes ziert die königliche Gemäldegallerie in Dresden. ---- ===Die Kinder Karls I. in England. Von Van Dyk. Van Dyk in London.=== [[File:Gemäldegalerie Alte Meister (Dresden) Galeriewerk Payne 035.jpg|600px|center]] Anton van Dyk, der Fürst aller Portraitmaler, befand sich, vom Könige Karl I. berufen, in London und in der herrlichen Sommerwohnung, welche er der Munificenz seines erlauchten Gönners dankte. Es war in den Abendstunden. Den Maler sehen wir in einem weiten, aufs prächtigste und geschmackvollste geschmückten Saale. Van Dyk, ein schlanker, schöner Mann, ist noch jung, noch nicht an der Mitte der dreißiger Jahre; dennoch besitzen seine Wangen keine Blüthenfrische mehr; sein ausdrucksvolles, großes Auge blickt heiß und matt und die Stirn ist düster gefaltet. Van Dyks Anzug war bequem, reich, aber sehr nachlässig angelegt; sein schönes Haar war ungeordnet. Der ganze Ausdruck dieses edlen Kopfes, dieser schönen Gestalt war melancholisch niedergeschlagen; der Meister schien mit sich und der Welt höchst unzufrieden, er hatte das Ansehen, als sei er mit seinem eignen Innern und mit seiner ganzen Umgebung vollständig zerfallen. Ihn schien das Leben, welches dem Auserwählten mit Tausenden von Reizen geschmückt, lockend anlächelte, mit Widerwillen zu erfüllen. Das machte, Anton van Dyk, der leidenschaftliche Künstler mit dem glühenden, romantischen Innern, war übersättigt. Unzufrieden, fast gramvoll streckte er sich auf den Kissen seines Ruhebettes aus und maß zwei Herren, welche neben demselben standen, mit finsteren Blicken. Diese Männer waren Digby, der genaue Freund des Malers und sein Gönner, der Herzog von Buckingham. Digby war ein blasser, hoher, ernster Mann, nur wenig älter, als van Dyk, er war in dunkelfarbigem Kleide und erschien eben so einfach als edel. Der Herzog von Buckingham war so glänzend angezogen, als sollte er unmittelbar darauf das Parquet der königlichen Prachtzimmer betreten. Buckingham war ein ältlicher Herr von aristokratischer Haltung mit stolzen, fast herrischen Manieren. – Ich lade Euch, Meister van DyK, sagte der Herzog, fast heftig die Hand bewegend, in welcher er seinen, mit weißen Federn gezierten Hut hielt, feierlichst nach Whitehall zum König Karl ein. Er läßt Euch durch mich seines ausgezeichneten Wohlwollens versichern und bittet Euch, überzeugt zu sein, daß nichts diese gnädigen Gesinnungen ändern könne . . . – Sehr wohl! erwiderte van Dyk übellaunig. Ich kenne diese Gesinnungen der Engländer nur zu wohl. Ich hätte eigentlich nie vergessen sollen, wie man mich hier in London zum ersten Male empfing, dann würde ich neue Kränkungen nicht zu beklagen haben. Ich mag nichts sehen, nichts hören, edler Herzog, es ist mir Alles zuwider; England und die Engländer besonders, und König Karl und sein Hof am allermeisten. Ich werde nach Antwerpen reisen, um mich dort wenigstens ruhig zu Tode langweilen zu können. – Aber was verlangt Ihr denn, Meister? rief Buckingham heftig. Worüber beklagt Ihr Euch? Karl I. hat Euch, wie Ihr es verdient, mit Ehren überhäuft, dort liegt sein diamantengefaßtes Bildniß, welches er Euch schenkte; Ihr seid Ritter unsers besten Ordens, des Ordens vom Bade; über englische Knauserigkeit dürft Ihr doch wahrhaftig auch nicht jammern, denk ich! – Nur nicht so ruhmredig! rief van Dyk sich rasch aufrichtend. Ich habe England mit den Werken meiner Hand einen ewigen Schatz überliefert; die Gemälde, welche ich hier schuf, zählen nach Hunderten. Ich habe, um kein Geschenk, sondern verdiente Belohnung empfangen zu haben, mich überarbeitet, bin elend, erschöpft geworden, mein Herzog von Buckingham . . . und doch konnte mich König Karl, als ich vor drei Wochen um Privat-Audienz ersuchte, mich unter nichtigem Vorwande abweisen, mir sagen lassen, mir, ich möge am andern Tage kommen, gleich als sei ich sein Diener und kein freier Künstler, der alle Könige der Welt entbehren kann . . . – Mein Freund, rief jetzt Digby, jetzt, wo die republikanischen Puritaner, diese Rundköpfe, an dem Throne des Königs rütteln, wo die Gährung der Gemüther die unausgesetzteste Wachsamkeit des Königs erheischt, wo die Schotten sich zum Aufstande fertig machen, da solltest Du wohl entschuldigen, wenn das Wohl eines ganzen Reichs Deinen Angelegenheiten vorausgestellt wurde. – Der König war krank und leidend; versicherte Buckingham. Und in Wahrheit weiß Euer großer Freund, Digby, sehr wohl, daß er sich über Niemand in der Welt, als über sich selbst beklagen kann. Er ist die einzige Ursache seiner häßlichen Laune, die ihm All’ und Iedes in den widerwärtigsten Farben zeigt . . . – Ja, flüsterte van Dyk, wieder seine matte Haltung annehmend, ich sehe nur contrastirende Tinten . . . Grün und Hellroth, Hellblau und Grau, Schwarz und Braun . . . – Gut, van Dyk! rief Buckingham. Ich freue mich, Sir, daß wir, Digby und ich, Euch auf unsern Punkt gebracht haben. Wir wollen gestehen, daß wir nur kamen, um Euch beichten zu lassen. Van Dyk schüttelte fast betrübt den Kopf. – Ja, Anton; sagte Digby, fast zärtlich van Dyks zarte Künstler-Hand ergreifend und sie kräftig schüttelnd. Der Herr Herzog sagt die Wahrheit. Wir sehen Dich, wie Du nur noch matt mit dem Strudel ringst, in welchen Du Dich stürztest, in diesen Schwall von Vergnügungen und sinnlichen Genüssen, in welchem Du sicherlich untergehen wirst, wenn Du Dich nicht energisch und auf der Stelle aufrichtest. – Ah, meine Freunde, rief van Dyk, dessen gewöhnliche weichmüthige Stimmung wiederkehrte, laßt mich, laßt mich doch. Ich Hab’ Alles satt, ich bin müde zu leben. – Gott bewahre, Meister, lachte Buckingham, Ihr werdet erst zu leben beginnen, denn beim heiligen Kreuz, wir haben nichts Anderes im Sinne, als Euch zu – verheirathen. Euer Harem, Eure Mädchen, die Euch Modell stehen, schafft vor allen Dingen ab, höret auf, ferner durch schwelgerische Feste Euch zu entnerven, und Euer Vermögen, Eure Kräfte und Eure Gesundheit und mit dieser Euer – Genie zu verschleudern und zu verschwenden . . . und der erste Schritt ist auf der Bahn gethan, die wir Euch führen möchten. – Du hast neuen Lebensmuth nöthig, Freund, fuhr Digby fort. Du fühlst selbst, daß es vergebens ist, Dich durch Prunk und Ausschweifungen zu betäuben. Noch lebt das heilige Feuer der Kunst ungeschwächt in Deinem Busen; der Beweis ist, daß Du Dich ungeachtet Deiner Genüsse elend fühlst, weil Du, – Gott weiß in wie langer Zeit – keine Palette und keinen Pinsel in die Hand nahmst. Van Dyk ward wieder finster. – Bin ich denn ein Knabe? fragte er. Wer sagt Euch, daß Ihr mir Etwas bieten könnt, was ich nicht allein finde? Wer macht Euch so sicher, daß Eure Schätze für mich Werth haben, daß sie wohl gar noch die meinigen an Werth übertreffen? – Der Herzog von Buckingham griff in die Seitenbauschen seines Kleides und zog ein handgroßes, kostbar gefaßtes Medaillon aus dem Busen. – Betrachtet dies Bildniß, Meister! sagte er sanft aber siegreich lächelnd. Dann reden wir weiter. Das Gemälde ist freilich von keinem van Dyk; aber eine Göttin hat zu große Schönheit, als daß selbst einem ungeübten Pinsel alle ihre Reize entschlüpfen könnten. Der Maler bemächtigte sich des Medaillons und betrachtete dasselbe sehr aufmerksam. Bald aber glühte das vorhin fast erloschene Feuer in seinem Auge wieder auf; er faßte das Bildniß fester; seine Wangen rötheten sich und er fing an, unwillkürlich zwischen den Zähnen zu murmeln. Er war in die Betrachtung des Bildes so vertieft, daß er die Anwesenheit seiner Freunde völlig vergessen zu haben schien. Digby berührte seine Schulter sanft mit der Hand. – Wen, fragte der Maler, wie aus einem Traume erwachend, wen, meine Freunde, stellt dies Portrait dar? Ach, als ich einst das Fräulein van Malader<ref>Eine von van Dyks Geliebten.</ref> erblickte, da glaubte auch ich an Schönheit in der Wirklichkeit; seitdem meinte ich, daß sie nur in den Köpfen träumerischer Maler lebte . . . Aber dies Portrait . . . Dies sagt mir mit überraschender Wahrheit, daß hier die Schönheit der Dame, welche dasselbe darstellt, noch lange nicht erreicht wurde . . . Wer ist dies? . . . – Wollt Ihr nur ein wenig vernünftiger werden, Sir, erwiderte Buckingham; so ist diese Dame sicherlich das schönste Mädchen unserer drei Reiche, die Eurige . . . ist Eure Gattin; dafür stehe ich. Diese Dame, Meister, liebt Euch, merkt es wohl, sie liebt Euch . . . Es ist Maria Ruthven, die Tochter des schottischen Grasen von Göre. Wollt Ihr der Einladung des Königs folgen und sofort mit uns zu Hofe fahren, so werdet Ihr „Schön-Mary“ noch heute Abend sehen. In einem Augenblick war van Dyk aus seiner Apathie erwacht; er sprang auf und rief nach seinen Dienern. – Sachte, Sir! sprach Buckingham. Ihr werdet die Gräfin nicht im Hofsaale sehen, sondern Euch zu einem kleinen Kunstgriffe bequemen müssen. Sie ist nur in den Gemächern der Königin zu finden; denn ich, Maria’s Vormund, habe sie absichtlich von den Festen fern gehalten, habe ihr, um sie zu bewahren, jede ostentatiose, öffentliche Erscheinung untersagt. Die junge Gräfin Gore ist die Hofmeisterin des Prinzen Karl von Wales und seiner beiden Geschwister. Wollt Ihr Diejenige sehen, welche an dem glänzendsten Hofe der Welt das klösterliche Leben einer Nonne führt, so nehmt Euer Zeichnengeräth und begehrt, die königlichen Kinder abzubilden. Dann werdet Ihr die Schöne sicherlich ungestört sehen und sprechen können. Van Dyk gehorchte. Er fuhr mit Buckingham und Digby nach Whitehall, stellte sich dem Könige vor, der ihn nach seiner halbschwermüthigen Weise lächelnd, freundlichst empfing, dann aber, auf einen Wink vom Herzoge, ihn an die Hand nahm und aus dem Sale führte. – Erlaubt, Herr Ritter, sagte Karl I. mit seiner ganzen chevaleresken Grazie den Arm des Malers nehmend, wenn Wir Euch eine kleine Arbeit auftragen. Ihr werdet Unsere Kinder malen. – Ach, Sire, Sie machen mich glücklich! stammelte van Dyk. – Buckingham wird Euch diesen meinen Lieblingswunsch mitgetheilt haben. Die Kleinen sind zwar noch etwas unruhigen Wesens, Ihr werdet daher Mühe haben, sie genau aufzufassen, indeß die Gräfin Gore – Karl I. lächelte schelmisch – wird die Kinder schon zur Folgsamkeit bewegen. Beide traten jetzt in die Zimmer der Königin. Hier befand sich Karl, später der Zweite genannt mit James und Henriette, und neben ihnen erblickte van Dyk ein Mädchen von so wunderbarer Schönheit, daß er, als ihn der König der Maria Ruthven vorstellte, unwillkürlich die Augen schloß. Als sich van Dyk gefaßt hatte, war Karl I. verschwunden. Van Dyk fing an die Gruppe der königlichen Kinder sammt zwei edlen, schottischen Hunden zu zeichnen. Er ging am andern Tage, und abermals zum Vollenden der Zeichnung nach dem Schlosse; er schien das Bild nicht vollenden zu können. Am vierten Tage, als er die Gemächer verließ, stammelte er, Maria’s Hand ergreifend, das Geständniß seiner Liebe. Die junge Dame sank weinend vor Wonne in seine Arme. Ein neues, edleres Leben begann jetzt für den Künstler. Denn bald darauf vermählte der Herzog von Buckingham seine Mündel mit dem Meister. Seine Lebenskraft war aber zu tief erschüttert. Er machte mit seiner Gemahlin eine Reise nach seiner Vaterstadt Antwerpen, dann nach Paris, um die Gallerie des Louvre zu malen. Da aber Nicolaus Poussin diesen Auftrag schon erhalten hatte, kehrte er nach London zurück. Hier ereilte ihn, als er eben beschäftigt war, dem Könige eine der großartigsten Tapetenmalereien im Carton anzufertigen, in den Armen seiner holden Gattin 1641 der unerbittliche Tod.⏎ ⏎ {{References|LIN}} [[Kategorie:Kunstwissenschaft]] All content in the above text box is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike license Version 4 and was originally sourced from https://de.wikisource.org/w/index.php?diff=prev&oldid=1994465.
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