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<noinclude><pagequality level="3" user="Wassermann" /><div class="pagetext">{{Seitenstatus2|[[Walther Kabel]]|[[Ein gefährliches Abenteuer]]. In: Von Nah und Fern, Heft 8, S. 4–6|Ein gefährliches Abenteuer|}}{{BlockSatzStart}}


</noinclude>'''{{center|Ein gefährliches Abenteuer.}}'''
{{center|Ein Erlebnis von ''Walther Kabel''.}}

Jahre sind es her. Und doch lebt jener Sommervormittag noch mit erschreckender Deutlichkeit in meiner Erinnerung. Oft schon habe ich unsere damaligen Erlebnisse zu Papier bringen wollen, aber immer vergaß ich es über wichtigeren Arbeiten. Da fiel mir heute mein Tagebuch aus dem vorigen Frühjahr in die Hände, das ich während meiner ersten Offiziersübung auf dem Schießplatz X. geführt habe. In diesem Heftchen steht unter dem 5. Mai vermerkt: „Heute nachmittag fanden Artilleristen, die noch einem Scharfschießen nach nicht krepierten Geschossen suchten, in einer Schonung die Leichen zweier Frauen, von mehreren Infantriegeschossen durchbohrt. Die Frauen haben trotz des strengen Verbots auf dem Gelände des Schießplatzes Holz gesammelt und sind dabei in die Feuerlinie eine scharfschießenden Infantriekompagnie geraten.“ Diese kurze Nachricht rief mir mein eigenes, ähnliches Erlebnis ins Gedächtnis zurück. –

An einem der ersten Julitage des Jahres 1902 war ich mit meinem Couleurbruder Erich Kiesel gegen 8 Uhr morgens von Danzig aufgebrochen, um zunächst dem kleinen, an der Danziger Bucht gelegenen Badeort Brösen zu wandern und dann weiter am Strande entlang nach Zoppot, wo wir einen Bekannten besuchen wollten. In Brösen angekommen bogen wir sofort links ab, umgingen das kleine Fischerdorf und verfolgten dann weiter unseren Weg in lebhaftestem Gespräch.

Es war ein völlig windstiller Tag. Die See lag wie ein Spiegel da, und nur hin und wieder rauschte eine Brandungswelle gegen das sandige Ufer. Die drückende Hitze, die sich über dem leuchtenden Strande noch fühlbar machte, konnte uns jedoch die gute Laune nicht verderben. Wir freuten uns über das anziehende, abwechslungsreiche Panorama, das die Danziger Bucht mit ihren hellen Dünen und dem dunklen Hintergrund der Olivaer und Zoppoter Wälder bietet, über die aus dem Grün und Weiß hervortauchenden Häuser von Glettkau und Zoppot, die wie ein Kinderspielzeug in die Landschaft eingestreut waren. Einige hundert Meter vor uns ging eine größere Gesellschaft Herren und Damen, die wohl ebenfalls Zoppot als Ziel zustrebte. Sonst war weit und breit kein lebendes Wesen zu sehen. Nur einige Krähen flatterten am Strande hin und her und suchten nach toten Fischen, die das Meer ausgeworfen hatte.

Wir mochten ungefähr zehn Minuten gewandert sein, als mein Freund mich plötzlich auf einen Husaren aufmerksam machte, der aus einem sich am Strande entlang ziehenden Gehölz heraussprengte, dann bei den Spaziergänger vor uns Halt machte und unter lebhaftem Schwenken seiner Lanze auf sie einredete, wobei er öfters auf eine große rote Flagge wies, die in den Dünen an einer hohen Stange wehte.

Doch unbekümmert setzten wir unsern Weg fort, winkten auch dem Hasaren, der uns einige Worte zurief und landeinwärts deutete, übermütig mit unseren Hüten zu und fanden ebensowenig etwas auffälliges daran, daß die Gesellschaft vor uns plötzlich den Strand verließ und in dem Gehölz verschwand, begleitet von dem<noinclude>{{BlockSatzEnd}}{{Zitierempfehlung|Projekt=[[Walther Kabel]]: ''[[Ein gefährliches Abenteuer]]. In: Von Nah und Fern, Heft 8, S. 4–6''. J. G. Mahl, Lienz 1913|Seite=4}}</div></noinclude>