Revision 2144493 of "Seite:Ein gefährliches Abenteuer.pdf/3" on dewikisource<noinclude><pagequality level="3" user="Wassermann" /><div class="pagetext">{{Seitenstatus2|[[Walther Kabel]]|[[Ein gefährliches Abenteuer]]. In: Von Nah und Fern, Heft 8, S. 4–6|Ein gefährliches Abenteuer|}}{{BlockSatzStart}}
</noinclude>Reitersmann, der sich nochmals auf seinem Grauschimmel umdrehte und mit der Hand in der Luft herumfuchtelte. Was er eigentlich von uns wollte, ahnten wir beiden nicht. Und daß die Spaziergänger so plötzlich vom Ufer abgebogen waren, erklärten wir uns einfach damit, daß ihnen der Marsch durch den lockeren Seesand bei der drückenden Hitze zu beschwerlich geworden war. Der roten Flagge schenkten wir überhaupt keine Beachtung.
Wie schwer sich unserer Gedankenlosigkeit rächen sollte, mußten wir sehr bald einsehen.
Vor uns dehnte sich jetzt ein langer, flacher Uferstreifen aus, der uns einen Augenblick bis auf die gelblichen Sandhügel des großen, bei Saspe gelegenen Exerzierplatzes der Danziger Garnison gestattete. Keine Düne, kein Hügel verdeckte hier die Aussicht in das Binnenland. Während wir behaglich dahinschlenderten, hörten wir mit einem Male über uns in der Luft seltsame, singende Töne, die wir zuerst für Mövenschreie hielten. Aber nirgends war ein Vogel zu erblicken, nirgends ein lebendes Wesen. Selbst die unbeholfen umherhüpfenden Krähen waren verschwunden. …
Und jetzt immer häufiger über uns dieser singende, scharfe laut, immer häufiger. Ratlos sehen wir uns noch um … Und dann zeigt mein Freund, dem plötzlich jede Spur von Farbe aus dem Gesicht gewichen ist, auf das Ufer, auf die See hinaus. Seine Hand zittert, er will etwas sagen, stottert aber nur, schaut halb irren Blickes um sich … Jetzt erst bemerke ich, daß um uns herum der weiße Seesand in Kaskaden aufspritzt, hier ein Wölkchen, dort – überall. Und ebenso sprüht’s im Wasser dicht am Ufer in hohen Tropfenfontänen mit zischendem Geräusch, als ob man glühende Eisen hineinstößt. Über uns wird das unheimliche Pfeifen immer lebendiger … Mir rinnt es eisig kalt über den Rücken. Ich habe begriffen, weiß, warum Erich Kiesel sich jetzt hinwirft und vorsichtig in dem geringen Schutz des ein wenig unterspülten Ufers vorwärtszukriechen<ref>Vorlage: ''vorwärtszukriegen''</ref> beginnt. Ich folge seinem Beispiel … Und während unsere Kleider im Wasser schleppen, während der kalte Angstschweiß uns auf die Stirn tritt und um uns her das singende Pfeifen und das Aufzischen des Wassers die Luft erfüllt, schieben wir uns vorwärts, Schritt für Schritt … im Kugelregen.
Denn jetzt habe ich alles verstanden, alles! Der Husar, die rote Fahne …, – wie konnten wir als alte Danziger uns nur nicht daran erinnern! Stand’s doch so und so oft im jahre in den Zeitungen, daß an dem und dem Tage vom Exerzierplatze aus Scharfschießen nach der See abgehalten und das gefährdete Gelände durch rote Fahnen kenntlich gemacht und durch Posten abgesperrt würde …! Und fraglos hatte der Husar unser Winken mit dem Hute dahin gedeutet, daß wir seine Warnung verstanden hätten. – Sicherlich war er nur deswegen, ohne sich weiter um uns zu kümmern, mit den andern Spaziergängern in das Gehölz eingebogen …! –
Stumm kriechen wir vorwärts … die Minuten werden zu Stunden. Und die Gedanken eilen; wie ersinnen altes Mögliche, nur um uns über das Gefährliche<noinclude>{{references|x}}{{BlockSatzEnd}}{{Zitierempfehlung|Projekt=[[Walther Kabel]]: ''[[Ein gefährliches Abenteuer]]. In: Von Nah und Fern, Heft 8, S. 4–6''. J. G. Mahl, Lienz 1913|Seite=5}}</div></noinclude>All content in the above text box is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike license Version 4 and was originally sourced from https://de.wikisource.org/w/index.php?oldid=2144493.
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