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<references/>
<section begin=A4 />{{Headline|140|0.2|IV. Wohnorte.}}


{{Headline|120|0.2|1. Orte.}}

{{Headline|110||A. Zahl, Gattung und Areal.}}

Die Gesammtzahl der Wohnplätze ist 384, namentlich: 1 Stadt, 16 Pfarrdörfer, 6 Dörfer, 2 Pfarrweiler, 130 Weiler, 113 Höfe und 116 Mühlen und andere einzelne Wohnsitze. Marktberechtigt sind, außer Gaildorf, die Pfarrdörfer Geifertshofen, Gschwend, Ober-Roth, Ober-Sontheim, Ödendorf und Sulzbach, und der Weiler Seifertshofen, im Gemeindebezirk Eschach. Das Areal sämmtlicher Gebäude und Hofstätten beträgt 494{{Bruch|3|8}} Morgen.


{{Headline|110||B. Lage, Größe und Beschaffenheit.}}

Aus der beigegebenen Oberamtskarte und dem topographischen Theile ist die Lage der Hauptorte und Parcellen des Näheren zu ersehen. Die zum<section end=A4 />

{{Seite|44}}

Theil nicht weniger anmuthig, als freundlichere Schwarzwaldorte, gelegenen
Wohnsitze zählen theils zu dem, den Gebirgsrücken zwischen der Lein und dem
Kocher bildenden waldigen Oberlande, theils zu dem Unterlande, d. h. dem
Kocherthale mit dessen Nebenthälern, Zwischenhöhen und Abhängen, so daß
etwa der vierte Theil der Einwohner dem Oberlande zufällt.

Das Vereinödungssystem herrscht im Allgemeinen vor, da nur in den
Thälern des Kochers und der Roth größere Dörfer sich finden. Mehr als ein
Fünfttheil der sowohl hier als in dem Oberlande gelegenen Wohnsitze (22
Weiler und 66 Höfe und dergl.) ist erst nach dem Jahre 1700 angelegt worden; die meisten davon in den Gemeinden Vichberg, Altersberg und Sulzbach. Von sämmtlichen Wohnplätzen zählen nur 73 mehr als 100 Einwohner, wovon nach Verhältniß mehr dem Oberlande (24) als dem Unterlande
(49) angehören, obgleich auch die Höfe und einzelne Wohnsitze im Oberland die Mehrzahl bilden. Im Ganzen genommen leben in Weilern von
weniger als 100 Einwohnern, in Höfen und einzelnen Wohnsitzen 6093 Menschen; also beinahe der vierte Theil der Bevölkerung. Wohnorte von mehr
als 1000 Einwohnern sind Gaildorf, Ober-Sontheim und Gschwend; aber
keiner erreicht die Ziffer 2000.

Die Orte sind allermeist geräumig. Die Reinlichkeit läßt, da der Dünger noch so wenig zu Rath gehalten wird, zwar Manches zu wünschen übrig;
doch ist im Allgemeinen durch die Anlage von Kandeln und in Gaildorf,
Gschwend, Hütten, Eschach, Mittelbronn und Geifertshofen durch zweckmäßige Anlegung von Jauchengruben die Reinhaltung der Straßen befördert worden. Namentlich die zur Gemeinde Eschach gehörigen Orte gewinnen immer mehr an Freundlichkeit.

2. Gebäude.

A. Anzahl und Gattung.

Der Oberamtsbezirk zählt nach dem neuesten Kataster 5248 Gebäude,
namentlich: 3426 Hauptgebäude, 1822 Nebengebäude; – zu öffentlichen
Zwecken dienen 89, insbesondere 24 Kirchen und Capellen und 30 Rath-
und Schulhäuser. Schlösser sind 5 vorhanden. Durchschnittlich kommen
8 Menschen auf ein Wohnhaus; die meisten in Gschwend (9,8), Altersberg
(9,7) und Sulzbach (9,7), die wenigsten in Mittel-Fischach (6,3) und Ober-Fischach (6,8). S. Tabelle I.

B. Bauart und Material.

Die Oberamtsstadt hat meist zweistockige Gebäude auf einem steinernen
Stock oder Sockel, im Übrigen aus gemauertem Fachwerk und mit Mörtel
verblendet. Auch auf dem Land ist die Zahl der gewöhnlich den Taglöhnern
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angehörigen einstockigen Häuser nicht von Bedeutung; die Mehrzahl hat
zwei Stockwerke und steht mit der Scheune unter demselben Dache. Die
Stockhöhe ist 7–8, höchstens 9 Fuß. Im untern Stock ist neben dem Stall
bald eine Webstube oder eine andere Werkstätte, bald eine Branntweinbrennerei-Einrichtung. Holzlege u. dergl.; im obern Stock ist die Wohnung mit
Küche, Kammern u. s. w. Größere Bauern aber besitzen abgesonderte
Scheunen und daneben manchmal frei stehende Wagenhütten, wozu hin und
wieder ein eigenes Ausdinger-Häuschen kommt. Auf dem Lande ist in der
Regel der erste Stock, und wenn auch nicht ganz, doch so weit, als der
Stall in dem Hause geht, von Stein; das Weitere ist gleichfalls von ausgemauertem Fachwerk. Rothbemalte Kreuzstöcke und grüne Läden bezeichnen
in der Regel die Wohnung der Wohlhabenderen. An älteren Gebäuden,
namentlich Scheunen, sieht man meistens noch die früher allgemein üblich
gewesene Vertäferung, zum Theil ebenfalls mit rothem Anstrich. In neueren Zeiten werden die Wettergiebel des bessern Schutzes wegen auch mit gut
gebrannten Dachziegeln behängt.

Strohdächer finden sich keine; Schindeldächer kommen blos noch im
Oberlande vor, aber auch hier nur noch hin und wieder auf alten Scheunen
und geringen Wohnhäusern.

Über holzersparende Einrichtungen ist der Artikel „Waldbau“ zu vergleichen.

In architektonischer Hinsicht sind das alte Schloß in Gaildorf, die Schlösser in Ober-Sontheim und Unter-Gröningen und die Kirchen von Münster,
Ober-Fischach, Michelbach, Mittel-Roth und auch Ober-Roth interessant.
Bemerkenswerth ist, daß – Dank dem Kunstsinne des Reformators Brenz
– wie in dem Oberamt Hall, so auch in diesem sich mehr alte Kunstwerke
an Malerei und Sculptur in den Kirchen erhalten haben, als in anderen Gegenden des Landes, namentlich – wie die Ortsbeschreibung zeigt – in
Eschach, Eutendorf, Groß-Altdorf, Heerberg, Mittel-Roth, Ödendorf und
Thonolzbronn.

C. Werth und Eigenthum.

Nach dem Steuer-Cataster von 1849 (vergl. Tab. III.) welcher in Folge
des Gesetzes vom 18. Juni 1849 durch die bis dahin steuerfrei gewesenen
standesherrlichen etc. Gebäude noch Zuwachs erhält, beträgt der Anschlag der
steuerbaren Gebäude 1.382.671 fl.; nach dem Gebäudesteuer-Cataster von
1850 aber beläuft sich die Zahl der steuerbaren Gebäude auf 5093; und der
Gebäudesteuer-Cataster-Anschlag auf 1.401.445 fl., mithin der durchschnittliche Werth eines Gebäudes auf 274 fl. 58 kr. Der Werth der versicherten
Gebäude berechnet sich nach dem Brandversicherungs-Anschlag auf 3.734.500 fl.
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(Im Oberamt Hall war 1843 der letztere 6.668.450 fl., im Oberamt Welzheim 1842 – 3.038.275 fl.)

Der durchschnittliche Werth eines Gebäudes ist somit nach dem Brandversicherungs-Anschlag 711 fl. 36 kr.


V. Nahrungsstand.

1. Hauptnahrungsquellen.

Die Haupterwerbsmittel bestehen in der Viehzucht und dem Waldbau,
weniger im Ackerbau, welcher durchschnittlich nicht oder kaum die unumgänglichsten Bedürfnisse befriedigt.

Die Gewerbe-Industrie ist überall von keinem Belang und ganz unbedeutend in den Waldgemeinden.

2. Vermögen.

Nach der in den bisherigen Oberamtsbeschreibungen angenommenen
Berechnungsweise ergibt sich als Geldwerth des in Tabelle II. aufgeführten
unbeweglichen Vermögens im 20fachen Betrag des für das Steuer-Provisorium geschätzten jährlichen Ertrages die Summe von     5.685.370 fl.
als Werth der Gebäude, einschließlich des Gebäude-Areals,
(Tab. I und II) nach dem Steuer-Cataster     1.382.671 fl.
     7.068.041 fl.
dazu der Werth des Viehstandes (Tab. I.) nach dem Stand
am 1. Januar 1850     535.693 fl.
   Summe 7.603.734 fl.

Hienach kämen durchschnittlich an Vermögen auf Einen Bezirks-Einwohner 271 fl. 34 kr. und auf Eine Familie 1315 fl. 55 kr. (Im Oberamt
Hall 2062 fl. 38 kr., im Oberamt Welzheim 1307 fl.)

Den allgemeinen Preisen mehr annähernd, läßt sich jedoch über den
Geldwerth des unbeweglichen Vermögens und des Viehstandes folgende Berechnung aufstellen:

A.	Werth der Gebäude, nach dem Brandversicherungs-Anschlag     3.734.500 fl. – kr.

B.	Werth des Grund-Eigenthums, nach den
Ergebnissen der Landes-Vermessung und den für
das Steuer-Cataster zu Grund gelegten Schätzungen des 
Rein-Ertrags:

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	Reinertrag.	Capital-Werth im 25fachen Betrag.
2192 6/8 M. Gärten und Länder, à 7 fl. 31 kr.		
	16.482 fl. 10 kr.	
		412.054 fl. 10 kr.
32.810 4/8 M. flürlich gebaute Äcker, incl. des Zehentens, à 2 fl. 58 1/2 kr.		
		
	97.610 fl. 30 kr.	
		2.440.262 fl. 30 kr.
3466 4/8 M. Wechselfelder, incl. des Zehentens à 1 fl. 46 kr.		
	6124 fl. 22 kr.	
		153.109 fl. 10 kr.
12.179 7/8 M. zweimädige Wiesen, incl. des Zehntens à 8 fl. 29 kr.		
		
	103.325 fl. 56 kr.	
		2.583.148 fl. 20 kr.
9176 7/8 M. einmädige Wiesen, incl. des Zehentens à 2 fl. 12 kr.		
		
	20.189 fl. 7 kr.	
		504.727 fl. 55 kr.
		Capital-Werth im 40fachen Betrag.
42.394 3/4 M. Waldungen, à 49 kr.		
	34.622 fl. 23 kr.	
		1.384.895 fl. 20 kr.
12.427 1/2 M. Weiden und Öden, à 28 1/2 kr.		
	5903 fl. 4 kr.	
		236.122 fl. 40 kr.
91 1/2 M. Steinbrüche, Thongruben, Fischwasser etc.		
	10 fl. 28 kr.	
		418 fl. 40 kr.
	284.268 fl. – kr.	
B. zusammen		7.714.738 fl. 45 kr.
C. Werth des Viehstandes, nach der Aufnahme vom 1. Januar 1850, und zwar für		
		
895 Pferde, à 50 fl.	44.750 fl.	
15.543 Stück Rinder, à 25 fl.	388.575 fl.	
4 Esel, à 10 fl.	40 fl.	
10.410 Stück Schafe, à 6 fl.	62.460 fl.	
3236 " Schweine, à 8 fl.	25.888 fl.	
1285 Ziegen, à 5 fl.	6425 fl.	
1511 Bienenstöcke, à 5 fl.	7545 fl.	
Zusammen C.	535.693 fl.	
Summe von A. B. und C.		11.984.931 fl. 45 kr.
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Hienach kämen durchschnittlich im Bezirk auf
einen Einwohner     436 fl. 8 kr.
eine Familie     2140 fl. 16 kr.

Das zur Besteuerung von 1850/51 fatirte, wohl meistens im Oberamte
selbst angelegte Vermögen an ausgeliehenen Privat-Kapitalien der ortsanwesenden Bevölkerung beträgt einschließlich des von der Steuer gesetzlich befreiten 1.167.268 fl. (Im Oberamt Hall, betrug es 1845/46
3.213.679 fl., im Oberamt Welzheim 1842/43 – 1.426.690 fl.) Das bei der
vaterländischen Mobiliar-Feuerversicherungs-Gesellschaft versicherte Vermögen belief sich Ende 1851 auf 685.757 fl., worunter 314.937 fl. in der Oberamtsstadt.

Die Vermögensverhältnisse und das Auskommen der Einwohner stehen
im Allgemeinen etwas unter der Mittelmäßigkeit, und es hat die Armuth in
den letzten Jahren zugenommen. Jene Verhältnisse halten ungefähr das
Gleichgewicht mit denen in den Oberämtern Welzheim und Ellwangen, mit
welchen sie auch die vorherrschende Waldwirthschaft und zum Theil auch die
Bodenverhältnisse gemein haben; besser stehen die Einwohner des Oberamtes Hall. Auch sonst lehrt die Erfahrung, daß der größere Waldbesitz hinsichtlich der Production öfter zu hoch angeschlagen wird und weniger als eine
geordnete Felderwirthschaft zum Wohlstand führt, besonders wenn nicht vorzugsweise auf Gewinnung von Nutz- und Bau-Holz Bedacht genommen und
dessen entfernterer Absatz erleichtert wird, wozu in diesem Bezirk die nicht
schwierige Floßbarmachung des Kochers das Mittel werden könnte.

Der Privatwohlstand ist verhältnismäßig am Höchsten in den Gemeinden Mittel - und Ober-Fischach, in Ödendorf und Michelbach, in Eschach,
Ruppertshofen, Ober-Gröningen und Vordersteinenberg; am Niedrigsten in
Hausen, Unter-Gröningen, Altersberg und Gschwend, sodann in Hütten,
Laufen, Sulzbach und theilweise in Ober-Roth und Vichberg. Die Bewohner
einiger der letztgenannten Gemeinden sind erst in neueren Zeiten herabgekommen. Die gedrückte Lage der überwiegenden Mehrzahl aber erklärt sich aus
dem geringen Ertrag des das eigene Getreidebedürfniß nicht immer hervorbringenden Bodens; aus der seitherigen sehr starken Belastung mit grundherrlichen Leistungen aller Art, wozu seit 40 Jahren hochgestiegene Umlagen
für Straßenbau, Armen-Versorgung und für andere Zwecke der Amts-Gemeinde- und Stiftungs-Pflegen kamen; aus dem Mangel einer eigentlichen
Gewerbs-Industrie; aus dem vor 15 bis 20 Jahren eingerissenen Schwindel
vieler Weniger-Bemittelten, zersplitterte Hofgüter zu hohen Preisen auf Credit (Zieler) zu kaufen, und aus der stark angewachsenen Bevölkerung, deren
Hauptnahrung die Kartoffeln bildeten, welche seit mehreren Jahren mißrathen sind.
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3. Wirthschaft.

A. Bodenbau und Landwirthschaft.

a. Gewinnung von Mineralien.

In dem von der Gebirgsformation handelnden Abschnitte S. 19
u. f. sind bereits die im Bezirke vorkommenden Steinarten und andere
Mineralien erwähnt. Vortreffliche Werksteine liefert namentlich der
Schilfsandsteinbruch bei Vichberg. Der grobkörnige Keupersandstein
wird sowohl auf dem Walde, als im Unterlande ausgebeutet. Dasselbe
ist mit den reichen Liaskalklagern bei Eschach der Fall. Die auf dem Kieselberge bei Gaildorf, Unter-Roth, Sulzbach etc. sich findenden Feuersteine
werden wenig mehr ausgebeutet, da sie neuerdings kaum mehr zu verkaufen sind. Der Töpfererde ist gleichfalls schon gedacht. Lehmgruben für
Ziegeleien werden bei Frickenhofen betrieben. Näheres, namentlich auch
über das Vitriolbergwerk bei Gaildorf, kommt in der Ortsbeschreibung
vor. – Das Areal sämmtlicher Steinbrüche, Thon- und Mergel-Gruben
beträgt 24 5/8 Morgen.

b. Pflanzenbau.

1. Verhältnisse in Allgemeinen.

Nach der Landes-Vermessung beträgt die ganze Bodenfläche des
Oberamtsbezirkes 118.695 3/8 Morgen. Das unbebaute Land (Weiden,
Öden etc.) verhält sich zu dem bebauten, einschließlich der zu letzterem
gerechneten 42.394 6/8 M. Waldungen, wie 1: 6,205, werden aber die
Wälder als unbebautes Land betrachtet, wie 1:1,016. Nach diesem Verhältnisse ist die Hälfte der ganzen Fläche cultivirt. Von der ganzen Bodenfläche kommen, abgesehen von den Eigenthums-Verhältnissen, auf
einen Menschen 4,3 M. (Im Oberamt Hall 4,1, im Oberamt Welzheim
3,5 M.) Auf 100 M. Bodenfläche kommen 0,7 Pferde und 13,0 Stücke
Rindvieh.

Werden Gärten und Länder als Einheit angenommen, so ergibt sich
folgendes Verhältniß der Culturarten:
Gärten und Lander   1
Äcker     16,5
Wiesen     9,7
Waldungen      19,3

Oder unter 100 Morgen sind:
     Im O.A. Hall.     Im O.A. Welzheim.
Gärten und Länder     1,847 Morgen. 2,9 Mrg.	2,5 Mrg.
Äcker     30,563 "     39,8 "     28,9 "
Wiesen      17,993 "     24,3 "     19,9 "
Waldungen      35,717 "     25,7 "     43,7 "
          86,120 Morgen.

{{Seite|50
Der Rest von 13,880 Procent wird eingenommen von dem Areal:
der Gebäude und Hofstätten mi     0,416 Morgen.
Thon- und Stein-Gruben       0,021 "
Flüsse, Bäche und Weiher       0,589 "
Straßen und Wege     2,383 "
Weiden und Öden       10,471 "
13,880 Morgen.

Vertheilung und Eigenthum. Die Zahl der Parzellen, in
welche das Grundeigenthum getheilt ist, beträgt 61.471, so, daß auf Eine
Parzelle 1 7/8 M. 21,12 R. treffen. Da die durchschnittliche Größe im
ganzen Lande {{Bruch|2|3}} M. ist, so stellt sich der diesseitige Durchschnitt nahezu
auf das Dreifache derselben. (Im Oberamte Hall ist die Größe einer
Parzelle nahezu 1 1/2 M. im Oberamte Welzheim 1 1/2 M.)

Die Zertrennung der größeren Güter, früher an grundherrlichen Consens gebunden und nicht blos durch starke Taxen, sondern auch meist durch
sofortige Erhöhung der Grundabgaben und Handlöhne erschwert, erfolgte
vor dem Erscheinen des K. Rescriptes v. 6. Juli 1812 nicht häufig und jedenfalls nur im Großen, d. h. in 2 bis 4 Theile; in neuerer Zeit aber, hauptsächlich in Folge des II. Edikts vom 18. Nov. 1817, nachdem die Bauernlehen des Staats häufiger eigen gekauft worden, traten mehrere solche
Zertrennungen ein und wurden namentlich in den letzten 15–18 Jahren
durch die Hofhändler sehr in Gang gebracht. Durch das Gesetz vom 14. April
1848 sind jedoch überall auch die vom Adel abhängig gewesenen Bauerngüter in freies und ungetheiltes Eigenthum verwandelt worden. Übrigens unterscheidet man im Bezirke je nach dem Umfange des Besitzes,
ganze, halbe und Drittels-Bauern, Söldner und die meist ganz besitzlosen
Häusler. Im Allgemeinen beträgt die Größe der Bauernhöfe von
50–200, die der Söldengüter von 5–25 Morgen. Zusammengesetzt
sind die Höfe, und zwar im Welzheimer Walde aus 40 M. Acker, 25 M.
meist einmähdigen Wiesen und 20 M. Wald und Weide; im Oberlande
aus 45 M. Acker, 15–25 M. Wiesen und 15–40 M. Wald und Weide;
im Unterlande aus 36 M. Acker, 20 M. Wiesen und 25–40 M. Wald
und Weide. Arrondirte oder als ein Stück beisammen gelegene Bauerngüter sind selten.

Die Eigenthums-Verhältnisse sind hienach bei den einzelnen Culturen angegeben. Abgesehen von denselben kommen durchschnittlich auf
einen Menschen an Baufeld, welches nicht mehr als die Hälfte der ganzen
Bodenfläche beträgt, nicht ganz 2,2 M. Aus der Ortsbeschreibung ist ersichtlich, daß im Vergleiche zur Einwohnerzahl die Gemeinde Ober-Fischach und Vorder-Steinenberg das meiste, Unter-Gröningen das
wenigste Baufeld haben.
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Anbau. Die landwirthschaftliche Cultur steht, nach einer Mittheilung des vorm. Ober-Rentamtmanns Grill, zwar etwas höher in dem
Unterlande, wo der Grundbesitz mehr vertheilt und der Boden besser ist,
jedoch im Allgemeinen noch auf einer sehr niedrigen Stufe, und zwar in
diesem, wie im Welzheimer Oberamtsbezirke, hauptsächlich in Folge eines
zu ausgedehnten Anbaues der Felder bei unzureichender
Düngung. Was die Dünger-Produktion insbesondere betrifft,
so wird sie geschmälert, nicht blos weil noch in den meisten Orten das
Austreiben des Viehes zur Weide stattfindet, sondern auch weil der Dünger, der im Stalle fällt, dann die Jauche, sowie andersartige Dungmittel
gar zu sehr vernachlässigt, zu wenig zusammengehalten, zu mangelhaft
behandelt und angewendet werden. Hiezu gesellt sich der große Mißstand,
daß wegen Futtermangels das Stroh verfüttert und an seiner Stelle
das Nabelreis als Einstreu verwendet wird, das ebensowohl in Absicht
auf seine Fähigkeit, die thierischen Excremente aufzufassen, als auch in
Absicht auf seinen Gehalt an Pflanzennahrungsstoffen dem Stroh bei
Weitem nachsteht, wenn es auch unter den dermaligen Verhältnissen und
in der Voraussetzung, daß der vermittelst desselben produzirte Dünger
wohl behandelt werde, als eine immerhin sehr werthvolle Gabe des Waldes an die Landwirthschaft zu betrachten ist. Denn unter jener Voraussetzung käme der Erfahrung gemäß das täglich für ein Stück Großvieh
erforderliche Nadelreisstreu-Quantum von etwa 18 Pfd. in der Wirkung
als Dünger 5 Pfd. Streustroh gleich, wonach (da das zur Einstreu hergerichtete, von den Ästen gesonderte Nadelreis zu dem noch mit den Ästen
verbundenen, wie es im Walde abgegeben wird, durchschnittlich sich verhält = 3:5) der Werth einer Fuhr Nadelstreu zu 25 Ctrn. einschließlich
des Fuhrlohns und der Kleinbereitungskosten sich gleich berechnet dem
Werthe von 4 1/4 Ctr. Streustroh. Indessen sieht man gewöhnlich den
Nadelstreudünger vom Schimmel durchzogen, und so gehen aus den aufgefaßten thierischen Excrementen weit mehr Stoffe der Pflanzenernährung verloren, als die Streu selbst durch ihre Verrottung liefert. Ohnehin
geht der Nadelstreubezug und mit ihm jenes ordinäre Einstreuquantum
schon dadurch immer mehr zusammen, daß die Bauernwaldungen mehr
und mehr in die Hände des Staats und der Grundherrschaften übergehen,
und daß an die Stelle der Fehmelwaldungen nun der Hochwald tritt.
Während so auf allen Seiten sich einer genügenden Dünger-Produktion
Hindernisse entgegenstellen, kann von einem tüchtigen Kraftzustande des
Bodens im Allgemeinen um so weniger die Rede seyn, als der Einbau
der Felder in der Regel nicht nach Maßgabe des vorhandenen Düngers
beschränkt, dieser vielmehr auf die ganze zum Einbau disponible Fläche
gestreckt wird, wiewohl 50 Morgen vollständig gedüngten Landes,
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die doch nur das halbe Saatgut, nur die Hälfte der Arbeitskraft und Arbeitszeit, und nur das halbe Inventar in Anspruch nehmen, einen gleich
hohen Ertrag wie 100 Morgen blos halbgedüngtes Land zu gewähren vermögen. – Wie die Ansammlung des Düngers und seine Eintheilung, so ist auch die Feldbearbeitung keineswegs musterhaft zu
nennen. Dieß beweisen die noch im Brachmonat allgemein auf den Feldern stehenden Stoppeln, dann das üppige Wuchern aller möglichen Unkräuter unter der Saat, und endlich die Versumpfung der Felder in Lagen,
die eine Trockenlegung gar wohl gestatteten.

Bei dem in den meisten Orten noch stattfindenden Austreiben
des Viehes zur Weide werden als Hindernisse der Einführung der
Stallfütterung entgegengehalten: theils die vorhandenen größeren Weideflächen (Heiden), die bei besserem eine größere Düngermasse erzeugenden
landwirthschaftlichen Betrieb angebaut, jedenfalls aber zur Waldcultur
gezogen werden könnten; theils der Futtermangel bei unergiebigen oder
unzureichenden Wiesen – ein Mangel, dem sich durch den Anbau künstlicher Futterkräuter, zumal bei der im Falle der Stallfütterung erfolgenden stärkeren Düngerproduktion, abhelfen ließe; theils und hauptsächlich
endlich der Umstand, daß vielen Gemeinden das Weidrecht in den Waldungen des Staats und der Grundherrschaften zusteht; ein Recht, das
man nicht gerne unentgeldlich aufgeben möchte, während die Staatsfinanzverwaltung und die Grundherrschaften zur Entschädigung der Gemeinden dafür entweder gar nicht oder doch nicht in dem gewünschten
Verhaltnisse sich geneigt zeigen. Demungeachtet haben einzelne Orte sich
nicht abhalten lassen, die Weide theils ganz aufzugeben, wie Ödendorf
und Vorder-Steinenberg, theils auf die Herbstweide zu beschränken, wie
Ober-Roth, Vichberg, Geifertshofen, Mittelbronn und Seifertshofen,
und die meisten Orte im Fischachthale*).

*) Dabei hat sich der Ortsvorsteher Rupp zu Nardenheim Anspruch auf
besondere Anerkennung erworben, indem er theils durch sein Beispiel als Landwirth, theils durch umsichtige Anwendung seiner Amtsbefugnisse als Ortsvorsteher, die Indolenz seiner Mitbürger zu besiegen wußte. In letzterer Beziehung
veranlaßte er zunächst jeden Güterbesitzer zum Abschlusse seiner Felder durch
Schranken, wo und soweit sie an Viehtriebe und Weideplätze angrenzen, mit
der Bedrohung, daß ihm außerdem kein Klagrecht gegen Verletzung seiner Feldprodukte durch's Weidevieh zustehe. Von jener Verpflichtung werden jedoch
diejenigen Güterbesitzer, welche Stallfütterung einführten, ausgenommen. Das
Vieh durfte nun nur noch am Joch oder am Strick zur Weide und von da zurückgeführt werden, und jede durch dasselbe verübte Beschädigung der Feldprodukte auf den nicht umfriedigten Gütern der Stallfütterungswirthe wurde mit
strenger Ahndung bedroht. Diese Verfügung erreichte in Kurzem ihren Zweck
allgemein.
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Die Dungstätten sind im Allgemeinen flache Gruben, ohne alle
Kunst und Berechnung angelegt, auf welchen die verschiedenen thierischen
Excremente selten gesondert werden. Häuflg liegen sie auf der südlichen
Seite und an Bächen, daher der Dünger von der Sonne ausgedörrt wird,
die Jauche seenartige Pfützen bildet und bei Regen die Straßen durchläuft,
so daß man bei Anschwellungen des Kochers diesen stets die ersten 8–12
Stunden von der aufgefaßten Jauche schwarzbraun gefärbt erblickt. Im
Roththale jedoch kennt und übt man eine bessere Anwendung derselben,
indem gewöhnlich die Wiesen, je unmittelbar nach einem Grasschnitte,
damit bedüngt werden. Auch ist zu erwähnen, daß neuerer Zeit in Gaildorf 27, in Gschwend (bis 1825) 45, in Hütten (1821–1825) 35 in
Eschach (bis 1836) 73 meist zweckmäßige Jauchengruben angelegt worden sind und daß in Hütten der Straßenkoth als Dünger gesammelt wird.
(Landwirthschaftl. Corresp.-Blatt 1832, 1833, 1836.) Der Pferch
kommt zur Wintersaat und auf die Wiesen. Auf dem Oberlande und
dem Welzheimer Wald findet das Rasenbrennen (Kohlhaufen)
bei schweren und nassen Böden Statt, wobei die Rasen über Nadelreisbüschel gelegt und diese sofort darunter angezündet werden. Nach
solchem Brennen der Felder baut man auf ihnen Roggen, Gerste,
Hirse und Kartoffeln. Auf nasse Äcker und saure Wiesen bringt man
schon seit 70–90 Jahren Äscherich, der theils aus Seifensiedereien erkauft, theils von den Bauern auf dem Welheimer Walde selbst
aus ihren Pottaschesiedereien (sogenannten Salinhütten) gewonnen wird.
Torfasche wird als Dungmittel zu Hanf und Kartoffeln von dem Ortsvorsteher Rupp zu Nardenheim seit mehreren Jahren vortheilhaft angewendet. Das Kalken findet auf den nassen Böden im Oberlande allgemein Statt, man rechnet 20–30 Schfl. Kalk zu 36–40 kr. auf den
Morgen. Das hier schon seit 100 Jahren übliche Mergeln ist seltener
geworden, nachdem es da und dort, namentlich im Oberlande, bis zum
Ausmergeln damit gekommen war. Gyps findet seine Anwendung
hauptsachlich nur im Roththale zum Klee, Hallerde von Wilhelmsglück
hauptsachlich nur auf Kocherthalwiesen. Auch der Compost, worunter
Hallerde gemischt wird, kommt als Besserungsmittel der Wiesen neuerlich in Aufnahme.

Rationell betriebene größere Wirthschaften sind nicht im
Oberamtsbezirke. Als thätige umsichtige Landwirthe verdienen,
außer dem schon erwähnten Rupp in Nardenheim, auch Schultheiß
Horlacher in Ödendorf, der resignirte Schultheiß Horlacher in Hausen, der Gutsbesitzer und Rößlenswirth Dürr in Unter-Roth und der
Rosenwirth Unger in Ober-Roth Erwähnung. Seit 1840 besteht ein
landwirthschaftlicher Bezirksverein, dessen Hauptaugenmerk
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mit Recht auf die für das Oberamt so wichtige Rindviehzucht gerichtet
ist. Er veranstaltet alljährlich ein landwirthschaftliches Bezirksfest und
theilt hiebei Prämien für das preiswürdigste Vieh aus, wofür die Kön.
Centralstelle für Landwirthschaft und die Oberamtskörperschaft je 160 fl.
jährlich beitragen. Gleichwohl wäre eine regsamere Thätigkeit des Vereins, zumal in Betracht der zuvor geschilderten Culturverhältnisse, sehr
zu wünschen.

Werth und Ertrag. Die Güterpreise sind am Höchsten in Gaildorf, am Niedrigsten im Gemeindebezirk Altersberg. Dort kostet ein
Morgen Kocherthalwiesen 300–350 fl., ein Morgen gutes Ackerfeld im
Kocherthal 200–300 fl.; hier wird ein Morgen Wiesen mit 50–80 fl.,
ein Morgen Ackers mit 25–40 fl. gekauft. Im Jahr 1847 und einige
Jahre zuvor standen übrigens die Güterpreise um mehr als ein Drittel
höher.

Rein-Ertrag und Kapitalwerth der verschiedenen Theile der
Bodenfläche berechnen sich nach den Schätzungen für das provisorische
Steuercataster durchschnittlich wie folgt:
Rein-Ertrag	Kapitalwerth
       im 20fachen Ertrag
vom Morgen.
Gras- und Baum-Gärten     8 fl. 1 kr.	160 fl. 20 kr.
Küchengärten und Länder     5 fl. 34 kr.     111 fl. 20 kr.
Wiesen, ohne Zehenten (zu 9/10)     5 fl. 56 kr.     118 fl. 40 kr.
  "  mit Zehenten     6 fl. 35 kr.     131 fl. 40 kr.
Äcker, ohne Zehenten     2 fl. 16 kr.     45 fl. 20 kr.
  "  mit Zehenten      2fl. 39kr.      53 fl.  –
Waldungen     – 49 kr.     16 fl. 20 kr.

Werden diese Culturarten zusammengerechnet, so beträgt der Rein-Ertrag eines Morgens, ohne den Zehenten, durchschnittlich 2 fl. 42 kr.
(im Oberamt Hall 3 fl. 41 kr.) und der Kapitalwerth, mit Zehenten und
Gülten, 62 fl. 30 kr. Der Rein-Ertrag im Ganzen stellt sich auf
284.268 fl. 30 kr., und nach Abzug der Zehenten und des nicht besteuerten Bodens auf 254.554 fl. 34 kr. (im O.A Hall auf 360.529 fl. 12 kr.,
Welzheim auf 204.127 fl. 19 kr.).

Nach neueren Schätzungen beträgt der Natural-Ertrag durchschnittlich vom Morgen
Roggen bei 4 1/2 Sr. Saat-Quantum     2 Schfl. 2 Sr.
Gerste  "  4  "  "     3 " –
Dinkel  "  1 Schfl. "     4 " 2 "
Einkorn  "  7 Sr.	"     3 " –
Haber  "  7 "  "     3 " 4 "
Kartoffeln  "  20 "  "     130 Sr. –
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Der Ertrag der Wiesen beläuft sich im Kocher-
und Roth-Thal auf  30–36 Ctr.
im Fischach- und Bühler-Thal auf
    24–30 "
im Oberlande auf         15–18 "
auf dem Welzheimer Walde auf     
6–15 "
vom Morgen.

Das durchschnittliche Gewicht ist: von 1 Schfl. Roggen 256 Pfd.,
Dinkel 115 Haber 170 Pfd. Dinkel und Einkorn zeichnen sich in
Thälern mit gebundenerem Boden durch Mehlreichthum aus, indeß Roggen und Haber, besonders letzterer, im Oberlande, wo Sand und Mehlboden vorherrschen, besser gedeihen.

2. Einzelne Culturen.

a. Ackerbau. Von 36.276 7/8 Morgen 1 Rth. Ackerfeld, wovon
11.705 Mrg. willkührlich und 3465 5/8 M. als Wechselfelder gebaut werden, besitzt der Staat 6678 Mrg. 16,3 R.; der Adel 294 Mrg. 11,2 R.;
die Gemeinten und Stiftungen 404 3/8 Mrg. 11,9 R. (Das provisorische
Steuer-Cataster führt 35.379 1/4 Mrg. steuerbaren Ackerfeldes mit einem
Rein-Ertrage von 93.728 fl. 54 kr. auf.) Der im Allgemeinen mehr
von Wiesenthälern und Waldrücken durchschnittene, als reichlich mit
Ackerfeld versehene Oberamtsbezirk steht namentlich im Fruchtbau gegen
manche andere zurück. Die herrschenden Feldsysteme sind: im Unterland
und in den mittleren Gegenden die Dreifelderwirthschaft, in der
Regel mit reiner Brache, im Oberlande diese und (wie z. B. in Frickenhofen) Vierfelderwirthschaft mit zweijähriger Brache, auf dem
Welzheimer Walde dagegen die Egartenwirthschaft, eine Art Koppelwirthschaft, über welche die Welzheimer O.A.-Beschr. S. 57 das Nähere enthält. Bei den größeren Gütern im Oberlande etc. sind die entfernteren und sterileren Felder als sog. Wechselfelder ausgeschieden,
welche nach zweijährigem Anbau mit Winter- und Sommer-Frucht gewohnlich 3–12 Jahre „liegen gelassen“ werden, damit sie sich berasen
und so auf natürlichem Wege wieder zu neuer Ertragfähigkeit gelangen.
Auf solchen Egarten pflegt man das Arbeitsvieh in seinen Ausruhestunden weiden zu lassen; seltener wird der Wildfutter-Ertrag derselben abgemäht. Der Brach-Einbau ist selbst im Unterlande (in Michelbach, im Roth-
und Fischach-Thale etc.) unbedeutend, weil die Düngung nur mangelhaft
erfolgen kann. Ist auch die Rindviehzucht die Haupterwerbsquelle, so
legen sich doch die Orte des Fischach- und Bühler-Thales und der Gemeinden Ödendorf, Michelbach, Ober-Gröningen, Ruppertshofen,
Eschach und Vorder-Steinenberg ebenso eifrig auf den Getreidebau. *)

*)
Es verdient hier angemerkt zu werden, daß im Limpurg'schen der Anbau



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Von den verschiedenen Culturgewächsen werden angebaut:
Roggen und Dinkel, sowohl im Gemenge als auch besonder, auf allen
Bodenarten; der erstere lohnt sehr gut im Oberlande, namentlich in
Frickenhofen, der letztere ist im Kocher-Thale, besonders in Bröckingen
und auch im Roth-Thale, von vorzüglicher Güte; Weizen neuerlich im Kocher- und Fischach-Thale; Einkorn, sowohl im Sommer- als im Winter-Felde, zumeist auf den Mergelböden. Sommergerste kommt wenig vor,
Wintergerste noch seltener, desto allgemeiner wird Haber gebaut, und
zwar im Unterlande der sog. Klupper- oder Zottel-Haber, der mehr „in's
Simri“ und mehr Stroh liefert, im Oberland aber der sogen. Krattel-Haber, welcher früher reift und schwerer ist, daher auch mehr gesucht und
besser bezahlt wird. In der Gegend von Frickenhofen wird sehr viel
Habermehl, gewöhnlich mit 1/3 Roggenmehl vermengt, zu Brod gebacken.
Für das eigene Bedürfniß an Brodfrüchten ist das eigene Erzeugniß hinreichend in den Gemeinden Ödendorf, Ruppertshofen, Ober-Gröningen,
Eschach und Vorder-Steinenberg; nur in guten Jahrgängen genügt es
in den Gemeinden Eutendorf, Geifertshofen, Unter-Roth und Vichberg;
nach Außen können nur verkaufen: die Gemeinden Mittel-Fischach,
Ober-Fischach und Michelbach. Das eigene Erzeugniß reicht für den
Bezirk nicht hin. – Die Kartoffeln, welche von den Rheingegenden her in den Bezirk kamen und bald die Stelle der zuvor allgemein
gepflanzten weißen Rüben einnahmen, fanden daher seit 1770 so allgemeinen Beifall, daß sie in Menge angebaut wurden, und schon um's Jahr
1790 eine so wichtige Stelle unter den Nahrungsmitteln einnahmen, daß
Prescher damals behaupten durfte, es könnten sich ohne die Kartoffeln
nicht so viele Menschen hier ernähren. Diese Frucht ist in neueren Zeiten
um so mehr ein Hauptnahrungsmittel des Bezirkes geworden, als seine
Bevölkerung inzwischen sich um 2/3 erhöht und die Production der Brodfrüchte nicht sehr zugenommen hat. Die Kartoffel, welche auf den Bergen in vorzüglicher Güte wuchs, will nun aber, wie anderwärts, seit sieben
Jahren nicht mehr gedeihen. Man hat deßwegen als Ersatzmittel auf den
Bau des Buchwaizens oder Haidekornes (vom Volke „schwarzes“ oder
„wildes Wälschkorn“ genannt) Bedacht genommen, eine Frucht, welche
auf den Anhöhen des Roth-Thales gegen den Mainhardter Wald hin in
Aufnahme kam, in Ober-Roth als Nachfrucht im Stoppelfelde geräth
und auf rauhen Plätzen um Geifertshofen vorzüglich gedeiht. Im Kocher-

der Felder weniger durch das Zehentverhältniß beschränkt war, als in Alt-Württemberg, indem herkömmlich der Zehente nach Sorten von allen Groß-Zehentfrüchten, wo immer sie stehen, dem Groß-Zehentherrn, von allen Klein-Zehentfrüchten aber ebenso dem Klein-Zehentherrn ausschließend zukommt.
Demungeachtet hat sich in der Hauptsache der flürliche Einbau als Regel erhalten.
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und Fischach-Thale und bei Gschwend baut man auf Neubrüchen Hirsen
und Linsen. Wälschkorn oder Mais wird in und um Michelbach und Geifertshofen angetroffen. Der Anbau von Futterkräutern, namentlich
von rothem Klee, hat sich noch nicht sehr gehoben und findet sich besonders
im Unterlande, wo auch Luzerne, Esparsette und Wicken, diese gewöhnlich
unter dem Haber, vorkommen. Mehr hat sich in neuerer Zeit der Anbau
von Stoppelrüben und Angersen aus dem Rems-Thale in's Oberland
herauf verbreitet. Sehr zur Nachahmung zu empfehlen wäre im ganzen
Oberamtsbezirke das in besser cultivirten Gegenden stattfindende Einsammeln der Feldunkräuter zur Viehnahrung, welches hier um so
mehr am Platz wäre, als die Felder so reiche Unkraut-.Ernten darböten.
Lein ober Flachs wird ausschließlich nur in den Waldgemeinden Ruppertshofen, Frickenhofen, Eschach, Vorder-Steinenberg, Gschwend und
Altersberg gebaut. Manche Bauersfrau erlöst hier 150–200 fl. aus
Flachs. In Hüttenbühl und Hinter-Linthal ist er vorzüglich; auch in
Eichenkirnberg, wo er jedoch neuerdings nicht mehr gedeihen will, wird
er gerühmt. Seit neuerer Zeit kommt der Rigaer Leinsamen sehr in
Aufnahme; auf die Behandlungsweise dieser Gespinnstpflanze haben
jedoch die neueren Fortschritte in der Kunst noch nicht eingewirkt. Die
von den Fremden unter dem Namen „Welzheimer Flachs“ sehr gesuchte,
meistens gute Waare, kommt im Herbst auf die Flachsmärkte von Gaildorf, Gschwend und Welzheim, wovon die beiden ersteren neuerdings den
letzteren überragen. Das Abwerg wird auch in der Zwischenzeit von
fremden Händlern in den Häusern aufgekauft. Hanf wird hauptsächlich
nur im Unterland und für den eigenen Gebrauch gebaut. Hopfencultur ist allgemein eingeführt und als lohnend anerkannt, und es gibt
wenige Dörfer und Weiler, wo sie nicht getroffen wird. Einzelne Güterbesitzer haben bis zu 2 Morgen bestockt. Namentlich ist sie in Vichberg
von Bedeutung. Seit 1822 ist hierin Graf v. Waldeck zu Gaildorf mit
gutem Beispiel vorangegangen. (Landw. Corresp.-Bl. 1826, II., 410.
1845, 1846 I., 262). Das jährliche Erzeugniß reicht durchschnittlich für
das Hopfenbedürfniß sämmtlicher Bierbrauer des Oberamtes hin und
die Güte steht dem bayerischen nicht nach. Von Ölgewächsen baut
man hauptsächlich nur Reps in Oberroth und auf dem Schloßgute Waldeck, auch etwas in Ober-Fischach. Mit Madiasativa und mit Mohn
sind in Aichelbach kleinere glückliche Versuche gemacht worden. Erwähnenswerth ist auch, daß zu Ende des verflossenen Jahrhunderts bei
Gaildorf Krapp und bei Ober-Sontheim Taback mit Erfolg gebaut
wurde. (Prescher I., 26.)

Was die Ackerwerkzeuge betrifft, so bedient man sich im Oberamtsbezirke des gewöhnlichen doppelhäuptigen Beetpflugs mit hölzernem
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Riester; doch begegnet man da und dort auch wohl dem Schwerz'schen
Pfluge mit zweitheiliger Sterze, welcher aber für den thonigen Boden in
den Bergen nicht überall passen soll. Die Eggen sind im Unterlande von
einfacher, gewöhnlicher Zusammensetzung, doch meist von Eisen; im
Oberlande gebraucht man die hölzernen sogen. gebrochenen oder Paar-Eggen. Dort wie hier hat die Egge einen Bogen zur Handhabung.
Walzen sieht man nicht. An den Pflug kommen gewöhnlich 1–2 Paar
Ochsen oder Stiere, seltener Pferde, wozu ein Treiber genommen wird;
Söldner bedienen sich der Kühe beim Pflügen. Bei trockener Witterung
werden die Thiere neben einander, bei nasser vor einander gespannt.
Überall ist noch das Doppeljoch angewendet, welches bei den gebirgigen
und steinigen Wegen nicht soll entbehrt werden können. Das Ernten geschieht im Unterlande bei der Winterfrucht mit der Sichel, bei der Sommerfrucht durch die mit einem Reff (Haberrechen) verbundene Sense;
im Oberlande bei größerem Grundbesitz gebraucht man bei allem Getreide die Sense, doch bei der Winterfrucht in der Art, daß die Halme
nicht niedergeschlagen, sondern an die stehende Frucht angelehnt, von den
Sammlern dann behutsam abgenommen und auf Schwaden gelegt wird.
Das Dreschen der Früchte geschieht mit dem Flegel, ihre Reinigung mittelst der gewöhnlichen Putzmühle.

b. Der Gartenbau umfaßt bloß die gewöhnlichen Küchengewächse
und Gemüse. Kunstgärtnereien sind nicht im Bezirke. Das Areal der
Gärten und Länder beträgt 2192 5/8 M., worunter 1464 1/8 M. 30,4 R.
Gras- und Baum-Garten.

c. Wiesenbau. Nach dem Ergebnisse der Landesvermessung sind
21.356 6/8 M. 6,5 R. Wiesen, worunter 12.179 7/8 M. zweimähdige, vorhanden, wovon der Staat 144 3/4 M. 13,9 R., der Adel 253 1/8 M. 41,4 R.,
die Gemeinden und Stiftungen 361 7/8 M. 23,2 R. besitzen. Der Rein-Ertrag der besteuerten Wiesen berechnet sich für das provisorische Cataster
einschließlich des Zehentens zu 117.852 fl. 45 kr. Die Wiesenfläche verhält sich zur Ackerfläche wie 100:170, und wenn zu den Wiesen die Grasgärten geschlagen werden, wie 100:159. Die besten Wiesen sind im
Kocher- und Roth-Thale, wo sie fast jedes Jahr durch Überschwemmung
gedüngt werden und in besseren Jahren drei Schnitte gewähren; aber auch
die dortigen Bergwiesen, durch die aus dem Keupersandstein kommenden
vielen Quellen erfrischt, liefern vieles und vortreffliches Futter. Geringeren Ertrag gewähren die Gründe im Fischach- und Bühler-Thale, noch
geringeren die im Oberlande. Die Wiesen auf dem Welzheimer Wald
endlich sind meist Moore. Als Besserungsmittel wird, wie schon erwähnt,
Hallerde angewendet, welche namentlich auch das Moos vertreibt. Künstliche Bewässerung findet nicht Statt und wäre auch, die Benützung der
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Flüsse und Bäche abgerechnet, nur auf den höher gelegenen Wiesen anwendbar, weil das in den Thälern des Unterlandes quellende Wasser
außerordentlich stark mit aufgelöstem schwefel- und kohlensaurem Kalke
geschwängert ist, und den guten Wiesenkräutern und Gräsern sich nachtheilig erweist. Aber auch da, wo die Wässerung thunlich wäre, wird
sie versäumt und es wäre daher zu wünschen, daß ein Wiesenbauverständiger zu praktischen Unterweisungen in den Bezirk käme. – Aus den
Roth-Thalorten wird alljährlich eine bedeutende Menge Futters nach
Außen verkauft.

d. Weinbau fand in älteren Zeiten im Roth-Thal und längs
dem Kocherufer von Hall aufwärts bis über Schmiedelfeld herauf Statt.
Selbst auf dem Walde, z. B. in Frickenhofen, finden sich Spuren davon.
Er hat sich aber seit dem 17. Jahrhundert bis auf zwei kleine Reste bei
Gaildorf und einige neuere Anlagen bei Hausen und Vichberg (zusammen 1 3/8 M.) allmälig verloren; von dem Erzeugniß der letzteren läßt
sich indessen noch immer Dasselbe sagen, was in einem alten Gaildorfer
Lagerbuche steht: „und ist ein saurer, saurer Wein, Kochenwein genannt.“ *)

e. Obstzucht. Außer den 1464 2/8 Morgen Gras- und Baum-Gärten sind ihr von der obenerwähnten Wiesenfläche 669 M. gewidmet. Obwohl dieselbe im größten Theile des Oberamtsbezirkes von den gedeihlichsten Folgen begleitet seyn würde, was die vielen und starken, jedoch
verwilderten Obstbäume in der Umgebung der meisten Ortschaften beweisen (schon 1371 wird eines Obstgartens bei Ober-Roth, 1385 des
Obstzehentens von Michelbach und 1430 des Obstbaues in Hundsberg
gedacht), so ist doch im Allgemeinen ein höherer, namentlich durch die
anerkennenswerthen Bemühungen der Ortsgeistlichen gepflegter, Sinn
für diesen Culturzweig erst in neuester Zeit wahrnehmbar. Noch nicht
lange war der Obst-Ertrag in den Waldorten größer als in den Thalorten, wo übrigens kalte Nebel und, namentlich im Fischach-Thale, Frühlingsfröste der Cultur schaden. Der Ertrag der entlegeneren Obstbäume
ist dem Diebstahle sehr ausgesetzt und auch hier, wie im Welzheimer
Oberamtsbezirke, hat das Obst den bezeichnenden Namen „Grübsig“.

*) Limpurg hatte in Gaildorf den Weinzehenten und eine erst vor 80–90
Jahren eingegangene Kelter. An Zehent- und Keltern-Wein fielen 1715–1734
daselbst 103 Eimer 10 3/4 Maß, wovon der (hallische) Eimer, deren 10 gleich 1 1/2
württ. Eimer waren, zu 52 kr. geschätzt wurde. Auch auf den Markungen von
Michelbach, Buchhorn, Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen hatte Limpurg
den Zehenten, der 1715–1734 627 Eimer 4 Maß (31 Fuder 7 Eimer 4 Maß),
gleichfalls zu 52 kr. geschätzt, ertrug. Keltern standen ferner in Michelbach und
Ödendorf.
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Längs den meisten Straßen sind jetzt Obstbäume gepflanzt, eine vor wenigen Jahren mit besonderer Aufmerksamkeit ausgeführte und seither gepflegte Baum-Anlage findet sich an den Straßen in der Gemeinde Eschach.
Alles Gedeihen verspricht eine von dem Handelsgärtner Schickler in
Stuttgart vor etwa 10 Jahren bei Seelach angelegte großartigere Obstbaumschule. Auch in Gaildorf und in Eutendorf sind größere Obstbaumschulen; überhaupt aber sind nunmehr die örtlichen Baumschulen im
Stande, die früher von Hohenheim und herumziehenden Händlern erkauften, dem Klima und Boden entsprechenden Sorten vollständig zu liefern.
Baumschulen, worin die Schulkinder in der Baumzucht Unterricht erhalten,
sind in Eutendorf, Laufen, Michelbach, Ober-Fischach und Sulzbach. In
Gaildorf geschieht seit 10 Jahren sehr viel für die Obstcultur, desgleichen
in Rappoldshofen. Besondere Anerkennung verdienen Oberamtspfleger
Pantlen, Löwenwirth Marius und Schlossermeister J. C. Deeg in
Gaildorf, Pfarrer Stiefel in Eutendorf, Pfarrer Troll in Michelbach
und Bauer Joos in Nardenheim. – Die gewöhnlichen Obstsorten im
Thale sind: die Palmischbirne, Kugelbirne, Kupferzeller Mostbirne,
Frankfurter Birne, Langbirne und Grunbirne, sowie der Bietigheimer
Apfel, Backapfel, Süßapfel und neuerlich Luiken, Gold-Parmänen, Calvillen und Reinetten. Auch die Zwetschge wird groß und gut; Kirschen,
obgleich sie selten mißrathen, gibt es wenige. Nußbäume kommen auf
den Höhen häufig vor. Auf dem Walde kommt Frühobst nicht fort. Hier
wie dort ist die Kargenbirne (eine Art Brat- oder Palmisch-Birne)
sehr verbreitet und beliebt, eine Spätbirne, die sich zum Dörren und
Mosten sehr gut eignet. Die Bäume von dieser Sorte versagen den Ertrag in keinem Jahre und haben ein äußerst sicheres und üppiges Gedeihen. – Bis jetzt wurde das Obst hauptsächlich nur gedörrt; die Mostbereitung kommt erst seit 1847 in bessere Aufnahme.

f. Waldbau. Die bewaldete Fläche des Oberamtes bestand zur
Zeit der Landesvermessung aus:
436 Morgen 15,6 Rth. Laubwald,
39.482 7/8 " 21 " Nadelwald und
2475 6/8 " 15,6 " gemischten Wald
zusammen 42.304 6/8 Morgen 4,2 Rth.

Die Waldfläche verhält sich hienach zum Ganzen wie 1:2,8 oder sie
beträgt nicht ganz 1/3 des Ganzen. Da aber seit der Landesvermessung
nicht nur manche theilweise mit Holz bestandene Viehweiden als Wald
eingewachsen, sondern auch größere Hofgüter, wie Forst, Hohenohl,
Heilberg, Dinkbühl, Gschwendhof u. s. w. ganz oder theilweise, im
Gesammtbetrag von etwa 700 Morgen, von der Staats-Finanzverwaltung käuflich erworben und zu Wald angelegt worden sind, so darf
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man annehmen, daß wenigstens 1/3 der Fläche mit Wald bedeckt ist. Im
Eigenthume des Staates befinden sich 12.803 3/8 Mrg. 47,7 Rth.,*) des
Adels 8924 1/8 Morg. 31,3 Rth., der Gemeinden und Stiftungen 587 6/8
Mrg. 26,6 Rth. Beinahe die Hälfte der Waldfläche ist also in den Händen von Privaten. Auf einen Einwohner kommen durchschnittlich 1,54,
also etwas mehr als 1 1/2 Morgen. Nach dem provisorischen Steuer-Cataster, welches das besteuerte Waldareal zu 27.329 3/4 Morgen angibt, ist
der Rein-Ertrag des Morgens zu 49 kr. berechnet.

Die meisten Waldungen liegen auf den Markungen Sulzbach, Ober-Roth und Unter-Roth. Die auf dem Plateau des rechten Kocherufers
liegende Waldmasse bildet den größten Theil des Limpurger Waldes,
während die Waldungen auf der linken Seite des Kochers durch die Roth
in zwei größere Gruppen geschieden werden, wovon die südliche zum
Welzheimer, die nördliche zum Sittenhardter Wald gehört.

Die meisten Waldungen gehören zum Forst Cornburg und sind in
die Reviere Unter-Gröningen, Schmidelfeld, Winzenweiler, Comburg,
Sittenhardt und Mönchsberg eingetheilt. – Ein weiterer nicht unbedeutender Theil liegt in den zum Welzheimer Wald, Forsts Lorch, gehörigen
Revieren Gschwend und Kaisersbach; ein kleiner Theil im Revier Murrhard, Forts Reichenberg; auch das Revier Gründelhard, Forsts Crailsheim, greift auf der östlichen Seite des Bezirks etwas ein.

Die Fichte (Rothtanne) und die Weißtanne sind die herrschenden Holzarten; sie treten theils in reinen Beständen, theils in der Vermischung
unter sich und mit der Forche, Buche, seltener mit weichen Laubhölzern, auf.
In reinen Beständen kommen weiter vor: die Forche, namentlich auf
magerem Keupersand und in südlichen Lagen; ausnahmsweise auf besseren Standorten auch die Buche. Eichen, Birken, Erlen, Hainbuchen,
Sahlweiden, Linden, Aspen, Eschen, Ulmen, Lerchen etc. erscheinen nur
untergeordnet. Letztere sind durch künstliche Cultur entstanden. Seltenere
Holzarten hat der Bezirk nicht aufzuweisen. Das Laubholz ist auch hier
im Laufe der Jahrhunderte zu Gunsten des Nadelholzes sehr zurückgegangen, und namentlich muß dieß von der Eiche und Buche gesagt werden. Die neuere Zeit sucht durch entsprechende Hiebsführungen und
künstliche Culturen, unterstützt durch die seit 10 Jahren entstandenen Pflanzschulen, einer weiteren Verminderung der edleren Laubhölzer entgegen zu arbeiten. Namentlich gilt dieß von den Staatswaldungen, während in den ausgedehnten standesherrlichen Besitzungen mit Rücksicht
auf den Nutzholzabsatz die Fichte und Tanne mehr begünstigt werden.

*) Der Staat hat seit 20 Jahren durch den Ankauf der Herrschaft Unter-Groningen und durch Abtheilung mit der Gerneinherrschaft 
Ober-Sontheim und
dergl. eine bedeutende Masse schöner Waldungen an sich gebracht.
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Boden, Lage und Klima sind im Allgemeinen dem Holzwuchs günstig und das Plateau des Limpurger Waldes eignet sich besser zum Waldbau als zum Feldbau, daher auch im Zusammenhalt mit der dortigen
dünnen Bevölkerung Waldausstockungen zu den Seltenheiten gehören.
Von neuen Waldanlagen ist schon oben gesprochen.

Naturereignisse, wie Stürme, Frost, Schnee und Duft, Insekten
u. s. w. äußern sich auch hier in gewöhnlicher Weise, selten aber in einem
Grade, der bleibende nachtheilige Folgen hätte oder eine regelmäßige
Wirthschaft auf längere Zeit unterbrechen würde.

Der Hochwaldbetrieb ist seit den letzten 15 bis 20 Jahren an die
Stelle des früheren Fehmelbetriebs getreten, der sich nur noch in Privatwaldungen findet, und hier mit Rücksicht auf die Zwecke der Besitzer und
auf das meist sehr getheilte Eigenthum auch fortdauernd erhalten wird.
Die Umtriebszeit steht überwiegend auf 100 Jahre, wobei aber noch lange
Zeit hindurch in Folge der Überlieferungen der Fehmelwirthschaft auch
älteres Holz zur Nutzung kommt. Wohl nirgends im Lande war das
Altersklassenverhältniß der Bestände so sehr gestört, wie in einem Theil
der Staatswaldungen des Gaildorfer Bezirks. Bei einer im Jahr 1841
vorgenommenen Untersuchung hatte sich z. B. gezeigt, daß in Folge des
Fehmelbetriebs und vieljähriger zu geringer Materialnutzungen diejenigen
Bestände, welche ihre Haubarkeit erreicht oder überschritten hatten, in
einem Revier 1/2, in einem andern sogar 2/3 der Staatswaldfläche betragen haben; es wurde deßwegen, und um in ein regelmäßiges Altersklassenverhältniß einzulenken, der jährliche Material-Etat vorübergehend
verstärkt und dadurch der aus früherer Zeit angesammelte unverhältnißmäßig große Vorrath zum Vortheil der Forstverwaltung entsprechend
vermindert, zumal da diese stärkeren Fällungen in die Zeit eines sehr
günstigen Absatzes und hoher Holzpreise fielen.

Die Bewirthschaftung ist namentlich in den Staats- und in den
ausgedehnten standesherrlichen Bezirken, für welch' letztere neuerer Zeit
wissenschaftlich gebildete Forstverwalter aufgestellt sind, eine geregelte zu
nennen, soweit nämlich der frühere abnorme Waldzustand die Anwendung rationeller Grundsätze überhaupt jetzt schon zuläßt.

Die meist aus Nadelholz bestehenden Bauernwaldungen, größtentheils auf ehemaligen Viehtriften erzogen, werden hauptsächlich deßwegen fehmelweise bewirthschaftet, weil so ihre Erträgnisse in mehrfältige
Nutzung sich vertheilen und an den landwirthschaftlichen Bedarf mehr anknüpfen. Denn da die fortwährende Auslichtung dem Boden und den übrigen Bäumen immer wieder Licht und Luft verschafft, so wird hiedurch die
Produktion der Nadelreisstreu außerordentlich befördert und der Boden
fortwährend weidefähig erhalten. Überhaupt sind die Waldungen bei
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dem geringen Ertrage der Felder die Hauptstützen der Bauernwirthschaften,
daher auch das Sprichwort „Holz macht die Äcker stolz.“ Indessen ging
es den Bauernwaldungen in Folge der Kriegs- und Theuerungs-Jahre,
der zunehmenden Güterzerstückelung und zuletzt in Folge der Frohnablösungen stark an's Leben; auch sind bedeutende Flächen in der letzteren Zeit
nach erfolgter Abholzung in das Eigenthum des Staats und der Grundherrschaften übergegangen. Übrigens sind die Privatwaldungen, was
haubares Holz betrifft, in minder befriedigendem Zustand als die übrigen Waldungen.

In den Staatswaldungen sind die Durchforstungen allgemein im
Gange, auch haben sich diese, wie das Stockroden, neuerlich in den Gemeinde- und Privat-Waldungen so weit Bahn gebrochen, als es die schwache
Nachfrage nach geringeren Holzsortimenten zuläßt. Abgesehen von der
Fehmelwirthschaft bildet die natürliche Verjüngung mittelst der Samenschlagstellungen und Nachhiebe die Regel, wird aber durch die sehr in
Schwung gekommene künstliche Cultur, insbesondere durch Pflanzung
der in Saatschulen erzogenen Fichten wesentlich unterstützt und gefördert.
Bei den vor 10 bis 15 Jahren in großer Ausdehnung vom Staat angekauften und aufgeforsteten landwirthschaftlichen Grundstücken hat man
vorzugsweise die Saat von Fichten und Forchen, zur Nachbesserung aber
gleichfalls die Pflanzung gewählt, und es dürfen diese Culturen den schönsten des Landes keck an die Seite gesetzt werden. In den zahlreichen Privatwaldungen hat die künstliche Cultur und namentlich die Fichtenpflanzung, selbst auf umgelegten Rasen, gleichfalls Nachahmung gefunden.

Der durchschnittliche Jahreszuwachs im Nadelholz darf einschließlich
der Durchforstungserträge wohl zu 2/3 bis 3/4 Klafter per Morgen, unter
günstigen Verhältnissen, wie z. B. einem großen Theile der Reviere
Gschwend, Kaisersbach, Unter-Gröningen und der Besitzungen der Standesherren, sogar zu 1 Kl. angenommen werden, wozu noch das Stock- und
Wurzel-Holz-Erzeugniß mit 15 bis 20 Procent des Hauptertrags kommt.
Aber nicht überall kann es vollständig zur Nutzung gebracht werden, aus
Mangel an Absatz. Das Reisach hat als Brennmaterial nicht viele Nachfrage, wird aber um so mehr zur Einstreu verwendet.

Für den Holztransport bestehen außer einigen wechselnden Brennholzwiesen, die an die Floßbäche führen, und Schlittwegen, keine besonderen Anstalten, und das Riesen der Sägklötze hat längst aufgehört; wohl
aber sind im Laufe der letzten 10 Jahre die vormaligen Prügel- oder
Bengel-Wege verlassen, viele Waldwege theils neu gebaut, theils sehr verbessert worden, und es ist in dieser Beziehung hauptsächlich die
ganzen Limpurger Wald durchgehende sogenannte Kohlenstraße zu nennen, auf welcher die Königl. Hüttenwerk des obern Kocherthals einen
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großen Theil ihres Bedarfs beziehen. Noch wichtiger für den Holzabsatz
ist aber die auf dem Kocher, der mitten durch den Bezirk geht, seit Jahrhunderten betriebene Säg- und Brennholz-Flößerei. (Schon im hohen
Mittelalter hatte sie Statt; 1399 schloß hierüber Limpurg einen Vertrag
mit der Stadt Hall.) Sie ist neuerer Zeit hinsichtlich des Brennholzes
bis nach Kochendorf ausgedehnt worden, um nicht nur das Bedürfniß
der dortigen Königl. Saline zu decken, sondern auch den am Fluß liegenden Orten und der Gegend von Heilbronn die Befriedigung ihres Holzbedarfs zu erleichtern. Es werden jährlich 6 bis 8000 Klafter Brennholz
verflößt. Selbst zum Remsfloß gibt der zum Welheimer Wald gehörige
Theil des Oberamts einen Theil seines Brennholz-Erzeugnisses ab. In
Ermanglung von Floßeinrichtungen für Langholz wird eine große Zahl
von Langholzstämmen und einiges Klein-Nutzholz von den auf dem linken Kochergebiet gelegenen Waldungen auf der Achse nach Canstatt, Heilbronn und Neckarsulm gebracht, um von dort aus auf dem Neckar außer
Lands verflößt zu werden. Auch in andere Theile des Inlandes werden
Lang-, Säg- und Klein-Nutzholz, namentlich Weinbergpfähle in großen
Mengen, abgesetzt. Ein starker Absatz von Brenn- und Säg-Holz findet
mittelst des Kochers theils zur Königl. Saline in Hall, theils an die dortigen sehr zahlreich und schwunghaft betriebenen Sägmühlen statt, welche
die Bretter größtentheils wieder an den Neckar bringen. Die Kohlen
finden durch Privatunternehmung auch einen Weg auf kleinere Hammerwerke im Inland und im benachbarten Bayern.

In den Staatswaldungen werden durchschnittlich 25 bis 30% an
Nutzholz abgesetzt, in den standesherrlichen Waldungen aber, wo der
Haushalt mehr merkantilisch betrieben werden kann und die Rücksicht auf
die Befriedigung der Königl. Hüttenwerke und Salinen mit Kohlen und
Holz wegfällt, steigt der Nutzholzabsatz bis auf 56% des Gesammterzeugnisses. Den Privatwaldbesitzern verschafft der Staat durch jährlichen
Ankauf von Brennholz für den Zweck des Flößens und des Verkohlens
eine erwünschte Gelegenheit zum Absatz.

Bei der in den letzten Jahren theils durch Errichtung neuer Gewerbe
und Sägmühlen, theils durch Erweiterung längst bestehender Anstalten,
wie z. B. der chemischen Fabrik in Ödendorf, eingetretenen Vermehrung
des Holzabsatzes im Bezirke selbst, ist der vor mehreren Jahren gefaßte
Plan der Staats-Finanzverwaltung, den Kocher auch für Langholz
flößbar zu machen, um einem Bezirk, der im Verhältnis zur Bevölkerung
viermal mehr Wald enthält, als der Durchschnitt für das ganze Land beträgt, einen entsprechenden Absatz zu sichern, wenigstens für jetzt, als aufgegeben zu betrachten. Die dermalige unvollkommene Kocherflößerei
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erstrecht sich auch auf einige Seitenzuflüsse und wird durch Schwellungen
unterstützt.

Da der Absatz des Lang- und Säg-Holzes im Bezirk von dem Gang
des Holzhandels auf dem Neckar und Rhein, und hauptsächlich von der
Nachfrage auf dem Abstoßplatz zu Mannheim abhängt, so sind auch die
örtlichen Preise, oft in verhältnismäßig kurzer Zeit, einem starken Wechsel
unterworfen und insbesondere ist neuerer Zeit der Langholz-Verkauf
etwas in das Stocken gerathen. Die Preise haben betragen:
	Für 1 Kl.	Scheiterholz	Für 1 Cubikfuß Stammholz	
	buchen	tannen	eichen	tannen
1820	6 fl.	3 fl. 50 kr.	6 kr.	3 kr.
1830	7 fl.	4 fl. 15 kr.	7 kr.	4 kr.
1840	8 fl.	5 fl. 30 kr.	11 kr.	7 kr.
1850	7 fl.	4 fl. 30 kr.	9 kr.	6 kr.*)

Was die Waldnebennutzungen betrifft, so hat die namentlich auf dem
Limpurger Wald sehr stark betriebene Weide durch allmähligen Fortschritt
der Stallfütterung zum Theil aufgehört (s. u.); in futterarmen Jahren
wird jedoch ein ausgedehnterer Gebrauch von ihr gemacht. Auch die
Harznutzung und die mit ihr mehr oder minder zusammenhängenden
Pechsiedereien, Theerschwelereien und Kienrußbrennereien haben fast ganz
aufgehört. Nur in Privatwaldungen und auch außerdem an schon früher
angerissenen Stämmen wird geharzt. Die Zahl der dießfälligen Gewerbe
ist aus dem betr. Abschnitt zu ersehen. Dagegen wird von der Streunutzung wegen der Magerkeit des Ackerbodens ein umfangreicher Gebrauch
gemacht. Auch hat die Waldgräserei, übrigens in unschädlicher Weise,
mehr Eingang gefunden. Die übrigen Waldnebennutzungen verdienen
kaum einer Erwähnung.

Die Walddienstbarkeiten waren nie von großer Bedeutung und sind
im Laufe der Zeit theils im Wege gütlicher Übereinkunft abgelöst worden, wie z. B. die Wegholzgerechtigkeit in der vormaligen Herrschaft
Schmidelfeld, theils unterliegen sie den neuesten Ablösungsgesetzen, theils
haben sie an ihrer Bedeutung verloren, wie die Waldweide.

Auch die unerlaubten Eingriffe in das Wald-Eigenthum sind von
keiner Erheblichkeit; mehr noch in den Grenzorten, als im Innern des
Bezirks.

Wenn man nicht die zum Theil mit Holz bewachsenen Viehweiden,
Allmanden und Ufer hieher rechnen will, so ist die Holzerzeugung außerhalb des Waldes so wenig von Belang, als die Benützung von Surrogaten,

*) Nach Prescher a. a. O. II. 92 kaufte man noch um's J. 1720–1730 100
der stärksten Tannen um 7–8 fl. Wie wenig damals das Holz zu Rathe gehalten wurde, ist ebenda zu finden.
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indem in letzterer Beziehung bloß die neuerer Zeit häufigere Anwendung von Steinen zum Bauen zu erwähnen ist. Wegen des großen
Holzreichthums gehören holzersparende Einrichtungen zu den Seltenheiten. Nur Gaildorf hat ein, übrigens neuerdings nicht mehr benutztes,
Gemeinde-Backhaus, da jeder Hausbesitzer auf dem Lande seinen eigenen
Backofen besitzt. Ein Gemeinde-Waschhaus und eine Obstdörr-Einrichtung findet sich ebenfalls blos in Gaildorf vor, wo auch fast ausschließlich
Kunstherde im Gebrauch sind.

g) Weide-Nutzung. Von 11.597 5/8 M. 24,9 R. Weiden stehen
dem Staate 80 3/4 M. 23,1 R., dem Adel 166 1/2 M. 47,5 R., den Gemeinden und Stiftungen 1169 3/8 M. 14,4 R. zu. Etwa 3/4 davon sind
mit Holz bewachsen. Die Öden umfassen 829 3/4 M. 45,9 R., und Weiden und Öden nehmen zusammen einen Raum von 12.427 1/2 M. 22,8 R.
ein, betragen daher etwa 1/9 des Ganzen (im Oberamte Welzheim 1/50,
im Oberamte Hal 1/33). Für das prov. Cataster ist der Ertrag des
Weide-Areals mit 12.476 1/2 M. zu 5940 fl. 48 kr. und überdieß die Schafweide für 4939 Stücke zu 675 fl. 57 kr. geschätzt. – In den Thalorten
und mittleren Gegenden sind, wie sich hienach finden wird, die Allmanden
vertheilt, im Übrigen herrscht die Weidewirthschaft, da, wie schon erwähnt, der Landmann dort noch immer das Austreiben des Viehes
der Stallfütterung vorzieht. Dabei gilt als Regel, daß vom 1. Mai bis
1. August das Rindvieh in die Waldungen und auf die Heiden, bis zum
24. August auf die Stoppeln und bis zum 1. November auf die Wiesen
kommt, welche letztere von da an bis in's Frühjahr den Schafen eingeräumt sind. Nebenbei werden theilweise auch die Egarten abgehütet.
Im Roththale (Vichberg) bleibt das Vieh auch über Nacht auf den
Weideplätzen, zu welchem Ende besondere Viehhäuser daselbst errichtet
sind. Gemeinschaftliche Hirten sind in der Regel nicht aufgestellt, sondern
es werden gewöhnlich die Bauernknaben zum Hüten des Viehes mißbraucht, welche hiedurch der Schule entzogen werden und sich die Zeit
mit jodelndem Gesange, das inmitten einsamer Heiden und Waldthäler
allerdings gar nicht unromantisch klingt, zu vertreiben pflegen. Mit dem
Rindvieh kommen meist auch die wenigen Schafe, die der Bauer hält,
zur Weide, und wo möglich wird diesen ein schwarzer Ziegenbock beigesellt.

c. Viehzucht.

Die Pferdezahl hat am 1. Januar 1850 betragen 895, worunter
69 Fohlen unter 2 Jahren. Auf 100 M. Fläche kommen 0,7 Pferde.
Der Bezirk nimmt in dieser Hinsicht die 37ste Stelle unter den Oberämtern ein. Die meisten Pferde sind in Gaildorf, Ober-Fischach und
Ober-Sontheim, die wenigsten in Hausen, Ober-Gröningen und Altersberg;
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sie werden gewöhnlich zum Holztransport gehalten. Die Zucht ist
nur unbedeutend; verhältnismäßig am Namhaftesten ist sie in 
Mittel-Fischach und Eutendorf, von wo die jungen Pferde auf den kalten Markt
in Ellwangen zum Verkauf gebracht werden. Eine Beschäl-Platte ist
nicht im Bezirke. Eine Fohlenweide zu Eutendorf ist vor mehreren Jahren wieder eingegangen.

Rindviehzucht. Es sind vorhanden: Ochsen und Stiere über
2 Jahren 3576, Kühe 5958, Schmalvieh 6009, zusammen 15.543 Stücke.
Auf 100 Menschen kommen 56,5, auf 100 M. Bodenfläche 13,0 Stücke.
Hinsichtlich des Rindviehstandes überhaupt nimmt das Oberamt unter
sämmtlichen Bezirken des Landes in der Größe der Zahl die 16, hinsichtlich der Ochsen und Stiere insbesondere die 7., der Kühe die 36. und des
Schmalviehs die 18. Stelle ein. Absolut genommen haben Ober-Roth
und Ruppertshofen die meisten, Gaildorf und Unter-Gröningen die wenigsten Ochsen, Ober-Roth und Eschach die meisten, Ober-Gröningen
und Hütten die wenigsten Kühe, Eschach und Ober-Roth das meiste,
Altersberg und Unter-Gröningen das wenigste Schmalvieh. Mit der
Bevölkerung verglichen ist der Rindviehstand in Vorder-Steinenberg und
Eschau am Größten, in Gaildorf und Unter-Gröningen am Kleinsten;
mit der Bodenfläche verglichen ist er in Eschach und Gaildorf am Größten und in Sulzbach und Laufen am Kleinsten (s. Tab. I.).

Die Rindviehzucht ist, wie schon bemerkt, nächst dem Waldbau die
Hauptnahrungsquelle der Einwohner, da diese die Acker-Erzeugnisse selbst
verbrauchen und somit aus jenen ihre übrigen Bedürfnisse bestreiten müssen. Der Oberamtsbezirk ist die Heimath zweier Rindviehschläge, die sich
ebenso sehr durch angenehme, das Exterieur des Thal- und Berg-Viehs
verschmelzende, Formen bei mittlerer Größe, wie durch ihre Eigenschaften
auszeichnen, nämlich des Limpurger Schlages, der im Ober- und
Unter-Land, und des Leinthaler Schlages, der im Oberlande zu Haus
ist. Der letztere Schlag ist in der O.A.-Beschr. von Welzheim S. 75 beschrieben. Demselben steht nach Form und Eigenschaften der Limpurger
Schlag sehr nahe, welcher mit dem Hallischen sehr nahe verwandt ist.
Die Hauptfarbe ist theils dunkelgelb, theils hellgelb, ohne Abzeichen.
Hat ein Stück ein Abzeichen, so wird es, selbst bei ausgezeichnetem Körperbau, nicht für preiswürdig erkannt. Durchaus einfarbiges Vieh sowohl vom Limpurger als vom Leinthaler Schlag heißt „Wochten“, und
zwar je nach der helleren oder dunkleren Farbe „Hellwochten“ und „Dunkelwochten*. Die Füße sind in der Regel kurz; das Vieh ist aber, wie der
Landmann sagt, rundbeinig und von wohlgefälligem, mehr weitem und
breitem als dünnem Körperbau, hat eine gute, von den Gerbern sehr gesuchte Haut, begnügt sich auch mit rauhem Futter, ist in der Arbeit 
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geschickt und nimmt bei besserer Nahrung und Ruhe schnell im Fleisch auf.
Darum ist dieses Vieh theils jung, theils älter von Fremden zur Mästung
und Arbeit gesucht (Vergl. auch über den Limpurger Schlag: Baumeister im Wochenblatt für Landw. 1836 S. 150.) In den Fischach- und
Bühler-Thalorten ist die Race gemischt und durch die Hallische gekreuzt.
Auch ist durch jüdische Händler vor und nach 1842 entartetes Vieh aus
der Gegend von Ellwangen und vom Donaumoos in das Oberamt gekommen, das jedoch wegen seiner größeren Wohlfeilheit zunächst nur von
Söldnern und ärmern Leuten gekauft wurde. – Der Viehzucht wird
überall die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Durch besonders schönes
Vieh zeichnen sich Gaildorf und Ober-Roth, sodann Mittel- und Ober-Fischach, Eutendorf, Michelbach, Frickenhofen und Eschach aus. Das
abgehende Vieh wird durchaus mittelst eigener Nachzucht, welche von
großer Bedeutung ist, ergänzt. – Die Farren werden meist noch bei den
Bauern umgehalten, doch hat der landwirthschaftliche 
Bezirks-Verein
schon mit manchem Erfolge gegen diesen Hauptübelstand gewirkt. Seit
dessen Erstehung (1840) wird auf Reinerhaltung der beiden heimischen
Viehschläge mit allem Nachdrucke gehalten, daher auch die Farren nur
dem Limpurger und Leinthaler Schlage angehören und einfärbig seyn
müssen. Eine aus zwei Thierärzten bestehende, mit einer besondern Instruction versehene, Commission hält alljährlich an Ort und Stelle Untersuchung der Farren.

Die Milchproduktion ist im Allgemeinen auf den Hausbrauch
beschränkt. In Ober-Roth besteht jedoch seit mehreren Jahren eine durch
einen Angehörigen des Cantons Schwvz betriebene Käsefabrik, wozu
3 Bauern in Ober-Roth und Hausen von 30 Kühen, die nicht auf die
Weide kommen, die Milch liefern. Mastung findet im Fischach- und
Bühler-Thale statt, namentlich in den Orten Rappoldshofen, 
Mittel-Fischach, Ober-Fischach, Hörlebach. Hiezu werden hauptsächlich Rinder
oder auch Ochsen im Alter von 5–7 Jahren angestellt, die aus der Gegend von Gmünd, Welzheim etc. zugekauft und gemästet und von Händlern für Stuttgarter Metzger aufgekauft werden. Häusiger ist jedoch die
schlechte Speculation, daß etwas mehr angefütterte und besser genährte
Ochsen zu Markt gebracht und zur Ausmästung an Haller und Hohenloher
Bauern verkauft werden, die sie dann nach Stuttgart, Eßlingen, Ludwigsburg, Heilbronn, Frankfurt a. M. und Straßburg absetzen.

Überhaupt ist der Rindviehhandel bedeutend; er hat jedoch mehr
Rinder, Stiere und Ochsen als Kühe zum Gegenstand. Es gibt nicht
leicht einen Viehbesitzer, der nicht jährlich 1 bis 4 Stücke zu entbehren
hätte; namentlich auch mit dem Zugvieh wird viel hin und her gehandelt. Dieß geschieht auf den Frühlings- und Spätjahr-Märkten, deren
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Gaildorf 6, Gschwend 4, Ödendorf 2, Sulzbach 3, Ober-Sontheim
3, Geifertshofen 2, Ober-Roth 3 und Seifertshofen 3 hat. Die Verkehrssumme auf diesen Märkten wurde 1830 zu 231.000 fl. angegeben,
(v. Weckherlin, Rindviehzucht W. S. 267.) Am Bedeutendsten sind die
Märkte von Gaildorf und Gschwend, wo manchmal mehr als 1200 Stücke
sich finden und 600–800 Käufe geschlossen werden. Da von dem beliebten Schlage immer alle Gattungen von Schmal-, Melk- und Zug-Vieh
im magern und besser genährten Zustand anzutreffen sind, so sind sie stets
sehr besucht, sogar aus der weitesten Ferne. Auf die Märkte von Ödendorf
werden gewöhnlich die größeren oder schwereren Ochsen gebracht. Über
den Handel in's Ausland fehlen neuere Ziffern; vor etwa 30 Jahren
wurde die Summe, welche von da, namentlich vom Großherzogthum
Baden, für Rindvieh jährlich in's Oberamt kam, zu 375.000 fl. angegeben.

Die Schafzucht ist von geringerem Belang. Der Bezirk nimmt
in dieser Hinsicht die 19. Stelle unter den Oberämtern ein. Er zählt
10.410 Schafe, nämlich 1228 spanische, 6875 Bastarde und 2307 Landschafe. Ober-Roth und Vichberg zählen die meisten Schafe; lauter
Bastarde haben Eutendorf, Hütten, Ober-Gröningen, Ober-Roth und
Ödendorf. Die meisten Bauern halten einige, 5–8, auf größeren Gütern auch wohl 25–100 Schafe. Von den nach Prescher hier früher
einheimisch gewesenen kleinen, zweischürigen, feinwolligen Zaupelschafen
findet sich keine Spur mehr. In einigen Orten, namentlich da, wo die
Stallfütterung beim Rindvieh eingeführt wurde, sind besondere Schäfer
aufgestellt; außerdem kommen die Schafe, wie schon bemerkt, mit dem
Rindvieh auf die Weide. Die Winterung geschieht in den eigenen Stallungen der Schafbesitzer. Häufig wird die Winterweide an fremde Schäfer verpachtet. Etwas Mastung findet in Michelbach Statt. Die Wolle
wird größten Theils zum eigenen Gebrauch verwendet.

Ziegen werden nur von ärmeren Leuten der Milchnutzung wegen
gehalten. Der Bezirk zählt 1285 Stücke, die meisten Ober-Roth und
Sulzbach. Ziegenböcke und zwar von schwarzer Farbe sind bei den
Bauern wegen des Aberglaubens beliebt, daß sie das Rindvieh vor Behexung schützen!

Schweine werden 3236 gezählt; das Oberamt steht dießfalls den
andern Bezirken gegenüber etwa in der Mitte. Die Zucht ist unbedeutender, da unter obiger Zahl nur 78 Zuchtschweine begriffen sind. Sie wird,
seitdem der Eintrieb in die Waldungen aufgehört hat, hauptsächlich nur
noch im Fischach- und Bühler-Thale betrieben. Junge Schweine werden
aus dem Hallischen und von bayerischen Händlern aufgekauft. Die
meisten Schweine haben Ober-Roth und Vichberg.
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In Jahren, in welchen die Sommerfrüchte gerathen sind, werden in
Eschach, Eutendorf, Geifertshofen, Michelbach und im Fischachthale viele
Gänse gezogen und noch jung in den benachbarten Städten verkauft.
Für die Gänse ist gewöhnlich ein besonderer Hirte aufgestellt.

Bienenstöcke hat der Bezirk 1511. Die Bienenzucht wird zwar
allenthalben, am Stärksten in Ober-Roth und Vichberg, doch im Ganzen
nicht sehr belangreich betrieben.

Schnecken- und Blutegel-Zucht finden nicht Statt.

d. Jagd und Fischerei.

Der Wildstand war schon vor dem Gesetze vom 17. August 1849
mäßig. Schwarzwild gehörte längst zu den großen Seltenheiten und auch
Hirsche und Rehe waren nicht häufig, weil das Jagdrecht zwischen dem
Staate und den Standesherren allzu sehr getheilt war. Jetzt ist das Wild
sehr selten geworden, und kaum vermag sich in den größeren Besitzungen
des Staates und des Adels noch ein Reh zu halten. Die Jagden des
Staates und der Gemeinden werden fast ausschließlich durch Pacht
genützt.

Die Fischerei wird in Teichen und auf dem Kocher mit seinen Zuflüssen betrieben, ist aber hier, schon der Flößerei wegen, von untergeordnetem Belange. Sie ist im Besitze des Staates, der Standesherren und
der Gemeinden, und meist verpachtet. Mit dem Aalfange geben sich am
meisten die Müller ab. Die einheimischen Fischarten sind S. 27 genannt.

B. Kunst- und Gewerbs-Fleiß.

Nach dem Stande vom 1. Juli 1851 zählt der Bezirk folgende steuerpflichtige Gewerbe:

	Gewerbe- treibende auf eigene Rechnung	Gehilfen und Lehrlinge		Gewerbe- treibende auf eigene Rechnung	Gehilfen und Lehrlinge
Apotheker	3	2	Conditoren	9	1
Bäcker	71	6	Essigsieder	1	–
Barbiere	6	–	Färber	9	4
Baumwollenweber	3	1	Feldmesser	2	1
Beindrechsler	2	–	Flaschner	1	–
Beinwaarenfabrikanten	1	1	Frachtfahrer	9	–
Bergleute	22	–	Getreidemüller	40	4
Bierbrauer	39	2	Gypser	1	1
Branntweinbrenner	162	–	Gypsmüller	1	–
Buchbinder	3	1	Glaser	13	1
Büchsenmacher	1	–	Glasschleifer	1	–
Bürstenbinder	1	–	Hafner	14	2
Chemische Fabriken	2	9	Hammerschmiede	1	2
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Gewerbe treibende auf eigene Rechnung		Gehilfen und Lehrlinge 		Gewerbe treibende auf eigene Rechnung	Gehilfen und Lehrlinge
Handlungen	30	3	Rothgerber	8	5
Hanfreiber	2	–	Sägmüller	81	3
Harz- u. Kienrußbereiter	7	–	Sattler	11	1
Holzdrechsler	10	–	Sesselmacher	1	–_
Holzhändler	2	–	Schäfer	15	–
Hufschmiede	75	13	Schaufelmacher	3	–
Hutmacher	5	1	Schirmmacher	1	–
Kaminfeger	2	1	Schlosser	12	2
Kaminmacher	1	–	Schneider	80	7
Keßler	2	1	Schreiner	44	2
Kleemeister	2	–	Schuhflicker	8	–
Kleinhändler	136	–	Schuhmacher	155	16
Korbmacher	2	–	Saifensieder	6	–
Kornmesser	2	–	Sailer	12	1
Kübler	26	1	Schildwirthe	82	1
Küfer	16	1	Silberarbeiter	2	–
Kupferschmiede	2	–	Speisewirthe	13	–
Laden- und Schachtel-			Stampfmüller	21	–
macher	20	–	Steinhauer	4	4
Leineweber	118	9	Strumpfstricker	1	–
Lohnmüller	5	–	Strumpfweber	1	–
Lohnfahrer (Hauderer)	2	–	Tuchmacher	3	–
Maurer	88	61	Uhrmacher	5	1
Mechaniker	1	–	Wagner	49	3
Messerschmiede	1	–	Wannenmacher	11	–
Metzger	34	6	Weber	73	–
Musiker	10	–	Weinhändler	9	–
Nadler	1	–	Wein-, Most- u. Brannt-		
Näherinnen	9	–	   weinschenken	64	–
Nagelschmiede	19	5	Weißgerber	1	–
Ölmüller	4	–	Ziegler	22	10
Potaschensieder	36	–	Zimmerleute	60	43
Putzmacherinnen	3	–	Zinngießer	1	–
Rechenmacher	4		Zündhölzchenmacher	1	–

Zu dieser alphabetischen Aufzählung kommt Folgendes zu bemerken:

a. Hauptgewerbe.

Schon eine Vergleichung der Zahl der auf eigene Rechnung arbeitenden Gewerbenden mit der Zahl der Gehilfen und Lehrlinge in obiger Übersicht ergibt, daß die Gewerbs-Industrie des Oberamtes sehr unbedeutend ist.
Dieselbe ist in der That auch allermeist auf Befriedigung des örtlichen
Bedürfnisses beschränkt, und die Handwerker treiben nebenbei mehr oder
{{Seite|72}}

weniger Landwirthschaft. Außer dem Betrieb des Vitriolbergwerks bei
Gaildorf sind als Fabrik-Geschäfte zu nennen: ein größeres chemisches
Fabrik-Geschäft in Ödendorf, eine Soda-Fabrike, eine Glaswaaren-Fabrike und eine Beinwaaren-Fabrike, sämmtlich in Gaildorf. Kunst-
und literarische Gewerbe sind im Bezirke nicht. Im Ganzen zählt derselbe
1955 Meister und 239 Gehilfen und Lehrlinge. Die zahlreichsten Gewerbe sind die der Branntweinbrenner, Schuhmacher und Kleinhändler.
Eigenthümlich dem Bezirke sind die Gewerbe der Potaschensieder, Theerbrenner, Harz- und Kienruß-Bereiter und die meist den Gemeinden Unter-Gröningen und Sulzbach angehörigen Schachteln-, Schaufel-, Rechen-,
Wannen- etc. Macher. Von Bedeutung ist die Zahl der Sägmühlen, deren
eine zu Sulzbach, wo auch eine größere sog. Kunstmühle sich befindet, besonders namhaft ist. Auffallend viele Handwerke hat Unter-Gröningen.
In älteren Zeiten waren mehrere Glashütten im Bezirke.

<center>b. Nebengewerbe.</center>

sind Linnen- und Baumwollen-Spinnen, letzteres namentlich in Unter-Gröningen, obwohl neuerlich nicht mehr von Belang. Das Weben von
Wollen- und Leinen-Stoffen für den eigenen Bedarf bildet eine namhafte
Nebenbeschäftigung; ziemlich viele junge Leute erlernen das Weber-Handwerk, um Winters für ihre Angehörigen zu weben, da nicht leicht
in einem Bauernhause ein Webstuhl fehlt. Auch die Verfertigung von
(contracted; show full)vom Bier (Malzsteuer)  3390 fl. 52 kr.
2) an Accise:
von Güterveräußerungen   2124 fl. –
von Lotterien  27 fl. 3 kr.
von Markt- u. Handels-Waaren von Ausländern  12 fl. 21 kr.
3) Hunde-Auflage einschließlich des gesetzlichen Antheils der Ortsarmenkassen von
562 Hunden  572 fl. 52 kr.

<references/>

VII. Geschichtlicher Überblick und Alterthümer.

1. Politischer Zustand.

Der Bezirk gehörte in den älteren Zeiten größtentheils zum Herzogthum Ostfranken und kleinerntheils zum Herzogthum Schwaben. Die
Grenze zwischen beiden Herzogthümern bildete nach einer Waldbeschreibung von 1027 (Württ. Urk.-Buch I. S. 259) der Steigersbach, der bei
(contracted; show full)
Die Standes-Herrschaften	8211	11	26	21	682	11	2890	34	240	27	7313	13	16	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–
Im Ganzen	224.801	32	3367	52	18.456	–	2921	15	243	–	1.382.671	2508	–	3125	1 	1924	–	266 3/8	22.391	79.118	43.682	11.921	12.325	29.679	17.195	17.280 	295 5/8	64.282 	13.520	7338	9425 
*) Die mit * bezeichneten Gemeinden haben keine Stiftungspflegen.
**) Unter-Gröningen hat die Stiftungspflege gemeinschaftlich mit Ober-Gröningen.