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{{Headline|120||4. Limpurg-Sontheim-Gaildorf.}}

a) Friederike Auguste, die vierte Erbtochter, geb. 1694, † 1746, Gemahl Christian Heinrich, Graf von Schönburg-Waldenburg, hatte eine Tochter: aa) Sophie Heinr. Fried., geb. 1718, † 1757, vermählt zuerst mit Fried. Ernst, Graf von Welz und Speckfeld, dann mit Johann Ph., Graf von Löwenstein-Wertheim und Limpurg. Ihre Tochter aus erster Ehe α) Julianne Mar. Fried. Amöne, geb. 1739, † 1765, war vermählt mit Fried. Phil. Karl, Graf von Pückler (s. zuvor Ober-Sontheim ff. γ). Deren Tochter αα) Caroline Sophie L. Henr. Mar. Leop., geb. 1765, starb 1787 unvermählt, worauf über die Erbfolge ein Proceß entstand, wobei sich jedoch ihr Vater im Besitz erhielt. Von ihm ging die Herrschaft auf seine zuvor erwähnten Söhne aus zweiter Ehe über (s. oben S. 73).

{{Headline|120||5. Limpurg-Sontheim-Michelbach.}}

a) Die fünfte Erbtochter Sophie Elenore, geb. 1695, † 1738, Gemahl Fried. Karl, Graf von Erbach-Erbach, hatte 2 Töchter: aa) Sophie Christ. Alb., geb. 1719, † 1741, Gemahl Friedrich Ludw., Graf von Löwenstein-Wertheim. Ihre 3 Kinder starben bald nach ihr. Die Hälfte der Herrschaft fiel daher nach dem Tode ihres Vaters an die Nachkommen des hienach genannten Grafen Johann Ludwig Vollrath. bb) Fried. Charl. Wilh. Auguste, geb. 1722, † 1786, Erbin der andern Hälfte, Gemahl Johann Ludwig Vollrath, Graf von Löwenstein-Wertheim (s. Ober-Sontheim aa). Die (ebendort genannten) Nachkommen derselben vereinigten, wie schon erwähnt, 1796 die ganze Herrschaft.

Um nun auch die Bestandtheile der Herrschaften im Einzelnen darzustellen, wie sich dieselben sowohl nach den Theilungen von 1707, beziehungsweise 1774, als nach den später eingetretenen Veränderungen gestaltet hatten, so gehörten zu

{{Headline|110||1. Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand}}

die hienach genannten Orte, welche 1785 nach Prescher 2914 Einwohner hatten. Wie schon angedeutet, hatte Herzog Karl von Württemberg am 25/28. October 1780 die Hälfte dieses Landesantheils um 162.400 fl. angekauft. Die Besitzergreifung geschah im November. Die Herrschaft blieb jedoch mit Solms-Braunfels in ungetheilter Gemeinschaft bis 1810 und 1811 die Waldungen und Jagden und am 20. Januar 1832 die übrigen zu 97.640 fl. 3 kr. angeschlagenen Besitzungen und Gefälle durch das 

{{Seite|102 Loos in zwei gleiche Hälften abgetheilt wurden. Durch letzteren Vertrag fielen hinsichtlich der Grundherrlichkeit zu:

A. Dem Staate:

An der Stadt Gaildorf {{Bruch|1|4}} nebst dem Burggut daselbst, in der Gemeinde Eutendorf: Eutendorf, Groß- und Klein-Altdorf, Neuwiese, Schleifrain und Steigenhaus. – Gemeinde Gschwend: Haldenhäusle. – 	Gemeinde Hausen: Erlenhof. – Gemeinde Mittel-Fischach: Rothhof. – Gemeinde Ödendorf: Ödendorf, Hägenau, Niederndorf und Spöck. – Gemeinde Unter-Roth: Hohnkling und Wildgarten. – 	Gemeinde Vichberg: Michelbächle mit Kleehaus, Erlenbach und Gehrhof.

Sodann Rechte: in Gemeinde Altersberg: Brandhof, Haaghof, Haagkling. – In Frickenhofen selbst. – Gemeinde Ober-Roth: Frankenberg, Kornberg, Ofenberg und Wolfenbrück. – Gemeinde Vichberg: Kronmühle, Mittel-Roth und Rauhenzainbach.

B. Dem Fürsten von Solms-Braunfels.

In Gemeinde Altersberg: Eichenkirnberg mit Breitenfeld und Seehäusle, Lämmershof. – Gemeinde Gschwend: Gschwend, Buchhöfle, Birkhof, Dinglensmad, Hetschenhof, Hohenreut, Humberg, Mühläckerle, Rauhengeren, Roßsumpf, Schlechtbach, Schmiedbügel, Straßenhaus. – Gemeinde Hausen: Völklenswald. – Gemeinde Unter-Roth: Unter-Roth mit Ölmühle und Chausseehaus, Bröckingen, Kieselberg, Münster mit Mühle, Reippersberg und Schönberg. – Gemeinde Vorder-Steinenberg: Vorder-Steinenberg, Kapf, Nardenheim, Stixenhof.

Sodann Rechte: in Gemeinde Frickenhofen: Joosenhof. – Gemeinde Gschwend: Waldhaus.

2. Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim.

Von diesem Landestheile, der 1785 2715 Einwohner hatte, erwarb Herzog Karl von Württemberg am 2. Januar 1790 eine Quart um 140.000 fl. und nahm im April Besitz. Mit den Inhabern der drei andern Quarten bestand Gemeinschaft, bis 1814–1815 die Waldungen und Jagden, und am 19. Januar 1819 auch die Gefälle und übrigen Rechte abgetheilt wurden. Hiedurch erhielten von den Orten des Landestheils:

A. Der Staat:

In der Gemeinde Altersberg: Hugenbeckenreute und Hundsberg. – 	Gemeinde Gschwend: Hugenhof, Humbach und Seelach mit Neuhaus. – Gemeinde Hütten: Hütten und Hankertsmühle. – Gemeinde Ober-Roth: Frankenberg, Kornberg, Hammerschmiede, Hohnhardsweiler, 

{{Seite|103 Marhördt, Obermühle und Wolfenbrück. – Gemeinde Vorder-Steinenberg: Deschenhof.

Sodann Rechte in Hausen selbst. – Gemeinde Hütten: Scherbenmühle. – Gemeinde Ödendorf: Ödendorf, Hegenau und Niederndorf. – Gemeinde Ober-Roth: Ofenberg. – Gemeinde Unter-Roth: Mühle bei Münster.

B. Die Grafen von Waldeck, von Solms-Rödelheim und Ysenburg-Meerholz, der Letztere mit seiner Nichte, der Freifrau von Röder:

An der Stadt Gaildorf {{Bruch|1|4}}, in der Gemeinde Altersberg: Altersberg, Brandhof, Gläserhof, Haaghof, Haagkling, Hengstberg, Horlachen, Krämersberg mit Krämershof, Neumühle, Pfeifershof, Peitschenhof, Schierhof, Sturmhof und Wasserhof. – Gemeinde Gschwend: Haasenhöfle, Hollenhof und Straßenwald. – Gemeinde Hausen: Wiesenbach. – Gemeinde Ober-Roth: Ober-Roth, Badhaus, Brennhof, Dexelberg, Ebersberg, Falkenhölzle, Glashofen, Konhalden und Marbächle. – Gemeinde Vichberg: Vichberg, Buschhof, Dappach, Diebach, Glattenzainbach, Kronmühle, Mittel-Roth, Rauhenzainbach, Langert, Waldeck mit Stöckenhofer-Sägmühle, und Wörbelhöfle.

Sodann Rechte in:

Gemeinde Altersberg: Breitenfeld und Eichenkirnberg. – Gemeinde Eutendorf: Eutendorf, Groß- und Klein-Altdorf. – In Gschwend selbst. – Gemeinde Hausen: Erlenhof. – Gemeinde Ödendorf: Hägenau und Spöck. – Gemeinde Unter-Roth: Unter- Roth, Bröckingen, Hohnkling, Münster und Schönberg. – Gemeinde Vichberg: Gehrhof.

Nachdem Graf von Waldeck am 23. April 1819 das Röder'sche {{Bruch|1|6}} an den Ysenburg'schen Quart um 10.000 fl., und am 6. Juli 1819 die Solms-Rödelheim'sche Quart um 74.000 fl. erworben, wurde am 13. November 1824 getheilt und den Gräfinnen von Ysenburg-Meerholz zugeschieden die der Gemeinde Ober-Roth zugehörigen Orte: Ober-Roth, Badhaus, Brennhof, Dexelberg, Ebersberg, Glashofen, Konhalden und Marbächle, wogegen dem Grafen von Waldeck die übrigen Orte verblieben.

3. Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld.

Nach Prescher bildeten diese Herrschaft, welche 1785 1670 Einwohner hatte: von der Gemeinde Frickenhofen: Kellershof, Schöllhof und Steinhöfle. — – Von der Gemeinde Geifertshofen: Geifertshofen, Gantenwald, Imberg, Immersberg, Säghalden, Trögelsberg und Wurzelhof. – Gemeinde Laufen; Laufen mit Windmühle, Braunhof, 

{{Seite|104 Eisenschmiede, Heerberg, Heilberg, Hochhalden, Knollenberg, Krasberg, Rübgarten, Teutschenhof, Weiler und Wimbach. – Gemeinde Sulzbach: Sulzbach, Aichenrain, Altschmiedelfeld, Brünst, Egelsbach, Engelsburg, Frankenreute, Hagelenshöfle, Hohenberg, Kohlwald mit Stöckenhof, Mühlenberg, Nestelberg, Neuhorlachen, Schmiedelfeld, Uhlbach und Wolkenstein.

Diese Herrschaft kaufte Herzog Karl von Württemberg am 25. Oct. 1781 um 375.000 fl. und ergriff am 2. November Besitz.

4. Limpurg-Sontheim-Gröningen.

Prescher gibt folgende Bestandtheile, 1785 mit 1544 Einwohnern, an: In der Gemeinde Eschach: Eschach, Batschenhof, Götzenmühle, Hirnbuschhöfle, Holzhausen, Kemnathen. – Gemeinde Laufen: Eckenberg, Falschengehren, Forst, Schönbrunn und Wengen. – Gemeinde Ober-Gröningen: Ober-Gröningen, Algishofen, Buchhof, Fach, Suhhaus, Schlauchhof und Wahlenhalden. – Gemeinde Sulzbach: Grauhöfle, Gutschenhof, Haslach und Ochsenhöfle. – Gemeinde Unter-Gröningen: Unter-Gröningen, Billingshalden, Dinkbühl, Gschwend-hof, Ochsenhof, Röthenberg, Wegstetten.

Fürst Rudolph von Colloredo-Mannsfeld verkaufte diese nachmalige Standesherrschaft am 12. Januar 1827 um 141.000 fl. an den Staat.

5. Limpurg-Sontheim-Ober-Sontheim.

Nach Prescher hatte diese Herrschaft 1785 1500 Einwohner und folgende Bestandtheile:

In der Gemeinde Geifertshofen: Leippersberg. – Gemeinde Mittel-Fischach: Mittel-Fischach, Unter-Fischach und Weiler. – Gemeinde Ober-Fischach: Beutenmühle und die Gemeinde Ober-Sontheim.

Wie schon bemerkt, kaufte Herzog Karl von Württemberg am 30. Juni 1782 2/6 dieser Herrschaft um 99.100 fl. Ein weiteres {{Bruch|1|6}} erwarb der Staat am 9. October 1829 um 45.000 fl. Was die vierte, von der 1793 verstorbenen Gräfin Caroline Chr. von Pückler herrührende, Sexte betrifft, so kaufte der Staat am 5. Mai 1839 von den fürstlichen und gräflichen Familien v. Sayn-Wittgenstein 385/504 um 34.375 fl., und am 13. Mai 1839 weitere 108/504 von den Grafen Friedrich und Ludwig von Pückler um 9642 fl. 51 kr., so daß, abgesehen von den 11/504, welche die beiden Gräfinnen von der Recke-Volmerstein an dieser Sexte besitzen, dem Staat {{Bruch|2|3}} und dem Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg {{Bruch|1|3}} des Ganzen zustehen. Am 6. November 1848 wurde die bis dahin gemeinschaftlich gewesene Verwaltung aufgehoben und das Gut 

{{Seite|105 wie folgt abgetheilt: a) die Gefälle sollen abgelöst und die Ablösungs-Capitalien zu {{Bruch|2|3}} dem Staat und {{Bruch|1|3}} Löwenstein zugetheilt werden. Ebenso werden die Jagden und die zu 222.000 fl. 42 kr. angeschlagenen Waldungen und die Zehenten vertheilt, welche letztere bis zur Ablösung in Ober-Sontheim und Vetterhof (O.A. Ellwangen) dem Staat, in Mittel- und Unter-Fischach, Leippersberg und Weiler Löwenstein erhebt. Die Pfründen des Hospitals zu Ober-Sontheim werden nach einem Turnus vergeben. b) Der Staat erhält ferner die standesherrlichen (Rechte, das Schloß und die Güter zu Ober-Sontheim, wogegen er auf die von der Mitherrschaft herrührenden Rechte zu Rappoldshofen verzichtet und die zuvor erwähnten Ansprüche der Gräfinnen von der Recke allein zu befriedigen hat. c) Löwenstein erhält ferner in den zuvor erwähnten ihm zehentbaren Orten und in Beutenmühle die standesherrlichen Rechte, verzichtet aber auf die Ausübung solcher Rechte in Vetterhof, Bühlerthann, Kottsbühl, Geifertshofen, Markertshofen, Eschenau, Merkelbach, Oberspeltach, Sulzdorf und Unterweiler, wo die Gemeinherrschaft Ober-Sontheim bisher einzelne Rechte besessen hatte.

6. Limpurg-Sontheim-Gaildorf.

Die Bestandtheile sind nach Prescher, welcher auf 1785 die Einwohnerzahl zu 2109 angibt, und der S. 73 erwähnten Declaration:

An der Stadt Gaildorf {{Bruch|1|2}}; in der Gemeinde Eschach: Helpertshofen, Seifertshofen und Vellbach. – Gemeinde Frickenhofen: Dietenhof, Lindenreute, Metzlenshof, Mittelbronn, Ottenried, Rappenhof, Spittelhöfle und Wildenhöfle. – Gemeinde Mittel-Fischach: Engelhofen. – Gemeinde Ruppertshofen: Ruppertshofen, Birkenlohe, Hinter-Linthal, Hönig, Steinendach, Striethof und Thonolzbronn. – Gemeinde Sulzbach: Bayerhöfle. – Gemeinde Vorder-Steinenberg : Greuthöfle, Heinlenshof, Heinlensmühle, Hellershof, Hüttenbühl, Neuwirthshaus und Wahlenheim.

Zu der Herrschaft gehörten noch mehrere Orte im Oberamt Welzheim (O.A.-Beschr. S. 3 u. f.), die noch mit der Standesherrschaft verbunden sind, da jene keine Änderung erlitten hat.

7. Limpurg-Sontheim-Michelbach.

Nach der mehrerwähnten Schrift bildeten diese Herrschaft:

Von der Gemeinde Michelbach: Michelbach, Buchhorn, Gschlachten- und Rauhen-Bretzingen, Hagenhof und Hirschfelden, Kohlhäu und Steinbrück. – Gemeinde Ober-Fischach: Ober-Fischach, Benzenhof, Fallhaus (Röschbühl), Hörlebach und Rappoldshofen, zusammen 1785 mit 1328 Einwohnern. 

{{Seite|106 Durch Vertrag zwischen Württemberg und Löwenstein-Wertheim-Freudenberg vom 22. Novbr. 1805 trat ersteres gegen Antheile an der Herrschaft Adelmannsfelden seine Rechte und Gefälle in Hirschfelden, Rauhen-Bretzingen, Engelhofen, Hörlebach, Rappoldshofen und Ober-Fischach mit aller Landeshoheit, sowie die Lehen und Zinsgefälle in Gschlachten-Bretzingen, auch den großen und kleinen Zehenten zu Michelbach und den Pfarrsatz zu Ober-Fischach, an diese Herrschaft ab.

Ungeachtet dieser wohl sonst beispiellos häufigen Erbtheilungen und fast in's Unglaubliche gegangenen Zersplitterungen, und obwohl die Herzöge von Württemberg in Folge der gemachten Erwerbungen sich auch als „Graf und Herr zu Limpurg-Gaildorf und Sontheim-Schmiedelfeld, auch Ober-Sontheim“ titulirten, hatte doch die Herrschaft Limpurg ihre politische Selbstständigkeit bis zur Auflösung des deutschen Reichs behauptet. Erst durch die Rheinbund-Acte vom 23. August 1806 fielen die noch nicht württembergischen Antheile unter die Staatshoheit Württembergs, das am 11. September dieselben übernahm und am 17. October sich huldigen ließ. Die Einwohnerzahl der ganzen Herrschaft oder Grafschaft hatte 1785 14.404 betragen. Was die Repräsentation auf Reichs- und Kreis-Tagen betrifft, so führte sie bis 1806 ebensowohl im fränkischen Grafen-Collegium als beim fränkischen Kreise je zwei Stimmen unter dem Namen Limpurg-Gaildorf und Limpurg-Speckfeld. Der Kreis-Matrikular-Anschlag betrug 1720 im Ganzen 64 fl., das Contingent: an Musketieren 104, Grenadieren 5 und an Dragonern 26 Mann, wovon in Friedenszeiten die Hälfte aufzustellen war. Zu Behandlung der polizeilichen, gerichtlichen, finanziellen und geistlichen Angelegenheiten bestanden eigene „Canzleien“ je für die Wurmbrand'schen, Solms'schen, Ober-Sontheim'schen, Gaildorf'schen und Michelbach'schen Landestheile; wogegen im Schmiedelfeld'schen und Gröningen'schen die Geschäfte durch unmittelbare Berichte an die Herrschaften erledigt wurden. Das ganze Gebiet war in 8 Ämter eingetheilt: Stadtamt Gaildorf, wofür drei Stadtamtmänner bestellt waren, weil ebenso viele Herrschaften daran Theil hatten, Landamt Gaildorf (Wurmbrandisch und Pücklerisch), Ämter Gschwend, Ober-Roth, Schmiedelfeld, Unter-Gröningen, Ober-Sontheim und Michelbach. Die Finanzsachen hatten entweder zugleich die Amtmänner oder eigene Kammerräthe, die Forstsachen eigene Forstmeister in jedem Landestheil zu besorgen. Jeder Landestheil hatte auch seine besondere Kriegs- oder Landschafts-Kasse, welche die zu Bestreitung der Reichs- und Kreis-Leistungen bestimmten Steuern zu verwalten und die Marsch-Commissariats- und Quartiers-Sachen zu besorgen hatte. Über die im Limpurgischen giltig gewesenen Gesetze s. Wächter, württ. Privatrecht II., 738 etc. 

{{Seite|107 Da übrigens im Süden Württemberg und Kloster Lorch und Adelberg, im Westen Württemberg und Kloster Murrhardt, im Norden die Reichsstadt Hall und das Ritterstift Comburg, und im Osten die Reichstadt Gmünd und die Propstei Ellwangen an das Limpurgische grenzten, so hatten sich in vielen Orten Condominate gebildet, die theilweise bis 1806 sich erhielten.

Was namentlich die Besitzungen Cornburgs, Gmünds, Halls und Ellwangens betrifft, so waren dieselben durch den Pariser Frieden vom 20. Mai 1802 und den Reichs-Deputationsschluß vom 25. Febr. 1803 an Württemberg gefallen, während die wenigen reichsritterschaftlichen Unterthanen mit der Subjicirung von Limpurg überhaupt unter die Hoheit der Krone kamen.

Vermöge der nun eingetretenen neuen Organisation wurde im Juni 1807 das Oberamt Gaildorf aus den sämtlichen limpurgischen Herrschaften, einschließlich Adelmannsfeldens, jedoch ausschließlich der Herrschaft Schmiedefeld, aus welcher mit ihren Bestandtheilen (S. 103) ein besonderes Oberamt gebildet worden, geschaffen. Am 26. April 1808 kamen folgende Orte, von denen allermeist zuvor schon Antheile hierher gehört hatten, zu dem Bezirke: vom Oberamt Hall: Ödendorf, Niederndorf, Spöck und Hägenau; vom Oberamt Vellberg: Gschlachten-Bretzingen, Hausen, Scheuerhalden, Erlenhof, Reippersberg, Groß-Altdorf, Unter-Roth, Unter-Fischach, Winzenweiler und Theuerzen; vom Oberamt Gmünd: Holzhausen, Kemnaten, Gehrenhof, Waldmannshofen, Ruppertshofen, Vellbach, Hönig, Helpertshofen, Hirschbachhof, Höllhof, Joosenhof, Mittelbronn, Steinenbach, Thonolzbronn, Wimberg, Wolfsmühle, Eigenhof, Steinhöfle, Frickenhofen, Weiher, Bittelhof, Boschenhof, Lettenhäusle, Ölmühle, Ulrichsmühle; vom Oberamt Welzheim: Felgenhof, Steinenforst, Ernst, Hetzenhof, Hafenthal, Hinter-Linthal, Hinter-Steinenberg, Hohenohl, Hohenreuth, Linsenhof, Rothenhaar, Spatzenhof, Schotthof, Schlechtbach, die Siebenzehner in Altersberg, Nardenheim, Seelach, Kapf, Vorder-Steinenberg, Deschenhof und Stixenhof; vom Oberamt Murrhardt: Hollenhof, Glashofen, Frankenberg, Obermühl, Wolfenbrück; vom Oberamt Backnang; Hohnhardsweiler, Kornberg, Ofenberg, Scherbenmühle, Stiershof und Wiesenbach; vom Oberamt Weinsberg: Hütten. Dagegen fielen Lindenthal und Schlechtbach an das Oberamt Schorndorf, Breitenfürst an Welzheim und das Unteramt Adelmannsfelden an Ellwangen. Gleichzeitig wurde auch das in ein Unteramt verwandelte Oberamt Schmiedelfeld mit dem Bezirke verbunden. Bei der erstmaligen Eintheilung des Königreichs in Kreise im Jahr 1806, wurde das Oberamt dem Kreise Ellwangen, bei der Eintheilung in Landvogteien 1810 der Landvogtei am 

{{Seite|108 Kocher und bei der neuen Kreiseintheilung 1818 dem Jagstkreise zugewiesen.

Das Cameralamt Gaildorf wurde 1807 aus den württembergischen Antheilen an der Herrschaft Limpurg, aus Theilen der Murrhardt'schen Pflege Westheim, aus solchen der Cameralbezirke Comburg, Rosengarten und Vellberg gebildet, und v. 1. Juli 1838 an durch Zutheilungen von den Cameralämtern Murrhardt und Lorch erweitert, so daß es nun als Cameralamt II. Classe den entsprechenden Oberamtsbezirk vollständig umfaßt.

2. Kirchliche Verhältnisse.

Die ältesten Pfarreien sind Ober-Roth und Vichberg, dann Geifertshofen und Michelbach. Die Grenzen der Herzogthümer entsprachen auch der Bisthumsgrenze: die Kirchen Eschach, Frickenhofen und Ober-Gröningen (in Schwaben) gehörten der Augsburger, die übrigen (in Franken) der Würzburger Diöcese an. Diese waren dem Landcapitel Hall zugetheilt, wahrend die eben gedachten drei Pfarreien jenem in Lautern angehörten. Im Jahr 1412 war der Sitz des Haller Dekans in Eutendorf, 1424 in Münster.

Ein Kloster war nicht im Oberamte, wohl aber ein Wallfahrtsort: die Capelle in Heerberg.

Die Reformation wurde in Frickenhofen 1537, im Limpurgischen aber später als im Gebiete der Reichsstadt Hall eingeführt. Erst 1544 erklärten sich die Schenken Wilhelm von Gaildorf und Karl von Speckfeld für den Protestantismus, und endlich that dieß auch Erasmus zu Ober-Sontheim, der 1548 Retter und Beschützer Brenzens wurde. Das Werk ward aber durch die jetzt eingeführte Interimsverordnung aufgehalten, und erst nach dem Religionsfrieden, namentlich durch den Eifer der Schenken Christoph und Heinrich, mit Hülfe von Brenz, um's Jahr 1556 völlig zu Stande gebracht. Nun 1561 u. f. wurden in Gaildorf und Ober-Sontheim Superintendenten aufgestellt, später aber die Consistorialgeschäfte mit den Regierungs-Canzleien vereinigt. Jede der beiden Hauptlinien machte auch besondere Kirchenordnungen bekannt. – Das jetzige evangelische Dekanatamt Gaildorf wurde am 26. Juni 1807 errichtet und 1810 dem Generalat Öhringen, 1823 aber dem in Hall untergeordnet; die nun zum Dekanat gehörige Pfarrei Ödendorf, früher dem Prälaten von Murrhardt untergeordnet, war 1684 dem Dekanat Marbach und 1695 dem in Backnang untergeben, welchem auch die Pfarreien Geifertshofen und Sulzbach nach ihrer Erwerbung durch Württemberg zugetheilt worden waren. Frickenhofen war bis dahin dem Dekanat Schorndorf zugetheilt. 

{{Seite|109 Die katholische Pfarrei Hausen, seit ihrer Errichtung unter dem Landcapitel Gmünd und dann Bühlerthann stehend, wurde 1816 jenem in Unterkochen, und die neuere katholische Pfarrei Unter-Gröningen schon früher dem Dekanat Gmünd zugetheilt. Im Übrigen stammen die Katholiken allermeist von vormaligen Unterthanen der Gebiete von Comburg und Gmünd ab, wo die Reformation keinen Eingang gefunden hatte.

3. Besondere Ereignisse.

Aus den Zeiten des Mittelalters ist, nächst den Fehden, welche die Zerstörung mehrerer Burgen im vierzehnten Jahrhundert herbeiführten, der Bauernkrieg zu erwähnen, in welchem die Limpurger, vereint mit den Hallern, die S. 167 der O.A.-Beschr. von Hall erwähnte Rolle spielten. Bald nach dem Kampfe bei Gottwollshausen am 4. April 1525 sammelten sich die Limpurger Bauern unter dem Namen des „gemeinen hellen Haufens“ und unter den Befehlen des Pfarrers Held von Bühlerthann und des Vogtes Fierler von Thannenburg, im Städtchen Gaildorf, wählten den Pfarrer Wolfgang Kirschenbeißer von Frickenhofen zu ihrem Canzler und erließen nach allen Seiten hin Aufforderungen zum Zuzuge, auch an die Schenken Gottfried und Wilhelm, die sich mit dem übrigen Adel der Gegend am 1. Mai für die Artikel der Bauern erklärten. Verstärkt durch Bauern aus dem Hall'schen, Gmünd'schen, Ellwangen'schen und Württemberg'schen brachen sie nach Ostern auf, um, theilweise mit anderen Haufen, die Schlosser Hohenstaufen und Teck, und die Klöster Lorch und Adelberg zu zerstören und das Kloster Murrhardt zu berauben. Als sie nach den Niederlagen bei Böblingen und Würzburg heimgekehrt waren, wurde Pfarrer Kirschenbeißer mit Andern am 23. Juni in Hall enthauptet. – Im November 1546, im schmalkaldischen Kriege, zogen die Hessen von Gmünd her über Gaildorf. – Im dreißigjährigen Kriege brach am 9. April 1634 über Murrhardt eine kaiserliche Streifrotte in das limpurger Land ein und kam nach Gaildorf. Da floh Alles nach Schorndorf, Weinsberg, Heilbronn etc. und die Orte wurden plötzlich menschenleer. Viele flüchteten sich in die Wälder und errichteten in abgelegenen Schluchten Verhacke, wo sie sich mit wenigem Vieh etwa ein Vierteljahr lang verborgen hielten. Die Soldaten aber raubten und sengten in den Dörfern, plünderten die Schlösser Gaildorf, Ober-Sontheim und Schmiedelfeld, verschonten selbst die Kirchen nicht und marterten die wenigen Menschen, welche sie trafen. Auf diese Verwüstungen folgten Hunger und Pest, die bis 1637 fortwüthete. Nur in der Herrschaft Gaildorf war im Jahr 1634 die Zahl der Gestorbenen 2612; die Einwohnerzahl ganzen Grafschaft war noch 1650 kaum halb so groß, 

{{Seite|110 als sie im Jahr 1610 gewesen. – Im spanischen Erbfolgekriege (1707) zogen Bayern und Franzosen durch das Land; einer französischen Streifrotte, welche des Plünderns wegen eingedrungen, setzten sich die Bürger Gaildorfs und einige Landleute bei Unter-Roth entgegen, sprengten die Feinde haufenweise in die Roth und machten Alle nieder. – Vom 1. bis 3. September 1741 zogen die Franzosen zu Eroberung Böhmens durch's Limpurg'sche; ihr Lager stand bei Reippersberg, Hohnkling und bei Gaildorf; im Februar 1743 kam der Rest des geschlagenen Heeres in starken Märschen wieder durch, von österreichischen Husaren verfolgt. – Nun behielt das Ländchen Ruhe und hatte auch, mit Ausnahme der Waldorte (O.A.-Beschr. Welzheim S. 110), in den Kriegen des verflossenen und zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts nichts Besonderes zu klagen.

4. Alterthümer.

A. Römische. *)

Unzweifelhafte Spuren der Römer finden sich am westlichen Ende des Oberamtsbezirks auf der Markung Hütten, wo der römische Grenzwall Limes transrhenanus), unter der gewöhnlichen Benennung „Schweingraben“ {{Bruch|1|4}} St. nördlich von Grab, O.A. Backnang, über die Oberamtsgrenze zieht. Er überschreitet auf der Grenze den Schönthaler Bach, führt in schnurgerader nordwestlicher Richtung über einen Bergrücken zwischen diesem Bach und der Roth, bis zu der an letzterem Flüßchen gelegenen Hankertsmühle, an welcher er ungefähr 150 Schritte westlich vorüber zieht. Von hier läuft der Grenzwall über die unterste Spitze des Bergrückens, auf welchem Mönchsberg steht, kommt aber bald wieder in ein dem Roth-Thal zuziehendes Seitenthälchen; dieses überschreitend setzt er im Walde zwischen Mönchsberg und dem Württembergerhof fort, erreicht bald die Grenze zwischen den Oberämtern Weinsberg und Gaildorf, und führt auf dieser fort, bis er am nordwestlichen Ende des Oberamts Gaildorf ungefähr 250 Schritte östlich vom Neuwirthshaus dasselbe verläßt. Der Wall und der an seiner Ostseite ziehende Graben ist noch an vielen Stellen sichtbar. Im Rücken desselben, zwischen dem Schönthaler Bach und der Roth, befinden sich die Reste eines der vielen römischen Wachhäuschen, welche längs des römischen Grenzwalls standen (s. O.A.-Beschr. von Welzheim S. 111).

Außer dieser römischen Grenzverschanzungslinie befindet sich im Oberamt noch eine Menge meist unter den Benennungen „Landgraben“, „Schweingraben etc.“ vorkommender Schanzen, deren ursprüngliche 

*) Von Topograph Paulus. 

{{Seite|111 Bestimmung noch nicht genügend erörtert ist. Die Volkssage, wornach sie in den ältesten Kriegszeiten aufgeworfen worden wären, ist wahrscheinlich, da durch diese Schanzen stets dominirende Höhen vertheidigt sind und dieselben nicht wie eine Grenzlinie, ein Landgraben etc. zusammenhängend, fortziehen. Dergleichen Schanzen kommen vor: bei Wahlenheim, Hinter-Steinenberg, Vorder-Steinenberg, Hinter-Linthal, Ruppertshofen, Eschach, Hornberg, Hinter-Langert, Rupphof, Wolfenbrück u. s. w. Westlich von Mittel-Fischach befinden sich Verschanzungen, die Prescher in seinen historischen Blättern S. 24 wie folgt beschreibt:

„Auf einem ungebauten waldigen Berghügel, fast gleich weit von Hall und Gaildorf entlegen, in der Richtung von Mittel-Fischach her gegen Abend, und nordwärts von Eutendorf, finden sich fortlaufend Ruinen und Mauern, auch eine ziemlich große Schanze mit Aufwurf und Gräben und, so viel man noch wahrnehmen kann, mit etwas abgerundeten Ecken. Die Schanze trägt noch, wie allen dort herumwohnenden Landleuten bekannt ist, die Namen Schanze oder Schanzlöcher. Gegen Morgen hin liegt der Streitberg, welcher ebenfalls voll von Steinen ist, die eine gewaltsame Zerstörung vermuthen lassen. Mittagswärts ziehet sich die sogenannte Beinhalde in die Tiefe. An dem Streitberg befindet sich ein Ort, der zu einer Warte, specula, gedient haben mag, und noch das „Hörle“ heißt. Abendwärts gegen Michelbach hin ist ein Strich, der die sonderbare Benennung „Katzengohren“ führt. Weiterhin gegen Abend kommen wieder allerlei Mauer-Ruinen, die sich an den Schnayberg hinüberziehen. Bei diesen Ruinen erfährt man von den Landleuten, daß einige Stellen den Namen führen: beim Böllriegel, Landgraben, Steinmäuerle, Schenkendöbele, bei der Mauer. Gegenüber auf der Höhe des Buchhorner Berges, wo nordwärts ein sehr alter Burgstall zu finden ist, trifft man schon wieder auf der Spitze, die herab in's Thal sieht, den derselben anklebenden Namen Schanze an. Und begibt man sich in derselben Richtung über den Kocher, so stößt man wieder auf einen Graben mit einem Aufwurf und Gebüsch, der sich das Gebirge hinan abwärts zieht etc.“

Hieraus läßt sich auf eine namhafte Verschanzung des Gebirgszugs zwischen der Fischach und dem Kocher schließen. Die Verschanzungslinie setzte sogar auf der andern Seite des Kochers fort und lief vermutlich auf den Gebirgszug zwischen Kocher und Roth, um auch diesen zu vertheidigen. Auch die oben angeführten Schanzen bei Wahlenberg etc. befinden sich nur auf Gebirgsplateaux zwischen je zwei Thalabhängen, und ihre Anlage zeugt in strategischer Beziehung von einer umsichtigen Benützung des Terrains. Die bisherige Annahme, daß die Römer nur bis an den Grenzwall vorgedrungen seyen und das Land jenseits desselben 

{{Seite|112 nicht inne gehabt haben, wird, da jene Werke auf die Römer zurückweisen, etwas wankend. Es läßt sich auch von einem erobernden Volke, wie die Römer, nicht annehmen, daß sie sich stets inner der ausgesteckten geraden Linien gehalten haben, vielmehr vermuthen, daß sie auch die dominirenden Höhen außerhalb derselben für sich benützten und wenigstens periodisch weiter vordrangen. Ohne Zweifel waren hier die Römer in den ersten Jahrhunderten nach Christus in der Ecke, die der spätere Limes bildete, weit mehr gegen Norden vorgedrungen, konnten sich aber in diesem so schwer zu vertheidigenden, zerrissenen, mit zahlreichen Thälern und Schluchten durchfurchten Terrain gegen die ankämpfenden Alemannen nicht in die Länge halten, und regulirten deßwegen später ihre Marke durch den Grenzwall, an welchen sie dann auch bedeutende mit Garnisonen besetzte Grenzniederlassungen gründeten.

Es sprechen auch für die Annahme, daß die Römer jenseits des Limes periodisch vorgedrungen seyen, mehrere alte Straßen, die aus dem Innern des Zehentlandes über den Limes hinaus fortsetzen. Von solchen berühren den Bezirk Gaildorf namentlich: eine römische Straße, die von Canstatt herkommt; sie führt in der Nähe von Ebni O.A. Welzheim über den Limes, zieht von da nördlich an Mönchhof vorüber und kommt {{Bruch|1|4}} Stunde westlich von Allersberg in den Oberamtsbezirk, in welchem sie über Abersberg, Horlachen, Wasserhof, Buchhof, Rothenhaar, Steinhöfle, Weiler nach Laufen ihren Zug hat. Bei letzterem Ort setzt sie unter dem Namen „Heerstraße“ über den Kocher und verläßt bei Wegstetten das Oberamt. Eine zweite Römerstraße, die von Murrhardt herkommt, erreicht den Limes bei Grab und führt in gerader Richtung fortsetzend, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von Marrhördt auf die Oberamtsgrenze zwischen Gaildorf und Backnang, auf dieser führt sie {{Bruch|1|4}} St. lang unter dem Namen „alte Straße“ fort, und muß nach der Richtung und dem Terrain einige 100 Schritte südlich von der Wielandsmühle vorbeigezogen seyn, wo sie die Roth überschreitet und zugleich den Oberamtsbezirk verläßt. Ferner berührt die römische Heerstraße, welche ehemals die Grenzniederlassungen bei Welzheim und bei Mainhardt in Verbindung setzte, den Bezirk bei Wolfenbrück. Ungefähr {{Bruch|1|8}} St. südlich von diesem Ort bei der sogenannten Schanze zieht sie über die Oberamtsgrenze und von da durch Wolfenbrück; nördlich von letzterem Ort verläßt sie den Bezirk wieder. Sie führt unter dem Namen „alte Straße“ an Mannenweiler vorüber nach Grab, wo sie wieder innerhalb des Grenzwalls (den sie von Kaisersbach an, des Terrains wegen, überschreiten mußte) tritt und im Rücken von diesem nach Mainhardt ihren Zug hat. Endlich lief von Adelstetten herkommend eine alte Straße südlich von Kapf in den Bezirk, führte auf dem Gebirgsrücken fort an 

{{Seite|113 Vorder-Steinenberg vorüber nach Hinter-Steinenberg, von da westlich an Nardenheim vorbei nach Seelach und weiter gegen Horlachen, wo sie in die zuerst beschriebene von Canstatt herkommende alte Straße einlauft, und somit diese mit der großen römischen Heerstraße bei Adelstetten in Verbindung setzte. Diese Straße heißt bei Seelach das Hochsträß, bei Nardenheim kommen an ihr die Benennungen „Straßenäcker“ und bei Vorder-Steinenberg „Gassenäcker“ vor, welche ebenfalls auf einen alten Straßenzug hindeuten.

Wenn nun alle diese Umstände in Erwägung gezogen werden, so gewinnt die Ansicht, auf welche schon Prescher hindeutete, „daß die Römer nicht bloß an den Limes, sondern noch weiter in die Gegenden des Kochers vorgedrungen seyen,“ immer mehr Wahrscheinlichkeit.

Überdieß haben sich in dem Oberamtsbezirk noch manche Benennungen erhalten, die theils auf die Römer, theils auf eine allgemeine Befestigung dieser Gegend hindeuten, z. B. bei Marbächle „Heidenbach“, „Heidenklinge“, bei Wolfenbrück „Schanzäcker“, bei Ödendorf „Landgraben“, bei Eutendorf „Schanz“, bei Spöck „Götzenloch,“ bei Groß-Altdorf „Wacht“, bei Kieselberg „Wachtfeld“, bei Rauen-Bretzingen „Remsbach“ (Römerbach?), bei Geifertshofen „römischer Bach“, bei Hinter-Linthal „Romelsplatz“ u. s. w.

Die römischen Straßen, welche außerhalb des Grenzwalls fortsetzten, sind beinahe spurlos verschwunden, ohne Zweifel in Folge des Wiedervordringens der Alemannen, welches auch die Römer verhindert haben mag, außerhalb des später regulirten Grenzwalls größere, dauerhafte Wohnplätze anzulegen. Daher finden sich im Oberamtsbezirke keine eigentlichen römischen Alterthümer: denn auch der von Prescher (Gesch. v. Limpurg II, 108, und Altgermanien I,1, 9) behauptete römische Ursprung des Rötherthurms bei Mittel-Roth ist mehr als zweifelhaft, da es sich nicht wohl annehmen läßt, daß die stets beunruhigten Römer Zeit gewannen, ein solch massives Gebäude zu errichten, dessen ganze Construction überdieß von der Art ist, daß auch nicht eine Spur an ihm entschieden für römischen Ursprung zeugen würde. Derselbe stammt vielmehr ohne allen Zweifel aus dem Mittelalter, und die auf einzelnen Quadern befindlichen Figuren, welche Prescher für etrurische Schriftzüge hält, mögen, wie an manchen anderen mittelalterlichen Bauten (Stieglitz, Geschichte der Baukunst, 1837, S. 616), Steinmetzzeichen seyn. Der noch stehende Thurm ist viereckig, etwa 70′ hoch und jede Seite 26′ lang; auf der östlichen Seite befindet sich 30′ über der Oberfläche der 6′ hohe und 3′ breite rundbogige Eingang, unter welchem zwei viereckige Löcher sich befinden, in denen noch spärliche Überreste von Balken, die ehemals den Vortritt unterlagerten, sichtbar sind. Außer dem Eingang sind nur noch 

{{Seite|114 einige Schießscharten an der südlichen und an der westlichen Seite des Thurms angebracht. Das Innere des Thurms, dessen Mauern 8′ dick, und an den Außenseiten mit Buckelsteinen versehen sind, zeigt noch drei in gleichen Abständen von einander entfernte Absätze, welche früher zur Unterstützung hölzerner Stockwerke dienten. Da dem Thurme ein steinerner Einbau fehlt, so scheint er der Berfried oder sogenannte Mantel einer längst zerstörten Burg (Röthenberg) gewesen zu seyn. S. auch unten bei Vichberg.

B. Deutsche.

Burgen und Schlösser standen in oder bei Bretzingen, Buchhorn, Ebersberg, Entsee (Michelbach), Gaildorf, Hinter-Steinenberg, Hirschfelden, Hohenberg, Hohenroth (der Rötherthurm bei Mittel-Roth), Kransberg (bei Heerberg), Michelbach, Ober-Gröningen, Ober-Roth, Ober-Sontheim, Ödendorf, Schmiedelfeld, Stauffenberg (bei Vichberg) und Unter-Gröningen. Von denselben sind noch vorhanden: Gaildorf, Michelbach, Ober-Sontheim und Unter-Gröningen.

An abgegangenen Orten sind zu nennen: Altenberg bei Sulzbach, Eisenmühle bei Kapf, Feuchtenbrunnen bei Hausen, Fahrhöflein bei Alt-Schmiedelfeld, Gauchshausen bei Altersberg, Gestösseln bei Gschwend, Glashütte bei Sulzbach, Haspelhausen bei Eutendorf, Kirchberg bei Gschwend, Kohlhofen bei Kohlhäu, Mettelberg bei Reippersberg, Raab bei Unter-Gröningen, Roggenland und Sanwoll bei Eutendorf, Scherach bei Gschwend, Steigersbach bei Unter-Roth, Thalheim bei Altersberg, Theuerzen bei Geifertshofen, und Wolfertshofen bei Ruppertshofen.

Ein erwähnenswerthes Rechts-Alterthum ist, wenn mündlichen Überlieferungen Glauben geschenkt werden darf, das Gericht der Siebenzehner, welches lebhaft an die von C. Immermann geschilderten bäuerlichen Freigerichte Westphalens erinnert. Wie Prescher (II, 216) vermöge uralter Sage schreibt, richteten auf dem 6 Morgen großen Gerichtswasen zu Seelach 17 Bauern aus umliegenden Orten unter freiem Himmel über Blut und Leben, und der jüngste Richter hatte die Stelle des Nachrichters zu versehen, wobei er Handschuhe trug, die er nach vollbrachtem Werk hinter sich warf, worauf er wieder ein ehrlicher Mann war, wie zuvor. *) Aus Urkunden erhellt zwar, daß die Schenken von Limpurg

*) Nach einer Anzeige des vormaligen Schultheißen Rupp zu Nardenheim stimmen diese Nachrichten mit den noch jetzt im Volke lebenden Sagen ganz überein. Die Handschuhe habe die 1843 gestorbene, 87jährige Wittwe eines Siebenzehners von Nardenheim im Hause gehabt, und dieselbe erinnerte sich auch, daß das von einem Siebenzehner von Seelach aufbewahrte Richtschwert 

{{Seite|115 schon 1403 das bis Gebenweiler reichende Halsgericht zu Seelach vom Reich zu Lehen trugen, das noch 1513 unter dem Vorsitze des Vogtes auch civilrechtliche Gegenstände „in offenem verbannem Gericht“ verhandelte. Aus einer Zeugenaussage vom Jahr 1580 geht aber auch hervor, daß die Siebenzehner das Gericht „helfen besetzen“, also selbst Richter waren, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese Bauern, welche ihre Freiheit auf dem Walde länger behaupteten, im höheren Mittelalter, wo noch kein landesherrliches Gericht bestand (S. 75), ohne Einmischung eines Beamten, in erwähnter Weise Recht sprachen. Die Benennung Siebenzehner kommt urkundlich schon frühe vor. Nach einer Relation vom Jahr 1580, womit neuere Nachrichten zwar hinsichtlich der Orte, nicht aber der Zahlen jedes Orts übereinstimmen, waren Siebenzehner in Vorder-Steinenberg 5, Hinter-Steinenberg 4, Nardenheim 2, Deschenhof 1, Stixenhof 1, Kapf 1, Seelach 2, Altersberg 1. Nach einem Vertrag zwischen Württemberg und Limpurg vom 24. Febr. 1592 stand vermöge alten Herkommens dem Kloster Lorch nicht nur die Grundherrlichkeit, sondern auch das Recht der Besteuerung und „Wehr und Harnisch“ aufzulegen, den Schenken von Limpurg aber die Gerichtsbarkeit und Vogtei zu.

Ein weiteres interessantes Überbleibsel der ehemaligen Bauernverfassung auf dem Walde ist die Waibelhube. Graf Eberhard von Württemberg verlieh 1344 an Johann von Rechberg von Betringen „die „frien Gut, die in die Waibelhub gehörent, vnd die Leut, die da heizzent die frien Lut“ (Leute). Dessen Sohn Wilhelm von Rechberg zu Gröningen, 1362 damit belehnt, verkaufte 1377 die eine und 1410 die andere Hälfte der Waibelhube an die Schenken von Limpurg, welche von da an bis zum Erlöschen des Mannsstammes mit derselben belehnt wurden, worauf, nachdem die Schenken 1557 einen Theil an die Reichsstadt Gmünd abgetreten, der Rest 1713 an Württemberg zurückfiel. Die Waibelhube, auf welche die Oberamtsbeschreibung von Gmünd zurückkommen wird, erstreckte sich in die jetzigen Oberamtsbezirke Gaildorf, Gmünd und Welzheim. An Orten unseres Bezirks gehörten zu derselben: Ruppertshofen, wo schon 1360 ein Gericht der Waibelhube war, Helpertshofen, Hinter-Linthal, Hönig, Holzhausen, Schlechtbach, Thonolzbronn, Vellbach und Waldmannshofen.

Über sonstige deutsche Alterthümer siehe Eichenkirnberg, Götzenmühle, Humberg, Steinenforst und Unter-Gröningen.

in einen Astbecker (ein langes Messer zum Verkleinern der Tannenäste) umgeschmiedet worden. Löcher, welche vom Galgen und Rad auf dem Gerichtswasen hergerührt haben sollen, wurden erst 1828 aufgefüllt. 

{{Seite|116
<references/>
B.

Ortsbeschreibung, *)

in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 23 politischen Gemeinden oder Schultheißereien, jedoch unter Vorausstellung der Oberamtsstadt.
Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen
I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach
den verschiedenen Bestandtheilen und III. des Steuer-Catasters, des
Gemeinde- und Stiftungs-Haushaltes.
Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.


Gaildorf,

Gemeinde II. Kl. mit 1804 Einwohnern, worunter 53 Katholiken. – Ev. Pfarrei;
die Katholiken sind nach Hausen eingepfarrt.

Die Oberamtsstadt Gaildorf liegt unter 27° 25′ 58,28″ östlicher
Länge und 49° 0′ 4,17″ nördlicher Breite, 16 geometrische Stunden nordöstlich von Stuttgart. Die Erhebung über das Mittelmeer beträgt am
Kirchthurm 1016,8 und am Thurmknopf 1146,5 Par. Fuß.

Gaildorf ist der Sitz sämmtlicher Bezirksstellen, das Forstamt ausgenommen, sowie eines Postamtes und folgender standesherrlichen Verwaltungen: des Fürstlich Solms-Braunfels'schen Rentamtes, des Gräflich Pückler'schen Ober-Rentamtes und des Gräflich Waldeck'schen Ober-Rentamtes, der Fürstlich Solms-Braunfels'schen Forstverwaltung und
der Gräflich Pückler'schen Forstverwaltung. Die Schreibart war in älteren Zeiten Geiledorf und Geilendorf; der Name scheint von dem Frauennamen Geilena abzustammen.

Die Zehenten und grundherrlichen Rechte stehen zu {{Bruch|1|4}} dem Staat,
zu 2/4 der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf und zu {{Bruch|1|4}} der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. In das Burggut theilen sich die 

*) Hilfsmittel für den topographischen Theil: H. Prescher, Geschichte
und Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg, 2 Theile, Stuttgart 1789, und
die S. 97 erwähnten Urkunden-Auszüge, auch andere am betreffenden Ort erwähnte Druckschriften. Außerdem wurden überall, so weit sie sich fanden, Archiv-Urkunden zu Grund gelegt.
{{Seite|117{{Seite|116}}

{{Headline|200||B.}}


{{Headline|180|0.2|Ortsbeschreibung, <ref>Hilfsmittel für den topographischen Theil: H. ''Prescher'', Geschichte und Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg, 2 Theile, Stuttgart 1789, und die S. 97 erwähnten Urkunden-Auszüge, auch andere am betreffenden Ort erwähnte Druckschriften. Außerdem wurden überall, so weit sie sich fanden, Archiv-''Urkunden'' zu Grund gelegt.</ref>}}

{{Headline|100||in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 23 politischen Gemeinden oder Schultheißereien, jedoch unter Vorausstellung der Oberamtsstadt. Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen <br />I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen und III. des Steuer-Catasters, des Gemeinde- und Stiftungs-Haushaltes.<br />Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.}}


{{line||3}}


{{Headline|140|0.2|Gaildorf,}}

{{Headline|100||Gemeinde II. Kl. mit 1804 Einwohnern, worunter 53 Katholiken. – Ev. Pfarrei; die Katholiken sind nach Hausen eingepfarrt.}}

Die Oberamtsstadt Gaildorf liegt unter 27° 25′ 58,28″ östlicher Länge und 49° 0′ 4,17″ nördlicher Breite, 16 geometrische Stunden nordöstlich von Stuttgart. Die Erhebung über das Mittelmeer beträgt am Kirchthurm 1016,8 und am Thurmknopf 1146,5 Par. Fuß.

Gaildorf ist der Sitz sämmtlicher Bezirksstellen, das Forstamt ausgenommen, sowie eines Postamtes und folgender standesherrlichen Verwaltungen: des Fürstlich Solms-Braunfels'schen Rentamtes, des Gräflich Pückler'schen Ober-Rentamtes und des Gräflich Waldeck'schen Ober-Rentamtes, der Fürstlich Solms-Braunfels'schen Forstverwaltung und
der Gräflich Pückler'schen Forstverwaltung. Die Schreibart war in älteren Zeiten Geiledorf und Geilendorf; der Name scheint von dem Frauennamen Geilena abzustammen.

Die Zehenten und grundherrlichen Rechte stehen zu {{Bruch|1|4}} dem Staat, zu {{Bruch|2|4}} der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf und zu {{Bruch|1|4}} der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. In das Burggut theilen sich die 

{{Seite|117}}

gedachten Grundherren und die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend.
Eine Umgelds-Entschädigung genießen dieselben nicht, wohl aber die
Stadt. In den Gräflich Pückler'schen und Waldeck'schen Familien bestehen Familien-Fideicommisse.

Das Städtchen liegt frei im Kocherthal, das hier {{Bruch|1|4}} St. breit und
von beiden Seiten mit hohen, meist bewaldeten Bergen umgeben ist. Die
Thalsohle ist etwas wellenförmig und bietet mit den vielen und schönen
Wiesen ein angenehmes Bild dar. In südwestlicher Richtung trennt der
Kirgel, ein sehr schmaler Gebirgsausläufer, worauf sich eine schöne Aussicht eröffnet, das Kocher-Thal von dem Roth-Thal, da sich hier die Roth
in den Kocher ergießt. Der eben erwähnte Fluß fließt, nachdem er den
Hagersbach aufgenommen, unmittelbar an der Stadt, wo er eine Krümmung von Osten nach Nordwesten macht, vorüber. Sein Niveau unter
der steinernen Brücke, welche am nördlichen Ende Gaildorfs über den
Kocher führt, ist 999,2 Par. Fuß über dem Meere. Der Charakter der
Gegend könnte mild genannt werden, wenn sie nicht die Vegetation aufhaltenden und oft verderblichen Nachtfrösten ausgesetzt wäre, welche sich
aus den vielen Wiesengründen und Waldungen entwickeln. In den hier
und da einander entgegenstehenden, mit vielfachen Einschnitten versehenen, Thälern herrscht immer ein Luftzug, der aber auch selten eine epidemische Krankheit aufkommen läßt. Das Wasser führt so viele Schwefeltheile mit sich, daß nur wenige Brunnen für den Genuß und die Küche
brauchbar sind. Vortreffliches Trinkwasser liefert die 1839 von Winzenweiler herabgeleitete Quelle, welche der verstorbene Oberamtsarzt Dr.
Mößner zu seiner Wasserheilanstalt bestimmt hatte.

Das Aussehen des Ortes ist vermöge seiner Lage, der nicht zu eng
gebauten, meistens größeren und verblendeten Häuser und der herrschenden Reinlichkeit, freundlich. Durch denselben zieht die vereinigte Straße
von Heilbronn, Stuttgart, Schorndorf, Gmünd und Aalen, welche sich
jenseits der Kocherbrücke alsbald in die Haller Route einerseits und in die
Crailsheimer und Ellwanger Route andererseits abtheilt. Das eigentliche Städtchen besteht aus einem, dem Kocher entlang gebauten, länglichen Vierecke und hat eine Hauptstraße und vier Gassen. Das Portal
desselben bilden, von Norden betrachtet, die zu beiden Seiten der Brücke
stehenden zwei Schlösser. Die massiven Stadtmauern stehen größtentheils noch; zwei Thore mit ihren Thürmen aber sind längst abgetragen. Außer dem offenen Marktplatze, welchen vor den Häusern stehende
Akazien umgehen, ist noch ein öffentlicher Platz vor der Kirche vorhanden. Die in südlicher Richtung anstoßende Vorstadt ist beinahe ebenso
groß, als das Städtchen selbst.

Gaildorf zählt 237 Haupt- und 59 Neben-Gebäude, mit einem 
{{Seite|118
Brandversicherungs-Anschlage von 496.875 fl.; hievon sind Eigenthum des
Staats 11, der Grundherren 9 und der Körperschaften 4. Fast alle haben
wo nicht 3, doch 2 Stockwerke.

Die Kirche, bei dem ehemaligen untern Thore, 88′ lang und 50′
breit, ist ein massives und helles Gebäude mit Chor. Über dem südlichen Kirchen-Eingang befindet sich ein in Stein gehauenes Limpurg'sches Wappen mit der Jahreszahl 1518, im Chor ist die Jahreszahl
1521 befindlich, zu welcher Zeit die schon 1417 vorhanden gewesene Capelle in die jetzige Kirche umgebaut worden zu seyn scheint. Im Schiff
und Chor stehen die in Stein gehauenen zum Theil großartigen Monumente der Schenken Albrecht, † 1506, Wilhelm, † 1552, Christoph,
† 1574, Albrecht, † 1619, Heinrich, † 1585 u. A.; in der Gruft unter
dem Chor ruhen viele Personen des Gaildorfschen Haupt-Stammes.
Der Thurm hat eine blecherne Bedeckung und seit 1827 eine Altane.
Von den drei Glocken sind zwei von B. Lachmann vom Jahr 1493, deren
eine mit der Umschrift „jhesus nazarenus rex judeorum“, die dritte wurde
1815 umgegossen und wiegt 2263 Pfd. Die Kirchengebäude sind Eigenthum des Heiligen, dem auch die Baulast obliegt. – Dasselbe ist der Fall
mit dem bei der Kirche gelegenen Stadtpfarrhaus; der Helfer hat keine
Amtswohnung.

Das Oberamtsgerichts-Gebäude liegt in der Vorstadt, wurde
1825 von der Amtskörperschaft erbaut und 1840 an den Staat käuflich
überlassen. – Das Oberamts-Gebäude auf dem Marktplatze diente
früher der Regierung zum Sitze. – Das Cameralamts-Gebäude
an der Hauptstraße diente gleichfalls früher zu öffentlichen Zwecken.

Das der Amtskörperschaft gehörige, 1813 erkaufte Rathhaus
auf dem Marktplatze ist ein altes, hölzernes, ziemlich geräumiges Gebäude.
– Das nahe gelegene Schulhaus ließ die Stadt 1835 mit einem Aufwand von 7000 fl. neu herstellen; in demselben ist auch die Realschule
untergebracht. – Das Armenhaus oder Lazareth steht auf dem sog.
Siechenfelde.

Das alte Schloß beim vormaligen untern Thore, ursprünglich
eine Burg, hat in seiner weitläufigen, unregelmäßigen Anlage, mit seinen
Thürmen, Brücken und Gräben, noch das Aussehen einer kleinen Festung.
Nach einer Mittheilung des Ober-Rentamtmanns Mauch bildet das
Schloß ein aus vier Flügeln zusammengesetztes Ganzes, ein unregelmäßiges, längliches Viereck, das einen Hofraum begrenzt und nach außen mit
Graben und Mauer umgeben ist, über welche früher zwei Brücken geführt
haben. Das unterste, ziemlich hohe Stockwerk ist ringsum massiv, d. h.
von Brockengemäuer, das aber jeder Zerstörung zu trotzen scheint; die
übrigen Stockwerke sind in Riegeln aufgemauert – Der nördlich, nach
{{Seite|119
dem Kocher hin gelegene Flügel, 4 Stockwerke hoch, scheint von Anfang
an zur herrschaftlichen Wohnung eingerichtet gewesen zu seyn, denn in
ihm, obgleich er aus zwei bis drei zu verschiedenen Zeiten aufgeführten
Theilen besteht und in seinem Zusammenhange unterbrochen ist, befinden
sich die vorzüglichsten Wohnzimmer, so wie die ehemaligen Gesellschafts-,
Tanz- und Speise-Säle, während die übrigen mehr für die Dienerschaft
und Ökonornie eingerichtet gewesen sind. Der nach Osten gelegene Theil
des Schlosses besteht offenbar seiner ganzen Länge und Höhe nach aus
einem erst in späterer Zeit errichteten, schmalen Anbau, und bildet, da er
sich bis zur nordöstlichen Ecke des Schlosses ausdehnt, den Übergang
von da in den an dieser Ecke stehenden, ungefähr 100′ hohen, in sechs
Stockwerke abgetheilten, massiven, runden Thurm, dessen unterer Durchmesser nahe an 30′ beträgt. Dieser Thurm ist aber unzweifelhaft älter,
als der eben berührte Anbau, woraus, da er seiner innern Einrichtung
nach für sich allein nie bestehen konnte, mit Zuverlässigkeit geschlossen
werden darf, daß er ursprünglich auf andere Weise mit den Hauptgebäulichkeiten in Verbindung stand. Vorzugsweise sind es die beiden untersten Stockwerke dieses Thurms, welche aus einer frühern Zeit herzustammen scheinen, sofern sich nicht nur die Farbe der Steine, sondern
auch die Arbeit (es ist an denselben Bossage wahrzunehmen) von den
übrigen unterscheidet. Der mittägliche Flügel, drei Stockwerke hoch,
mochte von jeher für ökonomische Zwecke eingerichtet gewesen seyn und
einigen Offizianten zur Wohnung gedient haben. Der westliche Flügel,
gegenüber der Kirche, besteht wiederum aus zwei verschiedenen Anbäuen, der eine drei, der andere zwei Stockwerke hoch. Zwischen diesem und
dem mittäglichen Flügel ist das Thorgebäude, die Ecke des Ganzen dort
stumpf abschneidend. – Von dem Thor aus führt eine (ehemals Fall-)
Brücke über den Schloßgraben gerade in die Stadt hinein, auf den Marktplatz zu. Dieses Thorgebäude besteht aus zwei, dem Äußern nach gleichen, vier Stockwerke hohen, zur untern Hälfte massiven, nach oben aber
in Fachwerk aufgeführten Thürmen und einem Zwischenbau, unter welchem das aus einem einfachen Bogen bestehende Hauptportal befindlich,
und neben welchem ein kleineres, für die Fußgänger bestimmtes Pförtchen angebracht ist. In der nordöstlichen Ecke des innern Schloßhofes
ist ein weiterer massiver Thurm, sechseckig, in dem eine Wendeltreppe
hinaufführt, von welcher aus sämmtliche Stockwerke, bis unter's Dach,
betreten werden können. – In dem Schloßgarten steht, der Glasfabrik
gegenüber, ein 1846 erbauter massiver und sehr geschmackvoll ausgeführter Pavillon.

Über das Alter des Schlosses ließen sich noch keine zuverlässigen
Notizen erheben. Jedoch gedenkt schon der Vertrag Limpurgs mit Hall
{{Seite|120
über die Kocherzölle von 1399 der „Veste Gaildorf.“ Bei der Theilung
von 1441 erhielten die drei ersten Söhne des Schenken Friedrich „der
Vorgenannten Schloß und Statt zu Gaildorff.“ Es mögen aber
von den ursprünglichen Theilen dieses Schlosses wenige oder vielleicht
gar keine mehr vorhanden seyn. Die älteste bis jetzt aufgefundene Jahreszahl 1482 findet sich auf einer steinernen, über dem Hauptportal angebrachten, mit den Wappen von Limpurg und Öttingen geschmückten
Tafel, auf welcher folgende Inschrift zu lesen ist: „Wir Albrecht herr
zu limpurg des romischen reichs erbschenk u. semperfrei habend angefangen und vollbracht diesen bau uf sant michels tag nach christus geburt vierzehnhundert und in dem LXXXII jar.“ Erst dieser Schenk
Albrecht (ein Enkel obengedachten Schenk Friedrich's) scheint den Plan,
das vorhandene Schloß zur neuen Residenz einzurichten, ausgeführt zu
haben. *) Jedenfalls läßt sich erst von ihm nachweisen, daß er dahier
gewohnt habe und eben daselbst begraben liegt.

Die oberen Stockwerke des zuvorangeführten großen Thurms sind,
einer über der Thüre im vierten Stock angebrachten, in Stein gehauenen
Zahrszahl zufolge, von 1570.

Es findet sich ferner auch über dem Eingang zur Wendeltreppe in
den nördlichen, hohen Flügel im Innern des Schloßhofes eine tönerne
Tafel mit zwei limpurgischen Wappen und der Schrift: C. H. Z. L.
E. F. Z. L. G. F. V. L. 1573. Das heißt: Christoph, Herr zu Limpurg, Eva, Frau zu Limpurg, geborne Frau v. Limpurg. – Sodann findet
sich auch über dem freien Bogengang, der vom innern in den äußern
Schloßhof oder Schloßgraben führt, eine eingemauerte bemalte Steinplatte, auf welcher das limpurgische und das hohenlohe'sche Wappen zu
sehen sind, mit folgender Inschrift: „Maria Juliana Frau zu Limpurg,
geb. Gräfin von Hohenlohe und Gleichen, Frau zu Langenburg und
Granichsfeld, Wittibin. Im Jahr 1660.“ Endlich findet sich die Jahrszahl 1610 an einer Wand, oben unter dem Dach im hohen Flügel.

Nach der im Jahr 1707 unter den Limpurg-Gaildorf'schen Herrschaften erfolgten Theilung fiel die eine Hälfte dieses Schlosses an Limpurg-Wurmbrand, die andere an Limpurg-Solms-Assenheim; gegenwärtig besitzt {{Bruch|1|4}} davon, nämlich den westlich gelegenen Theil, der Fürst
von Solms-Braunfels, die übrigen {{Bruch|3|4}} aber gehören der Gräflich Waldeck'schen Standesherrschaft, welche 1819 den Antheil des Staats erworben.
Es ist dermalen von der Gräfin Amalie von Waldeck bewohnt, in deren

*) Hiemit würde auch die Sage übereinstimmen, wonach ein an einem Pfeiler des Portals eingehauenes Bild eines bärtigen Mannes mit Winkelmaß und
der Überschrift: „1482 hans unker von Kelh'n“ das des Baumeisters seyn soll.
(Württ. Jahrb. 1841, 54.)

{{Seite|121
Händen sich auch als unveräußerliches Eigenthum der Standesherrschaft
der von Prescher I, 113 beschriebene schön gearbeitete Schenkenbecher
befindet. Ferner enthalten diese Schloßgebäude Wohnungen für Beamte
und das Limpurg-Gaildorf'sche Archiv.

Gegenüber dem alten Schlosse, jenseits der Straße, sieht das neue
Schloß. Es wurde 1778 in dem damals üblichen Style von dem Architekten Fischer in Stuttgart an der Stelle der beiden alten Widdumshäuser
erbaut, hat einen schönen Saal und viele Gemächer und dient dem Grafen von Dörfler zur Wohnung.

Was die Einwohner betrifft, so hatte die Stadtgemeinde Gaildorf nach der neuesten Zählung vorn 3. Dez. 1851 eine ortsangehörige Bevölkerung von 890 männlichen, 889 weiblichen, zusammen 1779
Seelen. Unter der Zahl der Angehörigen des Jahres 1846, welche 882
männliche, 882 weibliche, zusammen 1764 Seelen betrug, waren 56 der
römisch-katholischen, alle übrigen aber der evangelischen Confession zugethan. Im Jahr 1832, Nov. 1, war die Zahl der Angehörigen 725 männliche, 731 weibliche, zusammen 1456. Von den Angehörigen des Jahres
1846 waren abwesend 157; dagegen Fremde anwesend 241; es belief
sich daher die Ziffer der Ortsanwesenden auf 1848. Im Jahr 1832
war dieselbe 1495.

Nach Altersstufen vertheilt sich die angehörige Bevölkerung des
Jahres 1846 folgendermaßen:
			männl.	weibl.
unter 6 Jahren			129	121
von vollendetem 6.–14. Jahre			149	153
  "   "	14.–20.	"	82	65
  "   "	20.–25.	"	72	64
  "   "	25.–40.	"	181	197
  "   "	40.–60.	"	186	192
  "   "	60.–70.	"	48	73
  "   "	70.–80.	"	28	15
  "   "	80.–90.	"	7	2
  "   "	90.–100.	"	–	–
über 100 Jahren			–	–
		zusammen	882	882
			1764.	

Die Zahl der Ehen war im Jahr 1846 305; die der Familien
443. Auf 1 Ehe kommen daher 5,8; auf 1 Familie 4,0 Angehörige.

Geboren wurden im Durchschnitt von 183636/46 jährlich 62,2, daunter unehelich 6,1. Auf 1000 Einwohner kommen hienach 39,2 Geborene, ober 1 Geburt auf 25,4 Einwohner, und unter 100 Geborenen
sind 9,8 unehelich, oder die unehelichen Geburten verhalten sich zu den
{{Seite|122
ehelichen wie 1:9,26. Dieses Verhältniß ist nicht nur weit besser, als
das vom ganzen Oberamt (1:4,5), sondern sogar noch günstiger, als
das vom ganzen Lande (1:7,8).

Gestorben sind nach dem erwähnten Durchschnitt jährlich 52,5.
Auf 1000 Einwohner kommen daher 33,1 Gestorbene, d. h. es kam ein
Todesfall auf 30,9 Einwohner, und zwar treffen auf 1000 Personen
männlichen Geschlechts 32,9, auf 1000 Personen weiblichen Geschlechts 33,3 Gestorbene. Auf 100 Sterbefälle kommen 118,5
Geburten, und der natürliche Zuwachs zur Bevölkerung betrug in
der Periode von 1836/46 97 Seelen (59 männliche und 38 weibliche);
der gesammte Zuwachs 251 Seelen (125 männliche, 126 weibliche).

Bei der Zählung von 1846 fanden sich hier 173 Personen im Alter
von mehr als 60 Jahren, wonach davon auf 1000 Einwohner 98,1
kommen. (Im ganzen Bezirk kommen auf 1000 Einwohner 67,15; im
ganzen Lande 75,7 Leute dieses Alters.)

In Gaildorf ist am 19. November 1749 Heinrich Prescher geboren, der Verfasser der oben erwähnten Geschichte und Beschreibung der
Reichsgrafschaft Limpurg, welcher 1775 und 1781 einige historische Versuche über den Ursprung der Schenken von Limpurg vorangegangen waren, und der zwei geschichtlichen Magazine: „Altgermanien“, 1804 und
1805, 2 Hefte, und „Historische Blätter“, 1818, eine Lieferung. Im Jahr
1777 zum Pfarrer in Gschwend ernannt, blieb er 50 Jahre auf dieser
Stelle und starb daselbst am 26. Mai 1827. (Württemb. Jahrb. 1827,
I, 38 u. f.)

Der Nahrungsstand ist als mittelmäßig zu bezeichnen und beruht
hauptsächlich auf der Landwirthschaft. Die Markung begreift 1672 4/8 M.,
worunter 110 M. Gärten und Länder, 508 7/8 M. Äcker, 4/8 M. erst
1838 angelegte Weinberge und 665 3/8 M. Wiesen, wovon 202 2/8 M. einmähdig sind. An Baufeld kommen daher etwa 7/10 Morgen auf den
Kopf. Unter einem „ganzen Bürgersgut“ begreift man herkömmlich ein
Haus nebst Scheuer, 3 M. Ackers, 1 Tagwerk Wiesen und {{Bruch|1|2}} M. Garten
oder öden Weinbergs. Die Äcker sind fruchtbar an trefflichem Roggen,
an Dinkel, Weizen und Haber, erzeugen aber das örtliche Bedürfniß nicht.
Die Wiesen gewähren reichen Ertrag. Von den Gärten sind nur jene
der Grafen von Pückler und von Waldeck zu erwähnen. Für die Obstzucht geschieht in neueren Zeiten viel; es ist eine größere Baumschule
vorhanden (s. S. 60). Nach der Aufnahme am 1. Januar 1850 waren
66 Pferde, 17 Ochsen und Stiere, 181 Kühe, 138 Stücke Schmalvieh,
22 Schafe, 145 Schweine, 79 Ziegen und 25 Bienenstöcke vorhanden.
Das Rindvieh zeichnet sich durch Schönheit besonders aus, die Anzahl
aber ist, mit der Größe der Markung verglichen, klein.
{{Seite|123
Die Handwerks-Industrie ist nicht von Belang, was schon daraus
erhellt, daß auf 4 Meister kaum 1 Gehilfe trifft; daher die meisten Gewerbsleute zugleich Landwirthschaft treiben. Auch kann keines der hier
betriebenen Handwerke als besonders blühend bezeichnet werden. Einige
Fabrik-Anlagen sind in neuerer Zeit entstanden, nämlich: die Glasfabrik von Pfähler und Schindler, 1843 jenseits des Kochers, anstatt
der zuvorgedachten im Jahr 1843 eingegangenen Kaltwasserheilanstalt
errichtet, wo alle Arten Hohlglas, mit und ohne Feinschliff und Vergoldung, gefertigt werden. Die Produktion kann, da zwei Schmelzöfen vorhanden sind, noch ausgedehnt werden. Dermalen sind im Ganzen 60 Arbeiter beschäftigt; der Absatz ist lebhaft auch in das Ausland, und die
Nachfrage kann bei den gegebenen Umtriebsmitteln nicht immer befriedigt werden. – Die Beinwaaren-Fabrik von Ed. Kieser, 1848
errichtet, verfertigt guillochirte Elfenbein-, Bein- und Holz-Waaren, auch
Tabletterie-Gegenstände verschiedenster Art, welche bei der Leipziger Gewerbe-Ausstellung 1850 besondere Anerkennung gefunden haben. Sie
beschäftigt 6–8 Arbeiter innerhalb und ebenso viele außerhalb der Fabrik und setzt die Waaren auch in das nicht vereinte Ausland ab. –
Die Soda-Fabrik von C. Mändlen (das Gebäude steht auf der Markung von Groß-Altdorf), 1844 errichtet, verfertigt Salzsäure, krystallisirtes und wasserfreies Glauber-Salz, rohe, calcinirte und krystallisirte
Soda. Sie beschäftigt 20 Familienväter und versendet die Waare in das
Inland, nach Bayern und Baden. – Das schon seit 1763 betriebene
Vitriolbergwerk von Dieterich gewinnt aus dem S. 21 erwähnten
Flötze Vitriol und Alaun, welche im Zollvereinsgebiet verkauft werden,
und beschäftigt 7–8 Arbeiter. – Der Handel ist, abgesehen von der
Ausfuhr der gedachten Fabrikate, nicht erwähnenswert.

Die Gewerbesteuer-Rolle der Stadt zählte am 1. Juli 1851

	Meister	Gehilfen und Lehrlinge		Meister	Gehilfen und Lehrlinge
					
Apotheker	1	1	Conditoren	6	1
Bäcker	12	4	Essigsieder	1	–
Barbiere	2	–	Färber	3	2
Baumwollenweber	3	1	Feldmesser	1	1
Beindrechsler	2	–	Flaschner	1	–
Beinwaarenfabrikanten	1	1	Frachtfahrer	3	–
Bergleute	3	–	Glaser	2	–
Bierbrauer	6	1	Gypser	1	1
Branntweinbrenner	9	–	Hafner	3	–
Buchbinder	2	1	Handlungen	12	2
Büchsenmacher	1	–	Holzdrechsler	2	–
Bürstenbinder	1	–	Holzhändler	2	–
{{Seite|124
	Meister	Gehilfen und Lehrlinge		Meister	Gehilfen und Lehrlinge
Hufschmiede	4	1	Sattler	5	1
Hutmacher	2	1	Seifensieder	3	–
Kaminfeger	1	1	Sailer	3	–
Kammmacher	1	–	Schlosser	7	1
Kleinhändler	4	–	Schneider	11	1
Kornmesser	2	–	Schreiner	5	–
Kübler	3	–	Schuhmacher	20	3
Küfer	3	–	Schenkwirthe	4	–
Kupferschmiede	2	–	Schildwirthe	9	1
Leineweber	9	–	Sesselmacher	1	–
Lohnfahrer	2	–	Silberarbeiter	2	–
Maurer	–	6	Steinhauer	4	4
Messerschmiede	1	–	Strumpfstricker	1	–
Metzger	8	3	Strumpfweber	1	–
Musiker	1	–	Tuchmacher	3	–
Nadler	1	–	Uhrmacher	2	1
Näherinnen	5	–	Wagner	3	–
Nagelschmiede	4	2	Weißgerber	1	–
Putzmacherinnen	3	–	Ziegler	2	2
Rothgerber	4	4	Zimmerleute	2	7
Sägmüller	2	–	Zinngießer	1	–

Gaildorf hat vier Jahrmärkte, womit die namhaften S. 69
erwähnten Viehmärkte und die Flachsmärkte (S. 57) verbunden sind.
Von geringerer Bedeutung ist die seit 1830 in dem vormaligen Burghofgebäude errichtete Fruchtschranne. An Getreide aller Art wurden
auf derselben umgesetzt:
1846	2561 3/8	Scheffel	47.814 fl.	44 kr.	Erlös
1847	1944 4/8	"	39.540 fl.	42 kr.	"
1848	3643	"	46.121 fl.	1 kr.	"
1849	2713	"	27.457 fl.	36 kr.	"
1850	2550 2/8	"	28.108 fl.	19 kr.	"
1851	4120	"	55.431 fl.	26 kr.	"

Was das Gemeinde-Wesen betrifft, so ist das Vermögen der
Stadt nicht bedeutend. Der Werth ihres Besitzthums an Gebäuden und
Grundeigenthum beträgt etwa 25.000 fl.; verzinsliche Activ-Capitalien
besitzt sie nicht, vielmehr hat sie 3700 fl. Passiv-Capitalien zu verzinsen.
Die Einnahmen der Stadtpflege sind 2234 fl., die Ausgaben 4189 fl.;
es sind daher neben 962 fl. Amts-Umlagen 2000 fl. an Gemeindeschaden
umzulegen. – Das auf die Flösserei deutende Stadtwappen besteht
in einem sogenannten Fach mit Floßhaken und hat die Jahreszahl 1434.
{{Seite|125
– Es ist eine öffentliche Schießstätte vorhanden. – Straßenbeleuchtung
findet nicht Statt.

Für den Kirchendienst sind ein Stadtpfarrer, zugleich Dekan,
und ein Helfer, zugleich Pfarrer in Münster, angestellt. Der letztere,
früher „Caplan“ genannt, hatte schon seit der Reformation zugleich die
Pfarrei Münster zu versehen, bis 1710 die Helfersstelle mit dem Präceptorat verbunden wurde; am 10. Januar 1810 trat jedoch, unter Aufhebung des Präceptorats, die jetzige Verbindung wieder in's Leben. Gaildorf hat keine eigentlichen Filialien. Das Patronat zur Stadtpfarrei,
welches mit den Episcopatrechten bis 1806 der Landesherrschaft zustand,
üben seit 5. Okt. 1831 die Krone zu {{Bruch|1|8}} und die Standesherrschaften Limpurg-Gaildorf zu 4/8 und Limpurg-Waldeck zu 3/8 nach einem gewissen
Turnus aus.

Außer dem schon S. 79 erwähnten Armenhaus, das früher ein
Lazareth oder Siechenhaus war, sind keine besondere Armen- und Kranken-Anstalten vorhanden. Die Stiftungs-(Heiligen-)Pflege besitzt nur
1 2/8 M. Grundeigenthum und 3703 fl. Activ-Capitalien, worauf 3699 fl.
Schulden haften. Da die Einnahmen 329 fl., die Ausgaben aber 389 fl.
betragen, so muß die Gemeinde in's Mittel treten. Außerdem ist eine
Lazareth-Pflege und eine Almosen-Pflege vorhanden. Die erstere besitzt
das Armenhaus, {{Bruch|1|4}} M. Garten und 4800 fl. gestiftete Capitalien; die
letztere 1828 fl. Capital-Vermögen, das durch regelmäßige Wochensammlungen und 1000 fl., welche der Stadtpfleger Chr. Sigm. Maurer
1848 stiftete, zusammenkam; der Zins aus diesen 1000 fl. wird nach
Anordnung des Stifters je zur Erziehung eines armen Kindes der Stadt
verwendet.

Die lateinische Schule, welche seit der Reformation bestand, ist,
wie schon erwähnt, 1810 aufgehoben worden. Dagegen wurde 1839 eine
am 4. Dezember in's Leben getretene, niedere Realschule, wozu der Staat
jährlich 250 fl. beiträgt, errichtet. An der deutschen Schule stehen ein
Schulmeister und ein Unterlehrer. Die von der Stiftungspflege verwalteten Schulstiftungen betragen 200 fl., der Schulfond 90 fl. 24 kr. An
der 1833 neuerrichteten Industrieschule für Knaben und Mädchen unterrichten ein Lehrer und eine Lehrerin.

Der 1710 angelegte Begräbniß-Platz liegt nahe bei der Vorstadt an dem Wege nach Münster; er hat eine kleine Capelle, wo die
Leichenreden gehalten werden.

Auf der Stadtmarkung befinden sich:

a) die Rudolphsmühle, nahe am Kocher, an einem von der
Höhe herabstürzenden namenlosen Bache. Zuerst eine Mahl-, dann eine
Schleif- und Walk-Mühle, ist sie jetzt für die schon erwähnte Beinwaaren-Fabrik
{{Seite|126
eingerichtet. Ein Vertrag zwischen Limpurg und Kloster Comburg von 1555 bestimmt, daß „die neue Mühl bey dem Rudolfsbrunnen“,
von Schenk Erasmus auf einem Comburg lehenbaren Grundstück erbaut, unter Limpurg'scher Vogtei stehen solle.

b) Die schon beschriebene Glasfabrik, das Vitriolbergwerk und einige Wohngebäude, sämmtlich jenseits der Kocherbrücke.

Geschichtliches.

Gaildorf, bis 1404 nur ein Dorf, hat ohne Zweifel der oben beschriebenen Burg sein Daseyn zu verdanken, da frühe schon ein Geschlecht
von niederem Adel hier saß, das wir seit seinem urkundlichen Auftreten in
Dienstverhältnissen zu den Schenken von Limpurg antreffen. Rabenoldus
de Gailendorph ist 1255 Zeuge in einer Urkunde des Schenken Walther
(Gabelkofer); ein Ruckerus de Geilndorff verbürgt sich 1280 für denselben; 1286 kommt wieder ein Rabenold vor. Vor und nach 1404 waren auch Haller Edle, wohl als Limpurg'sche Dienstleute, hier ansässig
und begütert, namentlich bis 1599 die von Rinderbach; und es ist um so
wahrscheinlicher, daß die Schenken seit der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts hoheitliche Rechte hier hatten, als bei den alsbald zu erwähnenden Käufen derselben die ihnen wohl bereits zugestandene Vogtei nicht genannt wird. *) Eberhard Philipp verkauft an Schenk Albrecht 1369
ein Gut; Heinrich Kuhn 1371 ebenso Alles, was er hier hatte; Walther
Eberwein 1373 ein Gut; 1374 Kraft von Suntheim, Mönch in Comburg, 2 Güter an denselben. Die Schenken Conrad und Friedrich kauften 1387, 1399, 1405, 1410 von Ulrich von Geilenkirchen, Hans von
Morstein, Claus Halberg und Conrad Berler mehrere Lehen und einzelne
Güter. Wilhelm Kechler von Schwandorf verkauft 1621 an Limpurg
das Rinderbach'sche Haus dahier mit allen Gütern und Rechten. Schenk
Albrecht kauft 1369 von Rüdiger von Hohenstein seinen Zehentantheil
um 72 Pfd. Heller. Urkundlich erwiesen ist, daß Schenk Albrecht das
Dorf Gailndorff mit eigenen Leuten, Gerichten und Zehenten im Jahr
1374 besaß. Im Jahr 1403 wird das Halsgericht zu Gaildorf als ein
Reichslehen bezeichnet. Am Dienstag nach St. Laurentius (12. Juli)
1404, ertheilte Kaiser Ruprecht dem Schenken Friedrich die Erlaubniß,
das Dorf Gaildorf mit Mauern und Gräben zu umfassen und eine Stadt

*) Auf einen frühern Herrn des Ortes, der aber nicht näher zu ermitteln
ist, scheint die Stelle in einer Urkunde von 1410 zu deuten, worin von einem
Hofe die Rede ist, „bey des Grafen Brunnen zu Geylndorf.“ Die Schenken nannten sich bekanntlich vor dem siebenzehnten Jahrhunderte nicht „Grafen.“
{{Seite|127
daraus zu machen mit Wochenmarkt und zwei Jahrmärkten. Auch erhielt
die Stadt kaiserliches Asylrecht für Todtschläger.“*)

Noch aber hatte die Stadt keine eigene Kirche und war nach Münster eingepfarrt. Eine Capelle sogar wurde erst 1417 von der Wittwe
des Schenken Friedrich III. und ihrem Sohn Conrad gestiftet; es geschah
in der Ehre der Mutter Gottes und mit den Einkünften der Klause unter
der Burg Limpurg. Im Jahr 1433 wurde aber die Kirche zur Pfarrkirche erhoben, indem die Pfarrei Münster und die Frühmesse zu Bühlerzell in dieselbe versetzt wurde, von wo an bis 1694 die Kirche zu Münster
Filial und Todtenkirche von Gaildorf wurde (s. auch Münster).

Die Stadt blieb bis 1441 in gemeinschaftlichem Besitze der Schenken. Welches Schicksal dieselbe bei den Theiiungen von den Jahren 1441,
1557, 1690 und 1774 bei den neueren Abtheilungen hatte, ist oben
S. 92 u. f. angegeben; sowie auch, daß Theile des Städtchens schon 1780
und 1785 an Württemberg gekommen, bevor dasselbe 1806 ganz dessen
Hoheit unterworfen ward. Im Jahr 1741 waren 194 Bürger und zehn
Hausgenossen in der Stadt. Prescher zählte 1785 gegen 240 Bürger
und 1148 Einwohner, worunter 825 von der Bürgerschaft und, da hier
drei Regierungen und mehrere Bezirksämter saßen, 323 Bedienstete aller
Art mit ihren Angehörigen.

Die besonderen Ereignisse, welche Gaildorf mitbetrafen, sind schon
S. 109 angegeben. Das Schloß wurde 1634 geplündert. In den vier
Jahren, von 1634 bis 1637, starben 678 Menschen in der Pfarrgemeinde;
1645 starben ebenda 64, wohl 1/10 des Ganzen. Turenne hatte am 24.
April 1648 ein Lager bei der Stadt.

*) „Wenn Jemand einem Andern tödtlichen Schaden am Leib zugefügt
oder Einen gar entleibt hatte und derselbe sich in die Freiheit nach Gailndorff
begeben wollte, hat er sich erst bei der Herrschaft anzumelden und da er aufgenommen, jeden Monat, so lang er sich im Städtlein aufhält, einen Gulden
Schutzgeld zu geben, wogegen er vor Leibs und Lebens Gefahr gesichert. Will
sein Gegentheil ihn rechtlich angreifen, so muß es vor dem Gericht zu Gailndorff geschehen.“ Während des Processes aber bleibt er auf freiem Fuß, und
sollte das Urtheil auf Leib und Leben lauten, das in Gaildorf vollzogen werden
müßte, so mag er sich unaufgehalten von dannen machen auf seine Gefahr, denn
sobald er vorm Städtlen und dessen beiden Thoren, ist er außerhalb der Freiheit; und wenn er nicht verkundschaftet wird, kann er sich an einen andern
sichern Ort begeben.“ (Alte Handschrift in Ober-Sontheim.) Also gab das
ganze Städtchen Asylrecht, von welchem noch 1698 Gebrauch gemacht wurde.
{{Seite|128

Altersberg,

Gemeinde II. Kl. mit 1358 Einw. a. Altersberg, W. 106 Einw. b. Brandhof, W. 169 Einw. c. Breitenfeld, W. 106 Einw. d. Eichenkirnberg,
W. 98 Einw. e. Falgenhof, H. 17 Einw. f. Gläserhof, H. 13 Einw. g. Haghof, W. 40 Einw. h. Hagkling, W. 221 Einw. i. Hengstberg, H. 4 Einw.
k. Horlachen, W. 177 Einw. l. Hugenbeckenreute, H. 10 Einw. m. Hundsberg, W. 123 Einw. n. Krämersberg, W. 17 Einw. o. 
Krebenhaus, Hs.
14 Einw. p. Lämmershof, W. 13 Einw. q. Neumühle, W. 33 Einw. r. Pfeiferhof, H. 21 Einw. s. Pritschenhof, W. 60 Einw. t. Schierhof, H.
25 Einw. u. Seehöfle, H. 12 Einw, v. Sturmhof, H. 32 Einw. Wasserhof, W. 47 Einw.
Ev. Pfarr-Fil. von Bichberg: Parz. c. n. d; von Gschwend: Parz. o. p. u.
und theilw. b. q.; von Kirchenkirnberg: die übrigen.

Die Gemeinde-Parzellen, dem Welzheimerwalde (S. 3) angehörend, liegen hoch auf der ersten Gebirgsstufe des Waldes, südlich über
dem Roththale, und schließen sich bei einer Länge von etwa 2 St. westlich an das Oberamt Welzheim an. Das Klima ist rauh, der hauptsächlich sandige, wenn auch etwas gebesserte Boden meist schlecht und an
manchen Orten so undankbar, daß er das Saatkorn kaum vervierfacht,
daher auch das Getreidebedürfniß nicht erzeugt wird. Im Gemeindebezirke liegt der S. 16 bemerkte Haagberg mit schöner Aussicht, der höchste,
trigonometrisch ermittelte Punkt des Oberamts, 1803 par. Fuß über dem
Meere. An Wasser ist kein Mangel und das Trinkwasser die gut.
Namentlich entspringt hier (bei Horlachen) der Rauhenzainbach. Die
sonstigen natürlichen Verhältnisse stimmen mit jenen von Gschwend überein. Durch den südöstlichen Theil des Gemeindebezirks führt die Landstraße von Welzheim nach Gaildorf, ebenso in entgegengesetzter Richtung
die gute Verbindungsstraße zwischen Gschwend und Kirchenkirnberg
u. s. w. Die wohlgestalteten Einwohner suchen im Feldbau, verbunden
mit Waldbau, und in der Viehzucht ihre Nahrung; sie gehören aber zu
den Ärmsten des Bezirkes. Die Weiler sind allmälig aus den ehemaligen großen Höfen entstanden oder gleich den einzelnen Wohnsitzen in den
letzten Jahrhunderten auf Waldboden angelegt worden, und die Einwohnerzahl hat sich in den letzten 60–70 Jahren fast überall verdoppelt.
Die gesammte Gemeindemarkung ist 3448 2/8 M. groß, worunter 1149 2/8,
also fast {{Bruch|1|3}}, Wald, und 290 M. Weiden und Öden, daher an Baufeld
auf einen Kopf nur etwa 1,3 M. treffen. Gärten, Wiesen, Weiden und
Äcker liegen untereinander gemischt. Dinkel kommt erst in neuerer Zeit
häufiger in Anbau; der Bau von Gerste, Hirse und Roggen findet sich
mehr, der vorzüglich gedeihende Haber noch häufiger. Von Belang ist
der Flachsbau, welcher eine wesentliche Einnahme bildet; der Flachs,
{{Seite|129
namentlich in Eichenkirnberg, ist sehr gut und beschäftigt die weibliche
Industrie den ganzen Winter hindurch; er findet, nebst Lein-Saamen und
Leinöl, nach Außen Absatz. Die Kartoffeln geriethen noch vor 7–8 Jahren ausgezeichnet. Die Wiesen, ihrer Natur nach meist Äcker, sind schlecht;
es muß daher um so mehr Heu aus den Thalorten zugekauft werden, als
der Klee- und sonstige Futter-Bau unbedeutend ist. Die Obstzucht, obwohl alt, ist auch noch von keinem Belange; der Viehstand nach Anzahl
und Haltung mittelmäßig. Eigentliche nennenswerthe Gewerbe
nicht vorhanden. Von Bedeutung ist dagegen die Verfertigung und
Ausfuhr geschnittener Holzwaaren, von Pfählen und allerlei Handwerksholz,
von Potasche, Pech und Kienruß, da die Einwohner zum Theil eigene
Waldungen besitzen.

Die Gemeinde ist dem Forstamt Lorch zugetheilt. Das Vermöge
derselben ist klein; eine Stiftungspflege nicht vorhanden. Eine Schule
befindet sich bloß in Horlachen; die Kinder von Altersberg, Hengstberg
and Krämersberg besuchen jene in Kirchenkirnberg.

Die großen und meist auch die kleinen Zehenten gebühren: in Altersberg, Hengstberg, Eichenkirnberg (theilweise), Felgenhof, Hagkling (theilweise), und Hugenbeckenreute dem Staat; in Lämmershof, Krebenhaus
und Seehöfle der Standesherrschaft Limpurg-Gschwend; in Hundsberg
der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf; in den übrigen Parzellen der
Standesherrschaft Limpurg-Waldeck. Die neueren grundherrlichen Verhältnisse, wie sie bis jüngst bestanden, sind S. 102 u. f. auseinandergesetzt.

Der ganze Gemeindebezirk stand unter Limpurgischer Hoheit, den
L. Wurmbrand'schen und L. Assenheim'schen Antheilen, die theilweise
1780 und 1790 an Württemberg gekommen waren (S. 101); ausgenommen der altwürttembergische Felgenhof, der 1808 mit den Siebenzehnern
in Altenberg vom Oberamt Welzheim hierher zugetheilt wurde. Breitenfeld, Eichenkirnberg und Seehöfle gehörten zum Wurmbrand'schen Landamt Gaildorf, Lämmershof zum Wurmbrand'schen Amte Gschwend, die
übrigen Parzellen zum Assenheim'schen Amte Gschwend (Oberroth).

Von den Gemeinde-Parzellen ist

a) Altersberg, 2 {{Bruch|1|2}} St.*) südwestlich von Gaildorf, an der Grenze
gegen das Oberamt Welzheim gelegen. Das Örtchen ist eines der höchstgelegenen; es liegt auf der Spitze eines Berges in der Richtung gegen
Nordwest, 1773,6 Par. F. über dem Meere. Der große Zehente rührt vom
Kloster Adelberg her. Altersberg war ursprünglich ein Hof, der 1538

*) Den Angaben der Ortsentfernungen liegt die geometrische Stunde (deren
Maßstab s. auf der Oberamtskarte) und die unmittelbare Entfernung, also ohne
Rücksicht auf die Straßen, zu Grund.

{{Seite|130
auch „zum Hag“ heißt, aber schon vor 1580 in 8 Güter mit Gebäuden
aufgelöst war. Eines dieser Lehen mit 2 Sölden erwarb 1436 Limpurg
mit Gröningen von Hans von Yberg; die übrigen Güter gehörten, jedoch ohne Hoheit, dem Kloster Lorch, alle aber in das Gericht zu Seelach. Ein Lehen war ein Siebenzehner Gut (s. oben S. 115). Im Jahr
1489 ist die Rede von einem nahen Wald „in dem Pfalwand“.

b) Brandhof, {{Bruch|1|2}} St. südlich von A. (Altersberg) am Hagbach.
Der Weiler wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt; 1674, wo er nur aus zwei Limpurgischen Gütern und einer Sägmühle bestand, lag der „große Brand-See“ dabei.

c) Breitenfeld, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich von A., ein kleines Gut auf
der Markung von Eichenkirnberg. Nach dem Limpurgischen Lagerbuche wurden hier „auf dem breiten Feld“ 1700 und 1740 zwei Kammergüter
angelegt.

d) Eichenkirnberg, 3/8 St. nordöstlich von A. auf einer Höhe
über den beiden Zainbachthälchen gelegen. Der Name rührt ohne Zweifel von den in der Gegend gerne wachsenden Eichen her. Nach Gräter (Iduna und Hermode, 1814, 212) stand hier 1814 eine Eiche, die 23′ im Umfang
hatte, und wurde damals in der Nähe das bronzene Bild einer deutschen
Göttin gefunden. Die Zehentrechte des Staats rühren vom Kloster Murrhardt her; ob dieses früher auch sonstige Rechte hier hatte, wie in
dem nahen Kirchenkirnberg, ist unbekannt. Der jedenfalls alte Ort ist
größtentheils mit der Burg Röthenberg an Limpurg gekommen. Conrad und Wilhelm von Roth besaßen {{Bruch|1|2}} des Zehentens und verkauften
1367 ein Lehen an Limpurg. Die Baltmanshube gehörte noch 1657 dem
Stifte Comburg, doch unter Limpurgischer Vogtei. Eine Kapelle zu St.
Gangolf wird 1379 genannt.

e) Felgenhof, 5/8 St. östlich von A., ein altwürttembergischer
Hof, der bis 1806 zum Stabe Rudersberg gehörte.

f) Gläserhof, 3/8 St. nordöstlich von A., an dem Haagberg; der
Überrest einer Glashütte, mit sehr wenigen Gütern. Albrecht von Ebersberg entsagt 1278 aller Vogtei auf den Gütern des Klosters Lorch „apud
glasarios.“

g) Haghof, {{Bruch|1|4}} südöstlich von A., unter dem Haagberg; eine
ehemalige Zugehör der Burg Röthenberg.

h) Hagkling, 5/8 St. südöstlich von A., an dem Haagberg. Auch
hier stand eine herrschaftliche Glashütte, deren Arbeiter zu Ende des
17. Jahrhunderts den Ort anlegten.

i) Hengstberg, {{Bruch|1|8}} St. westlich von A., auf der Altersberger
Markung, an der Oberamts-Grenze. Eine neuere Ansiedelung.

k) Horlachen, {{Bruch|1|4}} St. östlich von A. Auch dieses Örtchen dankt
{{Seite|131
seine Entstehung einer in dem Walde Horlachen und Schwarzachen
angelegten Glashütte, die noch 1674 stand und wo 11 Limpurgische Lehen
vorhanden waren. Das Ernennungsrecht zur Schule, die 1830 von Hagkling hierher verlegt wurde, hat die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck;
der Schulfond ist 53 fl. 47 kr.

l) Hugenbeckenreute, oder Drehershof, 1 St. südöstlich
von A., auf einem Hügel; ein ganz kleines, vor etwa 80 Jahren angelegtes Gut.

m) Hundsberg, zum Unterschied von dem gleichnamigen Orte im
Oberamt Welzheim, auch Hinterhundsberg genannt, 1 St. südlich
von A., über dem Hagbach, an der Straße von Welzheim nach Gaildorf.
Das Örtchen hat eine Sägmühle und eine 1788 erbaute Ziegelhütte.
Wie wenig dankbar der Boden ist, so wurde doch schon 1430 Obst hier
gebaut. Der Weiler ist aus einem alten Hof erwachsen, dessen eine Hälfte
den Caplaneien in Schadburg und Gebenweiler, beide Oberamts Welzheim, und deßwegen dem Kloster Lorch gehörte; die andere Hälfte zerfiel
in 6 Lehen, wovon eines dem Kloster Adelberg, die anderen Limpurg,
das auch alle Hoheit hatte, zustanden.

n) Krämersberg, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von A., auf der Oberamtsgrenze, im letztverflossenen Jahrhundert angelegt, ebenso klein als Drehershof. Dazu gehört

o) Krebenhaus oder Krämershof.

p) Lämmershof, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., am nördlichen Abhang des Gebirges, welches eine Fortsetzung des Steineforsts bildet; der
sehr kleine vor etwa 130 Jahren angelegte Ort hat einen Dichter, den
Leineweber Johannes Lämmerer, hervorgebracht, dessen Gedichte
Justinus Kerner 1819 herausgab.

q) Neumühle bei Horlachen, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., in
einer Klinge am Rauhenzainbach. Das erste Haus, die Mühle wurde
1709 erbaut und war ein Limpurgisches Kammergut.

r) Pfeiferhof, {{Bruch|3|4}} St. östlich von A., am Haagberg; eine kleine
neuere Ansiedelung. Das Lagerbuch von 1674 erwähnt hier einer
„Weinhalde.“

s) Pritschenhof, 1 St. östlich von A., am Haagberg; ein aus
dem Gläserhof gezogenes kleines Gütchen.

t) Schierhof, auch Schürhof, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., in
der Tiefe, am Fuß des Haagberges. Neueren Ursprungs.

u) Seehöfle, auch Seehäusle oder Seewiese, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., bei Neumühle; ein kleines Gütchen.

v) Sturmhof, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von A., auf dem Haagberg,
gleichfalls eine kleine neuere	Ansiedelung.
{{Seite|132
w) Wasserhof, 5/8 St. östlich von A. auf dem Haagberg; ist im
letztverflossenen Jahrhundert angelegt worden.

In dem unterhalb Altersberg gelegenen Thalheimer Walde, bei dem „Heiligen-Brunnen“, standen zwei schon 1580 abgegangen gewesene Orte:
Thalheim und Gauchshausen.


Eschach,

Gemeinde II. Kl. mit 1280 Einw. a. Eschach, Pfd. 552 Einw. b. Batschenhof, 50 Einw., wor. 3 Kath. c. Dietenhalden, H. 21 Winw. d. Gehrenhof, H. 7 Winw. e. Götzen-Mühle, 5 Einw. f. Helpertshofen, W.
33 Einw. g. Hirnbuschhöfle, H. 6 Einw. h. Holzhausen, W. 311 Einw.,
wor. 140 Kath. i. Kemnathen, W. 65 Einw., wor. 23 Kath. k. Seifertshofen, 137 Einw. 1. Vellbach, W. 56 Einw. m. Waldmannshofen,
W. 37 Einw. – Ev. Pfarrei; die Katholiken in Parz. c. h. sind nach Schechingen, die in Parz. i. nach Unter-Gröningen eingepfarrt.

Diese südlich an das Oberamt Gmünd grenzende Gemeinde-Markung liegt auf der dem Oberland angehörigen Hochebene, welche sich sanft
einerseits gegen die Roth und die Lein, andererseits gegen den Kocher
hinabsenkt. Der hohen Lage wegen ist hier die Bergkette der Alp sichtbar. Der Bezirk ist reich an guten, nie versiegenden Quellen, worunter der Götzenbach. Das Klima ist ziemlich rauh, aber gesund. Die Gewitter
ziehen sich meist gegen die Alp hin, daher ist Hagelschlag selten. Die
sonstigen natürlichen Verhältnisse s. Frickenhofen. Durch die Gemeinde
führt die 1828–1842 gebaute Amtskörperschafts-Straße von Gschwend
in das Oberamt Aalen. Die Einwohner sind von kräftigem Schlage;
die Nahrungsquellen dieselben wie in Altersberg, aber günstiger, da die
Orte meist namhaften Grundbesitz haben und das Fruchterzeugniß für
den eigenen Bedarf hinreicht. Die Gemeinde-Markung umfaßt 5284 3/8
Morgen, worunter 1015 {{Bruch|1|8}} M. Wald und 234 M. Weiden und Öden,
wonach 3 Morgen Baufeldes durchschnittlich einen Kopf treffen. Der
Boden ist von verschiedener Güte (s. Frickenhofen). Die Ackerpreise waren 1847 vom Morgen 30–160 fl., die Wiesenpreise 70–400 fl. Es
gedeiht Dinkel, Roggen, Haber und Gerste, Flachs und Hanf. Die Wiesen, obwohl im Allgemeinen mittelmäßig, können theilweise gewässert
werden. Der Obstbau hebt sich neuerlich (S. 60). Das Kohlenbrennen
wird stark betrieben. Besondern Erwerb gewährt die Rindviehzucht; der
Viehstand ist hier schön und im Verhältniß zur Markung am Größten.
Die Parzelle Seifertshofen hat drei nicht unbedeutende Viehmärkte.
Auch die Zucht von Hühnern, Gänsen und Enten, die meist nach Gmünd
verkauft werden, ist zu erwähnen, deßgleichen wird in Eschach ein kleiner
Handel mit Bettfedern betrieben. An letzterem Ort befindet sich eine
Apotheke.
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Der Gemeindebezirk gehört zum Forstamt Comburg. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind der Art, daß die Amts- und Gemeinde-Umlagen nicht drücken. Das Vermögen der Stiftungspflege
ist unbedeutend. Seifertshofen war bis 7. März 1845 ein Bestandtheil
der Gerneinde Frickenhofen. Die evangelischen Einwohner sind nach
Eschach, die katholischen nach Unter-Gröningen beziehungsweise Schechingen, schulpflichtig. – Die Zehentrechte stehen überall, meist von der
Limpurgischen Herrschaft her, dem Staate zu, mit Ausnahme der kleinen
Zehenten in einigen Parzellen, welche der Pfarrei Eschach, und der alten
Zehenten in Vellbach, welche der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf
gebühren.

Die Gemeinde-Parzellen gehörten zum Landestheil Gröningen
und zum Amte Unter-Gröningen (vergl. oben S. 104); mit Ausnahme von Seifertshofen und Antheilen von Vellbach und Helpertshofen,
die in's Pückler'sche Landamt Gaildorf, Gehrenhof und Waldmannshofen und Antheilen an Holzhausen und Vellbach, welche zum württembergischen Amt Welzheim gehörten. Die letztgenannten vier Orte kamen
1808 mit Antheilen von Helpertshofen und Kemnathen vom Oberamt
Gmünd zu dem Oberamte Gaildorf.

Die Parzellen im Einzelnen anlangend, so ist

a) das evangelische Pfarrdorf Eschach, früher Äschach, 4 St.
südöstlich Gaildorf, in einer von dem Eschachbach bewässerten Einsenkung der zuvor erwähnten Hochebene gelegen. Die mitten im Dorfe
stehende Kirche rührt aus dem 15. Jahrhunderte her; der noch ältere
Thurm läßt vermuthen, daß die zuvor gestandene Kirche niedriger war.
Er hat drei Glocken, wovon eine mit der gothischen Minuskelschrift:
„Osanna heis ich zu unser frauen er leyt ich, bernhart lachaman gos
mich 1493 †.“ Im Chor ist ein schönes Sacramentshäuschen. Im Altarschrein sind die in Hotz geschnitzten Bilder von Jakobus, Maria und
Johannes. Die Altarflügel mit den darauf befindlichen Gemälden von
Zeitblom wurden vor 30 Jahren verkauft. Außerdem sind noch einige
kleine Altarbilder vorhanden. Die Baulast hat die Stiftungspflege. Das
Pfarrhaus wurde wegen Armuth der letzteren 1827 von der Pfarrgemeinde
neu erbaut. Das von der Schulgemeinde 1839 mit einem Aufwand von
mehr als 5000 fl. erbaute Schulhaus enthält zugleich das Rathslokal.
Die Apotheke wurde 1840 errichtet. Der Begräbnißplatz ist seit 1839
außerhalb des Dorfes. An der Schule, welche 192 fl. 20 kr. Fond hat,
stehen ein Schulmeister und ein Provisor.

Eschach, das 1741 40 Unterthanen und 8 Beisitzer in 39 Wohnhäusern
zählte, war früher im Besitze der Grafen von Öttingen, welche 1359
ihre Rechte mit anderen hiesigen Gütern und Rechten, die zuvor Conrad
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im Steinhaus und Heinrich Ruh, beide Bürger zu Gmünd, besessen hatten, an die Rechberg zu Hohen-Rechberg verkauften. Diese verkauften
1586 mit Birkenlohe das aus 29 Gütern, bestehende Dorf als eigen mit
aller Hoheit und der Hälfte des großen Zehenten, dessen andere Hälfte
dem Kloster Gotteszell gehörte, um 16.100 fl. an die Schenken von Limpurg. Außerdem kauften die Schenken 1587 von zwei Bauern ihre freien
Güter und verliehen sie ihnen wieder als gültbar. Das Kloster Lorch
kaufte 1430 von den Heiligenpflegern zu „Äschach“ eine Wiese und ein Holz.
Auch die Ortspfarrei besaß 3 Lehengüter. Das Gericht wurde 1481 mit
Bauern besetzt. Den Kirchensatz verkauften die Grafen von Öttingen
1361 mit der Herrschaft Adelmannsfelden an das Kloster Ellwangen,
von dem er schon 1380 an Limpurg gelangte. Albrecht der Guldin nennt
sich 1367 „Kirchherr zu Äschach“. Die Patronat- und Episcopat-Rechte
waren mit der Herrschaft Gröningen verbunden.

b) Batschenhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von E. (Eschach) am Walde;
ein im vor. Jahrhundert auf Eschacher Markung angelegtes kleines Gut.

c)	 Dietenhalden oder Dietenhöflen, nördlich {{Bruch|1|2}} St. von E. auf der Höhe im Wald; ein kleines Gut auf Holzhauser Markung.
Wurde mit Eschach erkauft.

d) Gehrenhof, {{Bruch|3|4}} St. nördlich von E. auf waldiger Höhe.

e) Götzenmühle, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von E., am Götzenbach. auf der Grenze des Oberamts Gmünd. Wurde mit Eschach erkauft. In
der Nähe liegt das Götzenloch, eine Höhle, in welcher nach der Volkssage ein heidnischer Götze verehrt wurde (s. S. 9).

f) Helpertshofen, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von E. über dem Götzenbachthälchen. Zwei Güter gehörten zur Waibelhub, welche 1410 Wilhelm von Rechberg zu Gröningen als württembergisches Lehen an Limpurg verkaufte (s. S. 115), das zwei andere Güter als eigen besaß. Die
ersteren fielen 1713 an Württemberg heim. Auch Kloster Lorch hatte
2 Güter. Den großen Zehenten kaufte Limpurg 1607 von Württemberg.

g) Hirnbuschhöfle, auch Hurrenhöfle, ein {{Bruch|1|2}} St. nördlich
von E. am Wald Hirnbusch 1729 angelegtes Gütchen.

h) Holzhausen, Weiler, {{Bruch|1|4}} St. östlich von E. auf der Hochebene
über dem Fischbach-Thälchen gelegen. Hier ist am 24. März 1795 der
dermalige Bischof von Rottenburg, Dr. v. Lipp, geboren. Der kleine
Ort war früher eine Gauerbschaft, das heißt, er hatte zumal einige Herren. Erstens die Schenken, welche 1371 von Adelheid von Rechberg,
Albrecht des Hauken Wittwe, 6 Güter, 1410 zwei zur Waibelhube gehörige Lehen, und 1514 von Georg von Vohenstein ein Gut und {{Bruch|2|3}} des
Zehentens und 1607 von Württemberg 2 Kloster Lorch'sche Güter erwarben. Zwei dieser Güter waren dem Heiligen zu Gröningen und 
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beziehungsweise dem zu Eschach gültbar. Der zweite Mitherr war seit 1713
Württemberg wegen der Waibelhube, der dritte die Reichsstadt Gmünd.
Walther der Taler und Walther von Rinderbach, Bürger von Gmünd,
verkauften 1359 und 1360 zwei Güter dem Kloster Gotteszell, das unter
Gmünd'scher Vogtei stand. Der vierte Mitherr war Adelmann von Adelmannsfelden. Dessen Besitzungen kamen später an die Freiherren vom
Holtz zu Alfdorf, haben aber durch Ablösung schon früher theilweise aufgehört. Im Jahr 1759 hatten hier Limpurg 4, Württemberg 1, Gmünd
5 und die Herren vom Holtz 2 Unterthanen. Vor der Reformation war
der Ort nach Zimmerbach eingepfarrt.

i) Kemnathen, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von E. auf der Hochebene
gelegener Weiler. Ritter Georg von Wöllwarth und seine Hausfrau
Anna von Schechingen bewidmen eine in's Kloster Lorch 1396 gestiftete
Messe mit Gütern in Kemnaten und in Vach. Noch später saßen hier
freie Bauern; Einer begab sich 1489, ein Anderer 1510 in Limpurg'schen
Schutz, und ein Dritter machte 1588 sein freies Gut den Schenken lehenbar und fallbar. So entstand ein Condominat. Drei Güter gehörten
Gmünd und eines Lorch. Limpurg hatte 1774 26, Lorch im Jahr 1807
9 und Gmünd 14 Einwohner. – Der Ortsname, ursprünglich ein massives ober größeres Wohngebäude bedeutend, möchte auf ein ehemaliges
Schloß hinweisen; ein Lagerbuch von 1700 erwähnt auch Wiesen, gelegen
„an dem gemeinen Graben“. Näheres war nicht zu ermitteln.

k) Geifertshofen, 7/8 St. nordwestlich von E. auf der Hochebene am Waldrand gelegen; einer der wenigen Weiler des Landes, welche
Marktrecht besitzen. Dieses scheint, da es jedenfalls von höherem Alter
ist, auf eine ehemalige größere Bedeutsamkeit des Ortes schließen zu lassen. Das Kloster Fulda wurde 1057 von einer Frau Duidecha mit Gütern in Westheim etc. und Sigifrides beschenkt; nach Stälin (württ.
Gesch. I, 598) könnte unser Ort gemeint seyn; immerhin aber dürfte
sein Name von dem Mannsnamen Siegfried abstammen. Er zählte 1741
in 11 Wohnhäusern 6 Bauern und 3 Söldner, und bestand ursprünglich
aus freien Gütern, deren einige noch 1550–1613 von ihren Besitzern
den Schenken lehenbar und fallbar gemacht wurden. Ein der Kirche
Bühlerzell gehöriges Gut erwarb Limpurg 1550, ebenso 1557 von der
Reichsstadt Gmünd 3 Güter. Auch der Heilige zu Eschach besaß zwei
Lehen oder Sölden.

l) Vellbach, früher auch Felbach und Velben, {{Bruch|1|2}} St. westlich von E. auf der Hochebene, über dem Götzenbach-Thälchen. Auch
hier bildete sich ein Condominat und saßen freie Bauern auf ihrem Eigen.
Conrad Wick verpflichtet sich und seine Erben 1405 gegen den Ritter
Wilhelm von Rechberg zu Gröningen, aus seiner Hube jährlich 5 
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Schillinge und ein Fastnachthuhn zu reichen; 1414 ist seine Wittwe eine Limpurgische Leibeigene, und macht zur Buße dafür, daß ihr Sohn, ohne des Schenken Friedrich Zustimmung, zum Priester sich weihen ließ (er
war damals Pfarrer in Wetzgau) dem Schenken ihre freieigene Hube in Steinenbach und ein Gut dahier unterthänig mit Hauptrecht, Eigenschaft
und Vogtei. Ein Hof gehörte der 
Frühmeß-Pfründe zu Welzheim, also
Kloster Lorch, ein anderes Gut tauschte Limpurg 1557 von Gmünd ein.
Vier Güter bildeten einen Bestandtheil der Waibelhub, nach deren Heimfall Limpurg nur noch ein Gut und der Zehente verblieben. Zur Waibelhube gehörten 1807 48, zum Oberamt Lorch 5 Einwohner; Limpurgische waren es 1785 21.

m) Waldmannshofen, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von E. auf einer
waldigen Höhe. Der aus zwei Höfen bestehende Hof gehörte zum Lehen
der Waibelhube und fiel daher 1713 an Württemberg zurück, ausschließlich der durch Limpurg 1557 von der Stadt Gmünd erkauften Grundabgaben.


Eutendorf,

Gemeinde III. Kl. mit 994 Einw. a. Eutendorf, Pfd. 449 Einw. b. Adelbach,
W. 34 Einw. c. Eisbach, W. 56 Einw., wor. 33 Kath. d. Groß-Altdorf,
W. 144 Einw. e. Klein-Altdorf, W. 142 Einw. f. Neuwiese, H. 10 Einw.
g. Schleifrain, H. 10 Einw. h. Schweizerhalden, H. 7 Einw. i. Staigenhaus, Hs. 15 Einw. k. Steppach, Hs. 8 Einw, l. Winzenweiler,
W. 119 Einw., wor. 110 Kath. – Ev. Pfarrei; die Katholiken in c. und l.
sind nach Bühlerthann eingepfarrt.

Der Gemeindebezirk liegt im Kocher-Thal, unterhalb Gaildorf, nördlich an dessen Markung grenzend. Durch denselben fließt der Kocher, in
welchen sich der Adelbach, Steppach und Pilmerbach ergießen, so daß
westlich Klein-Altdorf auf die linke Seite fällt. Im östlichen Theile ist der
Bezirk vom Eisbach-Thälchen durchschnitten, welches bei Sulzbach ausmündet. An Wasser ist kein Mangel, das Trinkwasser aber gypshaltig; die Luft
rein und ziemlich mild, der Boden thonig und speckig, im Ganzen fruchtbar.
Durch die Gemeinde führen die Landstraßen nach Hall und Ellwangen. Die
Nahrungsquellen sind hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht, und die Einwohner befinden sich gegen die übrigen Gemeinden in nicht ungünstigen
Umständen; aber doch wurde 1852 die Summe der Pfandschulden zu
80.000 fl. angegeben. Das Getreide-Erzeugniß befriedigt nicht ganz den
örtlichen Bedarf. Die Gesammt-Markung begreift 5870 2/8 m., worunter
1970 3/8 M. Wald und 1091 6/8 M. Weiden und Öden, worüber an Baufeld 2,7 M. auf einen Kopf treffen. Ein Morgen Ackers wurde 1847 um
46–150 fl. verkauft. Die Mehrzahl der Güter liegt eben. Das Pflügen
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erfordert 3–4 Ochsen als Anspann. Die Felder von Groß- und Klein-Altdorf sind fruchtbarer, als die von Eutendorf. In der Gemeinde zeigt
sich neuerer Zeit Eifer für die Landwirthschaft; noch finden sich aber
manche culturfähige öde Plätze. Als Getreide wird hauptsächlich Dinkel,
Einkorn und Haber, weniger Roggen und Gerste, an Gespinnstpflanzen
sehr wenig Flachs, aber desto mehr Hanf gebaut. Jeder Bürger hat seinen Garten. Die Wiesen im Thal sind zweimähdig, die auf der Höhe
einmähdig, geben aber ein kraftiges Futter. Der früher in Eutendorf
betriebene Weinbau wurde 1766 aufgegeben. Die Obstzucht ist neuerlich
sehr im Zunehmen; in den Baumschulen im Pfarr- und Schul-Garten
erhalten die Kinder von Pfarrer Stiefel vollständigen Unterricht in der
Obstbaumzucht. Etwas Pferdezucht; namhafter und schöner Rindviehstand und bebeutender Handel mit aufgefüttertem Vieh; auch Gänsezucht.
Außer Weberei, die jedoch meist nur für den eigenen Bedarf betrieben
wird, und einem geschickten Wagner in Eutendorf, ist außer den gewöhnlichen Handwerken kein Gewerbe zu erwähnen. Die Ärmeren finden in
den Fabriken zu Ödendorf und Gaildorf Beschäftigung.

Der Gemeindebezirk gehört zum Forstamt Comburg. Die Verhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig; die Stiftungspflege aber genügt den Anforderungen nicht zur Hälfte; gleichwohl ist der umzulegende
Gemeindeschaden nicht bedeutend. Die evangelischen Kinder besuchen die
Schule in Eutendorf, die katholischen die in Winzenweiler. Sämmtliche
Zehenten gehören von der Limpurgischen Herrschaft her dem Staate; die
Hälfte der kleinen Zehenten zu Eutendorf und Groß-Altdorf ausgenommen, welche der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zusteh. Seit 1832
gebührten überall die grundherrlichen Rechte dem Staate (oben S. 602),
die denn auch vor 1848 alle zur Ablösung gekommen sind.

Der ganze Gemeindebezirk gehörte bis 1806 in das Limpurg-Wurmbrand'sche Landamt Gaildorf, war also schon 1780 theilweise an Württemberg gekommen (s. S. 101), mit Ausnahme Winzenweilers, welches –
als Stift-comburgisch – 1803 württembergisch geworden und 1808
vom Oberamte Vellberg unserm Oberamte zugetheilt worden ist. Von
den einzelnen Gemeinde-Parzellen liegt

a) Eutendorf, das evang. Pfarrdorf, 7/8 St. nördlich von Gaildorf, sonnig und freundlich in einer zur rechten Seite des nahen Kochers
sich hinziehenden Thalschlucht, welche von dem Hördtbach bewässert ist,
der unterhalb des Dorfes den Namen Steppach annimmt. Das Dorf
hat ein gutes Aussehen; gegen Osten und Norden ist es mit einer hohen
und steilen Bergkette umgeben. Es ist ziemlich ausgedehnt gebaut und
zerfällt in zwei Häusergruppen. In dem sogenannten Oberdorf liegen
Kirche, Pfarr- und Schul-Haus. Die Kirche, ein altes massives Gebäude,
{{Seite|138
hat ein burgartiges Aussehen. An der obern westlichen Ecke der mittäglichen Außenseite trägt ein Stein die eingehauene Inschrift: „1343 in
dem htein ist mer Geschrift.“ Im Jahr 1816 oder 1817 soll
nachgesucht, aber keine Schrift, sondern nur ein gewöhnliches Gläschen
mit unkenntlichem vermodertem Inhalt gefunden worden seyn. Im Chor
ist eine gemalte Glasscheibe, worauf der Ritter S. Georg mit der Umschrift: „Wandelbar greffin.... gebor. Grefin von Hohenloe.“
Nach den württ. Jahrb. 1841, I. 56 sind auch drei Altargemälde im Besitze der Stiftungspflege, das erste Menschen-Paar, die Taufe Christi
durch Johannes und das heil. Abendmahl darstellend. In dem schlecht
beschaffenen Thurme hängen 3 Glocken, wovon eine die Inschrift in gothischen Minuskeln hat: „ihesus nacerenus rex judeorum bernhard
lachaman gos mich 1511.“ Die Baulast hat der Heilige. Das freundliche, etwas erhöht liegende, Pfarrhaus wurde 1824 von den damaligen
Patronatherrschaften gebaut; durch Vertrag ist aber das Eigenthum mit
der Baulast auf die Stiftungspflege übergegangen. Diese hat auch 1838
das stattliche Schulhaus, zugleich Rathhaus, erbaut. Eine Kelter wurde
erst vor etwa 70 Jahren abgebrochen. Damals stand hier noch ein Gesundbad, dessen kalk- und gypshaltiger Brunnen auch im strengsten Winter
nicht zugefriert, sondern dampft. Der bedeutende Wald der Parzellar-Gemeinde, vor 40 Jahren durch Aufhebung des Viehtriebs namhaft
vergrößert und längst nach den Gemeinderechten unter die Einwohner
vertheilt, wird nicht technisch bewirthschaftet. Das Patronatrecht zur
Pfarrei, deren Sprengel dem Bezirk der politischen Gemeinde entspricht,
steht seit dem Abtheilungs-Vertrag von 1832 zu {{Bruch|1|4}} der Krone und zu
{{Bruch|3|4}} Limpurg-Waldeck zu. Den von einem Gehilfen unterstützten Schulmeister ernennt die Krone; der Schulfond vermag 90 fl. 46 kr. Die Fürstin Christine Wilhelmine von Leiningen machte 1788 für die
Ortsarmen ein Vermächtnis dessen Capital 504 fl. beträgt. – Der Begräbnißplatz wurde vor einigen Jahren außerhalb des Dorfes angelegt.

Den Namen des Ortes, der vormals auch Udendorf und Yttendorf
war, leitet Prescher von dem Frauen-Namen Ytta her. Den Brüdern
Winther und Richilo von Altdorf, im jetzigen Oberamt Hall, trat 1091
Bischof Emehard von Würzburg seine Zehentrechte in den „villis 
Vdendorf et Vdendorf“ (d. h. Eutendorf und Ödendorf) und in Winicenwilare, Saneuuelles etc.“ ab (Württ. Urk.-Buch I, 399). Im Jahr
1371 kauften die Schenken ein Gut von Conrad und Götz von Roth,
1405 deßgleichen eines von Claus Halberg. Die übrigen limpurgischen
Güter erwarben die Schenken 1357 mit der Beste Buchhorn. Daher
sprachen diese auch die Vogtei über vier Lehen des Klosters Comburg
und vier Feldlehen des Klosters Murrhardt an. – Die Pfarrei ist alt
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(s. auch Ödendorf); das Patronatrecht nebst {{Bruch|1|3}} des Wein- und Frucht-Zehentens, dem halben kleinen Zehenten hier und in 
Groß-Altdorf, auch
{{Bruch|1|3}} des großen und kleinen Zehentens zu Klein-Altdorf und Winzenweiler
trat das Stift Comburg 1669 um 600 fl. an Limpurg ab. Die Patronat- und Episcopat-Rechte wurden nachmals zwischen Wurmbrand und
Solms gemeinschaftlich.

b) Adelbach, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von E. (Eutendorf) in dem
engen Adelbach-Thälchen; ein kleines, in den letzten 50 Jahren angelegtes Gut.

c) Eisbach, 7/8 St. südöstlich von E. auf einer rauhen, waldigen
Höhe, am Eisbach, welcher einen Weiher hier speist, der theils zum Betrieb einer Sägmühle, theils zur Holzflößerei dient. Das Örtchen hat
nur wenige Güter und scheint seine Schicksale stets mit Winzenweiler
getheilt zu haben.

d) Groß-Altdorf, {{Bruch|1|2}} St. südlich von E. auf dem rechten Ufer
des Kochers. Dazu gehört eine weiter unten am Kocher stehende Sägrnühle, worin für die Glasfabrik in Gaildorf eine Schleiferei eingerichtet
ist. Auch steht die bei Gaildorf erwähnte Sodafabrik auf diesseitiger
Markung. Die kleine massive Kirche, worin jährlich sechsmal Gottesdienst gehalten wird, ist sehr alt. Im Chor ist ein kleiner Wandkasten,
worin ein hölzernes Madonnenbild; die beiden Thürflügel haben Malereien, nicht gerade aus der Hand eines Zeitblom, doch augenscheinlich
ihm nachgebildet. Von den beiden Glocken ist die größere vor etwa 300
Jahren von Christoph zu Nürnberg gegossen, die kleinere aber älter (s.
Zeitschr. d. histor. Vereins f. d. württ. Franken 1848). Die Baulast
hat der Ortsheilige. – Die Orte „Großen-Altdorff und Minnern-Altdorf“ werden 1374 als Limpurgisch bezeichnet.*) Comburg besaß 1657
hier 13 Lehengüter, wovon Limpurg 1669 zwei, die zur Pfarrei Eutendorf gehörten, kaufte. Die Hoheit und Vogtei stand Limpurg zu.

*) Da auch im Oberamte Hall zwei Orte Groß- und Klein-Altdorf sind
und ebenso nahe; wie die diesseitigen, bei Comburg liegen, so werden manchmal
die Vergabungen der zuvor erwähnten Brüder von Altdorf an das Kloster Comburg vom Jahr 1090 (O.A.-Beschr. v. Hall, S. 215) auf die diesseitigen Orte
bezogen; Stälin in seiner Wirt. Gesch. spricht sich I, 321 für Hall, II, 700 für
Gaildorf aus. Für das Oberamt Hall sprechen aber nicht nur die Comburger
Archiv-Notizen, die Haller Chroniken und die Annahme im W. Urkundenbuch,
sondern auch die Örtlichkeiten, da in beiden Orten Altdorf, O.-A. Hall, Comburg sehr frühe schon begütert war, das dortige Groß-Altdorf eine sehr alte
Kirche hat und auf dem nahe dabei liegenden Kirchbühl die alte Burg der Herren
von Altdorf stand, in und bei den vorliegenden Orten aber keine Burg sich befunden zu haben scheint.
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e) Klein-Altdorf, früher Minnern- das heißt Minder-Altdorf,
5/8 St. südwestlich von E. auf dem linken Ufer des Kochers, der hier eine
starke Krümmung macht und das Örtchen fast ganz umschlingt. Über
denselben führt nach dem nur {{Bruch|1|8}} St. entfernten Groß-Altdorf ein Fußsteg und gegen Gaildorf eine bedeckte hölzerne Brücke. – Auch hier hatte
Comburg 13 Lehengüter, wie es scheint aber meist ohne Hoheit und Vogtei, da der Ort 1804 nur 3 comburgische Unterthanen hatte. Im Jahr
1628 starb hier eine Frau 100 {{Bruch|1|2}} Jahre alt.

f) Neuwiese, 5/8 St. östlich von E. mitten im Wald; ein mittelgroßes vor etwa 40 Jahren angelegtes Gut.

g) Schleifrain oder Lohhaus, 5/8 St. südlich von E. auf einem
Felsen über dem rechten Kocherufer, nahe an der Landstraße nach Hall,
auf der Markung von Groß-Altdorf. Früher eine Schleifmühle, jetzt eine Lohmühle, welche von einem namenlosen über einen Felsen 30′ herabstürzenden Bache, der oberhalb der Mühle in einem Weiher sich sammelt, in Bewegung gesetzt wird.

h) Schweizerhalden, 3/8 St. südöstlich von E. an einer waldigen Höhe. Ehemals eine herrschaftliche Schweizerei und Sennhütte, 
dann Domaine der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck, seit etwa zwölf
Jahren in den Händen eines Privaten.

i) Staigenhaus, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von E., in der Nähe des
erstern, an der Landstraße nach Ellwangen, auf Groß-Altdorfer Markung.
Schöne Aussicht über das Kocher-Thal und die waldige Hochebene.

k) Steppach, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von E. nahe an der Haller Landstraße und beim Einflüsse des Steppachs in den Kocher. Wurde vor 25
Jahren auf der Markung Groß-Altdorf angelegt.

l) Winzenweiler, 7/8 St. südöstlich von E. an der Landstraße
nach Ellwangen. Sitz eines Revierförsters und einer 1847 errichteten
katholischen Schule für die Bewohner der Umgegend, mit kleinem Schulhause. – Daß die villa Winicenwilare schon 1091 genannt wird, ist
bei Eutendorf erwähnt. Engelhard von Weinsberg eignet 1363 dem
Beringer Berler von Tullau die Vogtei, die dieser von ihm zu Mannlehen (wohl Afterlehen) trug, auf den Gütern zu Winzenweiler, zu
Sanwoll und Deurtzen, worauf Berler diese Rechte 1364 an Comburg verkaufte, von dem Engelhard dieselben, wie es scheint, zuvor erhalten hatte. Von da an blieb der Ort ganz Comburgisch. Er zählte 1804
99 Einwohner. Nach der Reformation war er evangelisch; durch Comburg wurde aber die Aufnahme der Katholiken so begünstigt, daß die
letzteren längst überwiegen.
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Das erwähnte Saneuuelles *) oder Sanwoll lag nach dem Württ.
Urkundenbuche bei Winzenweiler. Wann der Ort abgegangen, ist unbekannt. Später führte ein Walddistrikt diesen Namen, der auch Sanwald
und Sammelwald geheißen wurde. – Auf der Höhe gegen Osten soll
nach Prescher der gleichfalls abgegangene Ort Haspelhausen gestanden haben, an dessen Stelle jetzt der mehrere Morgen große, mit Karpfen
besetzte, Haspelhauser See ist. – Ein weiterer Weiler stand einst
nach Prescher auf dem sog. Roggenland.

Nordöstlich, {{Bruch|3|4}} St. von E., im tiefem Walde, ist eine Art Sternschanze aus unbekannter, vielleicht römischer Zeit. (Vergl. S. 111.)


Frickenhofen,

Gemeinde II. Kl. mit 1508 Einw. a. Frickenhofen, Pfd. 211 Einw. b. Dietenhof, W. 72 Einw. c. Hirschbach, W. 24 Einw. d. Hohenohl, Hof 16
Einw. e. Hohenrausch, W. 69 Winw. f. Josenhof, H. 20 Einw. g. Käshöfle, H. 35 Winw., wor. 27 Kath. h. Kellershof, H. 15 Winw. i. Lindenreute, H. 18 Einw. k. Linsenhof, W. 37 Einw. l. Metzenshof, W. 24
Einw. m. Mittelbronn, W. mit Brechtenhalden, H. 411 Einw., wor. 91
Kath. n. Ottenried, W. 68 Einw. o. Rappenbühl, 6 Einw. p. Rappenhof, H. 8 Einw. q. Rothenhaar, W. 225 Einw. r. Schöllhof, H. 13
Einw., wor. 5 Kath. s. Spittelhof, W. 11 Einw. t. Steinhöfle. H. 27
Einw. u. Weyher, W. 104 Einw. v. Wildenhöfle, H. 27 Einw. w. Wimberg, W. 43 Einw. x. Wolfs-Mühle, 6 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. n.
Fil. von Eschach, die Kath. in Parz. g. sind nach Unter-Gröningen, die in m.
nach Spraitbach eingepfarrt.

Ein Theil der dem Limpurger Oberland angehörigen Orte dieser
Gemeinde liegt auf der bei Eschach erwähnten Hochebene, die hier mit
ziemlich schmalem Rücken beginnt, in südlicher Richtung einen ebenso
schmalen Ausläufer hat, bei Mittelbronn in schnell wachsende Breite übergeht und westlich und nördlich sich steil abdacht. Die Gemeinde hat zwei
erwähnenswerthe Berge: die Hohtanne und den Hohenohl. Die
erstere, ein Ausläufer der Hochebene, gewährt eine ausgezeichnete Fernsicht bis Waldenburg, Ellwangen, Kapfenburg und Hohenstaufen; der
Hohenohl ist kegelförmig und ragt wohl 40′ über Frickenhofen hervor.
Unter einer kaum 1′ tiefen Humus-Erde kommt Thonboden, der ein hartes, hier „Fleinsen“ genanntes Felslager zum Untergrund hat. Dieses
geht in den Keupersandstein, auch „Buchstein“ genannt, über, der hier
vorzüglich schön ist und vortreffliche Bau- und Schleif-Steine liefert.

*) Nicht „Lemosanvelles“, wie eine alte Abschrift der Urkunde liest und
zu der zurückzunehmenden Deutung auf Lendsiedel (s. O.A.-Beschr. Hall 216)
Veranlassung gab.
{{Seite|142
Dann folgt Thonmergel oder Leberkies von bedeutender Mächtigkeit. Diese
Erdmasse, die sowohl den Lehm- als den Sand-Boden verbessert, ist sehr
zum Rutschen geneigt. In der Richtung gegen Mittelbronn findet sich Vitriolschiefer und Vitriolkohle (S. 22), daher hier viele Jahre lang vorzüglicher Vitriol gewonnen und auch nach Steinkohlen gegraben wurde, bis erst vor etwa 20 Jahren die Gruben als ausgebeutet aufgegeben worden
sind. Aus dem jene Berge unterlagernden weißen und bunten, nur theilweise zum Straßenbau tauglichen, Sandstein, entspringen die reinsten Quellen von seltener Frische. Am Fuße der Hohtanne ist eine merkwürdige, bis jetzt nur wenig bekannte Schlucht, die „Teufels-Kanzel“ genannt.
Von Außen unsichtbar senkt sich der Boden plötzlich fast senkrecht mehr als
haustief, und ungeheure Felsen bilden eine etwa 150′ breite höhlenartige
Bucht. Unter einem in Gestalt eines Schalldeckels hervorragenden Felsen öffnet sich eine Felsplatte in der Form einer schwer zugänglichen
Kanzel, vor welcher sich im Rundkreis ein weiter Zuhörer-Raum ausbreitet. Hinter der Platte öffnen sich zwei unheimlich tiefe Felsspalten,
die zu sicheren Schlupfwinkeln dienen und in deren einer eine krtystallhelle
Quelle sprudelt. Diese wildromantische Schlucht erregt unwillkürlich
die Phantasie, welche bald eine urchristliche Kirche, bald eine Räuberhöhle
zu erblicken glaubt. Der Boden der Hochebene ist fruchtbar, die Bergabhänge aber taugen zumal, wegen ihrer großen Reigung zum Rutschen,
in der Regel nur zum Waldbau und zur Weide, mit Ausnahme ihrer
obersten Theile, welche dem Obstbau sehr günstig sind. Der Thalgrund
ist magerer Sand oder sumpfig und strichweise so kalt, daß die Parzelle
Hohenreusch nur unter dem Namen „das kalte Loch“ bekannt ist. In
diesem kalten Striche, der sich von Gschwend an durch das Rothbach-Thälchen bis Birkenlohe und Hönig herabzieht, ist die Vegetation äußerst
gering, die Kartoffeln erfrieren fast alljährlich und das Obst gedeiht selten.
Merkwürdig ist, daß in Josenhof seit Menschengedenken kein Sperling
sich sehen ließ. Je mehr sich der Boden der Hochebene östlich und südlich
gegen Eschach hinzieht, desto mehr verschwindet die Keuperformation,
der Liasformation Platz machend, welche im Liaskalk (Gryphitenkalk)
unendliche Massen versteinerter Schnecken und andere schöne Versteinerungen enthält und den Kalkbrennern unerschöpfliche Vorräthe darbietet;
Die Thäler sind meist Schluchten, von geringen Bächlein bewässert; nur
die obere Roth, welche bei Gschwend eine Strecke bergauf zu laufen
scheint, treibt einige Mühlwerke. Auf der Höhe tritt nicht selten Wassermangel ein, so daß manche Brunnen geschlossen werden müssen. Röhrbrunnen fehlen; das Wasser der Pumpbrunnen kommt aus sog. Schwitzadern, welche stets eine Auflösung des leimigen Bodens mit sich führen.
Die einzige Quelle, am südöstlichen Bergabhange bei Frickenhofen, führt
{{Seite|143
viele Schwefeltheile. An großem Wassermangel leidet zuweilen Mittelbronn in Folge der vollständigen Unterhöhlung durch das erwähnte
Bergwerk. Bei Linsenhof ist die obere Roth durch einen Damm aufgehalten und bildet dort den 3–4 Morgen großen, mit Karpfen besetzten
Hackensee, der Eigenthum der Standesherrschaft Waldeck ist. Der Boden
der Hochebene ist durchgängig Lehm, vermischt mit den Urstoffen des
Buchsteins, und für die Cultur empfänglich; im Gebiete der Liasformation wird er schwerer. An den Bergabhängen findet sich entweder Thonmergel oder sog. Mehlboden. Der Sandboden ist zwar leicht zu bauen,
erträgt aber sehr wenig; er ist strichweise bald zu hitzig, bald zu kalt.
Die Luft ist sehr rein und trocken. Es gedeihen Bohnen, Gurken etc.
Auf der Höhe ist beständig Wind, der jedoch Sommers kühlt und Winters den Frost mäßigt, wie denn nicht bloß die Hitze, sondern auch die
Kälte im Thale heftiger als auf der Höhe sind. Die Ernte beginnt hier
8–10 Tage später als im Thale. Die Gewitter ziehen meist gefahrlos
vorüber. Im Ganzen zeigt sich das Klima eher rauh als mild, übrigens
für die Gesundheit nicht unzuträglich.

Der Menschenschlag ist kräftig; gleichwohl finden sich hier die wenigsten alten Leute (S. 32). Durch den Bezirk führt die S. 81 erwähnte
Straße von Gschwend an die Oberamtsgrenze Aalen. Die Hauptnahrung liefert der Wald und die Arbeiten in demselben; Ackerbau und Viehzucht sind untergeordnet, daher Brodfrucht zugekauft werden muß; Gewerbe nicht erwähnenswerth. Es ist einiger Wohlstand vorhanden, doch
hat auch diese Gemeinde mehr arme, als vermögliche Einwohner. Die
Markung ist 7143 4/8 M. groß, worunter 2788 {{Bruch|1|8}} M. Wald und 650 2/8
Morgen Weiden und Öden, wonach 2,4 M. Baufeldes einen Kopf treffen. Der Reichthum an Werksteinen von Keuper ist groß; jene von
Frickenhofen und Mittelbronn werden oft auf mehrere Stunden verführt.
Die oben angegebenen allgemeinen Hindernisse eines Emporblühens der
Landwirthschaft gelten ganz besonders dieser Gemeinde. Der Haber, oft
im Gemische mit Wicken gebaut, gedeiht in seltener Vollkommenheit,
auch der Roggen wird vorzüglich. Dinkel geräth nur auf dem Lehmboden der Hochebene, wird aber selten gebaut. Außer dreiblättrigem Klee
und wenigen Runkelrüben werden keine Futterkräuter gebaut. Flachs
und Hanf gedeihen gut, deßgleichen rauhe Obstarten. Der Wiesenbau
liegt noch im Argen, da es meist an Gelegenheit zur Wässerung fehlt
und die Wiesen an sich schlecht sind; daher muß Futter zugekauft werden.
Der Waldbau ist großartig; das Holz wird in Pfähle geschnitten, in
Schnittwaaren und Bauholz verwandelt, auch sehr vieles verkohlt; der
Absatz geht in's Unterland. Das Rindvieh ist sehr dauerhaft und schön,
und wird auf den Gschwender Märkten von den Unterländern gesucht.
{{Seite|144
Der Gemeindebezirk ist theils dem Forstamte Lorch, theils dem
Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig, die Einnahmen der Stiftungspflege
zureichend. Schulen sind in Frickenhofen und Mittelbronn. Die Zehenten gehörten bisher theilweise von der Pfarrei Frickenhofen her, dem
Staate, mit Ausnahme von Dietenhof, Mittelbronn, Ottenried, Spittelhof und Wildenhöfle, wo die Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf die
Zehenten bezog, und einiger der Pfarrei Frickenhofen gebührender Kleinzehentrechte.

Bis 1806 gehörten Frickenhofen, Hirschbachhof, Josenhof, Wimberg
und Wolfsmühle in das Kloster-Oberamt Lorch, und kamen 1808 mit
Antheil von Mittelbronn vom Oberamt Gmünd zu dem diesseitigen Bezirk; Hohenohl, Hohenreusch, Linsenhof und Rothenhaar waren Theile
des Oberamts Schorndorf und wurden 1808 vom Oberamt Welzheim
hierher gegeben; Kellershof, Schöllhof und Steinhöfle aber gehörten
zur Herrschaft und in das Amt Schmiedelfeld, die übrigen Orte zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf und in das Pückler'sche Landamt
Gaildorf.

Von den einzelnen Gemeindetheilen ist Folgendes anzuführen:

a) Das ev. Pfarrdorf Frickenhofen liegt auf dem nördlichen Ausläufer der Hohtanne, 2 {{Bruch|1|2}} St. südlich von Gaildorf, an der oben erwähnten Straße, so hoch, daß sein Kirchthurm auf dem Roßberge bei Tübingen
durch Fernröhren zu sehen ist; der Kirchthurmknopf ist 1822 P. F. über dem
Meere. Der kleine Ort zählt nur 20, jedoch gute und ansehnliche Wohngebäude. Die massive Kirche zum hl. Nikolaus steht hoch und frei mitten im
Dorfe und ist von der Heiligenpflege zu erhalten. Als die alte Kirche, in
welcher 1502 zwei Altäre geweiht wurden, 1634 nebst dem Pfarr- und
Schul-Haus abgebrannt war, wurde sie zwar 1649–1654 wieder aufgebaut, weil aber zu klein, wieder abgebrochen und 1743 die jetzige aufgeführt. Der massive Thurm mit 2 Glocken aus neueren Zeiten ward 1765
errichtet. Das daneben stehende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Lorch
der Staat zu erhalten. Das Schulhaus, worin auch das Rathslokal ist,
wurde 1828 erbaut. Die Einwohner, worunter 8 Hofbesitzer, sind ziemlich wohlhabend. Die Pfarrei hat die Krone zu besetzen. An der Schule,
die 25 fl. Fond hat, stehen ein Schulmeister und ein Gehilfe. Der Kirchhof liegt um die Kirche her.

Das Dorf, dessen Namen C. Heinze (in Gräter's Bragur VII, 1, 55)
von der deutschen Göttin Frigga ableitet, kommt 1293 unter denjenigen
Orten vor, wo Kloster Lorch damals begütert war; denn Graf Eberhard
von Württemberg verspricht, von dessen Gütern hier und (1322) von
denen in Mittelbrunnen kein Vogtrecht zu nehmen. Dasselbe besaß 1574
{{Seite|145
in Frickenhofen 5 Güter; es kaufte 1364 von Conrad im Steinhaus,
Vater und Sohn, Bürgern von Gmünd, 2 Güter, welche 3 weitere Güter 1363 an Graf Eberhard von Württemberg verkauften. Die übrigen
Güter und Rechte Lorchs dürften von den Hohenstaufen herrühren, da
K. Karl IV. 1347 dem Kloster das Privilegium ertheilte, daß Niemand,
der die Veste Staufen inne habe, ein Vogtrecht setze auf des Klosters
Güter zu Frickenhofen, Muthlangen, Roth (Täferroth) etc. Kaiser Maximilian bestätigt 1505 diesen Besitz. Weitere Herren des Ortes waren
Limpurg, das 4 Güter, deren eines der Besitzer 1450 den Schenken giltbar gemacht hatte, und die Stadt Gmünd, die ein Gut, je mit Vogtei
besaßen. Im J. 1674 ist von Wiesen am „Haalbronnen“ und von
einem Acker, genannt der „Weinberg“, die Rede. Im J. 1807 gehörten
113 Einwohner zum Oberamt Lorch, 9 zum Oberamt Schorndorf; der
Limpurgischen waren es 1785 – 18.

Die Pfarrei ist alt, obwohl ihr erst 1488 Erwähnung geschieht. Das Patronat stand dem Kloster Lorch zu. Nach der Hinrichtung des
hiesigen Pfarrers Kirschenbeißer (oben S. 109) kam ein Johannes Vischer
auf den Dienst, der am 1. Sept. 1525 gegen den Abt einen noch vorhandenen Revers ausstellte, wodurch er sich unter Anderem verpflichtete
„quod nullam concubinam sine enormiter suspectam mulierem mecum ac in domo mea siue exsovere ac seruare velim.“ Der erste evangelische Pfarrer, von Erhard Schnepf an 
Laurentien-Tag 1537 hierher
verordnet, war Georg Perger von Salzburg. Damals hatte der Ort 13
Wohnhäuser und 50 Communicanten. Im 30jährigen Kriege wurde die
Pfarrei mit Meß-Priestern besetzt, und später mit jener in Täferroth
verbunden, was sie 1652 noch war. – Das Dorf wurde 1525 von den
Bündischen, wohl wegen der Theilnahme im Bauernkriege, eingeäschert;
dasselbe geschah, wie erwähnt, 1634; 1626 herrschte die Pest. Die vereinigte Pfarrei Frickenhofen-Thonolzbronn, die 1827 1700 Einwohner
hatte, zählte noch 1665 deren nur 238.

b) Dietenhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. (Frickenhofen) auf dem
zuvor erwähnten südlichen Ausläufer der Hochebene, am Bergrande; kam
mit Birkenlohe an Limpurg und hatte 1741 nur einen Unterthanen und
einen Beisitzer.

c) Hirschbach, auch Hirschbachhof, {{Bruch|3|4}} St. westlich von F., links
über dem Roththälchen, war als Eigenthum des Klosters Lorch stets mit
F. verbunden.

d) Hohenohl, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von F. an dem Berge Hohenohl, rings von Staatswald umgeben, an der Landstraße von Gaildorf
nach Welzheim, auf der Markung von Rothenhaar. Der Hof gehörte

{{Seite|146
als altwürttembergisch in den Stab Plüderhausen; 1845 kaufte ihn der
Staat zur Ausforstung und setzte einen Forstwart hin.

e) Hohenreusch, 1 St. südwestlich von F. auf einer Höhe zur Linken des Roththälchens. Auch dieser Hof war ein Zugehör des altwürttembergischen Stabes Plüderhausen.

f)	Josenhof, auch Joosenhof, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von F. auf
der Höhe zwischen dem Joosen- und Rothbach-Thälchen, war als Lorchisch
stets mit F. verbunden.

g) Käshöfle, {{Bruch|1|2}} St. östlich von F. im Wald, auf der Markung
von Mittelbronn.

h) Kellershof, 5/8 St. südöstlich von F. im Walde, wurde um
1600 auf Ottenrieder Boden angelegt.

i) Lindenreute, auch Lindenhöfle, {{Bruch|1|2}} St. südlich von F.
wie Dietenhof gelegen, auf Mittelbronner Markung, zu Ende des letztverflossenen Jahrhunderts angelegt.

k) Linsenhof, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von F. auf der Höhe zwischen
dem Rothbach- und Sägbach-Thälchen. Dabei eine Sagmühle. Eine
altwürtembergische Besitzung im vormaligen Stabe Plüderhausen.

l) Metzlenshof, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von F. im Metzlenswald, gehörte zur Caplanei Gebenweiler und kam 1535 an Limpurg.

m) Mittelbronn, ehemals Mittelbrunnen, {{Bruch|1|2}} St. südlich von
F. am Waldsaume und an der Landstraße gegen Aalen. Dazu gehört das
Haus Brechtenhalden. Der Ort zählt doppelt so viel Gebäude als
F. Das Schulhaus wurde 1842 mit 400 fl. Staatsbeitrag erbaut. Die
Schule hat 36 fl. Fond. – Auch hier saßen freie Bauern noch lange
auf ihrem Eigen; von 1564 bis 1613 machten 8 Bauern den Schenken
und 1540 einer dem Stifte Compurg ihre Güter „um Schirm und Schutz
willen“ vogtbar, dienstbar und fallbar. Limpurg hatte 1741 hier 2
Bauern, 5 Söldner und 7 Häusler. Auch das Kloster Lorch (s. Frickenhofen) und die Reichsstadt Gmünd waren am Ort betheiligt; 1807 gehörten zu ersterem 53, zu letzterem 87 Einwohner.

Herzog Friedrich I. von Württemberg ließ hier 1596 ein Steinkohlen-Bergwerk eröffnen, welches jedoch neben der in Frickenhofen errichteten
Schwefel- und Vitriol-Hütte nur wenige Jahre betrieben und sofort wieder aufgegeben wurde, wahrscheinlich, weil es bei den niederen Holzpreisen nicht einträglich war, obwohl die Steinkohlen sehr gut gewesen
seyn sollen (Prescher II, 316). Über das Bergregal gerieth der Herzog
mit den Mitherren des Ortes, den Schenken, in Streit, in welchem er die
Herrschaft Welzheim, die sie von ihm zu Lehen hatten, und das Dorf
Schnaith mit gewaffneter Hand einnehmen ließ. Eine Gewerkschaft ließ
1784 auf's Neue graben, und fand außer Steinkohlen auch Schwefelkies,
{{Seite|147
Achat und eine Art Jaspis; auch dieses Unternehmen hatte aber, wie bemerkt, keinen Fortgang.

n) Ottenried, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von F. auf der Hochebene, am
Waldsaume. Ein Gut erwarb Limpurg 1436 mit Gröningen; 3 weitere
bis dahin freie Güter wurden ihm 1562 bis 1613 vogtbar und lehenbar
gemacht. Zwei Güter gehörten dem Heiligen zu Heerberg. So hatte
Limpurg 1741 in 6 Wohnhäusern 2 Bauern und 4 Söldner.

o) Rappenbühl, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von F. auf der Höhe, auf
der Markung von Linsenhof.

p) Rappenhof, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von F. über dem rechten Ufer
des Rothbachs, zunächst bei Rappenbühl.

q) Rothenhaar, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von F. auf einer Höhe
beim Hohenohl, an der mehrerwähnten Landstraße. Der stark bevölkerte
Ort hat kaum 30 M. Baufeldes; er ist altwürttembergisch und war dem
Stabe Plüderhausen einverleibt.

r) Schöllhof, {{Bruch|3|4}} St. östlich von F. Ein kleines 1740 angelegtes
Gütchen.

s) Spittelhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. gegenüber von Dietenhof;
ein 1708 angelegtes Söldnergütchen.

t) Steinhöfle, {{Bruch|1|2}} Stunde nordöstlich von F., 1732 im Metzlenswald angelegt.

u) Weihe, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von F. auf dessen Markung, an
der Landstraße; eine neuere Ansiedelung.

v) Wildenhöfle, 1 St. südlich von F.; ein 1706 angelegtes
Söldnergütchen.

w) Wimberg, früher Winnberg, {{Bruch|3|4}} St. östlich von F. Ursprünglich ein großer Hof, dessen eine Hälfte 1522 die Pfarrei Frickenhofen kaufte, die andere aber Lorch zuvor schon zustand. So wurde der
ganze Ort Lorchisch. „Kleewiesen“ werden schon 1522 genannt.

x) Wolfsmühle, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. an dem Rothbach, war schon 1537 Lorchisch und stets mit F. verbunden.

Der Volkssage nach soll nicht weit von Rothenhaar, in der Tiefe
des Waldes, ein Kirchdorf gestanden haben.

{{Seite|148

Geifertshofen.

Gemeinde III. Kl. mit 725 Einw. a. Geifertshofen, Pfd. 435 Einw., wor. 8
Katholiken. b. Gantenwald, H. 20 Einw. c. Hambacher-Mühle, 9 Einw.
d. Imberg, W. 54 Winw. e. Immersberg, W. 36 Winw. f. Klingenbacher-Sägmühle, 5 Winw. g. Leippersberg, H. 21 Kath. h. 
Reitenhaus, H.
12 Einw. i. Säghalden, W. 26 Einw. k. Schärtlens-Sägmühle 6 Einw.
l. Theuerzer-Sägmühle 11 Einw. m. Trögelsberg, W. 35 Einw., wor.
7 Kath. n. Weissenhof, Hs. 12 Einw. o. Wurzelhof, H. mit Wurzelbühl, H.
u. Wurzelhaus, Hs. 43 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. u. m. sind nach Bühlerzell, die in Parz. g. nach Bühlerthann eingepfarrt.

Die Gemeinde erstreckt ihren Besitz über dem rechten Kocherufer der
östlichen Grenze gegen das Oberamt Ellwangen entlang auf den gegen
die Fischach und die Bühler abfallenden Limpurger Bergen, und hat gegen das Bühlerthal 3 Ausläufer, die auf ihrer Höhe angenehme Aussichten nach dem Aalbuch und gegen Ellwangen und Hall gewähren, aber
mehr bewaldet als angebaut sind. Der Bezirk ist von einem Theile der
Fischach, kurz vor ihrer Einmündung in die Bühler, und von drei gegen
Osten streichenden, an den Seiten bewaldeten, kurzen Thälchen durchschnitten, die vom Römersbach, Gunzenbach und Klingenbach nebst mehreren Zuflüssen bewässert sind. Die Fischach setzt manchmal das Thal
unter Wasser. Der Klingenbach, in Weihern gesammelt, treibt drei kleinere Sägmühlen; der kürzere aus einem Weiher entspringende Hahnbach
setzt nur zeitweise eine solche in Bewegung. Die Luft ist rein und kühl,
doch etwas milder als im Fischachthal, frisch und sehr gesund. Frühlingsfröste und Hagel sind selten. Der leichte, aus rothem Sand bestehende
Boden mit steinigem Untergrund, ist nicht sehr ergiebig. Zwei Brüche
liefern feinkörnigen, rothen Sandstein von geringerer Härte, unter welchem Mergel lagert, der zu Besserung der Wiesen verwendet wird. Die
Vermögensverhältnisse der Einwohner sind mittelmäßig, ihre Hauptnahrungsquellen Feldbau, besonders Viehzucht und Waldnutzung. Das Erzeugniß an Brodfrucht entspricht nicht ganz dem eigenen Bedürfnisse.
Die Markung umfaßt 4327 {{Bruch|1|8}} M., worunter 2116 {{Bruch|1|8}} M., also nahezu die
Hälfte Wald und 482 {{Bruch|1|8}} M. Weiden und Öden, worüber 2,4 M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau hebt sich und die Mistjauche
beginnt zu Rathe gehalten zu werden. In Geifertshofen selbst findet bis
zum Herbste Stallfütterung statt, sonst aber wird das Vieh auch den
Sommer über noch geweidet. Auf den Höhen wird meist Roggen und
Haber, auf rauheren Plätzen neuerlich auch trefflich gedeihendes Heidekorn gebaut. Von Futterkräutern finden sich Wicken und namentlich
rother Klee. Die Wiesen, auf deren Bau viel Fleiß verwendet wird, geben
vieles und gutes Futter, da die an den Abhängen gelegenen meist gewässert
{{Seite|149
werden können. Ein M. Ackers wird zu 50–300 fl., Wiese 150–400 fl. verkauft Die Obstzucht ist unbedeutend. Das Holz wird theils
als Brenn- und Bau-Holz verkauft, theils zu Pfählen verarbeitet. Die
Rindviehzucht, als die Hauptnahrungsquelle, wird sehr gepflegt. Außer
dem Limpurger und Leinthaler Schlag ist hier auch der Neuburger anzutreffen. Geifertshofen hat zwei Viehmärkte. Gänse werden viele gezogen und jung verkauft. Von Handwerkern sind nur die notwendigsten
vorhanden.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die
Mittel der Gemeindepflege sind nach Verhältniß nicht ungünstig. Das
Vermögen der Stiftungspflege ist hier, nächst Ober-Fischach, am Größten.
Lorenz Vogelmann von Weissenhof stiftete 1838 für arme alte
Leute der Gemeinde ein Capital von 500 fl. Die Schulverhältnisse sind
nach den kirchlichen geordnet. Die Zehenten gebührten, von der Herrschaft Limpurg her, dem Staate, {{Bruch|1|3}} von Leippersberg ausgenommen, das
zur Standesherrschaft Limpurg-Michelbach gehörte.

Bis 1806 gehörten Leippersberg mit Antheil an Immersberg zur Herrschaft und in das Amt Obersontheim, Theuerzer-Sägmühle in den Stab
Comburg und die übrigen Orte, die bis 1774 einen Theil der Herrschaft
Obersontheim gebildet hatten, zu der schon 1781 für Württemberg erworbenen Herrschaft und zum Amte Schmiedelfeld. Die Theuerzer-Sägmühle kam 1803 an Württemberg und 1808 vom Oberamte Vellberg
zu dem Oberamte Gaildorf.

Einzelne Orte der Gemeinde:

a) Geifertshofen, das evang. Pfarrdorf liegt freundlich, 2 {{Bruch|1|2}}
St. östlich von Gaildorf, in einer zwischen drei Waldvorsprüngen gebildeten Vertiefung, an dem vor dem Orte aus dem Reutenbach und dem
Kochklingenbach sich bildenden römischen Bach, der denselben in zwei
merkliche Hälften theilt. Die nicht sehr geräumige Kirche, welche von
der Stiftungspflege zu erhalten ist, wurde nach dem Brande vom 24. April
1626 wieder errichtet. Das frei und angenehm gelegene Pfarrhaus hat
der Staat 1822 neu erbaut. Das alte Schulhaus wurde schon 1650 erweitert; das jetzige, mit dem Rathhause verbundene, 1836 auf dem alten
Kirchhofe erbaute Haus, ist sehr ungesund, da Todte und Lebende nur
durch einen Bretterboden getrennt sind. Der Schulfond beträgt 113 fl.
55 kr. Geifertshofen ist seit 1813 marktberechtigt; im J. 1774 hatte es
271 Einwohner. Der Boden ist, da Mergel vorherrscht, fruchtbarer als
in den anderen Parzellen.

Der Ort, dessen Name von dem alten Mannsnamen Geiselbrecht
herzuleiten ist, wird 1085 erstmals genannt, wo Adelbert von Bilrieth
bei seinem Eintritt in das Kloster Comburg diesem seine Güter in 
{{Seite|150
Giselbrechtshouen, Altenwineden und Tiurzis schenkt. Um 1100
übergibt Egesbertus de Hesendal demselben Kloster zwei Mansus in
Giselbrechteshouen. (Wirt. Urk.-Buch I, 395. 404.) Comburg belehnte
mit diesen Besitzungen die Herren von Weinsberg, die dieselben wieder
in Afterlehen gaben. Ruff Guldin, Bürger zu Hall, verkauft 1417 an
Schenk Conrad das ganze Gericht, die Taferne, den Hirtenstab, die Badstube, 1 Hof, 17 Güter und die Vogtei an dem Holz, das zu dem Dorf
gehört, und 1419 verkauft der Reichskämmerer Conrad von Weinsberg
an Limpurg seine Rechte an diesen Gegenständen nach vorangegangener
Entschädigung Comburgs. Doch kauft noch Weinsberg 1425 von Heinrich Fickel um 300 fl. seine Rechte (Ludewig reliq. XII, 616). Drei andere Güter, die 1397 Hans von Kottspühl besessen, kamen an Ellwangen
und 1578 an Limpurg, das auch 1541 zwei weitere Güter von Hall erwarb. Den obern und mittlern See bei dem Dorf hatte Hall 1423 von
Hans von Vellberg erkauft. Zwei Gütchen waren dem hiesigen Heiligen
lehenbar. Im J. 1741, wo der Ort aus 36 Wohnhäusern mit 10 Hofbesitzern, 16 Söldnern, 10 Häuslern und 1 Hirten bestand, worüber
Limpurg alle Vogtei und Hoheit hatte, besaß Comburg nur die Eigenthumsgilten aus 19 Lehen.

Die Pfarrei ist gleichfalls von hohem Alter und kam 1079 durch die
Grafen von Comburg als Schenkung an das Kloster Comburg (Comb.
Copialbuch). Die Ernennung des Pfarrers blieb bei Comburg, das
Epiceopat aber kam bei der Reformation an die Schenken zu Obersontheim. Der Bischof von Würzburg sträubte sich hiegegen und fiel bei Erledigung der Pfarrei am Stephanstage 1587 mit einigen 20 Reitern und
100 Schützen in Geifertshofen ein, ließ die Kirche gewaltsam öffnen und
setzte einen Geistlichen ein. Schenk Friederich aber kam am andern Tage
auch mit bewehrter Mannschaft und vertrieb den neuen Pfarrer. Die
Sache wurde 1592 verglichen (Prescher I, 326) und das Episcopatrecht
ging später an Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, und mit diesem 1781
an Württemberg über, das 1803 auch das Patronatrecht erhielt.

Am 24. April 1626 brannten mit der Kirche viele Häuser ab.

b) Gantenwald, {{Bruch|3|4}} St. südlich von G. (Geifertshofen) im
Wald auf der Oberamtsgrenze, ein kleines 1540 auf einer Weide angelegtes Gütchen.

c) Hambacher-Mühle, besser Hahnbacher-Sägmühle, 1 St
südlich von G. im Wald, am Hahnbach. Neuern Ursprungs.

d) Imberg oder Wimberg, {{Bruch|1|4}} St. südlich von G. auf der Höhe.
Anfänglich 2 Höfe, die Limpurg 1578 von Ellwangen einwechselte. Noch
1741 waren hier nur 2 Unterthanen.

e) Immersberg, auch Nimmersberg, {{Bruch|3|4}} St. südlich von
{{Seite|151
G. am Walde, auf der Höhe. Der schon 1442 als Weiler bezeichnete Ort
bestand gleichfalls aus 2 Höfen, wovon der eine, in's Amt Obersontheim gehörig, dem Heiligen in Mittelstschach lehenbar war, der andere,
in's Amt Schmiedelfeld gehörig, 1442 von Hans von Thalheim durch
die Schenken erkauft ward. Noch 1741 waren blos 2 Bauern hier. Am
6. August 1842 brannten 3 Wohngebäude, zugleich vom Blitz entzündet, ab.

f) Klingenbacher-Sägmühle, 5/8 St. südlich von G. auf
Immersberger Markung, am Klingenbach.

g) Leippersberg, früher Luppoldsberg, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von G.
auf dem Leippersberg, jenseits der Fischach, auf der Oberamtsgrenze.
Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 den Hof Luppoltzberg bei Thann
um 70 fl. an Eberhard, Bürger zu Hall; dessen Sohn Luppold
Eberhard, Pfarrer zu Mittelfischach, verkaufte ihn 1411 an Conrad
Knopf, Caplan, der ihn an des h. Kreuzes Altar in der St. Michaelskirche zu Hall stiftete; 1562 erwirbt Limpurg von der Stadt Hall diesen
Hof, auf welchem 1741 3 Bauern saßen, und erwechselt 1578 auch von
Ellwangen den Zehenten.

h) Reitenhaus, ? St. von G. am Reutenbach und sollte daher Reutenhaus heißen. Eine neuere Anlage.

i) Säghalden, auch Seeghalden, {{Bruch|1|2}} St. südlich von G.
über dem Klingenbach. Um 1550 wurden 3 neue Güter angelegt.

k) Schärtlins-Sägmühle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von G. am
Klingenbach. Gehört zu Trögelsberg.

l) Theuerzer-Sägmühle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von G. auf dessen Markung, am Klingenbach. Dabei lagen noch 1657 die bei G. genannten See'n. Die Mühle ist der Überrest des Ortes „Tiurzis“, der
mit G. an Comburg geschenkt ward. S. auch Winzenweiler.

m) Trögelsberg, früher Trägelsberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von G.
über dem Gunzenbach. Um 1500 wurden 2 Güter, 1562 ein drittes angelegt; 1741 waren schon 42 Einwohner hier.

n) Weissenhof, {{Bruch|1|8}} St. nordöstlich von G. auf dessen Markung,
auf einer waldigen Höhe ausgezeichnet schön gelegen, wurde 1721 in dem
Walde Weissenberg, welchen Limpurg 1578 von Ellwangen gekauft, angelegt.

o) Wurzelhof, mit Wurzelbühl und Wurzelhaus, 3/8 St.
südlich von G. bei dem Gunzenbach. Wurzelhof kam 1578 durch Tausch
von Ellwangen an Limpurg; Wurzelbühl und Wurzelhaus wurden
1619–1622 angelegt. Der Weiler hatte 1741 10, 1790 schon 23 Einwohner.
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Gschwend.

Gemeinde II. Kl. mit 2009 Einw. a. Gschwend, Pfd. 1009 Einw., wor. 4 Kath.
b. Birkhof, W. 137 Einw. c. Buchhöfle, H. 33 Einw. d. Dinglensmad,
W. 117 Einwohner. e. Geschwender-Mühle, 25 Einw. f. Haldenhäusle, Hs. 11 Einw. g. Hasenhöfle, H. 34 Einw. h. Hetschenhof. H. 6 Einw.
i. Hetzenhof, W. 45 Einw. k. Hohenreut, W. 33 Einw. l. Hollenhöfle,
Hs. 6 Einw. m. Hollenhof, H. 6 Einw. n. Hugenhof, W. 34 Einw. o. Humbach, W. 32 Einw. p. Humberg, W. 30 Einw, q. Letttnhäusle, Hs. 11
Einw. r. Marzellenhof, H. 8 Kath. s. Mühläckerle, W. 24 Einw. t. Oppenland, Hs. 7 Einw. u. Rauengehren, Hs. 6 Einw. v. Roßsumpf, Hs.
12 Einw. w. Schlechtbach, W. mit Reisenhöfle, Hs. 183 Einw., wor. 85
Kath. x. Schlechtbacher-Sägmühle, 3 Kath. y. Schmidhügel, 57
Einw., wor. 4 Kath. z. Seelach, W. 54 Einw. aa. Steinenforst, W. 16 Einw.
bb. Straßenhaus, W.16 Einw. cc. Straßenwald, H. 4 Einw. dd. Waldhaus, 50 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. i. u. w. Fil. v. Frickenhofen. Die
Kath. in Parz. r. w. x. u. y. sind nach Spraitbach eingepfarrt.

Der Gemeindebezirk, hoch auf dem Rücken des Welzheimer Waldes,
der hier auch Gschwender-Wald heißt, gelegen, bildet eine von verschiedenen Thälern und kleinen waldigen Anhöhen umgebene Hochebene; der
bei Altersberg erwähnte Haagberg ragt westlich etwas herein. Südwestlich beginnt mit dem Hohfeld ein fast 2 Stunden langer, in seiner größten Brette {{Bruch|1|4}} Stunde messender Ausläufer, der sich bis in das Oberamt
Welzheim erstreckt. An immer fließenden Quellen und reinem Trinkwasser ist kein Mangel. Erwähnenswerth ist nur der bei Dinglensmad
entspringende Schlechtbach, mit welchem sich der Schlenken- und Rothbach vereinigt; auch sind noch einige Weiher vorhanden. Der Boden ist
meist leicht, sandig und wenig fruchtbar, mit Ausnahme des zuvor gedachten Ausläufers, wo der fruchtbarere gelbe Lehm vorherrscht. Die
Luft ist zwar scharf, aber rein und trocken. Im Übrigen ist Frickenhofen
zu vergleichen. Durch die Gemeinde ziehen die Landstraßen von Welzheim nach Gaildorf und nach Murrhardt, die Amtskörperschafts-Straßen
von Gschwend über Frickenhofen an die Oberamtsgrenze Aalen und von
Gschwend über Hinterlinthal nach Gmünd und Süßen. An manchen
Stellen sind die Straßen ganz in den Sandstein eingehauen, der auch
oft mitten in den Feldern als Kegel hervorsteht. Daher liegen Steinbrüche überall zu Tag, welche jedoch nur gröberes Korn liefern. Was
früher von Wohlstand in der Gemeinde war, ist größtentheils unter der
schlechten Verwaltung eines frühern Ortsvorstehers zu Grunde gegangen, da Viele in verderbliche Güterhändel und Bürgschaften verwickelt
wurden. Die Gemeinde gehört daher zu den ärmern des Oberamts.
Waldnutzung und Viehzucht sind die hauptsächlichsten Nahrungsquellen.
Der Feldbau ist gering, da die Parzellen meist aus schlechten Söldgütern
{{Seite|153
bestehen, während mehr als 100 Familienväter Holzhauer sind. Die Gesammt-Markung begreift 5741 3/8 M., worunter 2572 7/8 M. Wald und
431 {{Bruch|1|8}} Weiden und Öden; daher nur 1,3 M. Baufeldes einen Kopf
treffen. Der magere Boden erfordert vielen Dünger, der nicht beschafft
werden kann und erzeugt daher auch nicht die nöthige Brodfrucht. Zur
Erntezeit suchen viele ältere Leute und Kinder auswärts Verdienst. Es
werden hauptsächlich Roggen, Haber, Hirse, weniger Dinkel gebaut. Der
Flachs geräth gut; der Hopfenbau ist wieder eingegangen. Die Wiesen
liefern nicht so viel Futter, daß nicht zugekauft werden müßte. Hinsichtlich des noch nicht bedeutenden Obstbaues ist die großartige Baumschute
bei Seelach erwähnenswerth. Im Walde stehen die Tannen so schön,
wie selten auf dem Schwarzwald, und es kommen neuerlich auch badische
Holzhändler, um hier Holländer-Stämme zu kaufen, die zur Achse theils
nach Canstatt, theils nach Neckarsulm auf den Neckar gebracht werden.
Ebenso werden viele Pfähle ausgeführt. Die Köhlerei wird gleichfalls
stark betrieben, auch viel Brennholz zum Remsfloß oder ganz nach Stuttgart geführt. Der Vermehrung der Rindviehzucht steht das kleine Wiesen-Areal entgegen. Das Vieh wird, weil es an rauhes Futter gewöhnt,
schnell gedeiht, gerne gekauft. Von eigentlichen Gewerben sind nur die
Bäcker in Gschwend, welche das Brod meist in die benachbarten Orte
tragen lassen, und das Brennen von Potasche und Salpeter zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Lorch zugetheilt. Das Gerneinde-Vermögen ist ganz gering, daher die Gemeinde- und Amts-Umlagen sehr namhaft. Auch die Stiftungspflege hat so wenige Mittel, daß
sie bedeutende Zuschüsse bedarf. Unter den Armen-Stiftungen sind
782 fl. von der Fürstin Christine von Leiningen. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geregelt. Der Staat war bisher Zehentherr in Hetzenhof, Hohenreut, Hollenhof, Hugenhof, Humbach, Marzellenhof, Schlechtbach, Seelach und Steinenforst; an den Zehenten in
Hasenhof und Straßenwald war die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck
betheiligt; im Übrigen standen sie Limpurg-Gschwend zu, mit Ausnahme
einiger kleinen Zehenten, die den Pfarreien Gschwend und Spraitbach
gebührten. Über die grundherrlichen Rechte s. S. 102 u. f.

Altwürttembergisch sind: Hetzenhof, Hollenhof, Marzellenhof und
Theile von Schlechtbach und Steinenforst, die 1808 vom Oberamt Welzheim zum Oberamt Gaildorf kamen, das zugleich Lettenhäusle vom Oberamt Gmünd erhielt. Bis 1806 gehörten zur Herrschaft 
Solms-Assenheim in's Amt Gschwend (Ober-Roth): Hugenhof, Hasenhof, Hollenhöfle. Seelach, Straßenwald, Waldhaus und Theil an Steinenforst und
Humbach; zur Herrschaft Limpurg-Wurmbrand in's Amt Gschwend die
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übrigen Orte. Beide Herrschaften waren schon 1780 und 1790 theilweise
württembergisch geworden.

Von den einzelnen Orten liegt

a) Gschwend, das evang. Pfarrdorf, 2 St. südlich von Gaildorf,
in einer von mehreren kleinen Bächen durchschnittenen kesselförmigen
Vertiefung, an den zuvor erwähnten Straßen, welche hier sich kreuzen.
Von Westen her kommt der in der Nähe entspringende und im Orte selbst
durch einige Zuflüsse verstärkte Wettenbach, mit welchem sich, nachdem
er das Dorf verlassen, der nordwestlich herkommende Steinbach verbindet. Gschwend, der Sitz einer neuerlich errichteten Post-Expedition und
eines K. Revierförsters, hat ein reinliches stattliches Aussehen, wozu namentlich die Häuser mehrerer Wirthe und Kaufleute beitragen.

In der Mitte des Orts steht die 1758–1760 von der Pfarrgemeinde
erbaute, von der Stiftungspflege zu erhaltende, massive Kirche, die ein
Quadrat bildet und mitten auf dem Dache ein in Schrauben stehendes
Thürmchen mit einer 1835 angekauften Uhr von Stoß in Ulm hat. Das
etwas entferntere Pfarrhaus hat die Herrschaft Wurmbrand 1760 erbaut
und ist von der Standesherrschaft Limpurg-Gschwend zu erhalten. Das
freundliche Försterhaus wurde 1827 erbaut. Von den beiden Schulhäusern wurde durch die Schulgemeinde das eine 1827 erbaut, das andere
mit einem Staatsbeitrag von 800 fl. erworben. Der Ort hat vorzügliches Trinkwasser. Der sog. Weilerbrunnen, eine starke schwefelhaltige
Quelle, deren Abfluß auch Winters dampft, soll in einem ehemaligen
Badhaus benützt worden seyn (Prescher II, 205). Gschwend ist arm und
hat eine für seine Bevölkerung zu kleine Markung. Bis zu Errichtung
der Pfarrei ein kleiner Weiler, wurde es jetzt erst bedeutender. Seine
Bevölkerung (1715 96, 1737 158, 1785 458) hat sich in den letzten
67 Jahren mehr als verdoppelt. Die 4 Vieh- und Flachs-Märkte, welche
seit 1762 und 1776 bewilligt sind, kommen ihm wohl zu Statten, da dieselben sogar von Maulbronn und Nürtingen her besucht werden. Ein
ehemaliger herrschaftlicher Fohlenhof ist längst eingegangen. Die Pfarrei, 1758 aus Gschwend und umliegenden, nach Frickenhofen und Kirchenkirnberg eingepfarrten, Orten gebildet, wozu die Gräfin Julianne
Dor. Louise von Wurmbrand den ersten Fonds mit 1000 fl. stiftete, ist seit 5. Oct. 1831 durch die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend
zu besetzen. Außer der einen Fonds von 120 fl. besitzenden Volks-Schule,
an welcher ein Schulmeister, ein Unterlehrer und ein Gehilfe stehen, ist
auch eine Industrie-Schule vorhanden. Der 1797 am südwestlichen Ende
des Dorfes angelegte Begräbnißplatz ist seit 1839 verlassen und wird
seitdem wieder der alte Kirchhof benützt.

Den Namen des Orts glaubt Prescher von wendischen Ansiedlern
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herleiten zu können. Er entstand aus einzelnen Höfen, wovon noch der
Haggassenhof, auf dem 1760 das einzige Wirthshaus war, genannt wird,
und wird 1374 erstmals als ein Theil des Amtes Gaildorf erwähnt;
1434 war er noch zum Amte Seelach gerichtbar, wurde aber später selbst
Sitz dieses Amtes. Im Jahr 1674 hatte Limpurg 3 Erblehen, wovon 2
nach 1557 der Stadt Gmünd gehörten, und 2 Sölden; der Heilige zu
Sulzbach am Kocher und der zu Münster bei Gaildorf besaßen je 1 Lehen.
Außerdem hatte Kloster Adelberg 7 Erblehen und 2 Sölden, die Vogtei
und Hoheit darüber aber Limpurg. Im dreißigjährigen Kriege war der
Ort manchmal ganz menschenleer. Damals lagen noch 8 Seen bei dem
Dorfe, worunter der 6 Morgen große Zwieselsee.

b) Birkhof oder Bürghof, 3/8 St. südlich von G. (Gschwend)
auf einer waldigen Anhöhe. Der Sage nach stand hier eine Burg, die
dem Ort den Namen gegeben. Schon 1674 war dieser mittelgroße Hof
in 11 Theile getheilt.

c) Buchhöfle, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von G. auf dessen Markung.

d) Dinglensmad, {{Bruch|1|2}} St. westlich von G. im Wald, am südlichen Abhang des Haagbergs. Der Ort, aus 8 einzeln stehenden Wohnhäusern 1819 bestehend, von kaum 30 Morgen Baufeld, wurde nach 1737
angelegt und zählte 1785 nur 25 Einwohner.

e) Gschwender-Mühle, {{Bruch|1|4}} St. südlich von G. auf dessen Markung, am Rothbach.

f) Haldenhäusle, gehört zu Hohenreut und wurde im vorigen
Jahrhundert erbaut.

g) Hasenhöfle oder Hasenhof, {{Bruch|1|4}} St. nordöstlich von G.;
ein 1740 angelegtes ganz kleines Kammergut.

h) Hetschenhof, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. an dem östlichen
Waldsaume. Ein größerer Hof, auf dem noch 1790 der Obstbau namhaft war. Er war früher ein Bestandtheil des Degenfeldischen Rittergutes
Eybach unter Limpurgischer Hoheit und Vogtei.

i) Hetzenhof, 3/8 St südlich von G. auf dem Wald. Das kleine
Gut gehörte zur Waibelhub und fiel 1713 an Württemberg zurück.

k) Hohenreut, auch Hochreut, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von G. am
linken Ufer des Schlechtbachs. Dieses größere, 1557 von der Stadt
Gmünd erworbene, aus der Schlechtbacher Markung vergrößerte Gut
bestand schon 1674 aus 2 halben Höfen, 1 Lehen und 1 Sölde.

l) Hollenhöfle, {{Bruch|1|4}} St. östlich von G. auf dessen Markung; vor
etwa einhundert Jahren erbaut.

m) Hollenhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von G. auf der linken Höhe über
dem Schlechtbach. Ein mittelgroßer Hof, der dem Kloster Adelberg in's
Kaisersbacher Viertel gehörte.
{{Seite|156
n) Hugenhof, früher Hubenweiler, dann Hugenweiler, 1 St.
südwestlich von G. am Waldsaum, auf dem Hugenberg. Der Hof wurde
1414 von Jakob Mäder, Bürger zu Gmünd, erkauft und war bereits
1674 getheilt.

o) Humbach, 3/8 St südlich von G. am Schlechtbach.

p) Humberg, früher Hunenberg, 3/8 St. südlich von G. am südlichen Abhang des Humbergs. Johann v. Rinderbach, genannt von Leineck, Bürger zu Gmünd, verkauft 1366 drei Gütlein „zu dem Hunenberg“
an den Gmünder Bürger Walther Eberwein, der sie 1370 um 150 Pfd.
Heller dem Kloster Adelberg verkaufte. Der Ort blieb bei diesem, doch unter Limpurg'scher Vogtei und Hoheit; 1674 war er in den Händen von 4 Bauern. Da 1790 nur 2 Bauern hier saßen, so ist wahrscheinlich, daß
früher das nahe, sonst nirgends genannte, Humbach unter Humberg mitbegriffen war. – Im Jahr 1732 wurde am Humberg ein Topf mit sehr
alten silbernen Hellern ausgegraben (Prescher II, 210).

q) Lettenhäusle, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. Gehört zu Humberg.

r) Marzellenhof, auch Spatzenhof, {{Bruch|1|2}} St. südlich von G. an einer Seitenschlucht des Schlechtbach-Thälchens. Ein kleiner Hof,
der zu dem altwürttembergischen Stabe Rudersberg gehörte.

s) Mühläckerle, {{Bruch|1|8}} St. nordöstlich von G. auf dessen Markung
am Schlenkenbach, der hier einen See von einigen Morgen bildet; etwa
100 Jahre alt.

t) Oppenland, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. auf Seelacher Markung, 1811 erbaut.

u) Rauhengehren, {{Bruch|1|8}} St. südlich von G. auf dessen Markung,
am Waldsaum; zu Ende des vorigen Jahrhunderts erbaut.

v) Roßsumpf, 3/8 St. westlich von G. auf dessen Markung.

w) Schlechtbach, im Gegensatz zu den gleichnamigen Orten im Oberamt Welzheim, auch Hinter-Schlechtbach, 1 St. südlich von
G. Dazu gehört das Haus Reisenhöfle. Die Gebäude liegen meist zerstreut zu beiden Seiten des Schlechtbachs und bilden eigentlich zwei
Weiler, wovon der eine von den Evangelischen, der andere von den Katholiken bewohnt ist. Auf einem kleinen Hügel steht eine 1618 renovirte
Capelle, deren Baulast vom Kloster Gotteszell auf den Staat übergegangen ist und worin nur einige Messen gelesen werden. – Das Örtchen
war ein Condominat: einige Güter gehörten zur Reichsstadt Gmünd, einige den Herren vom Holtz zum Rittergut Alfdorf, der größere Theil
aber Limpurg, das 4 Güter, an deren 3 Comburg Lehenrechte hatte, 1395
von Greth von Finsterloh, Bürgerin zu Gmünd, um 27 fl. erkaufte.
Auch zur Waibelhube gehörten Güter.
{{Seite|157
x) Schlechtbacher-Sägmühle, am Schlechtbach, auf Schlechtbacher Markung.

y) Schmidbügel, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von G. im Wald über dem
Schlechtbach; eine sehr kleine Ansiedelung.

z) Seelach, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von G. auf dem obengedachten
Gebirgsausläufer, an der Straße nach Gmünd. In diesem wohlhabenden Orte hatte Limpurg keine Güter. Dieselben gehörten dem Kloster
Lorch, das 1674 zwei halbe Höfe und einen ganzen Hof besaß. Einen
derselben kaufte Lorch 1340 von Ludwig von Hohenhart. Einige Gefälle
vermacht 1347 Bruder Berlin, Custos in Lorch, diesem Kloster aus einem
Hof. Dasselbe kauft 1391 von Hans Böcklin zu Gmünd um 11 Pfund
Heller dessen Vogtei über 3 Güter. Des alten Gerichtes ist S. 114 gedacht. Zwei hiesige Bauern waren Siebenzehner. Ein südlich bei Nardenheim liegender Platz heißt noch jetzt der „Gerichtswasen“. Eine nahe Höhe hieß 1489 „der Heidenbühl.“ In der Nacht vom 19/20. März 1843 brannten 2 Wohnhäuser ab, wobei zwei Menschen in den Flammen
umkamen.

aa) Steinenforst, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von G., gehörte in den altwürttembergischen Stab Rudersberg. – Im Jahr 1813 fand Prescher
auf der Höhe einen alten Streithammer von Bronze, 1 Pfd. 12 Loth
schwer. (Iduna und Hermode 1814, S. 103.)

bb) Straßenhaus, {{Bruch|1|8}} St. nördlich von G. auf dessen Markung.

cc) Straßenwald, zunächst dem ersteren, auch auf Gschwender
Markung.

dd) Waldhaus, 3/8 St. südlich von G. an der Straße von Welzheim nach Gaildorf; brannte am 18. Mai 1833 ab. Es gehört zu Steinenforst.

Nach Prescher lagen folgende längst abgegangene Orte in der Gegend von Gschwend: Gestösseln, nordöstlich, wo noch der Stösselbrunnen und Stösselwald genannt werden; Kirchberg, {{Bruch|1|4}} St. nördlich
auf dem Kirchberg, und Scherach, im Wald gegen den Metzlenswald
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Hausen an der Roth,

Gemeinde III. Kl. mit 988 Einw. a. Hausen an der Roth, Pfd. 312 Einw., wor.
9 Evang. b. Eitelwälde, Hs. 3 Einw. c. Erlenhof, W. 194 Einw., wor.
120 Evang. d. Greuthof, H. 16 Einw. e. Harnersberg, H. 11 Einw. f. Lunkenbrunnen, Hs. 16 Einw., wor. 11 Evang. g. Scheuerhalden, bestehend
aus: aa. Aschenhäusle, Hs. 5 Einw. bb. Forsthaus, Hs. 6 Einw. cc. Neuhausen, W. 208 Einw., wor. 64 Evang. dd. Osterhöfle, H. 9 Einw. ee. Viehhaus, H. 28 Einw. h. Stielberg, Hs. 10 Einw. i. Sturzberg, W. 54 Einw.
k. Völklenswald, 5 evang. Einw. l. Wiesenbach, W. 111 evang. Einw.
– Kath. Pfarrei; die Evang. in Parz. a., c., f. sind nach Vichberg, die in Perz.
g. cc., k. und l nach Ober-Roth eingepfarrt.

Die Orte dieser Gemeinde liegen etwa in der Mitte des Roth-Thales,
theils in diesem selbst, theils zu beiden Seiten desselben, und grenzen im Südwesten an das Oberamt Backnang. In südöstlicher Richtung ist der
Gemeindebezirk von dem Flüßchen Roth durchschnitten, das hier mehrere
Zuflüsse, namentlich von Westen den Wiesenbach erhält. Das sonst tiefe
Roth-Thal erreicht zwischen Hausen und Ober-Roth die größte Breite,
die jedoch kaum {{Bruch|3|4}} St. beträgt. Beide User sind mit fetten Wiesen besetzt und auf den Höhen bewaldet. Die Äcker ziehen sich gegen die Berge
hinauf. Wegen ihrer vielen Krümmungen tritt die Roth bei anhaltendem oder starkem Regen gern aus und düngt zwar mit ihrem fetten
Schlamme die Wiesen, verschlammt oder entführt aber auch zuweilen die
reichsten Futter-Ernten. Das Klima ist ziemlich rauh und namentlich
dem Obstbau nicht zuträglich, der Boden im Allgemeinen nicht dankbar.
Das Trinkwasser hat schwefelige Bestandtheile und soll die Veranlassung
zu vielen dicken Hälsen seyn. Auf der Roth wird sog. Staudenholz in
den Kocher und von da weiter geflößt. Durch das Thal zieht die Landstraße von Gaildorf nach Mainhardt. Feldbau mit Viehzucht, sodann
Holzhandel mit Brettern, Pfählen, Kohlen, nebst Körbe-, Wannen- und
Spindelnmachen sind die Erwerbsmittel der besonders auf den Filialien
sehr armen Einwohner, welche sich früher namentlich auch durch den Hausirhandel mit Haller Salz fortbrachten. Die Gesammt-Markung begreift
nur 2262 7/8 M., worunter 404 M. Wald und 329 4/8 M. Weiden und
Öden, so daß an Baufeld noch 1,6 M. auf den Kopf kommen. Im Roth-Thale wächst guter Dinkel; der Esper- und Luzernen-Bau ist seit 60–70 Jahren eingeführt; von größerer Bedeutung ist aber der Wiesenbau,
wegen dessen Prescher das Roth-Thal eine Goldgrube nennt. Bemerkenswerth ist, daß seit einigen Jahren in Hausen auch Versuche mit dem
Weinbau gemacht werden. Im Übrigen sind Ober-Roth und Vichberg
zu vergleichen.

Die Gemeinde-Orte sind den Forstämtern Comburg und Reichenberg
{{Seite|159
zugetheilt. Die Einnahmen der Gemeindepflege und der Stiftungspflege sind unbedeutend; die letztere verwaltet die sog. v. Erthal'sche
Stiftung von 750 fl., deren Ertrag an die Hausarmen der Pfarrei zu
vertheilen ist. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geordnet.
Zehentherr war bisher überall der Staat, mit der Einschränkung, daß
die Pfarrei Ober-Roth am großen und kleinen Zehenten in Wiesenbach
und am kleinen Zehenten in Hausen Theil hatte.

Zum Wurmbrand'schen Amte Gaildorf gehörten Völklenswald und
theilweise Erlenhof; in die Pflege Westheim ein anderer Theil von Erlenhof; in's Oberamt Backnang theilweise Wiesenbach; alles Andere war
Comburgisch, kam 1803 auch mit den grundherrlichen Rechten an Württemberg und wurde 1808 vom Oberamte Vellberg dem Oberamte Gaildorf zugetheilt, zu welchem jetzt auch der zuvor erwähnte Antheil Backnangs an Wiesenbach kam.

Einzelne Orte der Gemeinde:

a) Hausen an der Roth, das katholische Pfarrdorf, liegt 2 St.
westlich von Gaildorf, am Rothflüßchen und an der zuvor erwähnten
Landstraße, zwischen zwei hohen und unwegsamen Bergketten, wovon die
südwestliche die „Schanze“, die nordöstliche die „Scheuerhalden“ genannt
wird. Eine steinerne neue Brücke führt auf die Filialien über die Roth,
die nicht selten das Dorf unter Wasser setzt. Die Kirche zum heil. Michael
ist massiv aus gehauenen Quadern gebaut; im Erdgeschosse derselben befindet sich die beschränkte unfreundliche Wohnung des Pfarrers. Der
Thurm hat nur Eine Glocke. Die Baulast hat wegen Comburgs der
Staat. Bei der Kirche steht das 1773 gleichfalls massiv erbaute Schulhaus. Gutes Trinkwasser findet sich nur in dem Eitelwäldlen. Das Patronat ist mit Comburg an die Krone gekommen. Außer der deutschen
Schule, die blos 49 fl. Fond hat, ist eine Industrieschule vorhanden.
Der Begräbnißplatz wurde 1816 außerhalb des Ortes angelegt.

Hausen mit den schon bezeichneten Parzellen war in vogteilicher
und grundherrlicher Hinsicht im Besitze Comburgs; die Kriminaljustiz
übten dessen Schirmvögte, die Schenken von Limpurg, und nach deren
Aussterben die Bischöfe von Würzburg, welche auch seit 1541 das Besteuerungsrecht hatten. Comburg, dessen Rechte 1248 erstmals genannt
werden, kaufte 1362 von Ritter Burkhardt Sturmfeder und dessen beiden
Söhnen, auch Burkhardt genannt, um 200 Pfd. Heller die Vogtei über
die Comburgischen Güter, das Gericht und Alles, was sie hier hatten,
namentliche 1 Hof und 8 Güter; die Vogtei über ein anderes Gut kaufte
es 1411 von Volkhart von Hohenhart und die über ein weiteres Gut
1414 von Limpurg. So besaß das Ritterstift 1657 hier 18 Lehengüter.
Von dem, vom Kloster Murrhardt herrührenden Fruchtzehenten trat 1607
{{Seite|160
Württemberg {{Bruch|2|3}} an Limpurg ab; {{Bruch|1|3}} gehörte der Pfarrei Ober-Roth.
Im Jahr 1688 scheint Limpurg auch noch Unterthanen hier gehabt zu
haben, da hinsichtlich der Vogtei ein Streit zwischen Comburg und seinem Schirmherrn entstand. Das Ritterstift Comburg wandte sich deßhalb an seinen obersten Schirmherrn, den Bischof von Würzburg, der im
März 1688 von seinen Soldaten, 100 Kürassiere und 300 Mann Infanterie hierher schickte, um Namens Comburgs einen Unterthanen aus einem
Limpurgischen Hause herauszunehmen.

Hausen, anfänglich Filial von Ober-Roth, ging der streng katholischen Ortsherrschaft ungeachtet 1548 zur Reformation über. Nach dem
dreißigjährigen Krieg aber wandte Comburg alle Mittel zu Wiederherstellung der katholischen Confession an. Mit Unterstützung des Stiftes
siedelte sich 1670 ein Maurer aus Obersteyermark an, der immer mehr
Landsleute nach sich zog, so daß 1696 von den 14 Hofgütern, 4 Sölden
und 16 Häuslen {{Bruch|2|3}} in katholische Händen waren. Man richtete in einem
Bauernhause 1696 eine Capelle ein, wo von Zeit zu Zeit ein Priester
aus Comburg Messe las; da aber jene nicht mehr zureichte, so baute der
Comburgische Dekan Heinrich, Graf von Ostein, meist auf seine eigene
Kosten und des Verbotes des Reichskammer-Gerichtes ungeachtet, die erste
Kirche, indem er vorgab, daß er blos eine Sommerwohnung mit Haus-Capelle errichten wolle, woraus denn auch die Vereinigung des Pfarrhauses mit der Kirche zu erklären ist. Sofort wurde auch eine katholische Pfarrei errichtet und 1706 erstmals besetzt. Der gedachte Graf Heinrich
von Ostein gründete auch die Kirchenpflege, aus deren Mitteln die Kirche, wie sie jetzt ist, 1770 ganz umgebaut wurde, und sein Bruder Karl, Capitular in Comburg, stiftete 1710 ein Capital von 4000 fl. zum Unterhalte
des Pfarrers. Hausen hatte 1750 keine evang. Einwohner mehr.

b) Eitelwäldle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von H. (Hausen) auf dessen Markung, im Walde. Eine 1750 angelegte Sölde.

c) Erlenhof, früher Erlenbach, 1 St. östlich von H. auf der
Höhe über dem Roth- und Kocher-Thale, welche von hier aus in südöstlicher Richtung von dem Erlenbach-Thälchen durchschnitten ist. Vormals ein Condominat. Die Vogtei über den „Weiler zu Erlbach ob
Viechberg“, wo schon 1343 Comburg Grundherr war, verkauften 1348
Hiltrut, Wittwe Heinrichs von Ottendorf, und ihr Sohn Heinrich sammt
Zehenten um 18 Pfd. Heller an Comburg. Die 3 Comburgischen Lehen
sind nun in den Händen der evang. Einwohner; die im Besitze der Katholiken befindlichen Häuser und Güter entstanden 1708 bis 1724. Das
Limpurgische Gut, worauf 1785 24 Einwohner saßen, wurde im sechszehnten Jahrhundert angelegt. Einige andere Güter gehörten dem Kloster Murrhardt.
{{Seite|161
d) Greuthof, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von H. auf dessen Markung, auf
dem rechten Ufer der Roth, wurde 1700 angelegt.

e) Harnersberg, 3/8 St. südwestlich von H. auf dessen Markung,
aus 2 Sölden bestehend, die 1740 angelegt wurden.

f) Lunkenbrunnen, 7/8 St. östlich von H. bei Erlenhof, eine
1770 entstandene Sölde.

g) Scheuerhalden, nordöstlich von H. auf dem Walde Scheuerhalden. Die unter diesem Namen begriffenen {{Bruch|1|4}} bis {{Bruch|3|4}} St von H. entfernten, zerstreuten Wohnsitze sind: Aschenhäusle, Neuhausen,
Osterhöfle und Viehhaus. Sie entstanden 1734–1779, mit Ausnahme des ältern Viehhaus. – Johannes von Vggingen verkauft 1363
an Comburg den „Hof zu der Scheuren genannt“, zwei Theile des Zehentens und ein Gut zu Feuchtenbrunnen. Hans Herold und Rüdiger
von Örn treten 1375 alle ihre Rechte an dem „Hof zu der Scheuren
bei Feuchtenbrunnen gelegen“ an Comburg ab.

h) Stielberg, {{Bruch|1|4}} St. östlich von H. auf dessen Markung, auf
einer waldigen Bergspitze, wo auch eine 1790 erbaute kleine Feldcapelle
steht; wurde 1780 angelegt.

i) Sturzberg, 3/8 St. nordöstlich von H., gleichfalls auf dessen
Markung, an der Scheuerhalde; 1775–1770 entstanden.

k) Völklenswald, 3/8 St. östlich von H. an der Scheuerhalde;
eine kleine Sölde.

l) Wiesenbach, 3/8 St. südwestlich von H., im Wald über dem
Wiesenbach. Um 1627 wurde in diesem zum Forstamt Reichenberg gehörig gewesenen Distrikte von einem Limpurgischen Unterthanen die erste
Sölde angelegt. Der Ort war ein Condominat, da noch 1804 28 Einwohner in's Stadtgericht Backnang gehörten.

Ein zu unbekannter Zeit abgegangener Ort bei der Scheuerhalden
war das bei Scheuerhalden genannte Feuchtenbrunnen. Zwei Theile
an der Vogtei und alle seine Rechte trat Limpurg 1414 an Comburg ab.


Hütten,

Gemeinde III. Kl. mit 599 Einw. Hütten, D. 444 Einw., wor. 4 Katholiken.
b. Bäumlensfeld, 59 Einw. c. Dobelhütten, H. 12 Einw. d.
Hankertsmühle, 8 Einw. e. Scherbenmühle, 15 Einw. f. Traubenmühle,
33 Einw. g. Württemberger-Hof, 38 Einw. – Evang. Pfarr-Filial von
Mainhardt; die Kath. in a. sind nach Pfedelbach eingepfarrt.

Dieser Gemeindebezirk liegt auf der äußersten nordwestlichen Spitze
des Oberamtes und bildet eine in die Oberamtsbezirke Backnang, Weinsberg und Hall hineinragende Zunge, welche auf der Weinsberger
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Oberamtsgrenze beinahe Mainhardt berührt. Er gehört dem südlichen Ausläufer des Mainhardter Waldes an und bildet eine über dem Roth-Thal
und dem östlich das Oberamt begrenzenden Röthenbach-Thälchen sich erhebende Bergfläche, welche durch einige quellenreiche Schluchten bewässert
und an ihren Abhängen bewaldet ist. Die von Westen herkommende,
noch ziemlich schwache Roth macht, nachdem sie den Röthenbach aufgenommen, eine südöstliche Wendung und bewässert einen Theil des Gemeindebezirkes. Die durch das Roth-Thal führende Landstraße zieht
durch denselben und mündet nicht ferne in die an Mainhardt vorübergehende 
Stuttgart-Haller Staatsstraße ein. Diese Lage und die Filiatverhältnisse bringen es mit sich, daß der Verkehr der Gemeinde-Angehörigen
mehr auf Mainhardt, als auf das Limpurger Unterland angewiesen ist. Der Boden ist nicht dankbar. Über die sonstigen natürlichen Verhältnisse ist das bei Hausen und Vichberg Gesagte zu vergleichen. Die meist
armen, auch in sittlicher Hinsicht weniger gehobenen Einwohner suchen
in Ackerbau, Viehzucht und im Handel mit Holz aller Art ihre Nahrung.
Die Gesammt-Markung begreift 2719 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1307 3/8 M., also
fast die Hälfte Wald, und 177 M. Weiden und Öden, so daß an Baufeld nahezu 2 M. auf den Kopf treffen.
Die Gemeinde ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Bei den
unbedeutenden Einkünften der Gemeindepflege muß an Amts- und Gemeinde-Schaden fast dreimal mehr umgelegt werden, als die direkte
Staatssteuer beträgt. Eine Stiftungspflege ist nicht vorhanden. Die
Gemeinde ist nach Hütten schulpflichtig. In die Zehenten zu Hütten,
Bäumlensfeld und Württemberger-Hof theilten sich der Staat, die Standesherrschaft Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein und die Pfarrei Maienfels; die übrigen Zehentrechte gebührten dem Staat allein.

Bis 1806 gehörten in das altwürttembergische Oberamt Weinsberg:
Hütten (theilweise), Bäumlensfeld, Traubenmühle und Württemberger-Hof; in's altwürttemb. Oberamt Backnang: Scherbenmühle; in's Amt
Ober-Roth zur Solms-Assenheim'schen Herrschaft: Hankertsmühle und
Theil an Hütten, woran auch Hohenlohe-Bartenstein betheiligt war.

Von den die Gemeinde bildenden Orten liegt

a) das Dörfchen Hütten, 4 St. nordwestlich von Gaildorf, auf
der zuvor erwähnten, von einigen Schluchten durchschnittenen Bergfläche.
Durch dasselbe führt die zuvor gedachte Roth-Thalstraße. Das Schulhaus, in welchem auch das Gemeinderaths-Lokal sich befindet, wurde 1834
von der Gemeinde erbaut. Außer der deutschen Schule, die 75 fl. Fonds
hat, ist auch eine Industrieschule vorhanden.

Hütten wird 1248 als einer der Orte bezeichnet, wo das Kloster
Comburg begütert war. Im Jahr 1521 verkauft Comburg an die Stadt
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Hall die Gülten von 12 Gütern. Bis 1806 war Hütten ein Condominat-Ort zwischen Württemberg, Hohenlohe und Limpurg. Die Rechte des ersteren rühren von der Herrschaft Böhringsweiler her und blieben bis in die
neueren Zeiten mit dem dortigen Stabe verbunden. Limpurg kaufte 1370
von Burkhardt und Friedrich Sturmfeder Alles, was sie hier hatten. Albrecht und Crafft von Hohenlohe übergeben 1486 die Zehenten hier und
in einigen andern Orten der Pfarrei Mainhardt, die bis dahin einschließlich
der Stolgebühren nur 14 fl. ertrug (Wibel II, 374). Am 29. Juli 1563
vertrugen sich Herzog Christoph von Württemberg, Graf Eberhard von
Hohenlohe zu Langenburg und Schenk Christoph von Limpurg dahin,
daß jede Herrschaft auf ihren Gütern die Obrigkeit haben, auf den Gassen und der Gemeinde aber dieselbe gemeinschaftlich bleiben solle. Im
Jahr 1785 war die Einwohnerzahl nur 143.

b) Bäumlensfeld, 3/8 St. westlich von H. (Hütten) auf derselben Bergfläche.

c) Dobelhütte, 3/8 St. westlich von H. auf dessen Markung.

d) Hankertsmühle, 5/8 St. südwestl. von H. auf der Grenze des
Oberamts Weinsberg, in einer Waldklinge an der Roth. Limpurg kaufte
1371 die „Heinkardsmühle“ von den Brüdern Conrad und Götz von
Roth.

e) Scherbenmühle, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von H. an der Roth, im
Walde Scherbenhau, den Limpurg theils 1410 von Hans von Roth kaufte,
theils 1556 von Württemberg erwechselte. Die Mühle gehörte in das
Stadtgericht zu Backnang; einige Rechte kaufte Limpurg 1537 von den
Roth'schen Erben.

f) Traubenmühle, 3/8 St. südlich von H. auf dessen Markung,
am Einfluß eines Waldbaches in die Roth.

g) Württemberger-Hof, 3/8 St. südwestlich von H. auf derselben Bergfläche, am nordwestlichen Abhang einer Thalschlucht. Das
Lagerbuch über Böhringsweiler von 1528 nennt den Ort „Miltenbergershof“, der schon damals in 3 Theile getheilt war. Zu der Hankertsmühle führte damals eine „Brittersteige“ herab.

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Laufen am Kocher,

Gemeinde III. Kl. mit 904 Einw. a. Laufen am Kocher, D. 331 Einw., wor.
1 Kathol. mit aa. Hägelesburg, H. 10 Einw. und bb. Windmühle, 7 Einw.
b. Braunhof, 7 Einw. c. Eckenberg, W. 15 Einw. d. Eisenschmiede,
W. 35 Einw. Falschengehren, H. 9 Einw. f. Forst, 5 Kath. g. Hasenberg, Hs. 5 Einw. h. Heerberg, W. 18 Einw. i. Heilberg, H. 5 Kath.
k. Hochhalden, H. 22 Einw. l. Knollenberg, H., auch Schockenhof, 21 Einw.
m. Krasberg, W. 55 Einw. n. Platz, W. 22 Einw. o. Rübgarten, W.
93 Einw. p. Schönbrunn, W. 26 Einw. q. Teutschenhof, H. 14 Einw.
r. Weiler, W. 25 Einw. s. Wengen, W. 143 Einw. t. Wimbach, H. 6 Einw.
– Ev. Pfarr-Filial von Sulzbach am Kocher, mit Ausnahme von Parz. o., Filial
von Eschach, und Parz. d., Fil. von Ober-Gröningen; die Kath. in Parz. a, f. und i. sind nach Unter-Gröningen eingepfarrt.

Der im obern Kocher-Thale, dessen Abhänge, steil und bewaldet,
nur theilweise zur Cultur gebracht sind, gelegene Gemeindebezirk grenzt
im Osten an das Oberamt Aalen. Das Thal ist sehr eng, an den weitesten Stellen kaum {{Bruch|1|8}} St. breit. Die Bergabhänge sind durch viele wilde
und tiefe Schluchten zerrissen, über deren Hügeln die Parzellen liegen.
Der Kocher macht um die Hügel vielfache Krümmungen, hat ein tiefes
enges Bett und wenigen Fall, erhält aber aus den Schluchten manchfache
rasche Zuflüsse, namentlich von Westen her den Wimbach, von Südosten
den Nägelsbach mit dem Igelsbach, von Südwesten den Krempelbach,
von Osten den Heiligenbach, überschwemmt gerne die von der Thalsohle
bis an die Waldungen hinaufreichenden Wiesen und richtet manchmal
große Verwüstungen an. Der Boden ist Sand und Lehm mit lettiger
Unterlage; er geht tief, ist größtentheils schwer und sumpfig und nur bei
besonderem Fleiß dankbar; der Pflug bedarf gewöhnlich 4 Ochsen als
Anspann. Die Luft ist häufig nebelig, im Thale mild, so daß Gurken
und Bohnen gedeihen, auf der Höhe scharf. Hagelschlag ist selten. Von
Gaildorf und Sulzbach her führt die neue Communal-Straße über Heerberg und Laufen nach Unter-Gröningen. Die übrigen Wege sind ganz
schlecht. Die Gemeinde gehört zu den ärmeren des Bezirkes. Daß Laufen
die meisten unehelichen Geburten hat, ist S. 33 bemerkt. Nahrungsquellen sind Ackerbau, Viehzucht und Holznutzung, da sich die Vermöglicheren hauptsächlich mit Holz- und Kohlen-Handel, die Ärmeren mit
Holzfällen, Kohlenbrennen und Flößerei beschäftigen. Die Gesammt-Markung ist 5092 {{Bruch|1|2}} M. groß, worunter 1883 3/8 M. Wald, 728 3/8 M.
Weiden und Öden, und es kommen 2 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf.
Die Landwirthschaft ist im Allgemeinen noch auf niederer Stufe und
herrscht hauptsächlich nur in Weiler vor, wo sich größere geschlossene Hofgüter erhalten haben. Die Güter liegen allermeist an Abhängen. Neben
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der Dreifelderwirthschaft ist hier hauptsächlich die Wechselwirthschaft
(989 3/8 M. Wechselfelder), und der Beetpflug in Übung. Man baut
Dinkel, Weizen, Roggen, Haber und Einkorn, außerdem neben Kartoffeln, rothen Klee, Luzerne, Esper, wenig Flachs, viel Hanf, Hopfen und
Kraut. Es wird bei Weitem nicht das Brodbedürfniß erzeugt. Die Thalwiesen sind, weil durch den Schlamm des Kochers bei seinem Austreten
gedüngt, ergiebig. Ein Morgen Ackers kostet 30–150 fl.. Wiesen 50–400 fl. Die Obstzucht ist im Zunehmen; die Straßen sind mit Obstbäumen besetzt. Mit der Schule in Laufen sind Kinderbaumschulen verbunden, aus welchen die Bäume bezogen werden. Die Rindviehzucht ist nicht
von Belang, das Vieh mager. Auch wird durch Juden bayrisches Vieh
eingeführt und Stellvieh den Einwohnern übergeben. Stallfütterung
ist noch nicht durchgeführt. Von Gewerben ist nur eine Mahl- und
Säg-Mühle in Laufen, und die bei Sulzbach erwähnte Verfertigung von Holzwaaren zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt, mit
Ausnahme der in's Forstamt Lorch gehörigen Parzellen Krasberg und
Weiler. Die bis dahin verbunden gewesenen Gemeinden Laufen und
Sulzbach wurden 1810 nach ihrem jetzigen Bestande gebildet. Das
Vermögen der Gemeindepflege ist unbedeutend, und da auch die
Mittel der Stiftungspflege unzureichend sind, so betragen die Umlagen
für Amts- und Gemeinde-Zwecke mehr als das Dreifache der direkten
Staats-Steuer. Die Schule für die sogenannte obere Pfarrei ist in
Laufen. Zehentherr war von den Limpurgischen Herrschaften her überall
der Staat; nur in Rübgarten hatte die Pfarrei Eschach den kleinen
Zehenten.

Der größere Theil der Gemeinde war ein Bestandtheil der schon
1781 durch Württemberg erworbenen Herrschaft Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, Amts Schmiedelfeld; die übrigen Orte, nämlich Eckenberg, Falschengehren, Forst, Schönbronn und Wengen, waren mit der
erst neuerlich für den Staat erkauften Herrschaft Gröningen, Amts
Unter-Gröningen, verbunden. Von den einzelnen Orten ist

a) das Dörfchen Laufen, oder Lauffen, am Kocher, 2 {{Bruch|1|2}} St.
südöstlich von Gaildorf auf einem Bergabhang an dem rechten Ufer des
Kochers gelegen. Die alte Kirche enthielt ein Altargemälde, welches den
heil. Bartholomäus mit seiner eigenen Haut unter dem Arme vorstellte,
ist aber vor nicht gar langer Zeit abgebrochen worden. Der Kirchhof
für die obere Pfarrei ist noch hier. Das geräumige Schulhaus wurde
1840 von der obern Pfarrgemeinde mit einem Aufwand von 4200 fl.
erbaut und die Schule von Heerberg hierher verlegt. Sie hat nur 23 fl.
53 kr. Fonds und einen Schulmeister mit einem Gehilfen. Zu Laufen
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gehören der Hof Hägelesburg und die sog. Windmühle, eigentlich
Windenbachmühle.

Mit der nahen Veste Kransberg erwarb 1357 Limpurg die Vogtei
über 13 Güter. Von Christian Kochenzer, Bürger zu Hall, kauften 1410
die Schenken das Eigenthum an 1 Hof und 4 Gütern dahier, die Mühle
zu Werben, 1 Hof zu Krasberg, 3 Güter zu Haslach und die Hälfte der Zehenten zu Laufen, Wengen, Weiler, Schönbronn, Haslach, Mühlenberg,
Uhlbach, Egelsbach und Eichenrain, alles dieß, wie er es vom Kloster
Murrhardt als Leibgeding hatte, worauf 1414 dieses Kloster seine Rechte
an diesen Gütern, nebst dem Kirchensatz und der Lehenschaft der Kirche
zu Laufen, die es der Sage nach schon 817 mit der Pfarrei Vichberg
(s. dort) erhalten haben sollte, um 330 fl. an die Schenken abtrat. Die
Windenbachmühle kaufte Limpurg 1380 mit Adelmannsfelden vom Kloster Ellwangen. Im Jahr 1741 bestand der Ort aus 16 Wohngebäuden
mit 16 Unterthanen und 1 Hausgenossen; 1785 zählte er 164 Einwohner. – Die ehemalige Pfarrei wird 1397 mit „Pfaff Hans, Pfarrer zu
Laufen“, erstmals genannt. Sie scheint zur Zeit der Reformation aufgehoben worden zu seyn, und ist schon längst als sog. „obere Pfarrei“,
deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, mit der „untern
Pfarrei“ zu Sulzbach unirt.

b) Braunhof, 3/8 St. nördlich von L. (Laufen) an einem Abhang
über dem Kocher. Wurde mit Kransberg erworben.

c) Eckenberg, {{Bruch|3|4}} St. südöstl. von L. auf der Markung von Wengen, im Walde. Dieses ursprüngliche Söldgut, das noch 1767 9 Einwohner hatte, wurde 1729 angelegt.

d) Eisenschmiede, früher „Eisenmühle“, 3/8 St. südwestlich von
L. am Kocher. Es ist dieß die zuvor genannte Mühle zu Werben (Werbe
= Werf, d. h. aufgedämmtes Ufer). Im Jahr 1531 war hier ein Eisenhammer mit Schmelzhütte. Nachdem er abgegangen, wurde 1719 wieder
eine Eisenschmiede errichtet und von der Herrschaft Schmiedelfeld verpachtet, 1757 aber aufgehoben.

e) Falschengehren, {{Bruch|3|4}} St. östlich von L. im Wald, auf der
Grenze des Oberamts Aalen; 1540–1550 entstanden.

f) Forst, 5/8 St. südöstlich von L. im Walde. Das 1833 erbaute,
von einem Waldschützen bewohnte, Haus wurde 1838 vom Staat erworben und das Gut aufgeforstet.

g) Hasenberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstl. von L. auf der Markung Wengen.

h) Heerberg, {{Bruch|1|8}} St. nördlich von L. auf einem an die übrigen
Gebirgshöhen anschließenden Berge, südöstlich des Kransbergs. Das
Örtchen besteht aus einem Kirchlein, einem vormaligen Schulhaus, einer
Gastwirthschaft und einem mittelgroßen Bauernhofe. Die kleine, mit
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schlechtem Thurm versehene Kirche, in welcher der Pfarrer von Sulzbach
jährlich fünfmal zu predigen hat, zeigt über dem Haupteingange die Jahreszahl 1400; auch sind über den Thüren die Wappen Schenk Conrad's
(† 1482) und dessen Gemahlin, der Gräfin Clara von Montfort, sowie
seines Sohnes Schenks Albrecht († 1506), und seiner Gemahlin der
Gräfin Elisabetha von Öttingen, eingehauen. Im Thurme hängen 2
Glocken, wovon eine mit der Umschrift: „hilf ihesus maria. bernhard lachaman gos mich. 1497.“ Die Kirche hatte vor der Reformation viele
Altäre, zwei angebaute Capellen und ein wunderthätiges Marienbild, zu
welchem stark gewallfahrtet wurde. Noch 1610 mußte die Heerberger
Brüderschaft und Wallfahrt verboten werden. Im dreißigjährigen Kriege
wurde die Capelle von den Kroaten verwüstet, das Marienbild und der
Altar aber verschont. Vor etwa 100 Jahren soll jenes in das Archiv in
Ober-Sontheim gekommen seyn, wo es Justinus Kerner entdeckte und
1846 erkaufte: eine edle Arbeit aus blendendem Alabaster in halber Lebensgröße, die er noch besitzt. Der Altar mit seinem Gemälde blieb jedoch,
und wird vielfach aufgesucht und bewundert. Im Schreine desselben stehen ein Muttergottesbild mit dem Jesuskind und die heil. Catharina
und heil. Barbara aus Holz, beinahe in Lebensgröße, geschnitzt und vergoldet, indeß das untere Altarblatt und die beiden Flügelthüren die schönste
Arbeit der oberdeutschen Malerschule darstellen. Auf der Staffel ist
Christus zwischen den Aposteln im Brustbild gemalt, auf den Flügeln die
Anbetung der Hirten, die Darstellung im Tempel und die Verkündigung.
Die Hinterwand des Altarkastens hat die Inschrift: „das Werk hat gemacht Bartholme Zeitblom, maler zu Vlm. 1497“. (Näheres siehe III.
Veröffentlichung des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Von Ed. Mauch, 1845.) Da die Wappen des Schenken Albrecht und seiner Gemahlin auch an der südlichen Seite des Altars angebracht sind, so scheinen diese hieran sich betheiligt zu haben. Die Bilder
wurden durch Fürsorge des württ. Alterthumsvereins von Conservator
Eigner in Augsburg unlängst trefflich restaurirt. Der Altar ist Eigenthum der Ortsstiftung; die Capelle hat die obere Pfarrgemeinde zu erhalten. Bemerkenswert ist, daß noch jetzt die Capelle nicht nur von Katholiken der Umgegend häufig besucht, sondern auch von Evangelischen
bei glücklichen Familien-Ereignissen oder in Krankheiten und dergl. ein
Opfer dahin getragen wird. – Über die Entstehung der Capelle und
Wallfahrt gehen im Volke zwei Sagen. Die eine läßt Maria bei ihrer
Flucht nach Egypten auf dieser Höhe ein nächtliches Obdach suchen, die
andere einen Ritter mit seinem Liebchen auf Einem Rößlein bei dem hier
hausenden Einsiedler „Herberge“ finden und am Altare seiner Klause
verbunden werden, worauf der Ritter aus Dankbarkeit ein Kirchlein
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baute und von weit her das damals schon bewährte Gnadenbild hineinstiftete. (Morgenblatt 1847, S. 245.) Andere vermuthen, der Name
sey daher entstanden, daß ein Heer, das die Vestung Kransberg belagert,
hier gestanden habe, oder, wofür sich Prescher II, 269 ausspricht, daß der Berg von alten Zeiten her ein Hörberg (Warte, specula) gewesen sey.
Wahrscheinlich stand die Capelle zu dem nahen Kransfeld in engeren Beziehungen; jedenfalls gehörte der Ort dorthin.

i) Heilberg, {{Bruch|1|2}} St. südlich von L. auf einer Höhe; ein 1701 angelegtes Gut, das der Staat 1842 kaufte und wieder zu Wald umschuf.
Das Haus bewohnt ein Waldschütze.

k) Hochhalden, 3/8 St. südl. von L. auf dessen Markung, neuen
Ursprungs.

l) Knollenberg, auch Schockenhof, {{Bruch|1|8}} St. westl. von L. auf
dessen Markung; wurde um 1545 angelegt.

m) Krasberg, 3/8 St. südwestlicb von L. auf der Höhe jenseits
des Kochers. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen 5 Lehen und 1410
das Eigenthum von einem Gut. Der Ort hatte 1785 24 Einwohner.

n) Platz, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von L. auf dessen Markung, auf der
Höhe; neuere Ansiedelung.

o) Rübgarten, 3/8 St. südlich von L. auf einer Höhe über dem
linken Kocherufer. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen 6 Güter, die
nachmals in 3 zusammengezogen wurden, und erwechselte 1557 von dem
Augustiner-Kloster in Gmünd ein weiteres Gut. Der Ort hatte 1785
45 Einwohner.

p) Schönbrunn, {{Bruch|1|2}} St. östlich von L. auf der Höhe; ein schon
frühe in 3 Lehen getheilter Hof, 1380 von Ellwangen erkauft.

q) Teutschenhof, auch Erdgeschleifhöflen, {{Bruch|1|4}} St. östlich
von L. auf dessen Markung; eine 1545 angelegte Sölde.

r) Weiler, mit dem Beisatze „im Schmiedelfeld'schen“, {{Bruch|1|2}} St.
westlich von L. auf der Höhe über dem linken Kocherufer, gehörte nach
Prescher einst als eine Villa zur Veste Kransberg, mit welcher Limpurg
12 Güter erwarb, die später in 3 Höfe zusammengelegt wurden. Ein
weiteres freies Gut kaufte Limpurg 1404 von einem Bauern.

s) Wengen, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von L. zunächst am Einfluß des
Krempelbachs in den Kocher. Mit Birkenlohe kaufte 1586 Limpurg 13
Güter.

t) Wimbach, {{Bruch|1|4}} St. südlich von L. am Wimbach, in einem engen
Thälchen. Die Sägmühle wurde 1581 errichtet.

Der Kransberg, ein über dem rechten Kocherufer sich erhebender,
steiler, länglichter, wenige Minuten von Heerberg entfernter, Bergvorsprung, der von Osten, Süden und Westen vom Kocher umflossen ist,
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zeigt noch die imposanten Ruinen der zerstörten Veste Kransberg,
früher auch Cranchs- oder Cranichsberg genannt. Sie bestand, wie die
Gräben zeigen, aus zwei Abtheilungen, und es ist noch ein Theil eines
viereckigen Thurmes übrig. Über den Ursprung und die früheren Besitzer der Burg schweigt die Geschichte; nur so viel ist bekannt, daß 1357
Ludwig und Friedrich, Gebrüder, und Ludwig der jüngere, Grafen von
Öttingen, die Burgen Kransberg und Buchhorn mit den zugehörigen
Gütern um 4000 Pfd. Heller an Schenk Conrad von Limpurg verkauften, wie dieselben „ihr Vetter selig Graf Ludwig der Alte und sein Sohn
Graf Albrecht hergebracht“, für frei und eigen, es wäre denn, daß die
Vesten in Jahresfrist als Lehen angesprochen würden, in welchem Fall
die Schenken sie als Lehen empfangen sollten; daß ferner Kransberg mit
Röthenberg 1406 der Kurpfalz lehenbar gemacht, und kurze Zeit nach
ihrem Übergang an Limpurg im Städtekrieg zerstört worden ist. (Auch
im jetzigen Herzogthum Nassau gab es ein Schloß Cranichsberg oder
Cransberg.)


Michelbach an der Bilz,

Gemeinde III. Kl. mit 1069 Einw. a. Michelbach an der Bilz, Pfd. 398 Einw.,
wor. 4 Kath. b. Adelbacher Wirthshaus, 5 Einw. c. Buchhorn, W.
82 Einw. d. Gschlachten-Bretzingen, W. 163 Einw., wor. 63 Kath. e.
Hagenhof, H. 21 Einw. f. Hirschfelden, W. 141 Einw. g. Kohlhäu, H. 6 Einw.
h. Neummühle, 13 Einw., wor. 5 Kath. i. Rauhen-Bretzingen, W.
195 Einw., wor. 35 Kath. k. Steinbrück, W. 20 Einw. l. Ziegelhütte,
H. 25 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a., d., h. und i. sind nach Steinbach eingepfarrt.

Die Gemeinde ist auf der nördlichen Spitze des Bezirkes ausgebreitet
und grenzt westlich, nördlich und östlich an das Oberamt Hall. In einer
Länge von 1 {{Bruch|1|2}} St. bildet der Kocher auf der westlichen Seite die Oberamtsgrenze. Die Hälfte etwa, dem rechten Kocherufer entlang, ist eine
hin und wieder durch Schluchten unterbrochene Ebene, indeß die andere
Hälfte bergig und meist bewaldet ist. Namentlich erheben sich gegen Osten
bewaldete Berge, deren nördlicher Ausläufer der dem Oberamt Hall angehörige Einkorn ist und die sich gegen Süden mit dem Adelberg schließen.
In den Niederungen hat der Boden Thon, auf der Höhe leichten Sand,
und ist im Ganzen fruchtbar. Von den östlichen Waldgehängen treten
der bei Rauhen-Bretzingen entspringende Remsbach und andere kleine
Gewässer in den Kocher, indeß der unterhalb Kohlhäu entspringende
Adelbach einen weitern Verlauf gegen Süden nimmt. Quellwasser ist
überall zur Genüge; bei den meisten Häusern ein eigener Pump- oder
Zieh-Brunnen; in Michelbach sind einige laufende Brunnen. Ein Hauptübelstand ist, daß die Gemeinde so wenige Verbindungsstraßen hat, daß
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man erst seit Errichtung der Brücke bei Neumühle, jedoch nur mit bedeutendem Umweg, in die Oberamtsstadt gelangen kann, woraus auch folgt, daß
der Verkehr mit dem gelegeneren Hall mehr lebhaft ist. In der Nähe von
Michelbach werden ausgezeichnet gute und schöne Werksteine gebrochen.
Das Clima ist das mildeste des Bezirkes. Der Menschenschlag ist gesund und kräftig. Die Einwohnerzahl hat in den letzten 65 Jahren kaum um
{{Bruch|1|4}} zugenommen. In Michelbach, Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen sieht man, wie in dem angrenzenden Oberamt Hall, viele recht stattliche Bauernhäuser, das Gebälke meist mit rother Ölfarbe angestrichen,
und von Gärten umgeben. Die Vermögensverhältnisse sind nur relativ
günstig; der Wohlstand, der noch vor 20 Jahren herrschte, hat durch die allgemeinen Ursachen sehr gelitten. Die Hauptnahrungsmittel sind Ackerbau und Viehzucht. Die zwischen Michelbach, Rauhen-Bretzingen,
Gschlachten-Bretzingen und Hirschfelden abgetheilte Markungsfläche beträgt 5829 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1463 6/8 M. Wald und 579 {{Bruch|1|8}} M. Weiden
und Öden, also noch 3,5 M. Baufeldes auf den Kopf. Der Zustand der
Landwirthschaft ist zwar nicht glänzend, mit den übrigen Gemeinden verglichen aber nicht unerfreulich, da über das eigene Bedürfniß noch Brodfrucht verkauft werden kann. Größere Güter sind zwar vorhanden, aber nicht geschlossen. Die Brache wird selten angebaut, obgleich die besseren
Güter dieß lohnen würden. Der schwere Thonboden verlangt zur Beackerung in der Regel 4 Stücke Anspann. Die vorherrschende Winterfrucht ist Dinkel und Roggen, häufig mit einander gemischt; als Sommerfrucht werden hauptsächlich Haber, dann Gerste und Hülsenfrüchte
gebaut; Einkorn kommt häufig sowohl im Sommer- als im Winter-Felde
vor. Seitdem die Kartoffelkrankheit zugenommen, wird Buchweizen,
Hirse und Wälschkorn angebaut. Der Bau von Angersen ist im Zunehmen. Von Futterkräutern finden sich Klee, Esparsette und Luzerne. Der
Gartenbau, obwohl er lohnend wäre, ist vernachlässigt. Die Wiesen sind
meist zweimähdig und geben vortreffliches Futter. Ein Morgen Ackers
kostet 20–110 fl., Wiesen 40–200 fl. Der Weinbau, in früheren Jahrhunderten an sämmtlichen südlichen Bergabhängen betrieben, hat längst
aufgehört. Die Obstzucht hebt sich neuerlich mehr und mehr; namentlich
zeichnet sich Gschlachten-Bretzingen aus. In Michelbach sind zwei Baumschulen, die der Gemeinde und die des Pfarrers Troll, welcher sich seit
Jahren auch des Unterrichts der Kinder in der Obstbaumzucht angenommen hat (S. 60). Die Zwetschge wird groß und gut, wie überhaupt
das dortige Obst zu dem besten des Bezirkes gehört. Nußbäume finden
sich namentlich in Buchhorn. Bei Kohlhäu wurde 1757 die erste Limpurgische Lärchen-Pflanzung vorgenommen (Prescher II, 336). Die
Rindviehzucht ist in sehr gutem Zustande; das Vieh sehr schön. 
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Dasselbe wird theils gemästet verkauft, theils zur Nachzucht verwendet, welche
ein Haupterwerbszweig ist. Die vier Hauptorte haben eigene Schäfereien
mit mittelfeinen schönen Thieren. Es findet ziemliche Hammelmastung
Statt. Gänsezucht wird in Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen stark,
Bienenzucht ziemlich stark betrieben. Von Gewerben sind blos die Mühle
and die Ziegelhütte zu erwähnen. Manche Einwohner finden in dem
nahen Steinsalzwerk Wilhelmsglück und in der chemischen Fabrik bei
Ödendorf ihr Brod.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die
Vermögensverhältnisse der Gemeinde- und der Stiftungs-Pflege sind
den günstigen beizuzählen. Wie die kirchlichen, so sind auch die Schulverhältnisse geregelt. Die Zehenten gebührten der Standesherrschaft
Limpurg-Michelbach, mit Ausnahme der beiden Bretzingen, wo sie theilweise dem Staat, und Hirschfelden, wo Theile der Pfarrei Michelbach
und dem Freiherrn v. König zu Hirschfelden, der auch einige Zehentrechte
in Michelbach hat, gehörten.

Sämmtliche Orte bildeten ganz oder theilweise einen Theü der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Michelbach, Amts Michelbach; wie zu derselben auch die Comburgischen Antheile von Rauhen-Bretzingen und Hirschfelden 1805 auf kurze Zeit gekommen, ist S. 106 bemerkt, wo auch der
frühere Bestand der grundherrlichen Rechte zu finden ist. Ein Theil von
Gschlachten-Bretzingen kam erst 1808 vom Oberamt Vellberg zum Oberamt Gaildorf.

Die einzelnen Orte betreffend; so liegt

a) das ev. Pfarrdorf Michelbach, welches den unterscheidenden
Beisatz von dem in südlicher Richtung liegenden Bergrücken „Bilz“ hat,
2 St. nördlich von Gaildorf, auf der zuvor erwähnten Fläche. Es ist
ein langes, von Westen nach Osten gebautes Dorf, mit gut aussehenden,
oft ziemlich weit auseinander stehenden, von Gärten umgebenen Gebäuden. Das Aussehen wäre bei größerer Reinhaltung der Straßen noch
freundlicher. Michelbach ist der Sitz eines standesherrlichen Rentbeamten
und Revierförsters.

Die 1587 erweiterte oder renovirte Kirche zum h. Michael, am östlichen Ende des Ortes, ist gothischen Styls und hat am Thurme die
Jahreszahl 1492. Im Innern ist ein Freskogemälde mit der Jahreszahl
1517, welches den damaligen Orts-Geistlichen Lorenz Reuchlin mit Frau
und 11 Kindern und der Überschrift: „Ora pro nobis beata virgo Maria“
abbildet. Der Thurm ist älter; er ist viereckig und geht vom zweiten in
das dritte Stockwerk in's Achteck über. Die Thurmfenster sind durch
kleine, zurückstehende Säulchen in zwei gleiche Theile getheilt; auch findet
sich außen an jedem Stockwerke der Rundbogenfries: Merkmale, die 
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wenigstens auf das zwölfte oder dreizehnte Jahrhundert zurückdeuten. Von
den beiden Glocken hat eine in gothischen Minuskeln die Umschrift:
„Anno dom. MCCCCLXXV o rex glorie christi veni cum pace.“ Die
Kirche und das auf dem höchsten Punkte des Ortes gelegene Pfarrhaus
hat die Stiftungspflege zu erhalten. – Das Schloß, in Folge des Heirathsbriefes Schenk Wilhelm's und Dorothea Reuß von Plauen 1618–1622 erbaut und der letztern zum Widdum bestimmt, hat drei massive Stockwerke und einen Treppenthurm, ist hoch und weithin sichtbar. Es
wird schon lange nicht mehr bewohnt. In dem anstoßenden, aus 3 Flügeln bestehenden, Gebäude wohnen der Rentbeamte und der fürstliche
Revierförster. Eine Zierde des Ortes ist das 1843–1844 von der Gemeinde massiv erbaute Schul- und Rath-Haus von 3 Stockwerken. Zur
Pfarrei, deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, hat die
Standesherrschaft zu nominiren. Neben der Volksschule besteht eine Industrieschule; erstere hat 160 fl. Stiftungen und 100 fl. Fonds.

Michelbach wird 1080 erstmals genannt, und zugleich die Pfarrei mit
Zehenten als eine Schenkung der Grafen Burkardt, Rugger und Heinrich
von Comburg an das von ihnen gestiftete Kloster Comburg bezeichnet.
Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 an Conrad von Rinderbach,
Bürger zu Hall, seine Güter zu „Michelbach zwischen Buchhorn und
Brötzingen, da die Kirche innsteht“, bestehend aus 1 Hof, 8 Huben und
einigen Sölden, um 160 fl., welche dieser noch in demselben Jahr als
frei und eigen an Limpurg verkaufte, das 1411 u. f. 10 weitere
Güter von den Haller Bürgern Eisenhut, Eberhard und Stetten erwarb,
und um dieselbe Zeit auch den Blutbann, der sich bis Comburg und Steinbach erstreckte, vom Reich zu Lehen erhielt. So besaß Limpurg 1730 mit
aller Obrigkeit 8 Höfe oder Huben, 12 Söldner und 13 Häuslein, 1741
mit 33 Wohngebäuden und 38 Unterthanen. Bei der S. 98 erwähnten
Theilung der Herrschaft Obersontheim 1744, fiel der Antheil Limpurg-Sontheim-Michelbach an das Haus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg,
welches bis 1806 alle landesherrlichen Rechte, einschließlich des Episcopats, ausübte.

Das Kirchen-Patronat kam zu unbekannter Zeit von Kloster Comburg an Hohenlohe und Limpurg, welche die Pfarrei abwechslungsweise
vergaben, bis 1541 Hohenlohe seine Rechte ganz an Limpurg abtrat, wogegen jenes die Kirchen Braunsbach und Gailenkirchen ausschließlich
erhielt (Wibel II, 428). Ein Pfarrer, Namens Seyfried, wird 1347 genannt (ebenda I, 164). Anna Berler, Bürgerin zu Hall, verkauft 1417
ein Gut zu Uttenhofen an die Kirche zu Michelbach, unter der Bedingung, daß im Chor derselben ein ewiges Licht brenne (ebenda III, 115).
{{Seite|173
b) Adelbacher Wirthshaus, 1 St. südlich von M. (Michelbach) auf Buchhorner Markung, in der Tiefe des krebsreichen Adelbachs,
wurde 1788 wegen der damaligen Frequenz des durch den Adelbach führenden Weges, der aber jetzt nicht mehr befahren werden kann, erbaut.

c) Buchhorn, {{Bruch|3|4}} St. südlich von M., ein hochgelegener, aus zerstreut umherstehenden Häusern bestehender Weiler; auf derselben Stelle,
wo die Veste Buchhorn stand, aus deren Gütern die Sölden erst 1535
gezogen wurden. Die Güter sind wegen ihrer schroffen Abhängigkeit
schwer zu bauen, aber dennoch fruchtbar. Limpurg hatte 1741 hier 6
Söldner in 6 Wohngebäuden. Im J. 1590 und später waren noch
Weinberge da.

Auf einer nordwestlichen Ecke des auf drei Seiten steilen Berges
stand, eine weite Aussicht beherrschend, die Veste Buchhorn, von
deren ältesten Geschichte nichts bekannt ist. Die Sage will wissen, daß
sie einst mit dem nahen Westheim den Kochergaugrafen gehört habe.
Später besaßen sie die Grafen von Öttingen. Mit der Burg Kransberg
wurde sie nebst dem zugehörigen Gebiete 1357 an Limpurg verkauft, für
frei und eigen. Nach Chronik-Nachrichten wurde bald darauf, als die
Berler sie von den Schenken als Lehen inne hatten, Räuberei daraus verübt, wodurch die Stadt Hall veranlaßt ward, die Burg zu zerstören; als
aber die Burgleute hievon Kunde erhielten, zündeten sie dieselbe an und
entflohen (Prescher II, 338). Jetzt sind nur noch Gräben und Wälle vorhanden; auf der Stelle der Ruinen hat aber der hier und in Hirschfelden
begüterte Freiherr von König ein Schweizerhäuschen erbaut, von dem
aus man eine herrliche Aussicht sowohl gegen die Alp hin, als in das
hallische und hohenlohische Gebiet genießt.

d) Gschlachten-Bretzingen, früher auch Schlechten-B.,
5/8 St. nordwestlich von M. an der von Steinbrück herführenden Haller
Straße der beste Ort der Gemeinde, in welchem, da größere Güterbesitzer überwiegen und der Boden wirklich „geschlacht“ ist, ziemlicher
Wohlstand herrscht. Bischof Gebhard von Würzburg schenkte 1037 der
Pfarrkirche in Öhringen 2 {{Bruch|1|2}} Huben „in duabus villi“, que arnbe dicuntur Brezzingen“ (W. Urk.-Buch I, 264), und Comburg besitzt 1095,
wahrscheinlich von seinen Stiftern her, Zehenten in beiden Bretzingen
(ebenda 393). Später ist der Ort ein Condominat; Comburg besaß 8
Güter mit Vogtei, wovon es 2 von dem Haller Bürger Seiz Schneewasser und von Volkhardt von Vellberg 1398 und 1419 erworben. Conrad,
Herr zu Weinsberg, bekennt 1443, daß ihm Comburg zu rechtem Mannlehen geliehen, wie dieß auch seine Vorfahren zu Lehen gehabt, die Vogtei zu Obern- und Niedern-Bretzingen, zu Hirschfelden, Ytendorf, St.
Kilians-Fischach, Herdelbach, Hütten, Engelboldshofen u. s. w. Die 
{{Seite|174
Limpurg'schen Rechte rühren von Buchhorn her. Im J. 1741 waren hier
19 Gemeinderechte, wovon Comburg 8 mit Vogtei und alle Zehenten
besaß; Limpurg hatte in 11 Wohnhäusern 6 Bauern, 5 Söldner und 2
Ausdinger mit Vogtei; 1804 war die Zahl der Comburgischen Unterthanen 51.

e) Hagenhof, auch Hagenbach, {{Bruch|1|4}} St. nordöstlich von M.
auf den Markungen von Michelbach und Rauhen-Bretzingen, auf einer
Anhöhe; wurde 1550 angelegt.

f) Hirschfelden, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von M. am Fuße von Buchhorn.
Ein ziemlich wohlhabendes Örtchen, das gleichfalls bis 1806 ein Condominat war. Es wird schon 1095 genannt, da Comburg Zehenten „in
Hirzvelden“ besaß. (W. Urk.-Buch I, 393.) Die Rechte Limpurgs wurden mit Buchhorn erworben. Ein weiteres Gut stiftete Pfarrer Zeuger
in Unterlimpurg bei Hall 1510 an eine Messe in die hiesige Capelle zu
St. Ulrich; ein anderes gehörte dem Heiligen zu Michelbach. Comburg
hatte 2 Güter mit Vogtei und die Lehengefälle von 5 Limpurg vogtbaren
Gütern. Letzteres besaß 1741 9 {{Bruch|1|2}} Höfe und 3 Sölden, Comburg 1804
10 Unterthanen. Durch Vertrag mit Comburg erhielt die Gemeinde
1559 einen eigenen Wald, dessen Schlagholz jährlich in 6 {{Bruch|1|2}} Theile gemacht wurden, 1 {{Bruch|1|2}} für die Comburg., 5 für die Limpurg. Unterthanen.
Die zuvor erwähnte Capelle, welche im Weiler gegen den Kocher hin
stand, wurde vor etwa 260 Jahren abgebrochen, nachdem schon 1587 die
Glocken nach Michelbach gebracht worden waren.

Auf einer Anhöhe am Kocher, im sogenannten Brühl, soll nach
Haller Chroniken ein längst verfallenes oder zerstörtes Schlößchen
gestanden und von demselben ein Geschlecht sich genannt haben, das ein
Einhorn im Wappen geführt.

g) Kohlhäu, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von M. auf dessen Markung, auf
der Höhe, rings von Wald umgeben; erst im letztverflossenen Jahrhundert entstanden und jetzt, als Eigenthum der Standesherrschaft, von einem
fürstlichen Waldschützen bewohnt.

In der Nähe war der im dreißigjährigen Kriege gestandene größere
Ort Kohlhofen, der noch 1541 als Filial von Michelbach genannt
wird. (Prescher II, 336.) Auf dem gegen Ober-Fischach hin gelegenen
waldigen Bergrücken sind noch die Ackerbeete zu unterscheiden.

h) Neumühle, 3/8 St. südöstlich von M. auf Hirschfelder Markung, auf der Oberamts-Grenze am Kocher gelegen, über welche die zuvor und S. 82 erwähnte Brücke führt. Eine vortreffliche Mahlmühle
und gut eingerichtete Sägmühle, 1587 aus Steinen der ehemaligen Capelle zu Hirschfelden durch die Herrschaft erbaut; seit längerer Zeit Privateigenthum.
{{Seite|175
i) Rauhen-Bretzingen, 3/8 St. nördlich von M., {{Bruch|1|4}} St. von
Gschlachten-Bretzingen am Remsbach, zu den Füßen des Einkorns, von
der geringeren Bodenbeschaffenheit so zugenannt. Der Ort ist, wie zuvor
bemerkt, alt und war schon frühe, wohl von den Grafen von Comburg
her, ein Besitzthum des Klosters Comburg, bestehend aus 15 Gütern,
über deren 4 es auch die Vogtei hatte. Diese stand im Übrigen von
Buchhorn her Limpurg zu, das nur ein 1541 von der Stadt Hall erworbenes Lehengut besaß. Daher war auch dieses Örtchen ein Condominat.
Im J. 1741 waren 21 Gemeinderechte vorhanden, wovon 17 mit 5
Bauern, 8 Söldnern und 4 Häuslern unter Limpurgischer Vogtei standen: auf den 4 Comburgischen Gemeinderechten saßen 1804 28 Comburg (Württemberg) vogtbare Unterthanen.

Im sogenannten Breitenlohe, da, wo der Weg vom Einkorn hierher sich scheidet, stand nach Haller Chroniken die Burg Bretzingen,
auch Altenhofen genannt, von welcher schon vor 300 Jahren nur noch
die Gräben zu sehen waren. Sie war der Sitz der Edelleute gleichen
Namens, von welchen 1256 Heinrich Abt in Comburg war. In einer
Comburgischen Urkunde von 1286 ist unter anderen Adeligen genannt:
Einhardus de Brezingen. (Wibel IV, 20.)

k) Steinbrück, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von M. auf der Markung von
Rauhen-Bretzingen, am Remsbach, über den eine „steinerne Brücke“
führt, an der Straße von Michelbach nach Hall. Der Weiler besteht aus
einem 1583 erbauten Wirthshause, in welches die Limpurgischen Unterthanen beider Bretzingen 1663 mit ihren Hochzeit-, Tauf- und Leichen-Schmäusen gebannt wurden, und einer 1500 erbauten Mahl- und Säg-Mühle, die von dem Remsbach und mehreren in einem oberhalb der
Mühle gelegenen Teiche gesammelten Quellen getrieben wird, und höchst
romantisch in einer engen, tiefen Felsenschlucht liegt, welche sich als Bett
des Remsbaches bis an den Kocher hinzieht.

l) Ziegelhütte, auf Hirschfelder Markung, oberhalb der Neumühle am Kocher; liefert eine sehr gute Waare, und war noch 1741 im
Besitze der Herrschaft und mit der Neumühle verpachtet.

An dem zwischen Kohlhäu und Michelbach liegenden Bergabhange
soll die Burg Entsee gestanden haben, deren letzte Spuren, welche noch
vor 300 Jahren zu erkennen waren, verschwunden sind. Ein Theil dieses
Bergabhanges heißt noch jetzt die „Enzenklinge.“ Die beiden Comburgischen Äbte Conrad von Entsee (1213 und 1215) sollen davon stammen.
In wie weit die Sage Glauben verdient, muß dahin gestellt bleiben, da
auch bei Rotenburg an der Tauber eine Burg Entsee stand.
{{Seite|176

Mtittel-Fischach.

Gemeinde III. Kl. mit 914 Einw. a. Mittel-Fischach, Pfd. 315 Einw., wor. 1 Kath. b. Engelhofen, W. 215 Einw., wor. 23 Kath. c. Rothhof, H.
2 Einw. d. Unter-Fischach, W. 296 Einw. e. Weiler, W. 56 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. u. b. sind nach Bühlerthann eingepfarrt.

Der Bezirk dieser Gemeinde, nördlich an das Oberamt Hall und östlich
an das Oberamt Ellwangen grenzend, gehört der untern Hälfte des Fischach-Thales mit seinen beiderseitigen Bergabhängen an. – Das bei dem
Einkorn auf der Haller Oberamts-Grenze beginnende Fischachthal, welches nur allmälig einige Breite gewinnt, ist zur rechten Seite von den
gegen den Kocher sich hinziehenden Limpurger Bergen, von denen einige
Ausläufer in südöstlicher Richtung ausgehen, begrenzt, von welchen der
östlichste die Wasserscheide zwischen der Fischach und der Bühler bildet,
und bei Bühlerthann gegen die Ellwanger Berge verläuft. Parallel mit
demselben gehen einige kürzere Ausläufer, die hügelförmig in das Fischachthal sich verlieren. Die linkseitigen bewaldeten Abhänge dieses
Thales gehören hauptsächlich nur zu demjenigen Theile hierher, welcher
mit Ober-Sontheim zusammenhängt. Die zuerst in südöstlicher, dann in
östlicher Richtung fließende und auf der Grenze des Oberamts Ellwangen
in die Bühler sich ergießende Fischach nimmt mehrere, meist unbedeutende Bäche, die ziemlich flache Mulden bilden, in ihren tiefer liegenden
Thalgrund auf; namentlich die dem Gemeindebezirk Ober-Fischach angehörigen Benzenbach, Brühlbach, Lustbach, Robach und Rambach, und die
unserer Gemeinde angehörigen Bühlbach, Breitenbach, Weilerbach und
Schaufelbach, welche sämmtlich rechts einmünden. Von der linken Seite
mündet bei Unter-Fischach der Sauerbrunnen ein: ein ehemaliger Gesundbrunnen, der Stahl- und Schwefel-Theile enthalten soll, früher alljährlich gereinigt wurde, seit vielen Jahren aber mit wildem Wasser angefüllt ist. Die Höhen sind bewaldet, die Abhänge angebaut, in der Thalmulde Wiesen. Der Boden ist schwer, im obern Thale von kaum mittlerer, im untern von etwas besserer Ertragsfähigkeit; in der Höhe mehr
Keuper, in der Tiefe meist Mergel (Leberkies). Er geht nicht tief und
ist schwierig zu bauen. Die Thalgründe sind theilweise sumpfig. Die
Luft ist feucht und neblig; die Abende, Nächte und Morgen sind Sommers kühl und Frühlingsfröste nicht selten. Die Erntezeit ist um etwa
14 Tage später als im Kocherthal, und empfindlichere Pflanzen gedeihen
nicht. Hagelschlag ist sehr selten; der Einkorn gilt als eine Wetterscheide.
An einigen Stellen findet sich Töpfererde. Sämmtliche Orte sind sehr
reichlich mit Wasser und zur Genüge mit Brunnen versehen; das in
{{Seite|177
Mittel-Fischach ist seiner kalkigen Bestandtheile wegen weniger gut.
Durch Mittel-Fischach geht die Landstraße von Gaildorf nach Crailsheim,
mit der in Mittel-Fischach die durch das obere Fischach-Thal sich ziehende
Vicinalstraße nach Geifertshofen sich verbindet. Die Einwohner sind kräftig und gesund, aufgeweckt und lebensfroh, gutartig und friedfertig, wohl
thätig und gastfreundlich. In ihrer Lebensweise (ob. S. 36 u. f.) spricht
sich ihre nach Verhältniß erfreuliche Wohlhabenheit aus. Die Bevölkerungezunahme ist mäßig, namentlich hat Mittel-Fischach die wenigsten
Geburten, s. S. 33. Ganz Arme gibt es wenige. Die Landwirthschaft
ist auf mittlerer Stufe; doch haben größere Güterbesitzer zweckmäßige
Bauarten angenommen. Der größere Theil der Äcker liegt an Abhängen. Die Haupterwerbsmittel bestehen in Feldbau und Holzhandel, bei
den Wohlhabenderen auch in Viehzucht; die Ärmeren verdienen viel
durch Holzmachen. Von Gewerben sind nur die gewöhnlichsten Handwerker vorhanden.

Die Markung der ganzen Gemeinde, abgetheilt zwischen den Orten
Mittel-Fischach, Engelhofen mit Rothhof, Unter-Fischach und Weiler,
umfaßt 5429 2/8 M., worunter 1705 6/8 M. Wald und 383 {{Bruch|1|2}} M. Weiden
und Öden, so daß 3,5 M. Baufeldes auf den Kopf bleiben. Die Culturverhältnisse kommen mit jenen von Ober-Fischach überein; deßgleichen
der Stand der Rindviehzucht. Es wird auch etwas Pferdezucht, deßgleichen Rindviehmastung und Gänsezucht betrieben. Von den Acker-Erzeugnissen kann Brodfrucht nach Außen verkauft werden.

Der Gemeindebezirk gehört dem Forstamte Comburg an. Das Gemeindevermögen genügt mehr als in mehreren anderen Gemeinden;
auch haben die ordentlichen Einnahmen der Stiftungspflege bis jüngst
den Zwecken entsprochen. Die ganze Gemeinde ist nach 
Mittel-Fischach
schulpflichtig. Die Zehenten gehörten in Rothhof dem Staat; der
große Zehenten in Engelhofen der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf; die kleinen Zehenten in Mittel-Fischach und Engelhofen der Pfarrei
Mittel-Fischach; die übrigen Zehentrechte der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach.

Bis 1806 gehörten Rothhof zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurrnbrand, Landamts Gaildorf; ein Theil von Engelhofen zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf, Pückler'schen Landamts Gaildorf;
der andere Cornburgische Theil kam 1805 an den Fürsten Löwenstein zu
Michelbach; die übrigen Orte zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Ober-Sontheim, Amts Ober-Sontheim, ausschließlich eines Antheiles von
Unter-Fischach, der 1808 vom Oberamte Vellberg dem Oberamte Gail-dorf zugetheilt wurde.
Von den einzelnen Orten kommt noch Folgendes zu erwähnen:
{{Seite|178
a) Das evang. Pfarrdorf Mittel-Fischach, früher St. Johannsen Vischach, liegt an der Fischach, an der Landstraße von Gaildorf nach
Crailsheim, welche hier von der zuvor erwähnten Fischachthal-Straße
gekreuzt wird, 2 St. nordöstlich von Gaildorf. Im nördlichen Theile
des sehr freundlichen Dörfchens steht die Kirche zu St. Johann dem Täufer; ein sehr altes, geringes und nicht geräumiges Gebäude, über dessen einem Fenster eingehauen: 15 F. H. Z. L. 95 (wahrscheinlich Friedrich
Herr zu Limpurg). Von den 3 Glocken sind zwei alt; die mittlere hat in Majuskeln die Umschrift: „Ave Maria gracia plena †“; die kleinere in neugothischen Minuskeln: „hilf uns Got vnd Maria zu aller Stund.“
Die Baulast liegt dem Heiligen ob, der auch das in der Mitte des Dorfes stehende Pfarrhaus zu erhalten hat. Im Schulhaus ist auch das Rathslokal eingerichtet. Das 
Kirchen-Patronat steht von Ober-Sontheim her
der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach zu. Der Schulfonds ist 22 fl.
41 kr. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb des Ortes.

Das Fischachthal gehörte größtentheils zu den Stiftungsgütern
des 1089 von den Grafen von Comburg gegründeten Klosters Comburg,
da wir diese frühe schon hier begütert finden. Mit der „villa Viscaha“,
welche sie 1090 dem Kloster schenkten, ist eines der drei Dörfer Fischach
gemeint; deßgleichen mit dem „predium suum Viscaha“, das 1095 Heinrich von Mulfingen nebst Bennenhouen demselben Kloster übergibt (W.
Urk.-Buch I, 397). In Mittel-Fischach treffen wir nachmals unter Hohenlohescher Lehenshoheit Haller Bürger begütert. Kraft von Enslingen
verkauft 1334 ein später vom Heiligen zu Bühlerzell erworbenes Gut;
Kraft von Hohenlohe eignet 1369 der Burg-Caplanei zu Bielrieth vier
Güter, die mit Bielrieth an die Stadt Hall und 1486 an den dortigen
Hospital gelangten; Seiz Egen vermacht 1371 ein Gut zu „Sant-Johanns-Vischach“ an die Catharinenkirche zu Hall. Conrad von Rechberg
zu Heuchlingen und seine Hausfrau Ytta stiften 1398 zu einer Seelmesse
in die Kirche zu Bühlerzell ein Gut. Nicht lange zuvor erst treten die
Schenken von Limpurg auf, die 1376 von Kraft von Sontheim einen
Hof, den sie 1398 an die Frühmesse zu Unter-Limpurg stiften, und 1379
von demselben 2 Huben kaufen; sie erwerben 1480 von Götz von Bachenstein ein Gut mit Vogtei und Gericht, und 1481 ein freies Gut; 1541
von der Stadt Hall 5 und 1562 2 Güter; 1563 von Conrad von Vellberg 2 Güter, nachdem er eines vom Lehensverband mit Hohenlohe befreit; 1578 tauschen sie von Ellwangen 2 Güter ein, und kaufen 1593
von den Vellberg'schen Allodial-Erben 1 Hof hier und 1 Hof in Ober-Fischach. Die hiesige Pfarrei kaufte 1482 von einem Bauern ein freies
Gut. So kam es, daß Limpurg 1741 alle Hoheit und Obrigkeit besaß
über 35 Unterthanen in 30 Wohnhäusern, nämlich 8 Hofbesitzer, 18
{{Seite|179
Söldner und 9 Häusler. Acht dieser Güter waren Heiligenpflegen und
Frühmessen lehenbar. (Prescher's Angabe (II, 308), daß noch 1782
Comburg 3 Güter gehörten, muß auf einer Verwechslung mit Unter-Fischach beruhen.)

Die Pfarrei wird bereits 1319 genannt, s. Engelhofen. Das Patronat trat Graf Albrecht von Hohenlohe 1482 gegen die Pfarrei Münster bei Creglingen an Limpurg ab, und kam 1775 an den jetzigen Inhaber.

Den großen Zehenten zu Unter-Fischach und Weiler, {{Bruch|2|3}} am alten
und {{Bruch|1|3}} am Novalzehenten zu Mittel-Fischach, Engelhofen und 
Ober-Sontheim und {{Bruch|3|4}} am kleinen Zehenten zu Ober-Sontheim, Mittel- und
Unter-Fischach, und Engelhofen kaufte Limpurg 1599 um 20.500 fl. von
der Stadt Hall, welche dieselben zuvor von Hohenlohe, das die Vellberg
damit belehnt hatte, erworben. Den hiesigen großen und Noval-Zehenten
erwarb die Standesherrschaft 1806 von Limpurg-Sontheim-Gaildorf.

b) Engelhofen, vormals Engelbolds- auch Engelbrechtshofen,
3/8 St. südwestlich von M. (Mittel-Fischach), links der Gaildorf-Crailsheimer Landstraße, am Waldgebirge, an dem Eingang eines romantischen
Nebenthälchens. Der ansehnliche Weiler ist von dem südlich herkommenden
Stielbach bewässert, welcher, nachdem er im Ort den von Rothhof herkommenden Klingenbach aufgenommen, den Namen Breitenbach annimmt. Er
war ein Condominat-Ort. Das Kloster Comburg verkauft 1319 dem
Conrad von Vohenstein, sacerdoti, rectori parochialis ecclesie S. Johannis Baptiste in Vischach, zwei Lehengüter in Engelboldshofen. Limpurg
kaufte 1380 von Ellwangen die Vogtei über den Weiler. Die Haller
Bürger von Morstein verkaufen 1423 der Präsenz zu St. Michael in
Hall ein Gut; 1545 treten die Spieß zu Morstein an Limpurg 2 Güter
ab, das 1557 von Hans Wolf von Rechberg zu Heuchlingen und seiner
Hausfrau, Maria v. Vellberg, 52 M. Wald kauft und 1578 von Ellwangen 2 Güter erwechselt. Christoph Adler zu Lindenau, Bürger zu Hall, besitzt 1592 einen Hof. Ein Gut und eine Sölde mit Vogtei erwechselt 1685
Limpurg von Hohenlohe-Langenburg, ebenso 1740 die Vogtei über ein
Gut von 
Hohenlohe-Kirchberg. Im Jahr 1741 hatte Limpurg in 15
Wohnhäusern 6 Bauern und 12 Söldner und Häusler, Comburg aber
6 Güter und über 3 derselben die Vogtei, worauf 1804 28 Einwohner
waren; zwei Lehen gehörten noch dem Heiligen zu Mittel-Fischach.

c) Rothhof, {{Bruch|3|4}} St. südostlich von M. an der zuvorgedachten
Landstraße; ein kleineres Hofgut.

d) Unter-Fischach, früher auch Grefen-Fischach (das Prescher
für einen abgegangenen Ort hält), 3/8 St. südöstlich von M. über dem
linken Ufer der Fischach, an der Grenze des Oberamts Ellwangen. Das
{{Seite|180
Örtchen ist von dem Weilerbach bewässert und hat an der Fischach eine
Mahlmühle. Auch dieses hatte zumal einige Herren (Condomini). Das
Kloster Comburg kauft 1361 von Hans von Enslingen 2, 1380 von Ellwangen 2 und 1410 von Conrad Münzmeister zu Unterlimpurg 2 Lehen
zu „Grefen-Fischach“. S. auch Rappoldshofen. Die Kirche Bühlerzell
kauft 1400 von einem Bauern sein freies Gut. Limpurg kauft 1380 von
Ellwangen 1 Gut und 1431 von der Brüderschaft zu St. Catharina in
Hall 1 Lehen, sowie 1541 von der Stadt Hall 7 und 1562 2 Güter,
1563 von Conrad von Vellberg 5, 1578 von Ellwangen 3 Güter, und
1593 von den Vellberg'schen Allodial-Erben 1 Hof. Als „Ganerben“
des Ortes werden jetzt Limpurg, Comburg, Rechberg zu Heuchlingen
und Ellwangen bezeichnet; 1741 als solche nur Limpurg und Comburg.
Ersteres hatte in 27 Wohnhäusern 12 Bauern, 13 Söldner und 1 Häusler, worunter die Unterlimpurger Frühmesse 1, die geistliche Verwaltung
Ober-Sontheim 3 und die Heiligenpflege Mittel-Fischach 4 Halbbauern
und Söldner. Comburg hatte 3 Güter mit Vogtei darüber, worauf 1804
17 Einwohner waren. (Dieser erwähnt Prescher aus dem bei Mittel-Fischach angegebenen Grunde nicht.)

e) Weiler, früher mit dem Beisatze „in der Fischach“, 5/8 St.
südlich von M., freundlich an dem Waldgebirge zur Seite des romantischen Weilerbach-Thälchens gelegen. Eberhard Leupolt, Caplan des heil.
Kreuzaltars in St. Michael zu Hall, vermacht 1436 an diesen Altar
„das Gut genannt Weyler, gelegen in der Vischach“ zu einer Seelmesse.
Im Jahr 1509 werden als Grundherren des Ortes die gedachte Caplanei
und die Caplanei zu Vellberg, als Obrigkeit aber die Stadt Hall und die
Herren von Vellberg bezeichnet. Limpurg erwechselt 1541 von Hall 2
Güter und 1546 von Vellberg 1 Gut. Diese Güter wurden in 2 Höfe
vereinigt, die 1741 das ganze Limpurgische Besitzthum bildeten. Nach
Prescher (II, 309) hatte der Ort 1785 38 Limpurgische und 19 Comburgische Unterthanenen. Über diesen Comburgischen Besitz ließ sich nichts
ermitteln; keinenfalls scheint Vogtei damit verbunden gewesen zu seyn.


Ober-Fischach,

Gemeinde III. Kl. mit 709 Einw. a. Ober-Fischach, Pfd. 293 Einw., worunter
23 Kath. b. Benzenhof, H. 21 Einw. c. Beutenmühle, 13 Einw. d. Herlebach, W. mit Lotthaus, Hs. 200 Einw., wor. 23 Kath. e. Rappoltshofen, W. 173 Einw., wor. 30 Kath. f. Röschbühl, Hs. 9 Einw. – Ev. Pfarrei;
die Kath. in Parz. a. sind nach Bühlerthann, die in Parz. d. nach Steinbach and die
in Parz. e. nach Bühlerthann eingepfarrt.

Die natürlichen Verhältnisse der Gemeinde sind bei Mittel-Fischach
angegeben. Sie gehört der obern Hälfte des Fischachthales an, grenzt
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nordwestlich, nördlich und östlich an das Oberamt Hall und hat zur
Verbindung mit der durch Mittel-Fischach führenden Landstraße bloß
die dort erwähnte Thalstraße, welche vorerst nur bis Herlebach geht.
Durch religiösen Sinn und stilles und eingezogenes Leben zeichnet sich
Herlebach aus. Die Vermögensverhältnisse sind noch günstiger als in den
unteren Fischachthal-Orten. Am wohlhabendsten sind Rappoldshofen
und Benzenhof, dann folgt Herlebach und hierauf Ober-Fischach. Die Erwerbsmittel sind schon angegeben. Rappoldshofen hat den besten, Herlebach, das dagegen vortreffliche Wiesen hat, den unergiebigsten Boden.
Das einzige größere geschlossene Gut ist der Benzenhof. In Ober-Fischach gerathen die Winterfrüchte, noch besser in Rappoldshofen, wo
auch der Flachs und die Hülsenfrüchte sehr gedeihen. Die Markung begreift 4818 3/8 M., worunter 1327 M. Wald und 439 2/8 M. Weide und
Öden, daher 4 M. Baufeldes, der größte Betreff im Bezirke, auf den
Kopf kommen, und Brodfrucht über das eigene Bedürfniß noch verkauft
werden kann, obwohl der Boden das Saatkorn kaum vierfach zurückgibt. Gewöhnlich wird Roggen, gemischte Frucht, Haber und viel Dinkel, auch etwas Waizen gebaut. Beim Haber ist die Aussaat 7–8, der
Ertrag 24, beim Dinkel 7–8 und 32, beim Roggen 3 und 16 bis 24
Simri. Klee wird viel, Reps neuerlich von Einzelnen gebaut. Die
Wiesen sind zweimähdig und theilweise sehr ergiebig; das Futter ist,
mit Ausnahme sumpfiger Stellen, wo ziemlich viel Schilfgras wächst,
gut. Ein M. Ackers kostet 50–100 fl., Wiesen 100–200 fl. Der
Obstbau liegt noch in der Wiege. Nur Rappoldshofen macht eine Ausnahme. Das feuchte Thal ist ihm sonst nicht günstig und die Straßen
sind nur spärlich mit Obstbäumen besetzt; doch wird in der Baumschule
in Ober-Fischach den Schulkindern Unterricht in der Baumzucht ertheilt.
Nach Hall wird viel Stammholz und Brennbolz geführt. Die Weiden
sind gut und werden mit eigenen Schafen beschlagen. Die Rindviehzucht ist in gutem Zustand; die Vermöglicheren haben sehr schönes Vieh.
Dasselbe wird zum Theil gemästet verkauft, namentlich in Herlebach
und Rappoldshofen. Auch Gänsezucht findet statt.

Die Gemeinde ist größern Theils dem Forstamte Crailsheim, kleinern Theils dem in Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse
der Gemeindepflege sind nicht ungünstig; das Stiftungsvermögen ist das
größte des Oberamtes. Die Schulverhältnisse entsprechen den kirchlichen. Mit Ausnahme von Rappoldshofen, wo dem Staat die Novalien gebühren, standen die Zehenten überall der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach zu.

Bis 1806 gehörten zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Michelbach,
in's Amt Michelbach, ganz Benzenhof und Röschbühl, so wie Antheile
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von Ober-Fischach, Herlebach und Rappoldshofen, wovon die württembergischen Antheile 1805 gleichfalls dahin gelangten (s. S. 106). Zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Ober-Sontheim, in's Amt Ober-Sontheim, gehörte Beutenmühle.

Die Orte einzeln betreffend:

a) Das evang. Pfarrdorf Ober-Fischach, früher St. Kilians-Fischach, 2 St. nordöstlich von Gaildorf, an der Grenze des Oberamts
Hall, auf dem rechten Ufer der Fischach, am Robach gelegen, gegen Osten,
Süden und Westen von Bergen umgeben. Das Dörfchen ist freundlich, stattlich und verräth Wohlstand. Die Häuser, denen meist Scheune und
Stallung angebaut sind, haben das untere Stockwerk von Stein. Mitten im Orte liegt sehr freundlich auf einer kleinen Anhöhe die helle, geräumige Kirche zum St. Kilian. Das Schiff ward im siebenzehnten
Jahrhundert, nachdem es im dreißigjährigen Kriege stark beschädigt worden, restaurirt. Der Thurm ist bis zum Glockenstuhle von Quadern, und
hat an seinen südlichen und östlichen Seiten in unregelmäßigen Entfernungen von einander kleine, etwa 12″ weite und 9″ hohe Halbkreisnischen, in welchen sich sogenannte gnostische Figuren: Reliefs, Blumen,
Arabesken, löwenartige Thiere, Vögel, Fratzen, Fische, Kreuze u. dergl.
darstellend, befinden. Die Lichtöffnungen des Thurmes sind länglich
viereckig, klein und schmal. Jene Figuren kommen mit denen an der
Kirche von Beutelsbach überein und sichern der früheren Kirche, von der
sie wohl noch herrühren, ein Alter von wenigstens 700 bis 800 Jahren.
Die Glocken sind nicht alt. Das von Gärten umgebene, sehr angenehme
Pfarrhaus daneben ist 1822 erbaut worden. Das Schulhaus, welches
die Standesherrschaft zu erhalten hat, dient auch als Rathhaus. Der
Pfarrsatz kam 1803 an Württemberg und 1806 an die Standesherrschaft
Limpurg-Michelbach. Die gegenwärtig mit einem Schulmeister und einem
Gehülfen besetzte Schule wird schon 1535 erwähnt, einen Fonds hat sie nicht; übrigens ist auch eine Industrieschule vorhanden.

Der größte Theil der grundherrlichen Rechte scheint seit alten Zeiten Comburg gehört zu haben (s. Mittel-Fischach). In den stürmischen Zeiten des Mittelalters machten sich 13 Comburg zinspflichtige
Gutsbesitzer den Schenken von Limburg vogtbar. Der Propst des bei
Comburg gelegenen St. Egidienklosters, Conrad von Herbolzheim, kaufte
1418 von dem Haller Bürger Hans Spieß 2 Güter, die er zu einer
Seelmesse in das gedachte Kloster stiftete. So entstand ein Condominat. Limpurg hatte außer dem bei Mittel-Fischach erwähnten Hof und
einem 1431 von der Bruderschaft zu St. Catharina in Hall erkauften
Gut die erwähnten Vogtrechte, Comburg aber über 3 Güter die Vogtei.
Im Jahr 1741 waren in 25 Wohngebäuden 10 Bauern, 13 Söldner und
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2 Häusler, ausgenommen die Comburg'schen Unterthanen, deren es
1804 überhaupt 22 waren.

Über die alte Pfarrei s. auch Herlebach. Die Kirche soll ursprünglich eine Wallfahrts-Capelle und das Pfarrhaus ein Klösterlein gewesen
sein. Das Kl. Ellwangen hatte schon früher den Pfarrsatz: 1383 wurde
ihm die Pfarrei incorporirt. Gleichwohl mußte Ellwangen den Schenken 1537 den Beisitz bei Abhör der Heiligenrechnungen zugestehen, und
so geschah es, daß dieselben 1574 den ersten evangelischen Pfarrer ernannten, und von da an viel über die Pfarrei gestritten wurde, bis man
am 3. October 1797 bestimmte, daß Limpurg das Recht des Vorschlags,
Ellwangen das der Bestätigung oder Verweigerung haben solle.

Durch die Nachlässigkeit einer kaiserlichen Fouragier-Abtheilung,
die nach der Nördlinger Schlacht auf dem Kirchhof bivouakirte, entstand
in der Kirche Feuer, das wahrscheinlich auch das Pfarrhaus verzehrte,
da 1822 bei dessen Neubau ganze Lagen verbrannter Frucht etc. gefunden
worden sind.

b) Renzenhof, 3/8 St. südwestlich von O. (Ober-Fischach) am
Benzenbach, der in der Nähe einen Weiher bildet. Dieses schöne Hofgut ist von 2 Familien bewohnt und hat 2 gute Wohn - und solide Ökonomie-Gebäude, welche den Hofraum schließen. Es wird schon 1095 bei
der Übergabe an Kloster Comburg als „Bennenhoven“ genannt, s. Mittel-Fischach. Limpurg erwarb 1544 den Hof von Comburg, und verpachtete ihn später als ein Kammergut, bis es ihn 1789 um 11.600 fl.
an 2 Bauern verkaufte. Noch vor etwa 100 Jahren lagen 3 Seen, zusammen 6–7 M. groß, dabei.

c) Beutenmühle, 3/8 St. südöstlich von O. auf den Ortsmarkungen von Rappoldshofen und Ober-Fischach, an der Fischach und an der
Oberamts-Grenze sehr freundlich gelegen. Eine neuerlich gut eingerichtete Mahl- und Säg-Mühle, welche Limpurg 1578 von Ellwangen eingetauscht hat.

d) Herlebach, früher Hörlebach und Herdelbach, {{Bruch|1|2}} St. nördlich
von O. an der Oberamts-Grenze, in dem hier sehr engen Thälchen, an
der ihrem Ursprunge nahen Fischach. Dazu gehört Lothhaus. Die
freundlichen stattlichen Gebäude sind, wie schon 1294, durch den Brühlbach in den oberen und unteren Weiler geschieden. Im Jahr 978 tritt
Bischof Balderich von Speyer an einen Cleriker und Diakon Wulfoald
neben andern Gütern im jetzigen Württemberg auch solche in „Herlibach“
ab (Dümge, Regesta Bad. S. 91), womit unser Ort gemeint seyn kann.
Wolfram und Sifried von Kottspühel, Ritter, verkaufen 1294 den ganzen
Zehenten „nobis ex antiqna quadam consuetudine, de qua tarnen laesam
conscientiam habuimus, pertinentes, de utraque villa dicta Herdelbach,
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sitam infra limites parochialis ecclesie de Vischach St. Kiliani“ dem
„domino Walthero dicto de Kottspühel, rectori ejusdem ecclesie“ um
35 Pfund Heller. Das Örtchen war gleichfalls ein Condominat. Comburg erwarb einen Hof, den Zürich von Gabelstein 1390 an den Haller
Bürger Rudolph Rut verkauft hatte. Limpurg kaufte 1420 von den
Haller Bürgern von Stetten das Holz Egenberg und das dazu gehörige
Gut, 1431 von der Brüderschaft zu St. Catharina in Hall die
Vogtei über 4 Comburg zinsbare Güter, 1562 von der Stadt Hall 3
Güter mit Vogtei und Gericht, und 1563 von Conrad von Vellberg ein
Gut mit denselben Rechten. Im Jahr 1741 waren in 17 Wohnhäusern
22 Unterthanen, davon 4 Comburg vogtbar und 11 lehenbar; 1785
waren 130 Limpurgische, 1804 33 Comburgische Einwohner vorhanden.

e) Rappoldshofen, 3/8 St. südöstlich von O. am Benzenbach,
ein freundliches Örtchen, dessen Gebäude von größerer Wohlhabenheit
zeugen; dasselbe war ebenfalls ein Condominat. Kraft von Heimberg schenkt 1299 dem Kloster Comburg einen Hellerzins aus hiesigen
Gütern. Hermann von Wollmershausen besitzt 1353 ein Gut. Mechtild
von Thalheim, Beringer, Wilhelm und Conrad von Hohenstein verzichten 1360 auf ihre Ansprüche an Güter des Klosters Comburg, das 1363
an Ellwangen eine Hube abtritt. Was den Limpurgischen Besitz angeht,
so übergibt Walther von Sontheim 1349 ein Gut an seine Schwester
im Kloster zu Unter-Limpurg, welches 1380 von Kraft von Sontheim,
Mönch zu Comburg und dessen Schwester Agnes, 2 weitere Güter erkauft, und 1398 stiftet Frau Ytta, Schenk's Conrad Wittwe, ein Gut
an die Frühmesse zu Unter-Limpurg. Die Schenken, an welche diese Güter bei der Reformation fielen, hatten schon 1406 von dem Haller Bürger Conrad Visel 1, von Hans von Thalheim 1552 2 Güter und
1562 von der Stadt Hall 1 Gut erworben. Im Jahr 1741 hatte Limpurg die Malefiz; die Vogtei besaßen Limpurg, Comburg und Ellwangen auf ihren Gütern; 1785 waren 2 Ellwangen'sche Güter, 74 Limpurgische Einwohner und 7 Comburgische Lehen, auf denen 1804 sich
39 Einwohner befanden, vorhanden.

f) Röschbühl oder Fallhaus, 3/8 St. südöstlich von O. auf
dessen Markung, auf der Grenze des Oberamts Hall, dem der jenseitige
Theil des Örtchens als eine Parzelle von Dörrenzimmern angehört
Es war früher der Sitz eines Nachrichters und Wasenmeisters.
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Ober-Gröningen.

Gemeinde III. Kl. mit 430 Einw. a. Ober-Gröningen, Pfd. 188 Einw. b. Algishofen, W. mit Röthenbach, Hs., Brand, Hs. und Brandhof, H. 87 Einw. c. Buchhof, W. 91 Einw. d. Fach, W. 42 Einw., wor. 20 Katholiken. e. Schlauchhof, H. 7 Einw.; f. Suhhaus, H. 10 Einw. g. Wahlenhalden, H. 5 Einw. – Evang. Pfarrei die Kath. in Parz. d. sind nach Hohenstatt eingepfarrt.

Diese dem Limpurger Oberland angehörige Gemeinde befindet sich
theils auf der bei Eschach und Frickenhofen erwähnten Hochebene mit
weiter Fernsicht, theils in dem gegen das Kocherthal abfallenden, die
beiderseitigen Ufer begrenzenden Waldgebirge, und östlich an das Oberamt Aalen stoßend. Das unter vielfachen Krümmungen in nordwestlicher
Richtung sich hinziehende Kocherthal ist hier und gegen Unter-Gröningen
hin tief, schmal und auf beiden Seiten von felsigen, quellenreichen Schluchten und steilen Höhen eingeengt, die an manchen Orten senkrechte Abstürze darbieten und mit düsterm Nadelwald bedeckt sind. Hier wechseln
die schönsten Naturgemälde, bald einen reizend sanften, bald einen wilden Ausdruck empfangend. Von den Schluchten sind namentlich jene
zu erwähnen, welche in nördlicher Richtung der Suhbach und der Streitbach bewässert. Überschwemmungen des Kochers kommen wegen seines
hier tiefen Bettes nur bei Schneeabgang vor, sind aber auch dann nicht
von Bedeutung. Jede Parzelle hat ihre Brunnen. Der Boden, meist
tiefgründiger, schwerer Lehm, ist eben nicht fruchtbar, die Luft rein,
scharf und gesund. Die Gemeinde hat die meisten alten Leute, s. S. 32.
(Vergleiche auch Eschach und Frickenhofen.) Durch den Gemeindebezirk
führt die neue Amtskörperschaftsstraße von Gschwend über Ober-Gröningen an die Oberamtsgrenze Aalen. Ober-Gröningen und einige Höfe
sind vermöglich; im Allgemeinen finden die Leute ihr Auskommen. Feldbau, Vieh- und Holzhandel und Taglohn sind die Erwerbsquellen.
Die Gesammt-Markung ist 1860 4/8 M. groß, darunter 376 7/8 M. Wald
und 149 6/8 M. Weide und Öden, wornach 2,8 M. Baufeldes auf den
Kopf treffen. Die Äcker liegen an den Bergabhängen und sind daher
schwer zu bauen; die Wiesen im Thale. Das Fruchterzeugniß kommt dem
eigenen Brodbedarf gleich. Es wird hauptsächlich Roggen und Haber,
dann Dinkel, Gerste und Wicken gebaut. Auf einen Scheffel Aussaat
rechnet man vier Scheffel Ertrag. Der Pflug bedarf 4 Ochsen als Anspann. Außerdem werden Kartoffeln, Klee und Hanf, der aber grob ist,
gebaut. Ein Morgen Ackers kostet 25–100 fl. Die Wiesen, meist zweimähdig, werden zum Theil gewässert und geben ein gutes Futter. Das
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Obst wird nicht geachtet, weßhalb man es „Grabsig“ nennt, das man
grabsen oder stehlen darf. Die Zucht desselben ist sehr gering. Der
Stand des Rindviehs ist schön; es wird nur im Herbst einige Wochen
ausgetrieben.

Der Gemeinde-Bezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt. Die
Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind nicht so beschaffen, daß
nicht namhafte Umlagen für dieselbe erforderlich wären; auch die
Einnahmen der Stiftungspflege genügen ihren Zwecken nicht. Der
Schulverband entspricht dem Kirchsprengel. Zehentherr war bisher der
Staat, mit der Beschränkung, daß am großen Zehenten in 
Ober-Gröningen Graf von Adelmann, in Algishofen, Fach und Schlauchhof die Stiftungspflege Ober-Gröningen, und am kleinen Zehenten in Ober-Gröningen die Pfarrei Schechingen, in Fach die Pfarrei Eschach Theil
hatten.

Bis 1806 bildete die ganze Gemeinde einen Bestandtheil der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gröningen, Amts Untergröningen, mit Ausnahme von Brandhof, das bis dahin zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Amts Gschwend, gehört hat.

Die einzelnen Orte:

a) Das evang. Pfarrdörfchen Ober-Gröningen liegt 4 {{Bruch|1|2}} St.
südöstlich von Gaildorf, auf der Hochfläche, an der Straße und nahe an
der Oberamtsgrenze, in einer kesselförmigen, grasreichen Aue, welche
den ganzen östlichen Theil des Ortes umkränzt und Anfangs einen freundlich sanften Anblick gewährend, wildromantisch durch eine tannenreiche
Schlucht in's Kocherthal sich hinabzieht. Die kleine düstere Kirche zum
h. Nicolaus hat an einem steinernen Behältniß im Chor die eingehauene Jahreszahl 1427. Auf dem kleinen Thurme hängen 3 Glocken,
wovon eine vom Jahr 1492 von dem mehrerwähnten Lachamann. Die
Baulast liegt dem nicht vermöglichen Heiligen ob. Das hoch und frei
gelegene, die gedachte Aue beherrschende, 1837 von der Gemeinde erbaute,
Pfarrhaus gewährt eine schöne Fernsicht. Das 1829 von der Gemeinde
erbaute Schulhaus wurde 1846 erweitert. Das Patronat ist königlich.
Die Schule, seit etwa 90 Jahren bestehend, bis wohin die in Unter-Gröningen für den ganzen Pfarrsprengel gemeinschaftlich war, hat keinen
Fonds. Der Begräbnißplatz ist im Dorfe.

In Gröningen – ob hier oder in Unter-Gröningen, ließ sich nicht
ermitteln – war Comburg mindestens seit 1248 begütert. Das Dorf
kaufte 1436 Limpurg mit Unter-Gröningen; es zählte damals 9 Höfe
und Lehen und theilte von da an seine Geschicke mit Unter-Gröningen.
Die zugleich erworbene Pfarrei scheint von hohem Alter zu seyn. Im
dreißigjährigen Kriege haben die Einwohner viel gelitten und sich oft
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in dem Wegstetter Wald in einem Verhack lang aufhalten müssen;
Manche wurden 1634 getödtet, Viele rieß die Pest hinweg. Der Ort
hatte 1741 nur 18 Bauernhäuser und 1767 136 Einwohner.

b) Algishofen, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. (Ober-Gröningen)
beim Einfluß des Röthenbachs und Suhbachs in den Kocher. Dazu gehören eine Mahlmühle und die einzelnen Häuser Röthenbach und
Brand. Limpurg kaufte 1436 mit Gröningen die Mühle und 2 Güter;
1741 waren in 8 Wohngebäuden 8 Unterthanen und 1 Ausdinger; 1767
42 Einwohner.

c) Brandhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. über dem linken Kocherufer. Eine neuere Ansiedelung.

d) Buchhof, 3/8 St. nordwestlich von O. auf der Hochfläche über
dem sogenannten Buchwald; ursprünglich ein kleiner Hof, der 1767 nur
5 Einwohner hatte.

e) Fach, früher Vach, 5/8 St. nördlich von O. auf der Grenze
des Oberamts Aalen und dem linken Kocherufer. Hier war Kloster
Lorch frühe schon begütert; 1239 überläßt es „mansum nostrum situm
in Vache“ einem Ritter Ulrich von Merchingen auf Lebenszeit gegen
12 Pfund Heller. S. auch Kemmnathen und Stixenhof. Ein Gut erwarb Limpurg mit der Herrschaft Gröningen; ein zweites, das 1414 der
Gmünder Bürger Cyr Kirchberg an die St. Veitskapelle zu Gmünd verkauft hatte, wurde 1557 von der Stadt Gmünd erwechselt. Auch
die Herren von Adelmann zu Hohenstatt hatten ein Gut, das 1741, wo
Limpurg 3 Unterthanen und 2 Ausdinger hatte, in den Händen der
Propstei Ellwangen sich findet.

f) Schlauchhof, 3/8 St. nördlich von O. über dem linkseitigen
Kocherufer; ein 1702 angelegtes Waldgütchen.

g) Suhhaus, 3/8 St. nordwestlich von O. am Suhbach, auf der
Markung von Schlauchhof.

h) Wahlenhalden, 5/8 St. nördlich von O. über dem rechtseitigen Kocherufer. Ein kleines 1720 aus dem zu Algishofen gehörigen
Felde Wahlenhalden angelegtes Gütchen.

Zwischen Algishofen und Schlauchhof erhebt sich auf dem linken
Kocherufer ein Hügel, der „Schloßburren“ genannt, wo man noch
Reste von Wall und Graben sieht. Das Volk spricht von einem Schlosse
Eulenburg, das hier gestanden habe. Ob die Burg der ursprüngliche Sitz der Herren von Gröningen gewesen und diese später nach Gröningen übergesiedelt, muß dahin gestellt bleiben.
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Ober-Roth.

Gemeinde II. Kl. mit 2355 Einw. a. Ober-Roth, Pfd. mit Neumühle 787
Einw. b. Badhaus, H. 19 Einw. c. Brennhof, 7 Einw. d. Dexeberg
mit Dexelhof, H. 6 Einw. e. Ebersberg, W. mit der Ziegelhütte, 175 Einw.
f. Ebersberger-Sägmühle, 8 Einw. g. Ernstenhöfle, H. 7 Einw.
h. Frankenberg, 127	Einw. i. Frankenberger-Sägmühle, 10 Einw.
k. Glashofen, W. 146 Einw. l. Hammerschmiede, Hs. 12 Einw. m. Hohenhardsweiler, W. 160 Einw. n. Jaghaus, W. 24 Einw. o. Konhalden, W. 37. Einw. p. Kornberg, W. 74 Einw. q. Obere Kronberger-Sägmühle, 7 Einw. r. Untere Kronberger-Sägmühle, 15 Einw.
s. Marbächle, W. 119 Einw. t. Marhördt, W. 61 Einw. u. Marhördter-Mühle, 11 Einw. v. Obermühle, 121 Einw. w. Osenberg, H. 9 Einw.
x. Seehölzle, W. 28 Einw. y. Stiershof, W. mit Falkenhölzle, Hs.
151 Einw., wor. 1 Kath. z. Wolfenbrück, W. 234 Einw. – Evang. Pfarrei
; Parz. i. Fil. von Westheim, Parz. z. Fil. von Murrhardt, theilweise; die Kath. in
Parz. y. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.

Die vielen diese Gemeinde bildenden Parzellen gehören dem Roththal, dessen beiderseitigen Gehängen und der über ihnen gelegenen
Flächen an. Der Bezirk grenzt nördlich an das Oberamt Hall, westlich, südwestlich und südlich an das Oberamt Backnang. Das Thal erreicht, wie schon erwähnt, zwischen Hausen und Ober-Roth die verhältnißmäßig größte Breite. Auf dem Gebirgsrücken zwischen dem Roththale und Murrthale bei Glashofen ist die S. 6 gedachte meist dem
Oberamte Backnang angehörige Wasserscheide, da der bei Wolfenbrück
entspringende Frohnbach südöstlich mit der Murr sich vereinigt, indeß
mehrere kleine Gewässer unseres Gemeindebezirkes, namentlich von Westen der Frohnbach, und Wimbach, von Südwesten der Maßlensbach und
der Mühlbach, von Osten aber der Stiersbach, Finsterklingenbach, der
Altebach und Sollbach mit ihren Zuflüssen in die Roth sich ergießen.
Durch das Thal zieht die bei Hausen und Hütten erwähnte Landstraße
von Gaildorf nach Mainhardt. Der Boden ist theilweise undankbar
und erzeugt keineswegs das Brodbedürfniß. Vielmehr beruhen die
Hauptnahrungszweige auf der Viehzucht, dem Holzhandel und verschiedenen Arbeiten im Taglohn. Die Vermögensverhältnisse und das Auskommen der Einwohner sind im Allgemeinen ungünstig. Die Bevölkerung
hat sich auch in dieser Gemeinde seit 1785 verdoppelt. Die Markungsfläche
der Gesammt-Gemeinde mit 10.186 {{Bruch|1|2}} M. ist zwar die größte von allen,
allein sie hat 3881 {{Bruch|1|2}} M., also über {{Bruch|1|3}} Wald und 955 M. Weiden und
Öden, so daß der durchschnittliche Betreff an Baufeld nur 2,1 M. auf den
Kopf beträgt. Erwähnenswerth ist, daß seit 5 Jahren der Repsbau immer mehr Aufnahme findet. Auch der Hopfenbau kommt mehr und mehr
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in Aufnahme, da das hiesige Erzeugniß jenem von Spalt in nichts nachstehen soll. Der noch 1607 erwähnte Weinbau wurde längst aufgegeben. Der Wiesenbau ist bei den oben S. 58 erwähnten vortrefflichen
Thalgründen eine Hauptsache. Der Rindviehstand ist bedeutend und
bei den Vermöglichen sehr schön. Der Käsefabrik in Ober-Roth ist
S. 68 gedacht. Die Zahl der Ziegen ist der vielen Ärmeren wegen
sehr groß; auch die Bienenzucht ist bedeutend. Außer mehreren Mühlwerken sind weitere Gewerbe nicht erwähnenswerth. Im Übrigen ist
das bei Hausen und Vichberg Bemerkte zu vergleichen.

In forstamtlicher Hinsicht bildet die Roth die Grenze zwischen den
Forstämtern Reichenberg (mit den auf dem rechten Ufer liegenden Parzellen) und Comburg. Das Vermögen der Gemeinde ist mittelmäßig, das
der Stiftungspflege etwas günstiger. Es sind zwei größere Stiftungen
vorhanden: eine von 792 fl. für die Hausarmen in Ober-Roth, und eine
von der Wittwe des Kammerraths Knorr in Ober-Roth von 1794
mit 1000 fl. für die Hausarmen der vormaligen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Assenheim. Volksschulen sind in Ober-Roth, Frankenberg und
Marhördt. Die Zehenten gebührten bisher: der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth in Dexelberg, Ebersberg, Konhalden, Marbächle und
theilweise in Ober-Roth und Glashofen; der Pfarrei Ober-Roth in
Brennhof, Hohenhardtsweiler und theilweise in Ober-Roth, Glashofen
und Wolfenbrück; dem Staat, neben Antheilen von Ober-Roth und
Glashofen, in den nicht genannten Orten. Über die Bestandtheile der
Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth s. S. 74 und 103.

Bis 1806 waren zugetheilt: dem Oberamte Backnang: Ofenberg
und Antheile von Ebersberg, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle
und Stiershof; dem Kloster-Oberamte Murrhardt: Ernstenhöfle, Jaghaus und Antheile von Frankenberg, Glashofen, Obermühle und Wolfenbrück; der Pflege Westheim: Seehölzle und Antheil von Frankenberg; dem Stabsamte Rosengarten: Antheil von Hohenhardtsweiler; dem
Amte Ober-Roth, der schon seit 1781 theilweise württembergischen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim: neben Antheilen von Ebersberg, Frankenberg, Glashofen, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle,
Stiershof und Wolfenbrück die übrigen Orte der Gemeinde. Auch
Hohenlohe-Bartenstein hatte Rechte. S. hiernach.

Näheres über die einzelnen Orte:

a) Das ansehnliche und stattliche evang. Pfandorf Ober-Roth
liegt 2 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Gaildorf, in der Mitte des schönen
wiesenreichen Roththales, von dem westlich herkommenden Frohnbach
bewässert, welcher sich in das in südöstlicher Richtung ganz nahe 
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vorbeifließende helle Rothflüßchen ergießt. Es ist der Sitz des Rentbeamten
der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth, hat ein halbstädtisches Aussehen, ist wohl gebaut und gepflästert. Nahe bei der Roth liegt die
schöne aus Quadern erbaute Kirche zum St. Bonifacius. Ein Stein
über einer der Thüren zeigt in erhabener Arbeit das Wappen Limpurgs
und der von Roth, und den Kloster Murrhardt'schen Abtsstab mit der
Jahreszahl 1513. Wahrscheinlich ist das jetzige, 1822 erweiterte Gebäude in diesem Jahr errichtet worden. In der Kirche sind einige sehr
schön gearbeitete Denkmale des alten hallischen Geschlechtes der Senften
von Sulberg, namentlich von 1614 und 1627. An der Kirchthüre steht
ein Gedächtnißstein an Fritz von Roth von 1482. Älter als die Kirche
ist der Thurm, von unten hinauf mit schlechten kleinen Steinen aufgemauert, von der Mitte an aber, so wie die Kirche selbst von unten, mit
Quadersteinen erbaut; woraus folgen möchte, daß der Thurm ursprünglich nur eine kleine Capelle war. Die drei Glocken sind alt. Die kleine ohne Jahreszahl hat Reliefs: Christus am Kreuz und Mariä Verkündigung; die zweite hat in Minuskeln eine nicht ganz leserliche Umschrift
mit der Jahreszahl 1443 (nicht 1404 wie Prescher angibt); die dritte
hat die Umschrift: „Osanna heis ich in unser Frauen er leut ich bernhart lachamann gos mich 1496.“ Die Baulast hat der Heilige. Das
der Kirche angenehm gegenüberliegende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Murrhardt der Staat zu erhalten. Das große Schulhaus wurde
1834 mit einem Aufwande von 5548 fl. durch Umlage auf die Pfarrgemeinde erbaut und das alte Schulhaus zum Rathhaus bestimmt.
Der beträchtliche Gemeindeboden ist 1771 unter die Einwohner vertheilt
worden. Das Patronatrecht steht der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck
zu. An der Volksschule stehen 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer und 1 Gehülfe. Der mit Marhördt gemeinschaftliche Schulfonds beträgt 326 fl.
37 kr. Außerdem ist eine Industrieschule vorhanden, auch wurden früher (noch 1827) die Knaben in einer besondern Baumschule in der Obstzucht unterrichtet. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb des Dorfes.

Der Ort ist von hohem Alter. Schon 788 schenkte Hiltisnoot, die
Tochter eines Suabuled, das neuerrichtete Kloster Baumerlenbach (Oberamts Öhringen) mit Zugehörungen dem Kloster Lorsch an der Bergstraße, und darunter „in Cochengewe in Westheimer marcha, in loco qui
dicitur Roadhaha hubas quinque et mansos V... et basilicam illic constructam ad integrum“ (Cod. Lauresham. I. S. 30). Im Jahr
848 gab der Abt Hatto von Fulda tauschweise an einen Grafen Sigehard, was das Kloster Fulda besaß „in pago Cochingowe in duabus
villis id est in Rotaha et in Vuestheim –“ (Württemb. Urk. Buch I,
135). Hiermit ist wahrscheinlich Ober-Roth gemeint, obgleich auch 
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wegen seiner alten Kirche auf das nahe Mittel-Roth geschlossen werden
könnte. Auch tritt frühe schon das Geschlecht der von Roth auf, das
auf der unten zu erwähnenden Burg saß und namhafte Rechte in dem
Thale, besonders auch in Ober-Roth, inne hatte. Conrad und Wilhelm
von Roth, Gebrüder, Götzen von Roth genannt von Schechingen,
Söhne, verkaufen 1367 an Limpurg um 70 Pfd. Heller ihren Theil an
dem Burgstall zu Roth, 1 Gut zu Ober-Roth, 2 Güter zu dem Badehause, 1 Sölde zum Dechsenberg, 2 Sölden zu Ebersberg, 1 Gut zu
Frankenberg, 1 zu Eichenkirnberg, 1 Lehen zu Glashofen, {{Bruch|1|6}} des Gerichts, der eigenen Leute und Waldungen, worunter auch der von Ochsenberg Antheil hieran. Albrecht Graf von Löwenstein verkauft 1370
an Limpurg um 400 Pfd. Heller folgende von Fritz von Roth genannt von Pflugfelden, erworbene Güter: seinen Theil am Burgstall,
4 Güter zu Wonarzweiler, den Keyenberg, die Lohmühle und 2 Lehen, so
wie in Ober-Roth 1 Hof, das Birkach, den See, ein Haus an der Badstube
und 4 Lehen. Burkhardt und Friedrich Sturmfeder verkaufen 1370 um
200 fl. und 300 Pfd. Heller an Limpurg Alles, was sie zu Ober-Roth
haben und in dessen Pfarrei gehört, auch was sie zu Hütten und Erlach haben,
ausgenommen ihre Bannwälder. Conrad und Götz von Roth, Gebrüder,
verkaufen 1371 an Limpurg um 364 Pfd. Heller ihren Antheil des
Burgstalls, der Wälder, Weiden, des Gerichts, „des Baumgartens vor
der Burg,“ die Hankrazmühle, 1 Hof und 3 Lehen zu Ober-Roth, das
Gut zu Glashofen, „von dem Burkey“ daselbst 21 Schätz Haber, 1 Gut
zu Yttendorf und 2 Güter zu Ebersberg. Hans von Roth verkauft an
Limpurg 1410 um 51 fl. seinen Theil am Burgstall und an dem Gericht,
der Taferne und den Bannwäldern, worunter „die vordere Hochwart“
genannt wird. Priedt (Brigitte) von Nypperg, Peter's von Stetten Wittwe
zu Hall, verkauft 1419 ein Gut an den St. Leonhards-Altar in St. Michael zu Hall. Caspar von Roth trug 1506 und noch nach 1530 von Limpurg zu Mannlehen: einen Theil am Burgstall, die Hälfte der Mahl-
und Säg-Mühle dabei, 1/12 am Gericht zu Ober-Roth und 20 zur Burg
gehörige Güter zu Ober-Roth, Wolfenbrück, Glashofen, Ebersberg,
Dechsenberg und Badhaus. So waren die Schenken in dem Besitz des
größten Theiles der Roth'schen Güter. Ein anderer kleiner Theil scheint
an das Kloster Murrhardt gekommen zu seyn. Herzog Christoph von
Württemberg, wohl als Murrhardt'scher Kastvogt, hatte an Margaretha,
Catharina und Apollonia, die Töchter eines Caspar von Roth, 1 Gut zu
Kornberg, 1 zu Obermühle, 1 Hof zu Honharzweiler, genannt zu der Haid,
und ein weiteres Gut daselbst verliehen. Im Jahr 1594, als diese Güter
längst heimgefallen waren, wurden sie von Herzog Friedrich an Ernfried
Senft von Sulburg in Ober-Roth als Mannlehen gegeben, nachdem schon
{{Seite|192
1576 Heinrich Senft von Sulburg mit einem Jagdbezirke „und Antvögel
(Enten) uff der Roth zu schießen“ von Württemberg belehnt worden war.
Ernfried starb 1631 in Italien, als der Letzte seines Stammes, worauf
die Güter nicht wieder verliehen, sondern dem Amt Backnang einverleibt
wurden. Die Senft hatten seit 1571 ein im Dorfe gelegenes Schlößlein inne, das einst nach Haller Chroniken, von denen von Roth bewohnt
war, und die Schenken um 1555 denen von Gaisberg gegen ihren Antheil an dem Dorfe Schnaith, Oberamts Schorndorf, abgetreten hatten.
Georg von Gaisberg saß 1565 auf diesem „freien Edelmannssitz.“ Der
hier 1690 gestorbene Conrad von Tessin, Limpurgischer Hofmeister,
scheint nach den Senft das Gut erworben zu haben. Die vom Kloster
Murrhardt herrührenden {{Bruch|2|3}} des Fruchtzehentens ({{Bruch|1|3}} gehörte der Ortspfarrei) und den ganzen Weinzehenten erwarb Limpurg 1607 von Württemberg.

Die Pfarrei ist, wie schon bemerkt, von sehr hohem Alter. Wie und
wann dieselbe vom Kloster Baum-Erlenbach an das Kloster Murrhardt
gelangt, ist unbekannt. Das letztere hatte schon lange vor der Reformation den Pfarrsatz. Nach derselben war das Confirmationsrecht in
den Händen der Herrschaft Limpurg-Gaildorf, und kam 1806 an die
Krone, welche das ihr zugestandene Patronatrecht 1819 den gräflichen
Häusern Waldeck und Ysenburg überließ, worauf 1824 Ysenburg seinen
Antheil an Waldeck abtrat.

Ober-Roth wurde 1449 oder 1450 abgebrannt und 1525 während
des Bauernaufstandes von den Völkern des schwäbischen Bundes geplündert. Im dreißigjährigen Kriege hatte es harte Schicksale; 1635
starben aus der Pfarrgemeinde 218 Personen. Ober-Roth hatte 1785
400 Einwohner.

b) Badhaus, 7/8 St. nordwestlich von O. (Ober-Roth) am Einflusse des Mühlbachs in die Roth. Wird schon 1367 als Badhaus bezeichnet, s. zuvor.

c) Brennhof, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf dem rechten Rothufer. Ein mittleres, vor 260–270 Jahren angelegtes Gut.

d) Dexelberg, früher auch Techsenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. zunächst dem Brennhof. Dazu gehört Dexelhof. Gehörte
zur Burg Roth und wurde später mit Konhalden verbunden.

e) Ebersberg, mit Ziegelhütte, 3/8 St nordwestlich von O.
über dem rechten Rothufer. War ein Condominat. Einen Theil erwarb Limpurg mit der Burg Roth; ein anderer, 1789 mit 2 Gütern,
gehörte Hohenlohe-Bartenstein; einige Unterthanen gehörten in das altwürttembergische Amt und Stadtgericht Backnang. Die vom Kloster
Murrhardt herrührenden Zehenten in Ebersberg, Kornberg, Konhalden
{{Seite|193
und Obermühle mit einem Hof in Glashofen trat Württemberg 1607
in Limpurg ab.

Auf der Markung befinden sich auf einem Berg-Vorsprunge über
dem Roth-Thal die nur noch in den Grundmauern eines runden Thurmes und einigen Ringmauern bestehenden Reste einer Burg. Zunächst
am Orte heißt noch ein Weg die Burggasse. Hier lag vielleicht das
„Burkey“, welches Limpurg 1371 mit Roth kaufte.

f) Ebersberger-Sägmühle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Ebersberg, auf dessen Markung, am Maslenbach.

g) Ernstenhöfle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von O., ein 1720 im Kloster Murrhardt'schen Wald angelegtes schlechtes Gütchen.

h) Frankenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von O. über dem linken
Roth-Ufer, an der Grenze des Oberamts Hall. Die zur hiesigen Schule
gehörigen Stiftungen sind mit jener von Westheim gemeinschaftlich;
der Schulfonds beträgt 22 fl. 41 kr. Auch dieser Ort hatte zugleich mehrere Herren. Limpurg, das 1421 den Haller Bürger Wilhelm Schlez
und 1505 den Haller Bürger Heinrich Spieß mit der Vogtei belehnte,
erwarb einen Theil mit Roth; 7 andere Güter gehörten vom Kloster
Murrhardt her theils in die Pflege Westheim und theils in's Amt Murrhardt. Georg Friedrich vom Holtz tritt 1643 an Limpurg ein ihm geeignetes Lehen gegen einen halben Hof zu 
Vorder-Steinenberg ab.

i) Frankenberger-Sägmühle, auch Frankenbergle,
auf der Frankenberger Markung, am Dentelbach.

k) Glashofen, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von O. auf einem Berge über
dem rechten Roth-Ufer; aus zerstreut liegenden Wohnungen bestehend,
gleichfalls ein Condominat-Örtchen. Limpurg erwarb mit Roth einige
Güter; andere waren auf Kloster Murrhardt'schem Boden angelegt.
Limpurg erwechselt 1607 von Württemberg das sogenannte Conventgut.
Ein Waltherus de Glashoven kommt 1371 in einer Limpurgischen-Urkunde vor, s. auch Münster.

l) Hammerschmiede, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O., an der
Roth, auf Kornberger Markung; ein vor etwa 160 Jahren erbautes
Hammerwerk.

m) Hohenhardtsweiler, Hohnartsweiler, früher
Honortsweiler und Wohnhartsweiler, 5/8 St. nordöstlich von
O. auf dem Gebirge über dem linkseitigen Roth-Ufer, an der 
Oberamts-Grenze Hall, aus zerstreut liegenden Häusern bestehend. War ebenfalls
Condominat. Limpurg kaufte 1370 mit Roth 4, und 1407 von Greth
von Öttendorf 4 Güter (s. auch Spöck). Die Reichsstadt Hall hatte
einige Unterthanen, die Kl. Murrhardt'sche Pflege 3 Lehengüter, und 1804
Württemberg 22 Unterthanen, die in's Stadtgericht Backnang gehörten.
{{Seite|194
n) Jaghaus, {{Bruch|1|2}} St. südlich von O. an der Grenze des Oberamts Backnang; ein kleines Gut des Klosters Murrhardt.

o) Konhalden, auch Cunhalden, 7/8 St. nordwestlich von
O. an der gedachten Grenze; ein mit Roth erkaufter Hof.

p) Kornberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über
dem linkseitigen Roth-Ufer. Gleichfalls ein Condominat, wovon Limpurg 1370 einen Theil von Sturmfeder erwarb; der altwürttembergische
Antheil, 1804 mit 9 Unterthanen, gehörte in's Stadtgericht Backnang.

q) Obere und r) Untere Kornberger-Sägmühle, je
{{Bruch|1|4}} St. oberhalb und unterhalb von Kornberg, an der Roth.

s) Marbächle oder Morbächle, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O.
an der Backnanger Oberamts-Grenze.

t) Marhördt, auch Marrhördt, 1 3/8 St. nordwestlich von
O. zunächst bei Marbächle. Zu dem mit 2500 fl. im Jahr 1844 erbauten Schulhause gab der Staat 400 fl. Beitrag; die Ortseinwohner
haben dazu eine Glocke gekauft. – Marbächle und Marhördt liegen
in dem Walde Rindsbuch, den Limpurg theilweise 1367 und 1410 von
denen von Roth und theilweise 1556 von Württemberg erworben. Beide
Orte waren noch 1557 Höfe.

u) Marhördter-Mühle, zunächst bei Marhördt, auf dessen
Markung, an dem aus dem vereinigten Aschenbach und Morbach besteden Mühlbach.

v) Obermühle oder Obermühlen, 5/8 St. nordwestlich von
O. zunächst der Roth, an dem Keyenberg. Auch hier war ein Condominat. Wie Limpurg seinen Antheil erwarb, ist bei Ober-Roth bemerkt.
Die Frauen-Klause zu Unter-Limpurg besaß ein 1360 von Ulrich von
Morstein erkauftes Gut. Der Haller Bürger Peter Fürer (Feurer) verkauft 1392 eine Gülte „uff der obern Müle gelegen vnter Rote der Veste,
die da gestanden ist,“ an St. Wendelin's Altar im Siechen-Spital zu
Hall. Außerdem waren bis in die neuere Zeit württembergische und
Kloster Murrhardt'sche Unterthanen hier, die beziehungsweise nach Backnang und Murrhardt gehörten. S. auch Ebersberg.

w) Ofenberg, auch Offenberg, 1 {{Bruch|1|8}} St. nordwestlich von
O. auf einer Höhe über dem rechten Roth-Ufer. Ein auf Reichenberger
Forstboden angelegtes Gütchen, das in's Stadtgericht Backnang gehörte.

x) Seehölzle, 5/8 St. nordöstlich von O. an der Haller Oberamts-Grenze. Ein kleines, Kloster Murrhardt gehöriges, dessen Pflege
Westheim zugetheilt gewesenes Gut.

y) Stiershof mit Falkenhölzle, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich von O.
über dem Stiersbach. Auch ein Condominat zwischen Limpurg und
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Württemberg, das in letzterer Hinsicht zum Stadtgericht Backnang gehörte. Im Jahr 1785 zählte der Ort 44 Einwohner.

z) Wolfenbrück, 1 {{Bruch|1|8}} St. westlich von O. beim Ursprunge des
Fornsbachs an der Grenze des Oberamts Backnang. Auch dieser aus
zerstreut liegenden Häusern bestehende Ort war ein Condominat. Ein
Simon (?) von Roth schenkt im 12. Jahrhundert dem Kloster Murrhardt 5 Heller Zinse dahier (Chronik von Murrhardt). Die beiden
vorderen Höfe gehörten dem gedachten Kloster; die schon 1575 in 5
Güter getheilten hinteren Höfe Limpurg. Eines der letzteren war noch
1553 freies Eigenthum eines Bauern, das andere dem Heiligen zu Münster bei Gaildorf lehnbar. Der Weiler hatte 1785 84 Einwohner.

In der Nähe von Wolfenbrück, bei der S. 111 erwähnten Schanze,
wurden schon öfters alte Waffen und dergl. ausgegraben.

Auf einer Höhe bei Obermühle stand die bei Ober-Roth genannte
Burg Roth, wovon kaum noch Spuren an den vormaligen Gräben
zu sehen sind. Sie war der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von
Roth, von dem wir bereits mehrere Glieder kennen gelernt haben. Schon
1090, 1095 und 1101 kommen Craft und Odelricus de Rote in Comburger Urkunden vor. Die Letzten des Geschlechtes waren Friz, der 1542
in einem Zuge gegen die Türken blieb, und der obengenannte Caspar.
Nach Haller Chroniken wurde die Burg, weil aus derselben Raub verübt worden, auf kaiserlichen Befehl von Engelhard von Lobenhausen
zerstört. Als dieser dem damaligen Besitzer der Burg sein Vorhaben
durch einen Boten ankündigen lassen, habe er ihn am nächsten Baume
aufgehängt und sey die Wiese, wo es geschehen, lange die Henkwiese genannt worden. Da schon 1367 bei dem Verkaufe nicht von einer Burg,
sondern von einem Burgstalle die Rede ist, so war sie wohl schon zuvor
zerstört worden.


Ober-Sontheim.

Gemeinde II. Kl. Pfd. mit der Gyps-Mühle 1312 Einw., worunter 24 Kathol. –
Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Bühlerhann eingepfarrt.

Der Gemeinde-Bezirk oder die Markung Ober-Sontheim bildet
einen nordöstlichen Ausläufer des Oberamtes, indem sie nördlich an das
Oberamt Hall, südlich und südöstlich an das Oberamt Ellwangen und
östlich an das Oberamt Crailsheim grenzt. Sie ist von Süden nach
Norden von dem Bühlerflüßchen durchschnitten, in das sich von Westen
her der Schießbach und von Osten der Nesselbach ergießt. Auch führen durch dieselbe die Landstraßen von Hall nach Ellwangen und von
Gaildorf nach Crailsheim. An der letztern, nicht ferne von der Stelle,
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wo sie sich mit der erstern kreuzt, in einer Thal-Einsenkung an der Bühler, liegt 3 St. nordöstlich von Gaildorf das evang. Pfarrdorf 
Ober-Sontheim, ein ansehnlicher, wohlgebauter Ort, der noch die ehemalige
Residenz erkennen läßt; denn es war Sitz einer Linie des Limpurgischen
Hauses mit Regierung, Polizeiamt, Forstamt und Hof-Verwaltung, und
bis jüngst eines Rentamtes der standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim. Der auf dem rechten Bühler-Ufer liegende Theil des Ortes,
„der Wasserrain“, wurde 1601 zu bauen angefangen. Beide Theile sind
durch eine schöne Brücke und mehrere gute Stege verbunden. Die zunächst am Flüßchen liegenden Gebäude haben, namentlich im Frühling,
bei dessen Austritt zu leiden. Die Gypsmühle liegt westlich {{Bruch|1|4}} St.
von Ober-Sontheim, an der Hall-Ellwanger Landstraße. Die Markung
ist dem Forstamte Crailsheim zugetheilt. Die Zehenten und grundherrlichen Rechte sind bei der Theilung der Gemeinschaft Ober-Sontheim
dem Staat zugefallen. Am südöstlichen Ende des Ortes, auf einer die
Umgegend beherrschenden Anhöhe, steht das massivgebaute, aus zwei
durch einen Querbau vereinigten Flügeln bestehende Schloß, mit schönen hohen Zimmern und Gewölben, seit 1848 mit etwa 160 M. Gütern
im ausschließlichen Eigenthume des Staats; dieses Gebäude bis 1848
noch der Aufbewahrungsort des nach Michelbach verlegten Archives
der 5 Linien des Limpurgischen Hauses Sontheim steht jetzt unbenutzt.
Es ist gegen das Dorf hinab mit einer hohen Mauer und 4 Thürmen,
im Übrigen mit Gräben umgeben, über welche zwei Brücken, die ehemals aufgezogen werden konnten, mit Thoren führen. Der anstoßende
Schloßgarten umfaßt etwa 6 Morgen, wovon 1740 ein Theil zu einer
Fasanerie eingerichtet war. Von den Schloß-Nebengebäuden ist das
ehemalige Reithaus in ein Schaf - und 
Armen-Haus der Gemeinde umgewandelt. Den großen südöstlichen Flügel von drei Stockwerken hat,
wie das Wappen über dem Eingang darthut, Schenk Erasmus 1541
bis 1543, den Querbau und den nordwestlichen Flügel von zwei Stockwerken dessen Sohn Friedrich, wie sein Wappen über des letztern Eingang beweist, 1592 erbaut. Bis 1746 waren hier beständige Hofhaltungen des Hauses 
Limpurg-Sontheim. – Die östlich liegende, gut gebaute Kirche ließ sammt dem Thurme Schenk Friedrich 1585–1586 erbauen; seine Söhne stifteten 1618 die Sacristei und die Orgel. Er
liegt mit vielen seiner Nachkommen in der Kirche begraben und hat hier
ein schönes Denkmal. Von den drei Glocken hat die älteste ohne Jahreszahl in Minuskeln die Umschrift: „ave maria gracia,“ die zweite in gothischen Minuskeln: „Osana heys ich jos glockegiser goa mich in unser frauen ere und St. Wolfang St. Sebastian St. Ulrich leyt man mich.
1491.“ Das Pfarrhaus hat 1739 die Herrschaft gebaut und ist wie die
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Kirche durch den Heiligen zu erhalten. – Das 1708 erbaute Waisenhaus ist der Gemeinde zur Benützung als Schulhaus überlassen. Das
Rathhaus, 1596 erbaut, ist ansehnlich und so groß, daß ein Theil an
Privaten vermiethet werden konnte. Zwischen diesem, der Kirche und
dem Schlosse liegt der ziemlich große Marktplatz mit einer Linde in
der Mitte. In Ober-Sontheim ist am 24. März 1739 der Dichter
Christian Friedrich Daniel Schubart geboren. Sein Vater
war Cantor.

Die Nahrungsquellen der in mittleren Vermögensumständen stehenden Einwohner sind Fruchtbau und Viehzucht. Die Markung umfaßt 2865 7/8 M., worunter 642 6/8 M. Wald und 86 {{Bruch|1|8}} M. Weide und
Öden, daher 1 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau
gewährt im Ganzen einen ziemlich guten Ertrag an Roggen, Dinkel,
Haber und Gerste. Es sind viele Gärten, namentlich Baumgärten, vorhanden; der Obstbau, dem auch der Boden nicht genug tiefgründig ist,
wird nicht sorgfältig gepflegt. Der günstigen Lage des Ortes ungeachtet
sind die Gewerbe nicht namhaft. Außer einer Apotheke sind 2 Mahlmühlen, 2 Ziegeleien, einige Kaufläden, 2 Gerbereien, 2 Färbereien,
2 Conditoreien und einige Bierbrauereien zu erwähnen. Der Ort ist 3 Jahrmärkte zu halten berechtigt.

Das vermögen der Gemeindepflege ist nach Verhältniß nicht klein;
noch günstiger ist das der Stiftungspflege. Von Seiten der Grundherrschaft werden stiftungsmäßig unter die Armen wöchentlich 45 Pfund Brod
vertheilt. Das Kirchen-Patronat und die Besetzung der Schulstellen
steht seit 1848 der Krone ausschließlich zu. An der Schule, die 25 fl.
Stiftungen und 85 fl. 7 kr. Fonds hat, stehen ein, früher „Cantor“ genannter, Schulmeister und ein Gehilfe.

An Wohlthätigkeits-Anstalten sind der Hospital und das vormalige
Waisenhaus zu erwähnen. Der Hospital, zuerst von dem 1450 gestorbenen Schenk Wilhelm in Unter-Limpurg errichtet, wurde 1541 von
da hierher verlegt und sein Grundstock allmälig vergrößert. Bei der
Theilung 1772 wurde die Natural-Verpflegung aufgehoben, die Anstalt aber als eine den 5 Linien gemeinschaftliche aufrecht erhalten. Die
Zahl der Pfründen wurde von 12 auf 6 herabgesetzt, welche a) wegen
der Herrschaft Speckfeld von den Grafen von Rechtern zu 30/60, b) wegen der Herrschaften Gröningen, Schmiedelfeld und Ober-Sontheim
von der Krone zu 16/60, c) wegen der letztern und Limpurg-Sontheim-Michelbach von dem Fürsten von Löwenstein-Werthheim-Freudenberg
zu 8/60, d) wegen 
Limpurg-Sontheim-Gaildorf von dem Grafen von
Pückler zu 6/60 vergeben werden. Die Stiftung beträgt 13.297 fl.
Activ-Capitalien, Gebäude, Feld-Güter und Waldungen, und hat seit
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Aufhebung der Natural-Verpflegung jährlich 166 fl. 55 {{Bruch|1|2}} kr. von der
Gemein-Herrschaft Ober-Sontheim zu empfangen. – Das von dem
Hofprediger Müller 1700 gegründete, von Schenk Vollrath mit einem
Garten und Bauholz beschenkte, durch Collecten und Beiträge der Ortsheiligen unterhaltene, Waisenhaus war gleichfalls für die Sontheim'schen Orte gemeinschaftlich, und hatte bald einen so guten Fortgang, daß
Capitalien ausgeliehen und zumal 40 Pfleglinge aufgenommen werden
konnten. Wegen Verminderung der Einnahmen mußte aber später die
Zahl der Letzteren auf 10–12 herabgesetzt werden. Im Jahr 1811
wurde die Anstalt ganz aufgehoben und das in 400 fl. Capitalien, Haus
und Gütern bestehende Vermögen der Gemeinde Ober-Sontheim zu
Schulzwecken überlassen. – Der 
Begräbniß-Platz wurde 1618 auf einer
südwestlichen Höhe außerhalb des Ortes angelegt.

Der Ort ist alt. Am 1. Juli 1002, bei seinem Zuge von Worms
nach Bamberg, hielt sich Kaiser Heinrich II. in Suntheime auf, welches
nach Stälin's Vermuthung (I. 469) dieser Ort ist. Im Jahr 1383
wurden vor dem Gericht zu Hall H. von Kottsbühl und W. von Enslingen wegen der Bühler zu Ober-Sontheim vertragen, welche als ein
„gemein Wasser“ bezeichnet wird. Seitz von Kottsbühl und Ulrich von
Enslingen, Bürger zu Hall, sind 1390 Zehentherren. Der Haller Bürger Hans Speltacher verkauft 1462 an die Präsenz zu St. Michael in
Hall 2 Güter. Das Schloß, einst der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Suntheim, wovon wir schon mehrere Glieder getroffen, war,
als es erstmals genannt wird, im Besitze der von Crailsheim. Im Jahr
1487 ist die Rede von einer Caplanei zu St. Peter „in Castro Suntheim.“ Georg von Crailsheim zu Schönbronn verkauft dasselbe, wie
es seine Eltern besessen, mit 7 Gütern 1475 an Schenk Wilhelm, der
1477 von Anna Geyer, Heinrich Berler's Wittwe 9 Güter, worunter die
Badstube, kauft. Limpurg kaufte ferner: 1478 von Seitz Künlin 5 Güter, 1479 von Hans von Stetten 1 Hof, 1483 von Hans von Vellberg
die Vogtei zu Ober-Sontheim, die dieser von Hohenlohe zu Lehen hatte,
und 1 Gut, 1541 von der Stadt Hall 10, 1557 von Hans Wolf von
Rechberg zu Heuchlingen 3 Güter, 1562 und 1599 von der Stadt Hall
alle Zehenten, 1563 von Conrad von Vellberg 4, 1575 von Markgraf
Friedrich zu Brandenburg 3 Güter und 1578 vom Stift Ellwangen mit
der hiesigen Frühmesse mehrere Caplanei- und Heiligen-Güter. Von
Bauern hatten die Schenken in den Jahren 1479–1575 13 freie Güter
erworben. Im Jahr 1583 kauften sie von den von Gaisberg'schen Erben
den von ihren Voreltern ererbten Sitz zu Ober-Sontheim, wie derselbe
allenthalben umfangen und begriffen ist. Aus diese Weise wurde der
Ort ganz Limpurgisch; 1563 wurde auch von Kaiser Ferdinand die
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Errichtung eines Halsgerichtes mit Stock und Galgen nebst dem Rechte
zu 3 Jahrmärkten gestattet und Schenk Friedrich mit dem Blutbann belehnt. Die Hafner von Sontheim (s. Bröckingen) saßen in Unter-Sontheim. Die politischen Geschicke der Herrschaft 
Ober-Sontheim sind
im allgemeinen Theile dargelegt. Im Jahr 1741 waren hier 18 herrschaftliche und 123 bürgerliche Wohnhäuser mit 145 Unterthanen (Familien), wozu 5 herrschaftliche Räthe und Officianten, und 14 Kirchen-
und Gemeinde-Diener kamen. Dieß käme einer Einwohnerzahl von etwa
900 gleich; 1785 war dieselbe 1100.

Die älteren kirchlichen Verhältnisse erhellen aus einer Urkunde des
damaligen Abtes von Ellwangen von 1448, worin er sagt, es habe das
Dorf, seitdem die Capelle daselbst erbaut worden, eine ansehnliche Summe
Gülten zusammengebracht, um eine Frühmesse in dieselbe zu stiften.
Da das Dorf in die Pfarrei Unter-Sontheim gehöre, die selbst ein Filial
von Bühlerthann sey, beide aber Ellwangen zu verleihen habe, so genehmige er die Stiftung mit der Bestimmung, daß die zugehörigen Güter,
wovon 8 in Ober-Sontheim, unvogtbar und die darauf sitzenden Leute
Ellwangen gerichtbar seyn sollen. Die Capelle war dem heil. Cyriacus
geweiht und stand auf dem Marktplatz. Limpurg erwechselte 1578 von
Ellwangen das Besetzungsrecht zur Caplanei, brach die Capelle ab und
fing den Kirchenbau an, scheint aber schon 1550 die Pfarrei errichtet zu
haben, und berief bereits 1561 den ersten evangelischen Geistlichen hierher. Von 1613 an bekleidete der Pfarrer zugleich das Amt eines Superintendenten, auch war er Hofprediger. Die 1601 errichtete Stelle eines
Diaconus („Caplans“) ward 1773 wieder aufgehoben. Bis 1848 stand
das Patronat der Herrschaft und nachmaligen standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim zu. – Schon 1620 ist vom „alten Schulhause“
die Rede.

Ober-Sontheim wurde im dreißigjährigen Kriege durch kaiserliche,
französische und schwedische Truppen dreimal geplündert (Prescher),
das Schloß namentlich 1634. Im September 1632 wurde eine Truppe
Kaiserlicher, die den Ort besetzt hatte, von den Schweden geschlagen.
Ende Septembers 1645 schlugen hier die Bayern eine französisch-schwedische Abtheilung von 400 Mann und machten sie allermeist nieder. –
Noch 1720 waren bei dem Orte 4 Seen; 1481 kaufte Schenk Wilhelm
eine „Seestatt“, der „neue Kottspühel“ genannt.
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Ödendorf.

Gemeinde III. Kl. mit 865 Einw. a. Ödendorf, Pfd. mit adelbach (1 Ziegelhütte, 1 Sägmühle, 4 Häuser). Einöde 2 Hsr. und Railhalde, Hs. 357 Einw.
worunter 5 Kath. b. Hägenau, W. 131 Einw. c. Niederndorf, W.
107 Einw. d. Spöck, W. 270 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.

Der Bezirk dieser Gemeinde gehört dem hier bis zu {{Bruch|3|4}} St. breiten
Kocherthal an und ist nördlich von dem Adelberg, westlich von dem Gebirgsrücken begrenzt, der das Roth-Thal vom Kocher-Thal scheidet. Der
bei Weitem größte Theil liegt auf dem linkseitigen Kocher-Ufer. Nordwestlich stößt das Oberamt Hall an, wohin die Staats-Straße von Gaildorf durchführt. In den Kocher ergießen sich von Südwesten her der
Kammersbach und der Mettelbach und von Norden her der Adelbach.
Der hier vorkommende Vitriolschiefer und Schieferkohle wurden früher
für die hienach zu erwähnende Fabrik abgebaut. Im Übrigen kommen
die natürlichen Verhältnisse mit denjenigen überein, die bei der angrenzenden Gemeinde Michelbach bemerkt sind. Von der Gesundheit zeugen
die Todtenbücher, welche außer Kinderkrankheiten nie einer Epidemie
gedenken. Der Boden, wenn auch – namentlich in Hägenau und Spöck
– schwer, ist doch fruchtbar, insbesondere an Dinkel und Roggen, dann
an Gerste, Haber und Hanf. Das Obst geräth, obwohl seine Cultur
nicht genügend beachtet wird. Noch vor 80–90 Jahren fand Weinbau
statt. Die Hauptnahrungsquelle ist der gut betriebene Ackerbau und die
nicht unbedeutende, wohl gepflegte Viehzucht. Getreide wird für das
eigene Brodbedürfniß hinlänglich erzeugt. Früher bestandene Gemeinderechte wurden gegen Ende des letztverflossenen Jahrhunderts getheilt.
Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind ziemlich gut. Die Gesammt-Markung begreift 3631 6/8 M., darunter 940 7/8 M. Wald und
454 3/8 M. Weiden und Öden, wonach noch 2,5 M. Baufeldes auf
den Kopf treffen. Die hiernach erwähnte bedeutende chemische Fabrik
beschäftigt mehrere Ärmere. Der landwirthschaftliche Betrieb kommt
im Wesentlichen mit dem von Michelbach überein.

Der Bezirk ist dem Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind im Ganzen nicht ungünstig,
weniger sind es die der Stiftungspflege. Die Schule in Ödendorf ist
für die ganze Gemeinde gemeinschaftlich. Die Zehenten gebührten
überall dem Staate.

Bis 1806 gehörten zur Kloster Murrhardt'schen Pflege Westheim
fast ganz Ödendorf und Niederndorf und ein Theil von Hägenau; zum
Stabsamte Comburg ein anderer Theil von Hägenau; zum Stabsamte
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Rosengarten ein Theil von Spöck; die Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Landamts Gaildorf, war an sämmtlichen Parzellen betheiligt. Auch die nicht Limpurgischen Theile wurden 1808 mit dem Oberamte Gaildorf vereinigt.

Die einzelnen Orte der Gemeinde:

a) Das evang. Pfarrdorf Ödendorf – bis 1805 stets Ötendorf
oder Öttendorf – liegt angenehm auf der linken Seite des Kochers, 1 St. nordwestlich von Gaildorf, an der zuvor erwähnten Landstraße. Über den
Kocher, auf dessen rechtem Ufer zwei Mahlmühlen liegen, führt eine gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erbaute steinerne Brücke. Am westlichen Ende des Dorfes steht die kleine und finstere, von dem Ortsheiligen
zu unterhaltende Kirche zum heil. Martin, welche, da an zwei Stellen
die Jahreszahlen 1482 und 1483 eingehauen sind, um diese Zeit erbaut
worden zu seyn scheint. In derselben befinden sich zwei Altäre mit in
Holz geschnitzten Bildern auf Goldgrund, auch Malereien an den äußeren
Seiten der Altarflügel, sowie ein Schrank, worin die Brustbilder Christi
in halb erhabener Schnitzarbeit. Von den 3 Glocken im Thurme hat
die älteste in gothischen Minuskeln die Umschrift: „anno + doi + M +
CCCC + LXXXX + jar + O + König + der + er + kum + uns +
mit + dein + frid + marcus + lucas + mateus + yohannes + meister + jos +;“ die zweite „M. D. XXX. spes mea Christus;“ die dritte
wurde 1795 umgegossen. Ein Pfarrhaus ist hier, weil der Geistliche in
dem {{Bruch|3|4}} St. entfernten Westheim, Oberamts Hall, wohnt, nicht vorhanden. Das Schul- zugleich Rath-Haus wurde 1822 auf der Stelle der
frühern Kelter erbaut. Zu dem Orte gehören als einzelne Wohnsitze
das {{Bruch|1|4}} St. entfernte, am Adelbach gelegene, Adelbach, Einöde und
Railhalde. – Der Ort hat seit 1795 das Recht zu 2 Jahrmärkten,
womit namhafte Viehmärkte verbunden sind (s. S. 69). Die Pfarrei
ist mit der von Westheim unirt; ihr Sprengel entspricht dem Bezirk der
politischen Gemeinde. An der Schule, die schon zwischen 1570 und 1580
ihren Anfang nahm, stehen ein Schulmeister und ein Gehülfe; sie hat
20 fl. Capital-Fond und 30 fl. Stiftungen. Der Begräbnißplatz liegt
um die Kirche her.

Nach einer unbegründeten Sage soll der Ort früher Oberwestheim
geheißen, weil er aber verwüstet worden und einige Zeit lang öde gelegen, den jetzigen Namen bekommen haben. Wahrscheinlicher ist es
aber, den Namen von dem Mannsnamen Otto herzuleiten. Erstmals
wird er 1091 genannt. S. Eutendorf S. 138. Das Kloster Murrhardt scheint schon frühe Rechte hier erworben zu haben. Der größere
Theil der Güter und die Obrigkeit hing mit der Burg zusammen, die
in der Nähe der Kirche lag und einem Geschlechte vom niedern Adel
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zum Sitz diente. Über zwei Heinrich von Ottendorf s. Erlenhof. Ein
Bruder Albrecht von Ottendorf war 1349 Prior in Schönthal (Wibel II, 198); 1365 kommt ein Ar von Ottendorf vor (ib. 204). Dieser
Ar oder Arnold war der Letzte seines Geschlechtes. Abt Heinrich von
Murrhardt bewilligte 1397, daß die Güter, die er von ihm zu Lehen
trage, nach seinem Tode seine Wittwe und Kinder bekommen sollen.
Greth von Roth, wohl die ältere Tochter, schenkte 1399 an die Klause
zu Unter-Limpurg ihren Theil an der Burg und alle zu demselben gehörigen Güter, die so durch die Reformation an Limpurg, das übrigens
schon 1374 ein Gut besaß, gelangten. Greth von Öttendorf, Hausfrau des Friz von Nemmingen (eine andere Tochter, oder die erstgenannte, nun in zweiter Ehe stehend?), verkauft 1407 an Limpurg 2 halbe
Güter, ein Fischwasser, {{Bruch|1|6}} an dem Gerichte und der Taferne, die Hälfte
der Waldungen, sowie 1 Gut zu Hegenau, 3 Güter und die Hälfte an
dem Gericht und der Taferne zu Speck, und 4 Güter zu Wonhardtsweiler, die in das Gericht zu Speck gehören, behält sich aber ihren
Theil der Burg bevor. Dieser muß an Murrhardt gekommen seyn,
da das Kloster 1432 seinen Antheil an der Burg an Heinrich von
Vohenstein verkaufte, welcher 1442 von der gedachten Greth von Öttendorf 3 hiesige, Murrhardt lehenbare Güter mit Vogtei erwarb.
Elsbeth Lecher, Hans Gleichers Wittwe zu Hall, verkauft 1413 an Limpurg {{Bruch|1|6}} des Gerichts und der Taferne und die Hälfte des Gerichts und
der Taferne zu Speck, wie sie das Alles von ihrem lieben Hauswirth
selig, Arn von Öttendorf ererbt hatte. Endris von Münkheim,
Bürger in Hall, verkauft 1467 an Elsbeth Wordtwein, Bürgerin
von Hall, 4 Güter, welche diese 1469 an die St. Anna-Capelle bei St.
Michael in Hall verschafft. Die Burg stand 1439 Murrhardt, Limpurg
und Rudolph von Münkheim je mit {{Bruch|1|3}} zu; später gehörte sie Limpurg
zu {{Bruch|1|3}} und Murrhardt zu {{Bruch|2|3}}, da wohl dieses die Münkheim mit {{Bruch|1|3}} belehnt hatte. Ein Heinrich Spieß, Herr zu Braunsbach, soll noch 1549
einen Antheil gehabt haben. Die Angaben einiger Haller Chroniken,
daß das Schloß 1342 oder 1350 von den Hallern zerstört worden, wäre
hienach nur in dem Falle richtig, wenn dasselbe später wieder aufgebaut
worden seyn würde. Prescher's Angabe (II, 197), daß 1453 die Kirche
an die Stelle der Burg gebaut worden sey, beruht auf Irrthum. Das
niedere Gericht, in welches auch Niederndorf gehörte und das 1442 aus
12 Richtern bestand, besetzte Murrhardt zu {{Bruch|2|3}} und Limpurg zu {{Bruch|1|3}}.
Nach Vertrag von 1593 war die hohe Gerichtsbarkeit zwischen Württemberg wegen Murrhardt und Limpurg in der Art geordnet, daß die
Ausübung unter Beiden Fall um Fall wechselte. Um's Jahr 1550
besaß Limpurg 2 und die Stadt Hall 8 Lehengüter; die übrigen Güter
{{Seite|203
nebst dem größten Theil der Zehenten standen Murrhardt zu. Unter
den 193 Einwohnern, die der Ort 1804 zählte, waren 9 Limpurgische.

Die Kirche „Odendorf“ wird 1248 als eine Comburgische bezeichnet; ob damit Ödendorf oder Eutendorf gemeint ist, kann bei der ehemaligen ähnlichen Schreibart nicht entschieden werden. Seit wann die
Pfarrei unbesetzt geblieben, ist unbekannt; mit der Pfarrei Westheim
war sie mindestens seit der Reformation vereinigt. Diese mußte aber,
da sie den Landesherrn bischöfliche Rechte übertrug, die eigenthümliche
Wirkung haben, daß, weil Württemberg in der Pfarrei Ödendorf, die
Reichsstadt Hall aber in der Pfarrei Westheim das Episcopat erhielt,
der Geistliche als Pfarrer von Ödendorf die württembergische, als Pfarrer von Westheim dagegen die hallische 
Kirchen-Ordnung zu beobachten hatte.

b) Hägenau, auch Hegenau, {{Bruch|1|2}} St. südlich von O. (Ödendorf) über dem linken Kocher-Ufer. Das Örtchen hatte drei Mitherrschaften und gehörte anfänglich in's Gericht Spöck. S. zuvor. Limpurg kauft 1418 von dem Haller Bürger Conrad Lecher 1 Gut und erwirbt 1502 von dem Hospital Hall 4 Güter nebst {{Bruch|2|3}} der Zehenten (deren
anderes {{Bruch|1|3}} Limpurg 1563 vom Kloster Murrhardt erhält) und 1719
von Württemberg 1 Gut. Das Kloster Comburg kauft 1420 von Hans
Mangold, Bürger zu Hall, die Vogtei über eine Hube. Im Jahr 1804
sind Murrhardt, das nur 1 Gut besitzt, Comburg und Limpurg die Ortsherren. Im Jahr 1785 war die Einwohnerzahl 42.

c) Niederndorf, früher auch Niederödendorf, {{Bruch|1|4}} St.
nördlich von O. auf dessen Markung, an der Landstraße, unfern der
Haller 
Oberamts-Grenze. Über den Kocher führt ein Steg nach der
{{Bruch|1|8}} St. entfernten, am Kocher und an der Landstraße zu den Füßen des
Adelbergs gelegenen, chemischen Fabrik. Im Jahr 1817 von
Ernst Anton Glötzge gegründet, wurde sie 1823–1825 unter der Firma
Rund u. Comp, nach dem Plane des Bergraths von Schübler neu eingerichtet und ist jetzt in den Händen einer Actien-Gesellschaft. Anfänglich eine Alaun- und Vitriol-Fabrik, wozu die Erze theils in der Gegend, theils aus den entfernteren Gruben bei Westernach gewonnen wurden, verlegt sie sich nun meistens auf Verarbeitung des von dem nahen
Wilhelmsglück bezogenen Steinsalzes, welches zu Glaubersalz dargestellt
und theils an Glasfabriken verkauft, theils zur Sodafabrikation verwendet wird; die Soda wird wieder größtentheils zu Sodasalz und Krystall-Soda verarbeitet und in namhaften Quantitäten in den Handel gebracht. Die bei der Darstellung des Glaubersalzes gewonnene Salzsäure wird allermeist zur Fabrikation des Chlorkalkes verwendet, der in
Bleichereien und Papier-Fabriken Anwendung findet. Die Fabrik, in
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deren Gebäuden gewöhnlich nur 3–4 Familien wohnen, beschäftigt
mehr als 60 Arbeiter. Die Mühlen und Pochwerke werden durch 7
Pferde in Bewegung gesetzt. Da das Brennmaterial in dem verhältnißmäßig theureren Holz besteht, so hat sie an den mit sehr wohlfeilen
Steinkohlen arbeitenden rheinischen Fabriken gefährliche Concurrenten.
– Niederndorf war stets mit Ödendorf in gemeinschaftlicher Markung verbunden. Ein Lehen gehörte schon 1374 Limpurg; 1790, wo
dieses 2 Güter besaß, waren die übrigen 8 Murrhardtisch. Das Örtchen
zählte 1804 54 Einwohner.

d) Spöck, früher Speck, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von O. auf einer
Höhe über dem linken Kocher-Ufer. Daß das Örtchen im Mittelalter
sein eigenes an Limpurg übergegangenes Gericht hatte, in das auch Hohenhardtsweiler gehörte, ist bei Ödendorf bemerkt. Zwei Güter gehörten schon 1374 Limpurg; die übrigen waren zum Theil in den Händen
von Haller Bürgern. Conrad Berler von Tullau verkauft 1408 an Limpurg seine Rechte an einem Gut; Elsbeth Lecherin, Hans Gleicher's
Wittwe, verschafft 1413 zu einer Seelmesse an den Frauenaltar in St.
Michaels-Kirche zu Hall 3 hiesige Güter und 1 Gut zu Wonhartsweiier.
Comburg tritt 1414 2 Güter und 1562 die Zinse und Gefälle von 8
Gütern, die es 1410 von Johann von Hohenstein erworben, an Limpurg
ab; letzteres erwirbt 1434 von dem Haller Bürger Burkhardt Senft
4 Güter und 1502 vom Hospital Hall 1 Gut. Zwei Lehen, doch ohne
Obrigkeit, nebst den Zehenten, besaß Kloster Murrhardt. Der Ort, der
1785 128 Einwohner hatte, war ein Condominat mit der Reichsstadt
Hall, zu der jedoch zuletzt nur noch 11 Einwohner gehörten.


Ruppertshofen.

Gemeinde II. Kl. mit 1173 Einw. a. Ruppertshofen. Dorf 388 Einw., worunter 2 Kath. b. Birkenlohe, 195 Einw. c. Boschenhof, W. 15 Einw,
wor. 14 Kath. d. Eigenhof, H. 11 Einw. e. Ernst, Hs. 7 Einw. f. Hasenthal, H. 10 Einw. g. Hegenreute, H. 9 Einw., wor. 3 Kath. h. Hinter-Linthal, 131 Einw. i. Höllhof, H. 18 Einw. k. Hönig, W. mit Krebenhaus, Hs. 193 Einw. und aa. Bittelhof, H. 19 Einw. bb. Ulrichsmühle, 15 Einw. l. Lettenhäusle, 14 Kath. mit Fuchsreute, H. 7
Einw., wor. 3 Kath. m. Ölmühle 10 Einw. n. Reichenbach, M. 9 Einw.
o. Steinenbach, W. 30 Einw., wor. 8 Kath. p. Striethof, H. 15 Einw.
q. Thonolzbronn, Pfw. 77 Einw. – Evang. Pfarrei; die Parz. b. d. e. f. g.
h. u. n. Fil. von Frickenhofen, die Kath. in Parz. a. c. g. h u. o. sind nach Spreitbach eingepfarrt.

Die dem sog. Oberland angehörigen Orte dieser an das Oberarnt
Gmünd grenzenden Gemeinde liegen auf zwei Hochebenen und ihren 
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Abhängen, nämlich allermeist auf der bei Eschach angegebenen und kleinen
Theils auf der sg. Spreitbacher, eine Fortsetzung des Welzheimer Waldes
bildenden Hochebene. Die letztere erhebt sich östlich über den bei dem
nahen Täferroth in das Leinthal einmündenden Thalschluchten der obern
Roth und des Reichenbachs, westlich über der Götzenbach-Thalschlucht
theilweise gehört auch das sonst der Gemeinde Vorder-Steinenberg
zugefallene Reichenbacher-Thälchen hierher. In die obere Roth ergießen
sich von Westen her der Schlechtbach, Ringelsbach, Halenbach und Sägersbach, von Norden der Auerbach, von Osten der Brühlbach und Haldenbach. Die Hochebene von Ruppertshofen hat keine Berge und eröffnet
vom freien Felde aus eine schöne Aussicht auf Rechberg, Hohenstaufen
u. s. w. Die Kalkschichte bietet eine große Menge Ammonshörner und
anderer Versteinerungen dar, welche zu Kalk gebrannt werden. Auch
Töpfererde findet sich. An Quellwasser ist nirgends Mangel. In dem
Thälchen, wo es aus Sandstein kommt, ist es besser als auf der Höhe.
Der Boden, auf der Höhe schwerer Lehm, in dem Thälchen leichter Sand,
ist dort ziemlich fruchtbar, die Luft rein, trocken und etwas rauh; die
Bohnen reifen nicht überall. Die übrigen natürlichen Verhältnisse kommen mit jenen von Eschach und Frickenhofen überein. Die Amtskörperschafts-Straße von Gschwend nach Gmünd und Süßen führt über
Hinter-Linthal. Die gesunden, kräftigen Einwohner verfertigen ihre
Kleidungsstoffe selbst. Das Fruchterzeugniß reicht für den eigenen Brodbedarf hin und die Einwohner, welche sich von Feldbau nebst Viehzucht
und der Waldnutzung ernähren, sind im Allgemeinen in nicht ungünstigen Vermögensumständen. Am Wohlhabendsten sind Thonolzbronn,
Steinenbach und theilweise Ruppertshofen; unvermöglich und zum Theil
sehr arm die Thalorte. Unter der 5653 6/8 M. großen Fläche des Gemeindebezirks sind 1159 M. Wald und 450 M. Weiden und Öden, wornach auf einen Kopf 3,1 M. Baufeldes kommen. Ein M. Ackers wird um 20
bis 100 fl. gekauft. Namhaft ist der Flachsbau; vorzüglichen Flachs bringt
Hinter-Linthal hervor. Die Wiesen sind nicht sehr ergiebig. Gewöhnliches
Obst geräth, die Straßen sind jedoch nicht mit Obstbäumen besetzt. Der
Rindviehstand ist sehr bedeutend und meist schön. Hinsichtlich der sonstigen
landwirthschaftlichen Zustände sind Eschach und Frickenhofen zu vergleichen. Holz, Vieh, Flachs, Leinsaamen und Leinöl sind die hauptsächlichsten Gegenstände des Activhandels. Von eigentlichen Gewerben ist
außer einigen Mahl- und Säg-Mühlen nichts zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist theils dem Forstamt Comburg und theils dem
Forstamte Lorch zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig, die Einnahmen der Stiftungspflege aber unzureichend, Schulen sind in Hinter-Linthal und Ruppertshofen. Die
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Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf hatte den großen Zehenten in Ruppertshofen und Steinenbach, die Novalien in Birkenlohe und einen Theil des
kleinen Zehentens in Hönig; die Pfarrei Ober-Bettringen (O.A. Gmünd)
alle Zehenten zu Eigenhof und die kleinen zu Birkenlohe und Hinter-Linthal; die Pfarrei Spreitbach (Oberamts Gmünd) alle Zehnten zu
Boschenhof und Theile des kleinen Zehentens von Hönig und Hegenreute
zu beziehen. Im Übrigen war der Staat Zehentherr.

Bis 1806 gehörten zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf,
Landamts Gaildorf: Birkenlohe, Striethof und Theile von Ruppertshofen, Hinter-Linthal, Hönig, Steinenbach und Thonolzbronn; in's Amt
Gmünd: Bittelhof, Boschenhof, Theile von Ruppertshofen, Hönig,
Hinter-Linthal und Thonolzbronn; in's Klosteroberamt Lorch: Theile von
Hinter-Linthal, Hönig und Thonolzbronn; in das mit Welzheim verbunden gewesene Amt der Waibelhube (S. 115): Antheile an Ruppertshofen, Hinter-Linthal, Hönig, Steinenbach und Thonolzbronn und ganz
Eigenhof, Ernst, Hasenthal, Höllhof und Reichenbach. Über die Zutheilung der nicht Limpurgischen Bestandtheile der Gemeinde an das
Oberamt Gaildorf s. S. 107.

Weiteres über die einzelnen Orte:

a) Ruppertshofen, früher Rupprechtshofen, 3 {{Bruch|3|4}} St.
südöstlich von Gaildorf, freundlich auf der Hochebene gelegen und von
dem Haldenbach bewässert, welcher sich durch eine östlich am Dorfe beginnende Thalschlucht in die obere Roth ergießt. Das Dörfchen ist der
Sitz des Pfarrers, der bis jetzt noch in dem von der Gemeinde 1842 erbauten Rathhaus wohnt; die Pfarrkirche befindet sich zu Thonolzbronn.
Neben dem alten Schulhause steht das 1841 neuerrichtete Schulgebäude.
Im Dorfe steht eine alte Capelle zum heil. Nicolaus, in welcher Sonntags Nachmittags Gottesdienst gehalten wird; sie ist nur 30′ lang, 16′
breit und 12 {{Bruch|1|2}}′ hoch und von dem Heiligen zu erhalten. Sie wird schon
1480 genannt und 1501 vom Papste dem Kloster Lorch bestätigt. An
der Schule, die 61 fl. Fonds und 35 fl. Stiftungen hat, steht ein Schulmeister mit einem Gehilfen.

Der Ort hatte 3 Mitherren. Er gehörte theilweise in die Waibelhube,
welche hier ein altes Gericht hatte und 1713, nachdem sie von  Limpurg an
Württemberg zurückgefallen, einen Amtsverweser der Waibelhube hier erhielt*). Limpurg, das sich die 3 hiesigen waibelhubigen Güter 1562–1589

*) Auch hier finden sich die in der O.A.-Beschreibung von Welzheim
S. 107 erwähnten „Wechselwiesen.“ Von einer Wiese sagt das Gmündische Lagerbuch von 1480 „ist eine Wechselwies ... gehört N. und wechseln
die ein Jar um das ander.“
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auch lehenbar und fallbar gemacht, hatte 1 Gut schon 1380 mit Adelmannsfelden von Ellwangen erkauft; ein zweites zuvor freieigenes machte 1432
ein Bauer den Schenken gültbar und fallbar, weil er mit ihrer Hülfe in
einem Streite das Gut behauptet hatte; ein drittes erwechselten sie 1607
mit dem großen Zehnten von Württemberg (Kloster Lorch) als Eigenthum. Fünf weitere Güter, die sie 1556 von der Stadt Gmünd eingetauscht hatten, waren Württemberg lehnbar gemacht worden, und fielen diesem mit der Waibelhube heim. Außerdem besaßen unter Vogtei
der Reichsstadt Gmünd das dortige Augustiner-Kloster ein Gut und
eine Bruderschaft zu Gmünd wie Lehen, die 1567 an Limpurg vertauscht
wurden. Auch die Heiligen zu Täferroth und Thonolzbronn hatten Lehengüter. – Bemerkenswerth sind die früheren Filial-Verhältnisse. Ruppertshofen und Striethof waren seit etwa 1600 zumal Filialien von Täferroth und Frickenhofen, in der Art, daß der Pfarrer von Täferroth die
Seelsorge der ledigen Personen, der von Frickenhofen aber die Copulationen, 
Leichen-Predigten u. dergl. der Erwachsenen besorgte und die
Schule gemeinschaftlich beaufsichtigt wurde. Erst am 9. October 1835
wurden diese Orte ganz vom Verbande mit der Kirche Täferroth getrennt
und zur Kirche Thonolzbronn, als damaligem Filial von Frickenhofen,
eingetheilt. Im Frühjahr 1609 brannte fast das ganze Dorf – „mehr
als 30 Zimmer“ – ab, darunter auch die alte Capelle, zu deren Wiederaufbau 1610 die Heiligen zu Thonolzbronn und Täferroth 20 fl. beisteuerten. – Limpurg hatte 1741 in 10 Wohngebäuden 9 Unterthanen
and 4 Ausdinger; 1785 wurden (nach Prescher) 68 Limpurgische und
60 Württembergische Einwohner gezählt.

b) Birkenlohe, im Volksmund Birkenlooch oder Birkenlauch, 1 St. nordwestlich von R. (Ruppertshofen) am Schlechtbach,
der hier in die Roth fällt. Heinrich von Rechberg zu Heuchlingen, damals der Herr des Ortes, verkauft 1360 dem Kloster Gotteszell mit dem
Kirchensatz von Spreitbach und Zimmerbach auch die großen und kleinen Zehenten von Birkenlauch, Hönig, Vorder- und Hinter-Linthal etc.,
erwirbt aber später wieder die Hälfte der hiesigen Zehenten. Limpurg
kauft 1586 von Rechberg mit Eschach 8 hiesige Güter, d. h. den ganzen
Ort. Die Sägmühle wurde 1601 erbaut. Limpurg hatte 1741 in 10
Wohngebäuden 10 Unterthanen; 1785 aber 120 Einwohner. Damals
lagen 3 Seen bei dem Orte, die 1774 theilweise in Wiesen verwandelt
wurden; der eine war 798, einer der andern 330 Quadrat-Ruthen groß.
Über die hier geborene Somnambule, Marg. Weller, welche 1702 als
Prophetin galt, s. Prescher II, 121.

c)	Boschenhof, {{Bruch|1|2}} westlich von R. über dem rechten 
{{Seite|208
Rothufer auf der Oberamtsgrenze; ein rauhes, ganz kleines Gut, das ehemals Gmündisch war.

d) Eigenhof, 1 St. nordwestlich von R. auf der Spreitbacher
Hochebene.

e) Ernst, 1 {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von R. wie so eben erwähnt, gelegen.

f) Hafenthal, 1 {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von R. über dem rechten
Ufer des Reichenbachs.

g) Hegenreute, 1 {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von R. im Walde; eine
kleine altwürttembergische Sölde.

h) Hinter-Linthal, {{Bruch|5|4}} St. nordwestlich von R. auf der hier
sich verengenden Sprietbacher Hochebene, an der oben genannten Straße.
Die Schule hat weder einen Fond noch Stiftungen. Der Ort wird
1269 erstmals genannt, da Ritter Ernfried von Hengesbach gegen 2
Malter Haber und 7 Schilling Heller auf die Vogtei über einen Mansus in Linthal, den sein Vater Ernfried dem Kloster Lorch vergabt hatte,
unter der Bedingung verzichtete, daß der Abt und die 
Kloster-Brüder
nach seinem Tode seine Leiche abholen und in der Klosterkirche in seinem
Erbbegräbniß beisetzen. Im Übrigen gehörte der Ort meist zur Waibelhube, welcher 1556 fünf von der Stadt Gmünd eingetauschte Güter
einverleibt wurden. Limpurg tauschte aber auch 1557 von der Stadt
Gmünd 3 eigene Güter ein und machte sich 1558 ein waibelhubiges sonst
freies Gut gegen Bezahlung von 50 fl. gültbar und fallbar. Das Prediger-Kloster in Gmünd besaß auch ein Gut, ebenso die Frühmesse
Welzheim seit 1413. Im Jahr 1785 waren es 16 Limpurgische, 1807
12 Lorchische und 79 in der Waibelhube gehörige Einwohner.

i) Höllhof, {{Bruch|3|4}} St nordwestlich von R. auf der Höhe über der
rechten Seite des Auerbachs.

k) Hönig, auch Höneck, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von R. nahe beim
Zusammenflusse des Auerbachs mit der Roth. Dazu gehören Krebenhaus, ferner Bittelhof und Ulrichsmühle. Ebenfalls ein Condominat. Zur Waibelhube gehörten 2 Güter, die schon 1552 in 7 getheilt waren. Limpurg erwarb 1556 von der Stadt Gmünd 2 sofort der
Waibelhube einverleibte Güter und 1557 von derselben ihre übrigen
hiesigen Rechte und 1567 von Ulrich von Rechberg 2 eigene Güter.
Ein Gut kaufte 1418 die Maria-Magdalena-Caplanei in der heil. Kreuzkirche zu Gmünd. Ulrichsmühle und Bittelhof waren Eigenthum des
Klosters Gotteszell. Die Ulrichsmühle brannte in der Frühe des 5. Mai
1812 ab und mit ihr verbrannten alle Einwohner: Vater, Mutter und
Sohn. Im Jahr 1785 hatte Limpurg 36 Einwohner; 1807 gehörten
78 in die Waibelhube, 12 in's Klosteroberamt Lorch, 6 zu Gmünd.
{{Seite|209
l) Lettenhäusle, {{Bruch|1|2}} St. westlich von R. auf der Markung von
Hönig, im Wald auf der Oberamtsgrenze. Dazu gehört Fuchsreute.

m) Ölmühle, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von R. an der Roth, auf der
Oberamtsgrenze.

n) Reichenbach, 1 {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von R. am Reichenbach,
auf der Markung von Hinter-Linthal. Schenk Walther von Limpurg
überläßt 1265 dem Kloster Lorch seinen Hof in Reichenbach (Stälin
II. 606, welcher auf diesen Hof schließt). Er scheint erst später zum Amt
der Waibelhube gekommen zu seyn.

o) Steinenbach, auch Steinebach, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von R.
auf der Hochebene. Wie Limpurg 1414 zwei Güter bekam, ist bei Vellbach bemerkt. Auch die Reichsstadt Gmünd hatte 1 Gut mit Obrigkeit;
worauf 1804 9 Einwohner waren. Zwei Güter waren dem Heiligen
von Eschach lehenbar und gehörten zur Waibelhube.

p) Striethof, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von R. auf dessen Markung,
auf der Oberamtsgrenze. Die Hochebene heißt hier „im Striet“.

q) Thonolzbronn, auch Donolzbronn, im Volksmunde
„Danasprung.“ Dieser Pfarrweiler liegt {{Bruch|1|4}} St nördlich von R.
auf der Hochebene am Brühlbach, der sich zunächst am Orte in eine Thalschlucht ergießt. Die 1815 fast ganz erneuerte Kirche zu St. Stephan
hat Überreste einer geschmackvollen gothischen aus dem Jahr 1500
stammenden Bauart; der nicht hohe aber breite 1780 umgebaute Thurm
bildet im untern Theile das Chor der Kirche, welches niedriger als das
Schiff ist. An der Südseite der Sacristei ist außerhalb ein steinernes
Weihwasserbecken eingemauert. Der alte Hochaltar, der schöne Schnitzarbeiten gehabt haben und dem in Blaubeuren ähnlich gewesen seyn soll,
wurde 1788 auf Befehl des Herzogs Carl von Württemberg nach Hohenheim abgeschickt. Es sind noch einige Heiligenbilder in der Kirche. Von
den beiden Glocken ist eine sehr alt. Die Baulast hat der Ortsheilige.
Der Begräbnißplatz liegt jetzt westlich vom Orte.

Hier war die Obrigkeit unter 4 Herren getheilt. Einige Güter gehörten
in die Waibelhube, zu welcher 1556 ein von Gmünd eingewechseltes Gut kam.
Die Brüderschaft in der Dorfkirche zu Lorch kauft 1408 von der Wittwe des
Gmünder Bürgers, Cunz Wygg, eine Hube, die nachmals an die Pfarrei Lorch und so unter den Abt zu Lorch kam. Es werden dabei Wiesen
„im Tansprung“ genannt. Zwei, nachmals in 4 Lehen getheilte, Höfe
kaufte Limpurg 1371 von Adelheid von Rechberg, Albrecht des Hauken
Wittwe. Im Jahr 1785 waren 28 Württembergische und Lorchische
und 43 Limpurgische Einwohner im Ort. – Derselbe hatte im Mittelalter eine Pfarrei. Ulrich von Rechberg, genannt von Grüningen, und
seine Söhne Johann und Wilhelm verkauften 1357 dem Kloster Lorch
{{Seite|210
„die Wydeme ze Rot vnd ze Tonoltzbrunnen, da die Kirchensätze ze Rot
vnd ze Tonoltzbrunnen von Alter vnd von Recht ingehörent“ mit großen
und kleinen Zehenten; Limpurg erwirbt 1607 den großen Zehenten hier
und in Steinenbach von Württemberg (Kloster Lorch). Schon 1507, als
am 11. Juni der bischöfliche General-Vikar von Augsburg die wie es
scheint neu erbaute Kirche, welche damals 2 zuvor geweihte Seitenaltäre
und einen Hochaltar hatte, in honore sancti Stephani einweihte, bestand die
Pfarrei nicht mehr; denn es sagt die Urkunde, daß die Kirche dem Kloster Lorch einverleibt sey „et secundum antiquam consuetudinem regitur et inofficiatur per plebanum in Täferrott.“ Später wurde die Pfarrei
mit der von Frickenhofen verbunden, doch so, daß jede Pfarrei ihren
eigenen Sprengel hatte. Schon 1574 erhielt der Pfarrer von Frickenhofen vom hiesigen Heiligen jährlich 6 fl., damit er den Ort mit den
pfarrlichen Rechten versehe. Am 9. October 1839 wurde aber die
hiesige Pfarrei auf's Neue errichtet, die vorerst durch einen in Ruppertshofen wohnenden beständigen Pfarrverweser versehen wird.

Zwischen Thonolzbronn und Ruppertshofen scheint ein abgegangener Ort Wolfertshofen gelegen zu haben.


Sulzbach am Kocher,

Gemeinde II. Kl. mit 1520 Einw. Sulzbach am Kocher, Pfd. mit Brünst,
Hs. Eisbachthal, 2 einz. Hsr., Walkmühle, 782 Einw. wor. 6 Kath.
b. Aichenrain, H. 34 Einw. c. Altschmiedelfeld, 66 Einw. d. Bayerhöfle, H. 19 Einw. e. Brünst, W. 54 Einw. f. Egelsbach, H. 6 Einw.
g. Engelsburg, H. 11 Einw. h. Frankenreute, H. 10 Einw. i. Freyhöfle, H. 6 Einw, k. Grauhöfle, H. 11 Einw. l. Gutschenhof, H. 13 Einw.
m. Haslach, H. 19 Einw, n. Hägelenshöfle, H. (auch Fuchshäusle) 11 Einw.
o. Hohenberg, W. mit Altenberg, H. 92 Einw. p. Kleinteutschenhof,
20 Einw. q. Kohlwald, W. mit Stöckenhof, H. 194 Einw. r.
Mühlenberg, H. 24 Einw. s. Nestelberg, H. 5 Einw. t. Neuhorlachen, H. 14 Einw.
u. Ochsenhöfle, H. 7 Einw. v. Schmiedelfeld, bestehend aus: aa. Jägerhäusle H. bb. Roßhalden, H. cc. Schmiedelfeld, Schloß. dd. Staigenhaus, H. zus. 106 Einw. w. Uhlbach, H. 10 Einw. x. Wolkenstein, H. 7 Einw. – Ev. Pfarrei.

Dieser Gemeindebezirk gehört dem obern Kocher-Thal an, da wo es
etwas breiter zu werden begonnen hat, und liegt unterhalb Laufen, mit
dem er die meisten natürlichen Verhältnisse gemein hat. Der Kocher
erhält als Zuflüsse von Norden her den Eisbach, nachdem sich dieser mit
dem Irsbächchen verstärkt, von Nordost den Mühlenbach, von Osten den
Nägelesbach mit dem Igelsbach, von Süden den Krasbach und den Hopfenbach. Die beiden ersteren bilden künstliche Seen zur Flößerei. Der
Hahnbach dagegen fließt mit einigen kleinen Zugängen in die Bühler,
{{Seite|211
daher bei Kohlwald eine kleine Wasserscheide ist. Im Eisbach finden sich
Achat-Feuersteine, welche arme Leute sammeln und auswärts feil tragen,
und versteinerte Holzstämme (S. 20). An Quellwasser ist zwar Überfluß; es enthält jedoch vielen Kalk und Gyps. In einem Walde bei
Sulzbach entspringt der Heil- oder Heiligen-Brunnen, dessen Gebrauch gegen
den Husten gerühmt wird. Eine Wetterscheide ist bei Sulzbach. Hohenberg bietet eine treffliche Fernsicht. Der Boden, in dem sich hin und wieder blauer Mergel findet, ist nicht dankbar. Zwei Brüche liefern Sandwerksteine. Die bei Laufen erwähnte Straße führt auch durch diese Gemeinde. Ein großer Theil der Wohnorte ist erst seit 1700 entstanden.
Der frühere Wohlstand ist sehr gesunken und findet sich nur noch auf
einigen Höfen, weßwegen auch die Ziegenzahl so groß ist. Die Nahrungsquellen und die Betriebsweise der Landwirthschaft sind die bei Laufen
angegebenen. Die Markung (8878 2/8 M.) ist zwar groß, aber mehr als
die Hälfte ist Wald, und 1248 2/8 M. bestehen aus Weiden und Öden,
so daß der durchschnittliche Betreff an Baufeld nicht 2 M. auf den Kopf
macht. Die Äcker, häufig an Bergabhängen liegend, sind schwierig und
mühsam zu bauen. Etwas Hopfenbau. Die Obstzucht ist neuerlich im
Zunehmen und mit der Schule eine Kinderbaumschule verbunden. Am
Schmiedelfelder Schloßberge finden sich noch Spuren ehemaligen Weinbaues. An Gewerben sind erwähnenswerth: in Sulzbach 1 Mechaniker,
2 Großhändler, 1 Kunstmühle, 1 Kunden-Mahlmühle, 1 Sägmühle mit
4 Sägen und 1 Rundsäge; auch am Mühlenbach ist eine Sägmühle mit
Rundsäge. Die Verfertigung von Schachteln, Wannen, Schaufeln,
Salzfässern u. dergl., welche im Unterland und in Baden Absatz finden
und durch Händler abgeholt werden, beschäftigt manche Hände. Schnittwaaren werden auf der Achse nach Heilbronn und Neckarsulm gebracht,
und kommen von da auf den Neckar und den Rhein.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt, mit
Ausnahme der zum Forstamt Lorch gehörigen Parzellen Altschmiedelfeld,
Bayerhöfle, Nestelberg und Wolkenstein. Über die Bildung der Gemeinde im J. 1810 s. Laufen. Das Gemeindevermögen ist so klein, daß
die Umlagen für Amts- und Gemeinde-Zwecke fast dreimal mehr betragen,
als die direkte Staatssteuer. Auch das Vermögen der Stiftungspflege
ist unbedeutend. Die ganze Gemeinde gehört zur sogenannten untern
Pfarrei Sulzbach und in die dortige Schule. Die Zehenten gebührten
von Limpurg her dem Staat, mit der Ausnahme, daß die Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf an jenen von Bayerhöfle, und die Schulstelle
zu Sulzbach am kleinen Zehenten von Sulzbach Theil hatte.

Bis 1806 gehörten zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf,
Landamts Gaildorf: Bayerhöfle; zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Groningen,
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Amts Untergröningen: Grauhöfle, Gutschenhof, Haslach
und Ochsenhöfle; zu der 1780 durch Württemberg erworbenen Herrschaft
Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, Amts Schmiedelfeld: die übrigen
Parzellen. Die einzelnen Orte sind:

a) Das ev. Pfarrdorf Sulzbach am Kocher, 1 7/8 St. südöstlich
von Gaildorf, in einem engen, von dem Eisbach bespülten Thälchen gelegen, da wo dieses in das Kocherthal ausmündet. Mehrere kleine Bäche
stürzen in und bei dem Dorfe von den nahen Bergen herab, und schwellen bei Regengüssen den Eisbach so sehr an, daß er – wie z. B. am
14. Juni 1845 – an Gärten, Wiesen und Gebäuden große Verwüstungen anrichtet. Sulzbach ist dem Eisbach entlang gebaut und rechts von
dem Eichelberg, links von dem hereinhängenden Schmiedelfelder Schloßberge, zu welchem durch Hopfenpflanzungen und Gartenanlagen ein Weg
hinauf führt, beherrscht. Diese ungünstige Lage machte das Dorf so unwegsam, daß ehemals der Länge nach durch dasselbe über den stets angeschwellten Eisbach eine Brücke führte. Jetzt herrscht durch Anlegung
von Kandeln und geschlagene Straßen ein besserer Zustand. Über den
Kocher, jenseits dessen blos die obenerwähnten Mühlwerke in ansehnlichen Gebäuden liegen, und über den Eisbach führen zwei hölzerne
Brücken. Sulzbach ist der Sitz des Revierförsters von Schmiedelfeld.
Die massive und helle Kirche zum h. Michael auf einer Anhöhe wurde
1754 theils durch eine gezwungene Umlage auf die Angehörigen der
obern und untern Pfarrei, theils durch eine Collecte erbaut; der Thurm
aber ist von hohem Alter. Zwar ist die Vermuthung Prescher's (II, 261),
welcher in zwei Zahleninschriften die Jahre 1049 und 1205 liest, irrig;
dieselben weisen aber immerhin auf das dreizehnte Jahrhundert hin.
Eine der Glocken hat die Namen der Evangelisten in runden Majuskeln.
Die Uhr ist auf dem Rathhause, wo auch die Schulen sind. Das freundliche Pfarrhaus wurde 1842 von beiden Pfarrgemeinden mit einem
Staatsbeitrage von 3842 fl. ganz aus Stein gebaut. Das Försterhaus
hat 1824 der Staat gebaut. Zu Sulzbach gehören das Haus Brünst,
die 2 Häuser Eisbach-Thal und die am Irsbach liegende Walkmühle. Die meist an den Bergen hängenden Äcker sind so schwer zu
bauen, daß oft 2 bis 3 Paar Ochsen als Anspann erforderlich sind. Um
so besser sind die Kocherthalwiesen. Der Ort erhielt 1761 und 1775 die
Berechtigung zu 3 Jahrmärkten, welche nur als Viehmärkte sich bemerklich machen. Unter den Stiftungen ist eine mit 100 fl. Capital, von dem
am 29. Sept. 1722 verstorbenen kaiserlichen Obersten Ph. H. Calisius,
Freiherrn von Calisch, herrührend, dessen Vater Joh. H. Calisius hier
Pfarrer war. Das Patronat steht von der Herrschaft Schmiedelfeld her
der Krone zu. Die mit Laufen unirte Pfarrei wird in die obere und untere Pfarrei, wovon die letztere dem Umfang der Gemeinde Sulzbach
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entspricht, eingetheilt. Außer der Volksschule, die 50 fl. Stiftungen und
102 fl. Fonds hat, und an welcher ein Schulmeister mit einem Gehülfen
steht, ist auch eine Industrieschule vorhanden.

Sulzbach – der Ort oder der Bach – wird erstmals 1024 von
K. Heinrich II., als dieser den Wald Virngund zu einem Bannforste
macht, unter den Grenzorten genannt. (W. Urk.-Buch I, 256.) Im Jahr
1330 ist der Ort Hohenlohisch (Wibel IV, 81). Mit der Herrschaft Speckfeld kam der Ort zur Hälfte 1414 von Hohenlohe, zur andern Hälfte 1445
von Graf Leonh. v. Castell an Limpurg und theilte von da an mit Schmiedelfeld seine Geschicke. Das Halsgericht Sulzbach wird 1437 genannt.
Die Mahl- und Säg-Mühle kaufte Limpurg 1587 um 3100 fl. von einem
Privaten. Im Jahr 1741 waren in 49 Wohngebäuden 52 Unterthanen
und 6 Hausgenossen, also 260–290 Einwohner, die 1785 auf 510 angewachsen waren. Am 9. August 1634, im dreißigjährigen Kriege, wurde
nach Prescher der Ort und die ganze Umgegend von Croaten überfallen
die große Grausamkeiten verübten. Die Einwohner hatten sich meist in
den Comburger Wald geflüchtet. Nachher raffte die Pest viele Menschen
hinweg.

Die Pfarrei wurde 1550–1560 mit der Pfarrei Laufen vereinigt.
Die Angabe Einiger, als ob sie Kloster Murrhardtisch gewesen, beruht
auf einer Verwechslung. Nach Gründung der Schloßkirche zu Schmiedelfeld im Jahr 1594–1595 wurde dem Pfarrer auch die Besorgung
dieser übertragen, daher er den Titel „Hofprediger“ erhielt.

In der Nähe von Sulzbach wurde 1710 eine Glashütte erbaut, welche
unter einem herrschaftlichen Hüttenverwalter stand und auch weißes Glas
bereitete. Wann sie eingegangen, ist unbekannt.

b) Aichenrain, früher Eichenrain, 5/8 St. südöstlich von S.
(Sulzbach) auf der Höhe. Ein großes Hofgut, das Limpurg 1380 von
Ellwangen mit „einem Lehen zu St. Wolfgang, so zum Eichenrain genossen wird“ kaufte. Es wurde 1589 zu einem Kammergut gemacht und
später verpachtet. S. Schmiedelfeld.

c) Alt-Schmiedelfeld, auch Alten-Schmiedelfeld, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von S. am Kocher. Zwei Güter mit etwa 125 M. gehören der
Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf. Zwei Güter kamen mit der Burg
Kransberg an Limpurg; einen Hof kauft es 1488 von Ulrich von Münkheim; 1562 macht ein Bauer seinen Hof den Schenken fallbar. Das
1710 auf einer nahen Weide angelegte Fahrhöflein war schon 1741
wieder eingegangen. In welchen Beziehungen der Ort zu dem nahen
Schlosse Schmiedelfeld gestanden haben mag, war nicht zu ermitteln.

d) Bayerhöfle, auch Vorder-Nestelberg, {{Bruch|1|4}} St. südlich von S.
auf der Höhe bei dem Nestelberg. Eine 1722 angelegte Sölde.
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e) Brünst, auch Brünsterhof, 3/8 St. nördlich von S. auf der
Höhe. Ein kleiner 1701 auf einer Höhe angelegter Hof, der 1785 bloß
5 Einwohner hatte. Prescher fand in der Nähe einen alten Schacht, ohne
Näheres ermitteln zu können.

f) Egelsbach, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von S. am Igelsbach. Die Besitzer dieses Gütchens begaben sich 1397 in den Schutz der Schenken und
machten es ihnen vogtbar. Das Kloster Lorch kaufte 1544 den Wald am
Egelsbach von einem Bauern und gab ihn 1553 zu Erblehen. Zugleich
ist die Rede von einem „Bergwerk in dem Egelsbach,“ worüber Näheres
nicht angegeben werden kann.

g) Engelsburg oder Engelhöfle, 1 St. östlich von S. auf der
Höhe. Eine nach 1714 angelegte kleine Sölde.

h) Frankenreute, 3/8 St. südöstlich von S. auf dessen Markung;
neuere Ansiedelung.

i) Freihöfle oder Teufelshalde, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von S. auf
dessen Markung; gleichfalls neuere Ansiedelung.

k) Grauhöfle oder Lindenhöfle, 7/8 St. östlich von S. auf der
Höhe; eine 1709 angelegte Sölde.

l) Gutschenhof, auch Schafhöfle, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von S.
Eine aus Haslach gezogene Sölde.

m) Haslach, 7/8 St. südöstlich von S. auf der Höhe; ursprünglich ein Hof. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen die Vogtei über 4
Güter, die später wieder in einen Hof zusammengezogen und als Kammergut benutzt wurden.

n) Hägelenshöfle oder Fuchshäusle, {{Bruch|3|4}} St. östlich von S. auf
der Höhe; eine nach 1714 entstandene Sölde.

o) Hohenberg, 1 St. östlich von S. auf einem hohen Berge mit
vortrefflicher Fernsicht in's Fränkische. Zwei Güter kaufte Limpurg 1380
von Ellwangen. Das {{Bruch|1|4}} St. südlich davon gelegene Altenberg ist eine
neuere Ansiedelung.

Auf dem Berge stand einst eine Burg, von der noch Prescher Überreste fand; doch fehlen alle weitere Nachrichten.

p) Kleinteutschenhof oder Nebenstück, auf Sulzbacher Markung, gehört zu Frankenreute.

q) Kohlwald, auch Herrenkohlwald, mit Stöckenhof, {{Bruch|3|4}} St.
nordöstlich von S. auf der Höhe, aus zerstreut liegenden Häusern bestehend. Mit der Anlage wurde 1568 angefangen; Stöckenhof entstand
nach 1714. Im Jahr 1741 wurden 40, 1785 schon 99 Einwohner gezählt.

r) Mühlenberg, {{Bruch|1|2}} St. östlich von S. auf einem Berge. Ein
großes, früher als Domäne benütztes, Hofgut.
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s) Nestelberg oder Nestelhöfle, 3/8 St. südwestlich von S. auf
dem über dem linken Kocherufer sich erhebenden Nestelberg. Eine 1698
angelegte Sölde.

t) Neuhorlachen, 1 St. östlich von S. auf dem Wald am Nägelesbach; 1740 angelegt.

u) Öchsenhöfle, eigentlich Äxenhöfle, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von
S. im Walde; nach 1714 entstanden.

v) Schmiedelfeld, mit den zuvor erwähnten Bestandtheilen,
{{Bruch|1|8}} St. östlich von S. auf dem über dasselbe hereinragenden Berge sehr
schön gelegen. Prescher beschreibt II, 253 u. f. das 1739 an der Stelle
des alten Schlosses erbaute neue Schloß näher mit der daneben gestandenen 1594 erbauten Schloßkirche nebst den schönen Bildhauerarbeiten
und Grabmälern, da hier auch das Erbbegräbniß des Limpurg-Schmiedelfeld'schen Hauses war. Das Schloß war einst der Sitz eines alten
Geschlechtes, welches Stälin II, 537 den Dynasten beizählt. Ein Sigfridus de Smidelfeld ist 1172 im Gefolge K. Friedrich's I. (Wibel II,
32), ein Conrad 1194 bei K. Heinrich VI. in Piacenza, ein anderer Conrad 1224–1242 vorkommend, bei den K. Heinrich VII. und Conrad V.
Der Letztere nennt ihn dapifer noster (Böhmer fontes II, 224). Wann
Limpurg das Schloß erwarb, ist unbekannt. Es war 1437 im Besitz.
Im Jahr 1634 wurde das Schloß geplündert. Ein uralter Thurm war
bis 1719 Lehen von Ellwangen. Wie Schmiedelfeld 1441 dem Gaildorfschen Loose zufiel und das Schicksal desselben in den folgenden Theilungen, ist S. 92 angegeben. Es wurde 1557 die Residenz einer eigenen
Linie der Schenken. Nachdem Württemberg das Schloß mit der Herrschaft 1780 erkauft hatte, blieb es Sitz eines Stabsamtmanns; am 15.
April 1823 wurde es aber nebst dem Amthaus, Jägerhaus, Badhaus etc.
und den herrschaftlichen Höfen Aichenrain und Mühlenberg an den Obersten von Plessen aus Strelitz um 64.000 fl. als Rittergut verkauft, vom
Staat jedoch aus dessen Masse wieder an sich gezogen und am 25. Juni
1832 um 50.100 fl. an die Gemeinde Sulzbach verkauft. Diese veräußerte
alsbald die Güter mit Vortheil an einen Dritten, der sie zersplitterte und
alle in Privathände brachte. Das Schloß ist jetzt bis auf das erste Stockwerk abgetragen und zu einer Bierbrauerei eingerichtet; das Amthaus
und die übrigen Gebäude dienen zur Ökonomie. Die an die Gemeinde
mitverkaufte Kirche, in welcher bis 1830 dreimal jährlich Gottesdienst
gehalten wurde, wegen ihrer Kunstschätze und freundlichen Lage eine
Zierde des Ortes und der Umgegend, kam 1837 in die Hände von Juden,
die sie in eine Wirthschaft umschufen, wobei die Kunstwerke theils verdorben, theils zerstreut wurden, und den Thurm abbrachen.

w) Uhlbach, 1 St östlich von S. am Hohenberg. Wurde theils
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1380 von Ellwangen, theils 1482 von Friedrich von Roth zu Ober-Roth
erkauft.

x) Wolkenstein, früher Schafhöflein, {{Bruch|1|2}} St. westlich von S.
am Krasbach. Ein kleines 1500 angelegtes Gut.

Zwischen Sulzbach und Alt-Schmiedelfeld lag der längst abgegangene Ort Altenberg. Der Gmünder Bürger Conrad im Steinhaus
besaß 1400 das Gut „zu dem alten Berg“, und Limpurg kauft 1404 {{Bruch|2|3}} „der Weilerstatt genannt der Altberg bei Schmiedelfeld gelegen am Hopfenbach.“


Unter-Gröningen,

Gemeinde II. Kl. mit 14148 Einw. a. Unter-Gröningen, Pfd. mit Burren,
H. Herrenfeld, H. und Tyrol, H. zus. 997 Einw. wor. 670 Evang. b. Amselhöfle, H. 14 Ev. c. Billingshalden, W. 62 Einw. wor. 26 Ev. d.
Dinkbühl, H. 18 Evang. e. Forsthaus, Hs. 5 Evang. f. Gschwendhof, H.
24 Ev. g. Hurrenhof (Steinhöfle), H. 7 Einw. h. Oberhollenbach, W.
56 Ein., wor. 36 Ev. i. Ochsenhof, H. 16 Evang. k. Röthenberg, H.
21 Evang. l. Seelach, Hs. 23 Ev. m. Wegstetten, W. 205 Einw. wor. 145
Evang. – Kath. Pfarrei; die Evang. in i. sind nach Eschach, die übrigen nach Ober-Groningen eingepfarrt.

Dieser nördlich und östlich an das Oberamt Aalen grenzende Gemeindebezirk gehört dem obern Kochergebiet an, da er theils im Kocherthale, theils auf den beiderseitigen Abhängen desselben liegt. Die Beschaffenheit der letztern und des Thales selbst kommt ganz mit der bei
Ober-Gröningen angegebenen überein, nur daß das Thal bei Unter-Gröningen sich etwas erweitert. Auch hier sind die Schluchten wasserreich;
doch führen nur der bei Unter-Gröningen südöstlich eintretende Ödenbach und der mit dem Hollenbach vereinigte Röthenbach, welcher von
Norden herkommt, Eigennamen. Der Boden, fast durchweg Sandboden,
ist nicht fruchtbar, die Luft häufig neblig; die Abende und Nächte sind
Sommers kühl. In Vergleichung mit den auf der Höhe gelegenen Orten treten in 
Unter-Gröningen Frühling und Ernte um 8 Tage früher
ein. Die Gewitter theilen sich außerhalb der Gemeinde und ziehen sich
entweder südöstlich oder nordöstlich. Hagelschlag kam seit Menschengedenken nicht vor. Der Keuper und Lias liefern Bau- und Werk-Steine.
Die Kocherthalstraße ist noch nicht vollendet; die übrigen Wege sind
schlecht. Die Nahrungsquellen sind Feldbau und Viehzucht, die Vermögensverhältnisse und die Mittel des Auskommens im Allgemeinen
schlecht. Unter-Gröningen ist diejenige Gemeinde, welche im Verhältnisse
zur Bevölkerung den wenigsten gebauten Boden hat, der überdieß den
Fleiß sehr wenig lohnt. Die Gesammt-Markung, 3629 5/8 M. groß, 
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begreift 1450 2/8 M. Wald und 326 7/8 M. Weiden und Öden, worüber
nur 1,2 M. Baufeldes auf den Kopf verbleiben. Die Äcker sind ihrer
abhängenden Lage wegen schwer zu bauen. Um sie zu bessern, fehlen die
Mittel zu einem größern Viehstande. Dreifelderwirthschaft besteht nicht;
es wird Alles im Gemenge gebaut. Gewöhnliche Gegenstände des Anbaues sind: Roggen, Dinkel und Haber, auch Waizen, etwas Reps Klee
und wenig Wicken-Haber. Die Wiesen sind von mittlerer Ertragsfähigkeit. Die Obstzucht ist gering, auch der Boden ihr nicht günstig. Ein
M. Ackers kostet 25–150 fl., Wiesen 100–200 fl. Die Rindviehzucht
ist weniger gut als anderwärts und die Viehzahl hier am Kleinsten; es
findet sich die Limpurger, aber auch die Neuburger Race. In Unter-Gröningen sind viele Handwerker.

Der Bezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt Die Mittel der
Gemeindepflege sind so unzulänglich, daß die Umlage für Amts- und
Gemeinde-Zwecke die Staatssteuer um's Doppelte übersteigen. Die Stiftungspflege ist mit der von Ober-Gröningen vereinigt. Die Zehenten
gebührten von der vorigen Herrschaft her überall dem Staat, unter der
Beschränkung, daß die eben erwähnte Stiftungspflege in Dinkbühl,
Gschwendhof und Röthenberg, und Graf von Adelmann zu Hohenstatt
in Röthenberg mitbetheiligt waren.

Bis 1806 gehörte die Gemeinde zum Amt Untergröningen als Bestandtheil der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gröningen, welche in ihrer
nachmaligen Eigenschaft als Standesherrschaft 1827 an den Staat übergegangen ist (s. S. 104).

Von den einzelnen Orten liegt

a) das katholische Pfarrdorf Unter-Gröningen, 3 {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von Gaildorf in einem von Hügeln und Bergen umgürteten Thalkessel am Kocher, aus welchem sich auf einem südlichen Bergabhange das
stattliche Schloß erhebt, während sich das Dorf den Berg entlang bis an
den Kocher herab und noch an dessen jenseitiges Ufer hinzieht, ein anderer Theil desselben aber, die von den später angesiedelten Katholiken bewohnte ärmliche „Colonie“, mit dem Schloß auf gleicher Höhe liegt und
südlich von demselben sich hinzieht. Über den Kocher führt eine vor
etwa 14 Jahren neuerbaute steinerne Brücke; eine von Holz erbaute
Brücke hat der Eisgang am 2. Febr. 1850 weggerissen. Nur über steile
Berge gelangt man von Aalen und Gaildorf her in den Ort. Derselbe
war früher die Residenz eines regierenden Hauses und ist jetzt der Sitz
eines Revierförsters. Zu demselben gehören die erst in neuerer Zeit entstandenen einzelnen Wohnsitze Burren, Herrenfeld und Tyrol.

Was zunächst das nun im Eigenthum des Staats stehende Schloß
betritt, weiches nach dem über der Einfahrt eingehauenen schönen
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Wappen mit Inschrift von Schenk Christoph und seiner Gemahlin Maria
1564 erbaut wurde, so ist dasselbe ganz massiv, mit Mauern, welche bis
zu 7′ stark sind. Das Hauptgebäude steht auf der Ostseite gegen den Kocher hinab; zwei Flügel schließen sich westlich an; der Flügel, welcher
das Ganze schloß, wurde, um Licht und Luft zu gewinnen, gegen Ende des letztverflossenen Jahrhunderts abgebrochen. Die Thürme, Ringmauern, Gräben und Aufziehbrücken sind längst verschwunden und neueren Formen und Einrichtungen gewichen. Zwar beherrscht das Schloß,
weil von den neben dem Kocher hinstreichenden Höhen weit überragt,
keinen weiten Gesichtskreis; dagegen bildet die umherliegende Landschaft
ein reizendes und manchfaltiges Gemälde, welches durch den am Fuß des
Schloßberges unter vielfachen Krümmungen vorüberrauschenden Fluß
sehr an Lebendigkeit gewinnt. In dem südlichen, wohl älteren Flügel,
der auf der östlichen Seite mit einem Rondel besetzt ist und ein Thürmchen mit Uhr und 3 Glocken hat, ist die Wohnung des Revierförsters und
die Industrieschule. Der mittlere Bau, welcher von Osten her 5, vom
Hof aus 3 Stockwerke hat, enthält die Wohnung des Pfarrers und unter
derselben die kleine aber sehr schöne katholische Kirche zum h. Michael.
Sie wird von einer doppelten Reihe Säulen getragen, an welchen sich
ans drei Seiten Galerieen hinziehen, und hat 3 Altäre. Das Altarblatt
des Hauptaltars wurde in Würzburg gemalt und stellt den heil. Erzengel
Michael dar. An der westlichen Seite steht das Grabdenkmal der hier
ruhenden Fürstin Marie Friederike Sophie Charlotte von Hohenlohe-Bartenstein, welcher als Enkelin des Schenken Vollrath 1774 der Landesantheil Limpurg-Sontheim-Gröningen angefallen war. Sie nahm
als Wittwe hier 1776 ihre Wohnung und richtete das Schloß bequem
und modern ein, starb aber schon am 2. Mai 1777. Auch ruhen hier
die Gebeine eines Jesuiten, des Paters Nicola Beausegard; derselbe,
der Sage nach einst Beichtvater Ludwig's XVI. von Frankreich, hatte
hier eine Zufluchtstätte gefunden und starb am Abende des 27. Juli 1804, nachdem ihn Morgens beim Lesen der Messe der Schlag getroffen hatte. Ein Fonds für diese Kirche ist nicht vorhanden; der Pfarrer, welcher das Innere derselben erhält, empfängt vom Staat jährlich
70 fl. für die laufenden Ausgaben. Das Pfarr-Patronat hat die Krone.
In demselben Flügel des Schlosses ist auch die 1779 errichtete katholische Schule untergebracht. Der linke, nördliche Flügel enthält die Wohnungen des katholischen Schulmeisters, des Schloßaufsehers und die ehemalige Hofküche. Der Hauptbau hat an der nordöstlichen Seite einen
durch alle Stockwerke reichenden starken Riß, der in derselben Nacht entstand, als (1. Nov. 1755) Lissabon durch ein Erdbeben zerstört wurde.

Die evangelische Kirche, ein längliches Viereck von Stein mit
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hölzernem Thürmchen, worin 2 Glocken, ist hell und geräumig. Sie
wurde 1777 auf Kosten der Herrschaft erbaut und am zweiten Adventsonntag eingeweiht, nachdem früher, mindestens seit 1609, der (evangelischen) Pfarrgemeinde die Schloßkirche eingeräumt war. Der Pfarrer
von Ober-Gröningen hat hier je über den andern Sonn- und Feiertag
zu predigen und die Casualien zu halten. Die Baulast hat die Gemeinde.
– In dem 1828 erbauten Rathhause befindet sich auch die evangelische
Schule. – Am Kocher steht eine Mahl- und 
Säg-Mühle. – Unter-Gröningen hat gutes Trinkwasser; namentlich ist das Wasser des am östlichen
Abhange des Schloßberges entspringenden, nie versiegenden sogenannten
Wäschbrunnens ausgezeichnet.

Die meisten Einwohner sind arm und überschuldet. Namentlich ist
es die schon gedachte katholische Colonie, welche die öffentliche Fürsorge
in Anspruch nimmt. Die Nahrungsquellen derselben seit ihrer hienach
zu erwähnenden Aufnahme, bestehend in Baumwollenspinnen und herumziehenden Gewerben, womit auch der Bettel verbunden war, gingen
durch die Zeitverhältnisse versiegen, und obgleich es dem früheren Ortspfarrer Herlikofer gelang, mittelst einer Industrieschule und weiterer
Sorge für der Schule entlassene Kinder den Bettel größtentheils auszurotten, und durch Unterstützung der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins und des Vereins für entlassene Strafgefangene auch den Erwachsenen Brod zu verschaffen, indem sie sich insbesondere an dem Schachteln-
und 
Wannen-Machen, Verfertigen von Floßwieden, Pflugringen und
dergl. betheiligten, so ist doch die Noth noch groß. Winters wird mit
Hilfe eines Zuschusses der gedachten Centralstelle noch immer unter der
Leitung des Ortsgeistlichen das Wollenspinnen betrieben; die Schachtelnfabrikation hat aber neuerdings wegen der Concurrenz aus Sachsen und
Thüringen sehr abgenommen. Von der Residenz her ist die Zahl der
Handwerker noch unverhältnismäßig groß; unter andern finden sich Bierbrauer, Gerber, Seifensieder, Hafner, Uhrenmacher, Seiler, Hutmacher,
Conditoren, Drechsler und eine kleine Zündhölzchen-Fabrik.

An der evang. Schule mit 150 fl. Fonds stehen ein Schulmeister
und ein Gehilfe, an der kathol. mit 25 fl. Fonds ein Schulmeister. Der
Industrieschule ist schon gedacht. Beide Begräbnißplätze liegen außerhalb des Ortes.

Den ursprünglichen Herren des Ortes ist ohne Zweifel der Witho
de Groningen beizuzählen, welchen 1102 Herzog Friedrich von Schwaben,
als er durch denselben das von ihm gestiftete Kloster Lorch dem heiligen
Stuhle übergibt, einen nobilis dominus nennt (W. Urk.-Buch I, 334, wo
zwar auf Gröningen im Oberamt Crailsheim geschlossen wird). Derselbe Witho kommt 1108 als Zeuge in einer Comburger Urkunde vor
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(ib. 401). Wann dieses Herrengeschlecht erloschen und in wessen Hände
die Burg unmittelbar darauf kam, bleibt im Dunkeln. Mindestens seit
1248 war Kloster Comburg hier begütert. Im Jahr 1351 ist Johann
von Rechberg im Besitze der Burg (Gabelkover); 1362 wird Wilhelm
von Rechberg zu Grieningen von Württemberg, wie zuvor sein Vater
Ulrich, mit der Waibelhube belehnt (ib.). Nach Fröschel's handschriftlicher Chronik von Limpurg verkaufte Wilhelm von Rechberg 1410 die
Burg an Schenk Friedrich. Bald darauf ist sie aber wieder in andern
Händen. Denn Hans von Yberg und Agnes von Renhingen verkaufen
1436 um 5250 fl. an Schenk Conrad d. ä. und seine Brüder ihren Theil
der Burg nebst Zugehörungen, sammt den „Bomgärten“ vor der Burg,
dem Zoll auf dem Kocher, der Mühle und Badstube unter der Burg und
2 Lehen, ferner 9 Gütern in Ober-Gröningen, der Mühle und 2 Gütern
zu Algishofen, 1 Gut zu Fach, 2 zu Röthenberg, 1 zu Ottenried, 1 zu
Wegstetten, 1 zu Steinberg und 3 zu Altersberg, sowie das Gericht und
den Kirchensatz zu Gröningen im Dorf, und gegen 200 Leibeigene, mit
aller Herrlichkeit, für frei und eigen, ausgenommen, daß Steinberg und
Altersberg nach Seelach gerichtbar sind. Anselm von Yberg und Ytta
von Königseck verkaufen 1439 die andere Hälfte an Limpurg, und zugleich
1 Gut zu Dünkbühl, 1 zu Foretsweiler, 2 zu Ödengschwende, das Breitengeren, 1 Gut zu Künhard nebst 6 Bierling Vogthaber aus den dortigen Kloster Lorch'schen Gütern, 1 Gut zu Billingshalden und 1 zu Bühlingshalden. Gleichwohl findet sich die Herrschaft schon 1439 in den
Händen von Hans Sträußer und Anna Sträußer, Jörgs von Horkheim
Wittwe; 1454 verkauft Melchior von Horkheim die Hälfte an Kraft von
Enslingen (unter den Waldungen wird auch der „Centberg“ genannt);
{{Bruch|2|3}} an der andern Hälfte besaß jedoch 1456 Schenk Conrad d. ä., der sie
1459 unter Vorbehalt der Wiederlosung an Kraft von Enslingen veräußerte. Im Jahr 1469 besaß Ehrenfried von Schechingen 3/8 der Herrschaft. Wann diese wieder an Limpurg gelangte, ist unbekannt, wahrscheinlich noch im fünfzehnten Jahrhundert. Die Zehenten diesseits des
Kochers, welche die Pfarrei Leinzell genoß, verkauften die Patronen derselben, Wolf Caspar von Haunsheim und Jörg zum Horn, beide von
Horkheim, 1556 um 340 fl. an Limpurg. Wie die Herrschaft vom Hause
Gaildorf an Sontheim und 1774 in den Besitz einer eigenen Linie kam,
ist mit den übrigen Geschicken derselben im allgemeinen Theil bemerkt.
In der letzten Zeit des Bartenstein'schen Besitzes wurde Unter-Gröningen
die Residenz des Prinzen Carl, nachmaligen Fürsten von Hohenlohe-Jagstberg und 1798 des Fürsten Ludwig Carl von Hohenlohe-Bartenstein.

Was das Kirchengeschichtliche betrifft, so war der Ort bis 1776 ganz
evangelisch. Als aber jetzt die Fürstin M. Friederike S. Ch. von 
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Hohenlohe-Bartenstein, welche katholischer Confession war, ihre Residenz
hier aufschlug, zog sie die Schloßkirche an sich, um sie für sich und ihren
zahlreichen Hofstaat zum katholischen Cultus einzurichten. Es wurden
zu Versehung des Gottesdienstes zuerst zwei Cistercienser-Mönche herberufen, denen 1781 zwei Kapuziner folgten. Die Gemeinde, außer der
fürstlichen Familie und den Hofangehörigen, seit 1779 nur aus den Bewohnern von Billingshalden bestehend, vergrößerte sich erst unter dem
oben erwähnten Fürsten Ludwig Carl, welcher jedem Katholiken, der sich
hier niederlassen würde, außer seinem Schutz eine Baustätte nebst Gärtchen unentgeltlich anbot. Nun zeigten sich von allen Seiten her
Liebhaber, die mit Unterstützung des Fürsten sich hier ansiedelten und unentgeltlich als Bürger aufgenommen wurden. Ebenso und zu gleicher Zeit
entstanden auch die Filialien Wegstetten und Hohlenbach. So bildete
sich eine dem Bisthum Augsburg untergeordnete Pfarrei, die bis 1804
von zwei Kapuzinern versehen wurde. Der Zurückgebliebene legte am
2. April 1811, als sein Pfründeinkommen geregelt war, den Mönchshabit ab.

Unter-Gröningen wird zwar der Burg wegen in früheren Jahrhunderten als Stadt bezeichnet, bestand aber außer dem Schlosse nur aus der
Mühle, der Badstube und zwei bäuerlichen Burglehengütern, und hatte
keine Mauern. Die übrigen aus Sölden bestehenden Güter, 31 an der
Zahl, sind seit 1500 angelegt worden. Im Jahr 1741 waren 39 Wohngebäude mit 38 Unterthanen und 7 Beisitzern vorhanden. Im Jahr 1767
war die Einwohnerzahl 313; 1789 aber nach Prescher um die Hälfte
größer. Sie hat sich also in 84 Jahren verdreifacht.

b) Amselhöfle, {{Bruch|1|8}} St. südwestlich von U. (Unter-Gröningen)
auf dessen Markung. Eine neuere Anlage.

c) Billingshalden mit Schafhaus, 3/8 St. südwestlich von
U. über einer Waldschlucht, kommt mit Bühlingshalden 1436 vor (siehe
zuvor). Es wurde bis 1779 als ein Kammergut benützt und hatte 1741
ein mit einer Ringmauer umgebenes Herrenhaus.

d) Dinkbühl, auch Dünkbühl, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von U. Gleichfalls bis 1780 ein von der Herrschaft verpachteter Hof (s. zuvor).

e) Forsthaus, 3/8 St. nördlich von U. über dem rechten Kocherufer. Eine neuere Ansiedelung.

f) Gschwendhof, auch Öde-Gschwend, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich
von U. zur Rechten des Röthenbachthälchens. Der Hof bestand schon
1439 aus 2 Gütern (s. oben).

g) Hurrenhof oder Steinhöfle. Eine neuere Anlage.

h) Oberhollenbach, auch Hollenbach, 7/8 St. nordöstlich von
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U. auf der Oberamtsgrenze. Scheint um 1780 entstanden zu seyn (siehe
oben).

i) Ochsenhof, eigentlich Öchsenhöfle, 3/8 St. südwestlich von U.
über dem Ödenbachthälchen. Wurde 1710 angelegt.

k) Röthenberg, auch Rödelberg, {{Bruch|1|2}} St. östlich von U. zur
Rechten des Röthenbachs (s. zuvor.) Im Jahr 1741 saß auch ein freiherrlich von Wöllwarth'scher Unterthan hier.

l) Seelach. Eine neuere Ansiedelung.

m) Wegstetten, früher Rappenkohlwald, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von U. rechts über dem Röthenbach. Im Rappenkohlwald wurde um 1550
das erste Gütchen angelegt; 5 andere Sölden entstanden 1581 bis 1626.
Weitere Colonisten kamen, wie zuvor bemerkt, um 1780 hierher. Um
dem armen Orte aufzuhelfen, trat ihm 1834 der Staat 50 M. ausgerodeten Waldboden ab, so daß er jetzt etwa 130 M. Baufeldes besitzt. Die
Einwohnerzahl, 1767 28, hat sich inzwischen nahezu verachtfacht.

Nach Prescher besteht die Sage, daß vor Alters hier das Städtchen
Raab gestanden und dem Walde den Namen gegeben habe.

Nicht weit von Dinkbühl liegt auf freiem Feld ein großer runder
Stein, der Teufelsstein genannt. Der bei Unter-Gröningen genannte
Centberg weist gleichfalls auf ein deutsches Alterthum.


Unter-Roth,

Gemeinde II. Klasse mit 1345 Einw. a. Unter-Roth, Df. mit Chausseehaus, Hs.
und Ölmühle 240 Einw., wor. 1 Kath. b. Bröckingen, W. 200 Einw. c. Hohnkling, W. 252 Einw. d. Kieselberg, H. 15 Einw. e. Münster, Pfw. mit
Münster-Mühle 378 Einw. f. Reippersberg, W. mit Reippersberger Sägmühle
90 Einw. g. Schönberg, W. 98 Einw. h. Wildgarten mit Hs. W. 72 Einw.
– Ev. Pfarrei; Parz. c. Fil. von Vichberg, Parz. h. Fil. von Gschwend; die Katholiken in Parz. a. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.

Die theils dem Roth- und Kocher-Thale, theils dem Wald angehörigen Gemeindetheile erstrecken sich in einer Länge von 2 Stunden von der
Markung der Oberamtsstadt bis auf diejenige Höhe des Gschwender
Waldes, welche wegen der sich hier ändernden Gebirgsformation als die
erste Gebirgsstufe über dem Kocher bezeichnet werden kann. Der Kocher
durchströmt in der Richtung von Süden nach Nordwesten den Bezirk und
nimmt von Westen her die unterhalb Unter-Roth einmündende Roth
auf, mit der sich zuvor der Spitzelbach vereinigt. Namentliche Zuflüsse
des Kochers sind: von Osten der Dahnbach, der Argersbach und Bröckingerbach, von Westen der Hausersbach und von Süden der Steigersbach
mit seinen Zuflüssen, der die Grenze zwischen den Herzogthümern Franken und Schwaben hatte bilden helfen. Bedeutendere Höhen zum Theil
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mit schöner Fernsicht sind, außer dem Waldgebirge, das vom Fuße an
bis Reippersberg der Miedberg heißt, der zwischen dem Kocher und Eisbach sich lagernde Kieselberg und der über das Kocher- und Roth-Thal
hereinragende Kirgel. Eine größere Ebene des Waldes ist der zwischen
Reippersberg und Hohnkling gelegene Rusmaden, wo 1741 ein Theil
des französischen Heeres sich gelagert hatte (S. 110). Der Bezirk liefert
sehr feine und gute weißbläuliche Werksteine. Auf einer Anhöhe bei Münster wurde 1827 beim Graben eines Bierkellers ein schöner Mammuthszahn gefunden, der eine Länge von 6 {{Bruch|1|2}}′ und einen Umfang von 1′ 1″
hatte. Die Gegend ist gesund. Die übrigen natürlichen und die meisten
landwirthschaftlichen Verhältnisse kommen mit denen von Gaildorf und
Vichberg, beziehungsweise Gschwend, überein. Durch den Bezirk führt
die Landstraße von Gschwend nach Gaildorf über die sehr steile, doch
jetzt im Umbau begriffene Miedberger Steige; zunächst bei Unter-Roth
mündet in dieselbe die Roththal-Straße ein und führt die obere Kocherthal-Straße vorüber. Die Markung, nach Ober-Roth zwar die größte
(10.030 4/8 M.), besteht über die Hälfte aus Waldungen und zu mehr als
1/10 aus Weiden und Öden; der durchschnittliche Betreff an Baufeld ist
2,4 auf den Kopf. Der Boden, so weit er angebaut, ist allermeist fruchtbar. Haupterzeugnisse sind Dinkel, der in Bröckingen vorzüglich geräth,
Roggen, Hanf, in Hohnkling Flachs, ferner Klee und im Thale bei den
trefflichen Wiesen sehr vieles Heu, daher die Viehzucht als Hauptnahrungsquelle zu betrachten ist. Unter-Roth hatte ehemals Weinbau. In
Unter-Roth, Reippersberg und Schönberg ist der Privatwaldbesitz bedeutend. Die wohlhabendste Parzelle ist Reippersberg. Bröckingen ist
neuerer Zeit in seinem Wohlstande durch den Güterhandel herabgekommen. Von eigentlichen Gewerben sind blos 3 mit Sägmühlen verbundene Mahlmühlen, eine weitere Sägmühle und eine Ölmühle zu erwähnen.

Zum Forstamte Comburg sind Bröckingen, Kieselberg und Münster,
zum Forstamte Lorch die übrigen Parzellen eingetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig, die der Stiftungspflege mittelmäßig. Für die Armen der Pfarrei Münster hat 1788 die
Fürstin Christine Wilh. von Leiningen 736 fl. gestiftet. Die
Schulverhältnisse sind nach den Kirchensprengeln geregelt. Zehentherren
waren bisher: in Bröckingen und Münster die Standesherrschaften Limpurg-Gschwend und Limpurg-Waldeck und die Pfarrei Münster; in Unter-Roth die beiden erstern; in Reippersberg die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend, in Schönberg die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck;
in Kieselberg, das vom großen Zehenten frei ist, die Pfarrei Münster hinsichtlich des kleinen Zehenten.
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Sämmtliche Parzellen gehörten bis 1806 zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Landamts Gaildorf, mit Ausnahme einiger Theile
von Unter-Roth und Reippersberg, welche unter dem Stabsamt Comburg standen und 1808 vom Oberamt Vellberg zum Oberamt Gaildorf
kamen.

Von den einzelnen Orten im Besondern:

a) Unter-Roth, früher auch Niedern-Roth, 5/8 St. südwestlich
von Gaildorf im Kocherthale an dem Fuße des Miedbergs und den oben
erwähnten Straßen. Ein reinlich gehaltener, von dem Spitzelbach bewässerter, zunächst der Roth gelegener Ort, mit ansehnlichen Gebäuden.
Die Gemeinde-Angelegenheiten werden in einem Privathause verhandelt.
Zu dem Orte gehört das schön gelegene Chausseehaus am Miedberg
und die Ölmühle an der Roth.

Früher waren Comburg und Limpurg Herren des Ortes. Limpurg
kauft 1338 von Walther Haugg von Wöllstein einen Hof; 1398 von Seyfried von Michelfeld seine Güter, die zuvor die Gregg besessen und bis
dahin von den Herren von Weinsberg Lehen waren; im Jahr 1473 stifteten die Schenken Friederich und Wilhelm an die ewige Messe in der
Capelle zu Adelmannsfelden „die Weilerstatt Unterrot an der Rodt gelegen“, die Schenk Friederich von Junker Ulr. von Schechingen erkauft hatte;
um 1488 kauft Limpurg von den Gmünder Bürgern im Steinhaus ein Gut
und von Bauern einige freie Güter; 1509 von Wilhelm und Erkinger von
Rechberg die Vogtei über ein dem Kloster Lorch zustehendes Gut im
Steigersbach. Auch ein 1467 durch die Caplanei Gebenweiler von Balthasar von Hausen erworbenes Gut, 2 Lehen des Heiligen zu Münster
und 4 Güter, die nur 1 Fastnachthenne und 1 Gulden zu Schirmgeld
reichten, standen unter Limpurg. Comburg hatte 6 Güter, davon 5 den
Schenken, 1 Comburg vogtbar waren; auf letzterem saßen 1804 4 Unterthanen. – Der Mordbrenner, welche im spanischen Erbfolgekriege
hier niedergemacht wurden, ist S. 110 gedacht.

Wann der vorgedachte Ort Steigersbach abgegangen, ist unbekannt.

b) Bröckingen, 5/8 St. östlich von U. (Unter-Roth) am Waldrande des rechtseitigen Kocherufers, östlich und westlich von Bergen umgeben. Unter den Orten, welche Graf Heinrich von Rotenburg 1091 von
den Brüdern von Altdorf erhält, um sie dem Kloster Comburg abzutreten (s. Eutendorf), wird auch Drezenwilare genannt (welches das Würt.
Urk.-Buch I. 399 für einen abgegangenen Ort hält), womit wohl dieser
Ort gemeint seyn kann. Limpurg besaß 1374 den Zehenten und 2 {{Bruch|1|2}}
Güter. Es kaufte 1384 von dem Haller Bürger Seyfried Heffner von
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Sontheim 1 Hube, 1477 von Gottfried von Bachenstein 4 Höfe, 1488
von Ulrich von Münkheim 1 Hof, der auch 1483 1 Hof an die Pfarrei
Sulzbach am Kocher verkaufte. Von 1484 bis 1535 machen mehrere
Bauern ihre freien Güter den Schenken gültbar, vogtbar, gerichtbar und
dienstbar. Ein Gut gehörte dem Heiligen zu Gaildorf, ein anderes der
Capelle zu Heerberg.

c) Hohnkling, 1 St. südwestlich von U. auf dem Walde.
Ort war eine Zugehörde der Burg Röthenberg. Die Zehenten erwarb
Limpurg 1563 vom Kloster Murrhardt. Ein Lehen gehörte der Pfarrei
Vichberg. Die Einwohnerzahl war 1785 nur 129.

d) Kieselberg, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von U. auf einer Ecke des
Kieselbergs, von wo aus sich eine schöne Aussicht in das untere 
Kocher-Thal und in's Hohenlohe'sche eröffnet. Der Hof war ehemals ein Kammergut mit einem Herrenhaus.

e) Münster, {{Bruch|1|2}} St. östlich von U. zu den Füßen des östlich sich
erstreckenden Waldgebirges, nahe am rechten Kocherufer, in welchen hier
der das Dorf bewässernde Dahnbach fällt, sehr schön und angenehm gelegen. Über den Kocher führt eine bedeckte Brücke. Der Pfarrweiler ist
größtentheils wohl gebaut und war bis 1820 der Sitz der Gemeindebehörden. Der Pfarrer wohnt in Gaildorf, das nur {{Bruch|1|8}} St. entfernt ist.
Die Kirche, ganz von Quadern, liegt auf der nordöstlichen Seite mitten in dem, seine Umgebungen etwas überragenden, auf der südlichen Seite in Garten-Anlagen umgewandelten, nach Norden hin aber noch
gebrauchten Kirchhof, und verdient eine nähere Betrachtung.

Das Schiff bildet ein in der Richtung von West nach Osten gestelltes
längliches Viereck, im Lichten etwa 56′ lang und 30′ breit, mit flacher,
früher hölzerner, jetzt vergipster Decke; es hat 2 Eingänge, über dem
westlichen Portal ein Rundfenster mit Kreuzfüllung und gegen Mittag
3 hohe Spitzfenster. Östlich am Langhaus steht der dreiseitig geschlossene Chor, im Lichten 23′ breit und 25′ tief, ebenfalls mit platter Decke
und nach dem Schiffe hin durch einen zugespitzten Bogen geöffnet. In
den 3 Schlußseiten, so wie gegen Mittag hin, befindet sich je ein hohes,
von einem senkrechten Stabe gleichmäßig abgeheiltes, im Bogenfelde
mit einfachen Ornamenten gefülltes Spitzbogenfenster. Auf der nördlichen Seite des Chors, an das Langhaus sich anschließend, steht der, an den
Außenseiten etwa 17 und 20′ im Maß haltende, viereckige Thurm, in
den man vom Chor aus durch eine Spitzbogenthüre tritt; der untere
Raum desselben bildet die nur spärlich erhellte Sakristei. An der nördlichen Seitenwand des Schiffes, dem südlichen Portal gegenüber, ist
eine mit ganz einfachen Ornamenten gezierte Nische, in welcher sonst
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die hienach erwähnten Bilder aufgestellt gewesen seyn mochten, jetzt zu
einem Kirchenstand eingerichtet. Die Kanzel ruht auf einer an die südliche
Seite des Eingangs in den Chor gestellten Säule. Der Chor ist durch
Kirchstühle und eine Empore nebst der Orgel, die gerade vor dem
mittlern Fenster steht, verunstaltet und verfinstert. An der nördlichen,
blinden Seite des Chors ist ein leider der Spitze beraubtes Sacramenthäuschen angebracht: ein in die Wandung eingelassener, mit
Gitterthüre verschlossener Schrank, dessen Umfassung und Aufsatz in
einfachen, hübschen, in Sandstein gehauenen Ornamenten besteht. Die
Umfassung enthält an den beiden obern Ecken des Kastens die Wappen
von Limpurg und Montfort, dazwischen einen Engel, der das Schweißtuch vorhält. Glasmalereien finden sich im Chor keine, dagegen in
einem der 3 Kirchenfenster das Bild der Madonna, ziemlich roh, im
mittlern Fenster aber 2 kleine, runde, ungefähr 8″ im Durchmesser haltende Scheiben, auf deren erster die Geißelung Christi, auf der andern
der heilige Sebastian, an einen Baum gebunden und von Pfeilen getroffen, in schwarzen Umrissen dargestellt sind. Der Thurm hat 4 Stockwerke; das unterste, zugleich das höchste, ist oben mit einem Kreuzgewölbe von stark hervortretenden Gurten geschlossen; in dem Schlußstein ist das Limpurgische Wappen eingehauen. In das zweite Stockwerk
tritt man unter dem Dach des Chores, von wo eine Treppe vollends
hinauf bis zu den Glocken führt. In den mittlern Abtheilungen finden
sich kleine, schmale Lichtöffnungen, im obersten Stockwerk aber nach
allen 4 Seiten hin größere, je durch ein nach Innen wie nach Außen
zurücktretendes Säulchen in 2 gleiche Theile getheilte, kreisrund geschlossene Fensteröffnungen. Der Thurm mag bis zur Spitze des Daches
ungeführ 100′ messen , wovon beiläufig {{Bruch|1|3}} auf das Dach kommt. Von
den im Thurm hängenden 3 Glocken sind 2 alt, ohne Jahreszahl; sie zeigen in der Umschrift mit rohen Majuskeln die Namen der 4 Evangelisten
(bei der einen kommt es vor, daß der in dem Wort Markus enthaltene
Buchstabe k nicht aufrecht, sondern quer steht, was vermuthen läßt, daß
die Schrift angegossen und dabei jener Buchstabe aus Versehen in solcher Stellung hingekommen ist). Für das hohe Alter der (früheren)
Kirche sprechen die dem vorgothischen Baustile angehörigen Thurmfenster, so wie die, aus gemischten römischen und neugothischen Majuskeln bestehenden Glockeninschriften, die im 13ten Jahrhundert schon nicht
mehr gebräuchlich gewesen sind. Die Kirche, wie sie jetzt steht, stammt
jedoch ihrer ganzen Anlage nach, höchstens aus dem 15. Jahrhundert.
Dafür zeugen sowohl die spitzbogigen Fenster und Thürme, so wie die
geschweiften Linien, die an einzelnen Ornamenten zu bemerken sind, als
die an dem Sakramenthäuschen angebrachten Wappen, welche, den bis
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jetzt bekannten Limpurgischen Stammtafeln nach, nicht wohl andere seyn
können, als entweder die Wappen des (1482 †) Schenken Conrad und
seiner Gemahlin, der Gräfin Clara von Montfort, oder der jüngern
Schwester desselben, der an den Grafen Rudolph v. Montfort verheiratheten Schenkin Elisabetha. (Die letztere Annahme hat deßhalb eine
größere Wahrscheinlichkeit für sich, weil dem Limpurgischen Wappen
seine Stellung links, dem Montfortischen aber die seinige auf der
rechten Seite des Tabernakels angewiesen worden ist.) Von den in
Holz geschnitzten Bildern, welche das Innere dieser Kirche geziert haben, sind noch mehrere, aber leider höchst verwahrlost, vorhanden. *)
Diese Figuren sind: Christus am Ölberg nebst den schlafenden Jünqern, in etwas mehr als halber Lebensgröße, von meisterhafter
Hand, aber zum Theil gänzlich zerstört. Sie scheinen ursprünglich bemalt gewesen zu seyn; es ist aber von den Farben kaum eine Spur mehr
zu finden. Ohne Zweifel haben dieselben die oben gedachte Nische ausgefüllt. Vier weitere Figuren, sitzend, ebenfalls ursprünglich bemalt,
mögen die Bilder von Kirchenpatronen oder höheren Geistlichen dargestellt haben; sie sind aber gänzlich ruinirt, indem sämmtlichen die
Hände und drei davon die Köpfe abgeschlagen sind. Sodann sind auch
noch einige Heiligen-Bilder vorhanden, weiche die älteren Altare (deren
es 2 gewesen zu seyn scheinen) geziert haben mögen. In Ermangelung der
Hände, die ihnen abgeschlagen sind, so wie aller Attribute, laßt sich
aber nicht wohl bestimmen, wen sie vorgestellt haben. Auch sie sind
von Künstlerhand, etwa 3′ hoch, und ursprünglich reich vergoldet und
bemalt gewesen. Das besterhaltene dieser Bilder endlich ist die Maria
mit dem Leichnam Christi auf dem Schoos, ein ausdrucksvolles Bild,
dem ein besserer Aufbewahrungsort zu wünschen wäre, als der Kasten
in der Sakristei, der es vor weiteren Beschädigungen doch nicht schützt.

Unter dem Dache wird ein Todtenwagen aufbewahrt, der 1634–1637, wo die Pest wüthete, gebraucht worden seyn soll und daher noch 
der Pestwagen heißt. Neben der Kirche steht die unten erwähnte uralte,
ganz zerfallene Capelle. Die Baulast an der Kirche hat der Ortsheilige. 

*) Noch vor ungefähr 8 Jahren fand dieselben Ober-Rentamtmann
Mauch, welchem wir diese Beschreibung der Kirche verdanken, theils in einer
Ecke der Sakristei, hinter anderm Gerümpel, theils auf dem Dachboden zerstreut, theils – und diese waren am übelsten daran – bereits von Fäulniß angesteckt, in einem in der Nähe der Kirche befindlichen Häuschen, in welchem
das Todten-Geräthe aufbewahrt wird, und das so schlecht bedeckt war, daß
das Regenwasser an jenen Figuren hinablief; er ließ sie sogleich in's Trockene,
und zwar in Ermangelung eines bessern Aufbewahrungs-Ortes, auf den Boden unterm Kirchendach bringen, wo sie noch liegen.
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Das Schulhaus, ziemlich alt und klein, liegt im obern Theile des
Dorfes und ist vom Heiligen zu bauen. Das Patronatrecht hat zu {{Bruch|3|4}} die
Standesherrschaft Limpurg-Waldeck und zu {{Bruch|1|4}} die Standesherrschaft
Limpurg-Gschwend. An der Schule mit 60 fl. Fonds steht ein Schulmeister mit einem Gehilfen. Bis 1710 wurden auch die Todten von
Gaildorf hier beerdigt.

Münster, das den Namen ohne Zweifel von seiner alten Kirche erhalten hat, da im Mittelalter größere Kirchen „Münster“ hießen, wird
zwar 1286 erstmals genannt, ist aber gewiß noch älter. Das Kloster
Lorch hatte frühe schon Vogtrechte; 1338 belehnt es einen Conrad Glashofen, Vogt zu Gaildorf, mit 2 Gütern nebst Vogtei und kauft 1362
die letztere wieder an sich. Allein schon 1374 war der Ort mit
wenigen Ausnahmen Limpurgisch. Die Schenken kauften 1414 von
dem Haller Bürger Hans Spieß 2 Güter und 1415 von Hans Buning
ein Gut, das vormals ein Lehen Limpurg's war. Auch Comburg
war früher schon begütert, doch ohne Vogteirechte. Im Jahr 1286
wird als plebanus de Munster ein Heinricus de Brunnen genannt
(Wibel IV, 20.); 1338 setzte Bischof Otto von Würzburg einen von den
Schenken von Limpurg präsentirten Priester als Pfarrer ein; es war
dieß Schenk Conrad II., des Patrons Bruder, der anfänglich im geistlichen Stande war. Im Jahr 1424 nennt sich der Pfarrer, Heinrich
Benkler, zugleich „Dechant des Capitels zu Halle“. Daß Gaildorf bis
1433 Filial von Münster war und wie nun das umgekehrte Verhältnis
eintrat, ist S. 127, und wie seit 1810 der Pfarrer zugleich Helfer von
Gaildorf ist, S. 125, angegeben. Der Filial-Verband mit Gaildorf
hatte 1694 aufgehört. Das stets Limpurgisch gewesene Patronat wurde
1690 zwischen Wurmbrand und Solms-Assenheim, die zugleich das Episcopat hatten, getheilt; 1819 ging der Württembergische Antheil an Waldeck und Ysenburg, 1824 aber auch der Ysenburgische Antheil an Waldeck über.

f) Reippersberg, auch Reuppersberg, 5/8 St. südwestlich auf
dem Walde. Der wohlhabendste Ort der Gemeinde, zu welchem die am
Steigersbach gelegene Sägemühle gehört. Er war ein Condominat
Limpurgs mit Comburg. Schon 1085 schenkte Adelbert von Bielrieth
Güter in Regenhereswilare an dieses Kloster (W. Urk. Buch. I, 395), welches auch 1400 von dem Gmünder Bürger Düring Nolle 2 Lehen kauft.
Limpurg besaß als Zugehör der Burg Röthenburg 1374 den Zehnten
und 2 Höfe und kaufte vor 1488 von den Spieß zu Hall und von denen
von Adelmann je ein Gut. Der Comburgische Besitz bestand 1657 aus
4 Lehen mit Vogtei darüber, woraus 1804 – 24 Unterthanen waren.
Die ganze Einwohnerzahl war 1785 56.
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g) Schönberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von U. in einem Waldthälcben,
das von dem Steigersbach, mit dem sich hier der Osterbach vereinigt, bewässert ist. Limpurg besaß schon 1374 ein Gut und erwarb ein anderes,
das noch 1453 Ulrich von Rechberg gehört. Der Ort hatte aber auch eine
Kirche, die jedoch schon vor 250 Jahren nicht mehr vorhanden war.
Man weiß nur, daß Hans Conrad von Hirnheim zu Wöllstein 1547 an
Limpurg seine Vogteirechte auf den Heiligen zu Schönberg, das Pfarrlehen und die Kirchengüter, nebst dem „Kirchensatz“, zwei Unterthanen
und andere Zinsleuten, wie er das Alles von seinen Voreltern ererbt
hatte, abtrat. (Limp. Acquis. Doc.) Die Pfarrei war noch 1450 besetzt.

h) Wildgarten, {{Bruch|5|4}} St. südwestlich von U. auf dem Wald, an
der Staats-Straße. Hier war vor Zeiten ein herrschaftlicher Wildpark
und dann ein Stuttenhof mit einigen Wohnungen. Das kleine Gut war
noch zu Ende des verflossenen Jahrhunderts eine Domaine.

Bei Reippersberg lag der längst abgegangene Ort Mettelberg.


Vichberg,

Gemeinde II. Klasse mit 1396 Einw. a. Vichberg, mit Stöckenhofer Sägmühle und Viehhaus, Hs. 525 Einw., wor. 1 Kath. b. Buschhof, H. 9 Einw.
c. Dappach, W. 36 Einw. d. Diebach, Hs. 28 Einw. e. Erlenbach, Hs.
7 Einw. f. Gehrhof, W. 25 Einw. wor. 2 Kath. g. Glattenzainbach, M.
10 Einw. h. Hinterlaugert, W. 31 Einw. i. Hornberg, W. 61 Einw.
k. Kronmühle, W. 11 Einw. l. Michelbächle, W. m. Kleehaus, H. 83 Einw.,
wor. 1 Kath. m. Mittelroth, W. mit aa. Ölhaus, Hs. bb. Reute, Hs. zus.
308 Einw., wor. 2 Kath. n. Plapphof, W. 34 Einw. o. Rauenzainbach,
W. 19 Einw. p. Retzenhof, H. 7 Einw. q. Rupphof, H. 18 Einw. r. Voderlangert, W. 156 Einw. s. Waldeck, Schloß, 12 Einw. t. Wörbelhöfle, H. 13 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. i. p. u. q. Fil. von Murrhardt; die
Kath. in Parz. a. f., l. und m, sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.

Der zwischen Hausen und Unter-Roth sich ausdehnende Gemeindebezirk gehört dem Roththale mit seinen beiderseitigen Gehängen und
Höhen an und grenzt westlich an das Oberamt Backnang. Die Luft ist
gesund. Cretins hat es jedoch von jeher im Thale gegeben. Die Thalbewohner sind untersetzte, übelsüchtige Leute, die Bergbewohner aber
groß und kräftig. An Trinkwasser ist auch auf den Bergen kein Mangel.
Zuflüsse der Roth sind von Norden her der Diebach und Erlenbach, von
Süden und Südwesten der Rauhenzainbach, Glattenzainbach und Eichelbach, welche Sommers nur nach Regen fließen. Der Boden ist im Thal
schwer, mit Lehm vermischt, auf den Höhen sandig, zum Theil mit
Lehm vermischt, seine Fruchtbarkeit mittelmäßig, großen Theils gering.
Die Vegetation ist 14 Tage zurück hinter der des Kocher- und 
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Murr-Thales, und Frühlingsfrost und kalter Nebel häufig. Das Mineralreich
liefert namentlich aus einem Bruche am Dappachthale treffliche feinkörnige
Sandsteine von ölgrüner Farbe. Auch Sandmergel und eine Thongrube findet sich. Der Bezirk ist von der Roththal-Straße durchschnitten,
in welcher hier die Stuttgart-Backnanger Landstraße über die jetzt in
Umbau kommende Schanzsteige (S. 83) einmündet. Auf allen, großen Theils erst in neuerer Zeit angelegten Orten ruhten bis jüngst noch
schwere Feudallasten. Die große Mehrzahl ist mit Schulden belastet
und hat nur bei ärmlicher Kleidung und Nahrung ihr Auskommen. Ihren
Haupterwerb ziehen die Einwohner aus Waldarbeiten; Viehzucht und
Ackerbau sind meist untergeordnet. Die Gesammtmarkung ist 7220 {{Bruch|1|8}}
M. groß, worunter 2696 3/8 M., also mehr als {{Bruch|1|3}} Waldungen, und 900 3/8
M. Waiden und Öden; der durchschnittliche Betreff an Baufeld ist 2 {{Bruch|1|4}} M.
Der Zustand der Landwirthschaft ist mittelmäßig. Im Thale wird Dinkel, Haber und Einkorn, auf den Höhen Roggen und Kartoffeln, die
früher sehr gut waren, gebaut. Der Dinkel, wovon der weißliche vorherrscht, wächst im Roththale in vorzüglicher Qualität. Doch befriedigt das Getreide-Erzeugniß den Bedarf der Gemeinde nicht immer;
kaum 10 ihrer Angehörigen können Frucht verkaufen. Ein mittelguter
M. Ackers erfordert an Aussaat gibt Ertrag
Dinkel	1 Scheffel 4–4 {{Bruch|1|2}} Sch.
Haber	6 Simri	4–4 {{Bruch|1|2}} Sch.
Einkorn	5–5 {{Bruch|1|2}} Sr.	5 Sch.
Roggen	4 Sr.	10–12 Sr.
Außer dem dreiblättrigen Klee wird seit 10–12 Jahren auch ewiger
Klee, Luzerne und Esparsette gebaut. Flachs wird auf den Höhen, Hanf
hier und im Thale cultivirt; Reps wird nur in Waldeck, Hopfen aber
mehr und mehr gebaut, da der unternehmende Gastgeber Schittenhelm
in Vichberg mit einer Anlage von 7000 Stangen rühmlich und glücklich
vorangegangen ist. Die Wiesen des Roththales und seiner Seitenthäler
sind überaus ergiebig und bedürfen keiner künstlichen Wässerung. Sie
gewähren bei dreimaligem Schnitt ein gutes Futter, wovon alljährlich
bedeutende Mengen nach Außen verkauft werden. Die wenigen Bergwiesen sind weit geringer. Der M. Ackers wurde vor 1848 zu 80 bis
200 fl.. Wiesen zu 200–400 fl verkauft. Die seit 10 Jahren wieder
aufgenommenen Versuche von Weinbau entsprechen der Erwartung
nicht. Im Roththale will die Obstzucht schlechthin nicht gedeihen; die
an der Straße gestandenen Obstbäume sind, weil der gute Boden nur
1′ tief geht, meist zu Grund gegangen. Auf den Bergen dagegen stehen
viele und schöne Obstbäume. Es sind einige kleine Baumschulen vorhanden und die Obstcultur ist neuerlich im Zunehmen. Die Privatwaldungen
{{Seite|231
sind meist ausgehauen, daher fehlt es an Nadelstreu. Es findet
etwas Köhlerei Statt; auch werden viele Pfähle gemacht und ausgeführt.
Der Betrieb der Rindviehzucht ist im Allgemeinen auf das eigene Bedürfniß beschränkt. Einzelne haben zwar einen schönen Viehstand, im
Allgemeinen aber ist er mittelmäßig und mit Bayerischem Schlag vermischt. Auch Stellvieh, von Juden und Christen, findet sich. Die Farrenhaltung ist 1838 von der Pfarrei auf die Gemeinde übergegangen.
Mit der Schafzucht beschäftigen sich 3–4 Schäfer. Viele Schweine
werden gemästet. Seit 20–25 Jahren hat die Ziegenzucht in demselben
Verhältnisse zugenommen, in welchem der Wohlstand abnahm. Die
Bienenzucht gedeiht in den Seitenthälern. Außer einigen Mahl- und
mehreren Säg-Mühlen sind keine Gewerbe zu erwähnen. Viele Familien
nähren sich mit Stroharbeiten, Korbflechten, Rechenmachen und anderen Holzarbeiten.

Dem Forstamte Lorch sind Kronmühle und Rauhenzainbach, dem
Forstamte Comburg Buschhof, Diebach, Erlenbach, Gehrhof, Michelbächle und Mittelroth zugetheilt; Glattenzainbach ist zwischen Lorch und
Reichenberg, Wörbelhöfle zwischen diesem und Comburg getheilt; die
übrigen Orte gehören zum Forstamt Reichenberg. Schulen sind in
Vichberg und Mittelroth. Pfarrer Wullen hat 1847 einen Local-Wohlthätigkeitsverein gegründet. Das Vermögen der Gemeinde- und Stiftungs-Pflege ist verhältnißmäßig nicht ungünstig. An besonderen Stiftungen sind 1940 fl. vorhanden, wovon 800 fl. von den Brüdern Weißensee, 425 fl. von der vorm. Leiningen'schen und 225 fl. von der
vorm. Solms'schen Herrschaft herrühren. Zehentherr war überall
der Staat, nur stand in Vichberg die Hälfte des großen Zehentens der
Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu.

Bis 1806 waren Hornberg, Plapphof, Retzenhof und Rupphof dem
O.-A. Murrhardt, Gehrhof, Michelbächle und Erlenbach, als Bestandtheile der Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, dem Landamte
Gaildorf, die übrigen Orte, ausschließlich Vorderlangert, als Bestandtheile der Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Assenheim dem Amte Oberroth
zugetheilt.

Was zunächst

a) das ev. Pfarrdorf Vichberg (früher, und wohl richtiger Fiechtberg oder Fichtberg) betrifft, so liegt dasselbe 1 {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von
Gaildorf im Roth-Thal, an der mit der Backnanger Straße verbundenen
Thalstraße, an dem südlichen Fuße des von Alters her mit Fichten besetzten Fichtberges. Das Dorf ist nördlich und südlich durch Berge geschützt;
von Westen nach Osten aber fließt zunächst an ihm die Roth vorüber, die
durch den das Dorf bewässernden Diebach und den gegenüber einfallenden
{{Seite|232
Glattenzainbach verstärkt wird. Es ist wohl gebaut und hat, zumal
seit es durch Kandeln rein gehalten ist, ein freundliches Ansehen. Die
an der Stelle der wegen Baufälligkeit abgebrochenen alten Kirche 1832
aus Gemeindemitteln und einem Beitrag von 300 fl. von Seiten der
Patronatsherrschaft aufgeführte, neue sehr einfache Kirche stößt an die
Landstraße und ist aus feinkörnigen ölgrünen Steinen (s. zuvor) erbaut.
Ihr gegenüber liegt das freundliche Pfarrhaus und neben ihr das Gasthaus zur Krone, dessen Eigenthümer seit etwa 16 Jahren ein massives
Gebäude nach dem andern aufführt und dadurch der östlichen Seite des
Dorfes das Aussehen von Wohlhabenheit gewährt. Zu Vichberg gehören Viehhaus, 5/8 St. südlich am Glattenzainbach und Stöckenhofer-Sägmühle, 3/8 St. westlich an der Roth bei Waldeck liegend.
In Vichberg wurde der 1767 gestorbene Prälat von Blaubeuren, Philipp
Heinrich Weißensee, 6. Febr. 1673, geboren. Das Patronat steht der
Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. An der Schule stehen ein Schulmeister, ein Unterlehrer und ein Gehilfe. Schulfonds 62 fl. 9 kr., Schulstiftungen 9 fl.

Der Ort ist von hohem Alter. Wenn auch die Urkunde vom Jahr
817, wonach K. Ludwig dem Kloster Murrhardt die Pfarrei „Viheberc“
geschenkt haben soll, unächt ist (W. Urk.-Buch I, 87), so kann doch angenommen werden, daß diese Schenkung wirklich Statt hatte, da eine unbestrittene päpstliche Urkunde von 1225 dieselbe ausdrücklich bestätigt.
Dafür sprechen auch die zwei alten Glocken, deren älteste die Umschrift
„Marcus + lucas + mahteus + iohannes + maria“ in runden Majuskeln, ohne Jahreszahl, hat, daher vermutlich aus dem XI. oder XII.
Jahrhundert stammt, und daß seit den ältesten Zeiten die Pfarrei dem
gedachten Kloster gehörte. Die frühere Kirche, wie eine Burg mit hohen
und starken Mauern umgeben, beschreibt Prescher II, 233. Auf dem
Fichtberg stand das Schloß „Vypperg“, welches Engelhard von
Weinsberg 1321 an Württemberg verpfändet hatte (Ludewig reliq.
msc. XII. 605). Weitere Nachrichten fehlen darüber. Den größern Theil
des Ortes hat Limpurg als Zugehör der Burg Röthenberg erworben.
Insbesondere einen halben Hof und ein Gut der „Taupach“ (Dappach)
genannt, kaufen die Schenken 1338 von Walther dem Hauken. Gefälle
aus einigen Gütern hier und vom Stöckachhof verschaffen 1364 Hans von
Yckingen und Agnes von Rot, seine eheliche Wirthin, dem Barfüßer-Kloster zu Gmünd, von dem sie später an Limpurg kommen, welches auch vor
1488 von den Herren von Weinsberg einen hiesigen Hof kaufte. Den von
Murrhardt herrührenden halben großen Zehenten, dessen andere Hälfte
der Ortspfarrei zustand, erwarben die Schenken 1607 von Württemberg.
Eine Zeit lang war der Ort Sitz eines Limpurgischen Amtes. Bei der
{{Seite|233
Reformation kamen die bischöfl. Rechte an die Schenken, das Murrhardtisch
gebliebene Patronat dagegen trat der Staat am 25. Aug. und 21. Nov. 1819
an die Grafen von Waldeck und Ysenburg ab und gelangte am 14. Nov.
1824 an die Standesherrschaft 
Limpurg-Waldeck ausschließlich.

b) Buschhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von V. (Vichberg) auf dessen
Markung, über dem Diepach-Thälchen; ein neueres Söldengut.

c) Duppach, 3/8 St. südwestlich von V. auf dessen Markung; ein
kleines Gut, 1338 Taubach genannt (s. zuvor).

d) Diebach, 3/8 St. nördlich von V. auf dessen Markung, am
Diebach; eine neuere Ansiedelung.

e) Erlenbach, {{Bruch|3|4}} St. nördlich von V. am Ursprung des Erlenbachs; gleichfalls neuere Ansiedelung.

f) Gehrhof, 5/8 St. nordöstlich von V. am Erlenbach; eine um
1700 angelegte Sölde.

g) Glattenzainbach, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von B. am Glattenzainbach; scheint nach 1790 angelegt worden zu seyn.

h) Hinter-Langert, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von V. an der Oberamtsgrenze, um 1780 (auf Limpurgischem Boden) angelegt.

i) Hornberg, 1 St. südwestlich von V. auf dem Hornberg, an
der Oberamtsgrenze. Wurde 1703 auf Waldboden des Klosters Murrhardt angelegt.

k) Kronmühle, 3/8 St. östlich von V. auf dessen Markung, am Einflusse des Rauhenzainbachs in die Roth. Wurde mit Röthenberg erkauft.

l) Michelbächle, auch Michelbach, 5/8 St. nordöstlich von V.
auf der Höhe, am Einfluß des Schembachs in den Erlenbach. Zu dem
ansehnlichen Örtchen gehört das um 1550 erbaute Kleehaus, eine
ehemalige Fallmeisterei. Limpurg besaß bereits 1374 hier 5 Güter, wovon damals Volkrath von Enslingen 3 inne hatte. Kloster Murrhardt
war schon 1338 hier begütert und besaß, nachdem 1607 der halbe große
Zehente und drei Güter an Limpurg abgetreten worden, noch im vorigen
Jahrhundert einen Hof mit Vogtei. Die übrigen Güter gelangten meistens mit Röthenberg an die Schenken und waren 1398 an Conrad von
Hürlebach u. A. verliehen. Von Beatrix von Wiesenbronn kauften sie
1432 zwei Güter, davon eines nur ein Schirmhuhn reichte. Auch der
Heilige zu Gaildorf besaß ein Gut.

m) Mittel-Roth, {{Bruch|1|2}} St. östlich von V. an der Roth, von der
Straße durchschnitten. Dazu gehören Reute und Ölhaus. Interessant sind die Schätze des, auf einer westlichen Anhöhe liegenden, von der
Gemeinde 1828 reparirten unscheinbaren, sehr alten Kirchleins, wo der
Pfarrer von Vichberg 4mal jährlich zu predigen hat. Der halbrunde
Thürsturz hat ein Kreuz in Relief. Das oberste Stockwerk des viereckigen
{{Seite|234
gen östlich gestellten Thurmes ist Riegelgemäuer; das Dach unverhältnißmäßig hoch, läuft spitzig aus. Der untere Thurmraum bildet den
etwas erhöhten Chor, in welchem sich ein Aitar mit guten Bildern befindet. Der Schrein enthält die gut erhaltenen, reich vergoldeten, in Holz
geschnitzten Bilder von Maria mit dem Jesuskinde, rechts „St. Jeorius“, links „St. Steffanus“; die Predella zeigt Christus und die Evangelisten
auf Kreidegrund gemalt. Auf den Außenseiten der Altarflügel ist der
englische Gruß dargestellt, mit der Jahreszahl 1499; auf den inneren
Seiten, noch sehr gut erhalten, der bethlehemitische Kindermord. Die
Bilder stammen ohne Zweifel aus der Zeitblom'schen Malerschule.
(S. 4te Veröffentlichung des Ulmer Vereins S. 25 u. 29 etc.) Die eine
der beiden Thurmglocken zeigt in theils römischen, theils gothischen Majuskeln die Namen der Evangelisten und scheint eine der ältesten Glocken
der Umgegend zu seyn; die andere (abgebildet von F. Mauch in Heft 2
des hist. Vereins s. d. w. Franken) enthält, was sehr selten, eine Schrift
auf der Haube, die jedoch nicht leicht zu entziffern ist; oben herum läuft
in gothischen Minuskeln die Umschrift „Ave maria plena gracia dominus
tecum benedicta tu in mulieribus“. – Die Baulast der Kirche hat der
Heilige. Das 1840 neuerbaute hübsche Schulhaus hat einen Aufwand
von 2830 fl. verursacht. Die Schule mit einem Schulmeister, zu deren
Dotation die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck 1845 einen Beitrag von
300 fl. gab, ist blos für Mittel-Roth bestimmt. Der Schulfonds ist nur
4 fl. 26 kr. – Der größte Theil des jedenfalls sehr alten Ortes (s. Ober-Roth) kam als eine Zugehör der Burg Röthenberg mit dieser an Limpurg. Einige andere Güter, die zuvor die Gregg und von Michelfeld zu
Lehen hatten, verkaufte Weinsberg 1398 an Limpurg. Zwei Höfe, die
vom Kloster Murrhardt herrührten, erwarb es 1607 von Württemberg
mit Vogtei. Auch Comburg besaß 2 Lehen, doch ohne Vogtei.

n) Plapphof, auch Stockach an der Murr, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich
von V. an der Oberamtsgrenze und der Backnanger Straße. Dieser ursprüngliche Hof gehörte in das Gericht zu Murrhardt.

o) Rauhenzainbach, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von V. an dem Rauhenzainbach; scheint nach 1790 angelegt worden zu seyn.

p) Retzenhof, {{Bruch|3|4}} St. westlich von V. Ganz wie Plapphof.

q) Rupphof, {{Bruch|3|4}} St. westlich von V. bei Retzenhof. Hieß 1500 Rupprechtshöflen und gehörte gleichfalls in's Gericht Murrhardt.

r) Vorder-Langert, 5/8 St. südwestlich von V. bei dem vorigen; wurde 1709 auf Kl. Murrhardt'schem Boden angelegt.

s) Waldeck, früher Stöckachhof, dann Stöckenhof, 3/8 St. nordwestlich von V., ein sehr hübsch auf einer Waldecke über der Roth, wo
sich die Straße nach Backnang und Mainhardt abzweigt, gelegenes
{{Seite|235
Schlößchen. Zu dem Schloßgute gehören neben Wohn- und Ökonomie-Gebäuden etwas mehr als 400 M., worunter 175 {{Bruch|1|4}} M. Wald und 66
Morgen Weiden. Es ist, ausschließlich der Waldungen, verpachtet. Die
Vogtei kam mit Röthenberg an Limpurg, welches auch die Gefälle von
dem Barfüßer-Kloster zu Gmünd erwarb. Im Jahr 1819 gelangte Graf
Georg Friedrich von Waldeck in den alleinigen Besitz dieses zuvor schon
gemeinherrschaftlichen Stöckenhofes, erbaute das Schlößchen, rundete das
Gut ab und erhielt 1824 die Erlaubniß, demselben den sehr passenden
Namen Waldeck geben zu dürfen.

t) Wörbelhöfle, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von V. auf dessen Markung, über dem rechten Rothufer. Scheint eine neuere Anlage zu seyn.

Gegenüber von Mittel-Roth ragen aus dem Walde, zwischen dem
Rauhenzainbach und Eichelbach, die Reste des S. 113 beschriebenen Rötherthurmes hervor. Die Burg Röthenberg, welche Chroniken auch

{ Bild }

Hohenroth nennen, bestand aus drei von einander abgesonderten Theilen,
wovon der mittlere 134′ lang und 92′ breit war. Die ursprünglichen
Besitzer sind unbekannt. Im J. 1338, wo Rugger Väzzewin als „Vogt
{{Seite|236
zu Rötenberg“ genannt wird, verkaufte sie Albrecht Hauk oder Haug
von Rosenstein mit vielen Zugehörungen in der Umgegend um 1400 Pfd.
Heller an Schenk Albrecht von Limpurg. Nach Haller Chroniken wurde
sie, weil Räuberei daraus getrieben worden, auf kaiserlichen Befehl um
1350 von demselben Engelhard von Lobenhausen, der Ober-Roth zerstörte, verbrannt. Ob sie nachmals wieder aufgebaut worden, ist unbekannt. Im Jahr 1406 machten sie die Schenken mit der Burg Cransberg
der Kurpfalz zu Lehen, doch daß sie in Ermangelung von Söhnen auch
Töchtern geliehen werden solle. Jetzt läßt die Volkssage in der Ruine
ein Gespenst, „der Thurmjäger“ genannt, hausen.

Auf der Spitze des, Vichberg gegenüber zwischen dem Glattenzainbach und Rauhenzainbach sich erhebenden lang gestreckten Stauffenbergs
stand einst über dem Rauhenzainbach die Burg Stauffenberg, von
der jedoch alle Nachrichten mangeln. Der Platz mit dem noch sichtbaren
Graben heißt „das alte Schlößle“.

Auf der Markung befindet sich die S. 111 erwähnte Schanze.


Vorder-Steinenberg,

Gemeinde III. Klasse mit 775 Einw. a. Vorder-Steinenberg, D. 128 Einw.,
wor. 9 Kath. b. Bruck- oder Heinlens-Hof, H. 18 Einw. c. Deschenhof, H.
10 Einw. d. Dornhalde, W. 21 Einw. e. Greuthöfle, H. 8 Einw.
f. Heinlens-Mühle 2 Eine. g. Hellershof, 33 Einw. h. 
Hinter-Steinenberg, W. mit der Felgen-Sägmühle, 135 Einw., wor. 57 Kath. i. Hüttenbühl, W. 103 Einw. k. Kapf, W. 140 Einw. l. Nardenheim, W. 73
Einw. m. Neuwirthshaus, Hs. 24 Einw. n. Schotthof, H. 17 Einw., wor.
10 Kath. o. Steinhaus, H. 13 Einw. p. Stixenhof, H. 12 Einw. q, Vaihinghof, H. 6 Einw. r. Wahlenheim, W. 32 Einw. – Ev. Pfarr-Filiale
von Welzheim: Parz. b, c, e–g, i, m, o, q, r; von Gschwend: Parz. p.; von
Alfdorf: die übrigen; die Kath. in Parz. a., h. u. n. sind nach Spreitbach eingepfarrt.

Der gebirgige, wald- und schluchtenreiche Gemeindebezirk gehört
dem Welzheimer Walde an und liegt auf einem an mehreren Stellen sehr
schmalen, gegen die Lein abfallenden, Gebirgsgrath, welchen der Gellbach
in eine Gabel spaltet. Er grenzt gegen Westen und Süden an das Oberamt Welzheim, gegen Osten an das Oberamt Gmünd. In die den beiden
erwähnten Oberämtern angehörige Lein fallen nördlich die blinde und
schwarze Roth, der Gellbach, Krettenbach und Reichenbach mit dem Schadbach, Steinbach und vielen namenlosen Bächen, so daß an Wasser kein Mangel ist. Hinsichtlich der übrigen natürlichen Verhältnisse und des landwirthschaftlichen Betriebes wird auf die angrenzenden Gemeinden, namentlich
Gschwend und Frickenhofen, Bezug genommen. Die Landstraße von
Gschwend nach Gaildorf berührt kaum die Gemeinde, und die 
{{Seite|237
Verbindungswege sind schlecht. Die Nahrungsquellen bestehen in Ackerbau,
Viehzucht und Waldwirthschaft. Das Getreide-Erzeugniß reicht für den
eigenen Brodbedarf hin. Die Einwohner, deren Zahl der kleinen Sterblichkeit ungeachtet im Allgemeinen nur mäßig wächst, bestehen meist aus
Bauern und zählen im Allgemeinen zu den wohlhabendsten des Bezirkes.
Die Markung umfaßt 5100 7/8 M. und es kommen durchschnittlich 3,6
Morgen Baufeldes auf den Kopf. Der Flachsbau ist namhaft, vorzüglich in Hüttenbühl. In Nardenheim verdient der Obstbau alle Anerkennung. Von Gewerben sind blos einige Mahl- und Säg-Mühlen zu erwähnen. Gegenstände der Ausfuhr sind Vieh, Stamm- und Brennholz,
Pfähle, Schnittwaaren, Flachs, Leinsamen und Leinöl.

Der Bezirk ist dem Forstamt Lorch zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig; eine Stiftungspfleg
ist nicht vorhanden. Schulen sind in Vorder-Steinenberg und Hellershof. Die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend hatte in Stixenhof und
Nardenheim, die Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf in Bruckhof, Greuthöfle, Heinlensmühle, Hüttenbühl, Neuwirthshaus und theilweise in
Wahlenheim, der Staat in den übrigen Orten den Zehenten, mit der
Einschränkung, daß die Pfarrei Gschwend die kleinen Zehenten in Nardenheim bezog.

Bis 1806 gehörten zur Herrschaft Gaildorf-Wurmbrand, Amts
Gschwend: Kapf, Nardenheim, Stixenhof und Antheil von Vorder-Steinenberg; zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf, Landamts Gaildorf: Heinlenshof, Heinlensmühle, Greuthöfle, Hellershof, Hüttenbühl,
Neuwirthshaus und Wahlenheim; zur Herrschaft Gaildorf-Assenheim,
Amts Gschwend: (Ober-Roth) Deschenhof; zum Klosteroberamt Lorch:
Vaihinghof und Steinhaus. Zwischen diesem und der Reichsstadt Gmünd
war Hinter-Steinenberg getheilt; an Vorder-Steinenberg war die letztere
mitbetheiligt. Im Jahr 1808 kamen die Siebenzehner in den nachgenannten Orten sowie in Hinter-Steinenberg und Schotthof vom Oberamt Welzheim zum Oberamt Gaildorf.

Einzelne Orte:

a) Vorder-Steinenberg, 3 {{Bruch|1|2}} St. südlich von Gaildorf auf dem zuvor erwähnten Gebirgsgrath gelegen. Das Dörfchen hat 20 Wohngebäude, davon {{Bruch|2|3}} Bauern und {{Bruch|1|3}} Taglöhnern und einigen Handwerkern gehören. Das Schulhaus wurde 1829 von der Gemeinde erbaut.
An der Schule, die 58 fl. Fonds hat, steht ein Schulmeister.

Der Ort war seit den frühesten Zeiten nach Seelach gerichtbar, stand
aber in grundherrlicher Hinsicht allermeist dem Kloster Lorch zu, welches
1575 hier 7 Höfe und 2 Sölden zu Gnaden verliehen hatte. Einen der
Höfe kaufte es 1342 von einem Bauern um 16 fl. und verlieh ihn 
{{Seite|238
demselben sofort gegen 30 Schillinge, 1 Malter Haber und 4 Hühner jährlicher Gülte ; einen andern erhielt es 1328 von dem Gmünder Bürger
Conrad von Wallenzin; ein weiterer Hof war noch freies Eigen und dem Kloster Lorch wegen einer Stiftung an die Frühmesse Alfdorf unterwürfig
gemacht worden. Fünf, nach Andern sechs, dieser Güter waren Siebenzehner (S. 114), d. h. sie waren Limpurg gerichtbar, in allen andern Dingen aber Lorch zugethan. Ein Lehen gehörte dem Kloster Gotteszell.
Ein Gütlein kaufte Limpurg 1436 von Hans von Yberg und dessen Hausfrau Agnes von Rennhingen; ein Lehen trat Limpurg 1643 an Oberst vom Holtz, doch ohne Gerichtsbarkeit, ab. So war ein Condominat entstanden, in welchem jedoch Lorch später nicht mehr vorkommt. Im Jahr 1800 waren 85 Limpurgische (und Lorchische) und 17 Gmünd'sche Einwohner hier.

b) Bruckhof oder Heinlenshof, 1 St. nordwestlich von V.
(Vorder-Steinenberg) an der Straße von Welzheim nach Gaildorf. Ein
mittleres, nicht altes, Hofgut.

c) Deschenhof, auch Teschenhof, früher Teschenthal, 7/8 St.
nordwestlich von V. beim Krettenbach, neben welchem in älterer Zeit
zwei Seen lagen. Dieser mittelgroße Hof gehörte schon im Mittelalter
dem Kloster Lorch, war aber ein Siebenzehner-Gut.

d) Dornhalden, {{Bruch|1|4}} St. südlich von V. auf dessen Markung;
war immer mit V. verbunden, aber wohl Lorchisch.

e) Greuthöfle, auch Kreuthöfle, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von
V. am Abhange des Gebirgsgrathes; eine nicht alte kleine Sölde.

f) Heinlensmühle, 7/8 St. nordwestlich von V. bei Bruckhof,
an der schwarzen Roth. Eine Mahl- und Säg-Mühle, 1557 von der
Reichsstadt Gmünd eingetauscht.

g) Hellershof, früher Leybolds- oder Luttlensweiler, 1 St. nordwestlich von V. an der erwähnten Landstraße. An der hier befindlichen
Schule steht ein Schulmeister mit einem Gehilfen. Kloster Adelberg besaß 1469 ein Lehen, das an die Stadt Gmünd gekommen zu seyn scheint,
da Limpurg von dieser 1557 den schon damals zersplitterten Hof ertauschte.
Dabei lag 1614 der Kautzen-See.

h) Hinter-Steinenberg, 3/8 St. nördlich von V. auf dem
Gebirgsgrath, mit der am Reichenbach liegenden Felgen-Sägmühle.
Auch hier war ein Condominat. Es waren 4 Siebenzehner-Güter vorhanden. Anna Adelmännin, Wittwe Georg's Schenk von Schenkenstein
zu Gmünd, verkauft 1446 an Martin Fürlay, Vogt zu Welzheim, 2 Güter für unvogtbar und ungerichtbar, doch daß sie Lehen von Weinsberg
sind, das sie 1449 eignet; Fürlay verkaufte dieselben 1454 um 106 fl.
als Limpurg gerichtbar, an die Kirche zu Gebenweiler, von welcher 
{{Seite|239
Limpurg und Lorch die Patrone waren. Auch sonstige Rechte scheint Lorch
gehabt zu haben. Limpurg tauschte 1557 von der Stadt Gmünd 3 Güter
mit Vogtei und die Obrigkeit über die Lorch'schen Hintersaßen ein; darunter ein Gut mit einem Apfelbaum, „welcher der Herrschaft gefällig ist,“
d. h. weicher ihr einen Theil der Frucht gültete. Außerdem hatte der Hospital und eine Pfründe zu St. Catharina in Gmünd Güter hier. Der Gmündischen Unterthanen waren es 1803 42, der Lorchischen 57.
Prescher nennt den Ort nicht.

i) Hüttenbühl, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von V. auf der Oberamtsgrenze, beim Einfluß der blinden in die schwarze Roth. Ein kleines Gut,
worauf 1785 schon 51 Einwohner waren. Es gehörte der Frühmesse zu
Gebenweiler und fiel 1535 an Limpurg.

k) Kapf, {{Bruch|1|2}} St. südlich von V. auf einer Kuppe – „Kap“ –
über dem Leinthal. Eine zu Ende des XV. Jahrhunderts von Peter von
Kapf erbaute und begabte Capelle zur heil. Maria, wo der Frühmesser
von Alfdorf gegen jährliche 2 {{Bruch|1|2}} Pfund Heller alle 14 Tage Messe zu
lesen gehabt hatte, stand noch 1674. Von hier scheint das alte Schorndorfer Bürgergeschlecht Kapf zu stammen. Kloster Lorch besaß die Zehenten und ein Siebenzehner-Gut. Auch Limpurg hatte einen schon frühe
getheilten Hof und 3 Sölden. Das Lorch'sche Lagerbuch von 1489 sagt:
„4 Morgen Wiesen solle heuen N. zu Alchdorf“ (Alfdorf) „vnd dasselbig
Heu wird geben für den Heuzehent von dem Hof vnd muß der vorgenannt N. dem Mayer vff dem Hof den Eber vnd den Hummel leihen
wann er das nottürftig ist zu seinem Vieh.“ Die Einwohnerzahl betrug 1733 33, 1785 60.

l) Nardenheim, ehemals Nartenhayn, 7/8 St. nördlich von V.
auf dem Gebirgsgrath. Eine alte Capelle ist vor mehr als 100 Jahren
abgegangen. Von den 5 Gütern, aus welchen der Ort früher bestanden,
waren 2 oder 3 Siebenzehner. Den sog. „Maierhof“ kaufte Lorch 1381 von
Ludwig von Hohenhart um 20 Pfd. Heller; ihn hatte der Conventherr
zu genießen, welcher die Messe zu St. Egidien im Kloster versah. Ein
Gut kaufte Kloster Adelberg 1382 von Friedrich Lutz, Bürger zu Gmünd.
Ein weiteres Gut besaß Limpurg, das 1572 von Württemberg den dem
Kloster Lorch gehörigen Zehenten erwarb. Der Ort zählte 1785 39 Einwohner. Eine Strecke bei dem Ort heißt noch der „Gerichtswasen.“
(S. 114.)

m) Neuwirthshaus, 1 St. nordwestlich von V. an der Landstraße; vor etwa 70–80 Jahren erbaut.

n) Schotthof, 3/8 St. südöstlich von V. auf dessen Markung, auf
der Oberamtsgrenze von Gmünd. War altwürttembergisch.
{{Seite|240
o) Steinhaus, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von V. Wie zuvor. War
Lorchisch.

p) Stixenhof, oder Krettenbach, 7/8 St. nordwestlich von
V. im Wald über dem Krettenbach, bei welchem früher der „untere See“
lag. Sigmund Schenk von Schenkenstein verlieh 1469 den Hof als Erblehen „zu einem Handroß“; 1516 vertauschte ihn Hans Schenk von Schenkenstein, Marschall des Cardinals und Bischofs von Gurk (bei Klagenfurth), an das Kloster Lorch gegen ein Gut zu Fach. Es war ein Siebenzehner-Gut.

q) Vaihinghof, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von V. am Abhang des
Waldes. Der Gmünder Bürger Heinrich Wolf tritt 1421 den Hof an
das Kloster Lorch ab, in dessen Amt und Gericht Pfahlbronn derselbe
nun gehörte.

r) Wahlenheim, früher Wahlenweiler, 3/8 St. norstwestlich von
V. auf dem Gebirgsgrath. Conrad und Johannes von Waldhausen verschaffen 1341 dem Kloster Lorch eine Gülte; 1356 haben Johann der
Vetzer und Heinrich Hug, Bürger zu Gmünd, Wahlenweiler pfandweise
im Besitz. Die Kirche Gebenweiler kauft 1425 von Hans von Lichtenstein
die eine und von dem Gmünder Bürger Paul von Rinderbach die andere
Hälfte. Durch die Reformation fiel der Ort 1535 an Limpurg.

Bei Kapf lag die Eisenmühle, deren schon in der Beschreibung
eines Jagdbezirkes von 1251 gedacht wird. Dieß war, wofür auch das
nicht entfernte Hüttenbühl sprechen möchte, ohne Zweifel ein Bergwerk,
das also zu den ältesten Schwabens zählte.

Bei Hinter-Steinenberg, wo die oben angeführte Schanze 150
Schritte nördlich von dem Ort unter dem Namen Landgraben, und eine
andere Schanze {{Bruch|1|8}} Stunde südlich vom Orte vorbeiführt, soll eine Burg
gewesen seyn, von der die Felder noch jetzt „Burgäcker“ heißen.
{{Seite|241

Schlußwort.

Bei Ausarbeitung der vorliegenden, schon vor einigen Jahren von
dem statistisch-topographischen Bureau eingeleiteten, Beschreibung durch
das Bureau-Mitglied, Finanzrath Moser, hat sich dieser wieder
manchfacher Unterstützung zu erfreuen gehabt. Zunächst ist der sehr
umfassenden Beihilfe des Cameral-Verwalters von Müller in Gaildorf, sodann der Unterstützung durch den Ober-Rentamtmann Mauch
daselbst, welcher sich namentlich um die Ermittlung der mittelalterlichen
architektonischen und Kunst-Gegenstände und der alten Glocken verdient
machte, und der Beiträge des vormaligen Rentbeamten, nunmehrigen
Cameral-Verwalters Grill in Kapfenburg, des Verwaltungs-Actuars
Pfizenmaier in Unter-Gröningen, des Pfarrers Cleß in Sontheim,
Oberamts Heidenheim, des Dr. med. Kirn in Gaildorf und des Schultheißen Hartmann in Ober-Sontheim, sowie der Förderung des topographischen Theiles durch beinahe sämmtliche Orts-Geistliche von Seiten des Bureau dankbarst zu gedenken.

Die Abschnitte II, 4, 5, 6 und 7 des allgemeinen Theiles sind von
dem Bureau-Mitgliede, Professor Dr. Kurr, der Abschnitt von dem
Waldbau von Forstrath Dr. Gwinner, und die Abschnitte der zuvor
nicht genannten Abtheilung II des allgemeinen Theiles, sowie der Abschnitt über die römischen Alterthümer von dem Bureau-Mitgliede
Topograph Paulus verfaßt. Die statistischen Berechnungen haben
Trigonometer Diezel und Secretär Dr. Sick gefertigt.

Stuttgart, im Dec. 1852.

Herdegen.


{{Seite|242

Nachtrag zu Seite 169.

Lutz von Hohenlohe bekennt 1334, daß er an König Johann von
Böhmen „sein eigen Haus Cronsberg“ zu Lehen gegeben habe, und
gelobt ihm Lehensmannstreue. (Sommersberg. Siles. rei hisor. et geneal accessiones. S. 73, 74.)

Berichtigungen früherer Hefte.

O.A-Beschreibung von Leonberg:

Seite 95 Zeile 2 v. o. lies Professor der Theologie, statt Professor und
Theolog.

Seite 174 Z. 6 v. o. lies Eberhard der Milde, statt der Greiner.

O.A.-Beschreibung von Stuttgart, Amt:

Seite 150 Z. 6 v. o. lies Wolf, statt Welf.

Seite 273 Z. 14 v. o. lies der, statt er.

{{Seite|243
I. Einwohner, Gebäude und Viehstand.
Namen der Gemeinden.	Einwohner. *)			Gebäude.					Viehstand. **)														
	Evan- gelische.	Katho-lische.	Von andern christl. Bekennt-nissen.	Anzahl sämmt- licher Ge- bäude.	Haupt- und Wohn- Ge- bäude.	Neben- Ge- bäude.	Brand- versiche- rungs- Anschlag. fl.	Auf ein Wohn- gebäude kommen Men- schen.	Pferde		Rindvieh.			Schafe.			Schwei-ne	Zie- gen.	Bie- nen- stöcke 	Auf 100  Menschen  kommen		Auf 100  Morg. Fläche kommen	
									über 2  Jah- ren.	unter 2  Jahren.	Ochsen und Stiere.	Kühe.	Schmal-vieh.	Spani- sche.	Ba- stard-	Land-				Pferde.	Stücke Rind- vieh.	Pferde.	Stücke Rind- vieh.
Gaildorf	1751	53	–	296	237	59	496.875	7,6	65	1	17	181	138	–	–	22	145	79	25	3,6	18,6	3,9	20,1
Altersberg	1358	–	–	217	139	78	125.850	9,7	16	–	86	275	106	1	33	11	70	72	66	1,1	34,3	0,4	13,5
Eschach	1114	166	–	274	184	90	178.400	6,9	38	8	236	362	547	155	145	–	215	59	92	3,5	89,4	0,8	21,6
Eutendorf	851	143	–	223	140	83	169.200	7,1	40	1	183	244	271	–	518	–	176	54	52	4,2	70,2	0,3	11,8
Frickenhofen	1385	123	–	254	181	73	142.400	8,1	48	5	184	314	310	–	520	56	103	75	65	3,5	53,5	0,7	11,3
Geifertshofen	689	36	–	137	86	51	84.000	8,4	22	2	107	190	209	–	327	9	100	19	28	3,3	69,7	0,5	11,6
Gschwend	1905	104	–	279	205	74	265.225	9,8	39	2	177	351	196	–	75	49	71	65	52	2,0	36,0	0,7	12,6
Hausen	310	678	–	148	110	38	100.875	8,9	14	2	57	167	177	34	58	7	62	42	38	1,6	40,5	0,7	17,7
Hütten	595	4	–	126	72	54	63.450	8,3	20	–	60	111	123	–	148	–	93	–	50	3,3	52,4	0,7	11,5
Laufen	893	11	–	158	105	53	82.775	8,6	33	4	109	210	190	643	24	–	90	94	60	4,0	56,3	0,7	9,9
Michelbach	972	97	–	309	153	156	178.475	6,9	29	–	190	265	287	100	558	212	201	39	76	2,7	71,0	0,4	12,7
Mittel-Fischach	890	24	–	194	144	50	131.725	6,3	42	8	177	262	297	–	–	750	214	17	58	5,4	80,5	0,9	13,5
Ober-Fischach	633	76	–	162	103	59	105.300	6,8	53	4	166	219	244	–	175	504	177	20	62	8,0	88,7	1,1	13,0
Ober-Gröningen	410	20	–	81	61	20	59.075	7,0	14	2	56	101	132	–	519	–	47	30	55	3,7	67,2	0,8	15,5
Ober-Roth	2354	1	–	463	271	192	265.475	8,6	48	4	376	495	505	–	958	–	304	144	181	2,2	58,4	0,5	13,5
Ober-Sontheim	1288	24	–	258	177	81	200.525	7,4	52	1	59	253	157	–	325	43	186	100	38	4,0	35,7	1,7	15,7
Ödendorf	860	5	–	207	116	91	119.550	7,4	38	4	127	190	204	–	407	–	140	30	42	4,8	60,2	1,1	14,3
Ruppertshofen	1129	44	–	229	156	73	126.600	7,5	31	4	276	318	418	–	16	55	204	27	98	2,9	86,2	0,6	17,8
Sulzbach	1514	6	–	232	156	76	189.550	9,7	43	–	176	280	259	–	–	466	90	104	61	2,8	47,0	0,4	8,0
Unter-Gröningen	997	451	–	236	178	58	128.375	8,1	26	2	40	210	109	290	183	54	46	93	39	1,9	24,7	0,7	9.8
Unter-Roth	1344	1	–	291	175	116	208.325	7,6	34	3	252	342	449	5	690	3	178	27	76	2,7	77,5	0,3	10,3
Vichberg	1390	6	–	298	177	121	180.225	7,8	37	2	202	352	379	–	944	22	224	43	103	2,7	66,8	0,5?	12,9
Vorder-Steinenberg	699	76	–	176	100	76	132.250	7,7	24	4	243	266	302	–	252	44	100	52	94	3,6	104,6	0,5	15,9
Zusammen	25.331	2149	–	5248	3426	1822	3.734.500	8,0	826	69	3576	5958	6009	1228	6875	2307	3236	1285	1511	3,2	56,5	0,7	13,6
	27.480																						
*) Stand am 3. December 1850.
**) Stand am 1. Januar 1850.
{{Seite|244
II. Flächenmaß.
Gemeinden.	Zahl der Par-zellen.	Areal der Ort- schaf-ten.	Gärten und Länder.					Äcker.							Weinberge.		Wiesen.					Waldungen.				Weiden.			Öden.	Stein- brüche.	Erz-, Thon-, Sand- und Mer- gelgru- ben.	Gewässer.		Straßen ind Wege.	Ge- sammt- betrag der Fläche.	Es kommen Morgen auf einen Menschen.
			Gemüse- u. Blumen- gärten.	Gras- und Baum- gärten.	Län-der.	Hopfen- gärten.	Lust- gärten, Anla- gen.	Flürlich gebaute		Willkürlich gebaute		Wechselfelder			Zum Wein- bau be- stimmt.	Zu andern Cultu-  ren ver- wendet.	Zweimädige		Einmädige			Laub- waldungen.	Nadel-waldungen.	Ge- mischte.	Unbe- stockte.	Mit Obst- bäumen.	Mit  Holz be- wachsen.	Blos mit Gras bewach-sen.				Seen und Weiher.	Flüsse und Bäche.			
								Ohle Bäume,	mit Bäu- men.	ohne Bäume.	mit Bäu-- men.	gebaute.	unges baute.	mit			mit Obst- bäumen.	ohne Bäume.	mit Obst-bäumen.	mit Wald- bäumen u. Gebüsch (Holzwie- sen).	ohne Bäume.															
		Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	Morgen.	
Gaildorf	1601	20 3/8	23 2/8	65 2/8	19 1/8	1 1/8	1 2/8	441 7/8	1 1/8	58 1/8	7 6/8	–	–	–	4/8	–	67 6/8	395 5/8	135 5/8	2 1/8	64 4/8	–	204 5/8	–	–	7/8	28	44 4/8	12 5/8	7/8	3/8	2/8	21 6/8	50 7/8	1672 2/8	0,9
Altersberg	1463	17 6/8	2 3/8	48 7/8	16	–	–	156	6/8	1013 7/8	2 1/8	–	–	–	–	–	3 1/8	41 7/8	38 3/8	4 1/8	563 6/8	–	1138 2/8	11 7/8	–	–	229 6/8	55 6/8	4 1/8	1/8	4/8	8 3/8	4 2/8	86 2/8	3448 2/8	2,5
Eschach	3893	23 6/8	8 5/8	83 2/8	28 6/8	1 1/8	–	2664 5/8	1 5/8	114 6/8	1 4/8	58 3/8	–	–	–	–	11 2/8	789 3/8	–	1 6/8	86 7/8	2/8	998 2/8	16 1/8	 4/8	–	130 2/8	67 3/8	36 3/8	4/8	–	–	7 3/8	151 6/8	5284 3/8	4,1
Eutendorf	3751	18 7/8	6 5/8	69 4/8	43 1/8	–	–	1252	2 2/8	208 1/8	9 2/8	46 4/8	15 2/8	–	–	–	28 5/8	499 7/8	100 1/8	10 5/8	317 4/8	1 4/8	1766 5/8	202 1/8	–	3/8	892 4/8	123 7/8	75	1 5/8	6/8	9 1/8	38 6/8	129 5/8	5870 2/8	5,9
Frickenhofen	3150	26 3/8	8 2/8	85 3/8	17 6/8	1/8	–	1013 6/8	–	896	2 2/8	259 2/8	3 2/8	2 5/8	–	–	25 4/8	574 6/8	1	118 3/8	472 5/8	–	2402 4/8	386 3/8	–	1/8	498 7/8	129 4/8	21 6/8	1 5/8	1 7/8	3 4/8	13 4/8	176 4/8	7143 4/8	4,7
Geifertshofen	1945	14 6/8	5 7/8	38 7/8	18 1/8	2/8	–	921 1/8	–	46 3/8		34 2/8	1 7/8	–	–	–	9 4/8	488 4/8	–	–	37 5/8	–	2116 1/8	–	–	–	348 2/8	94 4/8	39 7/8	4/8	5/8	10 6/8	6 5/8	92 7/8	4327 1/8	5,9
Gschwend	1931	27 1/8	9 5/8	43 1/8	12 7/8	3/8	–	–	–	1458	7/8	205	5/8	–	–	–	21 7/8	605 7/8	11 2/8	26 3/8	193 4/8	–	2411 3/8	161 4/8	–	–	264 5/8	90 7/8	75 5/8	1 6/8	5/8	6 4/8	7 7/8	104 1/8	5741 3/8	2,8
Hausen	1546	13 5/8	2 7/8	32 3/8	12 2/8	–	–	298 6/8	7/8	521 6/8	13 5/8	7 1/8	–	–	–	–	7	348 7/8	17 5/8	–	176 1/8	–	404	–	–	1	235 1/8	87 6/8	5 5/8	4/8	–	3 5/8	6 4/8	65 7/8	2262 7/8	2,2
Hütten	1012	11 6/8	2 6/8	23 7/8	6 7/8	–	–	–	–	560	–	5 1/8	–	–	–	–	1 1/8	222 2/8	1/8	–	321 1/8	–	1209 1/8	99 2/8	–	–	67 7/8	106 7/8	2 2/8	–	–	4 6/8	8 2/8	66	2719 4/8	4,5
Laufen	1990	16 1/8	2 7/8	43 6/8	16 4/8	–	–	183 2/8	2/8	449	1 3/8	989 3/8	–	–	–	–	5 4/8	113 4/8	29 2/8	2 2/8	452 5/8	–	1484 6/8	398 5/8	–	–	508 1/8	119 4/8	100 6/8	–	–	5/8	56 3/8	117 7/8	5092 2/8	5,6
Michelbach	886	8 7/8	3 2/8	22 3/8	16	–	–	428 7/8	4/8	49 1/8	3 6/8	3 3/8	1 6/8	–	–	–	6 2/8	188 5/8	64	68 6/8	106	355 4/8	774 1/8	71 7/8	–	–	122	58 7/8	8 3/8	–	–	2/8	18 6/8	56 4/8	2437 6/8	5,4
    Rauhen-Bretzingen	566	4 6/8	1 6/8	22 5/8	7 6/8	–	–	292 7/8	–	40	1 2/8	1 7/8	–	–	–	–	7/8	104 6/8	39 6/8	–	141 1/8	–	35 6/8	–	–	2/8	17 4/8	81 5/8	3 1/8	–	–	6/8	4 4/8	22 6/8	825 2/8	
    Gschlachten-Bretzingen	764	5 5/8	7/8	22 6/8	8 3/8	4/8	–	643 2/8	–	9 3/8	–	–	1 7/8	–	–	–	1 2/8	190 5/8	10 1/8	–	142 4/8	–	–	–	–	–	58	27 1/8	5 6/8	1 7/8	–	–	10 4/8	29 7/8	1170 2/8	
    Hirschfelden *)	714	7 5/8	2 1/8	22 3/8	20 1/8	–	–	327 5/8	–	149 2/8	4 4/8	12	6 6/8	–	–	–	13 7/8	113 1/8	9	2 2/8	239 7/8	–	173 2/8	52 2/8	–	–	124 1/8	61 3/8	11 1/8	–	–	–	11 1/8	32 5/8	1396 2/8	
Mittelfischach	1454	7 2/8	2 5/8	15 6/8	8 7/8	–	–	577 1/8	–	125 3/8	6 4/8	16 6/8	–	–	–	–	1/8	331 1/8	1/8	–	2 7/8	–	48 1/8	–	–	26		11 4/8	37 2/8	–	–	–	5	46 3/8	1268 6/8	5,9
    Engelhofen und Rothhof	1227	4 3/8	1	22	6 5/8	–	–	416 7/8	47 5/8	–	–	2 1/8	7/8	–	–	–	2/8	211 1/8	–	–	15 4/8	–	1218 5/8	–	–	–	53 1/8	47 4/8	23 6/8	2/8	2/8	–	5 1/8	42 7/8	2119 7/8	
    Unter-Fischach	1856	6 3/8	1 2/8	13	6 3/8	–	–	695 2/8	–	39	–	9	–	–	–	–	2/8	344 6/8	–	–	4 3/8	–	95 6/8	–	–	–	49 5/8	25 7/8	18 7/8	3/8	–	–	5 6/8	53 3/8	1369 2/8	
    Weiler *)	264	1 7/8	4/8	6 1/8	1 4/8	–	–	124 4/8	–	20 1/8	–	7/8	–	–	–	–	–	53 2/8	–	–	8 4/8	–	343 2/8	–	–	–	57 1/8	26 3/8	6 4/8	–	1/8	1 3/8	7/8	18 4/8	671 3/8	
Ober-Fischach	2567	18 1	5 5/8	65 1/8	33 1/8	–	–	1569 6/8	–	256 7/8	4/8	6 6/8	5 7/8	–	–	–	2 5/8	564	7/8	21 6/8	352 2/8	–	1253	74	–	15 1/8	249	152 2/8	22 7/8	1/8	–	2 4/8	10 2/8	136	4818 3/8	6,7
Ober-Gröningen	1077	9 3/8	2	20 5/8	18 3/8	–	–	411	–	345 2/8	–	5 6/8	–	–	–	–	26 6/8	387 3/8	4 4/8	4 6/8	24 4/8	–	376 7/8	–	–	2/8	118 2/8	15 5/8	15 5/8	–	–	1/8	24 4/8	49	1860 4/8	4,3
Ober-Roth	4699	45 2/8	21 1/8	158 5/8	23	–	–	652 6/8	–	1778	30 1/8	35 4/8	3 1/8	7/8	–	–	9	705 1/8	32 2/8	12 2/8	1413 4/8	70 7/8	3744 4/8	166 1/8	–	3 2/8	712 3/8	232 1/8	7 2/8	4/8	2/8	4 1/8	51 6/8	272 7/8	10.186 4/8	4,3
Ober-Sontheim	3001	17 7/8	6 6/8	71 1/8	37	7/8	–	888 6/8	–	274 4/8	20 6/8		–	–	–	–	2 7/8	683 3/8	–	6/8	26	–	582	60 6/8	–	–	50 5/8	31 2/8	4 2/8	1 4/8	1/8	–	11 2/8	93 5/8	2865 7/8	2,1
Ödendorf	2833	18 7/8	2 1/8	45	22 5/8	–	1/8	957 4/8	–	227 2/8	15 1/8	10 7/8	–	1 6/8	–	–	22	566 3/8	12	6/8	160 2/8	5 6/8	935 1/8	–	–	2/8	329 5/8	66 6/8	57 6/8	 2/8	1/8	–	41 6/8	131 6/8	3631 6/8	4,1
Ruppertshofen	4254	23 7/8	5 2/8	77 3/8	33 5/8	1/8	–	1734 3/8	–	616 6/8	1/8	119	9 1/8	–	–	–	12 5/8	705 7/8	4 1/8	45 6/8	420 4/8	–	1159	–	–	1 2/8	356 2/8	179 4/8	3	1 1/8	1/8	2	18 4/8	124 4/8	5653 6/8	4,8
Sulzbach	2589	23 2/8	10 5/8	87 6/8	23	1 1/8	–	206 3/8	4/8	1132 6/8	8 2/8	306 2/8	–	–	–	–	22 6/8	351 2/8	19 2/8	30 2/8	519	1 1/8	4024 7/8	636 7/8	–	–	1029 6/8	107 6/8	110 6/8	1/8	–	1 6/8	81 7/8	141	8878 2/8	5,8
Unter-Gröningen	1732	16 1/8	11 2/8	49 6/8	8 6/8	7/8	–	1153 4/8	6 4/8	18 3/8	–	–	–	–	–	–	19 6/8	389 3/8	10 6/8	4 3/8	50 5/8	–	1449 2/8	2/8	6/8	4	219	82 7/8	21	7/8	5/8	3/8	26 5/8	84	3629 5/8	2,5
Unter-Roth	3583	31 1/8	6 6/8	91 3/8	30 3/8	–	–	1445 3/8	–	360 1/8	9 5/8	225 1/8	–	3/8	7/8	–	24 3/8	759 3/8	18	4 7/8	537	1	4963	136 4/8	–	3 7/8	679 6/8	357 5/8	66 6/8	1 5/8	2/8	4/8	80 4/8	194 6/8	10.030 4/8	7,4
Vichberg	3251	30 4/8	6 2/8	60 4/8	31 4/8	5 7/8	–	1217 2/8	5 6/8	581 4/8	56 6/8	84	–	–	–	–	23 1/8	861 3/8	27	6 2/8	419 3/8	–	2696 6/8	–	–	–	600 5/8	270 3/8	29 3/8	5/8	–	4 3/8	38 6/8	162 4/8	7220 1/8	5,1
Vorder-Steinenberg	1602	22 5/8	1 6/8	56 1/8	20 1/8	–	–	362 7/8	–	158 5/8	7/8	960 5/8	6	–	–	–	3	215	11	47 1/8	895 3/8	–	1474 2/8	–	–	7/8	620 6/8	132	2 6/8	3/8	3/8	2 1/8	14	92 2/8	5100 7/8	6,5
Im Ganzen:	61.471	494 3/8	166	1464 6/8	548 6/8	12 3/8	1 3/8	21.037 4/8	67 6/8	11.508 2/8	196 6/8	3404 6/8	56 2/8	5 5/8	1 3/8	–	373 2/8	11.806 5/8	595 6/8	415 3/8	8165 6/8	436	39.482 7/8	2474 4/8	1 2/8	57 7/8	8651 1/8	2888 5/8	829 7/8	17 5/8	7	66 7/8	632 5/8	2827	118.695 3/8 = 6,795 □ -M.	4,3
*) Diese Orte haben je ein eigenes Kataster.
{{Seite|245
III. Staatssteuern, Gemeinde- und Stiftungshaushalt.
Namen der Gemeinden.	Staatssteuern.																	Der Gemeindepflegen									Der Stiftungspflegen				
	Grundsteuer.						Gefällsteuer.				Gebäudesteuer.			Gewerbesteuer.				Vermögen.			Schulden.		Ein- künfte.	Aus- gaben.	Umlagen.		Vermögen.		Schul- den.	Ein- künfte.	Aus- gaben.
	Kataster-Anschlag.				Steuerbetrag.		Kataster- Anschlag.		Steuerbetrag.		Kataster- Anschlag.	Steuerbetrag.		Kataster- Ansatz.		Steuerbetrag.		Grund-  Eigen- thum.	Verzins- liches Kapital.	Sonstige Forde- rungen.	Verzins-  liche.	Sonstige.			Amts-	Gr- meinde-	Grund-  Eigen-thum.	Kapital.			
	voller Betrag.		Grundlasten aus schließlich der Zehnten.																												
	fl.	kr.	fl.	kr.	fl.	kr.	fl.	kr.	fl.	kr.	fl.	fl.	kr.	fl.	kr.	fl.	kr.	Morgen.	fl.	fl.	fl.	fl.	fl.	fl.	fl.	fl.	Morgen.	fl.	fl.	fl.	fl.
Gaildorf	6999	59	44	56	579	41	–	–	–	–	171.268	310	39	593	10	365	14	106	–	5857	3700	1258	2234	4189	962	2000	1 2/8	3703	3699	329	389
Altersberg *)	4420	26	15	3	367	11	–	–	–	–	45.625	82	45	57		35	6	–	1486	2342	1142	776	287	1083	372	800	–	–	–	–	–
Eschach	11.103	34	379	58	893	47	–	–	–	–	72.275	131	6	144		88	40	–	60	1966	–	1313	310	910	853	600	–	1657	229	329	274
Eutendorf	11.759	2	21	57	978	16	–	–	–	–	59.450	107	51	145	22	89	30	–	800	1614	–	6	363	654	900	300	38 6/8	2852	2042	575	1253
Frickenhofen	7681	15	57	52	635	24	–	–	–	–	53.475	96	59	98	36	60	42	–	30	3381	550	373	385	877	607	500	4/8	1038	10	241	233
Geifertshofen	4779	17	294	33	373	47	–	–	–	–	30.300	54	58	56	30	34	47	3 3/8	790	1635	–	407	358	859	355	500	4/8	10.143		456	366
Gschmend	6657	44	48	44	550	51	–	–	–	–	51.000	92	30	132	46	81	44	3	1533	17.190	15.000	993	538	2204	555	1500	6	5412	4574	678	1497
Hausen	5860	23	90	51	480	53	–	–	–	–	27.975	50	45	46	45	28	47	–	–	1437	–	381	286	824	454	600	–	3566	85	352	358
Hütten*)	2860	12	25	56	236	14	–	–	–	–	28.400	51	31	62	18	38	22	–	655	1639	–	423	350	980	250	625	–	–	–	–	–
Laufen	5339	49	356	9	415	23	–	–	–	–	31.975	58	–	68	58	42	27	–	3800	10.305	11.274	414	278	1562	395	1200	2/8	1320	250	280	668
Michelbach	17.644	36	268	9	1448	17	–	–	–	–	97.375	176	38	112	12	69	4	–	2665	1320	–	384	476	1035	1298	560	31 2/8	3782	171	228	177
Mittel-Fischach	11.003	31	24	17	915	6	–	–	–	–	58.475	106	5	62	36	38	32	–	430	1141	–	361	449	791	811	370	37	561	–	257	258
Ober-Fischach	12.727	44	17	17	1059	23	–	–	–	–	58.225	105	37	52	–	32	1	–	1150	1212	–	2	332	830	917	500	148 6/8	11.271	57	814	415
Ober-Gröningen	3467	16	331	54	261	20	7	15	–	36	25.275	45	51	59	26	36	35	–	108	1195	350	345	92	651	263	500	6	1378	580	386	428
Ober-Roth	21.689	44	31	33	1805	10	–	–	–	–	112.225	203	33	291	2	179	12	–	150	3588	–	1260	941	2525	1771	1600	1 3/8	4745	16	440	311
Ober-Sontheim	8357	29	156	9	683	34	–	–	–	–	85.250	154	38	271	24	167	7	149 2/8	448	2747	250	–	1529	1921	793	375	2 2/8	2296	79	593	417
Ödendorf	10.638	55	15	36	885	26	–	–	–	–	58.525	106	10	199	18	122	42	–	300	1790	–	16	521	921	853	500	2 3/8	821	173	194	203
Ruppertshofen	10.399	10	216	15	848	43	–	–	–	–	56.575	102	37	92	6	56	42	–	702	4716	2800	4	265	976	772	600	5/8	2021	254	272	471
Sulzbach	9042	17	381	27	721	52	–	–	–	–	52.400	95	3	142	12	87	33	4 6/8	1100	4195	4220	506	570	2196	693	1825	12 3/8	1586	1201	244	662
Unter-Gröningen **)	3364	29	385	35	248	17	23	26	1	57	40.225	72	57	134	24	82	44	–	975	1613	–	635	450	954	311	450	–	–	–	–	–
Unter-Roth	17.332	58	64	4	1439	19	–	–	–	–	55.465	100	37	124	48	76	50	–	2714	1656	–	1276	622	1158	1291	500	4 6/8	4010	–	312	658
Vichberg	15.822	55	74	17	1312	36	–	–	–	–	65.650	119	4	130	56	80	36	–	970	1729	–	749	409	705	1159	400	1	2120	100	358	387
Vorder-Steinenberg *)	7637	36	38	59	633	19	–	–	–	–	37.950	68	50	47	12	29	3	–	1525	4850	4396	39	280	774	560	475	–	–	–	–	–
Die Standes-Herrschaften	8211	11	26	21	682	11	2890	34	240	27	7313	13	16	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–
Im Ganzen	224.801	32	3367	52	18.456	–	2921	15	243	–	1.382.671	2508	–	3125	1 	1924	–	266 3/8	22.391	79.118	43.682	11.921	12.325	29.679	17.195	17.280 	295 5/8	64.282 	13.520	7338	9425 
*) Die mit * bezeichneten Gemeinden haben keine Stiftungspflegen.
**) Unter-Gröningen hat die Stiftungspflege gemeinschaftlich mit Ober-Gröningen.