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{{Headline|200||B.}}


{{Headline|180|0.2|Ortsbeschreibung, <ref>Hilfsmittel für den topographischen Theil: H. ''Prescher'', Geschichte und Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg, 2 Theile, Stuttgart 1789, und die S. 97 erwähnten Urkunden-Auszüge, auch andere am betreffenden Ort erwähnte Druckschriften. Außerdem wurden überall, so weit sie sich fanden, Archiv-''Urkunden'' zu Grund gelegt.</ref>}}

{{Headline|100||in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 23 politischen Gemeinden oder Schultheißereien, jedoch unter Vorausstellung der Oberamtsstadt. Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen <br />I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen und III. des Steuer-Catasters, des Gemeinde- und Stiftungs-Haushaltes.<br />Die Oberamtskarte zeigt die geographische Lage der Orte.}}


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{{Headline|140|0.2|Gaildorf,}}

{{Headline|100||Gemeinde II. Kl. mit 1804 Einwohnern, worunter 53 Katholiken. – Ev. Pfarrei; die Katholiken sind nach Hausen eingepfarrt.}}

Die Oberamtsstadt Gaildorf liegt unter 27° 25′ 58,28″ östlicher Länge und 49° 0′ 4,17″ nördlicher Breite, 16 geometrische Stunden nordöstlich von Stuttgart. Die Erhebung über das Mittelmeer beträgt am Kirchthurm 1016,8 und am Thurmknopf 1146,5 Par. Fuß.

Gaildorf ist der Sitz sämmtlicher Bezirksstellen, das Forstamt ausgenommen, sowie eines Postamtes und folgender standesherrlichen Verwaltungen: des Fürstlich Solms-Braunfels'schen Rentamtes, des Gräflich Pückler'schen Ober-Rentamtes und des Gräflich Waldeck'schen Ober-Rentamtes, der Fürstlich Solms-Braunfels'schen Forstverwaltung und
der Gräflich Pückler'schen Forstverwaltung. Die Schreibart war in älteren Zeiten Geiledorf und Geilendorf; der Name scheint von dem Frauennamen Geilena abzustammen.

Die Zehenten und grundherrlichen Rechte stehen zu {{Bruch|1|4}} dem Staat, zu {{Bruch|2|4}} der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf und zu {{Bruch|1|4}} der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. In das Burggut theilen sich die 

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gedachten Grundherren und die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend.
Eine Umgelds-Entschädigung genießen dieselben nicht, wohl aber die
Stadt. In den Gräflich Pückler'schen und Waldeck'schen Familien bestehen Familien-Fideicommisse.

Das Städtchen liegt frei im Kocherthal, das hier {{Bruch|1|4}} St. breit und
von beiden Seiten mit hohen, meist bewaldeten Bergen umgeben ist. Die
Thalsohle ist etwas wellenförmig und bietet mit den vielen und schönen
Wiesen ein angenehmes Bild dar. In südwestlicher Richtung trennt der
Kirgel, ein sehr schmaler Gebirgsausläufer, worauf sich eine schöne Aussicht eröffnet, das Kocher-Thal von dem Roth-Thal, da sich hier die Roth
in den Kocher ergießt. Der eben erwähnte Fluß fließt, nachdem er den
Hagersbach aufgenommen, unmittelbar an der Stadt, wo er eine Krümmung von Osten nach Nordwesten macht, vorüber. Sein Niveau unter
der steinernen Brücke, welche am nördlichen Ende Gaildorfs über den
Kocher führt, ist 999,2 Par. Fuß über dem Meere. Der Charakter der
Gegend könnte mild genannt werden, wenn sie nicht die Vegetation aufhaltenden und oft verderblichen Nachtfrösten ausgesetzt wäre, welche sich
aus den vielen Wiesengründen und Waldungen entwickeln. In den hier
und da einander entgegenstehenden, mit vielfachen Einschnitten versehenen, Thälern herrscht immer ein Luftzug, der aber auch selten eine epidemische Krankheit aufkommen läßt. Das Wasser führt so viele Schwefeltheile mit sich, daß nur wenige Brunnen für den Genuß und die Küche
brauchbar sind. Vortreffliches Trinkwasser liefert die 1839 von Winzenweiler herabgeleitete Quelle, welche der verstorbene Oberamtsarzt Dr.
Mößner zu seiner Wasserheilanstalt bestimmt hatte.

Das Aussehen des Ortes ist vermöge seiner Lage, der nicht zu eng
gebauten, meistens größeren und verblendeten Häuser und der herrschenden Reinlichkeit, freundlich. Durch denselben zieht die vereinigte Straße
von Heilbronn, Stuttgart, Schorndorf, Gmünd und Aalen, welche sich
jenseits der Kocherbrücke alsbald in die Haller Route einerseits und in die
Crailsheimer und Ellwanger Route andererseits abtheilt. Das eigentliche Städtchen besteht aus einem, dem Kocher entlang gebauten, länglichen Vierecke und hat eine Hauptstraße und vier Gassen. Das Portal
desselben bilden, von Norden betrachtet, die zu beiden Seiten der Brücke
stehenden zwei Schlösser. Die massiven Stadtmauern stehen größtentheils noch; zwei Thore mit ihren Thürmen aber sind längst abgetragen. Außer dem offenen Marktplatze, welchen vor den Häusern stehende
Akazien umgehen, ist noch ein öffentlicher Platz vor der Kirche vorhanden. Die in südlicher Richtung anstoßende Vorstadt ist beinahe ebenso
groß, als das Städtchen selbst.

Gaildorf zählt 237 Haupt- und 59 Neben-Gebäude, mit einem 
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Brandversicherungs-Anschlage von 496.875 fl.; hievon sind Eigenthum des
Staats 11, der Grundherren 9 und der Körperschaften 4. Fast alle haben
wo nicht 3, doch 2 Stockwerke.

Die Kirche, bei dem ehemaligen untern Thore, 88′ lang und 50′
breit, ist ein massives und helles Gebäude mit Chor. Über dem südlichen Kirchen-Eingang befindet sich ein in Stein gehauenes Limpurg'sches Wappen mit der Jahreszahl 1518, im Chor ist die Jahreszahl
1521 befindlich, zu welcher Zeit die schon 1417 vorhanden gewesene Capelle in die jetzige Kirche umgebaut worden zu seyn scheint. Im Schiff
und Chor stehen die in Stein gehauenen zum Theil großartigen Monumente der Schenken Albrecht, † 1506, Wilhelm, † 1552, Christoph,
† 1574, Albrecht, † 1619, Heinrich, † 1585 u. A.; in der Gruft unter
dem Chor ruhen viele Personen des Gaildorfschen Haupt-Stammes.
Der Thurm hat eine blecherne Bedeckung und seit 1827 eine Altane.
Von den drei Glocken sind zwei von B. Lachmann vom Jahr 1493, deren
eine mit der Umschrift „jhesus nazarenus rex judeorum“, die dritte wurde
1815 umgegossen und wiegt 2263 Pfd. Die Kirchengebäude sind Eigenthum des Heiligen, dem auch die Baulast obliegt. – Dasselbe ist der Fall
mit dem bei der Kirche gelegenen Stadtpfarrhaus; der Helfer hat keine
Amtswohnung.

Das Oberamtsgerichts-Gebäude liegt in der Vorstadt, wurde
1825 von der Amtskörperschaft erbaut und 1840 an den Staat käuflich
überlassen. – Das Oberamts-Gebäude auf dem Marktplatze diente
früher der Regierung zum Sitze. – Das Cameralamts-Gebäude
an der Hauptstraße diente gleichfalls früher zu öffentlichen Zwecken.

Das der Amtskörperschaft gehörige, 1813 erkaufte Rathhaus
auf dem Marktplatze ist ein altes, hölzernes, ziemlich geräumiges Gebäude.
– Das nahe gelegene Schulhaus ließ die Stadt 1835 mit einem Aufwand von 7000 fl. neu herstellen; in demselben ist auch die Realschule
untergebracht. – Das Armenhaus oder Lazareth steht auf dem sog.
Siechenfelde.

Das alte Schloß beim vormaligen untern Thore, ursprünglich
eine Burg, hat in seiner weitläufigen, unregelmäßigen Anlage, mit seinen
Thürmen, Brücken und Gräben, noch das Aussehen einer kleinen Festung.
Nach einer Mittheilung des Ober-Rentamtmanns Mauch bildet das
Schloß ein aus vier Flügeln zusammengesetztes Ganzes, ein unregelmäßiges, längliches Viereck, das einen Hofraum begrenzt und nach außen mit
Graben und Mauer umgeben ist, über welche früher zwei Brücken geführt
haben. Das unterste, ziemlich hohe Stockwerk ist ringsum massiv, d. h.
von Brockengemäuer, das aber jeder Zerstörung zu trotzen scheint; die
übrigen Stockwerke sind in Riegeln aufgemauert – Der nördlich, nach
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dem Kocher hin gelegene Flügel, 4 Stockwerke hoch, scheint von Anfang
an zur herrschaftlichen Wohnung eingerichtet gewesen zu seyn, denn in
ihm, obgleich er aus zwei bis drei zu verschiedenen Zeiten aufgeführten
Theilen besteht und in seinem Zusammenhange unterbrochen ist, befinden
sich die vorzüglichsten Wohnzimmer, so wie die ehemaligen Gesellschafts-,
Tanz- und Speise-Säle, während die übrigen mehr für die Dienerschaft
und Ökonornie eingerichtet gewesen sind. Der nach Osten gelegene Theil
des Schlosses besteht offenbar seiner ganzen Länge und Höhe nach aus
einem erst in späterer Zeit errichteten, schmalen Anbau, und bildet, da er
sich bis zur nordöstlichen Ecke des Schlosses ausdehnt, den Übergang
von da in den an dieser Ecke stehenden, ungefähr 100′ hohen, in sechs
Stockwerke abgetheilten, massiven, runden Thurm, dessen unterer Durchmesser nahe an 30′ beträgt. Dieser Thurm ist aber unzweifelhaft älter,
als der eben berührte Anbau, woraus, da er seiner innern Einrichtung
nach für sich allein nie bestehen konnte, mit Zuverlässigkeit geschlossen
werden darf, daß er ursprünglich auf andere Weise mit den Hauptgebäulichkeiten in Verbindung stand. Vorzugsweise sind es die beiden untersten Stockwerke dieses Thurms, welche aus einer frühern Zeit herzustammen scheinen, sofern sich nicht nur die Farbe der Steine, sondern
auch die Arbeit (es ist an denselben Bossage wahrzunehmen) von den
übrigen unterscheidet. Der mittägliche Flügel, drei Stockwerke hoch,
mochte von jeher für ökonomische Zwecke eingerichtet gewesen seyn und
einigen Offizianten zur Wohnung gedient haben. Der westliche Flügel,
gegenüber der Kirche, besteht wiederum aus zwei verschiedenen Anbäuen, der eine drei, der andere zwei Stockwerke hoch. Zwischen diesem und
dem mittäglichen Flügel ist das Thorgebäude, die Ecke des Ganzen dort
stumpf abschneidend. – Von dem Thor aus führt eine (ehemals Fall-)
Brücke über den Schloßgraben gerade in die Stadt hinein, auf den Marktplatz zu. Dieses Thorgebäude besteht aus zwei, dem Äußern nach gleichen, vier Stockwerke hohen, zur untern Hälfte massiven, nach oben aber
in Fachwerk aufgeführten Thürmen und einem Zwischenbau, unter welchem das aus einem einfachen Bogen bestehende Hauptportal befindlich,
und neben welchem ein kleineres, für die Fußgänger bestimmtes Pförtchen angebracht ist. In der nordöstlichen Ecke des innern Schloßhofes
ist ein weiterer massiver Thurm, sechseckig, in dem eine Wendeltreppe
hinaufführt, von welcher aus sämmtliche Stockwerke, bis unter's Dach,
betreten werden können. – In dem Schloßgarten steht, der Glasfabrik
gegenüber, ein 1846 erbauter massiver und sehr geschmackvoll ausgeführter Pavillon.

Über das Alter des Schlosses ließen sich noch keine zuverlässigen
Notizen erheben. Jedoch gedenkt schon der Vertrag Limpurgs mit Hall
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über die Kocherzölle von 1399 der „Veste Gaildorf.“ Bei der Theilung
von 1441 erhielten die drei ersten Söhne des Schenken Friedrich „der
Vorgenannten Schloß und Statt zu Gaildorff.“ Es mögen aber
von den ursprünglichen Theilen dieses Schlosses wenige oder vielleicht
gar keine mehr vorhanden seyn. Die älteste bis jetzt aufgefundene Jahreszahl 1482 findet sich auf einer steinernen, über dem Hauptportal angebrachten, mit den Wappen von Limpurg und Öttingen geschmückten
Tafel, auf welcher folgende Inschrift zu lesen ist: „Wir Albrecht herr
zu limpurg des romischen reichs erbschenk u. semperfrei habend angefangen und vollbracht diesen bau uf sant michels tag nach christus geburt vierzehnhundert und in dem LXXXII jar.“ Erst dieser Schenk
Albrecht (ein Enkel obengedachten Schenk Friedrich's) scheint den Plan,
das vorhandene Schloß zur neuen Residenz einzurichten, ausgeführt zu
haben. *) Jedenfalls läßt sich erst von ihm nachweisen, daß er dahier
gewohnt habe und eben daselbst begraben liegt.

Die oberen Stockwerke des zuvorangeführten großen Thurms sind,
einer über der Thüre im vierten Stock angebrachten, in Stein gehauenen
Zahrszahl zufolge, von 1570.

Es findet sich ferner auch über dem Eingang zur Wendeltreppe in
den nördlichen, hohen Flügel im Innern des Schloßhofes eine tönerne
Tafel mit zwei limpurgischen Wappen und der Schrift: C. H. Z. L.
E. F. Z. L. G. F. V. L. 1573. Das heißt: Christoph, Herr zu Limpurg, Eva, Frau zu Limpurg, geborne Frau v. Limpurg. – Sodann findet
sich auch über dem freien Bogengang, der vom innern in den äußern
Schloßhof oder Schloßgraben führt, eine eingemauerte bemalte Steinplatte, auf welcher das limpurgische und das hohenlohe'sche Wappen zu
sehen sind, mit folgender Inschrift: „Maria Juliana Frau zu Limpurg,
geb. Gräfin von Hohenlohe und Gleichen, Frau zu Langenburg und
Granichsfeld, Wittibin. Im Jahr 1660.“ Endlich findet sich die Jahrszahl 1610 an einer Wand, oben unter dem Dach im hohen Flügel.

Nach der im Jahr 1707 unter den Limpurg-Gaildorf'schen Herrschaften erfolgten Theilung fiel die eine Hälfte dieses Schlosses an Limpurg-Wurmbrand, die andere an Limpurg-Solms-Assenheim; gegenwärtig besitzt {{Bruch|1|4}} davon, nämlich den westlich gelegenen Theil, der Fürst
von Solms-Braunfels, die übrigen {{Bruch|3|4}} aber gehören der Gräflich Waldeck'schen Standesherrschaft, welche 1819 den Antheil des Staats erworben.
Es ist dermalen von der Gräfin Amalie von Waldeck bewohnt, in deren

*) Hiemit würde auch die Sage übereinstimmen, wonach ein an einem Pfeiler des Portals eingehauenes Bild eines bärtigen Mannes mit Winkelmaß und
der Überschrift: „1482 hans unker von Kelh'n“ das des Baumeisters seyn soll.
(Württ. Jahrb. 1841, 54.)

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Händen sich auch als unveräußerliches Eigenthum der Standesherrschaft
der von Prescher I, 113 beschriebene schön gearbeitete Schenkenbecher
befindet. Ferner enthalten diese Schloßgebäude Wohnungen für Beamte
und das Limpurg-Gaildorf'sche Archiv.

Gegenüber dem alten Schlosse, jenseits der Straße, sieht das neue
Schloß. Es wurde 1778 in dem damals üblichen Style von dem Architekten Fischer in Stuttgart an der Stelle der beiden alten Widdumshäuser
erbaut, hat einen schönen Saal und viele Gemächer und dient dem Grafen von Dörfler zur Wohnung.

Was die Einwohner betrifft, so hatte die Stadtgemeinde Gaildorf nach der neuesten Zählung vorn 3. Dez. 1851 eine ortsangehörige Bevölkerung von 890 männlichen, 889 weiblichen, zusammen 1779
Seelen. Unter der Zahl der Angehörigen des Jahres 1846, welche 882
männliche, 882 weibliche, zusammen 1764 Seelen betrug, waren 56 der
römisch-katholischen, alle übrigen aber der evangelischen Confession zugethan. Im Jahr 1832, Nov. 1, war die Zahl der Angehörigen 725 männliche, 731 weibliche, zusammen 1456. Von den Angehörigen des Jahres
1846 waren abwesend 157; dagegen Fremde anwesend 241; es belief
sich daher die Ziffer der Ortsanwesenden auf 1848. Im Jahr 1832
war dieselbe 1495.

Nach Altersstufen vertheilt sich die angehörige Bevölkerung des
Jahres 1846 folgendermaßen:
			männl.	weibl.
unter 6 Jahren			129	121
von vollendetem 6.–14. Jahre			149	153
  "   "	14.–20.	"	82	65
  "   "	20.–25.	"	72	64
  "   "	25.–40.	"	181	197
  "   "	40.–60.	"	186	192
  "   "	60.–70.	"	48	73
  "   "	70.–80.	"	28	15
  "   "	80.–90.	"	7	2
  "   "	90.–100.	"	–	–
über 100 Jahren			–	–
		zusammen	882	882
			1764.	

Die Zahl der Ehen war im Jahr 1846 305; die der Familien
443. Auf 1 Ehe kommen daher 5,8; auf 1 Familie 4,0 Angehörige.

Geboren wurden im Durchschnitt von 183636/46 jährlich 62,2, daunter unehelich 6,1. Auf 1000 Einwohner kommen hienach 39,2 Geborene, ober 1 Geburt auf 25,4 Einwohner, und unter 100 Geborenen
sind 9,8 unehelich, oder die unehelichen Geburten verhalten sich zu den
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ehelichen wie 1:9,26. Dieses Verhältniß ist nicht nur weit besser, als
das vom ganzen Oberamt (1:4,5), sondern sogar noch günstiger, als
das vom ganzen Lande (1:7,8).

Gestorben sind nach dem erwähnten Durchschnitt jährlich 52,5.
Auf 1000 Einwohner kommen daher 33,1 Gestorbene, d. h. es kam ein
Todesfall auf 30,9 Einwohner, und zwar treffen auf 1000 Personen
männlichen Geschlechts 32,9, auf 1000 Personen weiblichen Geschlechts 33,3 Gestorbene. Auf 100 Sterbefälle kommen 118,5
Geburten, und der natürliche Zuwachs zur Bevölkerung betrug in
der Periode von 1836/46 97 Seelen (59 männliche und 38 weibliche);
der gesammte Zuwachs 251 Seelen (125 männliche, 126 weibliche).

Bei der Zählung von 1846 fanden sich hier 173 Personen im Alter
von mehr als 60 Jahren, wonach davon auf 1000 Einwohner 98,1
kommen. (Im ganzen Bezirk kommen auf 1000 Einwohner 67,15; im
ganzen Lande 75,7 Leute dieses Alters.)

In Gaildorf ist am 19. November 1749 Heinrich Prescher geboren, der Verfasser der oben erwähnten Geschichte und Beschreibung der
Reichsgrafschaft Limpurg, welcher 1775 und 1781 einige historische Versuche über den Ursprung der Schenken von Limpurg vorangegangen waren, und der zwei geschichtlichen Magazine: „Altgermanien“, 1804 und
1805, 2 Hefte, und „Historische Blätter“, 1818, eine Lieferung. Im Jahr
1777 zum Pfarrer in Gschwend ernannt, blieb er 50 Jahre auf dieser
Stelle und starb daselbst am 26. Mai 1827. (Württemb. Jahrb. 1827,
I, 38 u. f.)

Der Nahrungsstand ist als mittelmäßig zu bezeichnen und beruht
hauptsächlich auf der Landwirthschaft. Die Markung begreift 1672 4/8 M.,
worunter 110 M. Gärten und Länder, 508 7/8 M. Äcker, 4/8 M. erst
1838 angelegte Weinberge und 665 3/8 M. Wiesen, wovon 202 2/8 M. einmähdig sind. An Baufeld kommen daher etwa 7/10 Morgen auf den
Kopf. Unter einem „ganzen Bürgersgut“ begreift man herkömmlich ein
Haus nebst Scheuer, 3 M. Ackers, 1 Tagwerk Wiesen und {{Bruch|1|2}} M. Garten
oder öden Weinbergs. Die Äcker sind fruchtbar an trefflichem Roggen,
an Dinkel, Weizen und Haber, erzeugen aber das örtliche Bedürfniß nicht.
Die Wiesen gewähren reichen Ertrag. Von den Gärten sind nur jene
der Grafen von Pückler und von Waldeck zu erwähnen. Für die Obstzucht geschieht in neueren Zeiten viel; es ist eine größere Baumschule
vorhanden (s. S. 60). Nach der Aufnahme am 1. Januar 1850 waren
66 Pferde, 17 Ochsen und Stiere, 181 Kühe, 138 Stücke Schmalvieh,
22 Schafe, 145 Schweine, 79 Ziegen und 25 Bienenstöcke vorhanden.
Das Rindvieh zeichnet sich durch Schönheit besonders aus, die Anzahl
aber ist, mit der Größe der Markung verglichen, klein.
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Die Handwerks-Industrie ist nicht von Belang, was schon daraus
erhellt, daß auf 4 Meister kaum 1 Gehilfe trifft; daher die meisten Gewerbsleute zugleich Landwirthschaft treiben. Auch kann keines der hier
betriebenen Handwerke als besonders blühend bezeichnet werden. Einige
Fabrik-Anlagen sind in neuerer Zeit entstanden, nämlich: die Glasfabrik von Pfähler und Schindler, 1843 jenseits des Kochers, anstatt
der zuvorgedachten im Jahr 1843 eingegangenen Kaltwasserheilanstalt
errichtet, wo alle Arten Hohlglas, mit und ohne Feinschliff und Vergoldung, gefertigt werden. Die Produktion kann, da zwei Schmelzöfen vorhanden sind, noch ausgedehnt werden. Dermalen sind im Ganzen 60 Arbeiter beschäftigt; der Absatz ist lebhaft auch in das Ausland, und die
Nachfrage kann bei den gegebenen Umtriebsmitteln nicht immer befriedigt werden. – Die Beinwaaren-Fabrik von Ed. Kieser, 1848
errichtet, verfertigt guillochirte Elfenbein-, Bein- und Holz-Waaren, auch
Tabletterie-Gegenstände verschiedenster Art, welche bei der Leipziger Gewerbe-Ausstellung 1850 besondere Anerkennung gefunden haben. Sie
beschäftigt 6–8 Arbeiter innerhalb und ebenso viele außerhalb der Fabrik und setzt die Waaren auch in das nicht vereinte Ausland ab. –
Die Soda-Fabrik von C. Mändlen (das Gebäude steht auf der Markung von Groß-Altdorf), 1844 errichtet, verfertigt Salzsäure, krystallisirtes und wasserfreies Glauber-Salz, rohe, calcinirte und krystallisirte
Soda. Sie beschäftigt 20 Familienväter und versendet die Waare in das
Inland, nach Bayern und Baden. – Das schon seit 1763 betriebene
Vitriolbergwerk von Dieterich gewinnt aus dem S. 21 erwähnten
Flötze Vitriol und Alaun, welche im Zollvereinsgebiet verkauft werden,
und beschäftigt 7–8 Arbeiter. – Der Handel ist, abgesehen von der
Ausfuhr der gedachten Fabrikate, nicht erwähnenswert.

Die Gewerbesteuer-Rolle der Stadt zählte am 1. Juli 1851

	Meister	Gehilfen und Lehrlinge		Meister	Gehilfen und Lehrlinge
					
Apotheker	1	1	Conditoren	6	1
Bäcker	12	4	Essigsieder	1	–
Barbiere	2	–	Färber	3	2
Baumwollenweber	3	1	Feldmesser	1	1
Beindrechsler	2	–	Flaschner	1	–
Beinwaarenfabrikanten	1	1	Frachtfahrer	3	–
Bergleute	3	–	Glaser	2	–
Bierbrauer	6	1	Gypser	1	1
Branntweinbrenner	9	–	Hafner	3	–
Buchbinder	2	1	Handlungen	12	2
Büchsenmacher	1	–	Holzdrechsler	2	–
Bürstenbinder	1	–	Holzhändler	2	–
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	Meister	Gehilfen und Lehrlinge		Meister	Gehilfen und Lehrlinge
Hufschmiede	4	1	Sattler	5	1
Hutmacher	2	1	Seifensieder	3	–
Kaminfeger	1	1	Sailer	3	–
Kammmacher	1	–	Schlosser	7	1
Kleinhändler	4	–	Schneider	11	1
Kornmesser	2	–	Schreiner	5	–
Kübler	3	–	Schuhmacher	20	3
Küfer	3	–	Schenkwirthe	4	–
Kupferschmiede	2	–	Schildwirthe	9	1
Leineweber	9	–	Sesselmacher	1	–
Lohnfahrer	2	–	Silberarbeiter	2	–
Maurer	–	6	Steinhauer	4	4
Messerschmiede	1	–	Strumpfstricker	1	–
Metzger	8	3	Strumpfweber	1	–
Musiker	1	–	Tuchmacher	3	–
Nadler	1	–	Uhrmacher	2	1
Näherinnen	5	–	Wagner	3	–
Nagelschmiede	4	2	Weißgerber	1	–
Putzmacherinnen	3	–	Ziegler	2	2
Rothgerber	4	4	Zimmerleute	2	7
Sägmüller	2	–	Zinngießer	1	–

Gaildorf hat vier Jahrmärkte, womit die namhaften S. 69
erwähnten Viehmärkte und die Flachsmärkte (S. 57) verbunden sind.
Von geringerer Bedeutung ist die seit 1830 in dem vormaligen Burghofgebäude errichtete Fruchtschranne. An Getreide aller Art wurden
auf derselben umgesetzt:
1846	2561 3/8	Scheffel	47.814 fl.	44 kr.	Erlös
1847	1944 4/8	"	39.540 fl.	42 kr.	"
1848	3643	"	46.121 fl.	1 kr.	"
1849	2713	"	27.457 fl.	36 kr.	"
1850	2550 2/8	"	28.108 fl.	19 kr.	"
1851	4120	"	55.431 fl.	26 kr.	"

Was das Gemeinde-Wesen betrifft, so ist das Vermögen der
Stadt nicht bedeutend. Der Werth ihres Besitzthums an Gebäuden und
Grundeigenthum beträgt etwa 25.000 fl.; verzinsliche Activ-Capitalien
besitzt sie nicht, vielmehr hat sie 3700 fl. Passiv-Capitalien zu verzinsen.
Die Einnahmen der Stadtpflege sind 2234 fl., die Ausgaben 4189 fl.;
es sind daher neben 962 fl. Amts-Umlagen 2000 fl. an Gemeindeschaden
umzulegen. – Das auf die Flösserei deutende Stadtwappen besteht
in einem sogenannten Fach mit Floßhaken und hat die Jahreszahl 1434.
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– Es ist eine öffentliche Schießstätte vorhanden. – Straßenbeleuchtung
findet nicht Statt.

Für den Kirchendienst sind ein Stadtpfarrer, zugleich Dekan,
und ein Helfer, zugleich Pfarrer in Münster, angestellt. Der letztere,
früher „Caplan“ genannt, hatte schon seit der Reformation zugleich die
Pfarrei Münster zu versehen, bis 1710 die Helfersstelle mit dem Präceptorat verbunden wurde; am 10. Januar 1810 trat jedoch, unter Aufhebung des Präceptorats, die jetzige Verbindung wieder in's Leben. Gaildorf hat keine eigentlichen Filialien. Das Patronat zur Stadtpfarrei,
welches mit den Episcopatrechten bis 1806 der Landesherrschaft zustand,
üben seit 5. Okt. 1831 die Krone zu {{Bruch|1|8}} und die Standesherrschaften Limpurg-Gaildorf zu 4/8 und Limpurg-Waldeck zu 3/8 nach einem gewissen
Turnus aus.

Außer dem schon S. 79 erwähnten Armenhaus, das früher ein
Lazareth oder Siechenhaus war, sind keine besondere Armen- und Kranken-Anstalten vorhanden. Die Stiftungs-(Heiligen-)Pflege besitzt nur
1 2/8 M. Grundeigenthum und 3703 fl. Activ-Capitalien, worauf 3699 fl.
Schulden haften. Da die Einnahmen 329 fl., die Ausgaben aber 389 fl.
betragen, so muß die Gemeinde in's Mittel treten. Außerdem ist eine
Lazareth-Pflege und eine Almosen-Pflege vorhanden. Die erstere besitzt
das Armenhaus, {{Bruch|1|4}} M. Garten und 4800 fl. gestiftete Capitalien; die
letztere 1828 fl. Capital-Vermögen, das durch regelmäßige Wochensammlungen und 1000 fl., welche der Stadtpfleger Chr. Sigm. Maurer
1848 stiftete, zusammenkam; der Zins aus diesen 1000 fl. wird nach
Anordnung des Stifters je zur Erziehung eines armen Kindes der Stadt
verwendet.

Die lateinische Schule, welche seit der Reformation bestand, ist,
wie schon erwähnt, 1810 aufgehoben worden. Dagegen wurde 1839 eine
am 4. Dezember in's Leben getretene, niedere Realschule, wozu der Staat
jährlich 250 fl. beiträgt, errichtet. An der deutschen Schule stehen ein
Schulmeister und ein Unterlehrer. Die von der Stiftungspflege verwalteten Schulstiftungen betragen 200 fl., der Schulfond 90 fl. 24 kr. An
der 1833 neuerrichteten Industrieschule für Knaben und Mädchen unterrichten ein Lehrer und eine Lehrerin.

Der 1710 angelegte Begräbniß-Platz liegt nahe bei der Vorstadt an dem Wege nach Münster; er hat eine kleine Capelle, wo die
Leichenreden gehalten werden.

Auf der Stadtmarkung befinden sich:

a) die Rudolphsmühle, nahe am Kocher, an einem von der
Höhe herabstürzenden namenlosen Bache. Zuerst eine Mahl-, dann eine
Schleif- und Walk-Mühle, ist sie jetzt für die schon erwähnte Beinwaaren-Fabrik
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eingerichtet. Ein Vertrag zwischen Limpurg und Kloster Comburg von 1555 bestimmt, daß „die neue Mühl bey dem Rudolfsbrunnen“,
von Schenk Erasmus auf einem Comburg lehenbaren Grundstück erbaut, unter Limpurg'scher Vogtei stehen solle.

b) Die schon beschriebene Glasfabrik, das Vitriolbergwerk und einige Wohngebäude, sämmtlich jenseits der Kocherbrücke.

Geschichtliches.

Gaildorf, bis 1404 nur ein Dorf, hat ohne Zweifel der oben beschriebenen Burg sein Daseyn zu verdanken, da frühe schon ein Geschlecht
von niederem Adel hier saß, das wir seit seinem urkundlichen Auftreten in
Dienstverhältnissen zu den Schenken von Limpurg antreffen. Rabenoldus
de Gailendorph ist 1255 Zeuge in einer Urkunde des Schenken Walther
(Gabelkofer); ein Ruckerus de Geilndorff verbürgt sich 1280 für denselben; 1286 kommt wieder ein Rabenold vor. Vor und nach 1404 waren auch Haller Edle, wohl als Limpurg'sche Dienstleute, hier ansässig
und begütert, namentlich bis 1599 die von Rinderbach; und es ist um so
wahrscheinlicher, daß die Schenken seit der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts hoheitliche Rechte hier hatten, als bei den alsbald zu erwähnenden Käufen derselben die ihnen wohl bereits zugestandene Vogtei nicht genannt wird. *) Eberhard Philipp verkauft an Schenk Albrecht 1369
ein Gut; Heinrich Kuhn 1371 ebenso Alles, was er hier hatte; Walther
Eberwein 1373 ein Gut; 1374 Kraft von Suntheim, Mönch in Comburg, 2 Güter an denselben. Die Schenken Conrad und Friedrich kauften 1387, 1399, 1405, 1410 von Ulrich von Geilenkirchen, Hans von
Morstein, Claus Halberg und Conrad Berler mehrere Lehen und einzelne
Güter. Wilhelm Kechler von Schwandorf verkauft 1621 an Limpurg
das Rinderbach'sche Haus dahier mit allen Gütern und Rechten. Schenk
Albrecht kauft 1369 von Rüdiger von Hohenstein seinen Zehentantheil
um 72 Pfd. Heller. Urkundlich erwiesen ist, daß Schenk Albrecht das
Dorf Gailndorff mit eigenen Leuten, Gerichten und Zehenten im Jahr
1374 besaß. Im Jahr 1403 wird das Halsgericht zu Gaildorf als ein
Reichslehen bezeichnet. Am Dienstag nach St. Laurentius (12. Juli)
1404, ertheilte Kaiser Ruprecht dem Schenken Friedrich die Erlaubniß,
das Dorf Gaildorf mit Mauern und Gräben zu umfassen und eine Stadt

*) Auf einen frühern Herrn des Ortes, der aber nicht näher zu ermitteln
ist, scheint die Stelle in einer Urkunde von 1410 zu deuten, worin von einem
Hofe die Rede ist, „bey des Grafen Brunnen zu Geylndorf.“ Die Schenken nannten sich bekanntlich vor dem siebenzehnten Jahrhunderte nicht „Grafen.“
{{Seite|127
daraus zu machen mit Wochenmarkt und zwei Jahrmärkten. Auch erhielt
die Stadt kaiserliches Asylrecht für Todtschläger.“*)

Noch aber hatte die Stadt keine eigene Kirche und war nach Münster eingepfarrt. Eine Capelle sogar wurde erst 1417 von der Wittwe
des Schenken Friedrich III. und ihrem Sohn Conrad gestiftet; es geschah
in der Ehre der Mutter Gottes und mit den Einkünften der Klause unter
der Burg Limpurg. Im Jahr 1433 wurde aber die Kirche zur Pfarrkirche erhoben, indem die Pfarrei Münster und die Frühmesse zu Bühlerzell in dieselbe versetzt wurde, von wo an bis 1694 die Kirche zu Münster
Filial und Todtenkirche von Gaildorf wurde (s. auch Münster).

Die Stadt blieb bis 1441 in gemeinschaftlichem Besitze der Schenken. Welches Schicksal dieselbe bei den Theiiungen von den Jahren 1441,
1557, 1690 und 1774 bei den neueren Abtheilungen hatte, ist oben
S. 92 u. f. angegeben; sowie auch, daß Theile des Städtchens schon 1780
und 1785 an Württemberg gekommen, bevor dasselbe 1806 ganz dessen
Hoheit unterworfen ward. Im Jahr 1741 waren 194 Bürger und zehn
Hausgenossen in der Stadt. Prescher zählte 1785 gegen 240 Bürger
und 1148 Einwohner, worunter 825 von der Bürgerschaft und, da hier
drei Regierungen und mehrere Bezirksämter saßen, 323 Bedienstete aller
Art mit ihren Angehörigen.

Die besonderen Ereignisse, welche Gaildorf mitbetrafen, sind schon
S. 109 angegeben. Das Schloß wurde 1634 geplündert. In den vier
Jahren, von 1634 bis 1637, starben 678 Menschen in der Pfarrgemeinde;
1645 starben ebenda 64, wohl 1/10 des Ganzen. Turenne hatte am 24.
April 1648 ein Lager bei der Stadt.

*) „Wenn Jemand einem Andern tödtlichen Schaden am Leib zugefügt
oder Einen gar entleibt hatte und derselbe sich in die Freiheit nach Gailndorff
begeben wollte, hat er sich erst bei der Herrschaft anzumelden und da er aufgenommen, jeden Monat, so lang er sich im Städtlein aufhält, einen Gulden
Schutzgeld zu geben, wogegen er vor Leibs und Lebens Gefahr gesichert. Will
sein Gegentheil ihn rechtlich angreifen, so muß es vor dem Gericht zu Gailndorff geschehen.“ Während des Processes aber bleibt er auf freiem Fuß, und
sollte das Urtheil auf Leib und Leben lauten, das in Gaildorf vollzogen werden
müßte, so mag er sich unaufgehalten von dannen machen auf seine Gefahr, denn
sobald er vorm Städtlen und dessen beiden Thoren, ist er außerhalb der Freiheit; und wenn er nicht verkundschaftet wird, kann er sich an einen andern
sichern Ort begeben.“ (Alte Handschrift in Ober-Sontheim.) Also gab das
ganze Städtchen Asylrecht, von welchem noch 1698 Gebrauch gemacht wurde.
{{Seite|128

Altersberg,

Gemeinde II. Kl. mit 1358 Einw. a. Altersberg, W. 106 Einw. b. Brandhof, W. 169 Einw. c. Breitenfeld, W. 106 Einw. d. Eichenkirnberg,
W. 98 Einw. e. Falgenhof, H. 17 Einw. f. Gläserhof, H. 13 Einw. g. Haghof, W. 40 Einw. h. Hagkling, W. 221 Einw. i. Hengstberg, H. 4 Einw.
k. Horlachen, W. 177 Einw. l. Hugenbeckenreute, H. 10 Einw. m. Hundsberg, W. 123 Einw. n. Krämersberg, W. 17 Einw. o. 
Krebenhaus, Hs.
14 Einw. p. Lämmershof, W. 13 Einw. q. Neumühle, W. 33 Einw. r. Pfeiferhof, H. 21 Einw. s. Pritschenhof, W. 60 Einw. t. Schierhof, H.
25 Einw. u. Seehöfle, H. 12 Einw, v. Sturmhof, H. 32 Einw. Wasserhof, W. 47 Einw.
Ev. Pfarr-Fil. von Bichberg: Parz. c. n. d; von Gschwend: Parz. o. p. u.
und theilw. b. q.; von Kirchenkirnberg: die übrigen.

Die Gemeinde-Parzellen, dem Welzheimerwalde (S. 3) angehörend, liegen hoch auf der ersten Gebirgsstufe des Waldes, südlich über
dem Roththale, und schließen sich bei einer Länge von etwa 2 St. westlich an das Oberamt Welzheim an. Das Klima ist rauh, der hauptsächlich sandige, wenn auch etwas gebesserte Boden meist schlecht und an
manchen Orten so undankbar, daß er das Saatkorn kaum vervierfacht,
daher auch das Getreidebedürfniß nicht erzeugt wird. Im Gemeindebezirke liegt der S. 16 bemerkte Haagberg mit schöner Aussicht, der höchste,
trigonometrisch ermittelte Punkt des Oberamts, 1803 par. Fuß über dem
Meere. An Wasser ist kein Mangel und das Trinkwasser die gut.
Namentlich entspringt hier (bei Horlachen) der Rauhenzainbach. Die
sonstigen natürlichen Verhältnisse stimmen mit jenen von Gschwend überein. Durch den südöstlichen Theil des Gemeindebezirks führt die Landstraße von Welzheim nach Gaildorf, ebenso in entgegengesetzter Richtung
die gute Verbindungsstraße zwischen Gschwend und Kirchenkirnberg
u. s. w. Die wohlgestalteten Einwohner suchen im Feldbau, verbunden
mit Waldbau, und in der Viehzucht ihre Nahrung; sie gehören aber zu
den Ärmsten des Bezirkes. Die Weiler sind allmälig aus den ehemaligen großen Höfen entstanden oder gleich den einzelnen Wohnsitzen in den
letzten Jahrhunderten auf Waldboden angelegt worden, und die Einwohnerzahl hat sich in den letzten 60–70 Jahren fast überall verdoppelt.
Die gesammte Gemeindemarkung ist 3448 2/8 M. groß, worunter 1149 2/8,
also fast {{Bruch|1|3}}, Wald, und 290 M. Weiden und Öden, daher an Baufeld
auf einen Kopf nur etwa 1,3 M. treffen. Gärten, Wiesen, Weiden und
Äcker liegen untereinander gemischt. Dinkel kommt erst in neuerer Zeit
häufiger in Anbau; der Bau von Gerste, Hirse und Roggen findet sich
mehr, der vorzüglich gedeihende Haber noch häufiger. Von Belang ist
der Flachsbau, welcher eine wesentliche Einnahme bildet; der Flachs,
{{Seite|129
namentlich in Eichenkirnberg, ist sehr gut und beschäftigt die weibliche
Industrie den ganzen Winter hindurch; er findet, nebst Lein-Saamen und
Leinöl, nach Außen Absatz. Die Kartoffeln geriethen noch vor 7–8 Jahren ausgezeichnet. Die Wiesen, ihrer Natur nach meist Äcker, sind schlecht;
es muß daher um so mehr Heu aus den Thalorten zugekauft werden, als
der Klee- und sonstige Futter-Bau unbedeutend ist. Die Obstzucht, obwohl alt, ist auch noch von keinem Belange; der Viehstand nach Anzahl
und Haltung mittelmäßig. Eigentliche nennenswerthe Gewerbe
nicht vorhanden. Von Bedeutung ist dagegen die Verfertigung und
Ausfuhr geschnittener Holzwaaren, von Pfählen und allerlei Handwerksholz,
von Potasche, Pech und Kienruß, da die Einwohner zum Theil eigene
Waldungen besitzen.

Die Gemeinde ist dem Forstamt Lorch zugetheilt. Das Vermöge
derselben ist klein; eine Stiftungspflege nicht vorhanden. Eine Schule
befindet sich bloß in Horlachen; die Kinder von Altersberg, Hengstberg
and Krämersberg besuchen jene in Kirchenkirnberg.

Die großen und meist auch die kleinen Zehenten gebühren: in Altersberg, Hengstberg, Eichenkirnberg (theilweise), Felgenhof, Hagkling (theilweise), und Hugenbeckenreute dem Staat; in Lämmershof, Krebenhaus
und Seehöfle der Standesherrschaft Limpurg-Gschwend; in Hundsberg
der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf; in den übrigen Parzellen der
Standesherrschaft Limpurg-Waldeck. Die neueren grundherrlichen Verhältnisse, wie sie bis jüngst bestanden, sind S. 102 u. f. auseinandergesetzt.

Der ganze Gemeindebezirk stand unter Limpurgischer Hoheit, den
L. Wurmbrand'schen und L. Assenheim'schen Antheilen, die theilweise
1780 und 1790 an Württemberg gekommen waren (S. 101); ausgenommen der altwürttembergische Felgenhof, der 1808 mit den Siebenzehnern
in Altenberg vom Oberamt Welzheim hierher zugetheilt wurde. Breitenfeld, Eichenkirnberg und Seehöfle gehörten zum Wurmbrand'schen Landamt Gaildorf, Lämmershof zum Wurmbrand'schen Amte Gschwend, die
übrigen Parzellen zum Assenheim'schen Amte Gschwend (Oberroth).

Von den Gemeinde-Parzellen ist

a) Altersberg, 2 {{Bruch|1|2}} St.*) südwestlich von Gaildorf, an der Grenze
gegen das Oberamt Welzheim gelegen. Das Örtchen ist eines der höchstgelegenen; es liegt auf der Spitze eines Berges in der Richtung gegen
Nordwest, 1773,6 Par. F. über dem Meere. Der große Zehente rührt vom
Kloster Adelberg her. Altersberg war ursprünglich ein Hof, der 1538

*) Den Angaben der Ortsentfernungen liegt die geometrische Stunde (deren
Maßstab s. auf der Oberamtskarte) und die unmittelbare Entfernung, also ohne
Rücksicht auf die Straßen, zu Grund.

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auch „zum Hag“ heißt, aber schon vor 1580 in 8 Güter mit Gebäuden
aufgelöst war. Eines dieser Lehen mit 2 Sölden erwarb 1436 Limpurg
mit Gröningen von Hans von Yberg; die übrigen Güter gehörten, jedoch ohne Hoheit, dem Kloster Lorch, alle aber in das Gericht zu Seelach. Ein Lehen war ein Siebenzehner Gut (s. oben S. 115). Im Jahr
1489 ist die Rede von einem nahen Wald „in dem Pfalwand“.

b) Brandhof, {{Bruch|1|2}} St. südlich von A. (Altersberg) am Hagbach.
Der Weiler wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt; 1674, wo er nur aus zwei Limpurgischen Gütern und einer Sägmühle bestand, lag der „große Brand-See“ dabei.

c) Breitenfeld, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich von A., ein kleines Gut auf
der Markung von Eichenkirnberg. Nach dem Limpurgischen Lagerbuche wurden hier „auf dem breiten Feld“ 1700 und 1740 zwei Kammergüter
angelegt.

d) Eichenkirnberg, 3/8 St. nordöstlich von A. auf einer Höhe
über den beiden Zainbachthälchen gelegen. Der Name rührt ohne Zweifel von den in der Gegend gerne wachsenden Eichen her. Nach Gräter (Iduna und Hermode, 1814, 212) stand hier 1814 eine Eiche, die 23′ im Umfang
hatte, und wurde damals in der Nähe das bronzene Bild einer deutschen
Göttin gefunden. Die Zehentrechte des Staats rühren vom Kloster Murrhardt her; ob dieses früher auch sonstige Rechte hier hatte, wie in
dem nahen Kirchenkirnberg, ist unbekannt. Der jedenfalls alte Ort ist
größtentheils mit der Burg Röthenberg an Limpurg gekommen. Conrad und Wilhelm von Roth besaßen {{Bruch|1|2}} des Zehentens und verkauften
1367 ein Lehen an Limpurg. Die Baltmanshube gehörte noch 1657 dem
Stifte Comburg, doch unter Limpurgischer Vogtei. Eine Kapelle zu St.
Gangolf wird 1379 genannt.

e) Felgenhof, 5/8 St. östlich von A., ein altwürttembergischer
Hof, der bis 1806 zum Stabe Rudersberg gehörte.

f) Gläserhof, 3/8 St. nordöstlich von A., an dem Haagberg; der
Überrest einer Glashütte, mit sehr wenigen Gütern. Albrecht von Ebersberg entsagt 1278 aller Vogtei auf den Gütern des Klosters Lorch „apud
glasarios.“

g) Haghof, {{Bruch|1|4}} südöstlich von A., unter dem Haagberg; eine
ehemalige Zugehör der Burg Röthenberg.

h) Hagkling, 5/8 St. südöstlich von A., an dem Haagberg. Auch
hier stand eine herrschaftliche Glashütte, deren Arbeiter zu Ende des
17. Jahrhunderts den Ort anlegten.

i) Hengstberg, {{Bruch|1|8}} St. westlich von A., auf der Altersberger
Markung, an der Oberamts-Grenze. Eine neuere Ansiedelung.

k) Horlachen, {{Bruch|1|4}} St. östlich von A. Auch dieses Örtchen dankt
{{Seite|131
seine Entstehung einer in dem Walde Horlachen und Schwarzachen
angelegten Glashütte, die noch 1674 stand und wo 11 Limpurgische Lehen
vorhanden waren. Das Ernennungsrecht zur Schule, die 1830 von Hagkling hierher verlegt wurde, hat die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck;
der Schulfond ist 53 fl. 47 kr.

l) Hugenbeckenreute, oder Drehershof, 1 St. südöstlich
von A., auf einem Hügel; ein ganz kleines, vor etwa 80 Jahren angelegtes Gut.

m) Hundsberg, zum Unterschied von dem gleichnamigen Orte im
Oberamt Welzheim, auch Hinterhundsberg genannt, 1 St. südlich
von A., über dem Hagbach, an der Straße von Welzheim nach Gaildorf.
Das Örtchen hat eine Sägmühle und eine 1788 erbaute Ziegelhütte.
Wie wenig dankbar der Boden ist, so wurde doch schon 1430 Obst hier
gebaut. Der Weiler ist aus einem alten Hof erwachsen, dessen eine Hälfte
den Caplaneien in Schadburg und Gebenweiler, beide Oberamts Welzheim, und deßwegen dem Kloster Lorch gehörte; die andere Hälfte zerfiel
in 6 Lehen, wovon eines dem Kloster Adelberg, die anderen Limpurg,
das auch alle Hoheit hatte, zustanden.

n) Krämersberg, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von A., auf der Oberamtsgrenze, im letztverflossenen Jahrhundert angelegt, ebenso klein als Drehershof. Dazu gehört

o) Krebenhaus oder Krämershof.

p) Lämmershof, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., am nördlichen Abhang des Gebirges, welches eine Fortsetzung des Steineforsts bildet; der
sehr kleine vor etwa 130 Jahren angelegte Ort hat einen Dichter, den
Leineweber Johannes Lämmerer, hervorgebracht, dessen Gedichte
Justinus Kerner 1819 herausgab.

q) Neumühle bei Horlachen, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., in
einer Klinge am Rauhenzainbach. Das erste Haus, die Mühle wurde
1709 erbaut und war ein Limpurgisches Kammergut.

r) Pfeiferhof, {{Bruch|3|4}} St. östlich von A., am Haagberg; eine kleine
neuere Ansiedelung. Das Lagerbuch von 1674 erwähnt hier einer
„Weinhalde.“

s) Pritschenhof, 1 St. östlich von A., am Haagberg; ein aus
dem Gläserhof gezogenes kleines Gütchen.

t) Schierhof, auch Schürhof, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., in
der Tiefe, am Fuß des Haagberges. Neueren Ursprungs.

u) Seehöfle, auch Seehäusle oder Seewiese, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von A., bei Neumühle; ein kleines Gütchen.

v) Sturmhof, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von A., auf dem Haagberg,
gleichfalls eine kleine neuere	Ansiedelung.
{{Seite|132
w) Wasserhof, 5/8 St. östlich von A. auf dem Haagberg; ist im
letztverflossenen Jahrhundert angelegt worden.

In dem unterhalb Altersberg gelegenen Thalheimer Walde, bei dem „Heiligen-Brunnen“, standen zwei schon 1580 abgegangen gewesene Orte:
Thalheim und Gauchshausen.


Eschach,

Gemeinde II. Kl. mit 1280 Einw. a. Eschach, Pfd. 552 Einw. b. Batschenhof, 50 Einw., wor. 3 Kath. c. Dietenhalden, H. 21 Winw. d. Gehrenhof, H. 7 Winw. e. Götzen-Mühle, 5 Einw. f. Helpertshofen, W.
33 Einw. g. Hirnbuschhöfle, H. 6 Einw. h. Holzhausen, W. 311 Einw.,
wor. 140 Kath. i. Kemnathen, W. 65 Einw., wor. 23 Kath. k. Seifertshofen, 137 Einw. 1. Vellbach, W. 56 Einw. m. Waldmannshofen,
W. 37 Einw. – Ev. Pfarrei; die Katholiken in Parz. c. h. sind nach Schechingen, die in Parz. i. nach Unter-Gröningen eingepfarrt.

Diese südlich an das Oberamt Gmünd grenzende Gemeinde-Markung liegt auf der dem Oberland angehörigen Hochebene, welche sich sanft
einerseits gegen die Roth und die Lein, andererseits gegen den Kocher
hinabsenkt. Der hohen Lage wegen ist hier die Bergkette der Alp sichtbar. Der Bezirk ist reich an guten, nie versiegenden Quellen, worunter der Götzenbach. Das Klima ist ziemlich rauh, aber gesund. Die Gewitter
ziehen sich meist gegen die Alp hin, daher ist Hagelschlag selten. Die
sonstigen natürlichen Verhältnisse s. Frickenhofen. Durch die Gemeinde
führt die 1828–1842 gebaute Amtskörperschafts-Straße von Gschwend
in das Oberamt Aalen. Die Einwohner sind von kräftigem Schlage;
die Nahrungsquellen dieselben wie in Altersberg, aber günstiger, da die
Orte meist namhaften Grundbesitz haben und das Fruchterzeugniß für
den eigenen Bedarf hinreicht. Die Gemeinde-Markung umfaßt 5284 3/8
Morgen, worunter 1015 {{Bruch|1|8}} M. Wald und 234 M. Weiden und Öden,
wonach 3 Morgen Baufeldes durchschnittlich einen Kopf treffen. Der
Boden ist von verschiedener Güte (s. Frickenhofen). Die Ackerpreise waren 1847 vom Morgen 30–160 fl., die Wiesenpreise 70–400 fl. Es
gedeiht Dinkel, Roggen, Haber und Gerste, Flachs und Hanf. Die Wiesen, obwohl im Allgemeinen mittelmäßig, können theilweise gewässert
werden. Der Obstbau hebt sich neuerlich (S. 60). Das Kohlenbrennen
wird stark betrieben. Besondern Erwerb gewährt die Rindviehzucht; der
Viehstand ist hier schön und im Verhältniß zur Markung am Größten.
Die Parzelle Seifertshofen hat drei nicht unbedeutende Viehmärkte.
Auch die Zucht von Hühnern, Gänsen und Enten, die meist nach Gmünd
verkauft werden, ist zu erwähnen, deßgleichen wird in Eschach ein kleiner
Handel mit Bettfedern betrieben. An letzterem Ort befindet sich eine
Apotheke.
{{Seite|133
Der Gemeindebezirk gehört zum Forstamt Comburg. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind der Art, daß die Amts- und Gemeinde-Umlagen nicht drücken. Das Vermögen der Stiftungspflege
ist unbedeutend. Seifertshofen war bis 7. März 1845 ein Bestandtheil
der Gerneinde Frickenhofen. Die evangelischen Einwohner sind nach
Eschach, die katholischen nach Unter-Gröningen beziehungsweise Schechingen, schulpflichtig. – Die Zehentrechte stehen überall, meist von der
Limpurgischen Herrschaft her, dem Staate zu, mit Ausnahme der kleinen
Zehenten in einigen Parzellen, welche der Pfarrei Eschach, und der alten
Zehenten in Vellbach, welche der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf
gebühren.

Die Gemeinde-Parzellen gehörten zum Landestheil Gröningen
und zum Amte Unter-Gröningen (vergl. oben S. 104); mit Ausnahme von Seifertshofen und Antheilen von Vellbach und Helpertshofen,
die in's Pückler'sche Landamt Gaildorf, Gehrenhof und Waldmannshofen und Antheilen an Holzhausen und Vellbach, welche zum württembergischen Amt Welzheim gehörten. Die letztgenannten vier Orte kamen
1808 mit Antheilen von Helpertshofen und Kemnathen vom Oberamt
Gmünd zu dem Oberamte Gaildorf.

Die Parzellen im Einzelnen anlangend, so ist

a) das evangelische Pfarrdorf Eschach, früher Äschach, 4 St.
südöstlich Gaildorf, in einer von dem Eschachbach bewässerten Einsenkung der zuvor erwähnten Hochebene gelegen. Die mitten im Dorfe
stehende Kirche rührt aus dem 15. Jahrhunderte her; der noch ältere
Thurm läßt vermuthen, daß die zuvor gestandene Kirche niedriger war.
Er hat drei Glocken, wovon eine mit der gothischen Minuskelschrift:
„Osanna heis ich zu unser frauen er leyt ich, bernhart lachaman gos
mich 1493 †.“ Im Chor ist ein schönes Sacramentshäuschen. Im Altarschrein sind die in Hotz geschnitzten Bilder von Jakobus, Maria und
Johannes. Die Altarflügel mit den darauf befindlichen Gemälden von
Zeitblom wurden vor 30 Jahren verkauft. Außerdem sind noch einige
kleine Altarbilder vorhanden. Die Baulast hat die Stiftungspflege. Das
Pfarrhaus wurde wegen Armuth der letzteren 1827 von der Pfarrgemeinde
neu erbaut. Das von der Schulgemeinde 1839 mit einem Aufwand von
mehr als 5000 fl. erbaute Schulhaus enthält zugleich das Rathslokal.
Die Apotheke wurde 1840 errichtet. Der Begräbnißplatz ist seit 1839
außerhalb des Dorfes. An der Schule, welche 192 fl. 20 kr. Fond hat,
stehen ein Schulmeister und ein Provisor.

Eschach, das 1741 40 Unterthanen und 8 Beisitzer in 39 Wohnhäusern
zählte, war früher im Besitze der Grafen von Öttingen, welche 1359
ihre Rechte mit anderen hiesigen Gütern und Rechten, die zuvor Conrad
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im Steinhaus und Heinrich Ruh, beide Bürger zu Gmünd, besessen hatten, an die Rechberg zu Hohen-Rechberg verkauften. Diese verkauften
1586 mit Birkenlohe das aus 29 Gütern, bestehende Dorf als eigen mit
aller Hoheit und der Hälfte des großen Zehenten, dessen andere Hälfte
dem Kloster Gotteszell gehörte, um 16.100 fl. an die Schenken von Limpurg. Außerdem kauften die Schenken 1587 von zwei Bauern ihre freien
Güter und verliehen sie ihnen wieder als gültbar. Das Kloster Lorch
kaufte 1430 von den Heiligenpflegern zu „Äschach“ eine Wiese und ein Holz.
Auch die Ortspfarrei besaß 3 Lehengüter. Das Gericht wurde 1481 mit
Bauern besetzt. Den Kirchensatz verkauften die Grafen von Öttingen
1361 mit der Herrschaft Adelmannsfelden an das Kloster Ellwangen,
von dem er schon 1380 an Limpurg gelangte. Albrecht der Guldin nennt
sich 1367 „Kirchherr zu Äschach“. Die Patronat- und Episcopat-Rechte
waren mit der Herrschaft Gröningen verbunden.

b) Batschenhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von E. (Eschach) am Walde;
ein im vor. Jahrhundert auf Eschacher Markung angelegtes kleines Gut.

c)	 Dietenhalden oder Dietenhöflen, nördlich {{Bruch|1|2}} St. von E. auf der Höhe im Wald; ein kleines Gut auf Holzhauser Markung.
Wurde mit Eschach erkauft.

d) Gehrenhof, {{Bruch|3|4}} St. nördlich von E. auf waldiger Höhe.

e) Götzenmühle, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von E., am Götzenbach. auf der Grenze des Oberamts Gmünd. Wurde mit Eschach erkauft. In
der Nähe liegt das Götzenloch, eine Höhle, in welcher nach der Volkssage ein heidnischer Götze verehrt wurde (s. S. 9).

f) Helpertshofen, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von E. über dem Götzenbachthälchen. Zwei Güter gehörten zur Waibelhub, welche 1410 Wilhelm von Rechberg zu Gröningen als württembergisches Lehen an Limpurg verkaufte (s. S. 115), das zwei andere Güter als eigen besaß. Die
ersteren fielen 1713 an Württemberg heim. Auch Kloster Lorch hatte
2 Güter. Den großen Zehenten kaufte Limpurg 1607 von Württemberg.

g) Hirnbuschhöfle, auch Hurrenhöfle, ein {{Bruch|1|2}} St. nördlich
von E. am Wald Hirnbusch 1729 angelegtes Gütchen.

h) Holzhausen, Weiler, {{Bruch|1|4}} St. östlich von E. auf der Hochebene
über dem Fischbach-Thälchen gelegen. Hier ist am 24. März 1795 der
dermalige Bischof von Rottenburg, Dr. v. Lipp, geboren. Der kleine
Ort war früher eine Gauerbschaft, das heißt, er hatte zumal einige Herren. Erstens die Schenken, welche 1371 von Adelheid von Rechberg,
Albrecht des Hauken Wittwe, 6 Güter, 1410 zwei zur Waibelhube gehörige Lehen, und 1514 von Georg von Vohenstein ein Gut und {{Bruch|2|3}} des
Zehentens und 1607 von Württemberg 2 Kloster Lorch'sche Güter erwarben. Zwei dieser Güter waren dem Heiligen zu Gröningen und 
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beziehungsweise dem zu Eschach gültbar. Der zweite Mitherr war seit 1713
Württemberg wegen der Waibelhube, der dritte die Reichsstadt Gmünd.
Walther der Taler und Walther von Rinderbach, Bürger von Gmünd,
verkauften 1359 und 1360 zwei Güter dem Kloster Gotteszell, das unter
Gmünd'scher Vogtei stand. Der vierte Mitherr war Adelmann von Adelmannsfelden. Dessen Besitzungen kamen später an die Freiherren vom
Holtz zu Alfdorf, haben aber durch Ablösung schon früher theilweise aufgehört. Im Jahr 1759 hatten hier Limpurg 4, Württemberg 1, Gmünd
5 und die Herren vom Holtz 2 Unterthanen. Vor der Reformation war
der Ort nach Zimmerbach eingepfarrt.

i) Kemnathen, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von E. auf der Hochebene
gelegener Weiler. Ritter Georg von Wöllwarth und seine Hausfrau
Anna von Schechingen bewidmen eine in's Kloster Lorch 1396 gestiftete
Messe mit Gütern in Kemnaten und in Vach. Noch später saßen hier
freie Bauern; Einer begab sich 1489, ein Anderer 1510 in Limpurg'schen
Schutz, und ein Dritter machte 1588 sein freies Gut den Schenken lehenbar und fallbar. So entstand ein Condominat. Drei Güter gehörten
Gmünd und eines Lorch. Limpurg hatte 1774 26, Lorch im Jahr 1807
9 und Gmünd 14 Einwohner. – Der Ortsname, ursprünglich ein massives ober größeres Wohngebäude bedeutend, möchte auf ein ehemaliges
Schloß hinweisen; ein Lagerbuch von 1700 erwähnt auch Wiesen, gelegen
„an dem gemeinen Graben“. Näheres war nicht zu ermitteln.

k) Geifertshofen, 7/8 St. nordwestlich von E. auf der Hochebene am Waldrand gelegen; einer der wenigen Weiler des Landes, welche
Marktrecht besitzen. Dieses scheint, da es jedenfalls von höherem Alter
ist, auf eine ehemalige größere Bedeutsamkeit des Ortes schließen zu lassen. Das Kloster Fulda wurde 1057 von einer Frau Duidecha mit Gütern in Westheim etc. und Sigifrides beschenkt; nach Stälin (württ.
Gesch. I, 598) könnte unser Ort gemeint seyn; immerhin aber dürfte
sein Name von dem Mannsnamen Siegfried abstammen. Er zählte 1741
in 11 Wohnhäusern 6 Bauern und 3 Söldner, und bestand ursprünglich
aus freien Gütern, deren einige noch 1550–1613 von ihren Besitzern
den Schenken lehenbar und fallbar gemacht wurden. Ein der Kirche
Bühlerzell gehöriges Gut erwarb Limpurg 1550, ebenso 1557 von der
Reichsstadt Gmünd 3 Güter. Auch der Heilige zu Eschach besaß zwei
Lehen oder Sölden.

l) Vellbach, früher auch Felbach und Velben, {{Bruch|1|2}} St. westlich von E. auf der Hochebene, über dem Götzenbach-Thälchen. Auch
hier bildete sich ein Condominat und saßen freie Bauern auf ihrem Eigen.
Conrad Wick verpflichtet sich und seine Erben 1405 gegen den Ritter
Wilhelm von Rechberg zu Gröningen, aus seiner Hube jährlich 5 
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Schillinge und ein Fastnachthuhn zu reichen; 1414 ist seine Wittwe eine Limpurgische Leibeigene, und macht zur Buße dafür, daß ihr Sohn, ohne des Schenken Friedrich Zustimmung, zum Priester sich weihen ließ (er
war damals Pfarrer in Wetzgau) dem Schenken ihre freieigene Hube in Steinenbach und ein Gut dahier unterthänig mit Hauptrecht, Eigenschaft
und Vogtei. Ein Hof gehörte der 
Frühmeß-Pfründe zu Welzheim, also
Kloster Lorch, ein anderes Gut tauschte Limpurg 1557 von Gmünd ein.
Vier Güter bildeten einen Bestandtheil der Waibelhub, nach deren Heimfall Limpurg nur noch ein Gut und der Zehente verblieben. Zur Waibelhube gehörten 1807 48, zum Oberamt Lorch 5 Einwohner; Limpurgische waren es 1785 21.

m) Waldmannshofen, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von E. auf einer
waldigen Höhe. Der aus zwei Höfen bestehende Hof gehörte zum Lehen
der Waibelhube und fiel daher 1713 an Württemberg zurück, ausschließlich der durch Limpurg 1557 von der Stadt Gmünd erkauften Grundabgaben.


Eutendorf,

Gemeinde III. Kl. mit 994 Einw. a. Eutendorf, Pfd. 449 Einw. b. Adelbach,
W. 34 Einw. c. Eisbach, W. 56 Einw., wor. 33 Kath. d. Groß-Altdorf,
W. 144 Einw. e. Klein-Altdorf, W. 142 Einw. f. Neuwiese, H. 10 Einw.
g. Schleifrain, H. 10 Einw. h. Schweizerhalden, H. 7 Einw. i. Staigenhaus, Hs. 15 Einw. k. Steppach, Hs. 8 Einw, l. Winzenweiler,
W. 119 Einw., wor. 110 Kath. – Ev. Pfarrei; die Katholiken in c. und l.
sind nach Bühlerthann eingepfarrt.

Der Gemeindebezirk liegt im Kocher-Thal, unterhalb Gaildorf, nördlich an dessen Markung grenzend. Durch denselben fließt der Kocher, in
welchen sich der Adelbach, Steppach und Pilmerbach ergießen, so daß
westlich Klein-Altdorf auf die linke Seite fällt. Im östlichen Theile ist der
Bezirk vom Eisbach-Thälchen durchschnitten, welches bei Sulzbach ausmündet. An Wasser ist kein Mangel, das Trinkwasser aber gypshaltig; die Luft
rein und ziemlich mild, der Boden thonig und speckig, im Ganzen fruchtbar.
Durch die Gemeinde führen die Landstraßen nach Hall und Ellwangen. Die
Nahrungsquellen sind hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht, und die Einwohner befinden sich gegen die übrigen Gemeinden in nicht ungünstigen
Umständen; aber doch wurde 1852 die Summe der Pfandschulden zu
80.000 fl. angegeben. Das Getreide-Erzeugniß befriedigt nicht ganz den
örtlichen Bedarf. Die Gesammt-Markung begreift 5870 2/8 m., worunter
1970 3/8 M. Wald und 1091 6/8 M. Weiden und Öden, worüber an Baufeld 2,7 M. auf einen Kopf treffen. Ein Morgen Ackers wurde 1847 um
46–150 fl. verkauft. Die Mehrzahl der Güter liegt eben. Das Pflügen
{{Seite|137
erfordert 3–4 Ochsen als Anspann. Die Felder von Groß- und Klein-Altdorf sind fruchtbarer, als die von Eutendorf. In der Gemeinde zeigt
sich neuerer Zeit Eifer für die Landwirthschaft; noch finden sich aber
manche culturfähige öde Plätze. Als Getreide wird hauptsächlich Dinkel,
Einkorn und Haber, weniger Roggen und Gerste, an Gespinnstpflanzen
sehr wenig Flachs, aber desto mehr Hanf gebaut. Jeder Bürger hat seinen Garten. Die Wiesen im Thal sind zweimähdig, die auf der Höhe
einmähdig, geben aber ein kraftiges Futter. Der früher in Eutendorf
betriebene Weinbau wurde 1766 aufgegeben. Die Obstzucht ist neuerlich
sehr im Zunehmen; in den Baumschulen im Pfarr- und Schul-Garten
erhalten die Kinder von Pfarrer Stiefel vollständigen Unterricht in der
Obstbaumzucht. Etwas Pferdezucht; namhafter und schöner Rindviehstand und bebeutender Handel mit aufgefüttertem Vieh; auch Gänsezucht.
Außer Weberei, die jedoch meist nur für den eigenen Bedarf betrieben
wird, und einem geschickten Wagner in Eutendorf, ist außer den gewöhnlichen Handwerken kein Gewerbe zu erwähnen. Die Ärmeren finden in
den Fabriken zu Ödendorf und Gaildorf Beschäftigung.

Der Gemeindebezirk gehört zum Forstamt Comburg. Die Verhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig; die Stiftungspflege aber genügt den Anforderungen nicht zur Hälfte; gleichwohl ist der umzulegende
Gemeindeschaden nicht bedeutend. Die evangelischen Kinder besuchen die
Schule in Eutendorf, die katholischen die in Winzenweiler. Sämmtliche
Zehenten gehören von der Limpurgischen Herrschaft her dem Staate; die
Hälfte der kleinen Zehenten zu Eutendorf und Groß-Altdorf ausgenommen, welche der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zusteh. Seit 1832
gebührten überall die grundherrlichen Rechte dem Staate (oben S. 602),
die denn auch vor 1848 alle zur Ablösung gekommen sind.

Der ganze Gemeindebezirk gehörte bis 1806 in das Limpurg-Wurmbrand'sche Landamt Gaildorf, war also schon 1780 theilweise an Württemberg gekommen (s. S. 101), mit Ausnahme Winzenweilers, welches –
als Stift-comburgisch – 1803 württembergisch geworden und 1808
vom Oberamte Vellberg unserm Oberamte zugetheilt worden ist. Von
den einzelnen Gemeinde-Parzellen liegt

a) Eutendorf, das evang. Pfarrdorf, 7/8 St. nördlich von Gaildorf, sonnig und freundlich in einer zur rechten Seite des nahen Kochers
sich hinziehenden Thalschlucht, welche von dem Hördtbach bewässert ist,
der unterhalb des Dorfes den Namen Steppach annimmt. Das Dorf
hat ein gutes Aussehen; gegen Osten und Norden ist es mit einer hohen
und steilen Bergkette umgeben. Es ist ziemlich ausgedehnt gebaut und
zerfällt in zwei Häusergruppen. In dem sogenannten Oberdorf liegen
Kirche, Pfarr- und Schul-Haus. Die Kirche, ein altes massives Gebäude,
{{Seite|138
hat ein burgartiges Aussehen. An der obern westlichen Ecke der mittäglichen Außenseite trägt ein Stein die eingehauene Inschrift: „1343 in
dem htein ist mer Geschrift.“ Im Jahr 1816 oder 1817 soll
nachgesucht, aber keine Schrift, sondern nur ein gewöhnliches Gläschen
mit unkenntlichem vermodertem Inhalt gefunden worden seyn. Im Chor
ist eine gemalte Glasscheibe, worauf der Ritter S. Georg mit der Umschrift: „Wandelbar greffin.... gebor. Grefin von Hohenloe.“
Nach den württ. Jahrb. 1841, I. 56 sind auch drei Altargemälde im Besitze der Stiftungspflege, das erste Menschen-Paar, die Taufe Christi
durch Johannes und das heil. Abendmahl darstellend. In dem schlecht
beschaffenen Thurme hängen 3 Glocken, wovon eine die Inschrift in gothischen Minuskeln hat: „ihesus nacerenus rex judeorum bernhard
lachaman gos mich 1511.“ Die Baulast hat der Heilige. Das freundliche, etwas erhöht liegende, Pfarrhaus wurde 1824 von den damaligen
Patronatherrschaften gebaut; durch Vertrag ist aber das Eigenthum mit
der Baulast auf die Stiftungspflege übergegangen. Diese hat auch 1838
das stattliche Schulhaus, zugleich Rathhaus, erbaut. Eine Kelter wurde
erst vor etwa 70 Jahren abgebrochen. Damals stand hier noch ein Gesundbad, dessen kalk- und gypshaltiger Brunnen auch im strengsten Winter
nicht zugefriert, sondern dampft. Der bedeutende Wald der Parzellar-Gemeinde, vor 40 Jahren durch Aufhebung des Viehtriebs namhaft
vergrößert und längst nach den Gemeinderechten unter die Einwohner
vertheilt, wird nicht technisch bewirthschaftet. Das Patronatrecht zur
Pfarrei, deren Sprengel dem Bezirk der politischen Gemeinde entspricht,
steht seit dem Abtheilungs-Vertrag von 1832 zu {{Bruch|1|4}} der Krone und zu
{{Bruch|3|4}} Limpurg-Waldeck zu. Den von einem Gehilfen unterstützten Schulmeister ernennt die Krone; der Schulfond vermag 90 fl. 46 kr. Die Fürstin Christine Wilhelmine von Leiningen machte 1788 für die
Ortsarmen ein Vermächtnis dessen Capital 504 fl. beträgt. – Der Begräbnißplatz wurde vor einigen Jahren außerhalb des Dorfes angelegt.

Den Namen des Ortes, der vormals auch Udendorf und Yttendorf
war, leitet Prescher von dem Frauen-Namen Ytta her. Den Brüdern
Winther und Richilo von Altdorf, im jetzigen Oberamt Hall, trat 1091
Bischof Emehard von Würzburg seine Zehentrechte in den „villis 
Vdendorf et Vdendorf“ (d. h. Eutendorf und Ödendorf) und in Winicenwilare, Saneuuelles etc.“ ab (Württ. Urk.-Buch I, 399). Im Jahr
1371 kauften die Schenken ein Gut von Conrad und Götz von Roth,
1405 deßgleichen eines von Claus Halberg. Die übrigen limpurgischen
Güter erwarben die Schenken 1357 mit der Beste Buchhorn. Daher
sprachen diese auch die Vogtei über vier Lehen des Klosters Comburg
und vier Feldlehen des Klosters Murrhardt an. – Die Pfarrei ist alt
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(s. auch Ödendorf); das Patronatrecht nebst {{Bruch|1|3}} des Wein- und Frucht-Zehentens, dem halben kleinen Zehenten hier und in 
Groß-Altdorf, auch
{{Bruch|1|3}} des großen und kleinen Zehentens zu Klein-Altdorf und Winzenweiler
trat das Stift Comburg 1669 um 600 fl. an Limpurg ab. Die Patronat- und Episcopat-Rechte wurden nachmals zwischen Wurmbrand und
Solms gemeinschaftlich.

b) Adelbach, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von E. (Eutendorf) in dem
engen Adelbach-Thälchen; ein kleines, in den letzten 50 Jahren angelegtes Gut.

c) Eisbach, 7/8 St. südöstlich von E. auf einer rauhen, waldigen
Höhe, am Eisbach, welcher einen Weiher hier speist, der theils zum Betrieb einer Sägmühle, theils zur Holzflößerei dient. Das Örtchen hat
nur wenige Güter und scheint seine Schicksale stets mit Winzenweiler
getheilt zu haben.

d) Groß-Altdorf, {{Bruch|1|2}} St. südlich von E. auf dem rechten Ufer
des Kochers. Dazu gehört eine weiter unten am Kocher stehende Sägrnühle, worin für die Glasfabrik in Gaildorf eine Schleiferei eingerichtet
ist. Auch steht die bei Gaildorf erwähnte Sodafabrik auf diesseitiger
Markung. Die kleine massive Kirche, worin jährlich sechsmal Gottesdienst gehalten wird, ist sehr alt. Im Chor ist ein kleiner Wandkasten,
worin ein hölzernes Madonnenbild; die beiden Thürflügel haben Malereien, nicht gerade aus der Hand eines Zeitblom, doch augenscheinlich
ihm nachgebildet. Von den beiden Glocken ist die größere vor etwa 300
Jahren von Christoph zu Nürnberg gegossen, die kleinere aber älter (s.
Zeitschr. d. histor. Vereins f. d. württ. Franken 1848). Die Baulast
hat der Ortsheilige. – Die Orte „Großen-Altdorff und Minnern-Altdorf“ werden 1374 als Limpurgisch bezeichnet.*) Comburg besaß 1657
hier 13 Lehengüter, wovon Limpurg 1669 zwei, die zur Pfarrei Eutendorf gehörten, kaufte. Die Hoheit und Vogtei stand Limpurg zu.

*) Da auch im Oberamte Hall zwei Orte Groß- und Klein-Altdorf sind
und ebenso nahe; wie die diesseitigen, bei Comburg liegen, so werden manchmal
die Vergabungen der zuvor erwähnten Brüder von Altdorf an das Kloster Comburg vom Jahr 1090 (O.A.-Beschr. v. Hall, S. 215) auf die diesseitigen Orte
bezogen; Stälin in seiner Wirt. Gesch. spricht sich I, 321 für Hall, II, 700 für
Gaildorf aus. Für das Oberamt Hall sprechen aber nicht nur die Comburger
Archiv-Notizen, die Haller Chroniken und die Annahme im W. Urkundenbuch,
sondern auch die Örtlichkeiten, da in beiden Orten Altdorf, O.-A. Hall, Comburg sehr frühe schon begütert war, das dortige Groß-Altdorf eine sehr alte
Kirche hat und auf dem nahe dabei liegenden Kirchbühl die alte Burg der Herren
von Altdorf stand, in und bei den vorliegenden Orten aber keine Burg sich befunden zu haben scheint.
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e) Klein-Altdorf, früher Minnern- das heißt Minder-Altdorf,
5/8 St. südwestlich von E. auf dem linken Ufer des Kochers, der hier eine
starke Krümmung macht und das Örtchen fast ganz umschlingt. Über
denselben führt nach dem nur {{Bruch|1|8}} St. entfernten Groß-Altdorf ein Fußsteg und gegen Gaildorf eine bedeckte hölzerne Brücke. – Auch hier hatte
Comburg 13 Lehengüter, wie es scheint aber meist ohne Hoheit und Vogtei, da der Ort 1804 nur 3 comburgische Unterthanen hatte. Im Jahr
1628 starb hier eine Frau 100 {{Bruch|1|2}} Jahre alt.

f) Neuwiese, 5/8 St. östlich von E. mitten im Wald; ein mittelgroßes vor etwa 40 Jahren angelegtes Gut.

g) Schleifrain oder Lohhaus, 5/8 St. südlich von E. auf einem
Felsen über dem rechten Kocherufer, nahe an der Landstraße nach Hall,
auf der Markung von Groß-Altdorf. Früher eine Schleifmühle, jetzt eine Lohmühle, welche von einem namenlosen über einen Felsen 30′ herabstürzenden Bache, der oberhalb der Mühle in einem Weiher sich sammelt, in Bewegung gesetzt wird.

h) Schweizerhalden, 3/8 St. südöstlich von E. an einer waldigen Höhe. Ehemals eine herrschaftliche Schweizerei und Sennhütte, 
dann Domaine der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck, seit etwa zwölf
Jahren in den Händen eines Privaten.

i) Staigenhaus, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von E., in der Nähe des
erstern, an der Landstraße nach Ellwangen, auf Groß-Altdorfer Markung.
Schöne Aussicht über das Kocher-Thal und die waldige Hochebene.

k) Steppach, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von E. nahe an der Haller Landstraße und beim Einflüsse des Steppachs in den Kocher. Wurde vor 25
Jahren auf der Markung Groß-Altdorf angelegt.

l) Winzenweiler, 7/8 St. südöstlich von E. an der Landstraße
nach Ellwangen. Sitz eines Revierförsters und einer 1847 errichteten
katholischen Schule für die Bewohner der Umgegend, mit kleinem Schulhause. – Daß die villa Winicenwilare schon 1091 genannt wird, ist
bei Eutendorf erwähnt. Engelhard von Weinsberg eignet 1363 dem
Beringer Berler von Tullau die Vogtei, die dieser von ihm zu Mannlehen (wohl Afterlehen) trug, auf den Gütern zu Winzenweiler, zu
Sanwoll und Deurtzen, worauf Berler diese Rechte 1364 an Comburg verkaufte, von dem Engelhard dieselben, wie es scheint, zuvor erhalten hatte. Von da an blieb der Ort ganz Comburgisch. Er zählte 1804
99 Einwohner. Nach der Reformation war er evangelisch; durch Comburg wurde aber die Aufnahme der Katholiken so begünstigt, daß die
letzteren längst überwiegen.
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Das erwähnte Saneuuelles *) oder Sanwoll lag nach dem Württ.
Urkundenbuche bei Winzenweiler. Wann der Ort abgegangen, ist unbekannt. Später führte ein Walddistrikt diesen Namen, der auch Sanwald
und Sammelwald geheißen wurde. – Auf der Höhe gegen Osten soll
nach Prescher der gleichfalls abgegangene Ort Haspelhausen gestanden haben, an dessen Stelle jetzt der mehrere Morgen große, mit Karpfen
besetzte, Haspelhauser See ist. – Ein weiterer Weiler stand einst
nach Prescher auf dem sog. Roggenland.

Nordöstlich, {{Bruch|3|4}} St. von E., im tiefem Walde, ist eine Art Sternschanze aus unbekannter, vielleicht römischer Zeit. (Vergl. S. 111.)


Frickenhofen,

Gemeinde II. Kl. mit 1508 Einw. a. Frickenhofen, Pfd. 211 Einw. b. Dietenhof, W. 72 Einw. c. Hirschbach, W. 24 Einw. d. Hohenohl, Hof 16
Einw. e. Hohenrausch, W. 69 Winw. f. Josenhof, H. 20 Einw. g. Käshöfle, H. 35 Winw., wor. 27 Kath. h. Kellershof, H. 15 Winw. i. Lindenreute, H. 18 Einw. k. Linsenhof, W. 37 Einw. l. Metzenshof, W. 24
Einw. m. Mittelbronn, W. mit Brechtenhalden, H. 411 Einw., wor. 91
Kath. n. Ottenried, W. 68 Einw. o. Rappenbühl, 6 Einw. p. Rappenhof, H. 8 Einw. q. Rothenhaar, W. 225 Einw. r. Schöllhof, H. 13
Einw., wor. 5 Kath. s. Spittelhof, W. 11 Einw. t. Steinhöfle. H. 27
Einw. u. Weyher, W. 104 Einw. v. Wildenhöfle, H. 27 Einw. w. Wimberg, W. 43 Einw. x. Wolfs-Mühle, 6 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. n.
Fil. von Eschach, die Kath. in Parz. g. sind nach Unter-Gröningen, die in m.
nach Spraitbach eingepfarrt.

Ein Theil der dem Limpurger Oberland angehörigen Orte dieser
Gemeinde liegt auf der bei Eschach erwähnten Hochebene, die hier mit
ziemlich schmalem Rücken beginnt, in südlicher Richtung einen ebenso
schmalen Ausläufer hat, bei Mittelbronn in schnell wachsende Breite übergeht und westlich und nördlich sich steil abdacht. Die Gemeinde hat zwei
erwähnenswerthe Berge: die Hohtanne und den Hohenohl. Die
erstere, ein Ausläufer der Hochebene, gewährt eine ausgezeichnete Fernsicht bis Waldenburg, Ellwangen, Kapfenburg und Hohenstaufen; der
Hohenohl ist kegelförmig und ragt wohl 40′ über Frickenhofen hervor.
Unter einer kaum 1′ tiefen Humus-Erde kommt Thonboden, der ein hartes, hier „Fleinsen“ genanntes Felslager zum Untergrund hat. Dieses
geht in den Keupersandstein, auch „Buchstein“ genannt, über, der hier
vorzüglich schön ist und vortreffliche Bau- und Schleif-Steine liefert.

*) Nicht „Lemosanvelles“, wie eine alte Abschrift der Urkunde liest und
zu der zurückzunehmenden Deutung auf Lendsiedel (s. O.A.-Beschr. Hall 216)
Veranlassung gab.
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Dann folgt Thonmergel oder Leberkies von bedeutender Mächtigkeit. Diese
Erdmasse, die sowohl den Lehm- als den Sand-Boden verbessert, ist sehr
zum Rutschen geneigt. In der Richtung gegen Mittelbronn findet sich Vitriolschiefer und Vitriolkohle (S. 22), daher hier viele Jahre lang vorzüglicher Vitriol gewonnen und auch nach Steinkohlen gegraben wurde, bis erst vor etwa 20 Jahren die Gruben als ausgebeutet aufgegeben worden
sind. Aus dem jene Berge unterlagernden weißen und bunten, nur theilweise zum Straßenbau tauglichen, Sandstein, entspringen die reinsten Quellen von seltener Frische. Am Fuße der Hohtanne ist eine merkwürdige, bis jetzt nur wenig bekannte Schlucht, die „Teufels-Kanzel“ genannt.
Von Außen unsichtbar senkt sich der Boden plötzlich fast senkrecht mehr als
haustief, und ungeheure Felsen bilden eine etwa 150′ breite höhlenartige
Bucht. Unter einem in Gestalt eines Schalldeckels hervorragenden Felsen öffnet sich eine Felsplatte in der Form einer schwer zugänglichen
Kanzel, vor welcher sich im Rundkreis ein weiter Zuhörer-Raum ausbreitet. Hinter der Platte öffnen sich zwei unheimlich tiefe Felsspalten,
die zu sicheren Schlupfwinkeln dienen und in deren einer eine krtystallhelle
Quelle sprudelt. Diese wildromantische Schlucht erregt unwillkürlich
die Phantasie, welche bald eine urchristliche Kirche, bald eine Räuberhöhle
zu erblicken glaubt. Der Boden der Hochebene ist fruchtbar, die Bergabhänge aber taugen zumal, wegen ihrer großen Reigung zum Rutschen,
in der Regel nur zum Waldbau und zur Weide, mit Ausnahme ihrer
obersten Theile, welche dem Obstbau sehr günstig sind. Der Thalgrund
ist magerer Sand oder sumpfig und strichweise so kalt, daß die Parzelle
Hohenreusch nur unter dem Namen „das kalte Loch“ bekannt ist. In
diesem kalten Striche, der sich von Gschwend an durch das Rothbach-Thälchen bis Birkenlohe und Hönig herabzieht, ist die Vegetation äußerst
gering, die Kartoffeln erfrieren fast alljährlich und das Obst gedeiht selten.
Merkwürdig ist, daß in Josenhof seit Menschengedenken kein Sperling
sich sehen ließ. Je mehr sich der Boden der Hochebene östlich und südlich
gegen Eschach hinzieht, desto mehr verschwindet die Keuperformation,
der Liasformation Platz machend, welche im Liaskalk (Gryphitenkalk)
unendliche Massen versteinerter Schnecken und andere schöne Versteinerungen enthält und den Kalkbrennern unerschöpfliche Vorräthe darbietet;
Die Thäler sind meist Schluchten, von geringen Bächlein bewässert; nur
die obere Roth, welche bei Gschwend eine Strecke bergauf zu laufen
scheint, treibt einige Mühlwerke. Auf der Höhe tritt nicht selten Wassermangel ein, so daß manche Brunnen geschlossen werden müssen. Röhrbrunnen fehlen; das Wasser der Pumpbrunnen kommt aus sog. Schwitzadern, welche stets eine Auflösung des leimigen Bodens mit sich führen.
Die einzige Quelle, am südöstlichen Bergabhange bei Frickenhofen, führt
{{Seite|143
viele Schwefeltheile. An großem Wassermangel leidet zuweilen Mittelbronn in Folge der vollständigen Unterhöhlung durch das erwähnte
Bergwerk. Bei Linsenhof ist die obere Roth durch einen Damm aufgehalten und bildet dort den 3–4 Morgen großen, mit Karpfen besetzten
Hackensee, der Eigenthum der Standesherrschaft Waldeck ist. Der Boden
der Hochebene ist durchgängig Lehm, vermischt mit den Urstoffen des
Buchsteins, und für die Cultur empfänglich; im Gebiete der Liasformation wird er schwerer. An den Bergabhängen findet sich entweder Thonmergel oder sog. Mehlboden. Der Sandboden ist zwar leicht zu bauen,
erträgt aber sehr wenig; er ist strichweise bald zu hitzig, bald zu kalt.
Die Luft ist sehr rein und trocken. Es gedeihen Bohnen, Gurken etc.
Auf der Höhe ist beständig Wind, der jedoch Sommers kühlt und Winters den Frost mäßigt, wie denn nicht bloß die Hitze, sondern auch die
Kälte im Thale heftiger als auf der Höhe sind. Die Ernte beginnt hier
8–10 Tage später als im Thale. Die Gewitter ziehen meist gefahrlos
vorüber. Im Ganzen zeigt sich das Klima eher rauh als mild, übrigens
für die Gesundheit nicht unzuträglich.

Der Menschenschlag ist kräftig; gleichwohl finden sich hier die wenigsten alten Leute (S. 32). Durch den Bezirk führt die S. 81 erwähnte
Straße von Gschwend an die Oberamtsgrenze Aalen. Die Hauptnahrung liefert der Wald und die Arbeiten in demselben; Ackerbau und Viehzucht sind untergeordnet, daher Brodfrucht zugekauft werden muß; Gewerbe nicht erwähnenswerth. Es ist einiger Wohlstand vorhanden, doch
hat auch diese Gemeinde mehr arme, als vermögliche Einwohner. Die
Markung ist 7143 4/8 M. groß, worunter 2788 {{Bruch|1|8}} M. Wald und 650 2/8
Morgen Weiden und Öden, wonach 2,4 M. Baufeldes einen Kopf treffen. Der Reichthum an Werksteinen von Keuper ist groß; jene von
Frickenhofen und Mittelbronn werden oft auf mehrere Stunden verführt.
Die oben angegebenen allgemeinen Hindernisse eines Emporblühens der
Landwirthschaft gelten ganz besonders dieser Gemeinde. Der Haber, oft
im Gemische mit Wicken gebaut, gedeiht in seltener Vollkommenheit,
auch der Roggen wird vorzüglich. Dinkel geräth nur auf dem Lehmboden der Hochebene, wird aber selten gebaut. Außer dreiblättrigem Klee
und wenigen Runkelrüben werden keine Futterkräuter gebaut. Flachs
und Hanf gedeihen gut, deßgleichen rauhe Obstarten. Der Wiesenbau
liegt noch im Argen, da es meist an Gelegenheit zur Wässerung fehlt
und die Wiesen an sich schlecht sind; daher muß Futter zugekauft werden.
Der Waldbau ist großartig; das Holz wird in Pfähle geschnitten, in
Schnittwaaren und Bauholz verwandelt, auch sehr vieles verkohlt; der
Absatz geht in's Unterland. Das Rindvieh ist sehr dauerhaft und schön,
und wird auf den Gschwender Märkten von den Unterländern gesucht.
{{Seite|144
Der Gemeindebezirk ist theils dem Forstamte Lorch, theils dem
Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig, die Einnahmen der Stiftungspflege
zureichend. Schulen sind in Frickenhofen und Mittelbronn. Die Zehenten gehörten bisher theilweise von der Pfarrei Frickenhofen her, dem
Staate, mit Ausnahme von Dietenhof, Mittelbronn, Ottenried, Spittelhof und Wildenhöfle, wo die Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf die
Zehenten bezog, und einiger der Pfarrei Frickenhofen gebührender Kleinzehentrechte.

Bis 1806 gehörten Frickenhofen, Hirschbachhof, Josenhof, Wimberg
und Wolfsmühle in das Kloster-Oberamt Lorch, und kamen 1808 mit
Antheil von Mittelbronn vom Oberamt Gmünd zu dem diesseitigen Bezirk; Hohenohl, Hohenreusch, Linsenhof und Rothenhaar waren Theile
des Oberamts Schorndorf und wurden 1808 vom Oberamt Welzheim
hierher gegeben; Kellershof, Schöllhof und Steinhöfle aber gehörten
zur Herrschaft und in das Amt Schmiedelfeld, die übrigen Orte zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf und in das Pückler'sche Landamt
Gaildorf.

Von den einzelnen Gemeindetheilen ist Folgendes anzuführen:

a) Das ev. Pfarrdorf Frickenhofen liegt auf dem nördlichen Ausläufer der Hohtanne, 2 {{Bruch|1|2}} St. südlich von Gaildorf, an der oben erwähnten Straße, so hoch, daß sein Kirchthurm auf dem Roßberge bei Tübingen
durch Fernröhren zu sehen ist; der Kirchthurmknopf ist 1822 P. F. über dem
Meere. Der kleine Ort zählt nur 20, jedoch gute und ansehnliche Wohngebäude. Die massive Kirche zum hl. Nikolaus steht hoch und frei mitten im
Dorfe und ist von der Heiligenpflege zu erhalten. Als die alte Kirche, in
welcher 1502 zwei Altäre geweiht wurden, 1634 nebst dem Pfarr- und
Schul-Haus abgebrannt war, wurde sie zwar 1649–1654 wieder aufgebaut, weil aber zu klein, wieder abgebrochen und 1743 die jetzige aufgeführt. Der massive Thurm mit 2 Glocken aus neueren Zeiten ward 1765
errichtet. Das daneben stehende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Lorch
der Staat zu erhalten. Das Schulhaus, worin auch das Rathslokal ist,
wurde 1828 erbaut. Die Einwohner, worunter 8 Hofbesitzer, sind ziemlich wohlhabend. Die Pfarrei hat die Krone zu besetzen. An der Schule,
die 25 fl. Fond hat, stehen ein Schulmeister und ein Gehilfe. Der Kirchhof liegt um die Kirche her.

Das Dorf, dessen Namen C. Heinze (in Gräter's Bragur VII, 1, 55)
von der deutschen Göttin Frigga ableitet, kommt 1293 unter denjenigen
Orten vor, wo Kloster Lorch damals begütert war; denn Graf Eberhard
von Württemberg verspricht, von dessen Gütern hier und (1322) von
denen in Mittelbrunnen kein Vogtrecht zu nehmen. Dasselbe besaß 1574
{{Seite|145
in Frickenhofen 5 Güter; es kaufte 1364 von Conrad im Steinhaus,
Vater und Sohn, Bürgern von Gmünd, 2 Güter, welche 3 weitere Güter 1363 an Graf Eberhard von Württemberg verkauften. Die übrigen
Güter und Rechte Lorchs dürften von den Hohenstaufen herrühren, da
K. Karl IV. 1347 dem Kloster das Privilegium ertheilte, daß Niemand,
der die Veste Staufen inne habe, ein Vogtrecht setze auf des Klosters
Güter zu Frickenhofen, Muthlangen, Roth (Täferroth) etc. Kaiser Maximilian bestätigt 1505 diesen Besitz. Weitere Herren des Ortes waren
Limpurg, das 4 Güter, deren eines der Besitzer 1450 den Schenken giltbar gemacht hatte, und die Stadt Gmünd, die ein Gut, je mit Vogtei
besaßen. Im J. 1674 ist von Wiesen am „Haalbronnen“ und von
einem Acker, genannt der „Weinberg“, die Rede. Im J. 1807 gehörten
113 Einwohner zum Oberamt Lorch, 9 zum Oberamt Schorndorf; der
Limpurgischen waren es 1785 – 18.

Die Pfarrei ist alt, obwohl ihr erst 1488 Erwähnung geschieht. Das Patronat stand dem Kloster Lorch zu. Nach der Hinrichtung des
hiesigen Pfarrers Kirschenbeißer (oben S. 109) kam ein Johannes Vischer
auf den Dienst, der am 1. Sept. 1525 gegen den Abt einen noch vorhandenen Revers ausstellte, wodurch er sich unter Anderem verpflichtete
„quod nullam concubinam sine enormiter suspectam mulierem mecum ac in domo mea siue exsovere ac seruare velim.“ Der erste evangelische Pfarrer, von Erhard Schnepf an 
Laurentien-Tag 1537 hierher
verordnet, war Georg Perger von Salzburg. Damals hatte der Ort 13
Wohnhäuser und 50 Communicanten. Im 30jährigen Kriege wurde die
Pfarrei mit Meß-Priestern besetzt, und später mit jener in Täferroth
verbunden, was sie 1652 noch war. – Das Dorf wurde 1525 von den
Bündischen, wohl wegen der Theilnahme im Bauernkriege, eingeäschert;
dasselbe geschah, wie erwähnt, 1634; 1626 herrschte die Pest. Die vereinigte Pfarrei Frickenhofen-Thonolzbronn, die 1827 1700 Einwohner
hatte, zählte noch 1665 deren nur 238.

b) Dietenhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. (Frickenhofen) auf dem
zuvor erwähnten südlichen Ausläufer der Hochebene, am Bergrande; kam
mit Birkenlohe an Limpurg und hatte 1741 nur einen Unterthanen und
einen Beisitzer.

c) Hirschbach, auch Hirschbachhof, {{Bruch|3|4}} St. westlich von F., links
über dem Roththälchen, war als Eigenthum des Klosters Lorch stets mit
F. verbunden.

d) Hohenohl, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von F. an dem Berge Hohenohl, rings von Staatswald umgeben, an der Landstraße von Gaildorf
nach Welzheim, auf der Markung von Rothenhaar. Der Hof gehörte

{{Seite|146
als altwürttembergisch in den Stab Plüderhausen; 1845 kaufte ihn der
Staat zur Ausforstung und setzte einen Forstwart hin.

e) Hohenreusch, 1 St. südwestlich von F. auf einer Höhe zur Linken des Roththälchens. Auch dieser Hof war ein Zugehör des altwürttembergischen Stabes Plüderhausen.

f)	Josenhof, auch Joosenhof, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von F. auf
der Höhe zwischen dem Joosen- und Rothbach-Thälchen, war als Lorchisch
stets mit F. verbunden.

g) Käshöfle, {{Bruch|1|2}} St. östlich von F. im Wald, auf der Markung
von Mittelbronn.

h) Kellershof, 5/8 St. südöstlich von F. im Walde, wurde um
1600 auf Ottenrieder Boden angelegt.

i) Lindenreute, auch Lindenhöfle, {{Bruch|1|2}} St. südlich von F.
wie Dietenhof gelegen, auf Mittelbronner Markung, zu Ende des letztverflossenen Jahrhunderts angelegt.

k) Linsenhof, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von F. auf der Höhe zwischen
dem Rothbach- und Sägbach-Thälchen. Dabei eine Sagmühle. Eine
altwürtembergische Besitzung im vormaligen Stabe Plüderhausen.

l) Metzlenshof, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von F. im Metzlenswald, gehörte zur Caplanei Gebenweiler und kam 1535 an Limpurg.

m) Mittelbronn, ehemals Mittelbrunnen, {{Bruch|1|2}} St. südlich von
F. am Waldsaume und an der Landstraße gegen Aalen. Dazu gehört das
Haus Brechtenhalden. Der Ort zählt doppelt so viel Gebäude als
F. Das Schulhaus wurde 1842 mit 400 fl. Staatsbeitrag erbaut. Die
Schule hat 36 fl. Fond. – Auch hier saßen freie Bauern noch lange
auf ihrem Eigen; von 1564 bis 1613 machten 8 Bauern den Schenken
und 1540 einer dem Stifte Compurg ihre Güter „um Schirm und Schutz
willen“ vogtbar, dienstbar und fallbar. Limpurg hatte 1741 hier 2
Bauern, 5 Söldner und 7 Häusler. Auch das Kloster Lorch (s. Frickenhofen) und die Reichsstadt Gmünd waren am Ort betheiligt; 1807 gehörten zu ersterem 53, zu letzterem 87 Einwohner.

Herzog Friedrich I. von Württemberg ließ hier 1596 ein Steinkohlen-Bergwerk eröffnen, welches jedoch neben der in Frickenhofen errichteten
Schwefel- und Vitriol-Hütte nur wenige Jahre betrieben und sofort wieder aufgegeben wurde, wahrscheinlich, weil es bei den niederen Holzpreisen nicht einträglich war, obwohl die Steinkohlen sehr gut gewesen
seyn sollen (Prescher II, 316). Über das Bergregal gerieth der Herzog
mit den Mitherren des Ortes, den Schenken, in Streit, in welchem er die
Herrschaft Welzheim, die sie von ihm zu Lehen hatten, und das Dorf
Schnaith mit gewaffneter Hand einnehmen ließ. Eine Gewerkschaft ließ
1784 auf's Neue graben, und fand außer Steinkohlen auch Schwefelkies,
{{Seite|147
Achat und eine Art Jaspis; auch dieses Unternehmen hatte aber, wie bemerkt, keinen Fortgang.

n) Ottenried, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von F. auf der Hochebene, am
Waldsaume. Ein Gut erwarb Limpurg 1436 mit Gröningen; 3 weitere
bis dahin freie Güter wurden ihm 1562 bis 1613 vogtbar und lehenbar
gemacht. Zwei Güter gehörten dem Heiligen zu Heerberg. So hatte
Limpurg 1741 in 6 Wohnhäusern 2 Bauern und 4 Söldner.

o) Rappenbühl, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von F. auf der Höhe, auf
der Markung von Linsenhof.

p) Rappenhof, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von F. über dem rechten Ufer
des Rothbachs, zunächst bei Rappenbühl.

q) Rothenhaar, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von F. auf einer Höhe
beim Hohenohl, an der mehrerwähnten Landstraße. Der stark bevölkerte
Ort hat kaum 30 M. Baufeldes; er ist altwürttembergisch und war dem
Stabe Plüderhausen einverleibt.

r) Schöllhof, {{Bruch|3|4}} St. östlich von F. Ein kleines 1740 angelegtes
Gütchen.

s) Spittelhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. gegenüber von Dietenhof;
ein 1708 angelegtes Söldnergütchen.

t) Steinhöfle, {{Bruch|1|2}} Stunde nordöstlich von F., 1732 im Metzlenswald angelegt.

u) Weihe, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von F. auf dessen Markung, an
der Landstraße; eine neuere Ansiedelung.

v) Wildenhöfle, 1 St. südlich von F.; ein 1706 angelegtes
Söldnergütchen.

w) Wimberg, früher Winnberg, {{Bruch|3|4}} St. östlich von F. Ursprünglich ein großer Hof, dessen eine Hälfte 1522 die Pfarrei Frickenhofen kaufte, die andere aber Lorch zuvor schon zustand. So wurde der
ganze Ort Lorchisch. „Kleewiesen“ werden schon 1522 genannt.

x) Wolfsmühle, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. an dem Rothbach, war schon 1537 Lorchisch und stets mit F. verbunden.

Der Volkssage nach soll nicht weit von Rothenhaar, in der Tiefe
des Waldes, ein Kirchdorf gestanden haben.

{{Seite|148

Geifertshofen.

Gemeinde III. Kl. mit 725 Einw. a. Geifertshofen, Pfd. 435 Einw., wor. 8
Katholiken. b. Gantenwald, H. 20 Einw. c. Hambacher-Mühle, 9 Einw.
d. Imberg, W. 54 Winw. e. Immersberg, W. 36 Winw. f. Klingenbacher-Sägmühle, 5 Winw. g. Leippersberg, H. 21 Kath. h. 
Reitenhaus, H.
12 Einw. i. Säghalden, W. 26 Einw. k. Schärtlens-Sägmühle 6 Einw.
l. Theuerzer-Sägmühle 11 Einw. m. Trögelsberg, W. 35 Einw., wor.
7 Kath. n. Weissenhof, Hs. 12 Einw. o. Wurzelhof, H. mit Wurzelbühl, H.
u. Wurzelhaus, Hs. 43 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. u. m. sind nach Bühlerzell, die in Parz. g. nach Bühlerthann eingepfarrt.

Die Gemeinde erstreckt ihren Besitz über dem rechten Kocherufer der
östlichen Grenze gegen das Oberamt Ellwangen entlang auf den gegen
die Fischach und die Bühler abfallenden Limpurger Bergen, und hat gegen das Bühlerthal 3 Ausläufer, die auf ihrer Höhe angenehme Aussichten nach dem Aalbuch und gegen Ellwangen und Hall gewähren, aber
mehr bewaldet als angebaut sind. Der Bezirk ist von einem Theile der
Fischach, kurz vor ihrer Einmündung in die Bühler, und von drei gegen
Osten streichenden, an den Seiten bewaldeten, kurzen Thälchen durchschnitten, die vom Römersbach, Gunzenbach und Klingenbach nebst mehreren Zuflüssen bewässert sind. Die Fischach setzt manchmal das Thal
unter Wasser. Der Klingenbach, in Weihern gesammelt, treibt drei kleinere Sägmühlen; der kürzere aus einem Weiher entspringende Hahnbach
setzt nur zeitweise eine solche in Bewegung. Die Luft ist rein und kühl,
doch etwas milder als im Fischachthal, frisch und sehr gesund. Frühlingsfröste und Hagel sind selten. Der leichte, aus rothem Sand bestehende
Boden mit steinigem Untergrund, ist nicht sehr ergiebig. Zwei Brüche
liefern feinkörnigen, rothen Sandstein von geringerer Härte, unter welchem Mergel lagert, der zu Besserung der Wiesen verwendet wird. Die
Vermögensverhältnisse der Einwohner sind mittelmäßig, ihre Hauptnahrungsquellen Feldbau, besonders Viehzucht und Waldnutzung. Das Erzeugniß an Brodfrucht entspricht nicht ganz dem eigenen Bedürfnisse.
Die Markung umfaßt 4327 {{Bruch|1|8}} M., worunter 2116 {{Bruch|1|8}} M., also nahezu die
Hälfte Wald und 482 {{Bruch|1|8}} M. Weiden und Öden, worüber 2,4 M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau hebt sich und die Mistjauche
beginnt zu Rathe gehalten zu werden. In Geifertshofen selbst findet bis
zum Herbste Stallfütterung statt, sonst aber wird das Vieh auch den
Sommer über noch geweidet. Auf den Höhen wird meist Roggen und
Haber, auf rauheren Plätzen neuerlich auch trefflich gedeihendes Heidekorn gebaut. Von Futterkräutern finden sich Wicken und namentlich
rother Klee. Die Wiesen, auf deren Bau viel Fleiß verwendet wird, geben
vieles und gutes Futter, da die an den Abhängen gelegenen meist gewässert
{{Seite|149
werden können. Ein M. Ackers wird zu 50–300 fl., Wiese 150–400 fl. verkauft Die Obstzucht ist unbedeutend. Das Holz wird theils
als Brenn- und Bau-Holz verkauft, theils zu Pfählen verarbeitet. Die
Rindviehzucht, als die Hauptnahrungsquelle, wird sehr gepflegt. Außer
dem Limpurger und Leinthaler Schlag ist hier auch der Neuburger anzutreffen. Geifertshofen hat zwei Viehmärkte. Gänse werden viele gezogen und jung verkauft. Von Handwerkern sind nur die notwendigsten
vorhanden.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die
Mittel der Gemeindepflege sind nach Verhältniß nicht ungünstig. Das
Vermögen der Stiftungspflege ist hier, nächst Ober-Fischach, am Größten.
Lorenz Vogelmann von Weissenhof stiftete 1838 für arme alte
Leute der Gemeinde ein Capital von 500 fl. Die Schulverhältnisse sind
nach den kirchlichen geordnet. Die Zehenten gebührten, von der Herrschaft Limpurg her, dem Staate, {{Bruch|1|3}} von Leippersberg ausgenommen, das
zur Standesherrschaft Limpurg-Michelbach gehörte.

Bis 1806 gehörten Leippersberg mit Antheil an Immersberg zur Herrschaft und in das Amt Obersontheim, Theuerzer-Sägmühle in den Stab
Comburg und die übrigen Orte, die bis 1774 einen Theil der Herrschaft
Obersontheim gebildet hatten, zu der schon 1781 für Württemberg erworbenen Herrschaft und zum Amte Schmiedelfeld. Die Theuerzer-Sägmühle kam 1803 an Württemberg und 1808 vom Oberamte Vellberg
zu dem Oberamte Gaildorf.

Einzelne Orte der Gemeinde:

a) Geifertshofen, das evang. Pfarrdorf liegt freundlich, 2 {{Bruch|1|2}}
St. östlich von Gaildorf, in einer zwischen drei Waldvorsprüngen gebildeten Vertiefung, an dem vor dem Orte aus dem Reutenbach und dem
Kochklingenbach sich bildenden römischen Bach, der denselben in zwei
merkliche Hälften theilt. Die nicht sehr geräumige Kirche, welche von
der Stiftungspflege zu erhalten ist, wurde nach dem Brande vom 24. April
1626 wieder errichtet. Das frei und angenehm gelegene Pfarrhaus hat
der Staat 1822 neu erbaut. Das alte Schulhaus wurde schon 1650 erweitert; das jetzige, mit dem Rathhause verbundene, 1836 auf dem alten
Kirchhofe erbaute Haus, ist sehr ungesund, da Todte und Lebende nur
durch einen Bretterboden getrennt sind. Der Schulfond beträgt 113 fl.
55 kr. Geifertshofen ist seit 1813 marktberechtigt; im J. 1774 hatte es
271 Einwohner. Der Boden ist, da Mergel vorherrscht, fruchtbarer als
in den anderen Parzellen.

Der Ort, dessen Name von dem alten Mannsnamen Geiselbrecht
herzuleiten ist, wird 1085 erstmals genannt, wo Adelbert von Bilrieth
bei seinem Eintritt in das Kloster Comburg diesem seine Güter in 
{{Seite|150
Giselbrechtshouen, Altenwineden und Tiurzis schenkt. Um 1100
übergibt Egesbertus de Hesendal demselben Kloster zwei Mansus in
Giselbrechteshouen. (Wirt. Urk.-Buch I, 395. 404.) Comburg belehnte
mit diesen Besitzungen die Herren von Weinsberg, die dieselben wieder
in Afterlehen gaben. Ruff Guldin, Bürger zu Hall, verkauft 1417 an
Schenk Conrad das ganze Gericht, die Taferne, den Hirtenstab, die Badstube, 1 Hof, 17 Güter und die Vogtei an dem Holz, das zu dem Dorf
gehört, und 1419 verkauft der Reichskämmerer Conrad von Weinsberg
an Limpurg seine Rechte an diesen Gegenständen nach vorangegangener
Entschädigung Comburgs. Doch kauft noch Weinsberg 1425 von Heinrich Fickel um 300 fl. seine Rechte (Ludewig reliq. XII, 616). Drei andere Güter, die 1397 Hans von Kottspühl besessen, kamen an Ellwangen
und 1578 an Limpurg, das auch 1541 zwei weitere Güter von Hall erwarb. Den obern und mittlern See bei dem Dorf hatte Hall 1423 von
Hans von Vellberg erkauft. Zwei Gütchen waren dem hiesigen Heiligen
lehenbar. Im J. 1741, wo der Ort aus 36 Wohnhäusern mit 10 Hofbesitzern, 16 Söldnern, 10 Häuslern und 1 Hirten bestand, worüber
Limpurg alle Vogtei und Hoheit hatte, besaß Comburg nur die Eigenthumsgilten aus 19 Lehen.

Die Pfarrei ist gleichfalls von hohem Alter und kam 1079 durch die
Grafen von Comburg als Schenkung an das Kloster Comburg (Comb.
Copialbuch). Die Ernennung des Pfarrers blieb bei Comburg, das
Epiceopat aber kam bei der Reformation an die Schenken zu Obersontheim. Der Bischof von Würzburg sträubte sich hiegegen und fiel bei Erledigung der Pfarrei am Stephanstage 1587 mit einigen 20 Reitern und
100 Schützen in Geifertshofen ein, ließ die Kirche gewaltsam öffnen und
setzte einen Geistlichen ein. Schenk Friederich aber kam am andern Tage
auch mit bewehrter Mannschaft und vertrieb den neuen Pfarrer. Die
Sache wurde 1592 verglichen (Prescher I, 326) und das Episcopatrecht
ging später an Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, und mit diesem 1781
an Württemberg über, das 1803 auch das Patronatrecht erhielt.

Am 24. April 1626 brannten mit der Kirche viele Häuser ab.

b) Gantenwald, {{Bruch|3|4}} St. südlich von G. (Geifertshofen) im
Wald auf der Oberamtsgrenze, ein kleines 1540 auf einer Weide angelegtes Gütchen.

c) Hambacher-Mühle, besser Hahnbacher-Sägmühle, 1 St
südlich von G. im Wald, am Hahnbach. Neuern Ursprungs.

d) Imberg oder Wimberg, {{Bruch|1|4}} St. südlich von G. auf der Höhe.
Anfänglich 2 Höfe, die Limpurg 1578 von Ellwangen einwechselte. Noch
1741 waren hier nur 2 Unterthanen.

e) Immersberg, auch Nimmersberg, {{Bruch|3|4}} St. südlich von
{{Seite|151
G. am Walde, auf der Höhe. Der schon 1442 als Weiler bezeichnete Ort
bestand gleichfalls aus 2 Höfen, wovon der eine, in's Amt Obersontheim gehörig, dem Heiligen in Mittelstschach lehenbar war, der andere,
in's Amt Schmiedelfeld gehörig, 1442 von Hans von Thalheim durch
die Schenken erkauft ward. Noch 1741 waren blos 2 Bauern hier. Am
6. August 1842 brannten 3 Wohngebäude, zugleich vom Blitz entzündet, ab.

f) Klingenbacher-Sägmühle, 5/8 St. südlich von G. auf
Immersberger Markung, am Klingenbach.

g) Leippersberg, früher Luppoldsberg, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von G.
auf dem Leippersberg, jenseits der Fischach, auf der Oberamtsgrenze.
Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 den Hof Luppoltzberg bei Thann
um 70 fl. an Eberhard, Bürger zu Hall; dessen Sohn Luppold
Eberhard, Pfarrer zu Mittelfischach, verkaufte ihn 1411 an Conrad
Knopf, Caplan, der ihn an des h. Kreuzes Altar in der St. Michaelskirche zu Hall stiftete; 1562 erwirbt Limpurg von der Stadt Hall diesen
Hof, auf welchem 1741 3 Bauern saßen, und erwechselt 1578 auch von
Ellwangen den Zehenten.

h) Reitenhaus, ? St. von G. am Reutenbach und sollte daher Reutenhaus heißen. Eine neuere Anlage.

i) Säghalden, auch Seeghalden, {{Bruch|1|2}} St. südlich von G.
über dem Klingenbach. Um 1550 wurden 3 neue Güter angelegt.

k) Schärtlins-Sägmühle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von G. am
Klingenbach. Gehört zu Trögelsberg.

l) Theuerzer-Sägmühle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von G. auf dessen Markung, am Klingenbach. Dabei lagen noch 1657 die bei G. genannten See'n. Die Mühle ist der Überrest des Ortes „Tiurzis“, der
mit G. an Comburg geschenkt ward. S. auch Winzenweiler.

m) Trögelsberg, früher Trägelsberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von G.
über dem Gunzenbach. Um 1500 wurden 2 Güter, 1562 ein drittes angelegt; 1741 waren schon 42 Einwohner hier.

n) Weissenhof, {{Bruch|1|8}} St. nordöstlich von G. auf dessen Markung,
auf einer waldigen Höhe ausgezeichnet schön gelegen, wurde 1721 in dem
Walde Weissenberg, welchen Limpurg 1578 von Ellwangen gekauft, angelegt.

o) Wurzelhof, mit Wurzelbühl und Wurzelhaus, 3/8 St.
südlich von G. bei dem Gunzenbach. Wurzelhof kam 1578 durch Tausch
von Ellwangen an Limpurg; Wurzelbühl und Wurzelhaus wurden
1619–1622 angelegt. Der Weiler hatte 1741 10, 1790 schon 23 Einwohner.
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Gschwend.

Gemeinde II. Kl. mit 2009 Einw. a. Gschwend, Pfd. 1009 Einw., wor. 4 Kath.
b. Birkhof, W. 137 Einw. c. Buchhöfle, H. 33 Einw. d. Dinglensmad,
W. 117 Einwohner. e. Geschwender-Mühle, 25 Einw. f. Haldenhäusle, Hs. 11 Einw. g. Hasenhöfle, H. 34 Einw. h. Hetschenhof. H. 6 Einw.
i. Hetzenhof, W. 45 Einw. k. Hohenreut, W. 33 Einw. l. Hollenhöfle,
Hs. 6 Einw. m. Hollenhof, H. 6 Einw. n. Hugenhof, W. 34 Einw. o. Humbach, W. 32 Einw. p. Humberg, W. 30 Einw, q. Letttnhäusle, Hs. 11
Einw. r. Marzellenhof, H. 8 Kath. s. Mühläckerle, W. 24 Einw. t. Oppenland, Hs. 7 Einw. u. Rauengehren, Hs. 6 Einw. v. Roßsumpf, Hs.
12 Einw. w. Schlechtbach, W. mit Reisenhöfle, Hs. 183 Einw., wor. 85
Kath. x. Schlechtbacher-Sägmühle, 3 Kath. y. Schmidhügel, 57
Einw., wor. 4 Kath. z. Seelach, W. 54 Einw. aa. Steinenforst, W. 16 Einw.
bb. Straßenhaus, W.16 Einw. cc. Straßenwald, H. 4 Einw. dd. Waldhaus, 50 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. i. u. w. Fil. v. Frickenhofen. Die
Kath. in Parz. r. w. x. u. y. sind nach Spraitbach eingepfarrt.

Der Gemeindebezirk, hoch auf dem Rücken des Welzheimer Waldes,
der hier auch Gschwender-Wald heißt, gelegen, bildet eine von verschiedenen Thälern und kleinen waldigen Anhöhen umgebene Hochebene; der
bei Altersberg erwähnte Haagberg ragt westlich etwas herein. Südwestlich beginnt mit dem Hohfeld ein fast 2 Stunden langer, in seiner größten Brette {{Bruch|1|4}} Stunde messender Ausläufer, der sich bis in das Oberamt
Welzheim erstreckt. An immer fließenden Quellen und reinem Trinkwasser ist kein Mangel. Erwähnenswerth ist nur der bei Dinglensmad
entspringende Schlechtbach, mit welchem sich der Schlenken- und Rothbach vereinigt; auch sind noch einige Weiher vorhanden. Der Boden ist
meist leicht, sandig und wenig fruchtbar, mit Ausnahme des zuvor gedachten Ausläufers, wo der fruchtbarere gelbe Lehm vorherrscht. Die
Luft ist zwar scharf, aber rein und trocken. Im Übrigen ist Frickenhofen
zu vergleichen. Durch die Gemeinde ziehen die Landstraßen von Welzheim nach Gaildorf und nach Murrhardt, die Amtskörperschafts-Straßen
von Gschwend über Frickenhofen an die Oberamtsgrenze Aalen und von
Gschwend über Hinterlinthal nach Gmünd und Süßen. An manchen
Stellen sind die Straßen ganz in den Sandstein eingehauen, der auch
oft mitten in den Feldern als Kegel hervorsteht. Daher liegen Steinbrüche überall zu Tag, welche jedoch nur gröberes Korn liefern. Was
früher von Wohlstand in der Gemeinde war, ist größtentheils unter der
schlechten Verwaltung eines frühern Ortsvorstehers zu Grunde gegangen, da Viele in verderbliche Güterhändel und Bürgschaften verwickelt
wurden. Die Gemeinde gehört daher zu den ärmern des Oberamts.
Waldnutzung und Viehzucht sind die hauptsächlichsten Nahrungsquellen.
Der Feldbau ist gering, da die Parzellen meist aus schlechten Söldgütern
{{Seite|153
bestehen, während mehr als 100 Familienväter Holzhauer sind. Die Gesammt-Markung begreift 5741 3/8 M., worunter 2572 7/8 M. Wald und
431 {{Bruch|1|8}} Weiden und Öden; daher nur 1,3 M. Baufeldes einen Kopf
treffen. Der magere Boden erfordert vielen Dünger, der nicht beschafft
werden kann und erzeugt daher auch nicht die nöthige Brodfrucht. Zur
Erntezeit suchen viele ältere Leute und Kinder auswärts Verdienst. Es
werden hauptsächlich Roggen, Haber, Hirse, weniger Dinkel gebaut. Der
Flachs geräth gut; der Hopfenbau ist wieder eingegangen. Die Wiesen
liefern nicht so viel Futter, daß nicht zugekauft werden müßte. Hinsichtlich des noch nicht bedeutenden Obstbaues ist die großartige Baumschute
bei Seelach erwähnenswerth. Im Walde stehen die Tannen so schön,
wie selten auf dem Schwarzwald, und es kommen neuerlich auch badische
Holzhändler, um hier Holländer-Stämme zu kaufen, die zur Achse theils
nach Canstatt, theils nach Neckarsulm auf den Neckar gebracht werden.
Ebenso werden viele Pfähle ausgeführt. Die Köhlerei wird gleichfalls
stark betrieben, auch viel Brennholz zum Remsfloß oder ganz nach Stuttgart geführt. Der Vermehrung der Rindviehzucht steht das kleine Wiesen-Areal entgegen. Das Vieh wird, weil es an rauhes Futter gewöhnt,
schnell gedeiht, gerne gekauft. Von eigentlichen Gewerben sind nur die
Bäcker in Gschwend, welche das Brod meist in die benachbarten Orte
tragen lassen, und das Brennen von Potasche und Salpeter zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Lorch zugetheilt. Das Gerneinde-Vermögen ist ganz gering, daher die Gemeinde- und Amts-Umlagen sehr namhaft. Auch die Stiftungspflege hat so wenige Mittel, daß
sie bedeutende Zuschüsse bedarf. Unter den Armen-Stiftungen sind
782 fl. von der Fürstin Christine von Leiningen. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geregelt. Der Staat war bisher Zehentherr in Hetzenhof, Hohenreut, Hollenhof, Hugenhof, Humbach, Marzellenhof, Schlechtbach, Seelach und Steinenforst; an den Zehenten in
Hasenhof und Straßenwald war die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck
betheiligt; im Übrigen standen sie Limpurg-Gschwend zu, mit Ausnahme
einiger kleinen Zehenten, die den Pfarreien Gschwend und Spraitbach
gebührten. Über die grundherrlichen Rechte s. S. 102 u. f.

Altwürttembergisch sind: Hetzenhof, Hollenhof, Marzellenhof und
Theile von Schlechtbach und Steinenforst, die 1808 vom Oberamt Welzheim zum Oberamt Gaildorf kamen, das zugleich Lettenhäusle vom Oberamt Gmünd erhielt. Bis 1806 gehörten zur Herrschaft 
Solms-Assenheim in's Amt Gschwend (Ober-Roth): Hugenhof, Hasenhof, Hollenhöfle. Seelach, Straßenwald, Waldhaus und Theil an Steinenforst und
Humbach; zur Herrschaft Limpurg-Wurmbrand in's Amt Gschwend die
{{Seite|154
übrigen Orte. Beide Herrschaften waren schon 1780 und 1790 theilweise
württembergisch geworden.

Von den einzelnen Orten liegt

a) Gschwend, das evang. Pfarrdorf, 2 St. südlich von Gaildorf,
in einer von mehreren kleinen Bächen durchschnittenen kesselförmigen
Vertiefung, an den zuvor erwähnten Straßen, welche hier sich kreuzen.
Von Westen her kommt der in der Nähe entspringende und im Orte selbst
durch einige Zuflüsse verstärkte Wettenbach, mit welchem sich, nachdem
er das Dorf verlassen, der nordwestlich herkommende Steinbach verbindet. Gschwend, der Sitz einer neuerlich errichteten Post-Expedition und
eines K. Revierförsters, hat ein reinliches stattliches Aussehen, wozu namentlich die Häuser mehrerer Wirthe und Kaufleute beitragen.

In der Mitte des Orts steht die 1758–1760 von der Pfarrgemeinde
erbaute, von der Stiftungspflege zu erhaltende, massive Kirche, die ein
Quadrat bildet und mitten auf dem Dache ein in Schrauben stehendes
Thürmchen mit einer 1835 angekauften Uhr von Stoß in Ulm hat. Das
etwas entferntere Pfarrhaus hat die Herrschaft Wurmbrand 1760 erbaut
und ist von der Standesherrschaft Limpurg-Gschwend zu erhalten. Das
freundliche Försterhaus wurde 1827 erbaut. Von den beiden Schulhäusern wurde durch die Schulgemeinde das eine 1827 erbaut, das andere
mit einem Staatsbeitrag von 800 fl. erworben. Der Ort hat vorzügliches Trinkwasser. Der sog. Weilerbrunnen, eine starke schwefelhaltige
Quelle, deren Abfluß auch Winters dampft, soll in einem ehemaligen
Badhaus benützt worden seyn (Prescher II, 205). Gschwend ist arm und
hat eine für seine Bevölkerung zu kleine Markung. Bis zu Errichtung
der Pfarrei ein kleiner Weiler, wurde es jetzt erst bedeutender. Seine
Bevölkerung (1715 96, 1737 158, 1785 458) hat sich in den letzten
67 Jahren mehr als verdoppelt. Die 4 Vieh- und Flachs-Märkte, welche
seit 1762 und 1776 bewilligt sind, kommen ihm wohl zu Statten, da dieselben sogar von Maulbronn und Nürtingen her besucht werden. Ein
ehemaliger herrschaftlicher Fohlenhof ist längst eingegangen. Die Pfarrei, 1758 aus Gschwend und umliegenden, nach Frickenhofen und Kirchenkirnberg eingepfarrten, Orten gebildet, wozu die Gräfin Julianne
Dor. Louise von Wurmbrand den ersten Fonds mit 1000 fl. stiftete, ist seit 5. Oct. 1831 durch die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend
zu besetzen. Außer der einen Fonds von 120 fl. besitzenden Volks-Schule,
an welcher ein Schulmeister, ein Unterlehrer und ein Gehilfe stehen, ist
auch eine Industrie-Schule vorhanden. Der 1797 am südwestlichen Ende
des Dorfes angelegte Begräbnißplatz ist seit 1839 verlassen und wird
seitdem wieder der alte Kirchhof benützt.

Den Namen des Orts glaubt Prescher von wendischen Ansiedlern
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herleiten zu können. Er entstand aus einzelnen Höfen, wovon noch der
Haggassenhof, auf dem 1760 das einzige Wirthshaus war, genannt wird,
und wird 1374 erstmals als ein Theil des Amtes Gaildorf erwähnt;
1434 war er noch zum Amte Seelach gerichtbar, wurde aber später selbst
Sitz dieses Amtes. Im Jahr 1674 hatte Limpurg 3 Erblehen, wovon 2
nach 1557 der Stadt Gmünd gehörten, und 2 Sölden; der Heilige zu
Sulzbach am Kocher und der zu Münster bei Gaildorf besaßen je 1 Lehen.
Außerdem hatte Kloster Adelberg 7 Erblehen und 2 Sölden, die Vogtei
und Hoheit darüber aber Limpurg. Im dreißigjährigen Kriege war der
Ort manchmal ganz menschenleer. Damals lagen noch 8 Seen bei dem
Dorfe, worunter der 6 Morgen große Zwieselsee.

b) Birkhof oder Bürghof, 3/8 St. südlich von G. (Gschwend)
auf einer waldigen Anhöhe. Der Sage nach stand hier eine Burg, die
dem Ort den Namen gegeben. Schon 1674 war dieser mittelgroße Hof
in 11 Theile getheilt.

c) Buchhöfle, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von G. auf dessen Markung.

d) Dinglensmad, {{Bruch|1|2}} St. westlich von G. im Wald, am südlichen Abhang des Haagbergs. Der Ort, aus 8 einzeln stehenden Wohnhäusern 1819 bestehend, von kaum 30 Morgen Baufeld, wurde nach 1737
angelegt und zählte 1785 nur 25 Einwohner.

e) Gschwender-Mühle, {{Bruch|1|4}} St. südlich von G. auf dessen Markung, am Rothbach.

f) Haldenhäusle, gehört zu Hohenreut und wurde im vorigen
Jahrhundert erbaut.

g) Hasenhöfle oder Hasenhof, {{Bruch|1|4}} St. nordöstlich von G.;
ein 1740 angelegtes ganz kleines Kammergut.

h) Hetschenhof, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. an dem östlichen
Waldsaume. Ein größerer Hof, auf dem noch 1790 der Obstbau namhaft war. Er war früher ein Bestandtheil des Degenfeldischen Rittergutes
Eybach unter Limpurgischer Hoheit und Vogtei.

i) Hetzenhof, 3/8 St südlich von G. auf dem Wald. Das kleine
Gut gehörte zur Waibelhub und fiel 1713 an Württemberg zurück.

k) Hohenreut, auch Hochreut, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von G. am
linken Ufer des Schlechtbachs. Dieses größere, 1557 von der Stadt
Gmünd erworbene, aus der Schlechtbacher Markung vergrößerte Gut
bestand schon 1674 aus 2 halben Höfen, 1 Lehen und 1 Sölde.

l) Hollenhöfle, {{Bruch|1|4}} St. östlich von G. auf dessen Markung; vor
etwa einhundert Jahren erbaut.

m) Hollenhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von G. auf der linken Höhe über
dem Schlechtbach. Ein mittelgroßer Hof, der dem Kloster Adelberg in's
Kaisersbacher Viertel gehörte.
{{Seite|156
n) Hugenhof, früher Hubenweiler, dann Hugenweiler, 1 St.
südwestlich von G. am Waldsaum, auf dem Hugenberg. Der Hof wurde
1414 von Jakob Mäder, Bürger zu Gmünd, erkauft und war bereits
1674 getheilt.

o) Humbach, 3/8 St südlich von G. am Schlechtbach.

p) Humberg, früher Hunenberg, 3/8 St. südlich von G. am südlichen Abhang des Humbergs. Johann v. Rinderbach, genannt von Leineck, Bürger zu Gmünd, verkauft 1366 drei Gütlein „zu dem Hunenberg“
an den Gmünder Bürger Walther Eberwein, der sie 1370 um 150 Pfd.
Heller dem Kloster Adelberg verkaufte. Der Ort blieb bei diesem, doch unter Limpurg'scher Vogtei und Hoheit; 1674 war er in den Händen von 4 Bauern. Da 1790 nur 2 Bauern hier saßen, so ist wahrscheinlich, daß
früher das nahe, sonst nirgends genannte, Humbach unter Humberg mitbegriffen war. – Im Jahr 1732 wurde am Humberg ein Topf mit sehr
alten silbernen Hellern ausgegraben (Prescher II, 210).

q) Lettenhäusle, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. Gehört zu Humberg.

r) Marzellenhof, auch Spatzenhof, {{Bruch|1|2}} St. südlich von G. an einer Seitenschlucht des Schlechtbach-Thälchens. Ein kleiner Hof,
der zu dem altwürttembergischen Stabe Rudersberg gehörte.

s) Mühläckerle, {{Bruch|1|8}} St. nordöstlich von G. auf dessen Markung
am Schlenkenbach, der hier einen See von einigen Morgen bildet; etwa
100 Jahre alt.

t) Oppenland, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. auf Seelacher Markung, 1811 erbaut.

u) Rauhengehren, {{Bruch|1|8}} St. südlich von G. auf dessen Markung,
am Waldsaum; zu Ende des vorigen Jahrhunderts erbaut.

v) Roßsumpf, 3/8 St. westlich von G. auf dessen Markung.

w) Schlechtbach, im Gegensatz zu den gleichnamigen Orten im Oberamt Welzheim, auch Hinter-Schlechtbach, 1 St. südlich von
G. Dazu gehört das Haus Reisenhöfle. Die Gebäude liegen meist zerstreut zu beiden Seiten des Schlechtbachs und bilden eigentlich zwei
Weiler, wovon der eine von den Evangelischen, der andere von den Katholiken bewohnt ist. Auf einem kleinen Hügel steht eine 1618 renovirte
Capelle, deren Baulast vom Kloster Gotteszell auf den Staat übergegangen ist und worin nur einige Messen gelesen werden. – Das Örtchen
war ein Condominat: einige Güter gehörten zur Reichsstadt Gmünd, einige den Herren vom Holtz zum Rittergut Alfdorf, der größere Theil
aber Limpurg, das 4 Güter, an deren 3 Comburg Lehenrechte hatte, 1395
von Greth von Finsterloh, Bürgerin zu Gmünd, um 27 fl. erkaufte.
Auch zur Waibelhube gehörten Güter.
{{Seite|157
x) Schlechtbacher-Sägmühle, am Schlechtbach, auf Schlechtbacher Markung.

y) Schmidbügel, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von G. im Wald über dem
Schlechtbach; eine sehr kleine Ansiedelung.

z) Seelach, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von G. auf dem obengedachten
Gebirgsausläufer, an der Straße nach Gmünd. In diesem wohlhabenden Orte hatte Limpurg keine Güter. Dieselben gehörten dem Kloster
Lorch, das 1674 zwei halbe Höfe und einen ganzen Hof besaß. Einen
derselben kaufte Lorch 1340 von Ludwig von Hohenhart. Einige Gefälle
vermacht 1347 Bruder Berlin, Custos in Lorch, diesem Kloster aus einem
Hof. Dasselbe kauft 1391 von Hans Böcklin zu Gmünd um 11 Pfund
Heller dessen Vogtei über 3 Güter. Des alten Gerichtes ist S. 114 gedacht. Zwei hiesige Bauern waren Siebenzehner. Ein südlich bei Nardenheim liegender Platz heißt noch jetzt der „Gerichtswasen“. Eine nahe Höhe hieß 1489 „der Heidenbühl.“ In der Nacht vom 19/20. März 1843 brannten 2 Wohnhäuser ab, wobei zwei Menschen in den Flammen
umkamen.

aa) Steinenforst, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von G., gehörte in den altwürttembergischen Stab Rudersberg. – Im Jahr 1813 fand Prescher
auf der Höhe einen alten Streithammer von Bronze, 1 Pfd. 12 Loth
schwer. (Iduna und Hermode 1814, S. 103.)

bb) Straßenhaus, {{Bruch|1|8}} St. nördlich von G. auf dessen Markung.

cc) Straßenwald, zunächst dem ersteren, auch auf Gschwender
Markung.

dd) Waldhaus, 3/8 St. südlich von G. an der Straße von Welzheim nach Gaildorf; brannte am 18. Mai 1833 ab. Es gehört zu Steinenforst.

Nach Prescher lagen folgende längst abgegangene Orte in der Gegend von Gschwend: Gestösseln, nordöstlich, wo noch der Stösselbrunnen und Stösselwald genannt werden; Kirchberg, {{Bruch|1|4}} St. nördlich
auf dem Kirchberg, und Scherach, im Wald gegen den Metzlenswald
{{Seite|158

Hausen an der Roth,

Gemeinde III. Kl. mit 988 Einw. a. Hausen an der Roth, Pfd. 312 Einw., wor.
9 Evang. b. Eitelwälde, Hs. 3 Einw. c. Erlenhof, W. 194 Einw., wor.
120 Evang. d. Greuthof, H. 16 Einw. e. Harnersberg, H. 11 Einw. f. Lunkenbrunnen, Hs. 16 Einw., wor. 11 Evang. g. Scheuerhalden, bestehend
aus: aa. Aschenhäusle, Hs. 5 Einw. bb. Forsthaus, Hs. 6 Einw. cc. Neuhausen, W. 208 Einw., wor. 64 Evang. dd. Osterhöfle, H. 9 Einw. ee. Viehhaus, H. 28 Einw. h. Stielberg, Hs. 10 Einw. i. Sturzberg, W. 54 Einw.
k. Völklenswald, 5 evang. Einw. l. Wiesenbach, W. 111 evang. Einw.
– Kath. Pfarrei; die Evang. in Parz. a., c., f. sind nach Vichberg, die in Perz.
g. cc., k. und l nach Ober-Roth eingepfarrt.

Die Orte dieser Gemeinde liegen etwa in der Mitte des Roth-Thales,
theils in diesem selbst, theils zu beiden Seiten desselben, und grenzen im Südwesten an das Oberamt Backnang. In südöstlicher Richtung ist der
Gemeindebezirk von dem Flüßchen Roth durchschnitten, das hier mehrere
Zuflüsse, namentlich von Westen den Wiesenbach erhält. Das sonst tiefe
Roth-Thal erreicht zwischen Hausen und Ober-Roth die größte Breite,
die jedoch kaum {{Bruch|3|4}} St. beträgt. Beide User sind mit fetten Wiesen besetzt und auf den Höhen bewaldet. Die Äcker ziehen sich gegen die Berge
hinauf. Wegen ihrer vielen Krümmungen tritt die Roth bei anhaltendem oder starkem Regen gern aus und düngt zwar mit ihrem fetten
Schlamme die Wiesen, verschlammt oder entführt aber auch zuweilen die
reichsten Futter-Ernten. Das Klima ist ziemlich rauh und namentlich
dem Obstbau nicht zuträglich, der Boden im Allgemeinen nicht dankbar.
Das Trinkwasser hat schwefelige Bestandtheile und soll die Veranlassung
zu vielen dicken Hälsen seyn. Auf der Roth wird sog. Staudenholz in
den Kocher und von da weiter geflößt. Durch das Thal zieht die Landstraße von Gaildorf nach Mainhardt. Feldbau mit Viehzucht, sodann
Holzhandel mit Brettern, Pfählen, Kohlen, nebst Körbe-, Wannen- und
Spindelnmachen sind die Erwerbsmittel der besonders auf den Filialien
sehr armen Einwohner, welche sich früher namentlich auch durch den Hausirhandel mit Haller Salz fortbrachten. Die Gesammt-Markung begreift
nur 2262 7/8 M., worunter 404 M. Wald und 329 4/8 M. Weiden und
Öden, so daß an Baufeld noch 1,6 M. auf den Kopf kommen. Im Roth-Thale wächst guter Dinkel; der Esper- und Luzernen-Bau ist seit 60–70 Jahren eingeführt; von größerer Bedeutung ist aber der Wiesenbau,
wegen dessen Prescher das Roth-Thal eine Goldgrube nennt. Bemerkenswerth ist, daß seit einigen Jahren in Hausen auch Versuche mit dem
Weinbau gemacht werden. Im Übrigen sind Ober-Roth und Vichberg
zu vergleichen.

Die Gemeinde-Orte sind den Forstämtern Comburg und Reichenberg
{{Seite|159
zugetheilt. Die Einnahmen der Gemeindepflege und der Stiftungspflege sind unbedeutend; die letztere verwaltet die sog. v. Erthal'sche
Stiftung von 750 fl., deren Ertrag an die Hausarmen der Pfarrei zu
vertheilen ist. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geordnet.
Zehentherr war bisher überall der Staat, mit der Einschränkung, daß
die Pfarrei Ober-Roth am großen und kleinen Zehenten in Wiesenbach
und am kleinen Zehenten in Hausen Theil hatte.

Zum Wurmbrand'schen Amte Gaildorf gehörten Völklenswald und
theilweise Erlenhof; in die Pflege Westheim ein anderer Theil von Erlenhof; in's Oberamt Backnang theilweise Wiesenbach; alles Andere war
Comburgisch, kam 1803 auch mit den grundherrlichen Rechten an Württemberg und wurde 1808 vom Oberamte Vellberg dem Oberamte Gaildorf zugetheilt, zu welchem jetzt auch der zuvor erwähnte Antheil Backnangs an Wiesenbach kam.

Einzelne Orte der Gemeinde:

a) Hausen an der Roth, das katholische Pfarrdorf, liegt 2 St.
westlich von Gaildorf, am Rothflüßchen und an der zuvor erwähnten
Landstraße, zwischen zwei hohen und unwegsamen Bergketten, wovon die
südwestliche die „Schanze“, die nordöstliche die „Scheuerhalden“ genannt
wird. Eine steinerne neue Brücke führt auf die Filialien über die Roth,
die nicht selten das Dorf unter Wasser setzt. Die Kirche zum heil. Michael
ist massiv aus gehauenen Quadern gebaut; im Erdgeschosse derselben befindet sich die beschränkte unfreundliche Wohnung des Pfarrers. Der
Thurm hat nur Eine Glocke. Die Baulast hat wegen Comburgs der
Staat. Bei der Kirche steht das 1773 gleichfalls massiv erbaute Schulhaus. Gutes Trinkwasser findet sich nur in dem Eitelwäldlen. Das Patronat ist mit Comburg an die Krone gekommen. Außer der deutschen
Schule, die blos 49 fl. Fond hat, ist eine Industrieschule vorhanden.
Der Begräbnißplatz wurde 1816 außerhalb des Ortes angelegt.

Hausen mit den schon bezeichneten Parzellen war in vogteilicher
und grundherrlicher Hinsicht im Besitze Comburgs; die Kriminaljustiz
übten dessen Schirmvögte, die Schenken von Limpurg, und nach deren
Aussterben die Bischöfe von Würzburg, welche auch seit 1541 das Besteuerungsrecht hatten. Comburg, dessen Rechte 1248 erstmals genannt
werden, kaufte 1362 von Ritter Burkhardt Sturmfeder und dessen beiden
Söhnen, auch Burkhardt genannt, um 200 Pfd. Heller die Vogtei über
die Comburgischen Güter, das Gericht und Alles, was sie hier hatten,
namentliche 1 Hof und 8 Güter; die Vogtei über ein anderes Gut kaufte
es 1411 von Volkhart von Hohenhart und die über ein weiteres Gut
1414 von Limpurg. So besaß das Ritterstift 1657 hier 18 Lehengüter.
Von dem, vom Kloster Murrhardt herrührenden Fruchtzehenten trat 1607
{{Seite|160
Württemberg {{Bruch|2|3}} an Limpurg ab; {{Bruch|1|3}} gehörte der Pfarrei Ober-Roth.
Im Jahr 1688 scheint Limpurg auch noch Unterthanen hier gehabt zu
haben, da hinsichtlich der Vogtei ein Streit zwischen Comburg und seinem Schirmherrn entstand. Das Ritterstift Comburg wandte sich deßhalb an seinen obersten Schirmherrn, den Bischof von Würzburg, der im
März 1688 von seinen Soldaten, 100 Kürassiere und 300 Mann Infanterie hierher schickte, um Namens Comburgs einen Unterthanen aus einem
Limpurgischen Hause herauszunehmen.

Hausen, anfänglich Filial von Ober-Roth, ging der streng katholischen Ortsherrschaft ungeachtet 1548 zur Reformation über. Nach dem
dreißigjährigen Krieg aber wandte Comburg alle Mittel zu Wiederherstellung der katholischen Confession an. Mit Unterstützung des Stiftes
siedelte sich 1670 ein Maurer aus Obersteyermark an, der immer mehr
Landsleute nach sich zog, so daß 1696 von den 14 Hofgütern, 4 Sölden
und 16 Häuslen {{Bruch|2|3}} in katholische Händen waren. Man richtete in einem
Bauernhause 1696 eine Capelle ein, wo von Zeit zu Zeit ein Priester
aus Comburg Messe las; da aber jene nicht mehr zureichte, so baute der
Comburgische Dekan Heinrich, Graf von Ostein, meist auf seine eigene
Kosten und des Verbotes des Reichskammer-Gerichtes ungeachtet, die erste
Kirche, indem er vorgab, daß er blos eine Sommerwohnung mit Haus-Capelle errichten wolle, woraus denn auch die Vereinigung des Pfarrhauses mit der Kirche zu erklären ist. Sofort wurde auch eine katholische Pfarrei errichtet und 1706 erstmals besetzt. Der gedachte Graf Heinrich
von Ostein gründete auch die Kirchenpflege, aus deren Mitteln die Kirche, wie sie jetzt ist, 1770 ganz umgebaut wurde, und sein Bruder Karl, Capitular in Comburg, stiftete 1710 ein Capital von 4000 fl. zum Unterhalte
des Pfarrers. Hausen hatte 1750 keine evang. Einwohner mehr.

b) Eitelwäldle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von H. (Hausen) auf dessen Markung, im Walde. Eine 1750 angelegte Sölde.

c) Erlenhof, früher Erlenbach, 1 St. östlich von H. auf der
Höhe über dem Roth- und Kocher-Thale, welche von hier aus in südöstlicher Richtung von dem Erlenbach-Thälchen durchschnitten ist. Vormals ein Condominat. Die Vogtei über den „Weiler zu Erlbach ob
Viechberg“, wo schon 1343 Comburg Grundherr war, verkauften 1348
Hiltrut, Wittwe Heinrichs von Ottendorf, und ihr Sohn Heinrich sammt
Zehenten um 18 Pfd. Heller an Comburg. Die 3 Comburgischen Lehen
sind nun in den Händen der evang. Einwohner; die im Besitze der Katholiken befindlichen Häuser und Güter entstanden 1708 bis 1724. Das
Limpurgische Gut, worauf 1785 24 Einwohner saßen, wurde im sechszehnten Jahrhundert angelegt. Einige andere Güter gehörten dem Kloster Murrhardt.
{{Seite|161
d) Greuthof, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von H. auf dessen Markung, auf
dem rechten Ufer der Roth, wurde 1700 angelegt.

e) Harnersberg, 3/8 St. südwestlich von H. auf dessen Markung,
aus 2 Sölden bestehend, die 1740 angelegt wurden.

f) Lunkenbrunnen, 7/8 St. östlich von H. bei Erlenhof, eine
1770 entstandene Sölde.

g) Scheuerhalden, nordöstlich von H. auf dem Walde Scheuerhalden. Die unter diesem Namen begriffenen {{Bruch|1|4}} bis {{Bruch|3|4}} St von H. entfernten, zerstreuten Wohnsitze sind: Aschenhäusle, Neuhausen,
Osterhöfle und Viehhaus. Sie entstanden 1734–1779, mit Ausnahme des ältern Viehhaus. – Johannes von Vggingen verkauft 1363
an Comburg den „Hof zu der Scheuren genannt“, zwei Theile des Zehentens und ein Gut zu Feuchtenbrunnen. Hans Herold und Rüdiger
von Örn treten 1375 alle ihre Rechte an dem „Hof zu der Scheuren
bei Feuchtenbrunnen gelegen“ an Comburg ab.

h) Stielberg, {{Bruch|1|4}} St. östlich von H. auf dessen Markung, auf
einer waldigen Bergspitze, wo auch eine 1790 erbaute kleine Feldcapelle
steht; wurde 1780 angelegt.

i) Sturzberg, 3/8 St. nordöstlich von H., gleichfalls auf dessen
Markung, an der Scheuerhalde; 1775–1770 entstanden.

k) Völklenswald, 3/8 St. östlich von H. an der Scheuerhalde;
eine kleine Sölde.

l) Wiesenbach, 3/8 St. südwestlich von H., im Wald über dem
Wiesenbach. Um 1627 wurde in diesem zum Forstamt Reichenberg gehörig gewesenen Distrikte von einem Limpurgischen Unterthanen die erste
Sölde angelegt. Der Ort war ein Condominat, da noch 1804 28 Einwohner in's Stadtgericht Backnang gehörten.

Ein zu unbekannter Zeit abgegangener Ort bei der Scheuerhalden
war das bei Scheuerhalden genannte Feuchtenbrunnen. Zwei Theile
an der Vogtei und alle seine Rechte trat Limpurg 1414 an Comburg ab.


Hütten,

Gemeinde III. Kl. mit 599 Einw. Hütten, D. 444 Einw., wor. 4 Katholiken.
b. Bäumlensfeld, 59 Einw. c. Dobelhütten, H. 12 Einw. d.
Hankertsmühle, 8 Einw. e. Scherbenmühle, 15 Einw. f. Traubenmühle,
33 Einw. g. Württemberger-Hof, 38 Einw. – Evang. Pfarr-Filial von
Mainhardt; die Kath. in a. sind nach Pfedelbach eingepfarrt.

Dieser Gemeindebezirk liegt auf der äußersten nordwestlichen Spitze
des Oberamtes und bildet eine in die Oberamtsbezirke Backnang, Weinsberg und Hall hineinragende Zunge, welche auf der Weinsberger
{{Seite|162
Oberamtsgrenze beinahe Mainhardt berührt. Er gehört dem südlichen Ausläufer des Mainhardter Waldes an und bildet eine über dem Roth-Thal
und dem östlich das Oberamt begrenzenden Röthenbach-Thälchen sich erhebende Bergfläche, welche durch einige quellenreiche Schluchten bewässert
und an ihren Abhängen bewaldet ist. Die von Westen herkommende,
noch ziemlich schwache Roth macht, nachdem sie den Röthenbach aufgenommen, eine südöstliche Wendung und bewässert einen Theil des Gemeindebezirkes. Die durch das Roth-Thal führende Landstraße zieht
durch denselben und mündet nicht ferne in die an Mainhardt vorübergehende 
Stuttgart-Haller Staatsstraße ein. Diese Lage und die Filiatverhältnisse bringen es mit sich, daß der Verkehr der Gemeinde-Angehörigen
mehr auf Mainhardt, als auf das Limpurger Unterland angewiesen ist. Der Boden ist nicht dankbar. Über die sonstigen natürlichen Verhältnisse ist das bei Hausen und Vichberg Gesagte zu vergleichen. Die meist
armen, auch in sittlicher Hinsicht weniger gehobenen Einwohner suchen
in Ackerbau, Viehzucht und im Handel mit Holz aller Art ihre Nahrung.
Die Gesammt-Markung begreift 2719 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1307 3/8 M., also
fast die Hälfte Wald, und 177 M. Weiden und Öden, so daß an Baufeld nahezu 2 M. auf den Kopf treffen.
Die Gemeinde ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Bei den
unbedeutenden Einkünften der Gemeindepflege muß an Amts- und Gemeinde-Schaden fast dreimal mehr umgelegt werden, als die direkte
Staatssteuer beträgt. Eine Stiftungspflege ist nicht vorhanden. Die
Gemeinde ist nach Hütten schulpflichtig. In die Zehenten zu Hütten,
Bäumlensfeld und Württemberger-Hof theilten sich der Staat, die Standesherrschaft Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein und die Pfarrei Maienfels; die übrigen Zehentrechte gebührten dem Staat allein.

Bis 1806 gehörten in das altwürttembergische Oberamt Weinsberg:
Hütten (theilweise), Bäumlensfeld, Traubenmühle und Württemberger-Hof; in's altwürttemb. Oberamt Backnang: Scherbenmühle; in's Amt
Ober-Roth zur Solms-Assenheim'schen Herrschaft: Hankertsmühle und
Theil an Hütten, woran auch Hohenlohe-Bartenstein betheiligt war.

Von den die Gemeinde bildenden Orten liegt

a) das Dörfchen Hütten, 4 St. nordwestlich von Gaildorf, auf
der zuvor erwähnten, von einigen Schluchten durchschnittenen Bergfläche.
Durch dasselbe führt die zuvor gedachte Roth-Thalstraße. Das Schulhaus, in welchem auch das Gemeinderaths-Lokal sich befindet, wurde 1834
von der Gemeinde erbaut. Außer der deutschen Schule, die 75 fl. Fonds
hat, ist auch eine Industrieschule vorhanden.

Hütten wird 1248 als einer der Orte bezeichnet, wo das Kloster
Comburg begütert war. Im Jahr 1521 verkauft Comburg an die Stadt
{{Seite|163
Hall die Gülten von 12 Gütern. Bis 1806 war Hütten ein Condominat-Ort zwischen Württemberg, Hohenlohe und Limpurg. Die Rechte des ersteren rühren von der Herrschaft Böhringsweiler her und blieben bis in die
neueren Zeiten mit dem dortigen Stabe verbunden. Limpurg kaufte 1370
von Burkhardt und Friedrich Sturmfeder Alles, was sie hier hatten. Albrecht und Crafft von Hohenlohe übergeben 1486 die Zehenten hier und
in einigen andern Orten der Pfarrei Mainhardt, die bis dahin einschließlich
der Stolgebühren nur 14 fl. ertrug (Wibel II, 374). Am 29. Juli 1563
vertrugen sich Herzog Christoph von Württemberg, Graf Eberhard von
Hohenlohe zu Langenburg und Schenk Christoph von Limpurg dahin,
daß jede Herrschaft auf ihren Gütern die Obrigkeit haben, auf den Gassen und der Gemeinde aber dieselbe gemeinschaftlich bleiben solle. Im
Jahr 1785 war die Einwohnerzahl nur 143.

b) Bäumlensfeld, 3/8 St. westlich von H. (Hütten) auf derselben Bergfläche.

c) Dobelhütte, 3/8 St. westlich von H. auf dessen Markung.

d) Hankertsmühle, 5/8 St. südwestl. von H. auf der Grenze des
Oberamts Weinsberg, in einer Waldklinge an der Roth. Limpurg kaufte
1371 die „Heinkardsmühle“ von den Brüdern Conrad und Götz von
Roth.

e) Scherbenmühle, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von H. an der Roth, im
Walde Scherbenhau, den Limpurg theils 1410 von Hans von Roth kaufte,
theils 1556 von Württemberg erwechselte. Die Mühle gehörte in das
Stadtgericht zu Backnang; einige Rechte kaufte Limpurg 1537 von den
Roth'schen Erben.

f) Traubenmühle, 3/8 St. südlich von H. auf dessen Markung,
am Einfluß eines Waldbaches in die Roth.

g) Württemberger-Hof, 3/8 St. südwestlich von H. auf derselben Bergfläche, am nordwestlichen Abhang einer Thalschlucht. Das
Lagerbuch über Böhringsweiler von 1528 nennt den Ort „Miltenbergershof“, der schon damals in 3 Theile getheilt war. Zu der Hankertsmühle führte damals eine „Brittersteige“ herab.

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Laufen am Kocher,

Gemeinde III. Kl. mit 904 Einw. a. Laufen am Kocher, D. 331 Einw., wor.
1 Kathol. mit aa. Hägelesburg, H. 10 Einw. und bb. Windmühle, 7 Einw.
b. Braunhof, 7 Einw. c. Eckenberg, W. 15 Einw. d. Eisenschmiede,
W. 35 Einw. Falschengehren, H. 9 Einw. f. Forst, 5 Kath. g. Hasenberg, Hs. 5 Einw. h. Heerberg, W. 18 Einw. i. Heilberg, H. 5 Kath.
k. Hochhalden, H. 22 Einw. l. Knollenberg, H., auch Schockenhof, 21 Einw.
m. Krasberg, W. 55 Einw. n. Platz, W. 22 Einw. o. Rübgarten, W.
93 Einw. p. Schönbrunn, W. 26 Einw. q. Teutschenhof, H. 14 Einw.
r. Weiler, W. 25 Einw. s. Wengen, W. 143 Einw. t. Wimbach, H. 6 Einw.
– Ev. Pfarr-Filial von Sulzbach am Kocher, mit Ausnahme von Parz. o., Filial
von Eschach, und Parz. d., Fil. von Ober-Gröningen; die Kath. in Parz. a, f. und i. sind nach Unter-Gröningen eingepfarrt.

Der im obern Kocher-Thale, dessen Abhänge, steil und bewaldet,
nur theilweise zur Cultur gebracht sind, gelegene Gemeindebezirk grenzt
im Osten an das Oberamt Aalen. Das Thal ist sehr eng, an den weitesten Stellen kaum {{Bruch|1|8}} St. breit. Die Bergabhänge sind durch viele wilde
und tiefe Schluchten zerrissen, über deren Hügeln die Parzellen liegen.
Der Kocher macht um die Hügel vielfache Krümmungen, hat ein tiefes
enges Bett und wenigen Fall, erhält aber aus den Schluchten manchfache
rasche Zuflüsse, namentlich von Westen her den Wimbach, von Südosten
den Nägelsbach mit dem Igelsbach, von Südwesten den Krempelbach,
von Osten den Heiligenbach, überschwemmt gerne die von der Thalsohle
bis an die Waldungen hinaufreichenden Wiesen und richtet manchmal
große Verwüstungen an. Der Boden ist Sand und Lehm mit lettiger
Unterlage; er geht tief, ist größtentheils schwer und sumpfig und nur bei
besonderem Fleiß dankbar; der Pflug bedarf gewöhnlich 4 Ochsen als
Anspann. Die Luft ist häufig nebelig, im Thale mild, so daß Gurken
und Bohnen gedeihen, auf der Höhe scharf. Hagelschlag ist selten. Von
Gaildorf und Sulzbach her führt die neue Communal-Straße über Heerberg und Laufen nach Unter-Gröningen. Die übrigen Wege sind ganz
schlecht. Die Gemeinde gehört zu den ärmeren des Bezirkes. Daß Laufen
die meisten unehelichen Geburten hat, ist S. 33 bemerkt. Nahrungsquellen sind Ackerbau, Viehzucht und Holznutzung, da sich die Vermöglicheren hauptsächlich mit Holz- und Kohlen-Handel, die Ärmeren mit
Holzfällen, Kohlenbrennen und Flößerei beschäftigen. Die Gesammt-Markung ist 5092 {{Bruch|1|2}} M. groß, worunter 1883 3/8 M. Wald, 728 3/8 M.
Weiden und Öden, und es kommen 2 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf.
Die Landwirthschaft ist im Allgemeinen noch auf niederer Stufe und
herrscht hauptsächlich nur in Weiler vor, wo sich größere geschlossene Hofgüter erhalten haben. Die Güter liegen allermeist an Abhängen. Neben
{{Seite|165
der Dreifelderwirthschaft ist hier hauptsächlich die Wechselwirthschaft
(989 3/8 M. Wechselfelder), und der Beetpflug in Übung. Man baut
Dinkel, Weizen, Roggen, Haber und Einkorn, außerdem neben Kartoffeln, rothen Klee, Luzerne, Esper, wenig Flachs, viel Hanf, Hopfen und
Kraut. Es wird bei Weitem nicht das Brodbedürfniß erzeugt. Die Thalwiesen sind, weil durch den Schlamm des Kochers bei seinem Austreten
gedüngt, ergiebig. Ein Morgen Ackers kostet 30–150 fl.. Wiesen 50–400 fl. Die Obstzucht ist im Zunehmen; die Straßen sind mit Obstbäumen besetzt. Mit der Schule in Laufen sind Kinderbaumschulen verbunden, aus welchen die Bäume bezogen werden. Die Rindviehzucht ist nicht
von Belang, das Vieh mager. Auch wird durch Juden bayrisches Vieh
eingeführt und Stellvieh den Einwohnern übergeben. Stallfütterung
ist noch nicht durchgeführt. Von Gewerben ist nur eine Mahl- und
Säg-Mühle in Laufen, und die bei Sulzbach erwähnte Verfertigung von Holzwaaren zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt, mit
Ausnahme der in's Forstamt Lorch gehörigen Parzellen Krasberg und
Weiler. Die bis dahin verbunden gewesenen Gemeinden Laufen und
Sulzbach wurden 1810 nach ihrem jetzigen Bestande gebildet. Das
Vermögen der Gemeindepflege ist unbedeutend, und da auch die
Mittel der Stiftungspflege unzureichend sind, so betragen die Umlagen
für Amts- und Gemeinde-Zwecke mehr als das Dreifache der direkten
Staats-Steuer. Die Schule für die sogenannte obere Pfarrei ist in
Laufen. Zehentherr war von den Limpurgischen Herrschaften her überall
der Staat; nur in Rübgarten hatte die Pfarrei Eschach den kleinen
Zehenten.

Der größere Theil der Gemeinde war ein Bestandtheil der schon
1781 durch Württemberg erworbenen Herrschaft Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, Amts Schmiedelfeld; die übrigen Orte, nämlich Eckenberg, Falschengehren, Forst, Schönbronn und Wengen, waren mit der
erst neuerlich für den Staat erkauften Herrschaft Gröningen, Amts
Unter-Gröningen, verbunden. Von den einzelnen Orten ist

a) das Dörfchen Laufen, oder Lauffen, am Kocher, 2 {{Bruch|1|2}} St.
südöstlich von Gaildorf auf einem Bergabhang an dem rechten Ufer des
Kochers gelegen. Die alte Kirche enthielt ein Altargemälde, welches den
heil. Bartholomäus mit seiner eigenen Haut unter dem Arme vorstellte,
ist aber vor nicht gar langer Zeit abgebrochen worden. Der Kirchhof
für die obere Pfarrei ist noch hier. Das geräumige Schulhaus wurde
1840 von der obern Pfarrgemeinde mit einem Aufwand von 4200 fl.
erbaut und die Schule von Heerberg hierher verlegt. Sie hat nur 23 fl.
53 kr. Fonds und einen Schulmeister mit einem Gehilfen. Zu Laufen
{{Seite|166
gehören der Hof Hägelesburg und die sog. Windmühle, eigentlich
Windenbachmühle.

Mit der nahen Veste Kransberg erwarb 1357 Limpurg die Vogtei
über 13 Güter. Von Christian Kochenzer, Bürger zu Hall, kauften 1410
die Schenken das Eigenthum an 1 Hof und 4 Gütern dahier, die Mühle
zu Werben, 1 Hof zu Krasberg, 3 Güter zu Haslach und die Hälfte der Zehenten zu Laufen, Wengen, Weiler, Schönbronn, Haslach, Mühlenberg,
Uhlbach, Egelsbach und Eichenrain, alles dieß, wie er es vom Kloster
Murrhardt als Leibgeding hatte, worauf 1414 dieses Kloster seine Rechte
an diesen Gütern, nebst dem Kirchensatz und der Lehenschaft der Kirche
zu Laufen, die es der Sage nach schon 817 mit der Pfarrei Vichberg
(s. dort) erhalten haben sollte, um 330 fl. an die Schenken abtrat. Die
Windenbachmühle kaufte Limpurg 1380 mit Adelmannsfelden vom Kloster Ellwangen. Im Jahr 1741 bestand der Ort aus 16 Wohngebäuden
mit 16 Unterthanen und 1 Hausgenossen; 1785 zählte er 164 Einwohner. – Die ehemalige Pfarrei wird 1397 mit „Pfaff Hans, Pfarrer zu
Laufen“, erstmals genannt. Sie scheint zur Zeit der Reformation aufgehoben worden zu seyn, und ist schon längst als sog. „obere Pfarrei“,
deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, mit der „untern
Pfarrei“ zu Sulzbach unirt.

b) Braunhof, 3/8 St. nördlich von L. (Laufen) an einem Abhang
über dem Kocher. Wurde mit Kransberg erworben.

c) Eckenberg, {{Bruch|3|4}} St. südöstl. von L. auf der Markung von Wengen, im Walde. Dieses ursprüngliche Söldgut, das noch 1767 9 Einwohner hatte, wurde 1729 angelegt.

d) Eisenschmiede, früher „Eisenmühle“, 3/8 St. südwestlich von
L. am Kocher. Es ist dieß die zuvor genannte Mühle zu Werben (Werbe
= Werf, d. h. aufgedämmtes Ufer). Im Jahr 1531 war hier ein Eisenhammer mit Schmelzhütte. Nachdem er abgegangen, wurde 1719 wieder
eine Eisenschmiede errichtet und von der Herrschaft Schmiedelfeld verpachtet, 1757 aber aufgehoben.

e) Falschengehren, {{Bruch|3|4}} St. östlich von L. im Wald, auf der
Grenze des Oberamts Aalen; 1540–1550 entstanden.

f) Forst, 5/8 St. südöstlich von L. im Walde. Das 1833 erbaute,
von einem Waldschützen bewohnte, Haus wurde 1838 vom Staat erworben und das Gut aufgeforstet.

g) Hasenberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstl. von L. auf der Markung Wengen.

h) Heerberg, {{Bruch|1|8}} St. nördlich von L. auf einem an die übrigen
Gebirgshöhen anschließenden Berge, südöstlich des Kransbergs. Das
Örtchen besteht aus einem Kirchlein, einem vormaligen Schulhaus, einer
Gastwirthschaft und einem mittelgroßen Bauernhofe. Die kleine, mit
{{Seite|167
schlechtem Thurm versehene Kirche, in welcher der Pfarrer von Sulzbach
jährlich fünfmal zu predigen hat, zeigt über dem Haupteingange die Jahreszahl 1400; auch sind über den Thüren die Wappen Schenk Conrad's
(† 1482) und dessen Gemahlin, der Gräfin Clara von Montfort, sowie
seines Sohnes Schenks Albrecht († 1506), und seiner Gemahlin der
Gräfin Elisabetha von Öttingen, eingehauen. Im Thurme hängen 2
Glocken, wovon eine mit der Umschrift: „hilf ihesus maria. bernhard lachaman gos mich. 1497.“ Die Kirche hatte vor der Reformation viele
Altäre, zwei angebaute Capellen und ein wunderthätiges Marienbild, zu
welchem stark gewallfahrtet wurde. Noch 1610 mußte die Heerberger
Brüderschaft und Wallfahrt verboten werden. Im dreißigjährigen Kriege
wurde die Capelle von den Kroaten verwüstet, das Marienbild und der
Altar aber verschont. Vor etwa 100 Jahren soll jenes in das Archiv in
Ober-Sontheim gekommen seyn, wo es Justinus Kerner entdeckte und
1846 erkaufte: eine edle Arbeit aus blendendem Alabaster in halber Lebensgröße, die er noch besitzt. Der Altar mit seinem Gemälde blieb jedoch,
und wird vielfach aufgesucht und bewundert. Im Schreine desselben stehen ein Muttergottesbild mit dem Jesuskind und die heil. Catharina
und heil. Barbara aus Holz, beinahe in Lebensgröße, geschnitzt und vergoldet, indeß das untere Altarblatt und die beiden Flügelthüren die schönste
Arbeit der oberdeutschen Malerschule darstellen. Auf der Staffel ist
Christus zwischen den Aposteln im Brustbild gemalt, auf den Flügeln die
Anbetung der Hirten, die Darstellung im Tempel und die Verkündigung.
Die Hinterwand des Altarkastens hat die Inschrift: „das Werk hat gemacht Bartholme Zeitblom, maler zu Vlm. 1497“. (Näheres siehe III.
Veröffentlichung des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Von Ed. Mauch, 1845.) Da die Wappen des Schenken Albrecht und seiner Gemahlin auch an der südlichen Seite des Altars angebracht sind, so scheinen diese hieran sich betheiligt zu haben. Die Bilder
wurden durch Fürsorge des württ. Alterthumsvereins von Conservator
Eigner in Augsburg unlängst trefflich restaurirt. Der Altar ist Eigenthum der Ortsstiftung; die Capelle hat die obere Pfarrgemeinde zu erhalten. Bemerkenswert ist, daß noch jetzt die Capelle nicht nur von Katholiken der Umgegend häufig besucht, sondern auch von Evangelischen
bei glücklichen Familien-Ereignissen oder in Krankheiten und dergl. ein
Opfer dahin getragen wird. – Über die Entstehung der Capelle und
Wallfahrt gehen im Volke zwei Sagen. Die eine läßt Maria bei ihrer
Flucht nach Egypten auf dieser Höhe ein nächtliches Obdach suchen, die
andere einen Ritter mit seinem Liebchen auf Einem Rößlein bei dem hier
hausenden Einsiedler „Herberge“ finden und am Altare seiner Klause
verbunden werden, worauf der Ritter aus Dankbarkeit ein Kirchlein
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baute und von weit her das damals schon bewährte Gnadenbild hineinstiftete. (Morgenblatt 1847, S. 245.) Andere vermuthen, der Name
sey daher entstanden, daß ein Heer, das die Vestung Kransberg belagert,
hier gestanden habe, oder, wofür sich Prescher II, 269 ausspricht, daß der Berg von alten Zeiten her ein Hörberg (Warte, specula) gewesen sey.
Wahrscheinlich stand die Capelle zu dem nahen Kransfeld in engeren Beziehungen; jedenfalls gehörte der Ort dorthin.

i) Heilberg, {{Bruch|1|2}} St. südlich von L. auf einer Höhe; ein 1701 angelegtes Gut, das der Staat 1842 kaufte und wieder zu Wald umschuf.
Das Haus bewohnt ein Waldschütze.

k) Hochhalden, 3/8 St. südl. von L. auf dessen Markung, neuen
Ursprungs.

l) Knollenberg, auch Schockenhof, {{Bruch|1|8}} St. westl. von L. auf
dessen Markung; wurde um 1545 angelegt.

m) Krasberg, 3/8 St. südwestlicb von L. auf der Höhe jenseits
des Kochers. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen 5 Lehen und 1410
das Eigenthum von einem Gut. Der Ort hatte 1785 24 Einwohner.

n) Platz, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von L. auf dessen Markung, auf der
Höhe; neuere Ansiedelung.

o) Rübgarten, 3/8 St. südlich von L. auf einer Höhe über dem
linken Kocherufer. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen 6 Güter, die
nachmals in 3 zusammengezogen wurden, und erwechselte 1557 von dem
Augustiner-Kloster in Gmünd ein weiteres Gut. Der Ort hatte 1785
45 Einwohner.

p) Schönbrunn, {{Bruch|1|2}} St. östlich von L. auf der Höhe; ein schon
frühe in 3 Lehen getheilter Hof, 1380 von Ellwangen erkauft.

q) Teutschenhof, auch Erdgeschleifhöflen, {{Bruch|1|4}} St. östlich
von L. auf dessen Markung; eine 1545 angelegte Sölde.

r) Weiler, mit dem Beisatze „im Schmiedelfeld'schen“, {{Bruch|1|2}} St.
westlich von L. auf der Höhe über dem linken Kocherufer, gehörte nach
Prescher einst als eine Villa zur Veste Kransberg, mit welcher Limpurg
12 Güter erwarb, die später in 3 Höfe zusammengelegt wurden. Ein
weiteres freies Gut kaufte Limpurg 1404 von einem Bauern.

s) Wengen, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von L. zunächst am Einfluß des
Krempelbachs in den Kocher. Mit Birkenlohe kaufte 1586 Limpurg 13
Güter.

t) Wimbach, {{Bruch|1|4}} St. südlich von L. am Wimbach, in einem engen
Thälchen. Die Sägmühle wurde 1581 errichtet.

Der Kransberg, ein über dem rechten Kocherufer sich erhebender,
steiler, länglichter, wenige Minuten von Heerberg entfernter, Bergvorsprung, der von Osten, Süden und Westen vom Kocher umflossen ist,
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zeigt noch die imposanten Ruinen der zerstörten Veste Kransberg,
früher auch Cranchs- oder Cranichsberg genannt. Sie bestand, wie die
Gräben zeigen, aus zwei Abtheilungen, und es ist noch ein Theil eines
viereckigen Thurmes übrig. Über den Ursprung und die früheren Besitzer der Burg schweigt die Geschichte; nur so viel ist bekannt, daß 1357
Ludwig und Friedrich, Gebrüder, und Ludwig der jüngere, Grafen von
Öttingen, die Burgen Kransberg und Buchhorn mit den zugehörigen
Gütern um 4000 Pfd. Heller an Schenk Conrad von Limpurg verkauften, wie dieselben „ihr Vetter selig Graf Ludwig der Alte und sein Sohn
Graf Albrecht hergebracht“, für frei und eigen, es wäre denn, daß die
Vesten in Jahresfrist als Lehen angesprochen würden, in welchem Fall
die Schenken sie als Lehen empfangen sollten; daß ferner Kransberg mit
Röthenberg 1406 der Kurpfalz lehenbar gemacht, und kurze Zeit nach
ihrem Übergang an Limpurg im Städtekrieg zerstört worden ist. (Auch
im jetzigen Herzogthum Nassau gab es ein Schloß Cranichsberg oder
Cransberg.)


Michelbach an der Bilz,

Gemeinde III. Kl. mit 1069 Einw. a. Michelbach an der Bilz, Pfd. 398 Einw.,
wor. 4 Kath. b. Adelbacher Wirthshaus, 5 Einw. c. Buchhorn, W.
82 Einw. d. Gschlachten-Bretzingen, W. 163 Einw., wor. 63 Kath. e.
Hagenhof, H. 21 Einw. f. Hirschfelden, W. 141 Einw. g. Kohlhäu, H. 6 Einw.
h. Neummühle, 13 Einw., wor. 5 Kath. i. Rauhen-Bretzingen, W.
195 Einw., wor. 35 Kath. k. Steinbrück, W. 20 Einw. l. Ziegelhütte,
H. 25 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a., d., h. und i. sind nach Steinbach eingepfarrt.

Die Gemeinde ist auf der nördlichen Spitze des Bezirkes ausgebreitet
und grenzt westlich, nördlich und östlich an das Oberamt Hall. In einer
Länge von 1 {{Bruch|1|2}} St. bildet der Kocher auf der westlichen Seite die Oberamtsgrenze. Die Hälfte etwa, dem rechten Kocherufer entlang, ist eine
hin und wieder durch Schluchten unterbrochene Ebene, indeß die andere
Hälfte bergig und meist bewaldet ist. Namentlich erheben sich gegen Osten
bewaldete Berge, deren nördlicher Ausläufer der dem Oberamt Hall angehörige Einkorn ist und die sich gegen Süden mit dem Adelberg schließen.
In den Niederungen hat der Boden Thon, auf der Höhe leichten Sand,
und ist im Ganzen fruchtbar. Von den östlichen Waldgehängen treten
der bei Rauhen-Bretzingen entspringende Remsbach und andere kleine
Gewässer in den Kocher, indeß der unterhalb Kohlhäu entspringende
Adelbach einen weitern Verlauf gegen Süden nimmt. Quellwasser ist
überall zur Genüge; bei den meisten Häusern ein eigener Pump- oder
Zieh-Brunnen; in Michelbach sind einige laufende Brunnen. Ein Hauptübelstand ist, daß die Gemeinde so wenige Verbindungsstraßen hat, daß
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man erst seit Errichtung der Brücke bei Neumühle, jedoch nur mit bedeutendem Umweg, in die Oberamtsstadt gelangen kann, woraus auch folgt, daß
der Verkehr mit dem gelegeneren Hall mehr lebhaft ist. In der Nähe von
Michelbach werden ausgezeichnet gute und schöne Werksteine gebrochen.
Das Clima ist das mildeste des Bezirkes. Der Menschenschlag ist gesund und kräftig. Die Einwohnerzahl hat in den letzten 65 Jahren kaum um
{{Bruch|1|4}} zugenommen. In Michelbach, Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen sieht man, wie in dem angrenzenden Oberamt Hall, viele recht stattliche Bauernhäuser, das Gebälke meist mit rother Ölfarbe angestrichen,
und von Gärten umgeben. Die Vermögensverhältnisse sind nur relativ
günstig; der Wohlstand, der noch vor 20 Jahren herrschte, hat durch die allgemeinen Ursachen sehr gelitten. Die Hauptnahrungsmittel sind Ackerbau und Viehzucht. Die zwischen Michelbach, Rauhen-Bretzingen,
Gschlachten-Bretzingen und Hirschfelden abgetheilte Markungsfläche beträgt 5829 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1463 6/8 M. Wald und 579 {{Bruch|1|8}} M. Weiden
und Öden, also noch 3,5 M. Baufeldes auf den Kopf. Der Zustand der
Landwirthschaft ist zwar nicht glänzend, mit den übrigen Gemeinden verglichen aber nicht unerfreulich, da über das eigene Bedürfniß noch Brodfrucht verkauft werden kann. Größere Güter sind zwar vorhanden, aber nicht geschlossen. Die Brache wird selten angebaut, obgleich die besseren
Güter dieß lohnen würden. Der schwere Thonboden verlangt zur Beackerung in der Regel 4 Stücke Anspann. Die vorherrschende Winterfrucht ist Dinkel und Roggen, häufig mit einander gemischt; als Sommerfrucht werden hauptsächlich Haber, dann Gerste und Hülsenfrüchte
gebaut; Einkorn kommt häufig sowohl im Sommer- als im Winter-Felde
vor. Seitdem die Kartoffelkrankheit zugenommen, wird Buchweizen,
Hirse und Wälschkorn angebaut. Der Bau von Angersen ist im Zunehmen. Von Futterkräutern finden sich Klee, Esparsette und Luzerne. Der
Gartenbau, obwohl er lohnend wäre, ist vernachlässigt. Die Wiesen sind
meist zweimähdig und geben vortreffliches Futter. Ein Morgen Ackers
kostet 20–110 fl., Wiesen 40–200 fl. Der Weinbau, in früheren Jahrhunderten an sämmtlichen südlichen Bergabhängen betrieben, hat längst
aufgehört. Die Obstzucht hebt sich neuerlich mehr und mehr; namentlich
zeichnet sich Gschlachten-Bretzingen aus. In Michelbach sind zwei Baumschulen, die der Gemeinde und die des Pfarrers Troll, welcher sich seit
Jahren auch des Unterrichts der Kinder in der Obstbaumzucht angenommen hat (S. 60). Die Zwetschge wird groß und gut, wie überhaupt
das dortige Obst zu dem besten des Bezirkes gehört. Nußbäume finden
sich namentlich in Buchhorn. Bei Kohlhäu wurde 1757 die erste Limpurgische Lärchen-Pflanzung vorgenommen (Prescher II, 336). Die
Rindviehzucht ist in sehr gutem Zustande; das Vieh sehr schön. 
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Dasselbe wird theils gemästet verkauft, theils zur Nachzucht verwendet, welche
ein Haupterwerbszweig ist. Die vier Hauptorte haben eigene Schäfereien
mit mittelfeinen schönen Thieren. Es findet ziemliche Hammelmastung
Statt. Gänsezucht wird in Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen stark,
Bienenzucht ziemlich stark betrieben. Von Gewerben sind blos die Mühle
and die Ziegelhütte zu erwähnen. Manche Einwohner finden in dem
nahen Steinsalzwerk Wilhelmsglück und in der chemischen Fabrik bei
Ödendorf ihr Brod.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die
Vermögensverhältnisse der Gemeinde- und der Stiftungs-Pflege sind
den günstigen beizuzählen. Wie die kirchlichen, so sind auch die Schulverhältnisse geregelt. Die Zehenten gebührten der Standesherrschaft
Limpurg-Michelbach, mit Ausnahme der beiden Bretzingen, wo sie theilweise dem Staat, und Hirschfelden, wo Theile der Pfarrei Michelbach
und dem Freiherrn v. König zu Hirschfelden, der auch einige Zehentrechte
in Michelbach hat, gehörten.

Sämmtliche Orte bildeten ganz oder theilweise einen Theü der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Michelbach, Amts Michelbach; wie zu derselben auch die Comburgischen Antheile von Rauhen-Bretzingen und Hirschfelden 1805 auf kurze Zeit gekommen, ist S. 106 bemerkt, wo auch der
frühere Bestand der grundherrlichen Rechte zu finden ist. Ein Theil von
Gschlachten-Bretzingen kam erst 1808 vom Oberamt Vellberg zum Oberamt Gaildorf.

Die einzelnen Orte betreffend; so liegt

a) das ev. Pfarrdorf Michelbach, welches den unterscheidenden
Beisatz von dem in südlicher Richtung liegenden Bergrücken „Bilz“ hat,
2 St. nördlich von Gaildorf, auf der zuvor erwähnten Fläche. Es ist
ein langes, von Westen nach Osten gebautes Dorf, mit gut aussehenden,
oft ziemlich weit auseinander stehenden, von Gärten umgebenen Gebäuden. Das Aussehen wäre bei größerer Reinhaltung der Straßen noch
freundlicher. Michelbach ist der Sitz eines standesherrlichen Rentbeamten
und Revierförsters.

Die 1587 erweiterte oder renovirte Kirche zum h. Michael, am östlichen Ende des Ortes, ist gothischen Styls und hat am Thurme die
Jahreszahl 1492. Im Innern ist ein Freskogemälde mit der Jahreszahl
1517, welches den damaligen Orts-Geistlichen Lorenz Reuchlin mit Frau
und 11 Kindern und der Überschrift: „Ora pro nobis beata virgo Maria“
abbildet. Der Thurm ist älter; er ist viereckig und geht vom zweiten in
das dritte Stockwerk in's Achteck über. Die Thurmfenster sind durch
kleine, zurückstehende Säulchen in zwei gleiche Theile getheilt; auch findet
sich außen an jedem Stockwerke der Rundbogenfries: Merkmale, die 
{{Seite|172
wenigstens auf das zwölfte oder dreizehnte Jahrhundert zurückdeuten. Von
den beiden Glocken hat eine in gothischen Minuskeln die Umschrift:
„Anno dom. MCCCCLXXV o rex glorie christi veni cum pace.“ Die
Kirche und das auf dem höchsten Punkte des Ortes gelegene Pfarrhaus
hat die Stiftungspflege zu erhalten. – Das Schloß, in Folge des Heirathsbriefes Schenk Wilhelm's und Dorothea Reuß von Plauen 1618–1622 erbaut und der letztern zum Widdum bestimmt, hat drei massive Stockwerke und einen Treppenthurm, ist hoch und weithin sichtbar. Es
wird schon lange nicht mehr bewohnt. In dem anstoßenden, aus 3 Flügeln bestehenden, Gebäude wohnen der Rentbeamte und der fürstliche
Revierförster. Eine Zierde des Ortes ist das 1843–1844 von der Gemeinde massiv erbaute Schul- und Rath-Haus von 3 Stockwerken. Zur
Pfarrei, deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, hat die
Standesherrschaft zu nominiren. Neben der Volksschule besteht eine Industrieschule; erstere hat 160 fl. Stiftungen und 100 fl. Fonds.

Michelbach wird 1080 erstmals genannt, und zugleich die Pfarrei mit
Zehenten als eine Schenkung der Grafen Burkardt, Rugger und Heinrich
von Comburg an das von ihnen gestiftete Kloster Comburg bezeichnet.
Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 an Conrad von Rinderbach,
Bürger zu Hall, seine Güter zu „Michelbach zwischen Buchhorn und
Brötzingen, da die Kirche innsteht“, bestehend aus 1 Hof, 8 Huben und
einigen Sölden, um 160 fl., welche dieser noch in demselben Jahr als
frei und eigen an Limpurg verkaufte, das 1411 u. f. 10 weitere
Güter von den Haller Bürgern Eisenhut, Eberhard und Stetten erwarb,
und um dieselbe Zeit auch den Blutbann, der sich bis Comburg und Steinbach erstreckte, vom Reich zu Lehen erhielt. So besaß Limpurg 1730 mit
aller Obrigkeit 8 Höfe oder Huben, 12 Söldner und 13 Häuslein, 1741
mit 33 Wohngebäuden und 38 Unterthanen. Bei der S. 98 erwähnten
Theilung der Herrschaft Obersontheim 1744, fiel der Antheil Limpurg-Sontheim-Michelbach an das Haus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg,
welches bis 1806 alle landesherrlichen Rechte, einschließlich des Episcopats, ausübte.

Das Kirchen-Patronat kam zu unbekannter Zeit von Kloster Comburg an Hohenlohe und Limpurg, welche die Pfarrei abwechslungsweise
vergaben, bis 1541 Hohenlohe seine Rechte ganz an Limpurg abtrat, wogegen jenes die Kirchen Braunsbach und Gailenkirchen ausschließlich
erhielt (Wibel II, 428). Ein Pfarrer, Namens Seyfried, wird 1347 genannt (ebenda I, 164). Anna Berler, Bürgerin zu Hall, verkauft 1417
ein Gut zu Uttenhofen an die Kirche zu Michelbach, unter der Bedingung, daß im Chor derselben ein ewiges Licht brenne (ebenda III, 115).
{{Seite|173
b) Adelbacher Wirthshaus, 1 St. südlich von M. (Michelbach) auf Buchhorner Markung, in der Tiefe des krebsreichen Adelbachs,
wurde 1788 wegen der damaligen Frequenz des durch den Adelbach führenden Weges, der aber jetzt nicht mehr befahren werden kann, erbaut.

c) Buchhorn, {{Bruch|3|4}} St. südlich von M., ein hochgelegener, aus zerstreut umherstehenden Häusern bestehender Weiler; auf derselben Stelle,
wo die Veste Buchhorn stand, aus deren Gütern die Sölden erst 1535
gezogen wurden. Die Güter sind wegen ihrer schroffen Abhängigkeit
schwer zu bauen, aber dennoch fruchtbar. Limpurg hatte 1741 hier 6
Söldner in 6 Wohngebäuden. Im J. 1590 und später waren noch
Weinberge da.

Auf einer nordwestlichen Ecke des auf drei Seiten steilen Berges
stand, eine weite Aussicht beherrschend, die Veste Buchhorn, von
deren ältesten Geschichte nichts bekannt ist. Die Sage will wissen, daß
sie einst mit dem nahen Westheim den Kochergaugrafen gehört habe.
Später besaßen sie die Grafen von Ö<section begin=B5 />{{Headline|140|0.2|Frickenhofen,}}

{{Headline|100||Gemeinde II. Kl. mit 1508 Einw. a. Frickenhofen, Pfd. 211 Einw. b. Dietenhof, W. 72 Einw. c. Hirschbach, W. 24 Einw. d. Hohenohl, Hof 16 Einw. e. Hohenrausch, W. 69 Winw. f. Josenhof, H. 20 Einw. g. Käshöfle, H. 35 Winw., wor. 27 Kath. h. Kellershof, H. 15 Winw. i. Lindenreute, H. 18 Einw. k. Linsenhof, W. 37 Einw. l. Metzenshof, W. 24 Einw. m. Mittelbronn, W. mit Brechtenhalden, H. 411 Einw., wor. 91 Kath. n. Ottenried, W. 68 Einw. o. Rappenbühl, 6 Einw. p. Rappenhof, H. 8 Einw. q. Rothenhaar, W. 225 Einw. r. Schöllhof, H. 13 Einw., wor. 5 Kath. s. Spittelhof, W. 11 Einw. t. Steinhöfle. H. 27 Einw. u. Weyher, W. 104 Einw. v. Wildenhöfle, H. 27 Einw. w. Wimberg, W. 43 Einw. x. Wolfs-Mühle, 6 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. n. Fil. von Eschach, die Kath. in Parz. g. sind nach Unter-Gröningen, die in m. nach Spraitbach eingepfarrt.}}

Ein Theil der dem Limpurger Oberland angehörigen Orte dieser Gemeinde liegt auf der bei Eschach erwähnten Hochebene, die hier mit ziemlich schmalem Rücken beginnt, in südlicher Richtung einen ebenso schmalen Ausläufer hat, bei Mittelbronn in schnell wachsende Breite übergeht und westlich und nördlich sich steil abdacht. Die Gemeinde hat zwei erwähnenswerthe Berge: die Hohtanne und den Hohenohl. Die erstere, ein Ausläufer der Hochebene, gewährt eine ausgezeichnete Fernsicht bis Waldenburg, Ellwangen, Kapfenburg und Hohenstaufen; der Hohenohl ist kegelförmig und ragt wohl 40′ über Frickenhofen hervor. Unter einer kaum 1′ tiefen Humus-Erde kommt Thonboden, der ein hartes, hier „Fleinsen“ genanntes Felslager zum Untergrund hat. Dieses geht in den Keupersandstein, auch „Buchstein“ genannt, über, der hier vorzüglich schön ist und vortreffliche Bau- und Schleif-Steine liefert.<section end=B5 />

{{Seite|142}}

Dann folgt Thonmergel oder Leberkies von bedeutender Mächtigkeit. Diese Erdmasse, die sowohl den Lehm- als den Sand-Boden verbessert, ist sehr zum Rutschen geneigt. In der Richtung gegen Mittelbronn findet sich Vitriolschiefer und Vitriolkohle (S. 22), daher hier viele Jahre lang vorzüglicher Vitriol gewonnen und auch nach Steinkohlen gegraben wurde, bis erst vor etwa 20 Jahren die Gruben als ausgebeutet aufgegeben worden sind. Aus dem jene Berge unterlagernden weißen und bunten, nur theilweise zum Straßenbau tauglichen, Sandstein, entspringen die reinsten Quellen von seltener Frische. Am Fuße der Hohtanne ist eine merkwürdige, bis jetzt nur wenig bekannte Schlucht, die „Teufels-Kanzel“ genannt. Von Außen unsichtbar senkt sich der Boden plötzlich fast senkrecht mehr als haustief, und ungeheure Felsen bilden eine etwa 150′ breite höhlenartige Bucht. Unter einem in Gestalt eines Schalldeckels hervorragenden Felsen öffnet sich eine Felsplatte in der Form einer schwer zugänglichen Kanzel, vor welcher sich im Rundkreis ein weiter Zuhörer-Raum ausbreitet. Hinter der Platte öffnen sich zwei unheimlich tiefe Felsspalten, die zu sicheren Schlupfwinkeln dienen und in deren einer eine krtystallhelle Quelle sprudelt. Diese wildromantische Schlucht erregt unwillkürlich die Phantasie, welche bald eine urchristliche Kirche, bald eine Räuberhöhle zu erblicken glaubt. Der Boden der Hochebene ist fruchtbar, die Bergabhänge aber taugen zumal, wegen ihrer großen Reigung zum Rutschen, in der Regel nur zum Waldbau und zur Weide, mit Ausnahme ihrer obersten Theile, welche dem Obstbau sehr günstig sind. Der Thalgrund ist magerer Sand oder sumpfig und strichweise so kalt, daß die Parzelle Hohenreusch nur unter dem Namen „das kalte Loch“ bekannt ist. In diesem kalten Striche, der sich von Gschwend an durch das Rothbach-Thälchen bis Birkenlohe und Hönig herabzieht, ist die Vegetation äußerst gering, die Kartoffeln erfrieren fast alljährlich und das Obst gedeiht selten. Merkwürdig ist, daß in Josenhof seit Menschengedenken kein Sperling sich sehen ließ. Je mehr sich der Boden der Hochebene östlich und südlich gegen Eschach hinzieht, desto mehr verschwindet die Keuperformation, der Liasformation Platz machend, welche im Liaskalk (Gryphitenkalk) unendliche Massen versteinerter Schnecken und andere schöne Versteinerungen enthält und den Kalkbrennern unerschöpfliche Vorräthe darbietet; Die Thäler sind meist Schluchten, von geringen Bächlein bewässert; nur die obere Roth, welche bei Gschwend eine Strecke bergauf zu laufen scheint, treibt einige Mühlwerke. Auf der Höhe tritt nicht selten Wassermangel ein, so daß manche Brunnen geschlossen werden müssen. Röhrbrunnen fehlen; das Wasser der Pumpbrunnen kommt aus sog. Schwitzadern, welche stets eine Auflösung des leimigen Bodens mit sich führen. Die einzige Quelle, am südöstlichen Bergabhange bei Frickenhofen, führt {{Seite|143 viele Schwefeltheile. An großem Wassermangel leidet zuweilen Mittelbronn in Folge der vollständigen Unterhöhlung durch das erwähnte Bergwerk. Bei Linsenhof ist die obere Roth durch einen Damm aufgehalten und bildet dort den 3–4 Morgen großen, mit Karpfen besetzten Hackensee, der Eigenthum der Standesherrschaft Waldeck ist. Der Boden der Hochebene ist durchgängig Lehm, vermischt mit den Urstoffen des Buchsteins, und für die Cultur empfänglich; im Gebiete der Liasformation wird er schwerer. An den Bergabhängen findet sich entweder Thonmergel oder sog. Mehlboden. Der Sandboden ist zwar leicht zu bauen, erträgt aber sehr wenig; er ist strichweise bald zu hitzig, bald zu kalt. Die Luft ist sehr rein und trocken. Es gedeihen Bohnen, Gurken etc. Auf der Höhe ist beständig Wind, der jedoch Sommers kühlt und Winters den Frost mäßigt, wie denn nicht bloß die Hitze, sondern auch die Kälte im Thale heftiger als auf der Höhe sind. Die Ernte beginnt hier 8–10 Tage später als im Thale. Die Gewitter ziehen meist gefahrlos vorüber. Im Ganzen zeigt sich das Klima eher rauh als mild, übrigens für die Gesundheit nicht unzuträglich.

Der Menschenschlag ist kräftig; gleichwohl finden sich hier die wenigsten alten Leute (S. 32). Durch den Bezirk führt die S. 81 erwähnte Straße von Gschwend an die Oberamtsgrenze Aalen. Die Hauptnahrung liefert der Wald und die Arbeiten in demselben; Ackerbau und Viehzucht sind untergeordnet, daher Brodfrucht zugekauft werden muß; Gewerbe nicht erwähnenswerth. Es ist einiger Wohlstand vorhanden, doch hat auch diese Gemeinde mehr arme, als vermögliche Einwohner. Die Markung ist 7143 4/8 M. groß, worunter 2788 {{Bruch|1|8}} M. Wald und 650 2/8 Morgen Weiden und Öden, wonach 2,4 M. Baufeldes einen Kopf treffen. Der Reichthum an Werksteinen von Keuper ist groß; jene von Frickenhofen und Mittelbronn werden oft auf mehrere Stunden verführt. Die oben angegebenen allgemeinen Hindernisse eines Emporblühens der Landwirthschaft gelten ganz besonders dieser Gemeinde. Der Haber, oft im Gemische mit Wicken gebaut, gedeiht in seltener Vollkommenheit, auch der Roggen wird vorzüglich. Dinkel geräth nur auf dem Lehmboden der Hochebene, wird aber selten gebaut. Außer dreiblättrigem Klee und wenigen Runkelrüben werden keine Futterkräuter gebaut. Flachs und Hanf gedeihen gut, deßgleichen rauhe Obstarten. Der Wiesenbau liegt noch im Argen, da es meist an Gelegenheit zur Wässerung fehlt und die Wiesen an sich schlecht sind; daher muß Futter zugekauft werden. Der Waldbau ist großartig; das Holz wird in Pfähle geschnitten, in Schnittwaaren und Bauholz verwandelt, auch sehr vieles verkohlt; der Absatz geht in's Unterland. Das Rindvieh ist sehr dauerhaft und schön, und wird auf den Gschwender Märkten von den Unterländern gesucht. {{Seite|144 Der Gemeindebezirk ist theils dem Forstamte Lorch, theils dem Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig, die Einnahmen der Stiftungspflege zureichend. Schulen sind in Frickenhofen und Mittelbronn. Die Zehenten gehörten bisher theilweise von der Pfarrei Frickenhofen her, dem Staate, mit Ausnahme von Dietenhof, Mittelbronn, Ottenried, Spittelhof und Wildenhöfle, wo die Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf die Zehenten bezog, und einiger der Pfarrei Frickenhofen gebührender Kleinzehentrechte.

Bis 1806 gehörten Frickenhofen, Hirschbachhof, Josenhof, Wimberg und Wolfsmühle in das Kloster-Oberamt Lorch, und kamen 1808 mit Antheil von Mittelbronn vom Oberamt Gmünd zu dem diesseitigen Bezirk; Hohenohl, Hohenreusch, Linsenhof und Rothenhaar waren Theile des Oberamts Schorndorf und wurden 1808 vom Oberamt Welzheim hierher gegeben; Kellershof, Schöllhof und Steinhöfle aber gehörten zur Herrschaft und in das Amt Schmiedelfeld, die übrigen Orte zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf und in das Pückler'sche Landamt Gaildorf.

Von den einzelnen Gemeindetheilen ist Folgendes anzuführen:

a) Das ev. Pfarrdorf Frickenhofen liegt auf dem nördlichen Ausläufer der Hohtanne, 2 {{Bruch|1|2}} St. südlich von Gaildorf, an der oben erwähnten Straße, so hoch, daß sein Kirchthurm auf dem Roßberge bei Tübingen durch Fernröhren zu sehen ist; der Kirchthurmknopf ist 1822 P. F. über dem Meere. Der kleine Ort zählt nur 20, jedoch gute und ansehnliche Wohngebäude. Die massive Kirche zum hl. Nikolaus steht hoch und frei mitten im Dorfe und ist von der Heiligenpflege zu erhalten. Als die alte Kirche, in welcher 1502 zwei Altäre geweiht wurden, 1634 nebst dem Pfarr- und Schul-Haus abgebrannt war, wurde sie zwar 1649–1654 wieder aufgebaut, weil aber zu klein, wieder abgebrochen und 1743 die jetzige aufgeführt. Der massive Thurm mit 2 Glocken aus neueren Zeiten ward 1765 errichtet. Das daneben stehende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Lorch der Staat zu erhalten. Das Schulhaus, worin auch das Rathslokal ist, wurde 1828 erbaut. Die Einwohner, worunter 8 Hofbesitzer, sind ziemlich wohlhabend. Die Pfarrei hat die Krone zu besetzen. An der Schule, die 25 fl. Fond hat, stehen ein Schulmeister und ein Gehilfe. Der Kirchhof liegt um die Kirche her.

Das Dorf, dessen Namen C. Heinze (in Gräter's Bragur VII, 1, 55) von der deutschen Göttin Frigga ableitet, kommt 1293 unter denjenigen Orten vor, wo Kloster Lorch damals begütert war; denn Graf Eberhard von Württemberg verspricht, von dessen Gütern hier und (1322) von denen in Mittelbrunnen kein Vogtrecht zu nehmen. Dasselbe besaß 1574 {{Seite|145 in Frickenhofen 5 Güter; es kaufte 1364 von Conrad im Steinhaus, Vater und Sohn, Bürgern von Gmünd, 2 Güter, welche 3 weitere Güter 1363 an Graf Eberhard von Württemberg verkauften. Die übrigen Güter und Rechte Lorchs dürften von den Hohenstaufen herrühren, da K. Karl IV. 1347 dem Kloster das Privilegium ertheilte, daß Niemand, der die Veste Staufen inne habe, ein Vogtrecht setze auf des Klosters Güter zu Frickenhofen, Muthlangen, Roth (Täferroth) etc. Kaiser Maximilian bestätigt 1505 diesen Besitz. Weitere Herren des Ortes waren Limpurg, das 4 Güter, deren eines der Besitzer 1450 den Schenken giltbar gemacht hatte, und die Stadt Gmünd, die ein Gut, je mit Vogtei besaßen. Im J. 1674 ist von Wiesen am „Haalbronnen“ und von einem Acker, genannt der „Weinberg“, die Rede. Im J. 1807 gehörten 113 Einwohner zum Oberamt Lorch, 9 zum Oberamt Schorndorf; der Limpurgischen waren es 1785 – 18.

Die Pfarrei ist alt, obwohl ihr erst 1488 Erwähnung geschieht. Das Patronat stand dem Kloster Lorch zu. Nach der Hinrichtung des hiesigen Pfarrers Kirschenbeißer (oben S. 109) kam ein Johannes Vischer auf den Dienst, der am 1. Sept. 1525 gegen den Abt einen noch vorhandenen Revers ausstellte, wodurch er sich unter Anderem verpflichtete „quod nullam concubinam sine enormiter suspectam mulierem mecum ac in domo mea siue exsovere ac seruare velim.“ Der erste evangelische Pfarrer, von Erhard Schnepf an Laurentien-Tag 1537 hierher verordnet, war Georg Perger von Salzburg. Damals hatte der Ort 13 Wohnhäuser und 50 Communicanten. Im 30jährigen Kriege wurde die Pfarrei mit Meß-Priestern besetzt, und später mit jener in Täferroth verbunden, was sie 1652 noch war. – Das Dorf wurde 1525 von den Bündischen, wohl wegen der Theilnahme im Bauernkriege, eingeäschert; dasselbe geschah, wie erwähnt, 1634; 1626 herrschte die Pest. Die vereinigte Pfarrei Frickenhofen-Thonolzbronn, die 1827 1700 Einwohner hatte, zählte noch 1665 deren nur 238.

b) Dietenhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. (Frickenhofen) auf dem zuvor erwähnten südlichen Ausläufer der Hochebene, am Bergrande; kam mit Birkenlohe an Limpurg und hatte 1741 nur einen Unterthanen und einen Beisitzer.

c) Hirschbach, auch Hirschbachhof, {{Bruch|3|4}} St. westlich von F., links über dem Roththälchen, war als Eigenthum des Klosters Lorch stets mit F. verbunden.

d) Hohenohl, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von F. an dem Berge Hohenohl, rings von Staatswald umgeben, an der Landstraße von Gaildorf nach Welzheim, auf der Markung von Rothenhaar. Der Hof gehörte

{{Seite|146 als altwürttembergisch in den Stab Plüderhausen; 1845 kaufte ihn der Staat zur Ausforstung und setzte einen Forstwart hin.

e) Hohenreusch, 1 St. südwestlich von F. auf einer Höhe zur Linken des Roththälchens. Auch dieser Hof war ein Zugehör des altwürttembergischen Stabes Plüderhausen.

f)	Josenhof, auch Joosenhof, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von F. auf der Höhe zwischen dem Joosen- und Rothbach-Thälchen, war als Lorchisch stets mit F. verbunden.

g) Käshöfle, {{Bruch|1|2}} St. östlich von F. im Wald, auf der Markung von Mittelbronn.

h) Kellershof, 5/8 St. südöstlich von F. im Walde, wurde um 1600 auf Ottenrieder Boden angelegt.

i) Lindenreute, auch Lindenhöfle, {{Bruch|1|2}} St. südlich von F. wie Dietenhof gelegen, auf Mittelbronner Markung, zu Ende des letztverflossenen Jahrhunderts angelegt.

k) Linsenhof, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von F. auf der Höhe zwischen dem Rothbach- und Sägbach-Thälchen. Dabei eine Sagmühle. Eine altwürtembergische Besitzung im vormaligen Stabe Plüderhausen.

l) Metzlenshof, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von F. im Metzlenswald, gehörte zur Caplanei Gebenweiler und kam 1535 an Limpurg.

m) Mittelbronn, ehemals Mittelbrunnen, {{Bruch|1|2}} St. südlich von F. am Waldsaume und an der Landstraße gegen Aalen. Dazu gehört das Haus Brechtenhalden. Der Ort zählt doppelt so viel Gebäude als F. Das Schulhaus wurde 1842 mit 400 fl. Staatsbeitrag erbaut. Die Schule hat 36 fl. Fond. – Auch hier saßen freie Bauern noch lange auf ihrem Eigen; von 1564 bis 1613 machten 8 Bauern den Schenken und 1540 einer dem Stifte Compurg ihre Güter „um Schirm und Schutz willen“ vogtbar, dienstbar und fallbar. Limpurg hatte 1741 hier 2 Bauern, 5 Söldner und 7 Häusler. Auch das Kloster Lorch (s. Frickenhofen) und die Reichsstadt Gmünd waren am Ort betheiligt; 1807 gehörten zu ersterem 53, zu letzterem 87 Einwohner.

Herzog Friedrich I. von Württemberg ließ hier 1596 ein Steinkohlen-Bergwerk eröffnen, welches jedoch neben der in Frickenhofen errichteten Schwefel- und Vitriol-Hütte nur wenige Jahre betrieben und sofort wieder aufgegeben wurde, wahrscheinlich, weil es bei den niederen Holzpreisen nicht einträglich war, obwohl die Steinkohlen sehr gut gewesen seyn sollen (Prescher II, 316). Über das Bergregal gerieth der Herzog mit den Mitherren des Ortes, den Schenken, in Streit, in welchem er die Herrschaft Welzheim, die sie von ihm zu Lehen hatten, und das Dorf Schnaith mit gewaffneter Hand einnehmen ließ. Eine Gewerkschaft ließ 1784 auf's Neue graben, und fand außer Steinkohlen auch Schwefelkies, {{Seite|147 Achat und eine Art Jaspis; auch dieses Unternehmen hatte aber, wie bemerkt, keinen Fortgang.

n) Ottenried, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von F. auf der Hochebene, am Waldsaume. Ein Gut erwarb Limpurg 1436 mit Gröningen; 3 weitere bis dahin freie Güter wurden ihm 1562 bis 1613 vogtbar und lehenbar gemacht. Zwei Güter gehörten dem Heiligen zu Heerberg. So hatte Limpurg 1741 in 6 Wohnhäusern 2 Bauern und 4 Söldner.

o) Rappenbühl, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von F. auf der Höhe, auf der Markung von Linsenhof.

p) Rappenhof, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von F. über dem rechten Ufer des Rothbachs, zunächst bei Rappenbühl.

q) Rothenhaar, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von F. auf einer Höhe beim Hohenohl, an der mehrerwähnten Landstraße. Der stark bevölkerte Ort hat kaum 30 M. Baufeldes; er ist altwürttembergisch und war dem Stabe Plüderhausen einverleibt.

r) Schöllhof, {{Bruch|3|4}} St. östlich von F. Ein kleines 1740 angelegtes Gütchen.

s) Spittelhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. gegenüber von Dietenhof; ein 1708 angelegtes Söldnergütchen.

t) Steinhöfle, {{Bruch|1|2}} Stunde nordöstlich von F., 1732 im Metzlenswald angelegt.

u) Weihe, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von F. auf dessen Markung, an der Landstraße; eine neuere Ansiedelung.

v) Wildenhöfle, 1 St. südlich von F.; ein 1706 angelegtes Söldnergütchen.

w) Wimberg, früher Winnberg, {{Bruch|3|4}} St. östlich von F. Ursprünglich ein großer Hof, dessen eine Hälfte 1522 die Pfarrei Frickenhofen kaufte, die andere aber Lorch zuvor schon zustand. So wurde der ganze Ort Lorchisch. „Kleewiesen“ werden schon 1522 genannt.

x) Wolfsmühle, {{Bruch|3|4}} St. südlich von F. an dem Rothbach, war schon 1537 Lorchisch und stets mit F. verbunden.

Der Volkssage nach soll nicht weit von Rothenhaar, in der Tiefe des Waldes, ein Kirchdorf gestanden haben.

{{Seite|148

Geifertshofen.

Gemeinde III. Kl. mit 725 Einw. a. Geifertshofen, Pfd. 435 Einw., wor. 8 Katholiken. b. Gantenwald, H. 20 Einw. c. Hambacher-Mühle, 9 Einw. d. Imberg, W. 54 Winw. e. Immersberg, W. 36 Winw. f. Klingenbacher-Sägmühle, 5 Winw. g. Leippersberg, H. 21 Kath. h. Reitenhaus, H. 12 Einw. i. Säghalden, W. 26 Einw. k. Schärtlens-Sägmühle 6 Einw. l. Theuerzer-Sägmühle 11 Einw. m. Trögelsberg, W. 35 Einw., wor. 7 Kath. n. Weissenhof, Hs. 12 Einw. o. Wurzelhof, H. mit Wurzelbühl, H. u. Wurzelhaus, Hs. 43 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. u. m. sind nach Bühlerzell, die in Parz. g. nach Bühlerthann eingepfarrt.

Die Gemeinde erstreckt ihren Besitz über dem rechten Kocherufer der östlichen Grenze gegen das Oberamt Ellwangen entlang auf den gegen die Fischach und die Bühler abfallenden Limpurger Bergen, und hat gegen das Bühlerthal 3 Ausläufer, die auf ihrer Höhe angenehme Aussichten nach dem Aalbuch und gegen Ellwangen und Hall gewähren, aber mehr bewaldet als angebaut sind. Der Bezirk ist von einem Theile der Fischach, kurz vor ihrer Einmündung in die Bühler, und von drei gegen Osten streichenden, an den Seiten bewaldeten, kurzen Thälchen durchschnitten, die vom Römersbach, Gunzenbach und Klingenbach nebst mehreren Zuflüssen bewässert sind. Die Fischach setzt manchmal das Thal unter Wasser. Der Klingenbach, in Weihern gesammelt, treibt drei kleinere Sägmühlen; der kürzere aus einem Weiher entspringende Hahnbach setzt nur zeitweise eine solche in Bewegung. Die Luft ist rein und kühl, doch etwas milder als im Fischachthal, frisch und sehr gesund. Frühlingsfröste und Hagel sind selten. Der leichte, aus rothem Sand bestehende Boden mit steinigem Untergrund, ist nicht sehr ergiebig. Zwei Brüche liefern feinkörnigen, rothen Sandstein von geringerer Härte, unter welchem Mergel lagert, der zu Besserung der Wiesen verwendet wird. Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind mittelmäßig, ihre Hauptnahrungsquellen Feldbau, besonders Viehzucht und Waldnutzung. Das Erzeugniß an Brodfrucht entspricht nicht ganz dem eigenen Bedürfnisse. Die Markung umfaßt 4327 {{Bruch|1|8}} M., worunter 2116 {{Bruch|1|8}} M., also nahezu die Hälfte Wald und 482 {{Bruch|1|8}} M. Weiden und Öden, worüber 2,4 M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau hebt sich und die Mistjauche beginnt zu Rathe gehalten zu werden. In Geifertshofen selbst findet bis zum Herbste Stallfütterung statt, sonst aber wird das Vieh auch den Sommer über noch geweidet. Auf den Höhen wird meist Roggen und Haber, auf rauheren Plätzen neuerlich auch trefflich gedeihendes Heidekorn gebaut. Von Futterkräutern finden sich Wicken und namentlich rother Klee. Die Wiesen, auf deren Bau viel Fleiß verwendet wird, geben vieles und gutes Futter, da die an den Abhängen gelegenen meist gewässert {{Seite|149 werden können. Ein M. Ackers wird zu 50–300 fl., Wiese 150–400 fl. verkauft Die Obstzucht ist unbedeutend. Das Holz wird theils als Brenn- und Bau-Holz verkauft, theils zu Pfählen verarbeitet. Die Rindviehzucht, als die Hauptnahrungsquelle, wird sehr gepflegt. Außer dem Limpurger und Leinthaler Schlag ist hier auch der Neuburger anzutreffen. Geifertshofen hat zwei Viehmärkte. Gänse werden viele gezogen und jung verkauft. Von Handwerkern sind nur die notwendigsten vorhanden.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die Mittel der Gemeindepflege sind nach Verhältniß nicht ungünstig. Das Vermögen der Stiftungspflege ist hier, nächst Ober-Fischach, am Größten. Lorenz Vogelmann von Weissenhof stiftete 1838 für arme alte Leute der Gemeinde ein Capital von 500 fl. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geordnet. Die Zehenten gebührten, von der Herrschaft Limpurg her, dem Staate, {{Bruch|1|3}} von Leippersberg ausgenommen, das zur Standesherrschaft Limpurg-Michelbach gehörte.

Bis 1806 gehörten Leippersberg mit Antheil an Immersberg zur Herrschaft und in das Amt Obersontheim, Theuerzer-Sägmühle in den Stab Comburg und die übrigen Orte, die bis 1774 einen Theil der Herrschaft Obersontheim gebildet hatten, zu der schon 1781 für Württemberg erworbenen Herrschaft und zum Amte Schmiedelfeld. Die Theuerzer-Sägmühle kam 1803 an Württemberg und 1808 vom Oberamte Vellberg zu dem Oberamte Gaildorf.

Einzelne Orte der Gemeinde:

a) Geifertshofen, das evang. Pfarrdorf liegt freundlich, 2 {{Bruch|1|2}} St. östlich von Gaildorf, in einer zwischen drei Waldvorsprüngen gebildeten Vertiefung, an dem vor dem Orte aus dem Reutenbach und dem Kochklingenbach sich bildenden römischen Bach, der denselben in zwei merkliche Hälften theilt. Die nicht sehr geräumige Kirche, welche von der Stiftungspflege zu erhalten ist, wurde nach dem Brande vom 24. April 1626 wieder errichtet. Das frei und angenehm gelegene Pfarrhaus hat der Staat 1822 neu erbaut. Das alte Schulhaus wurde schon 1650 erweitert; das jetzige, mit dem Rathhause verbundene, 1836 auf dem alten Kirchhofe erbaute Haus, ist sehr ungesund, da Todte und Lebende nur durch einen Bretterboden getrennt sind. Der Schulfond beträgt 113 fl. 55 kr. Geifertshofen ist seit 1813 marktberechtigt; im J. 1774 hatte es 271 Einwohner. Der Boden ist, da Mergel vorherrscht, fruchtbarer als in den anderen Parzellen.

Der Ort, dessen Name von dem alten Mannsnamen Geiselbrecht herzuleiten ist, wird 1085 erstmals genannt, wo Adelbert von Bilrieth bei seinem Eintritt in das Kloster Comburg diesem seine Güter in {{Seite|150 Giselbrechtshouen, Altenwineden und Tiurzis schenkt. Um 1100 übergibt Egesbertus de Hesendal demselben Kloster zwei Mansus in Giselbrechteshouen. (Wirt. Urk.-Buch I, 395. 404.) Comburg belehnte mit diesen Besitzungen die Herren von Weinsberg, die dieselben wieder in Afterlehen gaben. Ruff Guldin, Bürger zu Hall, verkauft 1417 an Schenk Conrad das ganze Gericht, die Taferne, den Hirtenstab, die Badstube, 1 Hof, 17 Güter und die Vogtei an dem Holz, das zu dem Dorf gehört, und 1419 verkauft der Reichskämmerer Conrad von Weinsberg an Limpurg seine Rechte an diesen Gegenständen nach vorangegangener Entschädigung Comburgs. Doch kauft noch Weinsberg 1425 von Heinrich Fickel um 300 fl. seine Rechte (Ludewig reliq. XII, 616). Drei andere Güter, die 1397 Hans von Kottspühl besessen, kamen an Ellwangen und 1578 an Limpurg, das auch 1541 zwei weitere Güter von Hall erwarb. Den obern und mittlern See bei dem Dorf hatte Hall 1423 von Hans von Vellberg erkauft. Zwei Gütchen waren dem hiesigen Heiligen lehenbar. Im J. 1741, wo der Ort aus 36 Wohnhäusern mit 10 Hofbesitzern, 16 Söldnern, 10 Häuslern und 1 Hirten bestand, worüber Limpurg alle Vogtei und Hoheit hatte, besaß Comburg nur die Eigenthumsgilten aus 19 Lehen.

Die Pfarrei ist gleichfalls von hohem Alter und kam 1079 durch die Grafen von Comburg als Schenkung an das Kloster Comburg (Comb. Copialbuch). Die Ernennung des Pfarrers blieb bei Comburg, das Epiceopat aber kam bei der Reformation an die Schenken zu Obersontheim. Der Bischof von Würzburg sträubte sich hiegegen und fiel bei Erledigung der Pfarrei am Stephanstage 1587 mit einigen 20 Reitern und 100 Schützen in Geifertshofen ein, ließ die Kirche gewaltsam öffnen und setzte einen Geistlichen ein. Schenk Friederich aber kam am andern Tage auch mit bewehrter Mannschaft und vertrieb den neuen Pfarrer. Die Sache wurde 1592 verglichen (Prescher I, 326) und das Episcopatrecht ging später an Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, und mit diesem 1781 an Württemberg über, das 1803 auch das Patronatrecht erhielt.

Am 24. April 1626 brannten mit der Kirche viele Häuser ab.

b) Gantenwald, {{Bruch|3|4}} St. südlich von G. (Geifertshofen) im Wald auf der Oberamtsgrenze, ein kleines 1540 auf einer Weide angelegtes Gütchen.

c) Hambacher-Mühle, besser Hahnbacher-Sägmühle, 1 St südlich von G. im Wald, am Hahnbach. Neuern Ursprungs.

d) Imberg oder Wimberg, {{Bruch|1|4}} St. südlich von G. auf der Höhe. Anfänglich 2 Höfe, die Limpurg 1578 von Ellwangen einwechselte. Noch 1741 waren hier nur 2 Unterthanen.

e) Immersberg, auch Nimmersberg, {{Bruch|3|4}} St. südlich von {{Seite|151 G. am Walde, auf der Höhe. Der schon 1442 als Weiler bezeichnete Ort bestand gleichfalls aus 2 Höfen, wovon der eine, in's Amt Obersontheim gehörig, dem Heiligen in Mittelstschach lehenbar war, der andere, in's Amt Schmiedelfeld gehörig, 1442 von Hans von Thalheim durch die Schenken erkauft ward. Noch 1741 waren blos 2 Bauern hier. Am 6. August 1842 brannten 3 Wohngebäude, zugleich vom Blitz entzündet, ab.

f) Klingenbacher-Sägmühle, 5/8 St. südlich von G. auf Immersberger Markung, am Klingenbach.

g) Leippersberg, früher Luppoldsberg, {{Bruch|1|2}} St. nordwestlich von G. auf dem Leippersberg, jenseits der Fischach, auf der Oberamtsgrenze. Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 den Hof Luppoltzberg bei Thann um 70 fl. an Eberhard, Bürger zu Hall; dessen Sohn Luppold Eberhard, Pfarrer zu Mittelfischach, verkaufte ihn 1411 an Conrad Knopf, Caplan, der ihn an des h. Kreuzes Altar in der St. Michaelskirche zu Hall stiftete; 1562 erwirbt Limpurg von der Stadt Hall diesen Hof, auf welchem 1741 3 Bauern saßen, und erwechselt 1578 auch von Ellwangen den Zehenten.

h) Reitenhaus, ? St. von G. am Reutenbach und sollte daher Reutenhaus heißen. Eine neuere Anlage.

i) Säghalden, auch Seeghalden, {{Bruch|1|2}} St. südlich von G. über dem Klingenbach. Um 1550 wurden 3 neue Güter angelegt.

k) Schärtlins-Sägmühle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von G. am Klingenbach. Gehört zu Trögelsberg.

l) Theuerzer-Sägmühle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von G. auf dessen Markung, am Klingenbach. Dabei lagen noch 1657 die bei G. genannten See'n. Die Mühle ist der Überrest des Ortes „Tiurzis“, der mit G. an Comburg geschenkt ward. S. auch Winzenweiler.

m) Trögelsberg, früher Trägelsberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von G. über dem Gunzenbach. Um 1500 wurden 2 Güter, 1562 ein drittes angelegt; 1741 waren schon 42 Einwohner hier.

n) Weissenhof, {{Bruch|1|8}} St. nordöstlich von G. auf dessen Markung, auf einer waldigen Höhe ausgezeichnet schön gelegen, wurde 1721 in dem Walde Weissenberg, welchen Limpurg 1578 von Ellwangen gekauft, angelegt.

o) Wurzelhof, mit Wurzelbühl und Wurzelhaus, 3/8 St. südlich von G. bei dem Gunzenbach. Wurzelhof kam 1578 durch Tausch von Ellwangen an Limpurg; Wurzelbühl und Wurzelhaus wurden 1619–1622 angelegt. Der Weiler hatte 1741 10, 1790 schon 23 Einwohner. {{Seite|152

Gschwend.

Gemeinde II. Kl. mit 2009 Einw. a. Gschwend, Pfd. 1009 Einw., wor. 4 Kath. b. Birkhof, W. 137 Einw. c. Buchhöfle, H. 33 Einw. d. Dinglensmad, W. 117 Einwohner. e. Geschwender-Mühle, 25 Einw. f. Haldenhäusle, Hs. 11 Einw. g. Hasenhöfle, H. 34 Einw. h. Hetschenhof. H. 6 Einw. i. Hetzenhof, W. 45 Einw. k. Hohenreut, W. 33 Einw. l. Hollenhöfle, Hs. 6 Einw. m. Hollenhof, H. 6 Einw. n. Hugenhof, W. 34 Einw. o. Humbach, W. 32 Einw. p. Humberg, W. 30 Einw, q. Letttnhäusle, Hs. 11 Einw. r. Marzellenhof, H. 8 Kath. s. Mühläckerle, W. 24 Einw. t. Oppenland, Hs. 7 Einw. u. Rauengehren, Hs. 6 Einw. v. Roßsumpf, Hs. 12 Einw. w. Schlechtbach, W. mit Reisenhöfle, Hs. 183 Einw., wor. 85 Kath. x. Schlechtbacher-Sägmühle, 3 Kath. y. Schmidhügel, 57 Einw., wor. 4 Kath. z. Seelach, W. 54 Einw. aa. Steinenforst, W. 16 Einw. bb. Straßenhaus, W.16 Einw. cc. Straßenwald, H. 4 Einw. dd. Waldhaus, 50 Einw. – Ev. Pfarrei; Parz. i. u. w. Fil. v. Frickenhofen. Die Kath. in Parz. r. w. x. u. y. sind nach Spraitbach eingepfarrt.

Der Gemeindebezirk, hoch auf dem Rücken des Welzheimer Waldes, der hier auch Gschwender-Wald heißt, gelegen, bildet eine von verschiedenen Thälern und kleinen waldigen Anhöhen umgebene Hochebene; der bei Altersberg erwähnte Haagberg ragt westlich etwas herein. Südwestlich beginnt mit dem Hohfeld ein fast 2 Stunden langer, in seiner größten Brette {{Bruch|1|4}} Stunde messender Ausläufer, der sich bis in das Oberamt Welzheim erstreckt. An immer fließenden Quellen und reinem Trinkwasser ist kein Mangel. Erwähnenswerth ist nur der bei Dinglensmad entspringende Schlechtbach, mit welchem sich der Schlenken- und Rothbach vereinigt; auch sind noch einige Weiher vorhanden. Der Boden ist meist leicht, sandig und wenig fruchtbar, mit Ausnahme des zuvor gedachten Ausläufers, wo der fruchtbarere gelbe Lehm vorherrscht. Die Luft ist zwar scharf, aber rein und trocken. Im Übrigen ist Frickenhofen zu vergleichen. Durch die Gemeinde ziehen die Landstraßen von Welzheim nach Gaildorf und nach Murrhardt, die Amtskörperschafts-Straßen von Gschwend über Frickenhofen an die Oberamtsgrenze Aalen und von Gschwend über Hinterlinthal nach Gmünd und Süßen. An manchen Stellen sind die Straßen ganz in den Sandstein eingehauen, der auch oft mitten in den Feldern als Kegel hervorsteht. Daher liegen Steinbrüche überall zu Tag, welche jedoch nur gröberes Korn liefern. Was früher von Wohlstand in der Gemeinde war, ist größtentheils unter der schlechten Verwaltung eines frühern Ortsvorstehers zu Grunde gegangen, da Viele in verderbliche Güterhändel und Bürgschaften verwickelt wurden. Die Gemeinde gehört daher zu den ärmern des Oberamts. Waldnutzung und Viehzucht sind die hauptsächlichsten Nahrungsquellen. Der Feldbau ist gering, da die Parzellen meist aus schlechten Söldgütern {{Seite|153 bestehen, während mehr als 100 Familienväter Holzhauer sind. Die Gesammt-Markung begreift 5741 3/8 M., worunter 2572 7/8 M. Wald und 431 {{Bruch|1|8}} Weiden und Öden; daher nur 1,3 M. Baufeldes einen Kopf treffen. Der magere Boden erfordert vielen Dünger, der nicht beschafft werden kann und erzeugt daher auch nicht die nöthige Brodfrucht. Zur Erntezeit suchen viele ältere Leute und Kinder auswärts Verdienst. Es werden hauptsächlich Roggen, Haber, Hirse, weniger Dinkel gebaut. Der Flachs geräth gut; der Hopfenbau ist wieder eingegangen. Die Wiesen liefern nicht so viel Futter, daß nicht zugekauft werden müßte. Hinsichtlich des noch nicht bedeutenden Obstbaues ist die großartige Baumschute bei Seelach erwähnenswerth. Im Walde stehen die Tannen so schön, wie selten auf dem Schwarzwald, und es kommen neuerlich auch badische Holzhändler, um hier Holländer-Stämme zu kaufen, die zur Achse theils nach Canstatt, theils nach Neckarsulm auf den Neckar gebracht werden. Ebenso werden viele Pfähle ausgeführt. Die Köhlerei wird gleichfalls stark betrieben, auch viel Brennholz zum Remsfloß oder ganz nach Stuttgart geführt. Der Vermehrung der Rindviehzucht steht das kleine Wiesen-Areal entgegen. Das Vieh wird, weil es an rauhes Futter gewöhnt, schnell gedeiht, gerne gekauft. Von eigentlichen Gewerben sind nur die Bäcker in Gschwend, welche das Brod meist in die benachbarten Orte tragen lassen, und das Brennen von Potasche und Salpeter zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Lorch zugetheilt. Das Gerneinde-Vermögen ist ganz gering, daher die Gemeinde- und Amts-Umlagen sehr namhaft. Auch die Stiftungspflege hat so wenige Mittel, daß sie bedeutende Zuschüsse bedarf. Unter den Armen-Stiftungen sind 782 fl. von der Fürstin Christine von Leiningen. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geregelt. Der Staat war bisher Zehentherr in Hetzenhof, Hohenreut, Hollenhof, Hugenhof, Humbach, Marzellenhof, Schlechtbach, Seelach und Steinenforst; an den Zehenten in Hasenhof und Straßenwald war die Standesherrschaft Limpurg-Waldeck betheiligt; im Übrigen standen sie Limpurg-Gschwend zu, mit Ausnahme einiger kleinen Zehenten, die den Pfarreien Gschwend und Spraitbach gebührten. Über die grundherrlichen Rechte s. S. 102 u. f.

Altwürttembergisch sind: Hetzenhof, Hollenhof, Marzellenhof und Theile von Schlechtbach und Steinenforst, die 1808 vom Oberamt Welzheim zum Oberamt Gaildorf kamen, das zugleich Lettenhäusle vom Oberamt Gmünd erhielt. Bis 1806 gehörten zur Herrschaft Solms-Assenheim in's Amt Gschwend (Ober-Roth): Hugenhof, Hasenhof, Hollenhöfle. Seelach, Straßenwald, Waldhaus und Theil an Steinenforst und Humbach; zur Herrschaft Limpurg-Wurmbrand in's Amt Gschwend die {{Seite|154 übrigen Orte. Beide Herrschaften waren schon 1780 und 1790 theilweise württembergisch geworden.

Von den einzelnen Orten liegt

a) Gschwend, das evang. Pfarrdorf, 2 St. südlich von Gaildorf, in einer von mehreren kleinen Bächen durchschnittenen kesselförmigen Vertiefung, an den zuvor erwähnten Straßen, welche hier sich kreuzen. Von Westen her kommt der in der Nähe entspringende und im Orte selbst durch einige Zuflüsse verstärkte Wettenbach, mit welchem sich, nachdem er das Dorf verlassen, der nordwestlich herkommende Steinbach verbindet. Gschwend, der Sitz einer neuerlich errichteten Post-Expedition und eines K. Revierförsters, hat ein reinliches stattliches Aussehen, wozu namentlich die Häuser mehrerer Wirthe und Kaufleute beitragen.

In der Mitte des Orts steht die 1758–1760 von der Pfarrgemeinde erbaute, von der Stiftungspflege zu erhaltende, massive Kirche, die ein Quadrat bildet und mitten auf dem Dache ein in Schrauben stehendes Thürmchen mit einer 1835 angekauften Uhr von Stoß in Ulm hat. Das etwas entferntere Pfarrhaus hat die Herrschaft Wurmbrand 1760 erbaut und ist von der Standesherrschaft Limpurg-Gschwend zu erhalten. Das freundliche Försterhaus wurde 1827 erbaut. Von den beiden Schulhäusern wurde durch die Schulgemeinde das eine 1827 erbaut, das andere mit einem Staatsbeitrag von 800 fl. erworben. Der Ort hat vorzügliches Trinkwasser. Der sog. Weilerbrunnen, eine starke schwefelhaltige Quelle, deren Abfluß auch Winters dampft, soll in einem ehemaligen Badhaus benützt worden seyn (Prescher II, 205). Gschwend ist arm und hat eine für seine Bevölkerung zu kleine Markung. Bis zu Errichtung der Pfarrei ein kleiner Weiler, wurde es jetzt erst bedeutender. Seine Bevölkerung (1715 96, 1737 158, 1785 458) hat sich in den letzten 67 Jahren mehr als verdoppelt. Die 4 Vieh- und Flachs-Märkte, welche seit 1762 und 1776 bewilligt sind, kommen ihm wohl zu Statten, da dieselben sogar von Maulbronn und Nürtingen her besucht werden. Ein ehemaliger herrschaftlicher Fohlenhof ist längst eingegangen. Die Pfarrei, 1758 aus Gschwend und umliegenden, nach Frickenhofen und Kirchenkirnberg eingepfarrten, Orten gebildet, wozu die Gräfin Julianne Dor. Louise von Wurmbrand den ersten Fonds mit 1000 fl. stiftete, ist seit 5. Oct. 1831 durch die Standesherrschaft Limpurg-Gschwend zu besetzen. Außer der einen Fonds von 120 fl. besitzenden Volks-Schule, an welcher ein Schulmeister, ein Unterlehrer und ein Gehilfe stehen, ist auch eine Industrie-Schule vorhanden. Der 1797 am südwestlichen Ende des Dorfes angelegte Begräbnißplatz ist seit 1839 verlassen und wird seitdem wieder der alte Kirchhof benützt.

Den Namen des Orts glaubt Prescher von wendischen Ansiedlern {{Seite|155 herleiten zu können. Er entstand aus einzelnen Höfen, wovon noch der Haggassenhof, auf dem 1760 das einzige Wirthshaus war, genannt wird, und wird 1374 erstmals als ein Theil des Amtes Gaildorf erwähnt; 1434 war er noch zum Amte Seelach gerichtbar, wurde aber später selbst Sitz dieses Amtes. Im Jahr 1674 hatte Limpurg 3 Erblehen, wovon 2 nach 1557 der Stadt Gmünd gehörten, und 2 Sölden; der Heilige zu Sulzbach am Kocher und der zu Münster bei Gaildorf besaßen je 1 Lehen. Außerdem hatte Kloster Adelberg 7 Erblehen und 2 Sölden, die Vogtei und Hoheit darüber aber Limpurg. Im dreißigjährigen Kriege war der Ort manchmal ganz menschenleer. Damals lagen noch 8 Seen bei dem Dorfe, worunter der 6 Morgen große Zwieselsee.

b) Birkhof oder Bürghof, 3/8 St. südlich von G. (Gschwend) auf einer waldigen Anhöhe. Der Sage nach stand hier eine Burg, die dem Ort den Namen gegeben. Schon 1674 war dieser mittelgroße Hof in 11 Theile getheilt.

c) Buchhöfle, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von G. auf dessen Markung.

d) Dinglensmad, {{Bruch|1|2}} St. westlich von G. im Wald, am südlichen Abhang des Haagbergs. Der Ort, aus 8 einzeln stehenden Wohnhäusern 1819 bestehend, von kaum 30 Morgen Baufeld, wurde nach 1737 angelegt und zählte 1785 nur 25 Einwohner.

e) Gschwender-Mühle, {{Bruch|1|4}} St. südlich von G. auf dessen Markung, am Rothbach.

f) Haldenhäusle, gehört zu Hohenreut und wurde im vorigen Jahrhundert erbaut.

g) Hasenhöfle oder Hasenhof, {{Bruch|1|4}} St. nordöstlich von G.; ein 1740 angelegtes ganz kleines Kammergut.

h) Hetschenhof, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. an dem östlichen Waldsaume. Ein größerer Hof, auf dem noch 1790 der Obstbau namhaft war. Er war früher ein Bestandtheil des Degenfeldischen Rittergutes Eybach unter Limpurgischer Hoheit und Vogtei.

i) Hetzenhof, 3/8 St südlich von G. auf dem Wald. Das kleine Gut gehörte zur Waibelhub und fiel 1713 an Württemberg zurück.

k) Hohenreut, auch Hochreut, {{Bruch|3|4}} St. südöstlich von G. am linken Ufer des Schlechtbachs. Dieses größere, 1557 von der Stadt Gmünd erworbene, aus der Schlechtbacher Markung vergrößerte Gut bestand schon 1674 aus 2 halben Höfen, 1 Lehen und 1 Sölde.

l) Hollenhöfle, {{Bruch|1|4}} St. östlich von G. auf dessen Markung; vor etwa einhundert Jahren erbaut.

m) Hollenhof, {{Bruch|3|4}} St. südlich von G. auf der linken Höhe über dem Schlechtbach. Ein mittelgroßer Hof, der dem Kloster Adelberg in's Kaisersbacher Viertel gehörte. {{Seite|156 n) Hugenhof, früher Hubenweiler, dann Hugenweiler, 1 St. südwestlich von G. am Waldsaum, auf dem Hugenberg. Der Hof wurde 1414 von Jakob Mäder, Bürger zu Gmünd, erkauft und war bereits 1674 getheilt.

o) Humbach, 3/8 St südlich von G. am Schlechtbach.

p) Humberg, früher Hunenberg, 3/8 St. südlich von G. am südlichen Abhang des Humbergs. Johann v. Rinderbach, genannt von Leineck, Bürger zu Gmünd, verkauft 1366 drei Gütlein „zu dem Hunenberg“ an den Gmünder Bürger Walther Eberwein, der sie 1370 um 150 Pfd. Heller dem Kloster Adelberg verkaufte. Der Ort blieb bei diesem, doch unter Limpurg'scher Vogtei und Hoheit; 1674 war er in den Händen von 4 Bauern. Da 1790 nur 2 Bauern hier saßen, so ist wahrscheinlich, daß früher das nahe, sonst nirgends genannte, Humbach unter Humberg mitbegriffen war. – Im Jahr 1732 wurde am Humberg ein Topf mit sehr alten silbernen Hellern ausgegraben (Prescher II, 210).

q) Lettenhäusle, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. Gehört zu Humberg.

r) Marzellenhof, auch Spatzenhof, {{Bruch|1|2}} St. südlich von G. an einer Seitenschlucht des Schlechtbach-Thälchens. Ein kleiner Hof, der zu dem altwürttembergischen Stabe Rudersberg gehörte.

s) Mühläckerle, {{Bruch|1|8}} St. nordöstlich von G. auf dessen Markung am Schlenkenbach, der hier einen See von einigen Morgen bildet; etwa 100 Jahre alt.

t) Oppenland, {{Bruch|1|4}} St. südwestlich von G. auf Seelacher Markung, 1811 erbaut.

u) Rauhengehren, {{Bruch|1|8}} St. südlich von G. auf dessen Markung, am Waldsaum; zu Ende des vorigen Jahrhunderts erbaut.

v) Roßsumpf, 3/8 St. westlich von G. auf dessen Markung.

w) Schlechtbach, im Gegensatz zu den gleichnamigen Orten im Oberamt Welzheim, auch Hinter-Schlechtbach, 1 St. südlich von G. Dazu gehört das Haus Reisenhöfle. Die Gebäude liegen meist zerstreut zu beiden Seiten des Schlechtbachs und bilden eigentlich zwei Weiler, wovon der eine von den Evangelischen, der andere von den Katholiken bewohnt ist. Auf einem kleinen Hügel steht eine 1618 renovirte Capelle, deren Baulast vom Kloster Gotteszell auf den Staat übergegangen ist und worin nur einige Messen gelesen werden. – Das Örtchen war ein Condominat: einige Güter gehörten zur Reichsstadt Gmünd, einige den Herren vom Holtz zum Rittergut Alfdorf, der größere Theil aber Limpurg, das 4 Güter, an deren 3 Comburg Lehenrechte hatte, 1395 von Greth von Finsterloh, Bürgerin zu Gmünd, um 27 fl. erkaufte. Auch zur Waibelhube gehörten Güter. {{Seite|157 x) Schlechtbacher-Sägmühle, am Schlechtbach, auf Schlechtbacher Markung.

y) Schmidbügel, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von G. im Wald über dem Schlechtbach; eine sehr kleine Ansiedelung.

z) Seelach, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von G. auf dem obengedachten Gebirgsausläufer, an der Straße nach Gmünd. In diesem wohlhabenden Orte hatte Limpurg keine Güter. Dieselben gehörten dem Kloster Lorch, das 1674 zwei halbe Höfe und einen ganzen Hof besaß. Einen derselben kaufte Lorch 1340 von Ludwig von Hohenhart. Einige Gefälle vermacht 1347 Bruder Berlin, Custos in Lorch, diesem Kloster aus einem Hof. Dasselbe kauft 1391 von Hans Böcklin zu Gmünd um 11 Pfund Heller dessen Vogtei über 3 Güter. Des alten Gerichtes ist S. 114 gedacht. Zwei hiesige Bauern waren Siebenzehner. Ein südlich bei Nardenheim liegender Platz heißt noch jetzt der „Gerichtswasen“. Eine nahe Höhe hieß 1489 „der Heidenbühl.“ In der Nacht vom 19/20. März 1843 brannten 2 Wohnhäuser ab, wobei zwei Menschen in den Flammen umkamen.

aa) Steinenforst, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von G., gehörte in den altwürttembergischen Stab Rudersberg. – Im Jahr 1813 fand Prescher auf der Höhe einen alten Streithammer von Bronze, 1 Pfd. 12 Loth schwer. (Iduna und Hermode 1814, S. 103.)

bb) Straßenhaus, {{Bruch|1|8}} St. nördlich von G. auf dessen Markung.

cc) Straßenwald, zunächst dem ersteren, auch auf Gschwender Markung.

dd) Waldhaus, 3/8 St. südlich von G. an der Straße von Welzheim nach Gaildorf; brannte am 18. Mai 1833 ab. Es gehört zu Steinenforst.

Nach Prescher lagen folgende längst abgegangene Orte in der Gegend von Gschwend: Gestösseln, nordöstlich, wo noch der Stösselbrunnen und Stösselwald genannt werden; Kirchberg, {{Bruch|1|4}} St. nördlich auf dem Kirchberg, und Scherach, im Wald gegen den Metzlenswald {{Seite|158

Hausen an der Roth,

Gemeinde III. Kl. mit 988 Einw. a. Hausen an der Roth, Pfd. 312 Einw., wor. 9 Evang. b. Eitelwälde, Hs. 3 Einw. c. Erlenhof, W. 194 Einw., wor. 120 Evang. d. Greuthof, H. 16 Einw. e. Harnersberg, H. 11 Einw. f. Lunkenbrunnen, Hs. 16 Einw., wor. 11 Evang. g. Scheuerhalden, bestehend aus: aa. Aschenhäusle, Hs. 5 Einw. bb. Forsthaus, Hs. 6 Einw. cc. Neuhausen, W. 208 Einw., wor. 64 Evang. dd. Osterhöfle, H. 9 Einw. ee. Viehhaus, H. 28 Einw. h. Stielberg, Hs. 10 Einw. i. Sturzberg, W. 54 Einw. k. Völklenswald, 5 evang. Einw. l. Wiesenbach, W. 111 evang. Einw. – Kath. Pfarrei; die Evang. in Parz. a., c., f. sind nach Vichberg, die in Perz. g. cc., k. und l nach Ober-Roth eingepfarrt.

Die Orte dieser Gemeinde liegen etwa in der Mitte des Roth-Thales, theils in diesem selbst, theils zu beiden Seiten desselben, und grenzen im Südwesten an das Oberamt Backnang. In südöstlicher Richtung ist der Gemeindebezirk von dem Flüßchen Roth durchschnitten, das hier mehrere Zuflüsse, namentlich von Westen den Wiesenbach erhält. Das sonst tiefe Roth-Thal erreicht zwischen Hausen und Ober-Roth die größte Breite, die jedoch kaum {{Bruch|3|4}} St. beträgt. Beide User sind mit fetten Wiesen besetzt und auf den Höhen bewaldet. Die Äcker ziehen sich gegen die Berge hinauf. Wegen ihrer vielen Krümmungen tritt die Roth bei anhaltendem oder starkem Regen gern aus und düngt zwar mit ihrem fetten Schlamme die Wiesen, verschlammt oder entführt aber auch zuweilen die reichsten Futter-Ernten. Das Klima ist ziemlich rauh und namentlich dem Obstbau nicht zuträglich, der Boden im Allgemeinen nicht dankbar. Das Trinkwasser hat schwefelige Bestandtheile und soll die Veranlassung zu vielen dicken Hälsen seyn. Auf der Roth wird sog. Staudenholz in den Kocher und von da weiter geflößt. Durch das Thal zieht die Landstraße von Gaildorf nach Mainhardt. Feldbau mit Viehzucht, sodann Holzhandel mit Brettern, Pfählen, Kohlen, nebst Körbe-, Wannen- und Spindelnmachen sind die Erwerbsmittel der besonders auf den Filialien sehr armen Einwohner, welche sich früher namentlich auch durch den Hausirhandel mit Haller Salz fortbrachten. Die Gesammt-Markung begreift nur 2262 7/8 M., worunter 404 M. Wald und 329 4/8 M. Weiden und Öden, so daß an Baufeld noch 1,6 M. auf den Kopf kommen. Im Roth-Thale wächst guter Dinkel; der Esper- und Luzernen-Bau ist seit 60–70 Jahren eingeführt; von größerer Bedeutung ist aber der Wiesenbau, wegen dessen Prescher das Roth-Thal eine Goldgrube nennt. Bemerkenswerth ist, daß seit einigen Jahren in Hausen auch Versuche mit dem Weinbau gemacht werden. Im Übrigen sind Ober-Roth und Vichberg zu vergleichen.

Die Gemeinde-Orte sind den Forstämtern Comburg und Reichenberg {{Seite|159 zugetheilt. Die Einnahmen der Gemeindepflege und der Stiftungspflege sind unbedeutend; die letztere verwaltet die sog. v. Erthal'sche Stiftung von 750 fl., deren Ertrag an die Hausarmen der Pfarrei zu vertheilen ist. Die Schulverhältnisse sind nach den kirchlichen geordnet. Zehentherr war bisher überall der Staat, mit der Einschränkung, daß die Pfarrei Ober-Roth am großen und kleinen Zehenten in Wiesenbach und am kleinen Zehenten in Hausen Theil hatte.

Zum Wurmbrand'schen Amte Gaildorf gehörten Völklenswald und theilweise Erlenhof; in die Pflege Westheim ein anderer Theil von Erlenhof; in's Oberamt Backnang theilweise Wiesenbach; alles Andere war Comburgisch, kam 1803 auch mit den grundherrlichen Rechten an Württemberg und wurde 1808 vom Oberamte Vellberg dem Oberamte Gaildorf zugetheilt, zu welchem jetzt auch der zuvor erwähnte Antheil Backnangs an Wiesenbach kam.

Einzelne Orte der Gemeinde:

a) Hausen an der Roth, das katholische Pfarrdorf, liegt 2 St. westlich von Gaildorf, am Rothflüßchen und an der zuvor erwähnten Landstraße, zwischen zwei hohen und unwegsamen Bergketten, wovon die südwestliche die „Schanze“, die nordöstliche die „Scheuerhalden“ genannt wird. Eine steinerne neue Brücke führt auf die Filialien über die Roth, die nicht selten das Dorf unter Wasser setzt. Die Kirche zum heil. Michael ist massiv aus gehauenen Quadern gebaut; im Erdgeschosse derselben befindet sich die beschränkte unfreundliche Wohnung des Pfarrers. Der Thurm hat nur Eine Glocke. Die Baulast hat wegen Comburgs der Staat. Bei der Kirche steht das 1773 gleichfalls massiv erbaute Schulhaus. Gutes Trinkwasser findet sich nur in dem Eitelwäldlen. Das Patronat ist mit Comburg an die Krone gekommen. Außer der deutschen Schule, die blos 49 fl. Fond hat, ist eine Industrieschule vorhanden. Der Begräbnißplatz wurde 1816 außerhalb des Ortes angelegt.

Hausen mit den schon bezeichneten Parzellen war in vogteilicher und grundherrlicher Hinsicht im Besitze Comburgs; die Kriminaljustiz übten dessen Schirmvögte, die Schenken von Limpurg, und nach deren Aussterben die Bischöfe von Würzburg, welche auch seit 1541 das Besteuerungsrecht hatten. Comburg, dessen Rechte 1248 erstmals genannt werden, kaufte 1362 von Ritter Burkhardt Sturmfeder und dessen beiden Söhnen, auch Burkhardt genannt, um 200 Pfd. Heller die Vogtei über die Comburgischen Güter, das Gericht und Alles, was sie hier hatten, namentliche 1 Hof und 8 Güter; die Vogtei über ein anderes Gut kaufte es 1411 von Volkhart von Hohenhart und die über ein weiteres Gut 1414 von Limpurg. So besaß das Ritterstift 1657 hier 18 Lehengüter. Von dem, vom Kloster Murrhardt herrührenden Fruchtzehenten trat 1607 {{Seite|160 Württemberg {{Bruch|2|3}} an Limpurg ab; {{Bruch|1|3}} gehörte der Pfarrei Ober-Roth. Im Jahr 1688 scheint Limpurg auch noch Unterthanen hier gehabt zu haben, da hinsichtlich der Vogtei ein Streit zwischen Comburg und seinem Schirmherrn entstand. Das Ritterstift Comburg wandte sich deßhalb an seinen obersten Schirmherrn, den Bischof von Würzburg, der im März 1688 von seinen Soldaten, 100 Kürassiere und 300 Mann Infanterie hierher schickte, um Namens Comburgs einen Unterthanen aus einem Limpurgischen Hause herauszunehmen.

Hausen, anfänglich Filial von Ober-Roth, ging der streng katholischen Ortsherrschaft ungeachtet 1548 zur Reformation über. Nach dem dreißigjährigen Krieg aber wandte Comburg alle Mittel zu Wiederherstellung der katholischen Confession an. Mit Unterstützung des Stiftes siedelte sich 1670 ein Maurer aus Obersteyermark an, der immer mehr Landsleute nach sich zog, so daß 1696 von den 14 Hofgütern, 4 Sölden und 16 Häuslen {{Bruch|2|3}} in katholische Händen waren. Man richtete in einem Bauernhause 1696 eine Capelle ein, wo von Zeit zu Zeit ein Priester aus Comburg Messe las; da aber jene nicht mehr zureichte, so baute der Comburgische Dekan Heinrich, Graf von Ostein, meist auf seine eigene Kosten und des Verbotes des Reichskammer-Gerichtes ungeachtet, die erste Kirche, indem er vorgab, daß er blos eine Sommerwohnung mit Haus-Capelle errichten wolle, woraus denn auch die Vereinigung des Pfarrhauses mit der Kirche zu erklären ist. Sofort wurde auch eine katholische Pfarrei errichtet und 1706 erstmals besetzt. Der gedachte Graf Heinrich von Ostein gründete auch die Kirchenpflege, aus deren Mitteln die Kirche, wie sie jetzt ist, 1770 ganz umgebaut wurde, und sein Bruder Karl, Capitular in Comburg, stiftete 1710 ein Capital von 4000 fl. zum Unterhalte des Pfarrers. Hausen hatte 1750 keine evang. Einwohner mehr.

b) Eitelwäldle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von H. (Hausen) auf dessen Markung, im Walde. Eine 1750 angelegte Sölde.

c) Erlenhof, früher Erlenbach, 1 St. östlich von H. auf der Höhe über dem Roth- und Kocher-Thale, welche von hier aus in südöstlicher Richtung von dem Erlenbach-Thälchen durchschnitten ist. Vormals ein Condominat. Die Vogtei über den „Weiler zu Erlbach ob Viechberg“, wo schon 1343 Comburg Grundherr war, verkauften 1348 Hiltrut, Wittwe Heinrichs von Ottendorf, und ihr Sohn Heinrich sammt Zehenten um 18 Pfd. Heller an Comburg. Die 3 Comburgischen Lehen sind nun in den Händen der evang. Einwohner; die im Besitze der Katholiken befindlichen Häuser und Güter entstanden 1708 bis 1724. Das Limpurgische Gut, worauf 1785 24 Einwohner saßen, wurde im sechszehnten Jahrhundert angelegt. Einige andere Güter gehörten dem Kloster Murrhardt. {{Seite|161 d) Greuthof, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von H. auf dessen Markung, auf dem rechten Ufer der Roth, wurde 1700 angelegt.

e) Harnersberg, 3/8 St. südwestlich von H. auf dessen Markung, aus 2 Sölden bestehend, die 1740 angelegt wurden.

f) Lunkenbrunnen, 7/8 St. östlich von H. bei Erlenhof, eine 1770 entstandene Sölde.

g) Scheuerhalden, nordöstlich von H. auf dem Walde Scheuerhalden. Die unter diesem Namen begriffenen {{Bruch|1|4}} bis {{Bruch|3|4}} St von H. entfernten, zerstreuten Wohnsitze sind: Aschenhäusle, Neuhausen, Osterhöfle und Viehhaus. Sie entstanden 1734–1779, mit Ausnahme des ältern Viehhaus. – Johannes von Vggingen verkauft 1363 an Comburg den „Hof zu der Scheuren genannt“, zwei Theile des Zehentens und ein Gut zu Feuchtenbrunnen. Hans Herold und Rüdiger von Örn treten 1375 alle ihre Rechte an dem „Hof zu der Scheuren bei Feuchtenbrunnen gelegen“ an Comburg ab.

h) Stielberg, {{Bruch|1|4}} St. östlich von H. auf dessen Markung, auf einer waldigen Bergspitze, wo auch eine 1790 erbaute kleine Feldcapelle steht; wurde 1780 angelegt.

i) Sturzberg, 3/8 St. nordöstlich von H., gleichfalls auf dessen Markung, an der Scheuerhalde; 1775–1770 entstanden.

k) Völklenswald, 3/8 St. östlich von H. an der Scheuerhalde; eine kleine Sölde.

l) Wiesenbach, 3/8 St. südwestlich von H., im Wald über dem Wiesenbach. Um 1627 wurde in diesem zum Forstamt Reichenberg gehörig gewesenen Distrikte von einem Limpurgischen Unterthanen die erste Sölde angelegt. Der Ort war ein Condominat, da noch 1804 28 Einwohner in's Stadtgericht Backnang gehörten.

Ein zu unbekannter Zeit abgegangener Ort bei der Scheuerhalden war das bei Scheuerhalden genannte Feuchtenbrunnen. Zwei Theile an der Vogtei und alle seine Rechte trat Limpurg 1414 an Comburg ab.

Hütten,

Gemeinde III. Kl. mit 599 Einw. Hütten, D. 444 Einw., wor. 4 Katholiken. b. Bäumlensfeld, 59 Einw. c. Dobelhütten, H. 12 Einw. d. Hankertsmühle, 8 Einw. e. Scherbenmühle, 15 Einw. f. Traubenmühle, 33 Einw. g. Württemberger-Hof, 38 Einw. – Evang. Pfarr-Filial von Mainhardt; die Kath. in a. sind nach Pfedelbach eingepfarrt.

Dieser Gemeindebezirk liegt auf der äußersten nordwestlichen Spitze des Oberamtes und bildet eine in die Oberamtsbezirke Backnang, Weinsberg und Hall hineinragende Zunge, welche auf der Weinsberger {{Seite|162 Oberamtsgrenze beinahe Mainhardt berührt. Er gehört dem südlichen Ausläufer des Mainhardter Waldes an und bildet eine über dem Roth-Thal und dem östlich das Oberamt begrenzenden Röthenbach-Thälchen sich erhebende Bergfläche, welche durch einige quellenreiche Schluchten bewässert und an ihren Abhängen bewaldet ist. Die von Westen herkommende, noch ziemlich schwache Roth macht, nachdem sie den Röthenbach aufgenommen, eine südöstliche Wendung und bewässert einen Theil des Gemeindebezirkes. Die durch das Roth-Thal führende Landstraße zieht durch denselben und mündet nicht ferne in die an Mainhardt vorübergehende Stuttgart-Haller Staatsstraße ein. Diese Lage und die Filiatverhältnisse bringen es mit sich, daß der Verkehr der Gemeinde-Angehörigen mehr auf Mainhardt, als auf das Limpurger Unterland angewiesen ist. Der Boden ist nicht dankbar. Über die sonstigen natürlichen Verhältnisse ist das bei Hausen und Vichberg Gesagte zu vergleichen. Die meist armen, auch in sittlicher Hinsicht weniger gehobenen Einwohner suchen in Ackerbau, Viehzucht und im Handel mit Holz aller Art ihre Nahrung. Die Gesammt-Markung begreift 2719 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1307 3/8 M., also fast die Hälfte Wald, und 177 M. Weiden und Öden, so daß an Baufeld nahezu 2 M. auf den Kopf treffen. Die Gemeinde ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Bei den unbedeutenden Einkünften der Gemeindepflege muß an Amts- und Gemeinde-Schaden fast dreimal mehr umgelegt werden, als die direkte Staatssteuer beträgt. Eine Stiftungspflege ist nicht vorhanden. Die Gemeinde ist nach Hütten schulpflichtig. In die Zehenten zu Hütten, Bäumlensfeld und Württemberger-Hof theilten sich der Staat, die Standesherrschaft Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein und die Pfarrei Maienfels; die übrigen Zehentrechte gebührten dem Staat allein.

Bis 1806 gehörten in das altwürttembergische Oberamt Weinsberg: Hütten (theilweise), Bäumlensfeld, Traubenmühle und Württemberger-Hof; in's altwürttemb. Oberamt Backnang: Scherbenmühle; in's Amt Ober-Roth zur Solms-Assenheim'schen Herrschaft: Hankertsmühle und Theil an Hütten, woran auch Hohenlohe-Bartenstein betheiligt war.

Von den die Gemeinde bildenden Orten liegt

a) das Dörfchen Hütten, 4 St. nordwestlich von Gaildorf, auf der zuvor erwähnten, von einigen Schluchten durchschnittenen Bergfläche. Durch dasselbe führt die zuvor gedachte Roth-Thalstraße. Das Schulhaus, in welchem auch das Gemeinderaths-Lokal sich befindet, wurde 1834 von der Gemeinde erbaut. Außer der deutschen Schule, die 75 fl. Fonds hat, ist auch eine Industrieschule vorhanden.

Hütten wird 1248 als einer der Orte bezeichnet, wo das Kloster Comburg begütert war. Im Jahr 1521 verkauft Comburg an die Stadt {{Seite|163 Hall die Gülten von 12 Gütern. Bis 1806 war Hütten ein Condominat-Ort zwischen Württemberg, Hohenlohe und Limpurg. Die Rechte des ersteren rühren von der Herrschaft Böhringsweiler her und blieben bis in die neueren Zeiten mit dem dortigen Stabe verbunden. Limpurg kaufte 1370 von Burkhardt und Friedrich Sturmfeder Alles, was sie hier hatten. Albrecht und Crafft von Hohenlohe übergeben 1486 die Zehenten hier und in einigen andern Orten der Pfarrei Mainhardt, die bis dahin einschließlich der Stolgebühren nur 14 fl. ertrug (Wibel II, 374). Am 29. Juli 1563 vertrugen sich Herzog Christoph von Württemberg, Graf Eberhard von Hohenlohe zu Langenburg und Schenk Christoph von Limpurg dahin, daß jede Herrschaft auf ihren Gütern die Obrigkeit haben, auf den Gassen und der Gemeinde aber dieselbe gemeinschaftlich bleiben solle. Im Jahr 1785 war die Einwohnerzahl nur 143.

b) Bäumlensfeld, 3/8 St. westlich von H. (Hütten) auf derselben Bergfläche.

c) Dobelhütte, 3/8 St. westlich von H. auf dessen Markung.

d) Hankertsmühle, 5/8 St. südwestl. von H. auf der Grenze des Oberamts Weinsberg, in einer Waldklinge an der Roth. Limpurg kaufte 1371 die „Heinkardsmühle“ von den Brüdern Conrad und Götz von Roth.

e) Scherbenmühle, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von H. an der Roth, im Walde Scherbenhau, den Limpurg theils 1410 von Hans von Roth kaufte, theils 1556 von Württemberg erwechselte. Die Mühle gehörte in das Stadtgericht zu Backnang; einige Rechte kaufte Limpurg 1537 von den Roth'schen Erben.

f) Traubenmühle, 3/8 St. südlich von H. auf dessen Markung, am Einfluß eines Waldbaches in die Roth.

g) Württemberger-Hof, 3/8 St. südwestlich von H. auf derselben Bergfläche, am nordwestlichen Abhang einer Thalschlucht. Das Lagerbuch über Böhringsweiler von 1528 nennt den Ort „Miltenbergershof“, der schon damals in 3 Theile getheilt war. Zu der Hankertsmühle führte damals eine „Brittersteige“ herab.

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Laufen am Kocher,

Gemeinde III. Kl. mit 904 Einw. a. Laufen am Kocher, D. 331 Einw., wor. 1 Kathol. mit aa. Hägelesburg, H. 10 Einw. und bb. Windmühle, 7 Einw. b. Braunhof, 7 Einw. c. Eckenberg, W. 15 Einw. d. Eisenschmiede, W. 35 Einw. Falschengehren, H. 9 Einw. f. Forst, 5 Kath. g. Hasenberg, Hs. 5 Einw. h. Heerberg, W. 18 Einw. i. Heilberg, H. 5 Kath. k. Hochhalden, H. 22 Einw. l. Knollenberg, H., auch Schockenhof, 21 Einw. m. Krasberg, W. 55 Einw. n. Platz, W. 22 Einw. o. Rübgarten, W. 93 Einw. p. Schönbrunn, W. 26 Einw. q. Teutschenhof, H. 14 Einw. r. Weiler, W. 25 Einw. s. Wengen, W. 143 Einw. t. Wimbach, H. 6 Einw. – Ev. Pfarr-Filial von Sulzbach am Kocher, mit Ausnahme von Parz. o., Filial von Eschach, und Parz. d., Fil. von Ober-Gröningen; die Kath. in Parz. a, f. und i. sind nach Unter-Gröningen eingepfarrt.

Der im obern Kocher-Thale, dessen Abhänge, steil und bewaldet, nur theilweise zur Cultur gebracht sind, gelegene Gemeindebezirk grenzt im Osten an das Oberamt Aalen. Das Thal ist sehr eng, an den weitesten Stellen kaum {{Bruch|1|8}} St. breit. Die Bergabhänge sind durch viele wilde und tiefe Schluchten zerrissen, über deren Hügeln die Parzellen liegen. Der Kocher macht um die Hügel vielfache Krümmungen, hat ein tiefes enges Bett und wenigen Fall, erhält aber aus den Schluchten manchfache rasche Zuflüsse, namentlich von Westen her den Wimbach, von Südosten den Nägelsbach mit dem Igelsbach, von Südwesten den Krempelbach, von Osten den Heiligenbach, überschwemmt gerne die von der Thalsohle bis an die Waldungen hinaufreichenden Wiesen und richtet manchmal große Verwüstungen an. Der Boden ist Sand und Lehm mit lettiger Unterlage; er geht tief, ist größtentheils schwer und sumpfig und nur bei besonderem Fleiß dankbar; der Pflug bedarf gewöhnlich 4 Ochsen als Anspann. Die Luft ist häufig nebelig, im Thale mild, so daß Gurken und Bohnen gedeihen, auf der Höhe scharf. Hagelschlag ist selten. Von Gaildorf und Sulzbach her führt die neue Communal-Straße über Heerberg und Laufen nach Unter-Gröningen. Die übrigen Wege sind ganz schlecht. Die Gemeinde gehört zu den ärmeren des Bezirkes. Daß Laufen die meisten unehelichen Geburten hat, ist S. 33 bemerkt. Nahrungsquellen sind Ackerbau, Viehzucht und Holznutzung, da sich die Vermöglicheren hauptsächlich mit Holz- und Kohlen-Handel, die Ärmeren mit Holzfällen, Kohlenbrennen und Flößerei beschäftigen. Die Gesammt-Markung ist 5092 {{Bruch|1|2}} M. groß, worunter 1883 3/8 M. Wald, 728 3/8 M. Weiden und Öden, und es kommen 2 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf. Die Landwirthschaft ist im Allgemeinen noch auf niederer Stufe und herrscht hauptsächlich nur in Weiler vor, wo sich größere geschlossene Hofgüter erhalten haben. Die Güter liegen allermeist an Abhängen. Neben {{Seite|165 der Dreifelderwirthschaft ist hier hauptsächlich die Wechselwirthschaft (989 3/8 M. Wechselfelder), und der Beetpflug in Übung. Man baut Dinkel, Weizen, Roggen, Haber und Einkorn, außerdem neben Kartoffeln, rothen Klee, Luzerne, Esper, wenig Flachs, viel Hanf, Hopfen und Kraut. Es wird bei Weitem nicht das Brodbedürfniß erzeugt. Die Thalwiesen sind, weil durch den Schlamm des Kochers bei seinem Austreten gedüngt, ergiebig. Ein Morgen Ackers kostet 30–150 fl.. Wiesen 50–400 fl. Die Obstzucht ist im Zunehmen; die Straßen sind mit Obstbäumen besetzt. Mit der Schule in Laufen sind Kinderbaumschulen verbunden, aus welchen die Bäume bezogen werden. Die Rindviehzucht ist nicht von Belang, das Vieh mager. Auch wird durch Juden bayrisches Vieh eingeführt und Stellvieh den Einwohnern übergeben. Stallfütterung ist noch nicht durchgeführt. Von Gewerben ist nur eine Mahl- und Säg-Mühle in Laufen, und die bei Sulzbach erwähnte Verfertigung von Holzwaaren zu erwähnen.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt, mit Ausnahme der in's Forstamt Lorch gehörigen Parzellen Krasberg und Weiler. Die bis dahin verbunden gewesenen Gemeinden Laufen und Sulzbach wurden 1810 nach ihrem jetzigen Bestande gebildet. Das Vermögen der Gemeindepflege ist unbedeutend, und da auch die Mittel der Stiftungspflege unzureichend sind, so betragen die Umlagen für Amts- und Gemeinde-Zwecke mehr als das Dreifache der direkten Staats-Steuer. Die Schule für die sogenannte obere Pfarrei ist in Laufen. Zehentherr war von den Limpurgischen Herrschaften her überall der Staat; nur in Rübgarten hatte die Pfarrei Eschach den kleinen Zehenten.

Der größere Theil der Gemeinde war ein Bestandtheil der schon 1781 durch Württemberg erworbenen Herrschaft Limpurg-Sontheim-Schmiedelfeld, Amts Schmiedelfeld; die übrigen Orte, nämlich Eckenberg, Falschengehren, Forst, Schönbronn und Wengen, waren mit der erst neuerlich für den Staat erkauften Herrschaft Gröningen, Amts Unter-Gröningen, verbunden. Von den einzelnen Orten ist

a) das Dörfchen Laufen, oder Lauffen, am Kocher, 2 {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von Gaildorf auf einem Bergabhang an dem rechten Ufer des Kochers gelegen. Die alte Kirche enthielt ein Altargemälde, welches den heil. Bartholomäus mit seiner eigenen Haut unter dem Arme vorstellte, ist aber vor nicht gar langer Zeit abgebrochen worden. Der Kirchhof für die obere Pfarrei ist noch hier. Das geräumige Schulhaus wurde 1840 von der obern Pfarrgemeinde mit einem Aufwand von 4200 fl. erbaut und die Schule von Heerberg hierher verlegt. Sie hat nur 23 fl. 53 kr. Fonds und einen Schulmeister mit einem Gehilfen. Zu Laufen {{Seite|166 gehören der Hof Hägelesburg und die sog. Windmühle, eigentlich Windenbachmühle.

Mit der nahen Veste Kransberg erwarb 1357 Limpurg die Vogtei über 13 Güter. Von Christian Kochenzer, Bürger zu Hall, kauften 1410 die Schenken das Eigenthum an 1 Hof und 4 Gütern dahier, die Mühle zu Werben, 1 Hof zu Krasberg, 3 Güter zu Haslach und die Hälfte der Zehenten zu Laufen, Wengen, Weiler, Schönbronn, Haslach, Mühlenberg, Uhlbach, Egelsbach und Eichenrain, alles dieß, wie er es vom Kloster Murrhardt als Leibgeding hatte, worauf 1414 dieses Kloster seine Rechte an diesen Gütern, nebst dem Kirchensatz und der Lehenschaft der Kirche zu Laufen, die es der Sage nach schon 817 mit der Pfarrei Vichberg (s. dort) erhalten haben sollte, um 330 fl. an die Schenken abtrat. Die Windenbachmühle kaufte Limpurg 1380 mit Adelmannsfelden vom Kloster Ellwangen. Im Jahr 1741 bestand der Ort aus 16 Wohngebäuden mit 16 Unterthanen und 1 Hausgenossen; 1785 zählte er 164 Einwohner. – Die ehemalige Pfarrei wird 1397 mit „Pfaff Hans, Pfarrer zu Laufen“, erstmals genannt. Sie scheint zur Zeit der Reformation aufgehoben worden zu seyn, und ist schon längst als sog. „obere Pfarrei“, deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, mit der „untern Pfarrei“ zu Sulzbach unirt.

b) Braunhof, 3/8 St. nördlich von L. (Laufen) an einem Abhang über dem Kocher. Wurde mit Kransberg erworben.

c) Eckenberg, {{Bruch|3|4}} St. südöstl. von L. auf der Markung von Wengen, im Walde. Dieses ursprüngliche Söldgut, das noch 1767 9 Einwohner hatte, wurde 1729 angelegt.

d) Eisenschmiede, früher „Eisenmühle“, 3/8 St. südwestlich von L. am Kocher. Es ist dieß die zuvor genannte Mühle zu Werben (Werbe = Werf, d. h. aufgedämmtes Ufer). Im Jahr 1531 war hier ein Eisenhammer mit Schmelzhütte. Nachdem er abgegangen, wurde 1719 wieder eine Eisenschmiede errichtet und von der Herrschaft Schmiedelfeld verpachtet, 1757 aber aufgehoben.

e) Falschengehren, {{Bruch|3|4}} St. östlich von L. im Wald, auf der Grenze des Oberamts Aalen; 1540–1550 entstanden.

f) Forst, 5/8 St. südöstlich von L. im Walde. Das 1833 erbaute, von einem Waldschützen bewohnte, Haus wurde 1838 vom Staat erworben und das Gut aufgeforstet.

g) Hasenberg, {{Bruch|1|2}} St. südöstl. von L. auf der Markung Wengen.

h) Heerberg, {{Bruch|1|8}} St. nördlich von L. auf einem an die übrigen Gebirgshöhen anschließenden Berge, südöstlich des Kransbergs. Das Örtchen besteht aus einem Kirchlein, einem vormaligen Schulhaus, einer Gastwirthschaft und einem mittelgroßen Bauernhofe. Die kleine, mit {{Seite|167 schlechtem Thurm versehene Kirche, in welcher der Pfarrer von Sulzbach jährlich fünfmal zu predigen hat, zeigt über dem Haupteingange die Jahreszahl 1400; auch sind über den Thüren die Wappen Schenk Conrad's († 1482) und dessen Gemahlin, der Gräfin Clara von Montfort, sowie seines Sohnes Schenks Albrecht († 1506), und seiner Gemahlin der Gräfin Elisabetha von Oettingen, eingehauen. Im Thurme hängen 2 Glocken, wovon eine mit der Umschrift: „hilf ihesus maria. bernhard lachaman gos mich. 1497.“ Die Kirche hatte vor der Reformation viele Altäre, zwei angebaute Capellen und ein wunderthätiges Marienbild, zu welchem stark gewallfahrtet wurde. Noch 1610 mußte die Heerberger Brüderschaft und Wallfahrt verboten werden. Im dreißigjährigen Kriege wurde die Capelle von den Kroaten verwüstet, das Marienbild und der Altar aber verschont. Vor etwa 100 Jahren soll jenes in das Archiv in Ober-Sontheim gekommen seyn, wo es Justinus Kerner entdeckte und 1846 erkaufte: eine edle Arbeit aus blendendem Alabaster in halber Lebensgröße, die er noch besitzt. Der Altar mit seinem Gemälde blieb jedoch, und wird vielfach aufgesucht und bewundert. Im Schreine desselben stehen ein Muttergottesbild mit dem Jesuskind und die heil. Catharina und heil. Barbara aus Holz, beinahe in Lebensgröße, geschnitzt und vergoldet, indeß das untere Altarblatt und die beiden Flügelthüren die schönste Arbeit der oberdeutschen Malerschule darstellen. Auf der Staffel ist Christus zwischen den Aposteln im Brustbild gemalt, auf den Flügeln die Anbetung der Hirten, die Darstellung im Tempel und die Verkündigung. Die Hinterwand des Altarkastens hat die Inschrift: „das Werk hat gemacht Bartholme Zeitblom, maler zu Vlm. 1497“. (Näheres siehe III. Veröffentlichung des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm und Oberschwaben. Von Ed. Mauch, 1845.) Da die Wappen des Schenken Albrecht und seiner Gemahlin auch an der südlichen Seite des Altars angebracht sind, so scheinen diese hieran sich betheiligt zu haben. Die Bilder wurden durch Fürsorge des württ. Alterthumsvereins von Conservator Eigner in Augsburg unlängst trefflich restaurirt. Der Altar ist Eigenthum der Ortsstiftung; die Capelle hat die obere Pfarrgemeinde zu erhalten. Bemerkenswert ist, daß noch jetzt die Capelle nicht nur von Katholiken der Umgegend häufig besucht, sondern auch von Evangelischen bei glücklichen Familien-Ereignissen oder in Krankheiten und dergl. ein Opfer dahin getragen wird. – Über die Entstehung der Capelle und Wallfahrt gehen im Volke zwei Sagen. Die eine läßt Maria bei ihrer Flucht nach Egypten auf dieser Höhe ein nächtliches Obdach suchen, die andere einen Ritter mit seinem Liebchen auf Einem Rößlein bei dem hier hausenden Einsiedler „Herberge“ finden und am Altare seiner Klause verbunden werden, worauf der Ritter aus Dankbarkeit ein Kirchlein {{Seite|168 baute und von weit her das damals schon bewährte Gnadenbild hineinstiftete. (Morgenblatt 1847, S. 245.) Andere vermuthen, der Name sey daher entstanden, daß ein Heer, das die Vestung Kransberg belagert, hier gestanden habe, oder, wofür sich Prescher II, 269 ausspricht, daß der Berg von alten Zeiten her ein Hörberg (Warte, specula) gewesen sey. Wahrscheinlich stand die Capelle zu dem nahen Kransfeld in engeren Beziehungen; jedenfalls gehörte der Ort dorthin.

i) Heilberg, {{Bruch|1|2}} St. südlich von L. auf einer Höhe; ein 1701 angelegtes Gut, das der Staat 1842 kaufte und wieder zu Wald umschuf. Das Haus bewohnt ein Waldschütze.

k) Hochhalden, 3/8 St. südl. von L. auf dessen Markung, neuen Ursprungs.

l) Knollenberg, auch Schockenhof, {{Bruch|1|8}} St. westl. von L. auf dessen Markung; wurde um 1545 angelegt.

m) Krasberg, 3/8 St. südwestlicb von L. auf der Höhe jenseits des Kochers. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen 5 Lehen und 1410 das Eigenthum von einem Gut. Der Ort hatte 1785 24 Einwohner.

n) Platz, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von L. auf dessen Markung, auf der Höhe; neuere Ansiedelung.

o) Rübgarten, 3/8 St. südlich von L. auf einer Höhe über dem linken Kocherufer. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen 6 Güter, die nachmals in 3 zusammengezogen wurden, und erwechselte 1557 von dem Augustiner-Kloster in Gmünd ein weiteres Gut. Der Ort hatte 1785 45 Einwohner.

p) Schönbrunn, {{Bruch|1|2}} St. östlich von L. auf der Höhe; ein schon frühe in 3 Lehen getheilter Hof, 1380 von Ellwangen erkauft.

q) Teutschenhof, auch Erdgeschleifhöflen, {{Bruch|1|4}} St. östlich von L. auf dessen Markung; eine 1545 angelegte Sölde.

r) Weiler, mit dem Beisatze „im Schmiedelfeld'schen“, {{Bruch|1|2}} St. westlich von L. auf der Höhe über dem linken Kocherufer, gehörte nach Prescher einst als eine Villa zur Veste Kransberg, mit welcher Limpurg 12 Güter erwarb, die später in 3 Höfe zusammengelegt wurden. Ein weiteres freies Gut kaufte Limpurg 1404 von einem Bauern.

s) Wengen, {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von L. zunächst am Einfluß des Krempelbachs in den Kocher. Mit Birkenlohe kaufte 1586 Limpurg 13 Güter.

t) Wimbach, {{Bruch|1|4}} St. südlich von L. am Wimbach, in einem engen Thälchen. Die Sägmühle wurde 1581 errichtet.

Der Kransberg, ein über dem rechten Kocherufer sich erhebender, steiler, länglichter, wenige Minuten von Heerberg entfernter, Bergvorsprung, der von Osten, Süden und Westen vom Kocher umflossen ist, {{Seite|169 zeigt noch die imposanten Ruinen der zerstörten Veste Kransberg, früher auch Cranchs- oder Cranichsberg genannt. Sie bestand, wie die Gräben zeigen, aus zwei Abtheilungen, und es ist noch ein Theil eines viereckigen Thurmes übrig. Über den Ursprung und die früheren Besitzer der Burg schweigt die Geschichte; nur so viel ist bekannt, daß 1357 Ludwig und Friedrich, Gebrüder, und Ludwig der jüngere, Grafen von Oettingen, die Burgen Kransberg und Buchhorn mit den zugehörigen Gütern um 4000 Pfd. Heller an Schenk Conrad von Limpurg verkauften, wie dieselben „ihr Vetter selig Graf Ludwig der Alte und sein Sohn Graf Albrecht hergebracht“, für frei und eigen, es wäre denn, daß die Vesten in Jahresfrist als Lehen angesprochen würden, in welchem Fall die Schenken sie als Lehen empfangen sollten; daß ferner Kransberg mit Röthenberg 1406 der Kurpfalz lehenbar gemacht, und kurze Zeit nach ihrem Übergang an Limpurg im Städtekrieg zerstört worden ist. (Auch im jetzigen Herzogthum Nassau gab es ein Schloß Cranichsberg oder Cransberg.)

Michelbach an der Bilz,

Gemeinde III. Kl. mit 1069 Einw. a. Michelbach an der Bilz, Pfd. 398 Einw., wor. 4 Kath. b. Adelbacher Wirthshaus, 5 Einw. c. Buchhorn, W. 82 Einw. d. Gschlachten-Bretzingen, W. 163 Einw., wor. 63 Kath. e. Hagenhof, H. 21 Einw. f. Hirschfelden, W. 141 Einw. g. Kohlhäu, H. 6 Einw. h. Neummühle, 13 Einw., wor. 5 Kath. i. Rauhen-Bretzingen, W. 195 Einw., wor. 35 Kath. k. Steinbrück, W. 20 Einw. l. Ziegelhütte, H. 25 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a., d., h. und i. sind nach Steinbach eingepfarrt.

Die Gemeinde ist auf der nördlichen Spitze des Bezirkes ausgebreitet und grenzt westlich, nördlich und östlich an das Oberamt Hall. In einer Länge von 1 {{Bruch|1|2}} St. bildet der Kocher auf der westlichen Seite die Oberamtsgrenze. Die Hälfte etwa, dem rechten Kocherufer entlang, ist eine hin und wieder durch Schluchten unterbrochene Ebene, indeß die andere Hälfte bergig und meist bewaldet ist. Namentlich erheben sich gegen Osten bewaldete Berge, deren nördlicher Ausläufer der dem Oberamt Hall angehörige Einkorn ist und die sich gegen Süden mit dem Adelberg schließen. In den Niederungen hat der Boden Thon, auf der Höhe leichten Sand, und ist im Ganzen fruchtbar. Von den östlichen Waldgehängen treten der bei Rauhen-Bretzingen entspringende Remsbach und andere kleine Gewässer in den Kocher, indeß der unterhalb Kohlhäu entspringende Adelbach einen weitern Verlauf gegen Süden nimmt. Quellwasser ist überall zur Genüge; bei den meisten Häusern ein eigener Pump- oder Zieh-Brunnen; in Michelbach sind einige laufende Brunnen. Ein Hauptübelstand ist, daß die Gemeinde so wenige Verbindungsstraßen hat, daß {{Seite|169 man erst seit Errichtung der Brücke bei Neumühle, jedoch nur mit bedeutendem Umweg, in die Oberamtsstadt gelangen kann, woraus auch folgt, daß der Verkehr mit dem gelegeneren Hall mehr lebhaft ist. In der Nähe von Michelbach werden ausgezeichnet gute und schöne Werksteine gebrochen. Das Clima ist das mildeste des Bezirkes. Der Menschenschlag ist gesund und kräftig. Die Einwohnerzahl hat in den letzten 65 Jahren kaum um {{Bruch|1|4}} zugenommen. In Michelbach, Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen sieht man, wie in dem angrenzenden Oberamt Hall, viele recht stattliche Bauernhäuser, das Gebälke meist mit rother Ölfarbe angestrichen, und von Gärten umgeben. Die Vermögensverhältnisse sind nur relativ günstig; der Wohlstand, der noch vor 20 Jahren herrschte, hat durch die allgemeinen Ursachen sehr gelitten. Die Hauptnahrungsmittel sind Ackerbau und Viehzucht. Die zwischen Michelbach, Rauhen-Bretzingen, Gschlachten-Bretzingen und Hirschfelden abgetheilte Markungsfläche beträgt 5829 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1463 6/8 M. Wald und 579 {{Bruch|1|8}} M. Weiden und Öden, also noch 3,5 M. Baufeldes auf den Kopf. Der Zustand der Landwirthschaft ist zwar nicht glänzend, mit den übrigen Gemeinden verglichen aber nicht unerfreulich, da über das eigene Bedürfniß noch Brodfrucht verkauft werden kann. Größere Güter sind zwar vorhanden, aber nicht geschlossen. Die Brache wird selten angebaut, obgleich die besseren Güter dieß lohnen würden. Der schwere Thonboden verlangt zur Beackerung in der Regel 4 Stücke Anspann. Die vorherrschende Winterfrucht ist Dinkel und Roggen, häufig mit einander gemischt; als Sommerfrucht werden hauptsächlich Haber, dann Gerste und Hülsenfrüchte gebaut; Einkorn kommt häufig sowohl im Sommer- als im Winter-Felde vor. Seitdem die Kartoffelkrankheit zugenommen, wird Buchweizen, Hirse und Wälschkorn angebaut. Der Bau von Angersen ist im Zunehmen. Von Futterkräutern finden sich Klee, Esparsette und Luzerne. Der Gartenbau, obwohl er lohnend wäre, ist vernachlässigt. Die Wiesen sind meist zweimähdig und geben vortreffliches Futter. Ein Morgen Ackers kostet 20–110 fl., Wiesen 40–200 fl. Der Weinbau, in früheren Jahrhunderten an sämmtlichen südlichen Bergabhängen betrieben, hat längst aufgehört. Die Obstzucht hebt sich neuerlich mehr und mehr; namentlich zeichnet sich Gschlachten-Bretzingen aus. In Michelbach sind zwei Baumschulen, die der Gemeinde und die des Pfarrers Troll, welcher sich seit Jahren auch des Unterrichts der Kinder in der Obstbaumzucht angenommen hat (S. 60). Die Zwetschge wird groß und gut, wie überhaupt das dortige Obst zu dem besten des Bezirkes gehört. Nußbäume finden sich namentlich in Buchhorn. Bei Kohlhäu wurde 1757 die erste Limpurgische Lärchen-Pflanzung vorgenommen (Prescher II, 336). Die Rindviehzucht ist in sehr gutem Zustande; das Vieh sehr schön. 

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Dasselbe wird theils gemästet verkauft, theils zur Nachzucht verwendet, welche
ein Haupterwerbszweig ist. Die vier Hauptorte haben eigene Schäfereien
mit mittelfeinen schönen Thieren. Es findet ziemliche Hammelmastung
Statt. Gänsezucht wird in Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen stark,
Bienenzucht ziemlich stark betrieben. Von Gewerben sind blos die Mühle
and die Ziegelhütte zu erwähnen. Manche Einwohner finden in dem
nahen Steinsalzwerk Wilhelmsglück und in der chemischen Fabrik bei
Ödendorf ihr Brod.

Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die
Vermögensverhältnisse der Gemeinde- und der Stiftungs-Pflege sind
den günstigen beizuzählen. Wie die kirchlichen, so sind auch die Schulverhältnisse geregelt. Die Zehenten gebührten der Standesherrschaft
Limpurg-Michelbach, mit Ausnahme der beiden Bretzingen, wo sie theilweise dem Staat, und Hirschfelden, wo Theile der Pfarrei Michelbach
und dem Freiherrn v. König zu Hirschfelden, der auch einige Zehentrechte
in Michelbach hat, gehörten.

Sämmtliche Orte bildeten ganz oder theilweise einen Theü der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Michelbach, Amts Michelbach; wie zu derselben auch die Comburgischen Antheile von Rauhen-Bretzingen und Hirschfelden 1805 auf kurze Zeit gekommen, ist S. 106 bemerkt, wo auch der
frühere Bestand der grundherrlichen Rechte zu finden ist. Ein Theil von
Gschlachten-Bretzingen kam erst 1808 vom Oberamt Vellberg zum Oberamt Gaildorf.

Die einzelnen Orte betreffend; so liegt

a) das ev. Pfarrdorf Michelbach, welches den unterscheidenden
Beisatz von dem in südlicher Richtung liegenden Bergrücken „Bilz“ hat,
2 St. nördlich von Gaildorf, auf der zuvor erwähnten Fläche. Es ist
ein langes, von Westen nach Osten gebautes Dorf, mit gut aussehenden,
oft ziemlich weit auseinander stehenden, von Gärten umgebenen Gebäuden. Das Aussehen wäre bei größerer Reinhaltung der Straßen noch
freundlicher. Michelbach ist der Sitz eines standesherrlichen Rentbeamten
und Revierförsters.

Die 1587 erweiterte oder renovirte Kirche zum h. Michael, am östlichen Ende des Ortes, ist gothischen Styls und hat am Thurme die
Jahreszahl 1492. Im Innern ist ein Freskogemälde mit der Jahreszahl
1517, welches den damaligen Orts-Geistlichen Lorenz Reuchlin mit Frau
und 11 Kindern und der Überschrift: „Ora pro nobis beata virgo Maria“
abbildet. Der Thurm ist älter; er ist viereckig und geht vom zweiten in
das dritte Stockwerk in's Achteck über. Die Thurmfenster sind durch
kleine, zurückstehende Säulchen in zwei gleiche Theile getheilt; auch findet
sich außen an jedem Stockwerke der Rundbogenfries: Merkmale, die 
{{Seite|172
wenigstens auf das zwölfte oder dreizehnte Jahrhundert zurückdeuten. Von
den beiden Glocken hat eine in gothischen Minuskeln die Umschrift:
„Anno dom. MCCCCLXXV o rex glorie christi veni cum pace.“ Die
Kirche und das auf dem höchsten Punkte des Ortes gelegene Pfarrhaus
hat die Stiftungspflege zu erhalten. – Das Schloß, in Folge des Heirathsbriefes Schenk Wilhelm's und Dorothea Reuß von Plauen 1618–1622 erbaut und der letztern zum Widdum bestimmt, hat drei massive Stockwerke und einen Treppenthurm, ist hoch und weithin sichtbar. Es
wird schon lange nicht mehr bewohnt. In dem anstoßenden, aus 3 Flügeln bestehenden, Gebäude wohnen der Rentbeamte und der fürstliche
Revierförster. Eine Zierde des Ortes ist das 1843–1844 von der Gemeinde massiv erbaute Schul- und Rath-Haus von 3 Stockwerken. Zur
Pfarrei, deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, hat die
Standesherrschaft zu nominiren. Neben der Volksschule besteht eine Industrieschule; erstere hat 160 fl. Stiftungen und 100 fl. Fonds.

Michelbach wird 1080 erstmals genannt, und zugleich die Pfarrei mit
Zehenten als eine Schenkung der Grafen Burkardt, Rugger und Heinrich
von Comburg an das von ihnen gestiftete Kloster Comburg bezeichnet.
Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 an Conrad von Rinderbach,
Bürger zu Hall, seine Güter zu „Michelbach zwischen Buchhorn und
Brötzingen, da die Kirche innsteht“, bestehend aus 1 Hof, 8 Huben und
einigen Sölden, um 160 fl., welche dieser noch in demselben Jahr als
frei und eigen an Limpurg verkaufte, das 1411 u. f. 10 weitere
Güter von den Haller Bürgern Eisenhut, Eberhard und Stetten erwarb,
und um dieselbe Zeit auch den Blutbann, der sich bis Comburg und Steinbach erstreckte, vom Reich zu Lehen erhielt. So besaß Limpurg 1730 mit
aller Obrigkeit 8 Höfe oder Huben, 12 Söldner und 13 Häuslein, 1741
mit 33 Wohngebäuden und 38 Unterthanen. Bei der S. 98 erwähnten
Theilung der Herrschaft Obersontheim 1744, fiel der Antheil Limpurg-Sontheim-Michelbach an das Haus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg,
welches bis 1806 alle landesherrlichen Rechte, einschließlich des Episcopats, ausübte.

Das Kirchen-Patronat kam zu unbekannter Zeit von Kloster Comburg an Hohenlohe und Limpurg, welche die Pfarrei abwechslungsweise
vergaben, bis 1541 Hohenlohe seine Rechte ganz an Limpurg abtrat, wogegen jenes die Kirchen Braunsbach und Gailenkirchen ausschließlich
erhielt (Wibel II, 428). Ein Pfarrer, Namens Seyfried, wird 1347 genannt (ebenda I, 164). Anna Berler, Bürgerin zu Hall, verkauft 1417
ein Gut zu Uttenhofen an die Kirche zu Michelbach, unter der Bedingung, daß im Chor derselben ein ewiges Licht brenne (ebenda III, 115).
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b) Adelbacher Wirthshaus, 1 St. südlich von M. (Michelbach) auf Buchhorner Markung, in der Tiefe des krebsreichen Adelbachs,
wurde 1788 wegen der damaligen Frequenz des durch den Adelbach führenden Weges, der aber jetzt nicht mehr befahren werden kann, erbaut.

c) Buchhorn, {{Bruch|3|4}} St. südlich von M., ein hochgelegener, aus zerstreut umherstehenden Häusern bestehender Weiler; auf derselben Stelle,
wo die Veste Buchhorn stand, aus deren Gütern die Sölden erst 1535
gezogen wurden. Die Güter sind wegen ihrer schroffen Abhängigkeit
schwer zu bauen, aber dennoch fruchtbar. Limpurg hatte 1741 hier 6
Söldner in 6 Wohngebäuden. Im J. 1590 und später waren noch
Weinberge da.

Auf einer nordwestlichen Ecke des auf drei Seiten steilen Berges
stand, eine weite Aussicht beherrschend, die Veste Buchhorn, von
deren ältesten Geschichte nichts bekannt ist. Die Sage will wissen, daß
sie einst mit dem nahen Westheim den Kochergaugrafen gehört habe.
Später besaßen sie die Grafen von Oettingen. Mit der Burg Kransberg
wurde sie nebst dem zugehörigen Gebiete 1357 an Limpurg verkauft, für
frei und eigen. Nach Chronik-Nachrichten wurde bald darauf, als die
Berler sie von den Schenken als Lehen inne hatten, Räuberei daraus verübt, wodurch die Stadt Hall veranlaßt ward, die Burg zu zerstören; als
aber die Burgleute hievon Kunde erhielten, zündeten sie dieselbe an und
(contracted; show full)
Die Standes-Herrschaften	8211	11	26	21	682	11	2890	34	240	27	7313	13	16	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–
Im Ganzen	224.801	32	3367	52	18.456	–	2921	15	243	–	1.382.671	2508	–	3125	1 	1924	–	266 3/8	22.391	79.118	43.682	11.921	12.325	29.679	17.195	17.280 	295 5/8	64.282 	13.520	7338	9425 
*) Die mit * bezeichneten Gemeinden haben keine Stiftungspflegen.
**) Unter-Gröningen hat die Stiftungspflege gemeinschaftlich mit Ober-Gröningen.

{{references|1}}