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{{Headline|140|0.2|Ober-Gröningen.}}

{{Headline|100||Gemeinde III. Kl. mit 430 Einw. a. Ober-Gröningen, Pfd. 188 Einw. b. Algishofen, W. mit Röthenbach, Hs., Brand, Hs. und Brandhof, H. 87 Einw. c. Buchhof, W. 91 Einw. d. Fach, W. 42 Einw., wor. 20 Katholiken. e. Schlauchhof, H. 7 Einw.; f. Suhhaus, H. 10 Einw. g. Wahlenhalden, H. 5 Einw. – Evang. Pfarrei die Kath. in Parz. d. sind nach Hohenstatt eingepfarrt.}}

Diese dem Limpurger Oberland angehörige Gemeinde befindet sich theils auf der bei Eschach und Frickenhofen erwähnten Hochebene mit weiter Fernsicht, theils in dem gegen das Kocherthal abfallenden, die beiderseitigen Ufer begrenzenden Waldgebirge, und östlich an das Oberamt Aalen stoßend. Das unter vielfachen Krümmungen in nordwestlicher Richtung sich hinziehende Kocherthal ist hier und gegen Unter-Gröningen hin tief, schmal und auf beiden Seiten von felsigen, quellenreichen Schluchten und steilen Höhen eingeengt, die an manchen Orten senkrechte Abstürze darbieten und mit düsterm Nadelwald bedeckt sind. Hier wechseln die schönsten Naturgemälde, bald einen reizend sanften, bald einen wilden Ausdruck empfangend. Von den Schluchten sind namentlich jene zu erwähnen, welche in nördlicher Richtung der Suhbach und der Streitbach bewässert. Überschwemmungen des Kochers kommen wegen seines hier tiefen Bettes nur bei Schneeabgang vor, sind aber auch dann nicht von Bedeutung. Jede Parzelle hat ihre Brunnen. Der Boden, meist tiefgründiger, schwerer Lehm, ist eben nicht fruchtbar, die Luft rein, scharf und gesund. Die Gemeinde hat die meisten alten Leute, s. S. 32. (Vergleiche auch Eschach und Frickenhofen.) Durch den Gemeindebezirk führt die neue Amtskörperschaftsstraße von Gschwend über Ober-Gröningen an die Oberamtsgrenze Aalen. Ober-Gröningen und einige Höfe sind vermöglich; im Allgemeinen finden die Leute ihr Auskommen. Feldbau, Vieh- und Holzhandel und Taglohn sind die Erwerbsquellen. Die Gesammt-Markung ist 1860{{Bruch|4|8}} M. groß, darunter 376{{Bruch|7|8}} M. Wald und 149{{Bruch|6|8}} M. Weide und Öden, wornach 2,8 M. Baufeldes auf den Kopf treffen. Die Äcker liegen an den Bergabhängen und sind daher schwer zu bauen; die Wiesen im Thale. Das Fruchterzeugniß kommt dem eigenen Brodbedarf gleich. Es wird hauptsächlich Roggen und Haber, dann Dinkel, Gerste und Wicken gebaut. Auf einen Scheffel Aussaat rechnet man vier Scheffel Ertrag. Der Pflug bedarf 4 Ochsen als Anspann. Außerdem werden Kartoffeln, Klee und Hanf, der aber grob ist, gebaut. Ein Morgen Ackers kostet 25–100 fl. Die Wiesen, meist zweimähdig, werden zum Theil gewässert und geben ein gutes Futter. Das 

{{Seite|186 Obst wird nicht geachtet, weßhalb man es „Grabsig“ nennt, das man grabsen oder stehlen darf. Die Zucht desselben ist sehr gering. Der Stand des Rindviehs ist schön; es wird nur im Herbst einige Wochen ausgetrieben.

Der Gemeinde-Bezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind nicht so beschaffen, daß nicht namhafte Umlagen für dieselbe erforderlich wären; auch die Einnahmen der Stiftungspflege genügen ihren Zwecken nicht. Der Schulverband entspricht dem Kirchsprengel. Zehentherr war bisher der Staat, mit der Beschränkung, daß am großen Zehenten in Ober-Gröningen Graf von Adelmann, in Algishofen, Fach und Schlauchhof die Stiftungspflege Ober-Gröningen, und am kleinen Zehenten in Ober-Gröningen die Pfarrei Schechingen, in Fach die Pfarrei Eschach Theil hatten.

Bis 1806 bildete die ganze Gemeinde einen Bestandtheil der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gröningen, Amts Untergröningen, mit Ausnahme von Brandhof, das bis dahin zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Amts Gschwend, gehört hat.

Die einzelnen Orte:

a) Das evang. Pfarrdörfchen Ober-Gröningen liegt 4 {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von Gaildorf, auf der Hochfläche, an der Straße und nahe an der Oberamtsgrenze, in einer kesselförmigen, grasreichen Aue, welche den ganzen östlichen Theil des Ortes umkränzt und Anfangs einen freundlich sanften Anblick gewährend, wildromantisch durch eine tannenreiche Schlucht in's Kocherthal sich hinabzieht. Die kleine düstere Kirche zum h. Nicolaus hat an einem steinernen Behältniß im Chor die eingehauene Jahreszahl 1427. Auf dem kleinen Thurme hängen 3 Glocken, wovon eine vom Jahr 1492 von dem mehrerwähnten Lachamann. Die Baulast liegt dem nicht vermöglichen Heiligen ob. Das hoch und frei gelegene, die gedachte Aue beherrschende, 1837 von der Gemeinde erbaute, Pfarrhaus gewährt eine schöne Fernsicht. Das 1829 von der Gemeinde erbaute Schulhaus wurde 1846 erweitert. Das Patronat ist königlich. Die Schule, seit etwa 90 Jahren bestehend, bis wohin die in Unter-Gröningen für den ganzen Pfarrsprengel gemeinschaftlich war, hat keinen Fonds. Der Begräbnißplatz ist im Dorfe.

In Gröningen – ob hier oder in Unter-Gröningen, ließ sich nicht ermitteln – war Comburg mindestens seit 1248 begütert. Das Dorf kaufte 1436 Limpurg mit Unter-Gröningen; es zählte damals 9 Höfe und Lehen und theilte von da an seine Geschicke mit Unter-Gröningen. Die zugleich erworbene Pfarrei scheint von hohem Alter zu seyn. Im dreißigjährigen Kriege haben die Einwohner viel gelitten und sich oft 

{{Seite|187 in dem Wegstetter Wald in einem Verhack lang aufhalten müssen; Manche wurden 1634 getödtet, Viele rieß die Pest hinweg. Der Ort hatte 1741 nur 18 Bauernhäuser und 1767 136 Einwohner.

b) Algishofen, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. (Ober-Gröningen) beim Einfluß des Röthenbachs und Suhbachs in den Kocher. Dazu gehören eine Mahlmühle und die einzelnen Häuser Röthenbach und Brand. Limpurg kaufte 1436 mit Gröningen die Mühle und 2 Güter; 1741 waren in 8 Wohngebäuden 8 Unterthanen und 1 Ausdinger; 1767 42 Einwohner.

c) Brandhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. über dem linken Kocherufer. Eine neuere Ansiedelung.

d) Buchhof, {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. auf der Hochfläche über dem sogenannten Buchwald; ursprünglich ein kleiner Hof, der 1767 nur 5 Einwohner hatte.

e) Fach, früher Vach, {{Bruch|5|8}} St. nördlich von O. auf der Grenze des Oberamts Aalen und dem linken Kocherufer. Hier war Kloster Lorch frühe schon begütert; 1239 überläßt es „mansum nostrum situm in Vache“ einem Ritter Ulrich von Merchingen auf Lebenszeit gegen 12 Pfund Heller. S. auch Kemmnathen und Stixenhof. Ein Gut erwarb Limpurg mit der Herrschaft Gröningen; ein zweites, das 1414 der Gmünder Bürger Cyr Kirchberg an die St. Veitskapelle zu Gmünd verkauft hatte, wurde 1557 von der Stadt Gmünd erwechselt. Auch die Herren von Adelmann zu Hohenstatt hatten ein Gut, das 1741, wo Limpurg 3 Unterthanen und 2 Ausdinger hatte, in den Händen der Propstei Ellwangen sich findet.

f) Schlauchhof, {{Bruch|3|8}} St. nördlich von O. über dem linkseitigen Kocherufer; ein 1702 angelegtes Waldgütchen.

g) Suhhaus, {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. am Suhbach, auf der Markung von Schlauchhof.

h) Wahlenhalden, {{Bruch|5|8}} St. nördlich von O. über dem rechtseitigen Kocherufer. Ein kleines 1720 aus dem zu Algishofen gehörigen Felde Wahlenhalden angelegtes Gütchen.

Zwischen Algishofen und Schlauchhof erhebt sich auf dem linken Kocherufer ein Hügel, der „Schloßburren“ genannt, wo man noch Reste von Wall und Graben sieht. Das Volk spricht von einem Schlosse Eulenburg, das hier gestanden habe. Ob die Burg der ursprüngliche Sitz der Herren von Gröningen gewesen und diese später nach Gröningen übergesiedelt, muß dahin gestellt bleiben. 

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Ober-Roth.

Gemeinde II. Kl. mit 2355 Einw. a. Ober-Roth, Pfd. mit Neumühle 787 Einw. b. Badhaus, H. 19 Einw. c. Brennhof, 7 Einw. d. Dexeberg mit Dexelhof, H. 6 Einw. e. Ebersberg, W. mit der Ziegelhütte, 175 Einw. f. Ebersberger-Sägmühle, 8 Einw. g. Ernstenhöfle, H. 7 Einw. h. Frankenberg, 127	Einw. i. Frankenberger-Sägmühle, 10 Einw. k. Glashofen, W. 146 Einw. l. Hammerschmiede, Hs. 12 Einw. m. Hohenhardsweiler, W. 160 Einw. n. Jaghaus, W. 24 Einw. o. Konhalden, W. 37. Einw. p. Kornberg, W. 74 Einw. q. Obere Kronberger-Sägmühle, 7 Einw. r. Untere Kronberger-Sägmühle, 15 Einw. s. Marbächle, W. 119 Einw. t. Marhördt, W. 61 Einw. u. Marhördter-Mühle, 11 Einw. v. Obermühle, 121 Einw. w. Osenberg, H. 9 Einw. x. Seehölzle, W. 28 Einw. y. Stiershof, W. mit Falkenhölzle, Hs. 151 Einw., wor. 1 Kath. z. Wolfenbrück, W. 234 Einw. – Evang. Pfarrei ; Parz. i. Fil. von Westheim, Parz. z. Fil. von Murrhardt, theilweise; die Kath. in Parz. y. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.

Die vielen diese Gemeinde bildenden Parzellen gehören dem Roththal, dessen beiderseitigen Gehängen und der über ihnen gelegenen Flächen an. Der Bezirk grenzt nördlich an das Oberamt Hall, westlich, südwestlich und südlich an das Oberamt Backnang. Das Thal erreicht, wie schon erwähnt, zwischen Hausen und Ober-Roth die verhältnißmäßig größte Breite. Auf dem Gebirgsrücken zwischen dem Roththale und Murrthale bei Glashofen ist die S. 6 gedachte meist dem Oberamte Backnang angehörige Wasserscheide, da der bei Wolfenbrück entspringende Frohnbach südöstlich mit der Murr sich vereinigt, indeß mehrere kleine Gewässer unseres Gemeindebezirkes, namentlich von Westen der Frohnbach, und Wimbach, von Südwesten der Maßlensbach und der Mühlbach, von Osten aber der Stiersbach, Finsterklingenbach, der Altebach und Sollbach mit ihren Zuflüssen in die Roth sich ergießen. Durch das Thal zieht die bei Hausen und Hütten erwähnte Landstraße von Gaildorf nach Mainhardt. Der Boden ist theilweise undankbar und erzeugt keineswegs das Brodbedürfniß. Vielmehr beruhen die Hauptnahrungszweige auf der Viehzucht, dem Holzhandel und verschiedenen Arbeiten im Taglohn. Die Vermögensverhältnisse und das Auskommen der Einwohner sind im Allgemeinen ungünstig. Die Bevölkerung hat sich auch in dieser Gemeinde seit 1785 verdoppelt. Die Markungsfläche der Gesammt-Gemeinde mit 10.186 {{Bruch|1|2}} M. ist zwar die größte von allen, allein sie hat 3881 {{Bruch|1|2}} M., also über {{Bruch|1|3}} Wald und 955 M. Weiden und Öden, so daß der durchschnittliche Betreff an Baufeld nur 2,1 M. auf den Kopf beträgt. Erwähnenswerth ist, daß seit 5 Jahren der Repsbau immer mehr Aufnahme findet. Auch der Hopfenbau kommt mehr und mehr 

{{Seite|189 in Aufnahme, da das hiesige Erzeugniß jenem von Spalt in nichts nachstehen soll. Der noch 1607 erwähnte Weinbau wurde längst aufgegeben. Der Wiesenbau ist bei den oben S. 58 erwähnten vortrefflichen Thalgründen eine Hauptsache. Der Rindviehstand ist bedeutend und bei den Vermöglichen sehr schön. Der Käsefabrik in Ober-Roth ist S. 68 gedacht. Die Zahl der Ziegen ist der vielen Ärmeren wegen sehr groß; auch die Bienenzucht ist bedeutend. Außer mehreren Mühlwerken sind weitere Gewerbe nicht erwähnenswerth. Im Übrigen ist das bei Hausen und Vichberg Bemerkte zu vergleichen.

In forstamtlicher Hinsicht bildet die Roth die Grenze zwischen den Forstämtern Reichenberg (mit den auf dem rechten Ufer liegenden Parzellen) und Comburg. Das Vermögen der Gemeinde ist mittelmäßig, das der Stiftungspflege etwas günstiger. Es sind zwei größere Stiftungen vorhanden: eine von 792 fl. für die Hausarmen in Ober-Roth, und eine von der Wittwe des Kammerraths Knorr in Ober-Roth von 1794 mit 1000 fl. für die Hausarmen der vormaligen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Assenheim. Volksschulen sind in Ober-Roth, Frankenberg und Marhördt. Die Zehenten gebührten bisher: der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth in Dexelberg, Ebersberg, Konhalden, Marbächle und theilweise in Ober-Roth und Glashofen; der Pfarrei Ober-Roth in Brennhof, Hohenhardtsweiler und theilweise in Ober-Roth, Glashofen und Wolfenbrück; dem Staat, neben Antheilen von Ober-Roth und Glashofen, in den nicht genannten Orten. Über die Bestandtheile der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth s. S. 74 und 103.

Bis 1806 waren zugetheilt: dem Oberamte Backnang: Ofenberg und Antheile von Ebersberg, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle und Stiershof; dem Kloster-Oberamte Murrhardt: Ernstenhöfle, Jaghaus und Antheile von Frankenberg, Glashofen, Obermühle und Wolfenbrück; der Pflege Westheim: Seehölzle und Antheil von Frankenberg; dem Stabsamte Rosengarten: Antheil von Hohenhardtsweiler; dem Amte Ober-Roth, der schon seit 1781 theilweise württembergischen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim: neben Antheilen von Ebersberg, Frankenberg, Glashofen, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle, Stiershof und Wolfenbrück die übrigen Orte der Gemeinde. Auch Hohenlohe-Bartenstein hatte Rechte. S. hiernach.

Näheres über die einzelnen Orte:

a) Das ansehnliche und stattliche evang. Pfandorf Ober-Roth liegt 2 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Gaildorf, in der Mitte des schönen wiesenreichen Roththales, von dem westlich herkommenden Frohnbach bewässert, welcher sich in das in südöstlicher Richtung ganz nahe 

{{Seite|190 vorbeifließende helle Rothflüßchen ergießt. Es ist der Sitz des Rentbeamten der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth, hat ein halbstädtisches Aussehen, ist wohl gebaut und gepflästert. Nahe bei der Roth liegt die schöne aus Quadern erbaute Kirche zum St. Bonifacius. Ein Stein über einer der Thüren zeigt in erhabener Arbeit das Wappen Limpurgs und der von Roth, und den Kloster Murrhardt'schen Abtsstab mit der Jahreszahl 1513. Wahrscheinlich ist das jetzige, 1822 erweiterte Gebäude in diesem Jahr errichtet worden. In der Kirche sind einige sehr schön gearbeitete Denkmale des alten hallischen Geschlechtes der Senften von Sulberg, namentlich von 1614 und 1627. An der Kirchthüre steht ein Gedächtnißstein an Fritz von Roth von 1482. Älter als die Kirche ist der Thurm, von unten hinauf mit schlechten kleinen Steinen aufgemauert, von der Mitte an aber, so wie die Kirche selbst von unten, mit Quadersteinen erbaut; woraus folgen möchte, daß der Thurm ursprünglich nur eine kleine Capelle war. Die drei Glocken sind alt. Die kleine ohne Jahreszahl hat Reliefs: Christus am Kreuz und Mariä Verkündigung; die zweite hat in Minuskeln eine nicht ganz leserliche Umschrift mit der Jahreszahl 1443 (nicht 1404 wie Prescher angibt); die dritte hat die Umschrift: „Osanna heis ich in unser Frauen er leut ich bernhart lachamann gos mich 1496.“ Die Baulast hat der Heilige. Das der Kirche angenehm gegenüberliegende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Murrhardt der Staat zu erhalten. Das große Schulhaus wurde 1834 mit einem Aufwande von 5548 fl. durch Umlage auf die Pfarrgemeinde erbaut und das alte Schulhaus zum Rathhaus bestimmt. Der beträchtliche Gemeindeboden ist 1771 unter die Einwohner vertheilt worden. Das Patronatrecht steht der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. An der Volksschule stehen 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer und 1 Gehülfe. Der mit Marhördt gemeinschaftliche Schulfonds beträgt 326 fl. 37 kr. Außerdem ist eine Industrieschule vorhanden, auch wurden früher (noch 1827) die Knaben in einer besondern Baumschule in der Obstzucht unterrichtet. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb des Dorfes.

Der Ort ist von hohem Alter. Schon 788 schenkte Hiltisnoot, die Tochter eines Suabuled, das neuerrichtete Kloster Baumerlenbach (Oberamts Öhringen) mit Zugehörungen dem Kloster Lorsch an der Bergstraße, und darunter „in Cochengewe in Westheimer marcha, in loco qui dicitur Roadhaha hubas quinque et mansos V... et basilicam illic constructam ad integrum“ (Cod. Lauresham. I. S. 30). Im Jahr 848 gab der Abt Hatto von Fulda tauschweise an einen Grafen Sigehard, was das Kloster Fulda besaß „in pago Cochingowe in duabus villis id est in Rotaha et in Vuestheim –“ (Württemb. Urk. Buch I, 135). Hiermit ist wahrscheinlich Ober-Roth gemeint, obgleich auch 

{{Seite|191 wegen seiner alten Kirche auf das nahe Mittel-Roth geschlossen werden könnte. Auch tritt frühe schon das Geschlecht der von Roth auf, das auf der unten zu erwähnenden Burg saß und namhafte Rechte in dem Thale, besonders auch in Ober-Roth, inne hatte. Conrad und Wilhelm von Roth, Gebrüder, Götzen von Roth genannt von Schechingen, Söhne, verkaufen 1367 an Limpurg um 70 Pfd. Heller ihren Theil an dem Burgstall zu Roth, 1 Gut zu Ober-Roth, 2 Güter zu dem Badehause, 1 Sölde zum Dechsenberg, 2 Sölden zu Ebersberg, 1 Gut zu Frankenberg, 1 zu Eichenkirnberg, 1 Lehen zu Glashofen, {{Bruch|1|6}} des Gerichts, der eigenen Leute und Waldungen, worunter auch der von Ochsenberg Antheil hieran. Albrecht Graf von Löwenstein verkauft 1370 an Limpurg um 400 Pfd. Heller folgende von Fritz von Roth genannt von Pflugfelden, erworbene Güter: seinen Theil am Burgstall, 4 Güter zu Wonarzweiler, den Keyenberg, die Lohmühle und 2 Lehen, so wie in Ober-Roth 1 Hof, das Birkach, den See, ein Haus an der Badstube und 4 Lehen. Burkhardt und Friedrich Sturmfeder verkaufen 1370 um 200 fl. und 300 Pfd. Heller an Limpurg Alles, was sie zu Ober-Roth haben und in dessen Pfarrei gehört, auch was sie zu Hütten und Erlach haben, ausgenommen ihre Bannwälder. Conrad und Götz von Roth, Gebrüder, verkaufen 1371 an Limpurg um 364 Pfd. Heller ihren Antheil des Burgstalls, der Wälder, Weiden, des Gerichts, „des Baumgartens vor der Burg,“ die Hankrazmühle, 1 Hof und 3 Lehen zu Ober-Roth, das Gut zu Glashofen, „von dem Burkey“ daselbst 21 Schätz Haber, 1 Gut zu Yttendorf und 2 Güter zu Ebersberg. Hans von Roth verkauft an Limpurg 1410 um 51 fl. seinen Theil am Burgstall und an dem Gericht, der Taferne und den Bannwäldern, worunter „die vordere Hochwart“ genannt wird. Priedt (Brigitte) von Nypperg, Peter's von Stetten Wittwe zu Hall, verkauft 1419 ein Gut an den St. Leonhards-Altar in St. Michael zu Hall. Caspar von Roth trug 1506 und noch nach 1530 von Limpurg zu Mannlehen: einen Theil am Burgstall, die Hälfte der Mahl- und Säg-Mühle dabei, 1/12 am Gericht zu Ober-Roth und 20 zur Burg gehörige Güter zu Ober-Roth, Wolfenbrück, Glashofen, Ebersberg, Dechsenberg und Badhaus. So waren die Schenken in dem Besitz des größten Theiles der Roth'schen Güter. Ein anderer kleiner Theil scheint an das Kloster Murrhardt gekommen zu seyn. Herzog Christoph von Württemberg, wohl als Murrhardt'scher Kastvogt, hatte an Margaretha, Catharina und Apollonia, die Töchter eines Caspar von Roth, 1 Gut zu Kornberg, 1 zu Obermühle, 1 Hof zu Honharzweiler, genannt zu der Haid, und ein weiteres Gut daselbst verliehen. Im Jahr 1594, als diese Güter längst heimgefallen waren, wurden sie von Herzog Friedrich an Ernfried Senft von Sulburg in Ober-Roth als Mannlehen gegeben, nachdem schon 

{{Seite|192 1576 Heinrich Senft von Sulburg mit einem Jagdbezirke „und Antvögel (Enten) uff der Roth zu schießen“ von Württemberg belehnt worden war. Ernfried starb 1631 in Italien, als der Letzte seines Stammes, worauf die Güter nicht wieder verliehen, sondern dem Amt Backnang einverleibt wurden. Die Senft hatten seit 1571 ein im Dorfe gelegenes Schlößlein inne, das einst nach Haller Chroniken, von denen von Roth bewohnt war, und die Schenken um 1555 denen von Gaisberg gegen ihren Antheil an dem Dorfe Schnaith, Oberamts Schorndorf, abgetreten hatten. Georg von Gaisberg saß 1565 auf diesem „freien Edelmannssitz.“ Der hier 1690 gestorbene Conrad von Tessin, Limpurgischer Hofmeister, scheint nach den Senft das Gut erworben zu haben. Die vom Kloster Murrhardt herrührenden {{Bruch|2|3}} des Fruchtzehentens ({{Bruch|1|3}} gehörte der Ortspfarrei) und den ganzen Weinzehenten erwarb Limpurg 1607 von Württemberg.

Die Pfarrei ist, wie schon bemerkt, von sehr hohem Alter. Wie und wann dieselbe vom Kloster Baum-Erlenbach an das Kloster Murrhardt gelangt, ist unbekannt. Das letztere hatte schon lange vor der Reformation den Pfarrsatz. Nach derselben war das Confirmationsrecht in den Händen der Herrschaft Limpurg-Gaildorf, und kam 1806 an die Krone, welche das ihr zugestandene Patronatrecht 1819 den gräflichen Häusern Waldeck und Ysenburg überließ, worauf 1824 Ysenburg seinen Antheil an Waldeck abtrat.

Ober-Roth wurde 1449 oder 1450 abgebrannt und 1525 während des Bauernaufstandes von den Völkern des schwäbischen Bundes geplündert. Im dreißigjährigen Kriege hatte es harte Schicksale; 1635 starben aus der Pfarrgemeinde 218 Personen. Ober-Roth hatte 1785 400 Einwohner.

b) Badhaus, {{Bruch|7|8}} St. nordwestlich von O. (Ober-Roth) am Einflusse des Mühlbachs in die Roth. Wird schon 1367 als Badhaus bezeichnet, s. zuvor.

c) Brennhof, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf dem rechten Rothufer. Ein mittleres, vor 260–270 Jahren angelegtes Gut.

d) Dexelberg, früher auch Techsenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. zunächst dem Brennhof. Dazu gehört Dexelhof. Gehörte zur Burg Roth und wurde später mit Konhalden verbunden.

e) Ebersberg, mit Ziegelhütte, {{Bruch|3|8}} St nordwestlich von O. über dem rechten Rothufer. War ein Condominat. Einen Theil erwarb Limpurg mit der Burg Roth; ein anderer, 1789 mit 2 Gütern, gehörte Hohenlohe-Bartenstein; einige Unterthanen gehörten in das altwürttembergische Amt und Stadtgericht Backnang. Die vom Kloster Murrhardt herrührenden Zehenten in Ebersberg, Kornberg, Konhalden 

{{Seite|193 und Obermühle mit einem Hof in Glashofen trat Württemberg 1607 in Limpurg ab.

Auf der Markung befinden sich auf einem Berg-Vorsprunge über dem Roth-Thal die nur noch in den Grundmauern eines runden Thurmes und einigen Ringmauern bestehenden Reste einer Burg. Zunächst am Orte heißt noch ein Weg die Burggasse. Hier lag vielleicht das „Burkey“, welches Limpurg 1371 mit Roth kaufte.

f) Ebersberger-Sägmühle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Ebersberg, auf dessen Markung, am Maslenbach.

g) Ernstenhöfle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von O., ein 1720 im Kloster Murrhardt'schen Wald angelegtes schlechtes Gütchen.

h) Frankenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von O. über dem linken Roth-Ufer, an der Grenze des Oberamts Hall. Die zur hiesigen Schule gehörigen Stiftungen sind mit jener von Westheim gemeinschaftlich; der Schulfonds beträgt 22 fl. 41 kr. Auch dieser Ort hatte zugleich mehrere Herren. Limpurg, das 1421 den Haller Bürger Wilhelm Schlez und 1505 den Haller Bürger Heinrich Spieß mit der Vogtei belehnte, erwarb einen Theil mit Roth; 7 andere Güter gehörten vom Kloster Murrhardt her theils in die Pflege Westheim und theils in's Amt Murrhardt. Georg Friedrich vom Holtz tritt 1643 an Limpurg ein ihm geeignetes Lehen gegen einen halben Hof zu Vorder-Steinenberg ab.

i) Frankenberger-Sägmühle, auch Frankenbergle, auf der Frankenberger Markung, am Dentelbach.

k) Glashofen, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von O. auf einem Berge über dem rechten Roth-Ufer; aus zerstreut liegenden Wohnungen bestehend, gleichfalls ein Condominat-Örtchen. Limpurg erwarb mit Roth einige Güter; andere waren auf Kloster Murrhardt'schem Boden angelegt. Limpurg erwechselt 1607 von Württemberg das sogenannte Conventgut. Ein Waltherus de Glashoven kommt 1371 in einer Limpurgischen-Urkunde vor, s. auch Münster.

l) Hammerschmiede, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O., an der Roth, auf Kornberger Markung; ein vor etwa 160 Jahren erbautes Hammerwerk.

m) Hohenhardtsweiler, Hohnartsweiler, früher Honortsweiler und Wohnhartsweiler, {{Bruch|5|8}} St. nordöstlich von O. auf dem Gebirge über dem linkseitigen Roth-Ufer, an der Oberamts-Grenze Hall, aus zerstreut liegenden Häusern bestehend. War ebenfalls Condominat. Limpurg kaufte 1370 mit Roth 4, und 1407 von Greth von Öttendorf 4 Güter (s. auch Spöck). Die Reichsstadt Hall hatte einige Unterthanen, die Kl. Murrhardt'sche Pflege 3 Lehengüter, und 1804 Württemberg 22 Unterthanen, die in's Stadtgericht Backnang gehörten. 

{{Seite|194 n) Jaghaus, {{Bruch|1|2}} St. südlich von O. an der Grenze des Oberamts Backnang; ein kleines Gut des Klosters Murrhardt.

o) Konhalden, auch Cunhalden, {{Bruch|7|8}} St. nordwestlich von O. an der gedachten Grenze; ein mit Roth erkaufter Hof.

p) Kornberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über dem linkseitigen Roth-Ufer. Gleichfalls ein Condominat, wovon Limpurg 1370 einen Theil von Sturmfeder erwarb; der altwürttembergische Antheil, 1804 mit 9 Unterthanen, gehörte in's Stadtgericht Backnang.

q) Obere und r) Untere Kornberger-Sägmühle, je {{Bruch|1|4}} St. oberhalb und unterhalb von Kornberg, an der Roth.

s) Marbächle oder Morbächle, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O. an der Backnanger Oberamts-Grenze.

t) Marhördt, auch Marrhördt, 1 {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. zunächst bei Marbächle. Zu dem mit 2500 fl. im Jahr 1844 erbauten Schulhause gab der Staat 400 fl. Beitrag; die Ortseinwohner haben dazu eine Glocke gekauft. – Marbächle und Marhördt liegen in dem Walde Rindsbuch, den Limpurg theilweise 1367 und 1410 von denen von Roth und theilweise 1556 von Württemberg erworben. Beide Orte waren noch 1557 Höfe.

u) Marhördter-Mühle, zunächst bei Marhördt, auf dessen Markung, an dem aus dem vereinigten Aschenbach und Morbach besteden Mühlbach.

v) Obermühle oder Obermühlen, {{Bruch|5|8}} St. nordwestlich von O. zunächst der Roth, an dem Keyenberg. Auch hier war ein Condominat. Wie Limpurg seinen Antheil erwarb, ist bei Ober-Roth bemerkt. Die Frauen-Klause zu Unter-Limpurg besaß ein 1360 von Ulrich von Morstein erkauftes Gut. Der Haller Bürger Peter Fürer (Feurer) verkauft 1392 eine Gülte „uff der obern Müle gelegen vnter Rote der Veste, die da gestanden ist,“ an St. Wendelin's Altar im Siechen-Spital zu Hall. Außerdem waren bis in die neuere Zeit württembergische und Kloster Murrhardt'sche Unterthanen hier, die beziehungsweise nach Backnang und Murrhardt gehörten. S. auch Ebersberg.

w) Ofenberg, auch Offenberg, 1 {{Bruch|1|8}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über dem rechten Roth-Ufer. Ein auf Reichenberger Forstboden angelegtes Gütchen, das in's Stadtgericht Backnang gehörte.

x) Seehölzle, {{Bruch|5|8}} St. nordöstlich von O. an der Haller Oberamts-Grenze. Ein kleines, Kloster Murrhardt gehöriges, dessen Pflege Westheim zugetheilt gewesenes Gut.

y) Stiershof mit Falkenhölzle, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich von O. über dem Stiersbach. Auch ein Condominat zwischen Limpurg und 

{{Seite|195 Württemberg, das in letzterer Hinsicht zum Stadtgericht Backnang gehörte. Im Jahr 1785 zählte der Ort 44 Einwohner.

z) Wolfenbrück, 1 {{Bruch|1|8}} St. westlich von O. beim Ursprunge des Fornsbachs an der Grenze des Oberamts Backnang. Auch dieser aus zerstreut liegenden Häusern bestehende Ort war ein Condominat. Ein Simon (?) von Roth schenkt im 12. Jahrhundert dem Kloster Murrhardt 5 Heller Zinse dahier (Chronik von Murrhardt). Die beiden vorderen Höfe gehörten dem gedachten Kloster; die schon 1575 in 5 Güter getheilten hinteren Höfe Limpurg. Eines der letzteren war noch 1553 freies Eigenthum eines Bauern, das andere dem Heiligen zu Münster bei Gaildorf lehnbar. Der Weiler hatte 1785 84 Einwohner.

In der Nähe von Wolfenbrück, bei der S. 111 erwähnten Schanze, wurden schon öfters alte Waffen und dergl. ausgegraben.

Auf einer Höhe bei Obermühle stand die bei Ober-Roth genannte Burg Roth, wovon kaum noch Spuren an den vormaligen Gräben zu sehen sind. Sie war der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Roth, von dem wir bereits mehrere Glieder kennen gelernt haben. Schon 1090, 1095 und 1101 kommen Craft und Odelricus de Rote in Comburger Urkunden vor. Die Letzten des Geschlechtes waren Friz, der 1542 in einem Zuge gegen die Türken blieb, und der obengenannte Caspar. Nach Haller Chroniken wurde die Burg, weil aus derselben Raub verübt worden, auf kaiserlichen Befehl von Engelhard von Lobenhausen zerstört. Als dieser dem damaligen Besitzer der Burg sein Vorhaben durch einen Boten ankündigen lassen, habe er ihn am nächsten Baume aufgehängt und sey die Wiese, wo es geschehen, lange die Henkwiese genannt worden. Da schon 1367 bei dem Verkaufe nicht von einer Burg, sondern von einem Burgstalle die Rede ist, so war sie wohl schon zuvor zerstört worden.

Ober-Sontheim.

Gemeinde II. Kl. Pfd. mit der Gyps-Mühle 1312 Einw., worunter 24 Kathol. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Bühlerhann eingepfarrt.

Der Gemeinde-Bezirk oder die Markung Ober-Sontheim bildet einen nordöstlichen Ausläufer des Oberamtes, indem sie nördlich an das Oberamt Hall, südlich und südöstlich an das Oberamt Ellwangen und östlich an das Oberamt Crailsheim grenzt. Sie ist von Süden nach Norden von dem Bühlerflüßchen durchschnitten, in das sich von Westen her der Schießbach und von Osten der Nesselbach ergießt. Auch führen durch dieselbe die Landstraßen von Hall nach Ellwangen und von Gaildorf nach Crailsheim. An der letztern, nicht ferne von der Stelle, 

{{Seite|196 wo sie sich mit der erstern kreuzt, in einer Thal-Einsenkung an der Bühler, liegt 3 St. nordöstlich von Gaildorf das evang. Pfarrdorf Ober-Sontheim, ein ansehnlicher, wohlgebauter Ort, der noch die ehemalige Residenz erkennen läßt; denn es war Sitz einer Linie des Limpurgischen Hauses mit Regierung, Polizeiamt, Forstamt und Hof-Verwaltung, und bis jüngst eines Rentamtes der standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim. Der auf dem rechten Bühler-Ufer liegende Theil des Ortes, „der Wasserrain“, wurde 1601 zu bauen angefangen. Beide Theile sind durch eine schöne Brücke und mehrere gute Stege verbunden. Die zunächst am Flüßchen liegenden Gebäude haben, namentlich im Frühling, bei dessen Austritt zu leiden. Die Gypsmühle liegt westlich {{Bruch|1|4}} St. von Ober-Sontheim, an der Hall-Ellwanger Landstraße. Die Markung ist dem Forstamte Crailsheim zugetheilt. Die Zehenten und grundherrlichen Rechte sind bei der Theilung der Gemeinschaft Ober-Sontheim dem Staat zugefallen. Am südöstlichen Ende des Ortes, auf einer die Umgegend beherrschenden Anhöhe, steht das massivgebaute, aus zwei durch einen Querbau vereinigten Flügeln bestehende Schloß, mit schönen hohen Zimmern und Gewölben, seit 1848 mit etwa 160 M. Gütern im ausschließlichen Eigenthume des Staats; dieses Gebäude bis 1848 noch der Aufbewahrungsort des nach Michelbach verlegten Archives der 5 Linien des Limpurgischen Hauses Sontheim steht jetzt unbenutzt. Es ist gegen das Dorf hinab mit einer hohen Mauer und 4 Thürmen, im Übrigen mit Gräben umgeben, über welche zwei Brücken, die ehemals aufgezogen werden konnten, mit Thoren führen. Der anstoßende Schloßgarten umfaßt etwa 6 Morgen, wovon 1740 ein Theil zu einer Fasanerie eingerichtet war. Von den Schloß-Nebengebäuden ist das ehemalige Reithaus in ein Schaf - und Armen-Haus der Gemeinde umgewandelt. Den großen südöstlichen Flügel von drei Stockwerken hat, wie das Wappen über dem Eingang darthut, Schenk Erasmus 1541 bis 1543, den Querbau und den nordwestlichen Flügel von zwei Stockwerken dessen Sohn Friedrich, wie sein Wappen über des letztern Eingang beweist, 1592 erbaut. Bis 1746 waren hier beständige Hofhaltungen des Hauses Limpurg-Sontheim. – Die östlich liegende, gut gebaute Kirche ließ sammt dem Thurme Schenk Friedrich 1585–1586 erbauen; seine Söhne stifteten 1618 die Sacristei und die Orgel. Er liegt mit vielen seiner Nachkommen in der Kirche begraben und hat hier ein schönes Denkmal. Von den drei Glocken hat die älteste ohne Jahreszahl in Minuskeln die Umschrift: „ave maria gracia,“ die zweite in gothischen Minuskeln: „Osana heys ich jos glockegiser goa mich in unser frauen ere und St. Wolfang St. Sebastian St. Ulrich leyt man mich. 1491.“ Das Pfarrhaus hat 1739 die Herrschaft gebaut und ist wie die 

{{Seite|197 Kirche durch den Heiligen zu erhalten. – Das 1708 erbaute Waisenhaus ist der Gemeinde zur Benützung als Schulhaus überlassen. Das Rathhaus, 1596 erbaut, ist ansehnlich und so groß, daß ein Theil an Privaten vermiethet werden konnte. Zwischen diesem, der Kirche und dem Schlosse liegt der ziemlich große Marktplatz mit einer Linde in der Mitte. In Ober-Sontheim ist am 24. März 1739 der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart geboren. Sein Vater war Cantor.

Die Nahrungsquellen der in mittleren Vermögensumständen stehenden Einwohner sind Fruchtbau und Viehzucht. Die Markung umfaßt 2865{{Bruch|7|8}} M., worunter 642{{Bruch|6|8}} M. Wald und 86 {{Bruch|1|8}} M. Weide und Öden, daher 1 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau gewährt im Ganzen einen ziemlich guten Ertrag an Roggen, Dinkel, Haber und Gerste. Es sind viele Gärten, namentlich Baumgärten, vorhanden; der Obstbau, dem auch der Boden nicht genug tiefgründig ist, wird nicht sorgfältig gepflegt. Der günstigen Lage des Ortes ungeachtet sind die Gewerbe nicht namhaft. Außer einer Apotheke sind 2 Mahlmühlen, 2 Ziegeleien, einige Kaufläden, 2 Gerbereien, 2 Färbereien, 2 Conditoreien und einige Bierbrauereien zu erwähnen. Der Ort ist 3 Jahrmärkte zu halten berechtigt.

Das vermögen der Gemeindepflege ist nach Verhältniß nicht klein; noch günstiger ist das der Stiftungspflege. Von Seiten der Grundherrschaft werden stiftungsmäßig unter die Armen wöchentlich 45 Pfund Brod vertheilt. Das Kirchen-Patronat und die Besetzung der Schulstellen steht seit 1848 der Krone ausschließlich zu. An der Schule, die 25 fl. Stiftungen und 85 fl. 7 kr. Fonds hat, stehen ein, früher „Cantor“ genannter, Schulmeister und ein Gehilfe.

An Wohlthätigkeits-Anstalten sind der Hospital und das vormalige Waisenhaus zu erwähnen. Der Hospital, zuerst von dem 1450 gestorbenen Schenk Wilhelm in Unter-Limpurg errichtet, wurde 1541 von da hierher verlegt und sein Grundstock allmälig vergrößert. Bei der Theilung 1772 wurde die Natural-Verpflegung aufgehoben, die Anstalt aber als eine den 5 Linien gemeinschaftliche aufrecht erhalten. Die Zahl der Pfründen wurde von 12 auf 6 herabgesetzt, welche a) wegen der Herrschaft Speckfeld von den Grafen von Rechtern zu 30/60, b) wegen der Herrschaften Gröningen, Schmiedelfeld und Ober-Sontheim von der Krone zu 16/60, c) wegen der letztern und Limpurg-Sontheim-Michelbach von dem Fürsten von Löwenstein-Werthheim-Freudenberg zu 8/60, d) wegen Limpurg-Sontheim-Gaildorf von dem Grafen von Pückler zu 6/60 vergeben werden. Die Stiftung beträgt 13.297 fl. Activ-Capitalien, Gebäude, Feld-Güter und Waldungen, und hat seit 

{{Seite|198 Aufhebung der Natural-Verpflegung jährlich 166 fl. 55 {{Bruch|1|2}} kr. von der Gemein-Herrschaft Ober-Sontheim zu empfangen. – Das von dem Hofprediger Müller 1700 gegründete, von Schenk Vollrath mit einem Garten und Bauholz beschenkte, durch Collecten und Beiträge der Ortsheiligen unterhaltene, Waisenhaus war gleichfalls für die Sontheim'schen Orte gemeinschaftlich, und hatte bald einen so guten Fortgang, daß Capitalien ausgeliehen und zumal 40 Pfleglinge aufgenommen werden konnten. Wegen Verminderung der Einnahmen mußte aber später die Zahl der Letzteren auf 10–12 herabgesetzt werden. Im Jahr 1811 wurde die Anstalt ganz aufgehoben und das in 400 fl. Capitalien, Haus und Gütern bestehende Vermögen der Gemeinde Ober-Sontheim zu Schulzwecken überlassen. – Der Begräbniß-Platz wurde 1618 auf einer südwestlichen Höhe außerhalb des Ortes angelegt.

Der Ort ist alt. Am 1. Juli 1002, bei seinem Zuge von Worms nach Bamberg, hielt sich Kaiser Heinrich II. in Suntheime auf, welches nach Stälin's Vermuthung (I. 469) dieser Ort ist. Im Jahr 1383 wurden vor dem Gericht zu Hall H. von Kottsbühl und W. von Enslingen wegen der Bühler zu Ober-Sontheim vertragen, welche als ein „gemein Wasser“ bezeichnet wird. Seitz von Kottsbühl und Ulrich von Enslingen, Bürger zu Hall, sind 1390 Zehentherren. Der Haller Bürger Hans Speltacher verkauft 1462 an die Präsenz zu St. Michael in Hall 2 Güter. Das Schloß, einst der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Suntheim, wovon wir schon mehrere Glieder getroffen, war, als es erstmals genannt wird, im Besitze der von Crailsheim. Im Jahr 1487 ist die Rede von einer Caplanei zu St. Peter „in Castro Suntheim.“ Georg von Crailsheim zu Schönbronn verkauft dasselbe, wie es seine Eltern besessen, mit 7 Gütern 1475 an Schenk Wilhelm, der 1477 von Anna Geyer, Heinrich Berler's Wittwe 9 Güter, worunter die Badstube, kauft. Limpurg kaufte ferner: 1478 von Seitz Künlin 5 Güter, 1479 von Hans von Stetten 1 Hof, 1483 von Hans von Vellberg die Vogtei zu Ober-Sontheim, die dieser von Hohenlohe zu Lehen hatte, und 1 Gut, 1541 von der Stadt Hall 10, 1557 von Hans Wolf von Rechberg zu Heuchlingen 3 Güter, 1562 und 1599 von der Stadt Hall alle Zehenten, 1563 von Conrad von Vellberg 4, 1575 von Markgraf Friedrich zu Brandenburg 3 Güter und 1578 vom Stift Ellwangen mit der hiesigen Frühmesse mehrere Caplanei- und Heiligen-Güter. Von Bauern hatten die Schenken in den Jahren 1479–1575 13 freie Güter erworben. Im Jahr 1583 kauften sie von den von Gaisberg'schen Erben den von ihren Voreltern ererbten Sitz zu Ober-Sontheim, wie derselbe allenthalben umfangen und begriffen ist. Aus diese Weise wurde der Ort ganz Limpurgisch; 1563 wurde auch von Kaiser Ferdinand die 

{{Seite|199 Errichtung eines Halsgerichtes mit Stock und Galgen nebst dem Rechte zu 3 Jahrmärkten gestattet und Schenk Friedrich mit dem Blutbann belehnt. Die Hafner von Sontheim (s. Bröckingen) saßen in Unter-Sontheim. Die politischen Geschicke der Herrschaft Ober-Sontheim sind im allgemeinen Theile dargelegt. Im Jahr 1741 waren hier 18 herrschaftliche und 123 bürgerliche Wohnhäuser mit 145 Unterthanen (Familien), wozu 5 herrschaftliche Räthe und Officianten, und 14 Kirchen- und Gemeinde-Diener kamen. Dieß käme einer Einwohnerzahl von etwa 900 gleich; 1785 war dieselbe 1100.

Die älteren kirchlichen Verhältnisse erhellen aus einer Urkunde des damaligen Abtes von Ellwangen von 1448, worin er sagt, es habe das Dorf, seitdem die Capelle daselbst erbaut worden, eine ansehnliche Summe Gülten zusammengebracht, um eine Frühmesse in dieselbe zu stiften. Da das Dorf in die Pfarrei Unter-Sontheim gehöre, die selbst ein Filial von Bühlerthann sey, beide aber Ellwangen zu verleihen habe, so genehmige er die Stiftung mit der Bestimmung, daß die zugehörigen Güter, wovon 8 in Ober-Sontheim, unvogtbar und die darauf sitzenden Leute Ellwangen gerichtbar seyn sollen. Die Capelle war dem heil. Cyriacus geweiht und stand auf dem Marktplatz. Limpurg erwechselte 1578 von Ellwangen das Besetzungsrecht zur Caplanei, brach die Capelle ab und fing den Kirchenbau an, scheint aber schon 1550 die Pfarrei errichtet zu haben, und berief bereits 1561 den ersten evangelischen Geistlichen hierher. Von 1613 an bekleidete der Pfarrer zugleich das Amt eines Superintendenten, auch war er Hofprediger. Die 1601 errichtete Stelle eines Diaconus („Caplans“) ward 1773 wieder aufgehoben. Bis 1848 stand das Patronat der Herrschaft und nachmaligen standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim zu. – Schon 1620 ist vom „alten Schulhause“ die Rede.

Ober-Sontheim wurde im dreißigjährigen Kriege durch kaiserliche, französische und schwedische Truppen dreimal geplündert (Prescher), das Schloß namentlich 1634. Im September 1632 wurde eine Truppe Kaiserlicher, die den Ort besetzt hatte, von den Schweden geschlagen. Ende Septembers 1645 schlugen hier die Bayern eine französisch-schwedische Abtheilung von 400 Mann und machten sie allermeist nieder. – Noch 1720 waren bei dem Orte 4 Seen; 1481 kaufte Schenk Wilhelm eine „Seestatt“, der „neue Kottspühel“ genannt. 

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Ödendorf.

Gemeinde III. Kl. mit 865 Einw. a. Ödendorf, Pfd. mit adelbach (1 Ziegelhütte, 1 Sägmühle, 4 Häuser). Einöde 2 Hsr. und Railhalde, Hs. 357 Einw. worunter 5 Kath. b. Hägenau, W. 131 Einw. c. Niederndorf, W. 107 Einw. d. Spöck, W. 270 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.200}}

{{Headline|140|0.2|Ödendorf.}}

{{Headline|100||Gemeinde III. Kl. mit 865 Einw. a. Ödendorf, Pfd. mit Adelbach (1 Ziegelhütte, 1 Sägmühle, 4 Häuser). Einöde 2 Hsr. und Railhalde, Hs. 357 Einw. worunter 5 Kath. b. Hägenau, W. 131 Einw. c. Niederndorf, W. 107 Einw. d. Spöck, W. 270 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt.}}

Der Bezirk dieser Gemeinde gehört dem hier bis zu {{Bruch|3|4}} St. breiten Kocherthal an und ist nördlich von dem Adelberg, westlich von dem Gebirgsrücken begrenzt, der das Roth-Thal vom Kocher-Thal scheidet. Der bei Weitem größte Theil liegt auf dem linkseitigen Kocher-Ufer. Nordwestlich stößt das Oberamt Hall an, wohin die Staats-Straße von Gaildorf durchführt. In den Kocher ergießen sich von Südwesten her der Kammersbach und der Mettelbach und von Norden her der Adelbach. Der hier vorkommende Vitriols(contracted; show full)

Der Bezirk ist dem Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind im Ganzen nicht ungünstig, weniger sind es die der Stiftungspflege. Die Schule in Ödendorf ist für die ganze Gemeinde gemeinschaftlich. Die Zehenten gebührten überall dem Staate.

Bis 1806 gehörten zur Kloster Murrhardt'schen Pflege Westheim fast ganz Ödendorf und Niederndorf und ein Theil von Hägenau; zum Stabsamte Comburg ein anderer Theil von Hägenau; zum Stabsamte 

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  }}

Rosengarten ein Theil von Spöck; die Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Landamts Gaildorf, war an sämmtlichen Parzellen betheiligt. Auch die nicht Limpurgischen Theile wurden 1808 mit dem Oberamte Gaildorf vereinigt.

Die einzelnen Orte der Gemeinde:

(contracted; show full)eten Sage soll der Ort früher Oberwestheim geheißen, weil er aber verwüstet worden und einige Zeit lang öde gelegen, den jetzigen Namen bekommen haben. Wahrscheinlicher ist es aber, den Namen von dem Mannsnamen Otto herzuleiten. Erstmals wird er 1091 genannt. S. Eutendorf S. 138. Das Kloster Murrhardt scheint schon frühe Rechte hier erworben zu haben. Der größere Theil der Güter und die Obrigkeit hing mit der Burg zusammen, die in der Nähe der Kirche lag und einem Geschlechte vom niedern Adel 

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  }}

zum Sitz diente. Über zwei Heinrich von Ottendorf s. Erlenhof. Ein Bruder Albrecht von Ottendorf war 1349 Prior in Schönthal (Wibel II, 198); 1365 kommt ein Ar von Ottendorf vor (ib. 204). Dieser Ar oder Arnold war der Letzte seines Geschlechtes. Abt Heinrich von Murrhardt bewilligte 1397, daß die Güter, die er von ihm zu Lehen trage, nach seinem Tode seine Wittwe und Kinder bekommen sollen. Greth von Roth, wohl die ältere Tochter, schenkte 1399 an die Klause zu Unter-Limpurg ihren Theil an der Burg und all(contracted; show full)
Die Standes-Herrschaften	8211	11	26	21	682	11	2890	34	240	27	7313	13	16	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–	–
Im Ganzen	224.801	32	3367	52	18.456	–	2921	15	243	–	1.382.671	2508	–	3125	1 	1924	–	266 3/8	22.391	79.118	43.682	11.921	12.325	29.679	17.195	17.280 	295 5/8	64.282 	13.520	7338	9425 
*) Die mit * bezeichneten Gemeinden haben keine Stiftungspflegen.
**) Unter-Gröningen hat die Stiftungspflege gemeinschaftlich mit Ober-Gröningen.
{{references|1}}