Difference between revisions 1878192 and 1878398 on dewikisource== OCR durchgesehen == (fehlende Anfangsseiten bereits aufbereitet von Pfaerrich) {{Seite|169}} man erst seit Errichtung der Brücke bei Neumühle, jedoch nur mit bedeutendem Umweg, in die Oberamtsstadt gelangen kann, woraus auch folgt, daß der Verkehr mit dem gelegeneren Hall mehr lebhaft ist. In der Nähe von Michelbach werden ausgezeichnet gute und schöne Werksteine gebrochen. Das Clima ist das mildeste des Bezirkes. Der Menschenschlag ist gesund und kräftig. Die Einwohnerzahl hat in den letzten 65 Jahren kaum um {{Bruch|1|4}} zugenommen. In Michelbach, Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen sieht man, wie in dem angrenzenden Oberamt Hall, viele recht stattliche Bauernhäuser, das Gebälke meist mit rother Ölfarbe angestrichen, und von Gärten umgeben. Die Vermögensverhältnisse sind nur relativ günstig; der Wohlstand, der noch vor 20 Jahren herrschte, hat durch die allgemeinen Ursachen sehr gelitten. Die Hauptnahrungsmittel sind Ackerbau und Viehzucht. Die zwischen Michelbach, Rauhen-Bretzingen, Gschlachten-Bretzingen und Hirschfelden abgetheilte Markungsfläche beträgt 5829 {{Bruch|1|2}} M., worunter 1463{{Bruch|6|8}} M. Wald und 579 {{Bruch|1|8}} M. Weiden und Öden, also noch 3,5 M. Baufeldes auf den Kopf. Der Zustand der Landwirthschaft ist zwar nicht glänzend, mit den übrigen Gemeinden verglichen aber nicht unerfreulich, da über das eigene Bedürfniß noch Brodfrucht verkauft werden kann. Größere Güter sind zwar vorhanden, aber nicht geschlossen. Die Brache wird selten angebaut, obgleich die besseren Güter dieß lohnen würden. Der schwere Thonboden verlangt zur Beackerung in der Regel 4 Stücke Anspann. Die vorherrschende Winterfrucht ist Dinkel und Roggen, häufig mit einander gemischt; als Sommerfrucht werden hauptsächlich Haber, dann Gerste und Hülsenfrüchte gebaut; Einkorn kommt häufig sowohl im Sommer- als im Winter-Felde vor. Seitdem die Kartoffelkrankheit zugenommen, wird Buchweizen, Hirse und Wälschkorn angebaut. Der Bau von Angersen ist im Zunehmen. Von Futterkräutern finden sich Klee, Esparsette und Luzerne. Der Gartenbau, obwohl er lohnend wäre, ist vernachlässigt. Die Wiesen sind meist zweimähdig und geben vortreffliches Futter. Ein Morgen Ackers kostet 20–110 fl., Wiesen 40–200 fl. Der Weinbau, in früheren Jahrhunderten an sämmtlichen südlichen Bergabhängen betrieben, hat längst aufgehört. Die Obstzucht hebt sich neuerlich mehr und mehr; namentlich zeichnet sich Gschlachten-Bretzingen aus. In Michelbach sind zwei Baumschulen, die der Gemeinde und die des Pfarrers Troll, welcher sich seit Jahren auch des Unterrichts der Kinder in der Obstbaumzucht angenommen hat (S. 60). Die Zwetschge wird groß und gut, wie überhaupt das dortige Obst zu dem besten des Bezirkes gehört. Nußbäume finden sich namentlich in Buchhorn. Bei Kohlhäu wurde 1757 die erste Limpurgische Lärchen-Pflanzung vorgenommen (Prescher II, 336). Die Rindviehzucht ist in sehr gutem Zustande; das Vieh sehr schön. {{Seite|171 Dasselbe wird theils gemästet verkauft, theils zur Nachzucht verwendet, welche ein Haupterwerbszweig ist. Die vier Hauptorte haben eigene Schäfereien mit mittelfeinen schönen Thieren. Es findet ziemliche Hammelmastung Statt. Gänsezucht wird in Hirschfelden und Gschlachten-Bretzingen stark, Bienenzucht ziemlich stark betrieben. Von Gewerben sind blos die Mühle and die Ziegelhütte zu erwähnen. Manche Einwohner finden in dem nahen Steinsalzwerk Wilhelmsglück und in der chemischen Fabrik bei Ödendorf ihr Brod. Der Gemeindebezirk ist dem Forstamte Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde- und der Stiftungs-Pflege sind den günstigen beizuzählen. Wie die kirchlichen, so sind auch die Schulverhältnisse geregelt. Die Zehenten gebührten der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach, mit Ausnahme der beiden Bretzingen, wo sie theilweise dem Staat, und Hirschfelden, wo Theile der Pfarrei Michelbach und dem Freiherrn v. König zu Hirschfelden, der auch einige Zehentrechte in Michelbach hat, gehörten. Sämmtliche Orte bildeten ganz oder theilweise einen Theü der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Michelbach, Amts Michelbach; wie zu derselben auch die Comburgischen Antheile von Rauhen-Bretzingen und Hirschfelden 1805 auf kurze Zeit gekommen, ist S. 106 bemerkt, wo auch der frühere Bestand der grundherrlichen Rechte zu finden ist. Ein Theil von Gschlachten-Bretzingen kam erst 1808 vom Oberamt Vellberg zum Oberamt Gaildorf. Die einzelnen Orte betreffend; so liegt a) das ev. Pfarrdorf Michelbach, welches den unterscheidenden Beisatz von dem in südlicher Richtung liegenden Bergrücken „Bilz“ hat, 2 St. nördlich von Gaildorf, auf der zuvor erwähnten Fläche. Es ist ein langes, von Westen nach Osten gebautes Dorf, mit gut aussehenden, oft ziemlich weit auseinander stehenden, von Gärten umgebenen Gebäuden. Das Aussehen wäre bei größerer Reinhaltung der Straßen noch freundlicher. Michelbach ist der Sitz eines standesherrlichen Rentbeamten und Revierförsters. Die 1587 erweiterte oder renovirte Kirche zum h. Michael, am östlichen Ende des Ortes, ist gothischen Styls und hat am Thurme die Jahreszahl 1492. Im Innern ist ein Freskogemälde mit der Jahreszahl 1517, welches den damaligen Orts-Geistlichen Lorenz Reuchlin mit Frau und 11 Kindern und der Überschrift: „Ora pro nobis beata virgo Maria“ abbildet. Der Thurm ist älter; er ist viereckig und geht vom zweiten in das dritte Stockwerk in's Achteck über. Die Thurmfenster sind durch kleine, zurückstehende Säulchen in zwei gleiche Theile getheilt; auch findet sich außen an jedem Stockwerke der Rundbogenfries: Merkmale, die {{Seite|172 wenigstens auf das zwölfte oder dreizehnte Jahrhundert zurückdeuten. Von den beiden Glocken hat eine in gothischen Minuskeln die Umschrift: „Anno dom. MCCCCLXXV o rex glorie christi veni cum pace.“ Die Kirche und das auf dem höchsten Punkte des Ortes gelegene Pfarrhaus hat die Stiftungspflege zu erhalten. – Das Schloß, in Folge des Heirathsbriefes Schenk Wilhelm's und Dorothea Reuß von Plauen 1618–1622 erbaut und der letztern zum Widdum bestimmt, hat drei massive Stockwerke und einen Treppenthurm, ist hoch und weithin sichtbar. Es wird schon lange nicht mehr bewohnt. In dem anstoßenden, aus 3 Flügeln bestehenden, Gebäude wohnen der Rentbeamte und der fürstliche Revierförster. Eine Zierde des Ortes ist das 1843–1844 von der Gemeinde massiv erbaute Schul- und Rath-Haus von 3 Stockwerken. Zur Pfarrei, deren Sprengel der politischen Gemeinde entspricht, hat die Standesherrschaft zu nominiren. Neben der Volksschule besteht eine Industrieschule; erstere hat 160 fl. Stiftungen und 100 fl. Fonds. Michelbach wird 1080 erstmals genannt, und zugleich die Pfarrei mit Zehenten als eine Schenkung der Grafen Burkardt, Rugger und Heinrich von Comburg an das von ihnen gestiftete Kloster Comburg bezeichnet. Das Kloster Ellwangen verkaufte 1380 an Conrad von Rinderbach, Bürger zu Hall, seine Güter zu „Michelbach zwischen Buchhorn und Brötzingen, da die Kirche innsteht“, bestehend aus 1 Hof, 8 Huben und einigen Sölden, um 160 fl., welche dieser noch in demselben Jahr als frei und eigen an Limpurg verkaufte, das 1411 u. f. 10 weitere Güter von den Haller Bürgern Eisenhut, Eberhard und Stetten erwarb, und um dieselbe Zeit auch den Blutbann, der sich bis Comburg und Steinbach erstreckte, vom Reich zu Lehen erhielt. So besaß Limpurg 1730 mit aller Obrigkeit 8 Höfe oder Huben, 12 Söldner und 13 Häuslein, 1741 mit 33 Wohngebäuden und 38 Unterthanen. Bei der S. 98 erwähnten Theilung der Herrschaft Obersontheim 1744, fiel der Antheil Limpurg-Sontheim-Michelbach an das Haus Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, welches bis 1806 alle landesherrlichen Rechte, einschließlich des Episcopats, ausübte. Das Kirchen-Patronat kam zu unbekannter Zeit von Kloster Comburg an Hohenlohe und Limpurg, welche die Pfarrei abwechslungsweise vergaben, bis 1541 Hohenlohe seine Rechte ganz an Limpurg abtrat, wogegen jenes die Kirchen Braunsbach und Gailenkirchen ausschließlich erhielt (Wibel II, 428). Ein Pfarrer, Namens Seyfried, wird 1347 genannt (ebenda I, 164). Anna Berler, Bürgerin zu Hall, verkauft 1417 ein Gut zu Uttenhofen an die Kirche zu Michelbach, unter der Bedingung, daß im Chor derselben ein ewiges Licht brenne (ebenda III, 115). {{Seite|173 b) Adelbacher Wirthshaus, 1 St. südlich von M. (Michelbach) auf Buchhorner Markung, in der Tiefe des krebsreichen Adelbachs, wurde 1788 wegen der damaligen Frequenz des durch den Adelbach führenden Weges, der aber jetzt nicht mehr befahren werden kann, erbaut. c) Buchhorn, {{Bruch|3|4}} St. südlich von M., ein hochgelegener, aus zerstreut umherstehenden Häusern bestehender Weiler; auf derselben Stelle, wo die Veste Buchhorn stand, aus deren Gütern die Sölden erst 1535 gezogen wurden. Die Güter sind wegen ihrer schroffen Abhängigkeit schwer zu bauen, aber dennoch fruchtbar. Limpurg hatte 1741 hier 6 Söldner in 6 Wohngebäuden. Im J. 1590 und später waren noch Weinberge da. Auf einer nordwestlichen Ecke des auf drei Seiten steilen Berges stand, eine weite Aussicht beherrschend, die Veste Buchhorn, von deren ältesten Geschichte nichts bekannt ist. Die Sage will wissen, daß sie einst mit dem nahen Westheim den Kochergaugrafen gehört habe. Später besaßen sie die Grafen von Oettingen. Mit der Burg Kransberg wurde sie nebst dem zugehörigen Gebiete 1357 an Limpurg verkauft, für frei und eigen. Nach Chronik-Nachrichten wurde bald darauf, als die Berler sie von den Schenken als Lehen inne hatten, Räuberei daraus verübt, wodurch die Stadt Hall veranlaßt ward, die Burg zu zerstören; als aber die Burgleute hievon Kunde erhielten, zündeten sie dieselbe an und entflohen (Prescher II, 338). Jetzt sind nur noch Gräben und Wälle vorhanden; auf der Stelle der Ruinen hat aber der hier und in Hirschfelden begüterte Freiherr von König ein Schweizerhäuschen erbaut, von dem aus man eine herrliche Aussicht sowohl gegen die Alp hin, als in das hallische und hohenlohische Gebiet genießt. d) Gschlachten-Bretzingen, früher auch Schlechten-B., {{Bruch|5|8}} St. nordwestlich von M. an der von Steinbrück herführenden Haller Straße der beste Ort der Gemeinde, in welchem, da größere Güterbesitzer überwiegen und der Boden wirklich „geschlacht“ ist, ziemlicher Wohlstand herrscht. Bischof Gebhard von Würzburg schenkte 1037 der Pfarrkirche in Öhringen 2 {{Bruch|1|2}} Huben „in duabus villi“, que arnbe dicuntur Brezzingen“ (W. Urk.-Buch I, 264), und Comburg besitzt 1095, wahrscheinlich von seinen Stiftern her, Zehenten in beiden Bretzingen (ebenda 393). Später ist der Ort ein Condominat; Comburg besaß 8 Güter mit Vogtei, wovon es 2 von dem Haller Bürger Seiz Schneewasser und von Volkhardt von Vellberg 1398 und 1419 erworben. Conrad, Herr zu Weinsberg, bekennt 1443, daß ihm Comburg zu rechtem Mannlehen geliehen, wie dieß auch seine Vorfahren zu Lehen gehabt, die Vogtei zu Obern- und Niedern-Bretzingen, zu Hirschfelden, Ytendorf, St. Kilians-Fischach, Herdelbach, Hütten, Engelboldshofen u. s. w. Die {{Seite|174 Limpurg'schen Rechte rühren von Buchhorn her. Im J. 1741 waren hier 19 Gemeinderechte, wovon Comburg 8 mit Vogtei und alle Zehenten besaß; Limpurg hatte in 11 Wohnhäusern 6 Bauern, 5 Söldner und 2 Ausdinger mit Vogtei; 1804 war die Zahl der Comburgischen Unterthanen 51. e) Hagenhof, auch Hagenbach, {{Bruch|1|4}} St. nordöstlich von M. auf den Markungen von Michelbach und Rauhen-Bretzingen, auf einer Anhöhe; wurde 1550 angelegt. f) Hirschfelden, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von M. am Fuße von Buchhorn. Ein ziemlich wohlhabendes Örtchen, das gleichfalls bis 1806 ein Condominat war. Es wird schon 1095 genannt, da Comburg Zehenten „in Hirzvelden“ besaß. (W. Urk.-Buch I, 393.) Die Rechte Limpurgs wurden mit Buchhorn erworben. Ein weiteres Gut stiftete Pfarrer Zeuger in Unterlimpurg bei Hall 1510 an eine Messe in die hiesige Capelle zu St. Ulrich; ein anderes gehörte dem Heiligen zu Michelbach. Comburg hatte 2 Güter mit Vogtei und die Lehengefälle von 5 Limpurg vogtbaren Gütern. Letzteres besaß 1741 9 {{Bruch|1|2}} Höfe und 3 Sölden, Comburg 1804 10 Unterthanen. Durch Vertrag mit Comburg erhielt die Gemeinde 1559 einen eigenen Wald, dessen Schlagholz jährlich in 6 {{Bruch|1|2}} Theile gemacht wurden, 1 {{Bruch|1|2}} für die Comburg., 5 für die Limpurg. Unterthanen. Die zuvor erwähnte Capelle, welche im Weiler gegen den Kocher hin stand, wurde vor etwa 260 Jahren abgebrochen, nachdem schon 1587 die Glocken nach Michelbach gebracht worden waren. Auf einer Anhöhe am Kocher, im sogenannten Brühl, soll nach Haller Chroniken ein längst verfallenes oder zerstörtes Schlößchen gestanden und von demselben ein Geschlecht sich genannt haben, das ein Einhorn im Wappen geführt. g) Kohlhäu, {{Bruch|1|4}} St. südöstlich von M. auf dessen Markung, auf der Höhe, rings von Wald umgeben; erst im letztverflossenen Jahrhundert entstanden und jetzt, als Eigenthum der Standesherrschaft, von einem fürstlichen Waldschützen bewohnt. In der Nähe war der im dreißigjährigen Kriege gestandene größere Ort Kohlhofen, der noch 1541 als Filial von Michelbach genannt wird. (Prescher II, 336.) Auf dem gegen Ober-Fischach hin gelegenen waldigen Bergrücken sind noch die Ackerbeete zu unterscheiden. h) Neumühle, {{Bruch|3|8}} St. südöstlich von M. auf Hirschfelder Markung, auf der Oberamts-Grenze am Kocher gelegen, über welche die zuvor und S. 82 erwähnte Brücke führt. Eine vortreffliche Mahlmühle und gut eingerichtete Sägmühle, 1587 aus Steinen der ehemaligen Capelle zu Hirschfelden durch die Herrschaft erbaut; seit längerer Zeit Privateigenthum. {{Seite|175 i) Rauhen-Bretzingen, {{Bruch|3|8}} St. nördlich von M., {{Bruch|1|4}} St. von Gschlachten-Bretzingen am Remsbach, zu den Füßen des Einkorns, von der geringeren Bodenbeschaffenheit so zugenannt. Der Ort ist, wie zuvor bemerkt, alt und war schon frühe, wohl von den Grafen von Comburg her, ein Besitzthum des Klosters Comburg, bestehend aus 15 Gütern, über deren 4 es auch die Vogtei hatte. Diese stand im Übrigen von Buchhorn her Limpurg zu, das nur ein 1541 von der Stadt Hall erworbenes Lehengut besaß. Daher war auch dieses Örtchen ein Condominat. Im J. 1741 waren 21 Gemeinderechte vorhanden, wovon 17 mit 5 Bauern, 8 Söldnern und 4 Häuslern unter Limpurgischer Vogtei standen: auf den 4 Comburgischen Gemeinderechten saßen 1804 28 Comburg (Württemberg) vogtbare Unterthanen. Im sogenannten Breitenlohe, da, wo der Weg vom Einkorn hierher sich scheidet, stand nach Haller Chroniken die Burg Bretzingen, auch Altenhofen genannt, von welcher schon vor 300 Jahren nur noch die Gräben zu sehen waren. Sie war der Sitz der Edelleute gleichen Namens, von welchen 1256 Heinrich Abt in Comburg war. In einer Comburgischen Urkunde von 1286 ist unter anderen Adeligen genannt: Einhardus de Brezingen. (Wibel IV, 20.) k) Steinbrück, {{Bruch|1|4}} St. nördlich von M. auf der Markung von Rauhen-Bretzingen, am Remsbach, über den eine „steinerne Brücke“ führt, an der Straße von Michelbach nach Hall. Der Weiler besteht aus einem 1583 erbauten Wirthshause, in welches die Limpurgischen Unterthanen beider Bretzingen 1663 mit ihren Hochzeit-, Tauf- und Leichen-Schmäusen gebannt wurden, und einer 1500 erbauten Mahl- und Säg-Mühle, die von dem Remsbach und mehreren in einem oberhalb der Mühle gelegenen Teiche gesammelten Quellen getrieben wird, und höchst romantisch in einer engen, tiefen Felsenschlucht liegt, welche sich als Bett des Remsbaches bis an den Kocher hinzieht. l) Ziegelhütte, auf Hirschfelder Markung, oberhalb der Neumühle am Kocher; liefert eine sehr gute Waare, und war noch 1741 im Besitze der Herrschaft und mit der Neumühle verpachtet. An dem zwischen Kohlhäu und Michelbach liegenden Bergabhange soll die Burg Entsee gestanden haben, deren letzte Spuren, welche noch vor 300 Jahren zu erkennen waren, verschwunden sind. Ein Theil dieses Bergabhanges heißt noch jetzt die „Enzenklinge.“ Die beiden Comburgischen Äbte Conrad von Entsee (1213 und 1215) sollen davon stammen. In wie weit die Sage Glauben verdient, muß dahin gestellt bleiben, da auch bei Rotenburg an der Tauber eine Burg Entsee stand. {{Seite|176 Mtittel-Fischach. Gemeinde III. Kl. mit 914 Einw. a. Mittel-Fischach, Pfd. 315 Einw., wor. 1 Kath. b. Engelhofen, W. 215 Einw., wor. 23 Kath. c. Rothhof, H. 2 Einw. d. Unter-Fischach, W. 296 Einw. e. Weiler, W. 56 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. u. b. sind nach Bühlerthann eingepfarrt. Der Bezirk dieser Gemeinde, nördlich an das Oberamt Hall und östlich an das Oberamt Ellwangen grenzend, gehört der untern Hälfte des Fischach-Thales mit seinen beiderseitigen Bergabhängen an. – Das bei dem Einkorn auf der Haller Oberamts-Grenze beginnende Fischachthal, welches nur allmälig einige Breite gewinnt, ist zur rechten Seite von den gegen den Kocher sich hinziehenden Limpurger Bergen, von denen einige Ausläufer in südöstlicher Richtung ausgehen, begrenzt, von welchen der östlichste die Wasserscheide zwischen der Fischach und der Bühler bildet, und bei Bühlerthann gegen die Ellwanger Berge verläuft. Parallel mit demselben gehen einige kürzere Ausläufer, die hügelförmig in das Fischachthal sich verlieren. Die linkseitigen bewaldeten Abhänge dieses Thales gehören hauptsächlich nur zu demjenigen Theile hierher, welcher mit Ober-Sontheim zusammenhängt. Die zuerst in südöstlicher, dann in östlicher Richtung fließende und auf der Grenze des Oberamts Ellwangen in die Bühler sich ergießende Fischach nimmt mehrere, meist unbedeutende Bäche, die ziemlich flache Mulden bilden, in ihren tiefer liegenden Thalgrund auf; namentlich die dem Gemeindebezirk Ober-Fischach angehörigen Benzenbach, Brühlbach, Lustbach, Robach und Rambach, und die unserer Gemeinde angehörigen Bühlbach, Breitenbach, Weilerbach und Schaufelbach, welche sämmtlich rechts einmünden. Von der linken Seite mündet bei Unter-Fischach der Sauerbrunnen ein: ein ehemaliger Gesundbrunnen, der Stahl- und Schwefel-Theile enthalten soll, früher alljährlich gereinigt wurde, seit vielen Jahren aber mit wildem Wasser angefüllt ist. Die Höhen sind bewaldet, die Abhänge angebaut, in der Thalmulde Wiesen. Der Boden ist schwer, im obern Thale von kaum mittlerer, im untern von etwas besserer Ertragsfähigkeit; in der Höhe mehr Keuper, in der Tiefe meist Mergel (Leberkies). Er geht nicht tief und ist schwierig zu bauen. Die Thalgründe sind theilweise sumpfig. Die Luft ist feucht und neblig; die Abende, Nächte und Morgen sind Sommers kühl und Frühlingsfröste nicht selten. Die Erntezeit ist um etwa 14 Tage später als im Kocherthal, und empfindlichere Pflanzen gedeihen nicht. Hagelschlag ist sehr selten; der Einkorn gilt als eine Wetterscheide. An einigen Stellen findet sich Töpfererde. Sämmtliche Orte sind sehr reichlich mit Wasser und zur Genüge mit Brunnen versehen; das in {{Seite|177 Mittel-Fischach ist seiner kalkigen Bestandtheile wegen weniger gut. Durch Mittel-Fischach geht die Landstraße von Gaildorf nach Crailsheim, mit der in Mittel-Fischach die durch das obere Fischach-Thal sich ziehende Vicinalstraße nach Geifertshofen sich verbindet. Die Einwohner sind kräftig und gesund, aufgeweckt und lebensfroh, gutartig und friedfertig, wohl thätig und gastfreundlich. In ihrer Lebensweise (ob. S. 36 u. f.) spricht sich ihre nach Verhältniß erfreuliche Wohlhabenheit aus. Die Bevölkerungezunahme ist mäßig, namentlich hat Mittel-Fischach die wenigsten Geburten, s. S. 33. Ganz Arme gibt es wenige. Die Landwirthschaft ist auf mittlerer Stufe; doch haben größere Güterbesitzer zweckmäßige Bauarten angenommen. Der größere Theil der Äcker liegt an Abhängen. Die Haupterwerbsmittel bestehen in Feldbau und Holzhandel, bei den Wohlhabenderen auch in Viehzucht; die Ärmeren verdienen viel durch Holzmachen. Von Gewerben sind nur die gewöhnlichsten Handwerker vorhanden. Die Markung der ganzen Gemeinde, abgetheilt zwischen den Orten Mittel-Fischach, Engelhofen mit Rothhof, Unter-Fischach und Weiler, umfaßt 5429 {{Bruch|2|8}} M., worunter 1705{{Bruch|6|8}} M. Wald und 383{{Bruch|1|2}} M. Weiden und Öden, so daß 3,5 M. Baufeldes auf den Kopf bleiben. Die Culturverhältnisse kommen mit jenen von Ober-Fischach überein; deßgleichen der Stand der Rindviehzucht. Es wird auch etwas Pferdezucht, deßgleichen Rindviehmastung und Gänsezucht betrieben. Von den Acker-Erzeugnissen kann Brodfrucht nach Außen verkauft werden. Der Gemeindebezirk gehört dem Forstamte Comburg an. Das Gemeindevermögen genügt mehr als in mehreren anderen Gemeinden; auch haben die ordentlichen Einnahmen der Stiftungspflege bis jüngst den Zwecken entsprochen. Die ganze Gemeinde ist nach Mittel-Fischach schulpflichtig. Die Zehenten gehörten in Rothhof dem Staat; der große Zehenten in Engelhofen der Standesherrschaft Limpurg-Gaildorf; die kleinen Zehenten in Mittel-Fischach und Engelhofen der Pfarrei Mittel-Fischach; die übrigen Zehentrechte der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach. Bis 1806 gehörten Rothhof zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurrnbrand, Landamts Gaildorf; ein Theil von Engelhofen zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf, Pückler'schen Landamts Gaildorf; der andere Cornburgische Theil kam 1805 an den Fürsten Löwenstein zu Michelbach; die übrigen Orte zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Ober-Sontheim, Amts Ober-Sontheim, ausschließlich eines Antheiles von Unter-Fischach, der 1808 vom Oberamte Vellberg dem Oberamte Gail-dorf zugetheilt wurde. Von den einzelnen Orten kommt noch Folgendes zu erwähnen: {{Seite|178 a) Das evang. Pfarrdorf Mittel-Fischach, früher St. Johannsen Vischach, liegt an der Fischach, an der Landstraße von Gaildorf nach Crailsheim, welche hier von der zuvor erwähnten Fischachthal-Straße gekreuzt wird, 2 St. nordöstlich von Gaildorf. Im nördlichen Theile des sehr freundlichen Dörfchens steht die Kirche zu St. Johann dem Täufer; ein sehr altes, geringes und nicht geräumiges Gebäude, über dessen einem Fenster eingehauen: 15 F. H. Z. L. 95 (wahrscheinlich Friedrich Herr zu Limpurg). Von den 3 Glocken sind zwei alt; die mittlere hat in Majuskeln die Umschrift: „Ave Maria gracia plena †“; die kleinere in neugothischen Minuskeln: „hilf uns Got vnd Maria zu aller Stund.“ Die Baulast liegt dem Heiligen ob, der auch das in der Mitte des Dorfes stehende Pfarrhaus zu erhalten hat. Im Schulhaus ist auch das Rathslokal eingerichtet. Das Kirchen-Patronat steht von Ober-Sontheim her der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach zu. Der Schulfonds ist 22 fl. 41 kr. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb des Ortes. Das Fischachthal gehörte größtentheils zu den Stiftungsgütern des 1089 von den Grafen von Comburg gegründeten Klosters Comburg, da wir diese frühe schon hier begütert finden. Mit der „villa Viscaha“, welche sie 1090 dem Kloster schenkten, ist eines der drei Dörfer Fischach gemeint; deßgleichen mit dem „predium suum Viscaha“, das 1095 Heinrich von Mulfingen nebst Bennenhouen demselben Kloster übergibt (W. Urk.-Buch I, 397). In Mittel-Fischach treffen wir nachmals unter Hohenlohescher Lehenshoheit Haller Bürger begütert. Kraft von Enslingen verkauft 1334 ein später vom Heiligen zu Bühlerzell erworbenes Gut; Kraft von Hohenlohe eignet 1369 der Burg-Caplanei zu Bielrieth vier Güter, die mit Bielrieth an die Stadt Hall und 1486 an den dortigen Hospital gelangten; Seiz Egen vermacht 1371 ein Gut zu „Sant-Johanns-Vischach“ an die Catharinenkirche zu Hall. Conrad von Rechberg zu Heuchlingen und seine Hausfrau Ytta stiften 1398 zu einer Seelmesse in die Kirche zu Bühlerzell ein Gut. Nicht lange zuvor erst treten die Schenken von Limpurg auf, die 1376 von Kraft von Sontheim einen Hof, den sie 1398 an die Frühmesse zu Unter-Limpurg stiften, und 1379 von demselben 2 Huben kaufen; sie erwerben 1480 von Götz von Bachenstein ein Gut mit Vogtei und Gericht, und 1481 ein freies Gut; 1541 von der Stadt Hall 5 und 1562 2 Güter; 1563 von Conrad von Vellberg 2 Güter, nachdem er eines vom Lehensverband mit Hohenlohe befreit; 1578 tauschen sie von Ellwangen 2 Güter ein, und kaufen 1593 von den Vellberg'schen Allodial-Erben 1 Hof hier und 1 Hof in Ober-Fischach. Die hiesige Pfarrei kaufte 1482 von einem Bauern ein freies Gut. So kam es, daß Limpurg 1741 alle Hoheit und Obrigkeit besaß über 35 Unterthanen in 30 Wohnhäusern, nämlich 8 Hofbesitzer, 18 {{Seite|179 Söldner und 9 Häusler. Acht dieser Güter waren Heiligenpflegen und Frühmessen lehenbar. (Prescher's Angabe (II, 308), daß noch 1782 Comburg 3 Güter gehörten, muß auf einer Verwechslung mit Unter-Fischach beruhen.) Die Pfarrei wird bereits 1319 genannt, s. Engelhofen. Das Patronat trat Graf Albrecht von Hohenlohe 1482 gegen die Pfarrei Münster bei Creglingen an Limpurg ab, und kam 1775 an den jetzigen Inhaber. Den großen Zehenten zu Unter-Fischach und Weiler, {{Bruch|2|3}} am alten und {{Bruch|1|3}} am Novalzehenten zu Mittel-Fischach, Engelhofen und Ober-Sontheim und {{Bruch|3|4}} am kleinen Zehenten zu Ober-Sontheim, Mittel- und Unter-Fischach, und Engelhofen kaufte Limpurg 1599 um 20.500 fl. von der Stadt Hall, welche dieselben zuvor von Hohenlohe, das die Vellberg damit belehnt hatte, erworben. Den hiesigen großen und Noval-Zehenten erwarb die Standesherrschaft 1806 von Limpurg-Sontheim-Gaildorf. b) Engelhofen, vormals Engelbolds- auch Engelbrechtshofen, {{Bruch|3|8}} St. südwestlich von M. (Mittel-Fischach), links der Gaildorf-Crailsheimer Landstraße, am Waldgebirge, an dem Eingang eines romantischen Nebenthälchens. Der ansehnliche Weiler ist von dem südlich herkommenden Stielbach bewässert, welcher, nachdem er im Ort den von Rothhof herkommenden Klingenbach aufgenommen, den Namen Breitenbach annimmt. Er war ein Condominat-Ort. Das Kloster Comburg verkauft 1319 dem Conrad von Vohenstein, sacerdoti, rectori parochialis ecclesie S. Johannis Baptiste in Vischach, zwei Lehengüter in Engelboldshofen. Limpurg kaufte 1380 von Ellwangen die Vogtei über den Weiler. Die Haller Bürger von Morstein verkaufen 1423 der Präsenz zu St. Michael in Hall ein Gut; 1545 treten die Spieß zu Morstein an Limpurg 2 Güter ab, das 1557 von Hans Wolf von Rechberg zu Heuchlingen und seiner Hausfrau, Maria v. Vellberg, 52 M. Wald kauft und 1578 von Ellwangen 2 Güter erwechselt. Christoph Adler zu Lindenau, Bürger zu Hall, besitzt 1592 einen Hof. Ein Gut und eine Sölde mit Vogtei erwechselt 1685 Limpurg von Hohenlohe-Langenburg, ebenso 1740 die Vogtei über ein Gut von Hohenlohe-Kirchberg. Im Jahr 1741 hatte Limpurg in 15 Wohnhäusern 6 Bauern und 12 Söldner und Häusler, Comburg aber 6 Güter und über 3 derselben die Vogtei, worauf 1804 28 Einwohner waren; zwei Lehen gehörten noch dem Heiligen zu Mittel-Fischach. c) Rothhof, {{Bruch|3|4}} St. südostlich von M. an der zuvorgedachten Landstraße; ein kleineres Hofgut. d) Unter-Fischach, früher auch Grefen-Fischach (das Prescher für einen abgegangenen Ort hält), {{Bruch|3|8}} St. südöstlich von M. über dem linken Ufer der Fischach, an der Grenze des Oberamts Ellwangen. Das {{Seite|180 Örtchen ist von dem Weilerbach bewässert und hat an der Fischach eine Mahlmühle. Auch dieses hatte zumal einige Herren (Condomini). Das Kloster Comburg kauft 1361 von Hans von Enslingen 2, 1380 von Ellwangen 2 und 1410 von Conrad Münzmeister zu Unterlimpurg 2 Lehen zu „Grefen-Fischach“. S. auch Rappoldshofen. Die Kirche Bühlerzell kauft 1400 von einem Bauern sein freies Gut. Limpurg kauft 1380 von Ellwangen 1 Gut und 1431 von der Brüderschaft zu St. Catharina in Hall 1 Lehen, sowie 1541 von der Stadt Hall 7 und 1562 2 Güter, 1563 von Conrad von Vellberg 5, 1578 von Ellwangen 3 Güter, und 1593 von den Vellberg'schen Allodial-Erben 1 Hof. Als „Ganerben“ des Ortes werden jetzt Limpurg, Comburg, Rechberg zu Heuchlingen und Ellwangen bezeichnet; 1741 als solche nur Limpurg und Comburg. Ersteres hatte in 27 Wohnhäusern 12 Bauern, 13 Söldner und 1 Häusler, worunter die Unterlimpurger Frühmesse 1, die geistliche Verwaltung Ober-Sontheim 3 und die Heiligenpflege Mittel-Fischach 4 Halbbauern und Söldner. Comburg hatte 3 Güter mit Vogtei darüber, worauf 1804 17 Einwohner waren. (Dieser erwähnt Prescher aus dem bei Mittel-Fischach angegebenen Grunde nicht.) e) Weiler, früher mit dem Beisatze „in der Fischach“, {{Bruch|5|8}} St. südlich von M., freundlich an dem Waldgebirge zur Seite des romantischen Weilerbach-Thälchens gelegen. Eberhard Leupolt, Caplan des heil. Kreuzaltars in St. Michael zu Hall, vermacht 1436 an diesen Altar „das Gut genannt Weyler, gelegen in der Vischach“ zu einer Seelmesse. Im Jahr 1509 werden als Grundherren des Ortes die gedachte Caplanei und die Caplanei zu Vellberg, als Obrigkeit aber die Stadt Hall und die Herren von Vellberg bezeichnet. Limpurg erwechselt 1541 von Hall 2 Güter und 1546 von Vellberg 1 Gut. Diese Güter wurden in 2 Höfe vereinigt, die 1741 das ganze Limpurgische Besitzthum bildeten. Nach Prescher (II, 309) hatte der Ort 1785 38 Limpurgische und 19 Comburgische Unterthanenen. Über diesen Comburgischen Besitz ließ sich nichts ermitteln; keinenfalls scheint Vogtei damit verbunden gewesen zu seyn. Ober-Fischach, Gemeinde III. Kl. mit 709 Einw. a. Ober-Fischach, Pfd. 293 Einw., worunter 23 Kath. b. Benzenhof, H. 21 Einw. c. Beutenmühle, 13 Einw. d. Herlebach, W. mit Lotthaus, Hs. 200 Einw., wor. 23 Kath. e. Rappoltshofen, W. 173 Einw., wor. 30 Kath. f. Röschbühl, Hs. 9 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. sind nach Bühlerthann, die in Parz. d. nach Steinbach and die in Parz. e. nach Bühlerthann eingepfarrt. Die natürlichen Verhältnisse der Gemeinde sind bei Mittel-Fischach angegeben. Sie gehört der obern Hälfte des Fischachthales an, grenzt {{Seite|181 nordwestlich, nördlich und östlich an das Oberamt Hall und hat zur Verbindung mit der durch Mittel-Fischach führenden Landstraße bloß die dort erwähnte Thalstraße, welche vorerst nur bis Herlebach geht. Durch religiösen Sinn und stilles und eingezogenes Leben zeichnet sich Herlebach aus. Die Vermögensverhältnisse sind noch günstiger als in den unteren Fischachthal-Orten. Am wohlhabendsten sind Rappoldshofen und Benzenhof, dann folgt Herlebach und hierauf Ober-Fischach. Die Erwerbsmittel sind schon angegeben. Rappoldshofen hat den besten, Herlebach, das dagegen vortreffliche Wiesen hat, den unergiebigsten Boden. Das einzige größere geschlossene Gut ist der Benzenhof. In Ober-Fischach gerathen die Winterfrüchte, noch besser in Rappoldshofen, wo auch der Flachs und die Hülsenfrüchte sehr gedeihen. Die Markung begreift 4818{{Bruch|3|8}} M., worunter 1327 M. Wald und 439 {{Bruch|2|8}} M. Weide und Öden, daher 4 M. Baufeldes, der größte Betreff im Bezirke, auf den Kopf kommen, und Brodfrucht über das eigene Bedürfniß noch verkauft werden kann, obwohl der Boden das Saatkorn kaum vierfach zurückgibt. Gewöhnlich wird Roggen, gemischte Frucht, Haber und viel Dinkel, auch etwas Waizen gebaut. Beim Haber ist die Aussaat 7–8, der Ertrag 24, beim Dinkel 7–8 und 32, beim Roggen 3 und 16 bis 24 Simri. Klee wird viel, Reps neuerlich von Einzelnen gebaut. Die Wiesen sind zweimähdig und theilweise sehr ergiebig; das Futter ist, mit Ausnahme sumpfiger Stellen, wo ziemlich viel Schilfgras wächst, gut. Ein M. Ackers kostet 50–100 fl., Wiesen 100–200 fl. Der Obstbau liegt noch in der Wiege. Nur Rappoldshofen macht eine Ausnahme. Das feuchte Thal ist ihm sonst nicht günstig und die Straßen sind nur spärlich mit Obstbäumen besetzt; doch wird in der Baumschule in Ober-Fischach den Schulkindern Unterricht in der Baumzucht ertheilt. Nach Hall wird viel Stammholz und Brennbolz geführt. Die Weiden sind gut und werden mit eigenen Schafen beschlagen. Die Rindviehzucht ist in gutem Zustand; die Vermöglicheren haben sehr schönes Vieh. Dasselbe wird zum Theil gemästet verkauft, namentlich in Herlebach und Rappoldshofen. Auch Gänsezucht findet statt. Die Gemeinde ist größern Theils dem Forstamte Crailsheim, kleinern Theils dem in Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind nicht ungünstig; das Stiftungsvermögen ist das größte des Oberamtes. Die Schulverhältnisse entsprechen den kirchlichen. Mit Ausnahme von Rappoldshofen, wo dem Staat die Novalien gebühren, standen die Zehenten überall der Standesherrschaft Limpurg-Michelbach zu. Bis 1806 gehörten zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Michelbach, in's Amt Michelbach, ganz Benzenhof und Röschbühl, so wie Antheile {{Seite|182 von Ober-Fischach, Herlebach und Rappoldshofen, wovon die württembergischen Antheile 1805 gleichfalls dahin gelangten (s. S. 106). Zur Herrschaft Limpurg-Sontheim-Ober-Sontheim, in's Amt Ober-Sontheim, gehörte Beutenmühle. Die Orte einzeln betreffend: a) Das evang. Pfarrdorf Ober-Fischach, früher St. Kilians-Fischach, 2 St. nordöstlich von Gaildorf, an der Grenze des Oberamts Hall, auf dem rechten Ufer der Fischach, am Robach gelegen, gegen Osten, Süden und Westen von Bergen umgeben. Das Dörfchen ist freundlich, stattlich und verräth Wohlstand. Die Häuser, denen meist Scheune und Stallung angebaut sind, haben das untere Stockwerk von Stein. Mitten im Orte liegt sehr freundlich auf einer kleinen Anhöhe die helle, geräumige Kirche zum St. Kilian. Das Schiff ward im siebenzehnten Jahrhundert, nachdem es im dreißigjährigen Kriege stark beschädigt worden, restaurirt. Der Thurm ist bis zum Glockenstuhle von Quadern, und hat an seinen südlichen und östlichen Seiten in unregelmäßigen Entfernungen von einander kleine, etwa 12″ weite und 9″ hohe Halbkreisnischen, in welchen sich sogenannte gnostische Figuren: Reliefs, Blumen, Arabesken, löwenartige Thiere, Vögel, Fratzen, Fische, Kreuze u. dergl. darstellend, befinden. Die Lichtöffnungen des Thurmes sind länglich viereckig, klein und schmal. Jene Figuren kommen mit denen an der Kirche von Beutelsbach überein und sichern der früheren Kirche, von der sie wohl noch herrühren, ein Alter von wenigstens 700 bis 800 Jahren. Die Glocken sind nicht alt. Das von Gärten umgebene, sehr angenehme Pfarrhaus daneben ist 1822 erbaut worden. Das Schulhaus, welches die Standesherrschaft zu erhalten hat, dient auch als Rathhaus. Der Pfarrsatz kam 1803 an Württemberg und 1806 an die Standesherrschaft Limpurg-Michelbach. Die gegenwärtig mit einem Schulmeister und einem Gehülfen besetzte Schule wird schon 1535 erwähnt, einen Fonds hat sie nicht; übrigens ist auch eine Industrieschule vorhanden. Der größte Theil der grundherrlichen Rechte scheint seit alten Zeiten Comburg gehört zu haben (s. Mittel-Fischach). In den stürmischen Zeiten des Mittelalters machten sich 13 Comburg zinspflichtige Gutsbesitzer den Schenken von Limburg vogtbar. Der Propst des bei Comburg gelegenen St. Egidienklosters, Conrad von Herbolzheim, kaufte 1418 von dem Haller Bürger Hans Spieß 2 Güter, die er zu einer Seelmesse in das gedachte Kloster stiftete. So entstand ein Condominat. Limpurg hatte außer dem bei Mittel-Fischach erwähnten Hof und einem 1431 von der Bruderschaft zu St. Catharina in Hall erkauften Gut die erwähnten Vogtrechte, Comburg aber über 3 Güter die Vogtei. Im Jahr 1741 waren in 25 Wohngebäuden 10 Bauern, 13 Söldner und {{Seite|183 2 Häusler, ausgenommen die Comburg'schen Unterthanen, deren es 1804 überhaupt 22 waren. Über die alte Pfarrei s. auch Herlebach. Die Kirche soll ursprünglich eine Wallfahrts-Capelle und das Pfarrhaus ein Klösterlein gewesen sein. Das Kl. Ellwangen hatte schon früher den Pfarrsatz: 1383 wurde ihm die Pfarrei incorporirt. Gleichwohl mußte Ellwangen den Schenken 1537 den Beisitz bei Abhör der Heiligenrechnungen zugestehen, und so geschah es, daß dieselben 1574 den ersten evangelischen Pfarrer ernannten, und von da an viel über die Pfarrei gestritten wurde, bis man am 3. October 1797 bestimmte, daß Limpurg das Recht des Vorschlags, Ellwangen das der Bestätigung oder Verweigerung haben solle. Durch die Nachlässigkeit einer kaiserlichen Fouragier-Abtheilung, die nach der Nördlinger Schlacht auf dem Kirchhof bivouakirte, entstand in der Kirche Feuer, das wahrscheinlich auch das Pfarrhaus verzehrte, da 1822 bei dessen Neubau ganze Lagen verbrannter Frucht etc. gefunden worden sind. b) Renzenhof, {{Bruch|3|8}} St. südwestlich von O. (Ober-Fischach) am Benzenbach, der in der Nähe einen Weiher bildet. Dieses schöne Hofgut ist von 2 Familien bewohnt und hat 2 gute Wohn - und solide Ökonomie-Gebäude, welche den Hofraum schließen. Es wird schon 1095 bei der Übergabe an Kloster Comburg als „Bennenhoven“ genannt, s. Mittel-Fischach. Limpurg erwarb 1544 den Hof von Comburg, und verpachtete ihn später als ein Kammergut, bis es ihn 1789 um 11.600 fl. an 2 Bauern verkaufte. Noch vor etwa 100 Jahren lagen 3 Seen, zusammen 6–7 M. groß, dabei. c) Beutenmühle, {{Bruch|3|8}} St. südöstlich von O. auf den Ortsmarkungen von Rappoldshofen und Ober-Fischach, an der Fischach und an der Oberamts-Grenze sehr freundlich gelegen. Eine neuerlich gut eingerichtete Mahl- und Säg-Mühle, welche Limpurg 1578 von Ellwangen eingetauscht hat. d) Herlebach, früher Hörlebach und Herdelbach, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. an der Oberamts-Grenze, in dem hier sehr engen Thälchen, an der ihrem Ursprunge nahen Fischach. Dazu gehört Lothhaus. Die freundlichen stattlichen Gebäude sind, wie schon 1294, durch den Brühlbach in den oberen und unteren Weiler geschieden. Im Jahr 978 tritt Bischof Balderich von Speyer an einen Cleriker und Diakon Wulfoald neben andern Gütern im jetzigen Württemberg auch solche in „Herlibach“ ab (Dümge, Regesta Bad. S. 91), womit unser Ort gemeint seyn kann. Wolfram und Sifried von Kottspühel, Ritter, verkaufen 1294 den ganzen Zehenten „nobis ex antiqna quadam consuetudine, de qua tarnen laesam conscientiam habuimus, pertinentes, de utraque villa dicta Herdelbach, {{Seite|184 sitam infra limites parochialis ecclesie de Vischach St. Kiliani“ dem „domino Walthero dicto de Kottspühel, rectori ejusdem ecclesie“ um 35 Pfund Heller. Das Örtchen war gleichfalls ein Condominat. Comburg erwarb einen Hof, den Zürich von Gabelstein 1390 an den Haller Bürger Rudolph Rut verkauft hatte. Limpurg kaufte 1420 von den Haller Bürgern von Stetten das Holz Egenberg und das dazu gehörige Gut, 1431 von der Brüderschaft zu St. Catharina in Hall die Vogtei über 4 Comburg zinsbare Güter, 1562 von der Stadt Hall 3 Güter mit Vogtei und Gericht, und 1563 von Conrad von Vellberg ein Gut mit denselben Rechten. Im Jahr 1741 waren in 17 Wohnhäusern 22 Unterthanen, davon 4 Comburg vogtbar und 11 lehenbar; 1785 waren 130 Limpurgische, 1804 33 Comburgische Einwohner vorhanden. e) Rappoldshofen, {{Bruch|3|8}} St. südöstlich von O. am Benzenbach, ein freundliches Örtchen, dessen Gebäude von größerer Wohlhabenheit zeugen; dasselbe war ebenfalls ein Condominat. Kraft von Heimberg schenkt 1299 dem Kloster Comburg einen Hellerzins aus hiesigen Gütern. Hermann von Wollmershausen besitzt 1353 ein Gut. Mechtild von Thalheim, Beringer, Wilhelm und Conrad von Hohenstein verzichten 1360 auf ihre Ansprüche an Güter des Klosters Comburg, das 1363 an Ellwangen eine Hube abtritt. Was den Limpurgischen Besitz angeht, so übergibt Walther von Sontheim 1349 ein Gut an seine Schwester im Kloster zu Unter-Limpurg, welches 1380 von Kraft von Sontheim, Mönch zu Comburg und dessen Schwester Agnes, 2 weitere Güter erkauft, und 1398 stiftet Frau Ytta, Schenk's Conrad Wittwe, ein Gut an die Frühmesse zu Unter-Limpurg. Die Schenken, an welche diese Güter bei der Reformation fielen, hatten schon 1406 von dem Haller Bürger Conrad Visel 1, von Hans von Thalheim 1552 2 Güter und 1562 von der Stadt Hall 1 Gut erworben. Im Jahr 1741 hatte Limpurg die Malefiz; die Vogtei besaßen Limpurg, Comburg und Ellwangen auf ihren Gütern; 1785 waren 2 Ellwangen'sche Güter, 74 Limpurgische Einwohner und 7 Comburgische Lehen, auf denen 1804 sich 39 Einwohner befanden, vorhanden. f) Röschbühl oder Fallhaus, {{Bruch|3|8}} St. südöstlich von O. auf dessen Markung, auf der Grenze des Oberamts Hall, dem der jenseitige Theil des Örtchens als eine Parzelle von Dörrenzimmern angehört Es war früher der Sitz eines Nachrichters und Wasenmeisters. {{Seite|185 Ober-Gröningen. Gemeinde III. Kl. mit 430 Einw. a. Ober-Gröningen, Pfd. 188 Einw. b. Algishofen, W. mit Röthenbach, Hs., Brand, Hs. und Brandhof, H. 87 Einw. c. Buchhof, W. 91 Einw. d. Fach, W. 42 Einw., wor. 20 Katholiken. e. Schlauchhof, H. 7 Einw.; f. Suhhaus, H. 10 Einw. g. Wahlenhalden, H. 5 Einw. – Evang. Pfarrei die Kath. in Parz. d. sind nach Hohenstatt eingepfarrt. Diese dem Limpurger Oberland angehörige Gemeinde befindet sich theils auf der bei Eschach und Frickenhofen erwähnten Hochebene mit weiter Fernsicht, theils in dem gegen das Kocherthal abfallenden, die beiderseitigen Ufer begrenzenden Waldgebirge, und östlich an das Oberamt Aalen stoßend. Das unter vielfachen Krümmungen in nordwestlicher Richtung sich hinziehende Kocherthal ist hier und gegen Unter-Gröningen hin tief, schmal und auf beiden Seiten von felsigen, quellenreichen Schluchten und steilen Höhen eingeengt, die an manchen Orten senkrechte Abstürze darbieten und mit düsterm Nadelwald bedeckt sind. Hier wechseln die schönsten Naturgemälde, bald einen reizend sanften, bald einen wilden Ausdruck empfangend. Von den Schluchten sind namentlich jene zu erwähnen, welche in nördlicher Richtung der Suhbach und der Streitbach bewässert. Überschwemmungen des Kochers kommen wegen seines hier tiefen Bettes nur bei Schneeabgang vor, sind aber auch dann nicht von Bedeutung. Jede Parzelle hat ihre Brunnen. Der Boden, meist tiefgründiger, schwerer Lehm, ist eben nicht fruchtbar, die Luft rein, scharf und gesund. Die Gemeinde hat die meisten alten Leute, s. S. 32. (Vergleiche auch Eschach und Frickenhofen.) Durch den Gemeindebezirk führt die neue Amtskörperschaftsstraße von Gschwend über Ober-Gröningen an die Oberamtsgrenze Aalen. Ober-Gröningen und einige Höfe sind vermöglich; im Allgemeinen finden die Leute ihr Auskommen. Feldbau, Vieh- und Holzhandel und Taglohn sind die Erwerbsquellen. Die Gesammt-Markung ist 1860{{Bruch|4|8}} M. groß, darunter 376{{Bruch|7|8}} M. Wald und 149{{Bruch|6|8}} M. Weide und Öden, wornach 2,8 M. Baufeldes auf den Kopf treffen. Die Äcker liegen an den Bergabhängen und sind daher schwer zu bauen; die Wiesen im Thale. Das Fruchterzeugniß kommt dem eigenen Brodbedarf gleich. Es wird hauptsächlich Roggen und Haber, dann Dinkel, Gerste und Wicken gebaut. Auf einen Scheffel Aussaat rechnet man vier Scheffel Ertrag. Der Pflug bedarf 4 Ochsen als Anspann. Außerdem werden Kartoffeln, Klee und Hanf, der aber grob ist, gebaut. Ein Morgen Ackers kostet 25–100 fl. Die Wiesen, meist zweimähdig, werden zum Theil gewässert und geben ein gutes Futter. Das {{Seite|186 Obst wird nicht geachtet, weßhalb man es „Grabsig“ nennt, das man grabsen oder stehlen darf. Die Zucht desselben ist sehr gering. Der Stand des Rindviehs ist schön; es wird nur im Herbst einige Wochen ausgetrieben. Der Gemeinde-Bezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind nicht so beschaffen, daß nicht namhafte Umlagen für dieselbe erforderlich wären; auch die Einnahmen der Stiftungspflege genügen ihren Zwecken nicht. Der Schulverband entspricht dem Kirchsprengel. Zehentherr war bisher der Staat, mit der Beschränkung, daß am großen Zehenten in Ober-Gröningen Graf von Adelmann, in Algishofen, Fach und Schlauchhof die Stiftungspflege Ober-Gröningen, und am kleinen Zehenten in Ober-Gröningen die Pfarrei Schechingen, in Fach die Pfarrei Eschach Theil hatten. Bis 1806 bildete die ganze Gemeinde einen Bestandtheil der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gröningen, Amts Untergröningen, mit Ausnahme von Brandhof, das bis dahin zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Amts Gschwend, gehört hat. Die einzelnen Orte: a) Das evang. Pfarrdörfchen Ober-Gröningen liegt 4 {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von Gaildorf, auf der Hochfläche, an der Straße und nahe an der Oberamtsgrenze, in einer kesselförmigen, grasreichen Aue, welche den ganzen östlichen Theil des Ortes umkränzt und Anfangs einen freundlich sanften Anblick gewährend, wildromantisch durch eine tannenreiche Schlucht in's Kocherthal sich hinabzieht. Die kleine düstere Kirche zum h. Nicolaus hat an einem steinernen Behältniß im Chor die eingehauene Jahreszahl 1427. Auf dem kleinen Thurme hängen 3 Glocken, wovon eine vom Jahr 1492 von dem mehrerwähnten Lachamann. Die Baulast liegt dem nicht vermöglichen Heiligen ob. Das hoch und frei gelegene, die gedachte Aue beherrschende, 1837 von der Gemeinde erbaute, Pfarrhaus gewährt eine schöne Fernsicht. Das 1829 von der Gemeinde erbaute Schulhaus wurde 1846 erweitert. Das Patronat ist königlich. Die Schule, seit etwa 90 Jahren bestehend, bis wohin die in Unter-Gröningen für den ganzen Pfarrsprengel gemeinschaftlich war, hat keinen Fonds. Der Begräbnißplatz ist im Dorfe. In Gröningen – ob hier oder in Unter-Gröningen, ließ sich nicht ermitteln – war Comburg mindestens seit 1248 begütert. Das Dorf kaufte 1436 Limpurg mit Unter-Gröningen; es zählte damals 9 Höfe und Lehen und theilte von da an seine Geschicke mit Unter-Gröningen. Die zugleich erworbene Pfarrei scheint von hohem Alter zu seyn. Im dreißigjährigen Kriege haben die Einwohner viel gelitten und sich oft {{Seite|187 in dem Wegstetter Wald in einem Verhack lang aufhalten müssen; Manche wurden 1634 getödtet, Viele rieß die Pest hinweg. Der Ort hatte 1741 nur 18 Bauernhäuser und 1767 136 Einwohner. b) Algishofen, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. (Ober-Gröningen) beim Einfluß des Röthenbachs und Suhbachs in den Kocher. Dazu gehören eine Mahlmühle und die einzelnen Häuser Röthenbach und Brand. Limpurg kaufte 1436 mit Gröningen die Mühle und 2 Güter; 1741 waren in 8 Wohngebäuden 8 Unterthanen und 1 Ausdinger; 1767 42 Einwohner. c) Brandhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. über dem linken Kocherufer. Eine neuere Ansiedelung. d) Buchhof, {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. auf der Hochfläche über dem sogenannten Buchwald; ursprünglich ein kleiner Hof, der 1767 nur 5 Einwohner hatte. e) Fach, früher Vach, {{Bruch|5|8}} St. nördlich von O. auf der Grenze des Oberamts Aalen und dem linken Kocherufer. Hier war Kloster Lorch frühe schon begütert; 1239 überläßt es „mansum nostrum situm in Vache“ einem Ritter Ulrich von Merchingen auf Lebenszeit gegen 12 Pfund Heller. S. auch Kemmnathen und Stixenhof. Ein Gut erwarb Limpurg mit der Herrschaft Gröningen; ein zweites, das 1414 der Gmünder Bürger Cyr Kirchberg an die St. Veitskapelle zu Gmünd verkauft hatte, wurde 1557 von der Stadt Gmünd erwechselt. Auch die Herren von Adelmann zu Hohenstatt hatten ein Gut, das 1741, wo Limpurg 3 Unterthanen und 2 Ausdinger hatte, in den Händen der Propstei Ellwangen sich findet. f) Schlauchhof, {{Bruch|3|8}} St. nördlich von O. über dem linkseitigen Kocherufer; ein 1702 angelegtes Waldgütchen. g) Suhhaus, {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. am Suhbach, auf der Markung von Schlauchhof. h) Wahlenhalden, {{Bruch|5|8}} St. nördlich von O. über dem rechtseitigen Kocherufer. Ein kleines 1720 aus dem zu Algishofen gehörigen Felde Wahlenhalden angelegtes Gütchen. Zwischen Algishofen und Schlauchhof erhebt sich auf dem linken Kocherufer ein Hügel, der „Schloßburren“ genannt, wo man noch Reste von Wall und Graben sieht. Das Volk spricht von einem Schlosse Eulenburg, das hier gestanden habe. Ob die Burg der ursprüngliche Sitz der Herren von Gröningen gewesen und diese später nach Gröningen übergesiedelt, muß dahin gestellt bleiben. {{Seite|188 Ober-Roth. Gemeinde II. Kl. mit 2355 Einw. a. Ober-Roth, Pfd. mit Neumühle 787 Einw. b. Badhaus, H. 19 Einw. c. Brennhof, 7 Einw. d. Dexeberg mit Dexelhof, H. 6 Einw. e. Ebersberg, W. mit der Ziegelhütte, 175 Einw. f. Ebersberger-Sägmühle, 8 Einw. g. Ernstenhöfle, H. 7 Einw. h. Frankenberg, 127 Einw. i. Frankenberger-Sägmühle, 10 Einw. k. Glashofen, W. 146 Einw. l. Hammerschmiede, Hs. 12 Einw. m. Hohenhardsweiler, W. 160 Einw. n. Jaghaus, W. 24 Einw. o. Konhalden, W. 37. Einw. p. Kornberg, W. 74 Einw. q. Obere Kronberger-Sägmühle, 7 Einw. r. Untere Kronberger-Sägmühle, 15 Einw. s. Marbächle, W. 119 Einw. t. Marhördt, W. 61 Einw. u. Marhördter-Mühle, 11 Einw. v. Obermühle, 121 Einw. w. Osenberg, H. 9 Einw. x. Seehölzle, W. 28 Einw. y. Stiershof, W. mit Falkenhölzle, Hs. 151 Einw., wor. 1 Kath. z. Wolfenbrück, W. 234 Einw. – Evang. Pfarrei ; Parz. i. Fil. von Westheim, Parz. z. Fil. von Murrhardt, theilweise; die Kath. in Parz. y. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt. Die vielen diese Gemeinde bildenden Parzellen gehören dem Roththal, dessen beiderseitigen Gehängen und der über ihnen gelegenen Flächen an. Der Bezirk grenzt nördlich an das Oberamt Hall, westlich, südwestlich und südlich an das Oberamt Backnang. Das Thal erreicht, wie schon erwähnt, zwischen Hausen und Ober-Roth die verhältnißmäßig größte Breite. Auf dem Gebirgsrücken zwischen dem Roththale und Murrthale bei Glashofen ist die S. 6 gedachte meist dem Oberamte Backnang angehörige Wasserscheide, da der bei Wolfenbrück entspringende Frohnbach südöstlich mit der Murr sich vereinigt, indeß mehrere kleine Gewässer unseres Gemeindebezirkes, namentlich von Westen der Frohnbach, und Wimbach, von Südwesten der Maßlensbach und der Mühlbach, von Osten aber der Stiersbach, Finsterklingenbach, der Altebach und Sollbach mit ihren Zuflüssen in die Roth sich ergießen. Durch das Thal zieht die bei Hausen und Hütten erwähnte Landstraße von Gaildorf nach Mainhardt. Der Boden ist theilweise undankbar und erzeugt keineswegs das Brodbedürfniß. Vielmehr beruhen die Hauptnahrungszweige auf der Viehzucht, dem Holzhandel und verschiedenen Arbeiten im Taglohn. Die Vermögensverhältnisse und das Auskommen der Einwohner sind im Allgemeinen ungünstig. Die Bevölkerung hat sich auch in dieser Gemeinde seit 1785 verdoppelt. Die Markungsfläche der Gesammt-Gemeinde mit 10.186 {{Bruch|1|2}} M. ist zwar die größte von allen, allein sie hat 3881 {{Bruch|1|2}} M., also über {{Bruch|1|3}} Wald und 955 M. Weiden und Öden, so daß der durchschnittliche Betreff an Baufeld nur 2,1 M. auf den Kopf beträgt. Erwähnenswerth ist, daß seit 5 Jahren der Repsbau immer mehr Aufnahme findet. Auch der Hopfenbau kommt mehr und mehr {{Seite|189 in Aufnahme, da das hiesige Erzeugniß jenem von Spalt in nichts nachstehen soll. Der noch 1607 erwähnte Weinbau wurde längst aufgegeben. Der Wiesenbau ist bei den oben S. 58 erwähnten vortrefflichen Thalgründen eine Hauptsache. Der Rindviehstand ist bedeutend und bei den Vermöglichen sehr schön. Der Käsefabrik in Ober-Roth ist S. 68 gedacht. Die Zahl der Ziegen ist der vielen Ärmeren wegen sehr groß; auch die Bienenzucht ist bedeutend. Außer mehreren Mühlwerken sind weitere Gewerbe nicht erwähnenswerth. Im Übrigen ist das bei Hausen und Vichberg Bemerkte zu vergleichen. In forstamtlicher Hinsicht bildet die Roth die Grenze zwischen den Forstämtern Reichenberg (mit den auf dem rechten Ufer liegenden Parzellen) und Comburg. Das Vermögen der Gemeinde ist mittelmäßig, das der Stiftungspflege etwas günstiger. Es sind zwei größere Stiftungen vorhanden: eine von 792 fl. für die Hausarmen in Ober-Roth, und eine von der Wittwe des Kammerraths Knorr in Ober-Roth von 1794 mit 1000 fl. für die Hausarmen der vormaligen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Assenheim. Volksschulen sind in Ober-Roth, Frankenberg und Marhördt. Die Zehenten gebührten bisher: der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth in Dexelberg, Ebersberg, Konhalden, Marbächle und theilweise in Ober-Roth und Glashofen; der Pfarrei Ober-Roth in Brennhof, Hohenhardtsweiler und theilweise in Ober-Roth, Glashofen und Wolfenbrück; dem Staat, neben Antheilen von Ober-Roth und Glashofen, in den nicht genannten Orten. Über die Bestandtheile der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth s. S. 74 und 103. Bis 1806 waren zugetheilt: dem Oberamte Backnang: Ofenberg und Antheile von Ebersberg, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle und Stiershof; dem Kloster-Oberamte Murrhardt: Ernstenhöfle, Jaghaus und Antheile von Frankenberg, Glashofen, Obermühle und Wolfenbrück; der Pflege Westheim: Seehölzle und Antheil von Frankenberg; dem Stabsamte Rosengarten: Antheil von Hohenhardtsweiler; dem Amte Ober-Roth, der schon seit 1781 theilweise württembergischen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim: neben Antheilen von Ebersberg, Frankenberg, Glashofen, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle, Stiershof und Wolfenbrück die übrigen Orte der Gemeinde. Auch Hohenlohe-Bartenstein hatte Rechte. S. hiernach. Näheres über die einzelnen Orte: a) Das ansehnliche und stattliche evang. Pfandorf Ober-Roth liegt 2 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Gaildorf, in der Mitte des schönen wiesenreichen Roththales, von dem westlich herkommenden Frohnbach bewässert, welcher sich in das in südöstlicher Richtung ganz nahe {{Seite|190 vorbeifließende helle Rothflüßchen ergießt. Es ist der Sitz des Rentbeamten der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth, hat ein halbstädtisches Aussehen, ist wohl gebaut und gepflästert. Nahe bei der Roth liegt die schöne aus Quadern erbaute Kirche zum St. Bonifacius. Ein Stein über einer der Thüren zeigt in erhabener Arbeit das Wappen Limpurgs und der von Roth, und den Kloster Murrhardt'schen Abtsstab mit der Jahreszahl 1513. Wahrscheinlich ist das jetzige, 1822 erweiterte Gebäude in diesem Jahr errichtet worden. In der Kirche sind einige sehr schön gearbeitete Denkmale des alten hallischen Geschlechtes der Senften von Sulberg, namentlich von 1614 und 1627. An der Kirchthüre steht ein Gedächtnißstein an Fritz von Roth von 1482. Älter als die Kirche ist der Thurm, von unten hinauf mit schlechten kleinen Steinen aufgemauert, von der Mitte an aber, so wie die Kirche selbst von unten, mit Quadersteinen erbaut; woraus folgen möchte, daß der Thurm ursprünglich nur eine kleine Capelle war. Die drei Glocken sind alt. Die kleine ohne Jahreszahl hat Reliefs: Christus am Kreuz und Mariä Verkündigung; die zweite hat in Minuskeln eine nicht ganz leserliche Umschrift mit der Jahreszahl 1443 (nicht 1404 wie Prescher angibt); die dritte hat die Umschrift: „Osanna heis ich in unser Frauen er leut ich bernhart lachamann gos mich 1496.“ Die Baulast hat der Heilige. Das der Kirche angenehm gegenüberliegende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Murrhardt der Staat zu erhalten. Das große Schulhaus wurde 1834 mit einem Aufwande von 5548 fl. durch Umlage auf die Pfarrgemeinde erbaut und das alte Schulhaus zum Rathhaus bestimmt. Der beträchtliche Gemeindeboden ist 1771 unter die Einwohner vertheilt worden. Das Patronatrecht steht der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. An der Volksschule stehen 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer und 1 Gehülfe. Der mit Marhördt gemeinschaftliche Schulfonds beträgt 326 fl. 37 kr. Außerdem ist eine Industrieschule vorhanden, auch wurden früher (noch 1827) die Knaben in einer besondern Baumschule in der Obstzucht unterrichtet. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb des Dorfes. Der Ort ist von hohem Alter. Schon 788 schenkte Hiltisnoot, die Tochter eines Suabuled, das neuerrichtete Kloster Baumerlenbach (Oberamts Öhringen) mit Zugehörungen dem Kloster Lorsch an der Bergstraße, und darunter „in Cochengewe in Westheimer marcha, in loco qui dicitur Roadhaha hubas quinque et mansos V... et basilicam illic constructam ad integrum“ (Cod. Lauresham. I. S. 30). Im Jahr 848 gab der Abt Hatto von Fulda tauschweise an einen Grafen Sigehard, was das Kloster Fulda besaß „in pago Cochingowe in duabus villis id est in Rotaha et in Vuestheim –“ (Württemb. Urk. Buch I, 135). Hiermit ist wahrscheinlich Ober-Roth gemeint, obgleich auch {{Seite|191 wegen seiner alten Kirche auf das nahe Mittel-Roth geschlossen werden könnte. Auch tritt frühe schon das Geschlecht der von Roth auf, das auf der unten zu erwähnenden Burg saß und namhafte Rechte in dem Thale, besonders auch in Ober-Roth, inne hatte. Conrad und Wilhelm von Roth, Gebrüder, Götzen von Roth genannt von Schechingen, Söhne, verkaufen 1367 an Limpurg um 70 Pfd. Heller ihren Theil an dem Burgstall zu Roth, 1 Gut zu Ober-Roth, 2 Güter zu dem Badehause, 1 Sölde zum Dechsenberg, 2 Sölden zu Ebersberg, 1 Gut zu Frankenberg, 1 zu Eichenkirnberg, 1 Lehen zu Glashofen, {{Bruch|1|6}} des Gerichts, der eigenen Leute und Waldungen, worunter auch der von Ochsenberg Antheil hieran. Albrecht Graf von Löwenstein verkauft 1370 an Limpurg um 400 Pfd. Heller folgende von Fritz von Roth genannt von Pflugfelden, erworbene Güter: seinen Theil am Burgstall, 4 Güter zu Wonarzweiler, den Keyenberg, die Lohmühle und 2 Lehen, so wie in Ober-Roth 1 Hof, das Birkach, den See, ein Haus an der Badstube und 4 Lehen. Burkhardt und Friedrich Sturmfeder verkaufen 1370 um 200 fl. und 300 Pfd. Heller an Limpurg Alles, was sie zu Ober-Roth haben und in dessen Pfarrei gehört, auch was sie zu Hütten und Erlach haben, ausgenommen ihre Bannwälder. Conrad und Götz von Roth, Gebrüder, verkaufen 1371 an Limpurg um 364 Pfd. Heller ihren Antheil des Burgstalls, der Wälder, Weiden, des Gerichts, „des Baumgartens vor der Burg,“ die Hankrazmühle, 1 Hof und 3 Lehen zu Ober-Roth, das Gut zu Glashofen, „von dem Burkey“ daselbst 21 Schätz Haber, 1 Gut zu Yttendorf und 2 Güter zu Ebersberg. Hans von Roth verkauft an Limpurg 1410 um 51 fl. seinen Theil am Burgstall und an dem Gericht, der Taferne und den Bannwäldern, worunter „die vordere Hochwart“ genannt wird. Priedt (Brigitte) von Nypperg, Peter's von Stetten Wittwe zu Hall, verkauft 1419 ein Gut an den St. Leonhards-Altar in St. Michael zu Hall. Caspar von Roth trug 1506 und noch nach 1530 von Limpurg zu Mannlehen: einen Theil am Burgstall, die Hälfte der Mahl- und Säg-Mühle dabei, 1/12 am Gericht zu Ober-Roth und 20 zur Burg gehörige Güter zu Ober-Roth, Wolfenbrück, Glashofen, Ebersberg, Dechsenberg und Badhaus. So waren die Schenken in dem Besitz des größten Theiles der Roth'schen Güter. Ein anderer kleiner Theil scheint an das Kloster Murrhardt gekommen zu seyn. Herzog Christoph von Württemberg, wohl als Murrhardt'scher Kastvogt, hatte an Margaretha, Catharina und Apollonia, die Töchter eines Caspar von Roth, 1 Gut zu Kornberg, 1 zu Obermühle, 1 Hof zu Honharzweiler, genannt zu der Haid, und ein weiteres Gut daselbst verliehen. Im Jahr 1594, als diese Güter längst heimgefallen waren, wurden sie von Herzog Friedrich an Ernfried Senft von Sulburg in Ober-Roth als Mannlehen gegeben, nachdem schon {{Seite|192 1576 Heinrich Senft von Sulburg mit einem Jagdbezirke „und Antvögel (Enten) uff der Roth zu schießen“ von Württemberg belehnt worden war. Ernfried starb 1631 in Italien, als der Letzte seines Stammes, worauf die Güter nicht wieder verliehen, sondern dem Amt Backnang einverleibt wurden. Die Senft hatten seit 1571 ein im Dorfe gelegenes Schlößlein inne, das einst nach Haller Chroniken, von denen von Roth bewohnt war, und die Schenken um 1555 denen von Gaisberg gegen ihren Antheil an dem Dorfe Schnaith, Oberamts Schorndorf, abgetreten hatten. Georg von Gaisberg saß 1565 auf diesem „freien Edelmannssitz.“ Der hier 1690 gestorbene Conrad von Tessin, Limpurgischer Hofmeister, scheint nach den Senft das Gut erworben zu haben. Die vom Kloster Murrhardt herrührenden {{Bruch|2|3}} des Fruchtzehentens ({{Bruch|1|3}} gehörte der Ortspfarrei) und den ganzen Weinzehenten erwarb Limpurg 1607 von Württemberg. Die Pfarrei ist, wie schon bemerkt, von sehr hohem Alter. Wie und wann dieselbe vom Kloster Baum-Erlenbach an das Kloster Murrhardt gelangt, ist unbekannt. Das letztere hatte schon lange vor der Reformation den Pfarrsatz. Nach derselben war das Confirmationsrecht in den Händen der Herrschaft Limpurg-Gaildorf, und kam 1806 an die Krone, welche das ihr zugestandene Patronatrecht 1819 den gräflichen Häusern Waldeck und Ysenburg überließ, worauf 1824 Ysenburg seinen Antheil an Waldeck abtrat. Ober-Roth wurde 1449 oder 1450 abgebrannt und 1525 während des Bauernaufstandes von den Völkern des schwäbischen Bundes geplündert. Im dreißigjährigen Kriege hatte es harte Schicksale; 1635 starben aus der Pfarrgemeinde 218 Personen. Ober-Roth hatte 1785 400 Einwohner. b) Badhaus, {{Bruch|7|8}} St. nordwestlich von O. (Ober-Roth) am Einflusse des Mühlbachs in die Roth. Wird schon 1367 als Badhaus bezeichnet, s. zuvor. c) Brennhof, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf dem rechten Rothufer. Ein mittleres, vor 260–270 Jahren angelegtes Gut. d) Dexelberg, früher auch Techsenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. zunächst dem Brennhof. Dazu gehört Dexelhof. Gehörte zur Burg Roth und wurde später mit Konhalden verbunden. e) Ebersberg, mit Ziegelhütte, {{Bruch|3|8}} St nordwestlich von O. über dem rechten Rothufer. War ein Condominat. Einen Theil erwarb Limpurg mit der Burg Roth; ein anderer, 1789 mit 2 Gütern, gehörte Hohenlohe-Bartenstein; einige Unterthanen gehörten in das altwürttembergische Amt und Stadtgericht Backnang. Die vom Kloster Murrhardt herrührenden Zehenten in Ebersberg, Kornberg, Konhalden {{Seite|193 und Obermühle mit einem Hof in Glashofen trat Württemberg 1607 in Limpurg ab. Auf der Markung befinden sich auf einem Berg-Vorsprunge über dem Roth-Thal die nur noch in den Grundmauern eines runden Thurmes und einigen Ringmauern bestehenden Reste einer Burg. Zunächst am Orte heißt noch ein Weg die Burggasse. Hier lag vielleicht das „Burkey“, welches Limpurg 1371 mit Roth kaufte. f) Ebersberger-Sägmühle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Ebersberg, auf dessen Markung, am Maslenbach. g) Ernstenhöfle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von O., ein 1720 im Kloster Murrhardt'schen Wald angelegtes schlechtes Gütchen. h) Frankenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von O. über dem linken Roth-Ufer, an der Grenze des Oberamts Hall. Die zur hiesigen Schule gehörigen Stiftungen sind mit jener von Westheim gemeinschaftlich; der Schulfonds beträgt 22 fl. 41 kr. Auch dieser Ort hatte zugleich mehrere Herren. Limpurg, das 1421 den Haller Bürger Wilhelm Schlez und 1505 den Haller Bürger Heinrich Spieß mit der Vogtei belehnte, erwarb einen Theil mit Roth; 7 andere Güter gehörten vom Kloster Murrhardt her theils in die Pflege Westheim und theils in's Amt Murrhardt. Georg Friedrich vom Holtz tritt 1643 an Limpurg ein ihm geeignetes Lehen gegen einen halben Hof zu Vorder-Steinenberg ab. i) Frankenberger-Sägmühle, auch Frankenbergle, auf der Frankenberger Markung, am Dentelbach. k) Glashofen, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von O. auf einem Berge über dem rechten Roth-Ufer; aus zerstreut liegenden Wohnungen bestehend, gleichfalls ein Condominat-Örtchen. Limpurg erwarb mit Roth einige Güter; andere waren auf Kloster Murrhardt'schem Boden angelegt. Limpurg erwechselt 1607 von Württemberg das sogenannte Conventgut. Ein Waltherus de Glashoven kommt 1371 in einer Limpurgischen-Urkunde vor, s. auch Münster. l) Hammerschmiede, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O., an der Roth, auf Kornberger Markung; ein vor etwa 160 Jahren erbautes Hammerwerk. m) Hohenhardtsweiler, Hohnartsweiler, früher Honortsweiler und Wohnhartsweiler, {{Bruch|5|8}} St. nordöstlich von O. auf dem Gebirge über dem linkseitigen Roth-Ufer, an der Oberamts-Grenze Hall, aus zerstreut liegenden Häusern bestehend. War ebenfalls Condominat. Limpurg kaufte 1370 mit Roth 4, und 1407 von Greth von Öttendorf 4 Güter (s. auch Spöck). Die Reichsstadt Hall hatte einige Unterthanen, die Kl. Murrhardt'sche Pflege 3 Lehengüter, und 1804 Württemberg 22 Unterthanen, die in's Stadtgericht Backnang gehörten. {{Seite|194 n) Jaghaus, {{Bruch|1|2}} St. südlich von O. an der Grenze des Oberamts Backnang; ein kleines Gut des Klosters Murrhardt. o) Konhalden, auch Cunhalden, {{Bruch|7|8}} St. nordwestlich von O. an der gedachten Grenze; ein mit Roth erkaufter Hof. p) Kornberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über dem linkseitigen Roth-Ufer. Gleichfalls ein Condominat, wovon Limpurg 1370 einen Theil von Sturmfeder erwarb; der altwürttembergische Antheil, 1804 mit 9 Unterthanen, gehörte in's Stadtgericht Backnang. q) Obere und r) Untere Kornberger-Sägmühle, je {{Bruch|1|4}} St. oberhalb und unterhalb von Kornberg, an der Roth. s) Marbächle oder Morbächle, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O. an der Backnanger Oberamts-Grenze. t) Marhördt, auch Marrhördt, 1 {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. zunächst bei Marbächle. Zu dem mit 2500 fl. im Jahr 1844 erbauten Schulhause gab der Staat 400 fl. Beitrag; die Ortseinwohner haben dazu eine Glocke gekauft. – Marbächle und Marhördt liegen in dem Walde Rindsbuch, den Limpurg theilweise 1367 und 1410 von denen von Roth und theilweise 1556 von Württemberg erworben. Beide Orte waren noch 1557 Höfe. u) Marhördter-Mühle, zunächst bei Marhördt, auf dessen Markung, an dem aus dem vereinigten Aschenbach und Morbach besteden Mühlbach. v) Obermühle oder Obermühlen, {{Bruch|5|8}} St. nordwestlich von O. zunächst der Roth, an dem Keyenberg. Auch hier war ein Condominat. Wie Limpurg seinen Antheil erwarb, ist bei Ober-Roth bemerkt. Die Frauen-Klause zu Unter-Limpurg besaß ein 1360 von Ulrich von Morstein erkauftes Gut. Der Haller Bürger Peter Fürer (Feurer) verkauft 1392 eine Gülte „uff der obern Müle gelegen vnter Rote der Veste, die da gestanden ist,“ an St. Wendelin's Altar im Siechen-Spital zu Hall. Außerdem waren bis in die neuere Zeit württembergische und Kloster Murrhardt'sche Unterthanen hier, die beziehungsweise nach Backnang und Murrhardt gehörten. S. auch Ebersberg. w) Ofenberg, auch Offenberg, 1 {{Bruch|1|8}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über dem rechten Roth-Ufer. Ein auf Reichenberger Forstboden angelegtes Gütchen, das in's Stadtgericht Backnang gehörte. x) Seehölzle, {{Bruch|5|8}} St. nordöstlich von O. an der Haller Oberamts-Grenze. Ein kleines, Kloster Murrhardt gehöriges, dessen Pflege Westheim zugetheilt gewesenes Gut. y) Stiershof mit Falkenhölzle, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich von O. über dem Stiersbach. Auch ein Condominat zwischen Limpurg und {{Seite|195 Württemberg, das in letzterer Hinsicht zum Stadtgericht Backnang gehörte. Im Jahr 1785 zählte der Ort 44 Einwohner. z) Wolfenbrück, 1 {{Bruch|1|8}} St. westlich von O. beim Ursprunge des Fornsbachs an der Grenze des Oberamts Backnang. Auch dieser aus zerstreut liegenden Häusern bestehende Ort war ein Condominat. Ein Simon (?) von Roth schenkt im 12. Jahrhundert dem Kloster Murrhardt 5 Heller Zinse dahier (Chronik von Murrhardt). Die beiden vorderen Höfe gehörten dem gedachten Kloster; die schon 1575 in 5 Güter getheilten hinteren Höfe Limpurg. Eines der letzteren war noch 1553 freies Eigenthum eines Bauern, das andere dem Heiligen zu Münster bei Gaildorf lehnbar. Der Weiler hatte 1785 84 Einwohner. In der Nähe von Wolfenbrück, bei der S. 111 erwähnten Schanze, wurden schon öfters alte Waffen und dergl. ausgegraben. Auf einer Höhe bei Obermühle stand die bei Ober-Roth genannte Burg Roth, wovon kaum noch Spuren an den vormaligen Gräben zu sehen sind. Sie war der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Roth, von dem wir bereits mehrere Glieder kennen gelernt haben. Schon 1090, 1095 und 1101 kommen Craft und Odelricus de Rote in Comburger Urkunden vor. Die Letzten des Geschlechtes waren Friz, der 1542 in einem Zuge gegen die Türken blieb, und der obengenannte Caspar. Nach Haller Chroniken wurde die Burg, weil aus derselben Raub verübt worden, auf kaiserlichen Befehl von Engelhard von Lobenhausen zerstört. Als dieser dem damaligen Besitzer der Burg sein Vorhaben durch einen Boten ankündigen lassen, habe er ihn am nächsten Baume aufgehängt und sey die Wiese, wo es geschehen, lange die Henkwiese genannt worden. Da schon 1367 bei dem Verkaufe nicht von einer Burg, sondern von einem Burgstalle die Rede ist, so war sie wohl schon zuvor zerstört worden. Ober-Sontheim. Gemeinde II. Kl. Pfd. mit der Gyps-Mühle 1312 Einw., worunter 24 Kathol. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Bühlerhann eingepfarrt. Der Gemeinde-Bezirk oder die Markung Ober-Sontheim bildet einen nordöstlichen Ausläufer des Oberamtes, indem sie nördlich an das Oberamt Hall, südlich und südöstlich an das Oberamt Ellwangen und östlich an das Oberamt Crailsheim grenzt. Sie ist von Süden nach Norden von dem Bühlerflüßchen durchschnitten, in das sich von Westen her der Schießbach und von Osten der Nesselbach ergießt. Auch führen durch dieselbe die Landstraßen von Hall nach Ellwangen und von Gaildorf nach Crailsheim. An der letztern, nicht ferne von der Stelle, {{Seite|196 wo sie sich mit der erstern kreuzt, in einer Thal-Einsenkung an der Bühler, liegt 3 St. nordöstlich von Gaildorf das evang. Pfarrdorf Ober-Sontheim, ein ansehnlicher, wohlgebauter Ort, der noch die ehemalige Residenz erkennen läßt; denn es war Sitz einer Linie des Limpurgischen Hauses mit Regierung, Polizeiamt, Forstamt und Hof-Verwaltung, und bis jüngst eines Rentamtes der standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim. Der auf dem rechten Bühler-Ufer liegende Theil des Ortes, „der Wasserrain“, wurde 1601 zu bauen angefangen. Beide Theile sind durch eine schöne Brücke und mehrere gute Stege verbunden. Die zunächst am Flüßchen liegenden Gebäude haben, namentlich im Frühling, bei dessen Austritt zu leiden. Die Gypsmühle liegt westlich {{Bruch|1|4}} St. von Ober-Sontheim, an der Hall-Ellwanger Landstraße. Die Markung ist dem Forstamte Crailsheim zugetheilt. Die Zehenten und grundherrlichen Rechte sind bei der Theilung der Gemeinschaft Ober-Sontheim dem Staat zugefallen. Am südöstlichen Ende des Ortes, auf einer die Umgegend beherrschenden Anhöhe, steht das massivgebaute, aus zwei durch einen Querbau vereinigten Flügeln bestehende Schloß, mit schönen hohen Zimmern und Gewölben, seit 1848 mit etwa 160 M. Gütern im ausschließlichen Eigenthume des Staats; dieses Gebäude bis 1848 noch der Aufbewahrungsort des nach Michelbach verlegten Archives der 5 Linien des Limpurgischen Hauses Sontheim steht jetzt unbenutzt. Es ist gegen das Dorf hinab mit einer hohen Mauer und 4 Thürmen, im Übrigen mit Gräben umgeben, über welche zwei Brücken, die ehemals aufgezogen werden konnten, mit Thoren führen. Der anstoßende Schloßgarten umfaßt etwa 6 Morgen, wovon 1740 ein Theil zu einer Fasanerie eingerichtet war. Von den Schloß-Nebengebäuden ist das ehemalige Reithaus in ein Schaf - und Armen-Haus der Gemeinde umgewandelt. Den großen südöstlichen Flügel von drei Stockwerken hat, wie das Wappen über dem Eingang darthut, Schenk Erasmus 1541 bis 1543, den Querbau und den nordwestlichen Flügel von zwei Stockwerken dessen Sohn Friedrich, wie sein Wappen über des letztern Eingang beweist, 1592 erbaut. Bis 1746 waren hier beständige Hofhaltungen des Hauses Limpurg-Sontheim. – Die östlich liegende, gut gebaute Kirche ließ sammt dem Thurme Schenk Friedrich 1585–1586 erbauen; seine Söhne stifteten 1618 die Sacristei und die Orgel. Er liegt mit vielen seiner Nachkommen in der Kirche begraben und hat hier ein schönes Denkmal. Von den drei Glocken hat die älteste ohne Jahreszahl in Minuskeln die Umschrift: „ave maria gracia,“ die zweite in gothischen Minuskeln: „Osana heys ich jos glockegiser goa mich in unser frauen ere und St. Wolfang St. Sebastian St. Ulrich leyt man mich. 1491.“ Das Pfarrhaus hat 1739 die Herrschaft gebaut und ist wie die {{Seite|197 Kirche durch den Heiligen zu erhalten. – Das 1708 erbaute Waisenhaus ist der Gemeinde zur Benützung als Schulhaus überlassen. Das Rathhaus, 1596 erbaut, ist ansehnlich und so groß, daß ein Theil an Privaten vermiethet werden konnte. Zwischen diesem, der Kirche und dem Schlosse liegt der ziemlich große Marktplatz mit einer Linde in der Mitte. In Ober-Sontheim ist am 24. März 1739 der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart geboren. Sein Vater war Cantor. Die Nahrungsquellen der in mittleren Vermögensumständen stehenden Einwohner sind Fruchtbau und Viehzucht. Die Markung umfaßt 2865{{Bruch|7|8}} M., worunter 642{{Bruch|6|8}} M. Wald und 86 {{Bruch|1|8}} M. Weide und Öden, daher 1 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau gewährt im Ganzen einen ziemlich guten Ertrag an Roggen, Dinkel, Haber und Gerste. Es sind viele Gärten, namentlich Baumgärten, vorhanden; der Obstbau, dem auch der Boden nicht genug tiefgründig ist, wird nicht sorgfältig gepflegt. Der günstigen Lage des Ortes ungeachtet sind die Gewerbe nicht namhaft. Außer einer Apotheke sind 2 Mahlmühlen, 2 Ziegeleien, einige Kaufläden, 2 Gerbereien, 2 Färbereien, 2 Conditoreien und einige Bierbrauereien zu erwähnen. Der Ort ist 3 Jahrmärkte zu halten berechtigt. Das vermögen der Gemeindepflege ist nach Verhältniß nicht klein; noch günstiger ist das der Stiftungspflege. Von Seiten der Grundherrschaft werden stiftungsmäßig unter die Armen wöchentlich 45 Pfund Brod vertheilt. Das Kirchen-Patronat und die Besetzung der Schulstellen steht seit 1848 der Krone ausschließlich zu. An der Schule, die 25 fl. Stiftungen und 85 fl. 7 kr. Fonds hat, stehen ein, früher „Cantor“ genannter, Schulmeister und ein Gehilfe. An Wohlthätigkeits-Anstalten sind der Hospital und das vormalige Waisenhaus zu erwähnen. Der Hospital, zuerst von dem 1450 gestorbenen Schenk Wilhelm in Unter-Limpurg errichtet, wurde 1541 von da hierher verlegt und sein Grundstock allmälig vergrößert. Bei der Theilung 1772 wurde die Natural-Verpflegung aufgehoben, die Anstalt aber als eine den 5 Linien gemeinschaftliche aufrecht erhalten. Die Zahl der Pfründen wurde von 12 auf 6 herabgesetzt, welche a) wegen der Herrschaft Speckfeld von den Grafen von Rechtern zu 30/60, b) wegen der Herrschaften Gröningen, Schmiedelfeld und Ober-Sontheim von der Krone zu 16/60, c) wegen der letztern und Limpurg-Sontheim-Michelbach von dem Fürsten von Löwenstein-Werthheim-Freudenberg zu 8/60, d) wegen Limpurg-Sontheim-Gaildorf von dem Grafen von Pückler zu 6/60 vergeben werden. Die Stiftung beträgt 13.297 fl. Activ-Capitalien, Gebäude, Feld-Güter und Waldungen, und hat seit {{Seite|198 Aufhebung der Natural-Verpflegung jährlich 166 fl. 55 {{Bruch|1|2}} kr. von der Gemein-Herrschaft Ober-Sontheim zu empfangen. – Das von dem Hofprediger Müller 1700 gegründete, von Schenk Vollrath mit einem Garten und Bauholz beschenkte, durch Collecten und Beiträge der Ortsheiligen unterhaltene, Waisenhaus war gleichfalls für die Sontheim'schen Orte gemeinschaftlich, und hatte bald einen so guten Fortgang, daß Capitalien ausgeliehen und zumal 40 Pfleglinge aufgenommen werden konnten. Wegen Verminderung der Einnahmen mußte aber später die Zahl der Letzteren auf 10–12 herabgesetzt werden. Im Jahr 1811 wurde die Anstalt ganz aufgehoben und das in 400 fl. Capitalien, Haus und Gütern bestehende Vermögen der Gemeinde Ober-Sontheim zu Schulzwecken überlassen. – Der Begräbniß-Platz wurde 1618 auf einer südwestlichen Höhe außerhalb des Ortes angelegt. Der Ort ist alt. Am 1. Juli 1002, bei seinem Zuge von Worms nach Bamberg, hielt sich Kaiser Heinrich II. in Suntheime auf, welches nach Stälin's Vermuthung (I. 469) dieser Ort ist. Im Jahr 1383 wurden vor dem Gericht zu Hall H. von Kottsbühl und W. von Enslingen wegen der Bühler zu Ober-Sontheim vertragen, welche als ein „gemein Wasser“ bezeichnet wird. Seitz von Kottsbühl und Ulrich von Enslingen, Bürger zu Hall, sind 1390 Zehentherren. Der Haller Bürger Hans Speltacher verkauft 1462 an die Präsenz zu St. Michael in Hall 2 Güter. Das Schloß, einst der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Suntheim, wovon wir schon mehrere Glieder getroffen, war, als es erstmals genannt wird, im Besitze der von Crailsheim. Im Jahr 1487 ist die Rede von einer Caplanei zu St. Peter „in Castro Suntheim.“ Georg von Crailsheim zu Schönbronn verkauft dasselbe, wie es seine Eltern besessen, mit 7 Gütern 1475 an Schenk Wilhelm, der 1477 von Anna Geyer, Heinrich Berler's Wittwe 9 Güter, worunter die Badstube, kauft. Limpurg kaufte ferner: 1478 von Seitz Künlin 5 Güter, 1479 von Hans von Stetten 1 Hof, 1483 von Hans von Vellberg die Vogtei zu Ober-Sontheim, die dieser von Hohenlohe zu Lehen hatte, und 1 Gut, 1541 von der Stadt Hall 10, 1557 von Hans Wolf von Rechberg zu Heuchlingen 3 Güter, 1562 und 1599 von der Stadt Hall alle Zehenten, 1563 von Conrad von Vellberg 4, 1575 von Markgraf Friedrich zu Brandenburg 3 Güter und 1578 vom Stift Ellwangen mit der hiesigen Frühmesse mehrere Caplanei- und Heiligen-Güter. Von Bauern hatten die Schenken in den Jahren 1479–1575 13 freie Güter erworben. Im Jahr 1583 kauften sie von den von Gaisberg'schen Erben den von ihren Voreltern ererbten Sitz zu Ober-Sontheim, wie derselbe allenthalben umfangen und begriffen ist. Aus diese Weise wurde der Ort ganz Limpurgisch; 1563 wurde auch von Kaiser Ferdinand die {{Seite|199 Errichtung eines Halsgerichtes mit Stock und Galgen nebst dem Rechte zu 3 Jahrmärkten gestattet und Schenk Friedrich mit dem Blutbann belehnt. Die Hafner von Sontheim (s. Bröckingen) saßen in Unter-Sontheim. Die politischen Geschicke der Herrschaft Ober-Sontheim sind im allgemeinen Theile dargelegt. Im Jahr 1741 waren hier 18 herrschaftliche und 123 bürgerliche Wohnhäuser mit 145 Unterthanen (Familien), wozu 5 herrschaftliche Räthe und Officianten, und 14 Kirchen- und Gemeinde-Diener kamen. Dieß käme einer Einwohnerzahl von etwa 900 gleich; 1785 war dieselbe 1100. Die älteren kirchlichen Verhältnisse erhellen aus einer Urkunde des damaligen Abtes von Ellwangen von 1448, worin er sagt, es habe das Dorf, seitdem die Capelle daselbst erbaut worden, eine ansehnliche Summe Gülten zusammengebracht, um eine Frühmesse in dieselbe zu stiften. Da das Dorf in die Pfarrei Unter-Sontheim gehöre, die selbst ein Filial von Bühlerthann sey, beide aber Ellwangen zu verleihen habe, so genehmige er die Stiftung mit der Bestimmung, daß die zugehörigen Güter, wovon 8 in Ober-Sontheim, unvogtbar und die darauf sitzenden Leute Ellwangen gerichtbar seyn sollen. Die Capelle war dem heil. Cyriacus geweiht und stand auf dem Marktplatz. Limpurg erwechselte 1578 von Ellwangen das Besetzungsrecht zur Caplanei, brach die Capelle ab und fing den Kirchenbau an, scheint aber schon 1550 die Pfarrei errichtet zu haben, und berief bereits 1561 den ersten evangelischen Geistlichen hierher. Von 1613 an bekleidete der Pfarrer zugleich das Amt eines Superintendenten, auch war er Hofprediger. Die 1601 errichtete Stelle eines Diaconus („Caplans“) ward 1773 wieder aufgehoben. Bis 1848 stand das Patronat der Herrschaft und nachmaligen standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim zu. – Schon 1620 ist vom „alten Schulhause“ die Rede. Ober-Sontheim wurde im dreißigjährigen Kriege durch kaiserliche, französische und schwedische Truppen dreimal geplündert (Prescher), das Schloß namentlich 1634. Im September 1632 wurde eine Truppe Kaiserlicher, die den Ort besetzt hatte, von den Schweden geschlagen. Ende Septembers 1645 schlugen hier die Bayern eine französisch-schwedische Abtheilung von 400 Mann und machten sie allermeist nieder. – Noch 1720 waren bei dem Orte 4 Seen; 1481 kaufte Schenk Wilhelm eine „Seestatt“, der „neue Kottspühel“ genannt. {{Seite|200 Ödendorf. Gemeinde III. Kl. mit 865 Einw. a. Ödendorf, Pfd. mit adelbach (1 Ziegelhütte, 1 Sägmühle, 4 Häuser). Einöde 2 Hsr. und Railhalde, Hs. 357 Einw. worunter 5 Kath. b. Hägenau, W. 131 Einw. c. Niederndorf, W. 107 Einw. d. Spöck, W. 270 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt. Der Bezirk dieser Gemeinde gehört dem hier bis zu {{Bruch|3|4}} St. breiten Kocherthal an und ist nördlich von dem Adelberg, westlich von dem Gebirgsrücken begrenzt, der das Roth-Thal vom Kocher-Thal scheidet. Der bei Weitem größte Theil liegt auf dem linkseitigen Kocher-Ufer. Nordwestlich stößt das Oberamt Hall an, wohin die Staats-Straße von Gaildorf durchführt. In den Kocher ergießen sich von Südwesten her der Kammersbach und der Mettelbach und von Norden her der Adelbach. Der hier vorkommende Vitriolschiefer und Schieferkohle wurden früher für die hienach zu erwähnende Fabrik abgebaut. Im Übrigen kommen die natürlichen Verhältnisse mit denjenigen überein, die bei der angrenzenden Gemeinde Michelbach bemerkt sind. Von der Gesundheit zeugen die Todtenbücher, welche außer Kinderkrankheiten nie einer Epidemie gedenken. Der Boden, wenn auch – namentlich in Hägenau und Spöck – schwer, ist doch fruchtbar, insbesondere an Dinkel und Roggen, dann an Gerste, Haber und Hanf. Das Obst geräth, obwohl seine Cultur nicht genügend beachtet wird. Noch vor 80–90 Jahren fand Weinbau statt. Die Hauptnahrungsquelle ist der gut betriebene Ackerbau und die nicht unbedeutende, wohl gepflegte Viehzucht. Getreide wird für das eigene Brodbedürfniß hinlänglich erzeugt. Früher bestandene Gemeinderechte wurden gegen Ende des letztverflossenen Jahrhunderts getheilt. Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind ziemlich gut. Die Gesammt-Markung begreift 3631{{Bruch|6|8}} M., darunter 940{{Bruch|7|8}} M. Wald und 454 {{Bruch|3|8}} M. Weiden und Öden, wonach noch 2,5 M. Baufeldes auf den Kopf treffen. Die hiernach erwähnte bedeutende chemische Fabrik beschäftigt mehrere Ärmere. Der landwirthschaftliche Betrieb kommt im Wesentlichen mit dem von Michelbach überein. Der Bezirk ist dem Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind im Ganzen nicht ungünstig, weniger sind es die der Stiftungspflege. Die Schule in Ödendorf ist für die ganze Gemeinde gemeinschaftlich. Die Zehenten gebührten überall dem Staate. Bis 1806 gehörten zur Kloster Murrhardt'schen Pflege Westheim fast ganz Ödendorf und Niederndorf und ein Theil von Hägenau; zum Stabsamte Comburg ein anderer Theil von Hägenau; zum Stabsamte {{Seite|201 Rosengarten ein Theil von Spöck; die Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Landamts Gaildorf, war an sämmtlichen Parzellen betheiligt. Auch die nicht Limpurgischen Theile wurden 1808 mit dem Oberamte Gaildorf vereinigt. Die einzelnen Orte der Gemeinde: a) Das evang. Pfarrdorf Ödendorf – bis 1805 stets Ötendorf oder Öttendorf – liegt angenehm auf der linken Seite des Kochers, 1 St. nordwestlich von Gaildorf, an der zuvor erwähnten Landstraße. Über den Kocher, auf dessen rechtem Ufer zwei Mahlmühlen liegen, führt eine gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erbaute steinerne Brücke. Am westlichen Ende des Dorfes steht die kleine und finstere, von dem Ortsheiligen zu unterhaltende Kirche zum heil. Martin, welche, da an zwei Stellen die Jahreszahlen 1482 und 1483 eingehauen sind, um diese Zeit erbaut worden zu seyn scheint. In derselben befinden sich zwei Altäre mit in Holz geschnitzten Bildern auf Goldgrund, auch Malereien an den äußeren Seiten der Altarflügel, sowie ein Schrank, worin die Brustbilder Christi in halb erhabener Schnitzarbeit. Von den 3 Glocken im Thurme hat die älteste in gothischen Minuskeln die Umschrift: „anno + doi + M + CCCC + LXXXX + jar + O + König + der + er + kum + uns + mit + dein + frid + marcus + lucas + mateus + yohannes + meister + jos +;“ die zweite „M. D. XXX. spes mea Christus;“ die dritte wurde 1795 umgegossen. Ein Pfarrhaus ist hier, weil der Geistliche in dem {{Bruch|3|4}} St. entfernten Westheim, Oberamts Hall, wohnt, nicht vorhanden. Das Schul- zugleich Rath-Haus wurde 1822 auf der Stelle der frühern Kelter erbaut. Zu dem Orte gehören als einzelne Wohnsitze das {{Bruch|1|4}} St. entfernte, am Adelbach gelegene, Adelbach, Einöde und Railhalde. – Der Ort hat seit 1795 das Recht zu 2 Jahrmärkten, womit namhafte Viehmärkte verbunden sind (s. S. 69). Die Pfarrei ist mit der von Westheim unirt; ihr Sprengel entspricht dem Bezirk der politischen Gemeinde. An der Schule, die schon zwischen 1570 und 1580 ihren Anfang nahm, stehen ein Schulmeister und ein Gehülfe; sie hat 20 fl. Capital-Fond und 30 fl. Stiftungen. Der Begräbnißplatz liegt um die Kirche her. Nach einer unbegründeten Sage soll der Ort früher Oberwestheim geheißen, weil er aber verwüstet worden und einige Zeit lang öde gelegen, den jetzigen Namen bekommen haben. Wahrscheinlicher ist es aber, den Namen von dem Mannsnamen Otto herzuleiten. Erstmals wird er 1091 genannt. S. Eutendorf S. 138. Das Kloster Murrhardt scheint schon frühe Rechte hier erworben zu haben. Der größere Theil der Güter und die Obrigkeit hing mit der Burg zusammen, die in der Nähe der Kirche lag und einem Geschlechte vom niedern Adel {{Seite|202 zum Sitz diente. Über zwei Heinrich von Ottendorf s. Erlenhof. Ein Bruder Albrecht von Ottendorf war 1349 Prior in Schönthal (Wibel II, 198); 1365 kommt ein Ar von Ottendorf vor (ib. 204). Dieser Ar oder Arnold war der Letzte seines Geschlechtes. Abt Heinrich von Murrhardt bewilligte 1397, daß die Güter, die er von ihm zu Lehen trage, nach seinem Tode seine Wittwe und Kinder bekommen sollen. Greth von Roth, wohl die ältere Tochter, schenkte 1399 an die Klause zu Unter-Limpurg ihren Theil an der Burg und alle zu demselben gehörigen Güter, die so durch die Reformation an Limpurg, das übrigens schon 1374 ein Gut besaß, gelangten. Greth von Öttendorf, Hausfrau des Friz von Nemmingen (eine andere Tochter, oder die erstgenannte, nun in zweiter Ehe stehend?), verkauft 1407 an Limpurg 2 halbe Güter, ein Fischwasser, {{Bruch|1|6}} an dem Gerichte und der Taferne, die Hälfte der Waldungen, sowie 1 Gut zu Hegenau, 3 Güter und die Hälfte an dem Gericht und der Taferne zu Speck, und 4 Güter zu Wonhardtsweiler, die in das Gericht zu Speck gehören, behält sich aber ihren Theil der Burg bevor. Dieser muß an Murrhardt gekommen seyn, da das Kloster 1432 seinen Antheil an der Burg an Heinrich von Vohenstein verkaufte, welcher 1442 von der gedachten Greth von Öttendorf 3 hiesige, Murrhardt lehenbare Güter mit Vogtei erwarb. Elsbeth Lecher, Hans Gleichers Wittwe zu Hall, verkauft 1413 an Limpurg {{Bruch|1|6}} des Gerichts und der Taferne und die Hälfte des Gerichts und der Taferne zu Speck, wie sie das Alles von ihrem lieben Hauswirth selig, Arn von Öttendorf ererbt hatte. Endris von Münkheim, Bürger in Hall, verkauft 1467 an Elsbeth Wordtwein, Bürgerin von Hall, 4 Güter, welche diese 1469 an die St. Anna-Capelle bei St. Michael in Hall verschafft. Die Burg stand 1439 Murrhardt, Limpurg und Rudolph von Münkheim je mit {{Bruch|1|3}} zu; später gehörte sie Limpurg zu {{Bruch|1|3}} und Murrhardt zu {{Bruch|2|3}}, da wohl dieses die Münkheim mit {{Bruch|1|3}} belehnt hatte. Ein Heinrich Spieß, Herr zu Braunsbach, soll noch 1549 einen Antheil gehabt haben. Die Angaben einiger Haller Chroniken, daß das Schloß 1342 oder 1350 von den Hallern zerstört worden, wäre hienach nur in dem Falle richtig, wenn dasselbe später wieder aufgebaut worden seyn würde. Prescher's Angabe (II, 197), daß 1453 die Kirche an die Stelle der Burg gebaut worden sey, beruht auf Irrthum. Das niedere Gericht, in welches auch Niederndorf gehörte und das 1442 aus 12 Richtern bestand, besetzte Murrhardt zu {{Bruch|2|3}} und Limpurg zu {{Bruch|1|3}}. Nach Vertrag von 1593 war die hohe Gerichtsbarkeit zwischen Württemberg wegen Murrhardt und Limpurg in der Art geordnet, daß die Ausübung unter Beiden Fall um Fall wechselte. Um's Jahr 1550 besaß Limpurg 2 und die Stadt Hall 8 Lehengüter; die übrigen Güter {{Seite|203 nebst dem größten Theil der Zehenten standen Murrhardt zu. Unter den 193 Einwohnern, die der Ort 1804 zählte, waren 9 Limpurgische.⏎ (Seiten davor bereits aufbereitet von Pfaerrich) {{Seite|185}} {{Headline|140|0.2|Ober-Gröningen.}} {{Headline|100||Gemeinde III. Kl. mit 430 Einw. a. Ober-Gröningen, Pfd. 188 Einw. b. Algishofen, W. mit Röthenbach, Hs., Brand, Hs. und Brandhof, H. 87 Einw. c. Buchhof, W. 91 Einw. d. Fach, W. 42 Einw., wor. 20 Katholiken. e. Schlauchhof, H. 7 Einw.; f. Suhhaus, H. 10 Einw. g. Wahlenhalden, H. 5 Einw. – Evang. Pfarrei die Kath. in Parz. d. sind nach Hohenstatt eingepfarrt.}} Diese dem Limpurger Oberland angehörige Gemeinde befindet sich theils auf der bei Eschach und Frickenhofen erwähnten Hochebene mit weiter Fernsicht, theils in dem gegen das Kocherthal abfallenden, die beiderseitigen Ufer begrenzenden Waldgebirge, und östlich an das Oberamt Aalen stoßend. Das unter vielfachen Krümmungen in nordwestlicher Richtung sich hinziehende Kocherthal ist hier und gegen Unter-Gröningen hin tief, schmal und auf beiden Seiten von felsigen, quellenreichen Schluchten und steilen Höhen eingeengt, die an manchen Orten senkrechte Abstürze darbieten und mit düsterm Nadelwald bedeckt sind. Hier wechseln die schönsten Naturgemälde, bald einen reizend sanften, bald einen wilden Ausdruck empfangend. Von den Schluchten sind namentlich jene zu erwähnen, welche in nördlicher Richtung der Suhbach und der Streitbach bewässert. Überschwemmungen des Kochers kommen wegen seines hier tiefen Bettes nur bei Schneeabgang vor, sind aber auch dann nicht von Bedeutung. Jede Parzelle hat ihre Brunnen. Der Boden, meist tiefgründiger, schwerer Lehm, ist eben nicht fruchtbar, die Luft rein, scharf und gesund. Die Gemeinde hat die meisten alten Leute, s. S. 32. (Vergleiche auch Eschach und Frickenhofen.) Durch den Gemeindebezirk führt die neue Amtskörperschaftsstraße von Gschwend über Ober-Gröningen an die Oberamtsgrenze Aalen. Ober-Gröningen und einige Höfe sind vermöglich; im Allgemeinen finden die Leute ihr Auskommen. Feldbau, Vieh- und Holzhandel und Taglohn sind die Erwerbsquellen. Die Gesammt-Markung ist 1860{{Bruch|4|8}} M. groß, darunter 376{{Bruch|7|8}} M. Wald und 149{{Bruch|6|8}} M. Weide und Öden, wornach 2,8 M. Baufeldes auf den Kopf treffen. Die Äcker liegen an den Bergabhängen und sind daher schwer zu bauen; die Wiesen im Thale. Das Fruchterzeugniß kommt dem eigenen Brodbedarf gleich. Es wird hauptsächlich Roggen und Haber, dann Dinkel, Gerste und Wicken gebaut. Auf einen Scheffel Aussaat rechnet man vier Scheffel Ertrag. Der Pflug bedarf 4 Ochsen als Anspann. Außerdem werden Kartoffeln, Klee und Hanf, der aber grob ist, gebaut. Ein Morgen Ackers kostet 25–100 fl. Die Wiesen, meist zweimähdig, werden zum Theil gewässert und geben ein gutes Futter. Das {{Seite|186 Obst wird nicht geachtet, weßhalb man es „Grabsig“ nennt, das man grabsen oder stehlen darf. Die Zucht desselben ist sehr gering. Der Stand des Rindviehs ist schön; es wird nur im Herbst einige Wochen ausgetrieben. Der Gemeinde-Bezirk ist dem Forstamt Comburg zugetheilt. Die Vermögensverhältnisse der Gemeinde sind nicht so beschaffen, daß nicht namhafte Umlagen für dieselbe erforderlich wären; auch die Einnahmen der Stiftungspflege genügen ihren Zwecken nicht. Der Schulverband entspricht dem Kirchsprengel. Zehentherr war bisher der Staat, mit der Beschränkung, daß am großen Zehenten in Ober-Gröningen Graf von Adelmann, in Algishofen, Fach und Schlauchhof die Stiftungspflege Ober-Gröningen, und am kleinen Zehenten in Ober-Gröningen die Pfarrei Schechingen, in Fach die Pfarrei Eschach Theil hatten. Bis 1806 bildete die ganze Gemeinde einen Bestandtheil der Herrschaft Limpurg-Sontheim-Gröningen, Amts Untergröningen, mit Ausnahme von Brandhof, das bis dahin zur Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Amts Gschwend, gehört hat. Die einzelnen Orte: a) Das evang. Pfarrdörfchen Ober-Gröningen liegt 4 {{Bruch|1|2}} St. südöstlich von Gaildorf, auf der Hochfläche, an der Straße und nahe an der Oberamtsgrenze, in einer kesselförmigen, grasreichen Aue, welche den ganzen östlichen Theil des Ortes umkränzt und Anfangs einen freundlich sanften Anblick gewährend, wildromantisch durch eine tannenreiche Schlucht in's Kocherthal sich hinabzieht. Die kleine düstere Kirche zum h. Nicolaus hat an einem steinernen Behältniß im Chor die eingehauene Jahreszahl 1427. Auf dem kleinen Thurme hängen 3 Glocken, wovon eine vom Jahr 1492 von dem mehrerwähnten Lachamann. Die Baulast liegt dem nicht vermöglichen Heiligen ob. Das hoch und frei gelegene, die gedachte Aue beherrschende, 1837 von der Gemeinde erbaute, Pfarrhaus gewährt eine schöne Fernsicht. Das 1829 von der Gemeinde erbaute Schulhaus wurde 1846 erweitert. Das Patronat ist königlich. Die Schule, seit etwa 90 Jahren bestehend, bis wohin die in Unter-Gröningen für den ganzen Pfarrsprengel gemeinschaftlich war, hat keinen Fonds. Der Begräbnißplatz ist im Dorfe. In Gröningen – ob hier oder in Unter-Gröningen, ließ sich nicht ermitteln – war Comburg mindestens seit 1248 begütert. Das Dorf kaufte 1436 Limpurg mit Unter-Gröningen; es zählte damals 9 Höfe und Lehen und theilte von da an seine Geschicke mit Unter-Gröningen. Die zugleich erworbene Pfarrei scheint von hohem Alter zu seyn. Im dreißigjährigen Kriege haben die Einwohner viel gelitten und sich oft {{Seite|187 in dem Wegstetter Wald in einem Verhack lang aufhalten müssen; Manche wurden 1634 getödtet, Viele rieß die Pest hinweg. Der Ort hatte 1741 nur 18 Bauernhäuser und 1767 136 Einwohner. b) Algishofen, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. (Ober-Gröningen) beim Einfluß des Röthenbachs und Suhbachs in den Kocher. Dazu gehören eine Mahlmühle und die einzelnen Häuser Röthenbach und Brand. Limpurg kaufte 1436 mit Gröningen die Mühle und 2 Güter; 1741 waren in 8 Wohngebäuden 8 Unterthanen und 1 Ausdinger; 1767 42 Einwohner. c) Brandhof, {{Bruch|1|2}} St. nördlich von O. über dem linken Kocherufer. Eine neuere Ansiedelung. d) Buchhof, {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. auf der Hochfläche über dem sogenannten Buchwald; ursprünglich ein kleiner Hof, der 1767 nur 5 Einwohner hatte. e) Fach, früher Vach, {{Bruch|5|8}} St. nördlich von O. auf der Grenze des Oberamts Aalen und dem linken Kocherufer. Hier war Kloster Lorch frühe schon begütert; 1239 überläßt es „mansum nostrum situm in Vache“ einem Ritter Ulrich von Merchingen auf Lebenszeit gegen 12 Pfund Heller. S. auch Kemmnathen und Stixenhof. Ein Gut erwarb Limpurg mit der Herrschaft Gröningen; ein zweites, das 1414 der Gmünder Bürger Cyr Kirchberg an die St. Veitskapelle zu Gmünd verkauft hatte, wurde 1557 von der Stadt Gmünd erwechselt. Auch die Herren von Adelmann zu Hohenstatt hatten ein Gut, das 1741, wo Limpurg 3 Unterthanen und 2 Ausdinger hatte, in den Händen der Propstei Ellwangen sich findet. f) Schlauchhof, {{Bruch|3|8}} St. nördlich von O. über dem linkseitigen Kocherufer; ein 1702 angelegtes Waldgütchen. g) Suhhaus, {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. am Suhbach, auf der Markung von Schlauchhof. h) Wahlenhalden, {{Bruch|5|8}} St. nördlich von O. über dem rechtseitigen Kocherufer. Ein kleines 1720 aus dem zu Algishofen gehörigen Felde Wahlenhalden angelegtes Gütchen. Zwischen Algishofen und Schlauchhof erhebt sich auf dem linken Kocherufer ein Hügel, der „Schloßburren“ genannt, wo man noch Reste von Wall und Graben sieht. Das Volk spricht von einem Schlosse Eulenburg, das hier gestanden habe. Ob die Burg der ursprüngliche Sitz der Herren von Gröningen gewesen und diese später nach Gröningen übergesiedelt, muß dahin gestellt bleiben. {{Seite|188 Ober-Roth. Gemeinde II. Kl. mit 2355 Einw. a. Ober-Roth, Pfd. mit Neumühle 787 Einw. b. Badhaus, H. 19 Einw. c. Brennhof, 7 Einw. d. Dexeberg mit Dexelhof, H. 6 Einw. e. Ebersberg, W. mit der Ziegelhütte, 175 Einw. f. Ebersberger-Sägmühle, 8 Einw. g. Ernstenhöfle, H. 7 Einw. h. Frankenberg, 127 Einw. i. Frankenberger-Sägmühle, 10 Einw. k. Glashofen, W. 146 Einw. l. Hammerschmiede, Hs. 12 Einw. m. Hohenhardsweiler, W. 160 Einw. n. Jaghaus, W. 24 Einw. o. Konhalden, W. 37. Einw. p. Kornberg, W. 74 Einw. q. Obere Kronberger-Sägmühle, 7 Einw. r. Untere Kronberger-Sägmühle, 15 Einw. s. Marbächle, W. 119 Einw. t. Marhördt, W. 61 Einw. u. Marhördter-Mühle, 11 Einw. v. Obermühle, 121 Einw. w. Osenberg, H. 9 Einw. x. Seehölzle, W. 28 Einw. y. Stiershof, W. mit Falkenhölzle, Hs. 151 Einw., wor. 1 Kath. z. Wolfenbrück, W. 234 Einw. – Evang. Pfarrei ; Parz. i. Fil. von Westheim, Parz. z. Fil. von Murrhardt, theilweise; die Kath. in Parz. y. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt. Die vielen diese Gemeinde bildenden Parzellen gehören dem Roththal, dessen beiderseitigen Gehängen und der über ihnen gelegenen Flächen an. Der Bezirk grenzt nördlich an das Oberamt Hall, westlich, südwestlich und südlich an das Oberamt Backnang. Das Thal erreicht, wie schon erwähnt, zwischen Hausen und Ober-Roth die verhältnißmäßig größte Breite. Auf dem Gebirgsrücken zwischen dem Roththale und Murrthale bei Glashofen ist die S. 6 gedachte meist dem Oberamte Backnang angehörige Wasserscheide, da der bei Wolfenbrück entspringende Frohnbach südöstlich mit der Murr sich vereinigt, indeß mehrere kleine Gewässer unseres Gemeindebezirkes, namentlich von Westen der Frohnbach, und Wimbach, von Südwesten der Maßlensbach und der Mühlbach, von Osten aber der Stiersbach, Finsterklingenbach, der Altebach und Sollbach mit ihren Zuflüssen in die Roth sich ergießen. Durch das Thal zieht die bei Hausen und Hütten erwähnte Landstraße von Gaildorf nach Mainhardt. Der Boden ist theilweise undankbar und erzeugt keineswegs das Brodbedürfniß. Vielmehr beruhen die Hauptnahrungszweige auf der Viehzucht, dem Holzhandel und verschiedenen Arbeiten im Taglohn. Die Vermögensverhältnisse und das Auskommen der Einwohner sind im Allgemeinen ungünstig. Die Bevölkerung hat sich auch in dieser Gemeinde seit 1785 verdoppelt. Die Markungsfläche der Gesammt-Gemeinde mit 10.186 {{Bruch|1|2}} M. ist zwar die größte von allen, allein sie hat 3881 {{Bruch|1|2}} M., also über {{Bruch|1|3}} Wald und 955 M. Weiden und Öden, so daß der durchschnittliche Betreff an Baufeld nur 2,1 M. auf den Kopf beträgt. Erwähnenswerth ist, daß seit 5 Jahren der Repsbau immer mehr Aufnahme findet. Auch der Hopfenbau kommt mehr und mehr {{Seite|189 in Aufnahme, da das hiesige Erzeugniß jenem von Spalt in nichts nachstehen soll. Der noch 1607 erwähnte Weinbau wurde längst aufgegeben. Der Wiesenbau ist bei den oben S. 58 erwähnten vortrefflichen Thalgründen eine Hauptsache. Der Rindviehstand ist bedeutend und bei den Vermöglichen sehr schön. Der Käsefabrik in Ober-Roth ist S. 68 gedacht. Die Zahl der Ziegen ist der vielen Ärmeren wegen sehr groß; auch die Bienenzucht ist bedeutend. Außer mehreren Mühlwerken sind weitere Gewerbe nicht erwähnenswerth. Im Übrigen ist das bei Hausen und Vichberg Bemerkte zu vergleichen. In forstamtlicher Hinsicht bildet die Roth die Grenze zwischen den Forstämtern Reichenberg (mit den auf dem rechten Ufer liegenden Parzellen) und Comburg. Das Vermögen der Gemeinde ist mittelmäßig, das der Stiftungspflege etwas günstiger. Es sind zwei größere Stiftungen vorhanden: eine von 792 fl. für die Hausarmen in Ober-Roth, und eine von der Wittwe des Kammerraths Knorr in Ober-Roth von 1794 mit 1000 fl. für die Hausarmen der vormaligen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Assenheim. Volksschulen sind in Ober-Roth, Frankenberg und Marhördt. Die Zehenten gebührten bisher: der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth in Dexelberg, Ebersberg, Konhalden, Marbächle und theilweise in Ober-Roth und Glashofen; der Pfarrei Ober-Roth in Brennhof, Hohenhardtsweiler und theilweise in Ober-Roth, Glashofen und Wolfenbrück; dem Staat, neben Antheilen von Ober-Roth und Glashofen, in den nicht genannten Orten. Über die Bestandtheile der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth s. S. 74 und 103. Bis 1806 waren zugetheilt: dem Oberamte Backnang: Ofenberg und Antheile von Ebersberg, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle und Stiershof; dem Kloster-Oberamte Murrhardt: Ernstenhöfle, Jaghaus und Antheile von Frankenberg, Glashofen, Obermühle und Wolfenbrück; der Pflege Westheim: Seehölzle und Antheil von Frankenberg; dem Stabsamte Rosengarten: Antheil von Hohenhardtsweiler; dem Amte Ober-Roth, der schon seit 1781 theilweise württembergischen Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Solms-Assenheim: neben Antheilen von Ebersberg, Frankenberg, Glashofen, Hohenhardtsweiler, Kornberg, Obermühle, Stiershof und Wolfenbrück die übrigen Orte der Gemeinde. Auch Hohenlohe-Bartenstein hatte Rechte. S. hiernach. Näheres über die einzelnen Orte: a) Das ansehnliche und stattliche evang. Pfandorf Ober-Roth liegt 2 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Gaildorf, in der Mitte des schönen wiesenreichen Roththales, von dem westlich herkommenden Frohnbach bewässert, welcher sich in das in südöstlicher Richtung ganz nahe {{Seite|190 vorbeifließende helle Rothflüßchen ergießt. Es ist der Sitz des Rentbeamten der Standesherrschaft Limpurg-Ober-Roth, hat ein halbstädtisches Aussehen, ist wohl gebaut und gepflästert. Nahe bei der Roth liegt die schöne aus Quadern erbaute Kirche zum St. Bonifacius. Ein Stein über einer der Thüren zeigt in erhabener Arbeit das Wappen Limpurgs und der von Roth, und den Kloster Murrhardt'schen Abtsstab mit der Jahreszahl 1513. Wahrscheinlich ist das jetzige, 1822 erweiterte Gebäude in diesem Jahr errichtet worden. In der Kirche sind einige sehr schön gearbeitete Denkmale des alten hallischen Geschlechtes der Senften von Sulberg, namentlich von 1614 und 1627. An der Kirchthüre steht ein Gedächtnißstein an Fritz von Roth von 1482. Älter als die Kirche ist der Thurm, von unten hinauf mit schlechten kleinen Steinen aufgemauert, von der Mitte an aber, so wie die Kirche selbst von unten, mit Quadersteinen erbaut; woraus folgen möchte, daß der Thurm ursprünglich nur eine kleine Capelle war. Die drei Glocken sind alt. Die kleine ohne Jahreszahl hat Reliefs: Christus am Kreuz und Mariä Verkündigung; die zweite hat in Minuskeln eine nicht ganz leserliche Umschrift mit der Jahreszahl 1443 (nicht 1404 wie Prescher angibt); die dritte hat die Umschrift: „Osanna heis ich in unser Frauen er leut ich bernhart lachamann gos mich 1496.“ Die Baulast hat der Heilige. Das der Kirche angenehm gegenüberliegende Pfarrhaus hat wegen des Klosters Murrhardt der Staat zu erhalten. Das große Schulhaus wurde 1834 mit einem Aufwande von 5548 fl. durch Umlage auf die Pfarrgemeinde erbaut und das alte Schulhaus zum Rathhaus bestimmt. Der beträchtliche Gemeindeboden ist 1771 unter die Einwohner vertheilt worden. Das Patronatrecht steht der Standesherrschaft Limpurg-Waldeck zu. An der Volksschule stehen 1 Schulmeister, 1 Unterlehrer und 1 Gehülfe. Der mit Marhördt gemeinschaftliche Schulfonds beträgt 326 fl. 37 kr. Außerdem ist eine Industrieschule vorhanden, auch wurden früher (noch 1827) die Knaben in einer besondern Baumschule in der Obstzucht unterrichtet. Der Begräbnißplatz liegt außerhalb des Dorfes. Der Ort ist von hohem Alter. Schon 788 schenkte Hiltisnoot, die Tochter eines Suabuled, das neuerrichtete Kloster Baumerlenbach (Oberamts Öhringen) mit Zugehörungen dem Kloster Lorsch an der Bergstraße, und darunter „in Cochengewe in Westheimer marcha, in loco qui dicitur Roadhaha hubas quinque et mansos V... et basilicam illic constructam ad integrum“ (Cod. Lauresham. I. S. 30). Im Jahr 848 gab der Abt Hatto von Fulda tauschweise an einen Grafen Sigehard, was das Kloster Fulda besaß „in pago Cochingowe in duabus villis id est in Rotaha et in Vuestheim –“ (Württemb. Urk. Buch I, 135). Hiermit ist wahrscheinlich Ober-Roth gemeint, obgleich auch {{Seite|191 wegen seiner alten Kirche auf das nahe Mittel-Roth geschlossen werden könnte. Auch tritt frühe schon das Geschlecht der von Roth auf, das auf der unten zu erwähnenden Burg saß und namhafte Rechte in dem Thale, besonders auch in Ober-Roth, inne hatte. Conrad und Wilhelm von Roth, Gebrüder, Götzen von Roth genannt von Schechingen, Söhne, verkaufen 1367 an Limpurg um 70 Pfd. Heller ihren Theil an dem Burgstall zu Roth, 1 Gut zu Ober-Roth, 2 Güter zu dem Badehause, 1 Sölde zum Dechsenberg, 2 Sölden zu Ebersberg, 1 Gut zu Frankenberg, 1 zu Eichenkirnberg, 1 Lehen zu Glashofen, {{Bruch|1|6}} des Gerichts, der eigenen Leute und Waldungen, worunter auch der von Ochsenberg Antheil hieran. Albrecht Graf von Löwenstein verkauft 1370 an Limpurg um 400 Pfd. Heller folgende von Fritz von Roth genannt von Pflugfelden, erworbene Güter: seinen Theil am Burgstall, 4 Güter zu Wonarzweiler, den Keyenberg, die Lohmühle und 2 Lehen, so wie in Ober-Roth 1 Hof, das Birkach, den See, ein Haus an der Badstube und 4 Lehen. Burkhardt und Friedrich Sturmfeder verkaufen 1370 um 200 fl. und 300 Pfd. Heller an Limpurg Alles, was sie zu Ober-Roth haben und in dessen Pfarrei gehört, auch was sie zu Hütten und Erlach haben, ausgenommen ihre Bannwälder. Conrad und Götz von Roth, Gebrüder, verkaufen 1371 an Limpurg um 364 Pfd. Heller ihren Antheil des Burgstalls, der Wälder, Weiden, des Gerichts, „des Baumgartens vor der Burg,“ die Hankrazmühle, 1 Hof und 3 Lehen zu Ober-Roth, das Gut zu Glashofen, „von dem Burkey“ daselbst 21 Schätz Haber, 1 Gut zu Yttendorf und 2 Güter zu Ebersberg. Hans von Roth verkauft an Limpurg 1410 um 51 fl. seinen Theil am Burgstall und an dem Gericht, der Taferne und den Bannwäldern, worunter „die vordere Hochwart“ genannt wird. Priedt (Brigitte) von Nypperg, Peter's von Stetten Wittwe zu Hall, verkauft 1419 ein Gut an den St. Leonhards-Altar in St. Michael zu Hall. Caspar von Roth trug 1506 und noch nach 1530 von Limpurg zu Mannlehen: einen Theil am Burgstall, die Hälfte der Mahl- und Säg-Mühle dabei, 1/12 am Gericht zu Ober-Roth und 20 zur Burg gehörige Güter zu Ober-Roth, Wolfenbrück, Glashofen, Ebersberg, Dechsenberg und Badhaus. So waren die Schenken in dem Besitz des größten Theiles der Roth'schen Güter. Ein anderer kleiner Theil scheint an das Kloster Murrhardt gekommen zu seyn. Herzog Christoph von Württemberg, wohl als Murrhardt'scher Kastvogt, hatte an Margaretha, Catharina und Apollonia, die Töchter eines Caspar von Roth, 1 Gut zu Kornberg, 1 zu Obermühle, 1 Hof zu Honharzweiler, genannt zu der Haid, und ein weiteres Gut daselbst verliehen. Im Jahr 1594, als diese Güter längst heimgefallen waren, wurden sie von Herzog Friedrich an Ernfried Senft von Sulburg in Ober-Roth als Mannlehen gegeben, nachdem schon {{Seite|192 1576 Heinrich Senft von Sulburg mit einem Jagdbezirke „und Antvögel (Enten) uff der Roth zu schießen“ von Württemberg belehnt worden war. Ernfried starb 1631 in Italien, als der Letzte seines Stammes, worauf die Güter nicht wieder verliehen, sondern dem Amt Backnang einverleibt wurden. Die Senft hatten seit 1571 ein im Dorfe gelegenes Schlößlein inne, das einst nach Haller Chroniken, von denen von Roth bewohnt war, und die Schenken um 1555 denen von Gaisberg gegen ihren Antheil an dem Dorfe Schnaith, Oberamts Schorndorf, abgetreten hatten. Georg von Gaisberg saß 1565 auf diesem „freien Edelmannssitz.“ Der hier 1690 gestorbene Conrad von Tessin, Limpurgischer Hofmeister, scheint nach den Senft das Gut erworben zu haben. Die vom Kloster Murrhardt herrührenden {{Bruch|2|3}} des Fruchtzehentens ({{Bruch|1|3}} gehörte der Ortspfarrei) und den ganzen Weinzehenten erwarb Limpurg 1607 von Württemberg. Die Pfarrei ist, wie schon bemerkt, von sehr hohem Alter. Wie und wann dieselbe vom Kloster Baum-Erlenbach an das Kloster Murrhardt gelangt, ist unbekannt. Das letztere hatte schon lange vor der Reformation den Pfarrsatz. Nach derselben war das Confirmationsrecht in den Händen der Herrschaft Limpurg-Gaildorf, und kam 1806 an die Krone, welche das ihr zugestandene Patronatrecht 1819 den gräflichen Häusern Waldeck und Ysenburg überließ, worauf 1824 Ysenburg seinen Antheil an Waldeck abtrat. Ober-Roth wurde 1449 oder 1450 abgebrannt und 1525 während des Bauernaufstandes von den Völkern des schwäbischen Bundes geplündert. Im dreißigjährigen Kriege hatte es harte Schicksale; 1635 starben aus der Pfarrgemeinde 218 Personen. Ober-Roth hatte 1785 400 Einwohner. b) Badhaus, {{Bruch|7|8}} St. nordwestlich von O. (Ober-Roth) am Einflusse des Mühlbachs in die Roth. Wird schon 1367 als Badhaus bezeichnet, s. zuvor. c) Brennhof, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf dem rechten Rothufer. Ein mittleres, vor 260–270 Jahren angelegtes Gut. d) Dexelberg, früher auch Techsenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. zunächst dem Brennhof. Dazu gehört Dexelhof. Gehörte zur Burg Roth und wurde später mit Konhalden verbunden. e) Ebersberg, mit Ziegelhütte, {{Bruch|3|8}} St nordwestlich von O. über dem rechten Rothufer. War ein Condominat. Einen Theil erwarb Limpurg mit der Burg Roth; ein anderer, 1789 mit 2 Gütern, gehörte Hohenlohe-Bartenstein; einige Unterthanen gehörten in das altwürttembergische Amt und Stadtgericht Backnang. Die vom Kloster Murrhardt herrührenden Zehenten in Ebersberg, Kornberg, Konhalden {{Seite|193 und Obermühle mit einem Hof in Glashofen trat Württemberg 1607 in Limpurg ab. Auf der Markung befinden sich auf einem Berg-Vorsprunge über dem Roth-Thal die nur noch in den Grundmauern eines runden Thurmes und einigen Ringmauern bestehenden Reste einer Burg. Zunächst am Orte heißt noch ein Weg die Burggasse. Hier lag vielleicht das „Burkey“, welches Limpurg 1371 mit Roth kaufte. f) Ebersberger-Sägmühle, {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von Ebersberg, auf dessen Markung, am Maslenbach. g) Ernstenhöfle, {{Bruch|3|4}} St. südwestlich von O., ein 1720 im Kloster Murrhardt'schen Wald angelegtes schlechtes Gütchen. h) Frankenberg, {{Bruch|3|4}} St. nordöstlich von O. über dem linken Roth-Ufer, an der Grenze des Oberamts Hall. Die zur hiesigen Schule gehörigen Stiftungen sind mit jener von Westheim gemeinschaftlich; der Schulfonds beträgt 22 fl. 41 kr. Auch dieser Ort hatte zugleich mehrere Herren. Limpurg, das 1421 den Haller Bürger Wilhelm Schlez und 1505 den Haller Bürger Heinrich Spieß mit der Vogtei belehnte, erwarb einen Theil mit Roth; 7 andere Güter gehörten vom Kloster Murrhardt her theils in die Pflege Westheim und theils in's Amt Murrhardt. Georg Friedrich vom Holtz tritt 1643 an Limpurg ein ihm geeignetes Lehen gegen einen halben Hof zu Vorder-Steinenberg ab. i) Frankenberger-Sägmühle, auch Frankenbergle, auf der Frankenberger Markung, am Dentelbach. k) Glashofen, {{Bruch|1|2}} St. südwestlich von O. auf einem Berge über dem rechten Roth-Ufer; aus zerstreut liegenden Wohnungen bestehend, gleichfalls ein Condominat-Örtchen. Limpurg erwarb mit Roth einige Güter; andere waren auf Kloster Murrhardt'schem Boden angelegt. Limpurg erwechselt 1607 von Württemberg das sogenannte Conventgut. Ein Waltherus de Glashoven kommt 1371 in einer Limpurgischen-Urkunde vor, s. auch Münster. l) Hammerschmiede, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O., an der Roth, auf Kornberger Markung; ein vor etwa 160 Jahren erbautes Hammerwerk. m) Hohenhardtsweiler, Hohnartsweiler, früher Honortsweiler und Wohnhartsweiler, {{Bruch|5|8}} St. nordöstlich von O. auf dem Gebirge über dem linkseitigen Roth-Ufer, an der Oberamts-Grenze Hall, aus zerstreut liegenden Häusern bestehend. War ebenfalls Condominat. Limpurg kaufte 1370 mit Roth 4, und 1407 von Greth von Öttendorf 4 Güter (s. auch Spöck). Die Reichsstadt Hall hatte einige Unterthanen, die Kl. Murrhardt'sche Pflege 3 Lehengüter, und 1804 Württemberg 22 Unterthanen, die in's Stadtgericht Backnang gehörten. {{Seite|194 n) Jaghaus, {{Bruch|1|2}} St. südlich von O. an der Grenze des Oberamts Backnang; ein kleines Gut des Klosters Murrhardt. o) Konhalden, auch Cunhalden, {{Bruch|7|8}} St. nordwestlich von O. an der gedachten Grenze; ein mit Roth erkaufter Hof. p) Kornberg, {{Bruch|3|4}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über dem linkseitigen Roth-Ufer. Gleichfalls ein Condominat, wovon Limpurg 1370 einen Theil von Sturmfeder erwarb; der altwürttembergische Antheil, 1804 mit 9 Unterthanen, gehörte in's Stadtgericht Backnang. q) Obere und r) Untere Kornberger-Sägmühle, je {{Bruch|1|4}} St. oberhalb und unterhalb von Kornberg, an der Roth. s) Marbächle oder Morbächle, 1 {{Bruch|1|4}} St. nordwestlich von O. an der Backnanger Oberamts-Grenze. t) Marhördt, auch Marrhördt, 1 {{Bruch|3|8}} St. nordwestlich von O. zunächst bei Marbächle. Zu dem mit 2500 fl. im Jahr 1844 erbauten Schulhause gab der Staat 400 fl. Beitrag; die Ortseinwohner haben dazu eine Glocke gekauft. – Marbächle und Marhördt liegen in dem Walde Rindsbuch, den Limpurg theilweise 1367 und 1410 von denen von Roth und theilweise 1556 von Württemberg erworben. Beide Orte waren noch 1557 Höfe. u) Marhördter-Mühle, zunächst bei Marhördt, auf dessen Markung, an dem aus dem vereinigten Aschenbach und Morbach besteden Mühlbach. v) Obermühle oder Obermühlen, {{Bruch|5|8}} St. nordwestlich von O. zunächst der Roth, an dem Keyenberg. Auch hier war ein Condominat. Wie Limpurg seinen Antheil erwarb, ist bei Ober-Roth bemerkt. Die Frauen-Klause zu Unter-Limpurg besaß ein 1360 von Ulrich von Morstein erkauftes Gut. Der Haller Bürger Peter Fürer (Feurer) verkauft 1392 eine Gülte „uff der obern Müle gelegen vnter Rote der Veste, die da gestanden ist,“ an St. Wendelin's Altar im Siechen-Spital zu Hall. Außerdem waren bis in die neuere Zeit württembergische und Kloster Murrhardt'sche Unterthanen hier, die beziehungsweise nach Backnang und Murrhardt gehörten. S. auch Ebersberg. w) Ofenberg, auch Offenberg, 1 {{Bruch|1|8}} St. nordwestlich von O. auf einer Höhe über dem rechten Roth-Ufer. Ein auf Reichenberger Forstboden angelegtes Gütchen, das in's Stadtgericht Backnang gehörte. x) Seehölzle, {{Bruch|5|8}} St. nordöstlich von O. an der Haller Oberamts-Grenze. Ein kleines, Kloster Murrhardt gehöriges, dessen Pflege Westheim zugetheilt gewesenes Gut. y) Stiershof mit Falkenhölzle, {{Bruch|1|2}} St. nordöstlich von O. über dem Stiersbach. Auch ein Condominat zwischen Limpurg und {{Seite|195 Württemberg, das in letzterer Hinsicht zum Stadtgericht Backnang gehörte. Im Jahr 1785 zählte der Ort 44 Einwohner. z) Wolfenbrück, 1 {{Bruch|1|8}} St. westlich von O. beim Ursprunge des Fornsbachs an der Grenze des Oberamts Backnang. Auch dieser aus zerstreut liegenden Häusern bestehende Ort war ein Condominat. Ein Simon (?) von Roth schenkt im 12. Jahrhundert dem Kloster Murrhardt 5 Heller Zinse dahier (Chronik von Murrhardt). Die beiden vorderen Höfe gehörten dem gedachten Kloster; die schon 1575 in 5 Güter getheilten hinteren Höfe Limpurg. Eines der letzteren war noch 1553 freies Eigenthum eines Bauern, das andere dem Heiligen zu Münster bei Gaildorf lehnbar. Der Weiler hatte 1785 84 Einwohner. In der Nähe von Wolfenbrück, bei der S. 111 erwähnten Schanze, wurden schon öfters alte Waffen und dergl. ausgegraben. Auf einer Höhe bei Obermühle stand die bei Ober-Roth genannte Burg Roth, wovon kaum noch Spuren an den vormaligen Gräben zu sehen sind. Sie war der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Roth, von dem wir bereits mehrere Glieder kennen gelernt haben. Schon 1090, 1095 und 1101 kommen Craft und Odelricus de Rote in Comburger Urkunden vor. Die Letzten des Geschlechtes waren Friz, der 1542 in einem Zuge gegen die Türken blieb, und der obengenannte Caspar. Nach Haller Chroniken wurde die Burg, weil aus derselben Raub verübt worden, auf kaiserlichen Befehl von Engelhard von Lobenhausen zerstört. Als dieser dem damaligen Besitzer der Burg sein Vorhaben durch einen Boten ankündigen lassen, habe er ihn am nächsten Baume aufgehängt und sey die Wiese, wo es geschehen, lange die Henkwiese genannt worden. Da schon 1367 bei dem Verkaufe nicht von einer Burg, sondern von einem Burgstalle die Rede ist, so war sie wohl schon zuvor zerstört worden. Ober-Sontheim. Gemeinde II. Kl. Pfd. mit der Gyps-Mühle 1312 Einw., worunter 24 Kathol. – Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Bühlerhann eingepfarrt. Der Gemeinde-Bezirk oder die Markung Ober-Sontheim bildet einen nordöstlichen Ausläufer des Oberamtes, indem sie nördlich an das Oberamt Hall, südlich und südöstlich an das Oberamt Ellwangen und östlich an das Oberamt Crailsheim grenzt. Sie ist von Süden nach Norden von dem Bühlerflüßchen durchschnitten, in das sich von Westen her der Schießbach und von Osten der Nesselbach ergießt. Auch führen durch dieselbe die Landstraßen von Hall nach Ellwangen und von Gaildorf nach Crailsheim. An der letztern, nicht ferne von der Stelle, {{Seite|196 wo sie sich mit der erstern kreuzt, in einer Thal-Einsenkung an der Bühler, liegt 3 St. nordöstlich von Gaildorf das evang. Pfarrdorf Ober-Sontheim, ein ansehnlicher, wohlgebauter Ort, der noch die ehemalige Residenz erkennen läßt; denn es war Sitz einer Linie des Limpurgischen Hauses mit Regierung, Polizeiamt, Forstamt und Hof-Verwaltung, und bis jüngst eines Rentamtes der standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim. Der auf dem rechten Bühler-Ufer liegende Theil des Ortes, „der Wasserrain“, wurde 1601 zu bauen angefangen. Beide Theile sind durch eine schöne Brücke und mehrere gute Stege verbunden. Die zunächst am Flüßchen liegenden Gebäude haben, namentlich im Frühling, bei dessen Austritt zu leiden. Die Gypsmühle liegt westlich {{Bruch|1|4}} St. von Ober-Sontheim, an der Hall-Ellwanger Landstraße. Die Markung ist dem Forstamte Crailsheim zugetheilt. Die Zehenten und grundherrlichen Rechte sind bei der Theilung der Gemeinschaft Ober-Sontheim dem Staat zugefallen. Am südöstlichen Ende des Ortes, auf einer die Umgegend beherrschenden Anhöhe, steht das massivgebaute, aus zwei durch einen Querbau vereinigten Flügeln bestehende Schloß, mit schönen hohen Zimmern und Gewölben, seit 1848 mit etwa 160 M. Gütern im ausschließlichen Eigenthume des Staats; dieses Gebäude bis 1848 noch der Aufbewahrungsort des nach Michelbach verlegten Archives der 5 Linien des Limpurgischen Hauses Sontheim steht jetzt unbenutzt. Es ist gegen das Dorf hinab mit einer hohen Mauer und 4 Thürmen, im Übrigen mit Gräben umgeben, über welche zwei Brücken, die ehemals aufgezogen werden konnten, mit Thoren führen. Der anstoßende Schloßgarten umfaßt etwa 6 Morgen, wovon 1740 ein Theil zu einer Fasanerie eingerichtet war. Von den Schloß-Nebengebäuden ist das ehemalige Reithaus in ein Schaf - und Armen-Haus der Gemeinde umgewandelt. Den großen südöstlichen Flügel von drei Stockwerken hat, wie das Wappen über dem Eingang darthut, Schenk Erasmus 1541 bis 1543, den Querbau und den nordwestlichen Flügel von zwei Stockwerken dessen Sohn Friedrich, wie sein Wappen über des letztern Eingang beweist, 1592 erbaut. Bis 1746 waren hier beständige Hofhaltungen des Hauses Limpurg-Sontheim. – Die östlich liegende, gut gebaute Kirche ließ sammt dem Thurme Schenk Friedrich 1585–1586 erbauen; seine Söhne stifteten 1618 die Sacristei und die Orgel. Er liegt mit vielen seiner Nachkommen in der Kirche begraben und hat hier ein schönes Denkmal. Von den drei Glocken hat die älteste ohne Jahreszahl in Minuskeln die Umschrift: „ave maria gracia,“ die zweite in gothischen Minuskeln: „Osana heys ich jos glockegiser goa mich in unser frauen ere und St. Wolfang St. Sebastian St. Ulrich leyt man mich. 1491.“ Das Pfarrhaus hat 1739 die Herrschaft gebaut und ist wie die {{Seite|197 Kirche durch den Heiligen zu erhalten. – Das 1708 erbaute Waisenhaus ist der Gemeinde zur Benützung als Schulhaus überlassen. Das Rathhaus, 1596 erbaut, ist ansehnlich und so groß, daß ein Theil an Privaten vermiethet werden konnte. Zwischen diesem, der Kirche und dem Schlosse liegt der ziemlich große Marktplatz mit einer Linde in der Mitte. In Ober-Sontheim ist am 24. März 1739 der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart geboren. Sein Vater war Cantor. Die Nahrungsquellen der in mittleren Vermögensumständen stehenden Einwohner sind Fruchtbau und Viehzucht. Die Markung umfaßt 2865{{Bruch|7|8}} M., worunter 642{{Bruch|6|8}} M. Wald und 86 {{Bruch|1|8}} M. Weide und Öden, daher 1 {{Bruch|1|2}} M. Baufeldes auf den Kopf kommen. Der Ackerbau gewährt im Ganzen einen ziemlich guten Ertrag an Roggen, Dinkel, Haber und Gerste. Es sind viele Gärten, namentlich Baumgärten, vorhanden; der Obstbau, dem auch der Boden nicht genug tiefgründig ist, wird nicht sorgfältig gepflegt. Der günstigen Lage des Ortes ungeachtet sind die Gewerbe nicht namhaft. Außer einer Apotheke sind 2 Mahlmühlen, 2 Ziegeleien, einige Kaufläden, 2 Gerbereien, 2 Färbereien, 2 Conditoreien und einige Bierbrauereien zu erwähnen. Der Ort ist 3 Jahrmärkte zu halten berechtigt. Das vermögen der Gemeindepflege ist nach Verhältniß nicht klein; noch günstiger ist das der Stiftungspflege. Von Seiten der Grundherrschaft werden stiftungsmäßig unter die Armen wöchentlich 45 Pfund Brod vertheilt. Das Kirchen-Patronat und die Besetzung der Schulstellen steht seit 1848 der Krone ausschließlich zu. An der Schule, die 25 fl. Stiftungen und 85 fl. 7 kr. Fonds hat, stehen ein, früher „Cantor“ genannter, Schulmeister und ein Gehilfe. An Wohlthätigkeits-Anstalten sind der Hospital und das vormalige Waisenhaus zu erwähnen. Der Hospital, zuerst von dem 1450 gestorbenen Schenk Wilhelm in Unter-Limpurg errichtet, wurde 1541 von da hierher verlegt und sein Grundstock allmälig vergrößert. Bei der Theilung 1772 wurde die Natural-Verpflegung aufgehoben, die Anstalt aber als eine den 5 Linien gemeinschaftliche aufrecht erhalten. Die Zahl der Pfründen wurde von 12 auf 6 herabgesetzt, welche a) wegen der Herrschaft Speckfeld von den Grafen von Rechtern zu 30/60, b) wegen der Herrschaften Gröningen, Schmiedelfeld und Ober-Sontheim von der Krone zu 16/60, c) wegen der letztern und Limpurg-Sontheim-Michelbach von dem Fürsten von Löwenstein-Werthheim-Freudenberg zu 8/60, d) wegen Limpurg-Sontheim-Gaildorf von dem Grafen von Pückler zu 6/60 vergeben werden. Die Stiftung beträgt 13.297 fl. Activ-Capitalien, Gebäude, Feld-Güter und Waldungen, und hat seit {{Seite|198 Aufhebung der Natural-Verpflegung jährlich 166 fl. 55 {{Bruch|1|2}} kr. von der Gemein-Herrschaft Ober-Sontheim zu empfangen. – Das von dem Hofprediger Müller 1700 gegründete, von Schenk Vollrath mit einem Garten und Bauholz beschenkte, durch Collecten und Beiträge der Ortsheiligen unterhaltene, Waisenhaus war gleichfalls für die Sontheim'schen Orte gemeinschaftlich, und hatte bald einen so guten Fortgang, daß Capitalien ausgeliehen und zumal 40 Pfleglinge aufgenommen werden konnten. Wegen Verminderung der Einnahmen mußte aber später die Zahl der Letzteren auf 10–12 herabgesetzt werden. Im Jahr 1811 wurde die Anstalt ganz aufgehoben und das in 400 fl. Capitalien, Haus und Gütern bestehende Vermögen der Gemeinde Ober-Sontheim zu Schulzwecken überlassen. – Der Begräbniß-Platz wurde 1618 auf einer südwestlichen Höhe außerhalb des Ortes angelegt. Der Ort ist alt. Am 1. Juli 1002, bei seinem Zuge von Worms nach Bamberg, hielt sich Kaiser Heinrich II. in Suntheime auf, welches nach Stälin's Vermuthung (I. 469) dieser Ort ist. Im Jahr 1383 wurden vor dem Gericht zu Hall H. von Kottsbühl und W. von Enslingen wegen der Bühler zu Ober-Sontheim vertragen, welche als ein „gemein Wasser“ bezeichnet wird. Seitz von Kottsbühl und Ulrich von Enslingen, Bürger zu Hall, sind 1390 Zehentherren. Der Haller Bürger Hans Speltacher verkauft 1462 an die Präsenz zu St. Michael in Hall 2 Güter. Das Schloß, einst der Sitz des rittermäßigen Geschlechtes von Suntheim, wovon wir schon mehrere Glieder getroffen, war, als es erstmals genannt wird, im Besitze der von Crailsheim. Im Jahr 1487 ist die Rede von einer Caplanei zu St. Peter „in Castro Suntheim.“ Georg von Crailsheim zu Schönbronn verkauft dasselbe, wie es seine Eltern besessen, mit 7 Gütern 1475 an Schenk Wilhelm, der 1477 von Anna Geyer, Heinrich Berler's Wittwe 9 Güter, worunter die Badstube, kauft. Limpurg kaufte ferner: 1478 von Seitz Künlin 5 Güter, 1479 von Hans von Stetten 1 Hof, 1483 von Hans von Vellberg die Vogtei zu Ober-Sontheim, die dieser von Hohenlohe zu Lehen hatte, und 1 Gut, 1541 von der Stadt Hall 10, 1557 von Hans Wolf von Rechberg zu Heuchlingen 3 Güter, 1562 und 1599 von der Stadt Hall alle Zehenten, 1563 von Conrad von Vellberg 4, 1575 von Markgraf Friedrich zu Brandenburg 3 Güter und 1578 vom Stift Ellwangen mit der hiesigen Frühmesse mehrere Caplanei- und Heiligen-Güter. Von Bauern hatten die Schenken in den Jahren 1479–1575 13 freie Güter erworben. Im Jahr 1583 kauften sie von den von Gaisberg'schen Erben den von ihren Voreltern ererbten Sitz zu Ober-Sontheim, wie derselbe allenthalben umfangen und begriffen ist. Aus diese Weise wurde der Ort ganz Limpurgisch; 1563 wurde auch von Kaiser Ferdinand die {{Seite|199 Errichtung eines Halsgerichtes mit Stock und Galgen nebst dem Rechte zu 3 Jahrmärkten gestattet und Schenk Friedrich mit dem Blutbann belehnt. Die Hafner von Sontheim (s. Bröckingen) saßen in Unter-Sontheim. Die politischen Geschicke der Herrschaft Ober-Sontheim sind im allgemeinen Theile dargelegt. Im Jahr 1741 waren hier 18 herrschaftliche und 123 bürgerliche Wohnhäuser mit 145 Unterthanen (Familien), wozu 5 herrschaftliche Räthe und Officianten, und 14 Kirchen- und Gemeinde-Diener kamen. Dieß käme einer Einwohnerzahl von etwa 900 gleich; 1785 war dieselbe 1100. Die älteren kirchlichen Verhältnisse erhellen aus einer Urkunde des damaligen Abtes von Ellwangen von 1448, worin er sagt, es habe das Dorf, seitdem die Capelle daselbst erbaut worden, eine ansehnliche Summe Gülten zusammengebracht, um eine Frühmesse in dieselbe zu stiften. Da das Dorf in die Pfarrei Unter-Sontheim gehöre, die selbst ein Filial von Bühlerthann sey, beide aber Ellwangen zu verleihen habe, so genehmige er die Stiftung mit der Bestimmung, daß die zugehörigen Güter, wovon 8 in Ober-Sontheim, unvogtbar und die darauf sitzenden Leute Ellwangen gerichtbar seyn sollen. Die Capelle war dem heil. Cyriacus geweiht und stand auf dem Marktplatz. Limpurg erwechselte 1578 von Ellwangen das Besetzungsrecht zur Caplanei, brach die Capelle ab und fing den Kirchenbau an, scheint aber schon 1550 die Pfarrei errichtet zu haben, und berief bereits 1561 den ersten evangelischen Geistlichen hierher. Von 1613 an bekleidete der Pfarrer zugleich das Amt eines Superintendenten, auch war er Hofprediger. Die 1601 errichtete Stelle eines Diaconus („Caplans“) ward 1773 wieder aufgehoben. Bis 1848 stand das Patronat der Herrschaft und nachmaligen standesherrlichen Gemeinschaft Ober-Sontheim zu. – Schon 1620 ist vom „alten Schulhause“ die Rede. Ober-Sontheim wurde im dreißigjährigen Kriege durch kaiserliche, französische und schwedische Truppen dreimal geplündert (Prescher), das Schloß namentlich 1634. Im September 1632 wurde eine Truppe Kaiserlicher, die den Ort besetzt hatte, von den Schweden geschlagen. Ende Septembers 1645 schlugen hier die Bayern eine französisch-schwedische Abtheilung von 400 Mann und machten sie allermeist nieder. – Noch 1720 waren bei dem Orte 4 Seen; 1481 kaufte Schenk Wilhelm eine „Seestatt“, der „neue Kottspühel“ genannt. {{Seite|200 Ödendorf. Gemeinde III. Kl. mit 865 Einw. a. Ödendorf, Pfd. mit adelbach (1 Ziegelhütte, 1 Sägmühle, 4 Häuser). Einöde 2 Hsr. und Railhalde, Hs. 357 Einw. worunter 5 Kath. b. Hägenau, W. 131 Einw. c. Niederndorf, W. 107 Einw. d. Spöck, W. 270 Einw. – Evang. Pfarrei; die Kath. in Parz. a. sind nach Hausen an der Roth eingepfarrt. Der Bezirk dieser Gemeinde gehört dem hier bis zu {{Bruch|3|4}} St. breiten Kocherthal an und ist nördlich von dem Adelberg, westlich von dem Gebirgsrücken begrenzt, der das Roth-Thal vom Kocher-Thal scheidet. Der bei Weitem größte Theil liegt auf dem linkseitigen Kocher-Ufer. Nordwestlich stößt das Oberamt Hall an, wohin die Staats-Straße von Gaildorf durchführt. In den Kocher ergießen sich von Südwesten her der Kammersbach und der Mettelbach und von Norden her der Adelbach. Der hier vorkommende Vitriolschiefer und Schieferkohle wurden früher für die hienach zu erwähnende Fabrik abgebaut. Im Übrigen kommen die natürlichen Verhältnisse mit denjenigen überein, die bei der angrenzenden Gemeinde Michelbach bemerkt sind. Von der Gesundheit zeugen die Todtenbücher, welche außer Kinderkrankheiten nie einer Epidemie gedenken. Der Boden, wenn auch – namentlich in Hägenau und Spöck – schwer, ist doch fruchtbar, insbesondere an Dinkel und Roggen, dann an Gerste, Haber und Hanf. Das Obst geräth, obwohl seine Cultur nicht genügend beachtet wird. Noch vor 80–90 Jahren fand Weinbau statt. Die Hauptnahrungsquelle ist der gut betriebene Ackerbau und die nicht unbedeutende, wohl gepflegte Viehzucht. Getreide wird für das eigene Brodbedürfniß hinlänglich erzeugt. Früher bestandene Gemeinderechte wurden gegen Ende des letztverflossenen Jahrhunderts getheilt. Die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind ziemlich gut. Die Gesammt-Markung begreift 3631{{Bruch|6|8}} M., darunter 940{{Bruch|7|8}} M. Wald und 454 {{Bruch|3|8}} M. Weiden und Öden, wonach noch 2,5 M. Baufeldes auf den Kopf treffen. Die hiernach erwähnte bedeutende chemische Fabrik beschäftigt mehrere Ärmere. Der landwirthschaftliche Betrieb kommt im Wesentlichen mit dem von Michelbach überein. Der Bezirk ist dem Forstamte Comburg zugewiesen. Die Vermögensverhältnisse der Gemeindepflege sind im Ganzen nicht ungünstig, weniger sind es die der Stiftungspflege. Die Schule in Ödendorf ist für die ganze Gemeinde gemeinschaftlich. Die Zehenten gebührten überall dem Staate. Bis 1806 gehörten zur Kloster Murrhardt'schen Pflege Westheim fast ganz Ödendorf und Niederndorf und ein Theil von Hägenau; zum Stabsamte Comburg ein anderer Theil von Hägenau; zum Stabsamte {{Seite|201 Rosengarten ein Theil von Spöck; die Herrschaft Limpurg-Gaildorf-Wurmbrand, Landamts Gaildorf, war an sämmtlichen Parzellen betheiligt. Auch die nicht Limpurgischen Theile wurden 1808 mit dem Oberamte Gaildorf vereinigt. Die einzelnen Orte der Gemeinde: a) Das evang. Pfarrdorf Ödendorf – bis 1805 stets Ötendorf oder Öttendorf – liegt angenehm auf der linken Seite des Kochers, 1 St. nordwestlich von Gaildorf, an der zuvor erwähnten Landstraße. Über den Kocher, auf dessen rechtem Ufer zwei Mahlmühlen liegen, führt eine gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erbaute steinerne Brücke. Am westlichen Ende des Dorfes steht die kleine und finstere, von dem Ortsheiligen zu unterhaltende Kirche zum heil. Martin, welche, da an zwei Stellen die Jahreszahlen 1482 und 1483 eingehauen sind, um diese Zeit erbaut worden zu seyn scheint. In derselben befinden sich zwei Altäre mit in Holz geschnitzten Bildern auf Goldgrund, auch Malereien an den äußeren Seiten der Altarflügel, sowie ein Schrank, worin die Brustbilder Christi in halb erhabener Schnitzarbeit. Von den 3 Glocken im Thurme hat die älteste in gothischen Minuskeln die Umschrift: „anno + doi + M + CCCC + LXXXX + jar + O + König + der + er + kum + uns + mit + dein + frid + marcus + lucas + mateus + yohannes + meister + jos +;“ die zweite „M. D. XXX. spes mea Christus;“ die dritte wurde 1795 umgegossen. Ein Pfarrhaus ist hier, weil der Geistliche in dem {{Bruch|3|4}} St. entfernten Westheim, Oberamts Hall, wohnt, nicht vorhanden. Das Schul- zugleich Rath-Haus wurde 1822 auf der Stelle der frühern Kelter erbaut. Zu dem Orte gehören als einzelne Wohnsitze das {{Bruch|1|4}} St. entfernte, am Adelbach gelegene, Adelbach, Einöde und Railhalde. – Der Ort hat seit 1795 das Recht zu 2 Jahrmärkten, womit namhafte Viehmärkte verbunden sind (s. S. 69). Die Pfarrei ist mit der von Westheim unirt; ihr Sprengel entspricht dem Bezirk der politischen Gemeinde. An der Schule, die schon zwischen 1570 und 1580 ihren Anfang nahm, stehen ein Schulmeister und ein Gehülfe; sie hat 20 fl. Capital-Fond und 30 fl. Stiftungen. Der Begräbnißplatz liegt um die Kirche her. Nach einer unbegründeten Sage soll der Ort früher Oberwestheim geheißen, weil er aber verwüstet worden und einige Zeit lang öde gelegen, den jetzigen Namen bekommen haben. Wahrscheinlicher ist es aber, den Namen von dem Mannsnamen Otto herzuleiten. Erstmals wird er 1091 genannt. S. Eutendorf S. 138. Das Kloster Murrhardt scheint schon frühe Rechte hier erworben zu haben. Der größere Theil der Güter und die Obrigkeit hing mit der Burg zusammen, die in der Nähe der Kirche lag und einem Geschlechte vom niedern Adel {{Seite|202 zum Sitz diente. Über zwei Heinrich von Ottendorf s. Erlenhof. Ein Bruder Albrecht von Ottendorf war 1349 Prior in Schönthal (Wibel II, 198); 1365 kommt ein Ar von Ottendorf vor (ib. 204). Dieser Ar oder Arnold war der Letzte seines Geschlechtes. Abt Heinrich von Murrhardt bewilligte 1397, daß die Güter, die er von ihm zu Lehen trage, nach seinem Tode seine Wittwe und Kinder bekommen sollen. Greth von Roth, wohl die ältere Tochter, schenkte 1399 an die Klause zu Unter-Limpurg ihren Theil an der Burg und alle zu demselben gehörigen Güter, die so durch die Reformation an Limpurg, das übrigens schon 1374 ein Gut besaß, gelangten. Greth von Öttendorf, Hausfrau des Friz von Nemmingen (eine andere Tochter, oder die erstgenannte, nun in zweiter Ehe stehend?), verkauft 1407 an Limpurg 2 halbe Güter, ein Fischwasser, {{Bruch|1|6}} an dem Gerichte und der Taferne, die Hälfte der Waldungen, sowie 1 Gut zu Hegenau, 3 Güter und die Hälfte an dem Gericht und der Taferne zu Speck, und 4 Güter zu Wonhardtsweiler, die in das Gericht zu Speck gehören, behält sich aber ihren Theil der Burg bevor. Dieser muß an Murrhardt gekommen seyn, da das Kloster 1432 seinen Antheil an der Burg an Heinrich von Vohenstein verkaufte, welcher 1442 von der gedachten Greth von Öttendorf 3 hiesige, Murrhardt lehenbare Güter mit Vogtei erwarb. Elsbeth Lecher, Hans Gleichers Wittwe zu Hall, verkauft 1413 an Limpurg {{Bruch|1|6}} des Gerichts und der Taferne und die Hälfte des Gerichts und der Taferne zu Speck, wie sie das Alles von ihrem lieben Hauswirth selig, Arn von Öttendorf ererbt hatte. Endris von Münkheim, Bürger in Hall, verkauft 1467 an Elsbeth Wordtwein, Bürgerin von Hall, 4 Güter, welche diese 1469 an die St. Anna-Capelle bei St. Michael in Hall verschafft. Die Burg stand 1439 Murrhardt, Limpurg und Rudolph von Münkheim je mit {{Bruch|1|3}} zu; später gehörte sie Limpurg zu {{Bruch|1|3}} und Murrhardt zu {{Bruch|2|3}}, da wohl dieses die Münkheim mit {{Bruch|1|3}} belehnt hatte. Ein Heinrich Spieß, Herr zu Braunsbach, soll noch 1549 einen Antheil gehabt haben. Die Angaben einiger Haller Chroniken, daß das Schloß 1342 oder 1350 von den Hallern zerstört worden, wäre hienach nur in dem Falle richtig, wenn dasselbe später wieder aufgebaut worden seyn würde. Prescher's Angabe (II, 197), daß 1453 die Kirche an die Stelle der Burg gebaut worden sey, beruht auf Irrthum. Das niedere Gericht, in welches auch Niederndorf gehörte und das 1442 aus 12 Richtern bestand, besetzte Murrhardt zu {{Bruch|2|3}} und Limpurg zu {{Bruch|1|3}}. Nach Vertrag von 1593 war die hohe Gerichtsbarkeit zwischen Württemberg wegen Murrhardt und Limpurg in der Art geordnet, daß die Ausübung unter Beiden Fall um Fall wechselte. Um's Jahr 1550 besaß Limpurg 2 und die Stadt Hall 8 Lehengüter; die übrigen Güter {{Seite|203}} nebst dem größten Theil der Zehenten standen Murrhardt zu. Unter den 193 Einwohnern, die der Ort 1804 zählte, waren 9 Limpurgische. Die Kirche „Odendorf“ wird 1248 als eine Comburgische bezeichnet; ob damit Ödendorf oder Eutendorf gemeint ist, kann bei der ehemaligen ähnlichen Schreibart nicht entschieden werden. Seit wann die Pfarrei unbesetzt geblieben, ist unbekannt; mit der Pfarrei Westheim war sie mindestens seit der Reformation vereinigt. Diese mußte aber, da sie den Landesherrn bischöfliche Rechte übertrug, die eigenthümliche Wirkung haben, daß, weil Württemberg in der Pfarrei Ödendorf, die (contracted; show full) Die Standes-Herrschaften 8211 11 26 21 682 11 2890 34 240 27 7313 13 16 – – – – – – – – – – – – – – – – – – Im Ganzen 224.801 32 3367 52 18.456 – 2921 15 243 – 1.382.671 2508 – 3125 1 1924 – 266 3/8 22.391 79.118 43.682 11.921 12.325 29.679 17.195 17.280 295 5/8 64.282 13.520 7338 9425 *) Die mit * bezeichneten Gemeinden haben keine Stiftungspflegen. **) Unter-Gröningen hat die Stiftungspflege gemeinschaftlich mit Ober-Gröningen. {{references|1}} All content in the above text box is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike license Version 4 and was originally sourced from https://de.wikisource.org/w/index.php?diff=prev&oldid=1878398.
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