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(contracted; show full)

Franceschini ging zur See von Genua ab und kam wieder auf das sichere Gebiet der Santa Chiesa. Das Bild der Maddalena aber verließ ihn nie mehr, und begeistert von jenem Angedenken schuf er eins seiner ausgezeichnetsten Oelgemälde, das die glänzenden Vorzüge Cignani’s und Guido Reni’s in sich zu vereinigen scheint.
















==24. Heft.==
=== Das Feldlager. Von Philipp Wouverman.===

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Es ist bewundernswerth, mit welcher Leichtigkeit Wouverman seine Stoffe zu variiren versteht, um immer neu zu bleiben. Dies Feldlager, obgleich ein in weiten Kreisen bekanntes und beliebtes Gemälde, steht der Composition nach jedoch nicht in der Reihe des Besten, das Wouverman geliefert.

Leben und Bewegung sind vortrefflich und charakteristisch, wie immer bei diesem Meister. Eine Gruppe von Soldaten und zwar Reitern ist vor einer im linken Mittelgrunde stehenden Marketenderbude versammelt. Ein Trompeter bläst, augenscheinlich kein Signal, sondern ein lustiges Reiterstücklein für seine Kameraden, von denen der eine mit entblößtem Haupte zärtlich seinen Weinkrug betrachtet, indeß der andere eine prächtig gezeichnete Schäcke besteigt. Einen der erschütternden Contraste, welche der Krieg herbeiführt, stellt Wouverman hier mit seinem parteilosen Pinsel dar, welcher mehr objectiv arbeitete, als vielleicht jetzt schon anerkannt ist.

Ein Krüppel, dessen Beine wahrscheinlich von einer Stückkugel fortrasirt sind, bettelt die im Mittelpunkte des Bildes stehende Figur eines vornehmen, schwer geharnischten Reiters an. Diese Gebrechlichkeit des Armen, welcher kunstvoll auf zwei kleinen Handböcken mit den Händen zu gehen versteht und diese herrliche, fast übermüthige Kräftigkeit des Kürassiers, den der nächste Augenblick zu dem machen kann, was sein armer beinloser Nachbar ist, lassen schwerlich ungerührt. Ein Soldat links versucht mit freundschaftlicher Gewalt das Schenkmädchen zu einem Schleifer zu veranlassen, indeß er selbst springt, so hoch er kann.

Rechts im Vordergrunde sitzt eine junge Brodverkäuferin, vielleicht zu dem Krüppel gehörend. Neben ihr eine, ein Kind säugende Frau, mit ihrem schlafenden Manne.

Im Mittelgrunde zeigt sich ein von seinem Weibe erweckter betrunkener Bauer und ein anderer Bauer, welcher auf seinem Esel Waaren in’s Lager bringt. Die Schildwache hält dem Erschrockenen das Gewehr entgegen, worüber er selbst sammt seinem Esel aus voller Kehle zu schreien anfängt.

Der Hintergrund wird durch das Lager selbst und einen Fluß ausgefüllt, in welchem sich die Soldaten baden. Hinten ist die Leinenstadt, so weit das Auge reicht, mit lebhaft bewegten kleinen Figuren versehen. Das ganze Bild macht, eben seiner ernsten Wahrheit und Lebendigkeit wegen, einen fast tragischen Eindruck, denn „nur ein Schritt, nur ein Haar“ ist’s, wodurch das ganze Feldlager, diese luftige Stadt des Kriegs, von feindlichen mörderischen Kugeln und Schwertern, an deren Wirkung der Krüppel erinnert, geschieden wird.
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===Die Wildprethändlerin. Von Gabriel Metzu.===

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Dies äußerst delicat gezeichnete und ausgeführte Bild ist das Seitenstück zu dem „Wildprethändler“ von demselben Maler. Die Bilder dürften an künstlerischem Werthe einander so gleich sein, daß es schwer werden würde, zu Gunsten des einen einen Vorzug nachzuweisen. Doch wollen wir bemerken, daß der Kopf der Wildprethändlerin an sprechendem, naturgemäßem Ausdrucke denjenigen des Wildprethändlers sichtlich übertrifft, wogegen aber das Gesicht und das Haupt des letzteren wiederum wirksamer erscheint. Die kaufenden Damen auf beiden Gemälden, ächt holländische Schönheiten, zeigen sehr wenig von dem Geiste, der sonst die Figuren des Meisters belebt. Einen Humor, wie ihn Metzu liebt, finden wir auf diesem Gemälde in dem einfältigen Diener der Dame, welcher bereits das Waidmesser zum Abstreifen des Hasen zieht, wodurch die Händlerin bewogen wird, das Thier noch nicht zuzuschlagen, sondern einen höhern Preis zu verlangen. Diese humoristischen Züge sind bei dem sanften Metzu so schüchtern und wenig in die Augen fallend angebracht, daß sie eben so leicht übersehen, als gesehen werden können. Die Umgebung ist hier einfacher als auf dem Bilde des „Wildprethändler“, übrigens fast genau so arrangirt. Malerei und Ausführung beider Stücke sind höchst vortrefflich.
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===Die Fähre. Von Nicolaus Berghem.===

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Jan van Goyen, oder Göeyn, im Haag 1566 gestorben, war der Lehrer Nicolaus Berghem’s. Der Ruf des Goyen war zu einer Zeit so hoch gestiegen, daß man seine Werke denen J. van Ruisdael’s an die Seite stellte, obgleich Goyen in seiner Composition sich fast immer wiederholte und nur in der, in seinen Bildern meist mehr als in denjenigen von Ruisdael hervortretenden, Staffage mit dem großen Dichter von Landschaften sich messen könnte.

Nicolaus Berghem erreichte seinen Meister in der warmen, höchst naturgetreuen Farbengebung, überflügelte ihn aber durch eine reiche Phantasie. Seine Landschaften sind, obwohl höchst naturwahr, nichts weniger als der Natur abgeschrieben, sondern nach gefälligen und wirksamen Ideen angeordnet. In seiner Landschaftscomposition vermeidet Berghem jedoch fast stets die großen Contraste des Bodens sowohl als der Beleuchtung, und richtet sein Streben darauf, durch Zusammenstellung des Gleichartigen einen harmonischen Eindruck bei dem Beschauer hervorzubringen. Daher haben Nicolaus Berghem’s Gemälde einen Anstrich von Classischem, von klarer, kräftiger Ruhe, was namentlich bei den von ihm radirten und gestochenen Blättern überraschend hervortritt.

Herrlich ist stets seine Staffage. Sie zeigt meist eine geschlossene Scene von großer Lebhaftigkeit der Erfindung und charakteristischer Wahrheit, eine Handlung, die sich auf’s Genaueste in ihrer Wirkung dem Eindrucke anschließt, den die Landschaft macht, in welcher sie vorgeht. Oft zeigen die Scenen die vortrefflichsten, humoristischen Züge. Nicolaus Berghem verstand es nicht minder, Thiere zu malen, welche er mit den menschlichen Figuren auf seinen Bildern mit großer Kunst zu gruppiren weiß. Seine Zeichnung ist correct, die Ausführung genau, die Beleuchtung, namentlich der Partien des Hintergrundes, brillant.

Der Meister, 1624 zu Haarlem geboren, starb 1683 in seiner Vaterstadt. Es ist sehr oft nach ihm in Kupfer gestochen und radirt; seine eigenen Radirungen, fast sämmtlich in festen Händen, behaupten, wie seine zahlreichen Gemälde, einen ungewöhnlichen Werth.
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===Gerard Dow. Von lhm selbst gemalt. (Schreibt.) ===

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Auf diesem Selbstportrait hat der Meister mehr Phantasie und einen freieren Wurf der Composition entfaltet, als wir, bei allen seinen sonstigen bekannten Vorzügen, bei ihm zu finden gewohnt sind. In diesem Bilde ist das Bedachte, Gehaltene, welches bei Dow sowohl, wie bei seinen Schülern hervortritt, so wenig zu finden, daß man vielmehr die weiche Breite der italienischen Schulen in der Anordnung, neben dem zierlichen Pinsel des Holländers in der Ausführung bewundert. Dow ist uns eine neue Erscheinung in seiner ächt künstlerisch-phantastischen Umgebung. Seine Lieblingsverzierung, ein schön gewobener Vorhang, erscheint hier so frei und classisch drapirt, wie es auf den bisherigen, hier gegebenen Gemälden kaum annähernd der Fall ist. Die antike Gladiatorengruppe zeigt unwidersprechlich, wie tief der Maler auf das Wesen der Antike einzugehen das Talent besessen hat. Eine freie Composition, würden diese Gladiatoren, in Erz ausgeführt, sich den ausgezeichnetsten antiken Vorbildern der Römer, denn diesen gehören sie dem Style nach an, zur Seite stellen können. Auf den Schirm machen wir als auf ein Curiosum aufmerksam. Die Viola da Gamba war damals noch das hervorragendste Instrument des Orchesters, als die Leistungen Baltazarini’s, Viotti’s u. s. w. die Violine noch nicht zur Königin der Instrumente erhoben hatten. Ungeachtet aber damals die Geige als ein zu schwer zu behandelndes Instrument angesehen wurde, hat sich doch der auch in musikalischer Hinsicht kunstfertige Meister von seiner geliebten italienischen Geige auch auf unserm Bilde nicht zu trennen vermocht. Neben Dow’s Eigenbilde behauptet dasjenige von Adrian Ostade jedoch, was Leben und Wirkung auf den Beschauer betrifft, bei Weitem den Rang.
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===Jesus. Von Carlo Dolce.===

[[File:Gemäldegalerie Alte Meister (Dresden) Galeriewerk Payne 062.jpg|500px|center]]

Dieser Jesus mit dem Kelche vor sich, wie er, das Brod in der Hand, die Danksagung mit nach oben gerichtetem Blicke spricht, ist eins der Hauptbilder Dolce’s und steht neben seiner heiligen Cäcilia und der Herodias mit dem Haupt Johannes des Täufers, alle drei in Dresden, und neben der büßenden Magdalena in Florenz, dem Johannes in Berlin und Christus am Oelberge in Paris. Des ungemein zarten und hinreißenden Ausdrucks wegen ist dieser Jesus in seinen zahlreichen Nachbildungen ein Lieblingsstück der religiös gesinnten Herzen geworden, vielleicht noch mehr, als der grandios gehaltene, dornengekrönte Christus des Guido Reni es ist. Der Seelenmalerei der tiefsten, sanftesten Empfindung, wie sie Dolce zu erfassen und darzustellen wußte, begegnen wir hier im hohen Maße. Dennoch wird die Weichheit dieser Figur nicht weichlich, noch weniger ist die dargestellte begeisterte Empfindung sentimental. Dolce’s deutsche Nachbildner haben nur zu oft den Fehler begangen, in die höchst anmuthigen, weich gehaltenen Bilder desselben eine Sentimentalität zu legen, die Dolce eben so wenig, als irgend ein anderer älterer Maler kennt. Nur selten ist Dolce’s Zartheit wirklich manierirt, nie ist sie bloße Grimasse, wie bei vielen seiner Nachahmer. Dieser lieblich zarte Hauch der Auffassung quillt tief aus dem Herzen des Meisters und sie ist stets geistreich genug, um nicht von dem Weichen in’s Weibische zu fallen. Die Ausführung dieses Jesusbildes ist ungewöhnlich sorgfältig; der Ton der Färbung warm und naturgetreuer, als Dolce sonst gewöhnlich denselben zu wählen pflegt.

Carlo Dolce gehört der gediegenen florentinischen Malerschule an. Das herrliche Florenz war seine Vaterstadt, wo er im Jahre 1616 geboren wurde. Er war des lieblichen Vignoli’s Schüler, den er jedoch an Anmuth und Adel der Zeichnung bald übertraf. Sein zart besaitetes Gemüth umfaßte bald allein die Heiligenmalerei, und die gläubige Innigkeit, die ihn beseelte, trägt keinen kleinen Theil der rührenden, fesselnden Macht, die uns aus seinen Bildern entgegenweht. Was den großen Wurf der Zeichnung und eine gewisse Kühnheit der Composition betrifft, so möchte sein Christus am Oelberge den Preis verdienen. Sonst ist eine schwungreiche Phantasie nicht das Eigenthum des Künstlers, und seine sehr einfachen Entwürfe sind immer empfunden, selten gedacht. Der Meister starb 1686, bis an sein Ende sich selbst und seinem eigenthümlichen Genius getreu, seiner Gefühlsinspiration gehorchend und das auf blendende Größe und Reichhaltigkeit der Composition gerichtete Streben beharrlich von sich weisend. Seiner eigenthümlichen Richtung und Begabung wegen konnte er keinen ausgezeichneten Schüler heranbilden. Die besten Werke Dolce’s sind sehr oft durch den Stich von den besten Meistern copirt. Eine Vergleichung mit diesen ältern Stichen dürfte die Vorzüglichkeit, womit unser Künstler den Jesus auffaßte, noch mehr herausstellen.





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[[Kategorie:Kunstwissenschaft]]