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''Dr. Jonathan Swifts Mährgen von der Tonne''. Nebst übrigen dazu gehörigen Schriften. Von neuem aus dem Englischen übersezt. [Übersetzt von [[Johann Heinrich Waser (Übersetzer)|Johann Heinrich Waser]]] Hamburg und Leipzig 1758 {{SBB|PPN660731797}} und [[Commons:File:Swift-Maehrgen von der Tonne-1758.djvu|Commons]]



Der Text und die Seiteneinteilung ist identisch mit dem 3. Band: ''Satyrische und ernsthafte Schriften, von Dr. Jonathan Swift''.

(contracted; show full)Weil sie su kleen sinn abgeschungen,
Ins Büchsgen met Gewalt gezwungen,
Denn was su oft is abgezogen,
Wird ganz verschoren und zerbogen,</poem></ref>

== 163 ==


== 281 ==
und in meine ''Locos communes'' eingetragen hatte, mehr nicht als ein geringes Duzend in die gemeinen Gesprache und Unterredungen zuziehen, zuschleppen und zu nöthigen im Stand gewesen bin. Von welchem Duzend noch die eine Helfte ohne alle Würkung war, weil sie vor den unrechten Leuten angebracht ward; und die andere hat mich ihrer loß zu werden, so viel Nachspürens, Strikelegens und Umwege gekostet, daß ich zulezt den Entschluß fassete, dieß Handwerk ganz aufzugeben: Nun eben dieser unglükliche Erfolg (wenn ich das ganze Geheimniß entdeken soll,) war es, der mir zuerst den Gedanken in den Kopf sezte, ein ''Scribent'' zu werden: Und ich habe hernach in Gesellschaft verschiedener meiner guten Freunde befunden, daß es eine allgemeine Klage ist, und daß die Sache auch eben dieselbe Würkung auf viele andere gethan hat. Denn wie oft geschieht es nicht, daß eine ''artige Rede'' im ''gemeinen Umgang'' keiner Achtung gewürdiget, so bald sie aber durch den ''Druk'' geadelt ist, für sehr schön gehalten wird? Ich habe mir also die Freyheit und Aufmunterung welche die Presse ertheilet, zu Nuze gemachet; und nachdem ich so über die Anläse und Gelegenheiten meine gesammelten Schönheiten auszulegen, vollkommen Meister war, so merke ich allbereit, daß die ''Ausgaben'' von meinen ''Merkwürdigkeiten'', die ''Einnahm'' bald zu ubersteigen anfangen möchten. Ich will also hier ein wenig inne halten, bis ich an dem Puls meiner Leser und meinem eigenen fühlen werde, daß es für uns beyde unumgänglich nothwendig ist, die Feder wiederum zu ergreifen.


== 282 ==
{{LineCenterSize|100|20|Vollständige<br />und<br />'''wahrhafte Erzehlung'''<br />von dem,<br />lezten Freytag<br />unter den<br />'''alten und neuen Büchern'''<br />'''gehaltenen Treffen,'''<br />in<br />der Bibliothek zu St. James.}}

{{PRZU}}
== 283 ==
{{LineCenterSize|100|20|Des Verlegers<br />'''Bericht'''<br />an den Leser.}}

Gleichwie nachfolgende Schrift unstreitig denselben Verfasser mit der vorgehenden hat, also scheinet sie auch um die gleiche Zeit geschrieben zu seyn: Im Jahre nemlich 1697. da eben der beruhmte Streit von der Gelehrsamkeit der ''Alten'' und ''Neuern'' entstanden war. Hiezu hatte eine gewisse Schrift des Herrn ''Wilhelm Temple'' über diese Materie, Anlaß gegeben; wider welche Herr ''W. Wotton'' eine Antwort heraus gab, mit einem Anhang von ''Dr. Bentley'', worinnen er sich bemühete, das Ansehen ''Aesopi'', und ''Phalaris'', als zweener alten Autoren, welche Herr ''Wilhelm Temple'' gar sehr gerühmt hatte, gänzlich umzustossen. In diesem Anhang hatte ''Dr. Bentley'' die Ausgabe des ''Phalaris'', welche Herr ''Carl Boyle'' (anizo Graf von ''Orrery'') ans Licht gestellet, sehr hart mit angegriffen. Dieser vertheidigte sich hierauf mit grossem Verstand und vieler Gelehrsamkeit, und ''Bentley'' antwortete weitläuftig. Nun verdroß es ganz London, daß einem Herrn von so grossem Ansehen und Verdienste als Herr ''Wilhelm Temple'' war, von diesen beyden
== 284 ==
Schulfüchsen so grob begegnet ward, ohne daß er die geringste Ursach dazu gegeben hatte. Endlich da der Streit kein Ende nehmen wollte, kömmt unser Verfasser, und erzehlet uns, wie die Bücher in der ''St. James Bibliothek'', sich als zwo Parteyen angesehen, die hiebey vornemlich interessirt wären, den Streit aufgenommen, und es auf eine entscheidende Battaille hätten ankommen lassen. Allein da das Manuscript wegen verschiedenen Ursachen an vielen Orten sehr mangelhaft ist, so finden wir keine Nachricht, auf welche Seite der Sieg sich gelenket habe.

Inzwischen muß sich der Leser in Acht nehmen, daß er nicht auf ''Personen'' deute, was hier in ganz eigentlichem Verstand nur von ''Büchern'' gesagt wird. So wenn z. E. ''Virgils'' Meldung geschieht, so darf man nicht die Person des berühmten Poeten verstehen, der diesen Nammen führet, sondern bloß eine gewisse Anzal papierne, in Leder eingebundene Blatter, worauf die Verse dieses Poeten gedrukt sind, u. s. f.

{{PRZU}}
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{{LineCenterSize|100|20|'''Vorrede des Verfassers.'''}}
Die Satyre ist eine Art Spieqel, darinn man insgemein alle andere Leute siehet, nur sich selbst nicht. Dieses ist die Hauptursach, warum sie von der Welt so wol aufgenommen wird, und daß so wenige Personen büse darüber werden. Inzwischen wenn auch das Gegentheil erfolgen sollte, so würde es nicht viel zu bedeuten haben. Eine lange Erfahrung hat mich gelehret, daß ich nie etwas ubels von solchen Köpfen befürchten darf, welche ich hab bös machen können. Denn man sieht, daß der Zorn und das Rasen den Nerven des Leibs zwar Stärke beyleget, hingegen aber die Nerven des Geistes gerade schlaff, und alle Bemühungen desselben schwach und ohnmachtig machet.

Manches Gehirn vermag nicht mehr als einmal zu schäumen, und da muß der Besizer den Schaum sorgfältig aufheben, und mit seinem kleinen Vorrath gut wirthschaftlich umgeben. Vornemlich muß er sich in Acht nehmen, denselben wol niemals der Schwingruthe geschikterer Leute Preis zu geben. Denn da würde etwas daraus werden, welches weiter zu gar nichts taugte; und wo wollte der Besizer alsdenn neuen Schaum hernehmen?

Wiz ohne Wissenschaft ist eine Art Sahne, welche sich in einer Nacht bis oben ansezet, und von einer geschikten Hand leicht in Schaum kann gequirlet werden. Hat er aber einmal ausgeschäumet, so taugt das was übrig bleibt, zu nichts, als daß man es den Schweinen gebe. 

{{PRZU}}
== 286 ==
{{LineCenterSize|100|20|Vollständige<br />und<br />wahrhafte Erzehlung<br />von dem<br />unter den Büchern<br />gehaltenen Treffen.}}

Wer die Chroniken<ref>S. die Ephem. der Mar. Clarke. opt. Edit.</ref> alter Zeiten mit gehöriger Aufmerksamkeit durch1ieset, der wird die Anmerkung darinn finden, daß ''der Krieg ein Kind des Hochmuths, und der Hochmuth ein Kind des Reichthums'' sey. Der erste von diesen Säzen mag eingeräumet werden, allein den zweyten kann man so leicht nicht zugeben. Denn ''Hochmuth'' ist der ''Betteley'' und dem ''Mangel'' sehr nahe verwandt; entweder von Seite des Vaters, oder der Mutter, bisweilen auch wol von beyden. Und die Wahrheit zu sagen, so pflegen die Menschen einander selten anzugreifen, wenn alle genung haben. Die Ausfälle geschehen meistens von ''Norden''
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== 333 ==
den Styx gefahren haben. Gehab dich wol du theures Paar; ''Orestes'' und ''Pylades'' unsrer Zeit: Ihr lasset wenig euers gleichen zurük: und ist es je möglich, daß euch mein Wiz, und meine Beredsamkeit glükselig und unsterblich mache, so sollet ihr es gewißlich werden. 
Nunmehro <nowiki>* * * * * * * * * * * * * * * * *</nowiki> ''desunt caetera''.


== 334 ==
(contracted; show full)
[[Horaz]] Satiren 1, 1, 31.
Nur, wie sie sagen, um einst als Greise zu leben im sichern</poem>
Des Horatius Flaccus Erste Satire, neu übersetzt und nebst dem Originaltexte... von Joh. Heinrich Voss, Fr. A. Wolf und C. Kirchner. Andreä, Frankfurt a. M. 1830, S. 14, 15 {{GBS|NeBGAAAAIAAJ|PA14}}

* Provinz Tweed [Anmerkung 22] im Original: from beyond the Tweed = von jenseits des Tweed = aus Schottland. Der River Tweed bildet teilweise die Grenzlinie zu Schottland.