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''Dr. Jonathan Swifts Mährgen von der Tonne''. Nebst übrigen dazu gehörigen Schriften. Von neuem aus dem Englischen übersezt. [Übersetzt von [[Johann Heinrich Waser (Übersetzer)|Johann Heinrich Waser]]] Hamburg und Leipzig 1758 {{SBB|PPN660731797}} und [[Commons:File:Swift-Maehrgen von der Tonne-1758.djvu|Commons]]



Der Text und die Seiteneinteilung ist identisch mit dem 3. Band: ''Satyrische und ernsthafte Schriften, von Dr. Jonathan Swift''.

(contracted; show full)Sie waren aber alle gestorben;
Ich denke die Künstgen sine och verdorben,
Weil sie su kleen sinn abgeschungen,
Ins Büchsgen met Gewalt gezwungen,
Denn was su oft is abgezogen,
Wird ganz verschoren und zerbogen,</poem></ref>

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Papieren gefunden und aus besonders guter Neigung mittheile ich es hier unsern ''neuern Gelehrten'': Um so viel mehr, weil wir es mit Recht als das ''unsere'' ansehen können. Hiernächst hoffe ich auch, werde dasselbe über kurz oder lange wol einen Gelehrten von unserer Zunft anfrischen die vorgedachte nüzliche Arbeit zu unternehmen.

{{PRZU}}
<ref follow="fn146">{{Seite|148}}<poem>Wie meen Schermesser hat erfahren,
Das hab ich nu bey fufzehn Jahren
In der Schleifmöhle offt gezogen ab,
Biß es een Federmesser gab; 
Mich deucht wol, ist mir anders recht,
Die Gelehrten machen och silch Gemächt:
Wenn sie was kreyen in die Hänge,
Su brengen sies alles in die Enge,
Daß endlich bleibt nich mih davon,
Als ä verdorrtes Skeleton;
Das sall uff deutsch a Schelmgen heissen.
Ich kan das Lachen kaum verbeissen,
Wenn ener a Dukter su wollte abschingen,
Es würde weder prediggen nuch singen,
Wer wüllte sich denn nicht puklich lachen,
Wenn die Kinger kleene Kesergen machen,
Kleene Kurförstgen, Päpstgen und Pfäfgen,
Schustergen, Schneidergen, kleene Aefgen,
Wenn wir han des Gregorrgs-Fest,
Da machen sie sich lustig aufs allerbest,
Da kan unser ener zu gutem Glük
All Künste sehn in eenem Blik,
Als wie die Dökgen im Spiegel-Häusgen,
Da remlen die sich wie die kleenen Mäusgen;
Und wer denn alls su hat gesehn,
Kan vor ä grussen Allwisser bestehn,
Ich dächte, wenn ich drinne wär,
Ich lernte die Künste zehnmol ehr.
Wenn ich was nehm in meine Hänge, 
Als wenn ichs betuke die quer und die länge,</poem></ref>
== 164 ==
Nehmet gute ''Editiones'' von allerhand Büchern in allen neuern Künsten und Wissenschaften in allerley Sprachen. Lasset solche in Franzband wol einbinden. Hernach disiil1irt sie in ''Balneo Maria'', giesset die Quintessenz von Mohnsaamen und drey Nössel ''Lethe'' daran  welches in der Apothek zu bekommen ist. Thut das unreine und das ''Caput''

<ref follow="fn146">{{Seite|149}}<poem>Und muß noch vor das Bisgen sehn,
Vor meine Perschon sechs Pfenge gän. 
Ich kans wul, binch ä Schelm, betheüren,
Ich könne selber och su leyren.
So wüt ich denn in aller Kunst
E Meester woren ganz umbsunst,
Und durfte nun zum Ungelük 
Mich scheren lossen beym Mesterstük.
Wenn ich nun seh das Büchsgen an,
Su is mei Siele keen Drükergen dran,
Es fehl die Unruh und Gewicht.
Bewegen sich deen Künstgen nicht,
Su schister uf die Gnostologie!
Es verluhnt sich warlich nicht die Müh,
Mit allem Bettelment: Su stih
Bis uff den lezten Nimmerstag,
Wenn keener damit was machen mag.
Duch still, ihr Leütgen von den Dingen!
Kanz ich gleich nich zurechte bringen.
Ich ha och nich darauf stultirt,
Weil unser enem mih nich gebührt
Als nur ä bisgen dran zu gleüben,
Su kan ich mih nich als alles liebes und gutes davon schreiben,
Denn wenn ich anders sullte sagen, 
Su wurden mir die Staudenten meen Horn zerschlagen.

{{Idt2|60}}Hans Onmes 
{{Idt2|40}}Nachtwächter zu Abel.</poem></ref>
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''mortuum'' fleißig weg, und lasset alles flüchtige wol verrauchen. Behalten nur das so zuerst heraus läuft. Distilliret solches wiederum siebenzehn mal bis nicht mehr als ungefehr zwey Drachmen übrig bleiben. Lasset es ein und zwanzig Tage in einem hermetisch sigillirten Glas stehen, alsdenn machet euch über euern grossen Tractat her, nehmet alle Morgen früh nüchtern, nachdem ihr das Glas wol geschüttelt, drey Tropfen von diesem Elixier, und schnupfet sie wol in die Nase. Dieses wird sich binnen 14. Minuten in das ganze Gehirn, (dafern je eines vorhanden ist) verbreiten, und ihr werdet sogleich eine unzehlige Menge von Auszügen, Summarien, Compendien, Sammlungen, Medullen, ''Excerptis, Florilegiis'', und dergleichen in euerm Kopf spüren; alle in der besten Ordnung, so daß ihr sie gleich werdet zu Papier bringen können.

Ich muß es gestehen, daß ich aus Vertrauen auf dieses ''Geheimniß''; (denn sonst war ich mir meines Unvermogens ganz wol bewußt,) mich erkühnet habe, ein solches Werk zu unternehmen, an welches vor mir sich niemand zu wagen, das Herz gehabt, als nur ein gewisser Scribent, ''Homerus'' mit Namen. Ich habe aber an demselben sehr viele grobe Fehler entdeket, die man auch seiner Asche, dafern sie noch übrig ist, nicht verzeihen kann; obschon er übrigens für einen ''Alten'' noch geschikt genung war. Denn es ist klar, daß er ungeachtet uns einige versichern, sein Werk habe ein vollständiger Begrif aller gottlichen, menschlichen, politischen und mechanischen Wissenschaften seyn sollen,
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<ref>''Homerus omnes res humanas Poematis complexus est Xenoph. in conviv.'' Und der Herr Jac. Friedr. Reimmann im dem Buch, welches vor einigen Jahren unter diesem Titel herausgekommen ist: Ilias post Homerum, h. e. incunabula omnium scientiarum ex Homero eruta, & systematice descripta. Lenig. 1726.</ref>viele Dinge ganz und gar übergangen, und andere nur obenhin beruhret hat. So ist z. Ex. seine Nachricht von dem ''Opere magno'' sehr mager und unvollständig, so ein grosser ''Cabbalist'' er nach dem Vorgeben seiner Schüler er auch immer gewesen seyn mag; und es scheinet daß den ''Sendivogius, Böhmen'', und die ''Anthroposophiam Theomagicam''<ref>Eine Schrift welche vor ohngefehr 50. Jahren ans Licht kam, deren Verfasser aus der Provinz Walles gebürtig, und sich zu Cambridge aufhielt. Er nennete sich Vaughan, wie aus der Wiederlegung erhellet, welche der gelehrte Henricus Moore ihr entgegengesezet hat. Sie ist von einem so gar unverständlichen Innhalt, daß vielleicht ein solches Buch noch in keiner andern Sprache jemals geschrieben worden ist.</ref>  nur schlecht muß gelesen haben. Ingleichem betriegt er sich gar sehr in der Materie von der ''Sphaera Pyroplastica''. Es ist dieses ein Fehler, den man ihm unmöglich zu gut halten kann, und ich hoffe der Leser werde es nicht übel nehmen, wenn ich so gar sage: ''Vix crediderim Autorem hunc unquam audivisse ignisvocem''. Eben so mangelhaft ist auch seine ''Mechamic''.<ref name="fn151">Der Verfasser giebt die Mechanic Homers für allzuunvollkommen aus. Herr Reimann, welcher uns die Schäze dieses göttlichen Poeten gütigst eröfnet hat, fället ein besseres Urtheil davon. Er</ref> Denn obschon ich seine Schriften mit
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dem äussersten, unsern ''Neuern'' gewohnten Fleiß gelesen, so habe ich doch nicht die geringste Anweisung entdeken können, wie man einen Lichtknecht,<ref>Eine kleine Maschune worauf man ein Stüklein Licht steket.</ref> welches doch ein so sehr nüzliches Werkzeug ist, verfertigen soll; und aus Mangel eines solchen würden wir noch izt in der ''Finsterniß'' tappen, wenn uns die ''Neuern'' diesfalls nicht hülfliche Hand geboten hatten.

Endlich hat dieser Autor einen Fehler, der noch weit mehr getadelt zu werden verdienet. Ich meiner diesen, daß er in Ansehung ''der öffentlichen Geseze dieses Reiches'', und in Ansehung der ''Lehre'' so wol als der ''Gebräuche'' der ''Engländischen Kirche'' so sehr unwissend ist.<ref>''Wotton'' zehlet in seinem Buch von der alten und neuern Gelehrsamkeit, die Gottesgelehrtheit und die Jurisprudenz unter die Stüke, worinn wir die Alten übertrefen.</ref> In der That ist dieses ein Hauptfehler; welchen mein <ref follow="fn151">{{Seite|152}}sagt in seiner Iliade post Homerum, Cap. XIII. de Mechanice, §. VIII. „Es ist eine so grosse Anzal der Maschinen, deren Homer gedenket, daß wenn man nur die blossen Namen anführen wollte, ein ganzer Bogen nicht zureichen würde. Was für Gattungen von Gewehre, was für Werkzeuge, was für Hausrath nennet er nicht? Diese Materie füllete einen grossen Folianten aus, wenn man sie ganz abhandeln wollte.“ Er gedenket nur der Müh1en, Wagen, Pflugscharen und Mäusefallen, und vielleicht ist auch der Lichtknecht dem Homer nicht unbekannt, als Herr Swift glaubt, wenn nur hilfreicher Criticus solchen eruiren wollte.</ref>
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== 281 ==
und in meine ''Locos communes'' eingetragen hatte, mehr nicht als ein geringes Duzend in die gemeinen Gesprache und Unterredungen zuziehen, zuschleppen und zu nöthigen im Stand gewesen bin. Von welchem Duzend noch die eine Helfte ohne alle Würkung war, weil sie vor den unrechten Leuten angebracht ward; und die andere hat mich ihrer loß zu werden, so viel Nachspürens, Strikelegens und Umwege gekostet, daß ich zulezt den Entschluß fassete, dieß Handwerk ganz aufzugeben: Nun ebe(contracted; show full)
[[Horaz]] Satiren 1, 1, 31.
Nur, wie sie sagen, um einst als Greise zu leben im sichern</poem>
Des Horatius Flaccus Erste Satire, neu übersetzt und nebst dem Originaltexte... von Joh. Heinrich Voss, Fr. A. Wolf und C. Kirchner. Andreä, Frankfurt a. M. 1830, S. 14, 15 {{GBS|NeBGAAAAIAAJ|PA14}}

* Provinz Tweed [Anmerkung 22] im Original: from beyond the Tweed = von jenseits des Tweed = aus Schottland. Der River Tweed bildet teilweise die Grenzlinie zu Schottland.