Difference between revisions 2040850 and 2040853 on dewikisource__NOTOC__ ''Dr. Jonathan Swifts Mährgen von der Tonne''. Nebst übrigen dazu gehörigen Schriften. Von neuem aus dem Englischen übersezt. [Übersetzt von [[Johann Heinrich Waser (Übersetzer)|Johann Heinrich Waser]]] Hamburg und Leipzig 1758 {{SBB|PPN660731797}} und [[Commons:File:Swift-Maehrgen von der Tonne-1758.djvu|Commons]] Der Text und die Seiteneinteilung ist identisch mit dem 3. Band: ''Satyrische und ernsthafte Schriften, von Dr. Jonathan Swift''. (contracted; show full)it sie ihm zuwider wären. Es wäre wahr, das Testament ihres Vaters wäre sehr scharf was das Tragen ihrer Kleider betrefe, allein es wäre ihnen auch in demselben mit gleicher Schärfe anbefohlen, daß sie verträglich und in guter Freundschaft und Liebe mit einander leben sollten. Und ist je, (fügte er hinzu,) überall noch eine Uebertrettung zu verzeihen, so wird gewiß viel eher eine solche seyn, welche unsere Freundschaft befördert, als eine andere, welche dieselbe ganz und gar zerstöret.“ {{PRZU}} == 182 == ⏎ Bild == 183== == 184 == ''Martin'' wollte in seiner ernsthaften Vorstellung fortfahren, und würde sonder Zweifel eine schöne ''moralische Lection'' gegeben haben, welche mir und dem Leser zur ''Ruhe Leibes und der Seelen'' ganz vortreflich würde gedienet haben, (denn dieses ist der wahre und eigentliche Endzwek der ''Sittenlehre''.) Allein Hansen war die Gedult schon längst ausgegangen. Und gleichwie in Schulzänkereyen den ''Opponenten'' nichts mehr aufbringet als eine gewisse pedantische Kaltsinnigkeit des ''Respondenten'', massen zween disputirende zwo Wagschalen gleichen, da die ''Schwere'' der einen, die andere leichtere in die ''Höhe'' bringt, macht daß sie auffliegt und oben anschlägt, eben so brachte die Wichtigkeit der Gründe die auf ''Martins'' Seite waren, ''Hansens Leichtigkeit'' auf, daß er auffuhr, und sich an seines Bruders Bescheidenheit gar sehr stieß. Kurz, ''Martins'' Gedult machte ''Hansen'' toll. Was ihn aber am meisten verdroß, war, daß er sah wie ''Martins'' Kleid wiederum so gut, und seines hingegen entweder bis auf das Hemd hinein zerrissen, oder auch an den Orten welche seiner Grausamkeit entgangen, noch stets mit ''Peters'' Livrey gezieret wäre. In diesem Aufzug sah er aus wie ein besofener ''Stuzer'', der sich mit Bauerflegeln herum gebalget; oder wie ein neuer Ankömmling zu ''Newgate'', der seinen Mitgesellen keinen Willkommen geben will; oder einem entdekten ''Dieb'', der den ''Börseweibern'' in die Hände gerathen; oder einer ''Kuplerin'' in ihrer ''Sammetjüppe'', nachdem sie dem Pöbel übergeben ist. Einem von diesen == 185 == oder allen zugleich sah izt der arme ''Hans'' in seinem wunderlichen Mischmasch von ''Goldspizen, Franzen'' und ''Stikwerk'' ähnlich. Er würde von Herzen froh gewesen seyn, wenn sein Rok wie ''Martins'' seiner ausgesehen hätte, aber noch viel froher, wenn ''Martins Rok'' seinem gleich gewesen wäre. Weil er sich aber auf keines Rechnung machen konnte, so hielt er für das Beste, der ganzen Sache eine andere Wendung zu geben, und aus der Noth eine Tugend zu machen, nachdem er vorher wie der ''Fuchs in der Fabel'', hundert Gründe vorgebracht, seinen Bruder zur ''Raison zu bringen'', wie er es nennete, oder wie er es eigentlich verstand, ihn in denselben lumpichten und vermuzten Stand zu sezen, in welchem er sich befand. Da er aber sah, daß alles nichts helfen wollte, was blieb ihm anders übrig, als daß er tausend Lüsterungen auf seinen Bruder ausspie, und vor Grimm und Haß ganz rasend wurde? Kurz, hier entspann sich zwischen ihnen beyden eine unversöhnliche Feindschaft. ''Hans'' zog ohne Verzug in eine neue Herberg, und nach wenig Tagen sagte man für gewiß, er wäre von Sinnen gekommen. Bald hernach kam er öffentlich zum Vorschein, und bestätigte diese Nachricht durch die selzamsten Grillen, welche jemals in eines Menschen Gehirn sind ausgeheket worden. Nnnmehro fiengen die Jungen auf der Gasse an, ihm allerley Namen zuzurufen. Manchmal hiessen sie ihn<ref>D. i. calvinus von Calvus. kahl.</ref> ''Hans Kahlkopf'', manchmal ''Hans'' == 186 == ''mit der<ref>So nennen die Engländer einen Irrwisch. Der Verfasser versteht hierdurch, alle die Fanatiker welche von einem innern Licht schwazen.</ref> Laterne''. Bisweilen ''Hans<ref>Johann von Leiden, ein Stifter der Wiedertäufer.</ref> aus Holland''. Bisweilen den ''französischen Hugo''.<ref>Die Hugenotten.</ref> Bald den ''Bettler Thomas''<ref>So hieß man gewisse Sektirer in Flandern.</ref>, und bald den ''pochenden<ref>Johann Knox, Reformator in Schottland. Knok bedeutet pochen, anklopfen.</ref> Hans aus Norden''. Und es war unter einer, oder etlichen, oder allen diesen Benamsungen zugleich, (welches der geneigte Leser selbst bestimmen mag,) daß er die so vortrefliche und allgemeine Secte der Aeolisten stiftete, welche annoch mit ehrerbietigem Andenken, unsern berühmten ''Hans'' für ihren Urheber und Stifter erkennet. Von deren Ursprung und Lehrsäzen ich der Welt mit einer umständlichen Nachricht aufzuwarten gedenke. <poem>- - Melleo contingens cuncta lepore.</poem> == 187 == {{LineCenterSize|100|20|'''Siebender Abschnitt.'''}} {{Center|Eine Ausschweifung zum Lob der Ausschweifungen.}} Ich habe etwa von einer ''Ilias'' in einer ''Nußschale'' gehört. Allein ich bin so glüklich gewesen, noch weit öfterer eine ''Nußschale'' in einer ''Ilias zu sehen''. Von beyden hat das menschliche Geschlecht sonder Zweifel einen vorreflichen Nuzen gehabt; für welches aber die Welt die grössere Verpflichtung habe, ist ein Problem, dessen Auflösung curieusen Lesern hiemit überlassen wird, und einer genauen Untersuchung von ihnen höchst würdig ist. Die Erfindung des leztern hat die gelehrte Welt meines Bedunkens vornemlich dem starken Aufnehmen der ''Ausschweifungen'' unserer ''neuern'' zu danken, indem es mit den neuesten Verbesserungen in der Gelehrsamkeit dieselbe Beschaffenheit hat, wie mit unsern Speisen, welche unter Leuten von gutem Geschmak ans allerhand eingehaketem müssen gemachet werden, und meistens in ''Suppen, Fricasseen'' und ''Ragouts'' bestehen. Es ist wahr, man findet eine Art verdrüßlicher, verleumderischer und ungezogener Leute, welche diese polite Neuerung äusserst mißbilligen. == 188 == == 281 == und in meine ''Locos communes'' eingetragen hatte, mehr nicht als ein geringes Duzend in die gemeinen Gesprache und Unterredungen zuziehen, zuschleppen und zu nöthigen im Stand gewesen bin. Von welchem Duzend noch die eine Helfte ohne alle Würkung war, weil sie vor den unrechten Leuten angebracht ward; und die andere hat mich ihrer loß zu werden, so viel Nachspürens, Strikelegens und Umwege gekostet, daß ich zulezt den Entschluß fassete, dieß Handwerk ganz aufzugeben: Nun ebe(contracted; show full) * [Anmerkung 22] Provinz Tweed im Original: from beyond the Tweed = von jenseits des Tweed = aus Schottland. Der River Tweed bildet teilweise die Grenzlinie zu Schottland. * [Anmerkung 93] Aus Die Hoch-Edle, Veste und Hoch-Gelahrte Gnostologia...{{Halle|3-846}} Was diese lange Anmerkung im Tonnenmärchen verloren hat weiß nur der Übersetzer * [Anmerkung 96] Hier hat der Übersetzer wohl den Faden verloren oder vergessen was er übersetzt, bzw. nimmt die Maske des ''Neuern'' für Swift. All content in the above text box is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike license Version 4 and was originally sourced from https://de.wikisource.org/w/index.php?diff=prev&oldid=2040853.
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