Difference between revisions 1890847 and 1891148 on dewikisource== OCR durchgesehen == (fehlende Anfangsseiten bereits für Einstellung aufbereitet durch Pfaerrich) {| align="center" rules="all" style="border:solid 1px #000; text-indent:0.5em;" |- align="center" | rowspan="2" |Serie ! rowspan="2" colspan="3" width="200"|Gemeinden | colspan="3"|Prozentzahl der <br />Besitzer von | colspan="3"|Umfang der<br />Besitzungen in <br />Prozenten <br />des Areals |- align="center> |5 ha <br />und <br />weniger |über<br />5 bis<br />10 ha |mehr<br />als <br />10 ha |5 ha <br />und <br />weniger |über<br />5 bis<br />10 ha |mehr<br />als <br />10 ha |- align="right" |rowspan="2"| I||align="left" style="border-right:hidden"|a) mit höherer||rowspan="2" style="border-right:hidden" | <math>\left. \begin{align} \\ \end{align} \right\}</math>Kindersterblichkeit <math>\left\{ \begin{align} \\ \end{align} \right.</math>||align="left"|8||rowspan="2"|55,65||rowspan="2"|15,33|| rowspan="2"|29,02||rowspan="2"| 11,83||rowspan="2"|14,67||rowspan="2"|73,50 |- align="left" style="border-top:hidden" |style="border-right:hidden"|b) mit niederer||2 |- align="right" style="border-top:hidden" |rowspan="2"| II||align="left" style="border-right:hidden"|a) mit höherer||rowspan="2" style="border-right:hidden" | <math>\left. \begin{align} \\ \end{align} \right\}</math>Kindersterblichkeit <math>\left\{ \begin{align} \\ \end{align} \right.</math>||align="left"|3||rowspan="2"|60,32||rowspan="2"|17,59|| rowspan="2"|22,09||rowspan="2"| 18,48||rowspan="2"|20,50||rowspan="2"|61,02 |- align="left" style="border-top:hidden" |style="border-right:hidden"|b) mit niederer||6 |- align="right" style="border-top:hidden" |rowspan="2"| III||align="left" style="border-right:hidden"|a) mit höherer||rowspan="2" style="border-right:hidden" | <math>\left. \begin{align} \\ \end{align} \right\}</math>Kindersterblichkeit <math>\left\{ \begin{align} \\ \end{align} \right.</math>||align="left"|1||rowspan="2"|80,20||rowspan="2"|13,86|| rowspan="2"|5,94||rowspan="2"| 34,37||rowspan="2"|31,09||rowspan="2"|34,54 |- align="left" style="border-top:hidden" |style="border-right:hidden"|b) mit niederer||1 |- align="right" style="border-top:hidden" |rowspan="2"| IV||align="left" style="border-right:hidden"|a) mit höherer||rowspan="2" style="border-right:hidden" | <math>\left. \begin{align} \\ \end{align} \right\}</math>Kindersterblichkeit <math>\left\{ \begin{align} \\ \end{align} \right.</math>||align="left"|1||rowspan="2"|79,14||rowspan="2"|14,30|| rowspan="2"|6,56||rowspan="2"| 38,47||rowspan="2"|32,42||rowspan="2"|31,11 |- align="left" style="border-top:hidden" |style="border-right:hidden"|b) mit niederer||4 |} In der vorstehenden Tabelle sind die Gemeinden in 4 Serien eingetheilt; Serie I: die Wirthschaften von über 10 ha nehmen {{Seite|91}} über {{Bruch|2|3}} des Gesammtareals ein, Serie II: dieselben nehmen {{Bruch|1|2}} bis {{Bruch|2|3}} desselben ein, Serie III und IV: die Wirthschaften von über 5 ha nehmen mehr als {{Bruch|1|2}} des Gesammtareals ein. Hienach sind im Bezirk Crailsheim 10 Gemeinden, bei welchen der Großgrundbesitz mit Gütern von mehr als 10 ha des landwirthschaftlichen Areals und mehr einnimmt und die Zahl der kleinen Besitzer mit Besitztheilen von 5 ha und unter 5 ha 55,65 % ausmacht und der Arealantheil auf 11,83 % reduzirt ist; ferner das Areal der mittleren Besitzungen von 5 ha bis 10 ha mit 14,67 % unbedeutend ist. Unter diesen 10 Gemeinden finden sich 8 Gemeinden mit höherer Kindersterblichkeit; man könnte vermuthen, daß der Grund theilweis darin liegt, daß mehr als die Hälfte der Besitzer kleinen Grundbesitz hat und auf Taglohn oder Dienstnahme bei den großen Gutsbesitzern, somit beschränktere Erwerbsverhältnisse angewiesen ist; ferner, daß mit Zunahme der Zahl der kleineren und mittleren Besitzungen, s. besonders Serie IV, wo die Großgrundbesitzer blos 6–7 % der Besitzer sind und ihr Antheil am Areal 30–35 % ausmacht, die Existenzbedingungen für die Familien der ersteren sich zu bessern scheinen, indem auf 4 Gemeinden mit niedriger Kindersterblichkeit dort blos 1 mit höherer Ziffer kommt. Es mag für die Verhältnisse dieses Bezirks einigermaßen zutreffen, im Allgemeinen steht zwar die Erfahrung entgegen, daß gerade in den Gegenden mit weniger getheiltem Grundbesitz die wirthschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung sich konstanter erweisen, als in den Gegenden mit vorherrschendem Kleinbetrieb. Eine genauere Begründung des Zusammenhangs der Kindersterblichkeit mit dem überwiegenden Großgrundbesitz gibt aber die Prüfung der Zusammensetzung der Haushaltungen. Bei jenen 13 Gemeinden mit höherer Kindersterblichkeit schließt sich als Folge an: die das Bezirksmittel von 32,37 (auf Seite 70) überschreitende Vergrößerung der Haushaltungen von 6 und mehr Personen zu 34,82 auf 100 Haushaltungen und insbesondere ihres Bestandes an ''Dienstboten'' von 41,21 bis 46,47 und der ''Kinder'' von 166,70 bis 172,72 auf 100 Haushaltungen. Bei den Kindern macht sich ferner die Zunahme der ''unehelich'' Lebendgeborenen in den 13 Gemeinden mit größerer Kindersterblichkeit besonders bemerklich, indem 9 derselben eine das Bezirksmittel von 12,95 überschreitende Prozentzahl der unehelich Geborenen auf 100 Lebendgeborene von 14,16 bis {{Seite|92}} 19,85 % mit O.Z. 13 bis 26 aufweisen. Diesem entsprechend wird in weitergehenden Prozentsätzen das Bezirksmittel der unehelich Gestorbenen im 1. Lebensjahr mit 14,83 ebenfalls von 9 jener 13 Gemeinden mit 15,71 bis 28,10 und O.Z. 16–26 überschritten. Diese Schattenseite des Großgrundbesitzes dürfte also bei Crailsheim durch Ziffern erwiesen sein. 5. Der natürliche Zuwachs durch den Überschuß der Geborenen über die Gestorbenen und die wirkliche Zunahme. Der natürliche Zuwachs berechnet sich in für die Oberamtsbezirke Württemberg Crailsheim Ellwangen Gerabronn in der Periode 1812/66 auf 0,81 0,66 0,57 0,64 in den 4 Jahren 1867 bis 70 auf 1,02 0,89 0,87 0,42 in den 10 Jahren 1871 bis 80 auf 1,22 1,43 1,05 1,12 Im Durchschnitt der 68 Jahre 1812/80 beträgt der natürliche Zuwachs durch den Überschuß der Geburten über die Todesfälle im Oberamtsbezirk Crailsheim pro Jahr 0,79%, während die wirkliche Vermehrung nach dem Durchschnitt der Jahre 1812/80 jährlich 0,52% betrug; somit sind der Bevölkerung an diesem Geburtenüberschuß 0,27% nicht zugewachsen. Von je 10.000 Einwohnern sind daher jährlich 27 in andere Oberamtsbezirke, in das übrige Deutsche Reich oder in das Ausland weggezogen. Crailsheim hatte in dem Jahrzehnt 1842/52 hinsichtlich der Auswanderung die günstige Ordnungsziffer 42 in der Reihe der übrigen Bezirke, gegen Ende dieses und des nächsten Jahrzehnts hat sich dies geändert: 1856/57 zeigt es die O.Z. 11 bei der Auswanderung und dieselbe Ziffer für den Umzug in andere Bezirke, und im Jahre 1859 hat es mit O.Z. 1 die stärkste Auswanderung im Lande im Verhältnis zu seiner Bevölkerung; (Fortsetzung S. 94.) {{Seite|93}} Auf je 10 000 Einwohner entfallen nach den Zählungen vom 3. Dezember 1861 1. Dezember 1871 1. Dezember 1875 1. Dezember 1880 Personen Personen Personen Personen im Alter von Jahren geboren in den Jahren im Oberamt Crailsheim in Württemberg geboren in den Jahren im Oberamt Crailsheim in Württemberg geboren in den Jahren im Oberamt Crailsheim in Württemberg geboren in den Jahren im Oberamt Crailsheim in Württemberg 1–5 1861–57 1263 1261 1871–67 1317 1259 1875–71 1405 1334 1880–76 1464 1358 6–10 " 56–52 1000 939 " 66–62 1066 1088 " 70–66 1188 1145 " 75–71 1283 1186 11–15 " 51–47 1030 1028 " 61–57 956 962 " 65–61 957 982 " 70–66 1092 1067 3293 3228 3339 3809 3550 3461 3839 3611 16–20 1846–42 1021 1090 1856–52 807 807 1860–56 787 856 1865–61 747 857 21–25 " 41–37 787 910 " 51–47 743 849 " 55–51 628 721 " 60–56 603 741 26–30 " 36–32 670 718 " 46–42 784 818 " 50–46 735 752 " 55–51 605 637 31–40 " 31–22 1260 1244 " 41–32 1335 1359 " 45–36 1401 1426 " 50–41 1361 1363 3738 3962 3669 3833 3551 3755 3316 3598 41–50 1821–12 1103 1100 1831–22 1099 1055 1835–26 1090 1031 1840–31 1087 1090 51–60 " 11–02 991 944 " 21–12 914 889 " 25–16 892 864 " 30–21 856 826 61–70 01–1792 624 535 " 11–02 678 643 " 15–06 614 600 "20–11 593 572 71–80 1791–82 218 199 " 01–1792 260 233 " 05–1796 267 252 " 10–01 270 264 81–90 " 81–72 32 31 1791–82 40 37 1795–86 36 36 1800–1791 39 *) 38 über 90 71 u. früher 1 1 81 u. früher 1 1 85 u. früher – 1 90 u. früher – 1 2969 2810 2992 2858 2899 2784 2845 2791 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 10.000 *) In der vorausgegangenen OA.Beschr. Künzelsau S. 105 ist statt 39 auch 38 zu lesen. {{Seite|94}} (Fortsetzung von S. 92 ) im nächsten Jahrzehnt zeigt es folgende Ziffern, welche aber die Reihenfolge nach der absoluten Zahl der Auswanderer anzeigen: 1867/68 O.Z. 35 1869/70 O.Z. 5 1868/69 " 29 1870/71 " 25 6. Weitere Angaben über Alter und Geschlecht der Bevölkerung und besondere Gebrechen. Über das Alter der bei den 4 Zählungen in den Jahren 1861, 1871, 1875 und 1880 aufgenommenen ortsanwesenden Einwohner gibt die Tabelle aus S. 93 Aufklärung. Die 1–10 jährigen stehen, abgesehen von den 6–10 jährigen der Zählung von 1871, über dem Landesmittel. Die 11–15jährigen erheben sich 1861 und 1880 über das Landesmittel, 1871 und 1875 blieben sie hinter demselben zurück und zwar 1875 in demselben Verhältnis, als sie 1880 dasselbe übertrafen. Die 16–20jährigen erreichen 1871 das Landesmittel, bleiben aber bei den Zählungen von 1861, 1875 und 1880 hinter demselben zurück, ebenso bei den 4 Zählungen die nächsten 2 Altersklassen der 21–25- und 26- und 30jährigen; erstere, deren Geburtsjahr in die Periode 1837 bis 1860 fällt, heben sich durch besonders schwache Anfüllung bei sämmtlichen 4 Zählungen hervor. Die 31–40jährigen übertrafen blos 1861 das Landesmittel, bei den übrigen Zählungen bleiben sie, jedoch in viel geringerem Maße als die 21–25jährigen, hinter dem Landesmittel zurück. Ein anderes Verhältnis trifft bei den Altersklassen von über 40 Jahren zu. Abgesehen von den 41–50jährigen bei der Zählung von 1880 übertrafen die 4 Altersklassen 41–80 das Landesmittel, die über 80jährigen stellen sich demselben nahezu gleich. Hieraus erhellt, daß die jüngsten und älteren Altersklassen gegenüber dem Landesmittel vollzähliger sind, als die kräftigeren Altersklassen, welche an sich weniger einer Dezimirung durch die Sterblichkeit ausgesetzt sind, aber um so mehr auf die zeitweilige starke Auswanderung als Quelle dieses Mißverhältnisses hinweisen. {{Seite|95}} Wenn die Bevölkerung nach ihrem Alter in eine produktive und eine unproduktive Hälfte getheilt wird und zu ersterer nach der wirklichen und wahrscheinlichen Leistungsfähigkeit das Lebensalter von 21–60 Jahren, zu letzterer das Alter von 1–20 und über 60 Jahre gerechnet wird, so ist im Oberamt Crailsheim in Württemberg die Anzahl der Produktiven Unproduktiven Produktiven Unproduktiven nach der Zählung von 1875 4746 5254 4794 5206 " " " " 1880 5412 5488 4657 5343 in Prozenten berechnet sich dieselbe " " " " 1861 48 52 49 51 " " " " 1871 49 51 50 50 " " " " 1875 47 53 48 52 " " " " 1880 45 55 47 53 Crailsheim steht somit bei allen 4 Zählungen hinter dem Landesmittel zurück, besonders ungünstig ist das Verhältnis bei der Zählung von 1880, was durch die erwähnte Schwäche der herangewachsenen Altersklassen, besonders der 21–25jährigen gegenüber den jüngsten und älteren Altersklassen von über 60 Jahren veranlaßt wird. Hiezu kommt als weiter zu berücksichtigender Faktor, daß nach dem Durchschnitt der 7 Zählungen 1855 bis 1875 der Überschuß der weiblichen Bevölkerung über die männliche mit 108 gegen 100 den Landesdurchschnitt mit 107 gegen 100 übersteigt; nach der neuesten Zählung von 1880 hat sich aber dieses Verhältnis etwas gebessert, indem der Überschuß der weiblichen Bevölkerung beim Bezirk blos noch 106 gegenüber dem unverändert gebliebenen Landesdurchschnitt von 107 beträgt. Hier wird noch eine Übersicht beigefügt, betreffend die Geisteskranken, Taubstummen und Blinden nach den Aufnahmen von 1853 1) und 1875 2). 1) S. Jahrgang 1855 der Württ. Jahrbücher 2. Heft S. 1–132 2) S. Jahrgang 1878 der Württemb. Jahrbücher 3. Heft S. 1 bis 231 (Statistik der Geisteskranken von Direktor Dr. Koch). {{Seite|96}} Es wurden gezählt: im Oberamt Crailsheim im Jagstkreis in Württemberg auf je Einwohner 1. nach der Zählung von 1853 O.Z. 1 Irre 1091 43 1030 943 1 Kretine 184 2 353 484 somit 1 Geisteskranker 158 3 263 320 2. nach der Zählung von 1875 1 Irre 764 63 489 465 1 Idiot 227 5 407 482 somit 1 Geisteskranker 175 14 222 237 3. nach der Zählung von 1853 1 Taubstummer 467 3 824 962 1 Blinder 1138 24 1218 1194 Anhang. Die Schüler nach der Farbe der Augen, der Haare und der Haut. Nach der Aufnahme vom März 1876 wurden 3797 Schüler gezählt und haben von je 100 derselben im Bezirk Crailsheim im Jagstkreis in Württemberg 1. Farbe der Augen. a) blonde 31,5 31 32 b) graue 37 34,5 33 c) braune 31,5 34,5 35 2. Farbe der Haare. a) blonde 59,2 62,8 61,8 b) braune 39,6 35,2 36,0 c) schwarze 0,9 1,4 1,6 d) rothe 0,3 0,6 0,6 3. Farbe der Haut. a) weiße b) braune 89 11 90,4 9,6 90 10 {{Seite|97}} 4. Kombinationen der Haar- und Augenfarbe. blaue graue braune Augen im Oberamt Crailsheim im Jagstkreis in Württem- berg im Oberamt Crailsheim im Jagstkreis in Württem- berg im Oberamt Crailsheim im Jagstkreis in Württem- berg Von 100 blondhaarigen haben 40 38,1 39,7 40 37,0 35,2 20 24,9 25,1 rothhaarigen " 55 38,7 38,6 18 28,7 28,6 27 32,6 32,8 braunhaarigen " 20 19 20,2 32 30 29,3 48 51 50,5 schwarzhaarigen " – – 0,2 33 32 29,8 67 68 70 Kombinationen nach der Farbe der Augen, der Haare und der Haut. Auf 100 Schüler kommen blaue Augen graue Augen braune Augen sonstige hier nicht besonders aufgeführte Kombinationen blonde Haare braune Haare blonde Haare braune Haare schwarze Haare blonde Haare braune Haare schwarze Haare weiße Haut braune Haut weiße Haut braune Haut weiße Haut braune Haut im OA. Crailsheim 23,8 6,2 1,5 23,6 9,0 3,8 0,3 11,7 14,2 5,0 0,6 0,3 " Jagstkreis 23,9 5,4 1,3 23,2 8,4 2,3 0,4 15,6 13,2 4,6 0,9 0,8 in Württemberg 24,5 5,9 1,4 21,7 8,2 2,3 0,5 15,5 13,5 4,7 1,1 0,7 Weiteres hierüber s. Württ. Jahrbücher Jahrgang 1876 Heft I S. 54 ff. und das Königreich Württemberg II, 1. 1883 S. 21 ff. {{Seite|98}} {{Headline|120|0.2|B. Stamm und Eigenschaften der Einwohner.}} {{Headline|110|0.2|I. Physisches 1).}} Die Einwohner des Oberamtsbezirks Crailsheim gehören theils dem schwäbischen, theils dem fränkischen Stamme an. Jener findet sich vorwiegend im südlichen (kathol.), dieser im nördlichen (evangel.) Theil des Bezirks. Beide sind durch Sprachdialekt, Art der Bekleidung und Charakter vielfach von einander unterschieden (siehe unten II). Im Bezirk gibt es neben einer mäßigen Zahl größerer Grundbesitzer vorwiegend viele kleine Leute („Köbler“), die vom Ertrag einer geringen Ökonomie kümmerlich leben, oft auch daneben ein Kleingewerbe betreiben oder Taglohndienste versehen. Der Stand der ausschließlichen Tagarbeiter hat sich besonders in der Oberamtsstadt neuerdings bedeutend vermehrt, ein Theil flndet am ausgedehnten Bahnhofe Beschäftigung, für alle jedoch ist der ununterbrochene tägliche Erwerb Lebensfrage. Die Bewohner des Bezirks sind durchschnittlich von mittlerer Größe, regelmäßig und ziemlich kräftig entwickelt, mehr zu schlankem Bau als zu Fettleibigkeit geneigt. Mißbildungen, Verkrümmungen, Kröpfe werden selten getroffen. Der nüchterne, regelmäßige Lebenswandel der Landbevölkerung, die ruhige Gemüthsart und anstrengende Thätigkeit bedingen eine gewisse Unempfindlichkeit gegen schädliche Einflüsse, die jedoch nur zu oft durch Gleichgiltigkeit gegen den eigenen Körper, durch schlechte Gewohnheiten (z. B. künstliches Schwitzen, Absperrung frischer Lust von den Wohnräumen, das fast durchgängige Wohnen zu ebener Erde innerhalb feuchter Wände etc.) und unpassende Nahrung herabgesetzt wird. Letztere ist hauptsächlich vegetabilisch, rauhes Brod, Kartoffeln, Sauerkraut, fette Mehlspeisen; Fleisch wird meist in geräuchertem, gesalzenem und wenig nahrhaftem Zustand genossen; der früher in vielen Gegenden sehr beliebte Branntwein ist durch ein auch in den Landorten vorfindliches meist gesundes Bier verdrängt. Außerdem wird viel Obstmost, sehr wenig Wein verbraucht. 1) Von Oberamtsarzt Dr. Eichberg. Ältere „topographisch-medizinische Bemerkungen über das OA. Crailsheim“ von Dr. Bardili s. in den Mittheil. des Württ. ärztl. Vereins I. 1833 S. 564 ff. {{Seite|99}} Die Geburts- und Sterblichkeitsverhältnisse im Bezirk sind folgende: Bei einer durchschnittlichen Seelenzahl von 24.408 ergaben sich durchschnittliche jährliche Geburten: 910,60 = 3,73% der Bevölkerung, " Todesfälle: 717,45 = 2,93 " " Einwohner. (Zeitraum von 1818 bis 1877 incl.) Hiebei kommen 1. auf 100 Geborene weibl. Geschlechts: 108,6% männlichen Geschlechts, 2. auf 100 Gestorbene weibl. Geschlechts: 114,3% männl. Geschlechts. Daß die überwiegende Sterblichkeit des männlichen Geschlechts ausschließlich in der größeren Knabensterblichkeit des ersten Lebensjahrs begründet ist, beweist eine Berechnung aus den letzten 5 Jahren, wornach auf 100 im 1. Lebenswahr ge- storbene Mädchen 139,5 Knaben kommen. 1 mütterlicher Todesfall kommt auf 211,70 Geburten (bei natürlichen Geburten: 1 auf 446,98, " künstlichen " 1 " 15,42). Todtgeboren sind 4,22%; Zwillingsgeburten fanden statt bei 1,59% der Entbindungen, Kunsthilfe " 3,83 " " " Von 100 Gestorbenen (nach Ausschluß der Todtgeborenen) standen im 1. Lebensjahr: 40,27%. Von 100 Gestorbenen hatten das 70. Jahr überschritten: 11,30, " 100 " " " 80. " " 3,10. Von 100 lebend geborenen Kindern starben im 1. Lebensjahr: 32,54. Bei 100 Verstorbenen (mit Ausschluß der Todtgeborenen) stellt sich das Verhältnis der ärztlich Berathenen zu den nicht ärztlich Behandelten wie 38,14 zu 61,80. Hiebei findet zu Gunsten der ersten Kategorie eine stetige Zunahme von 33% (1838/47) bis 40% (1868/77) statt. Es wäre indessen unrichtig, anzunehmen, daß obige 38% wirklich ärztlich behandelt und die anderen gar nicht „behandelt“ worden seien. Eine einmalige Ordination kurz vor dem Lebensende bringt den Namen des Arztes so sicher ins Leichenbuch, wie die Namen der nicht approbirten Heilkünstler, woran der hiesige Bezirk besonders reich ist, der Vergessenheit anheimfallen. {{Seite|100}} Die häufigste Todesursache der Kinder im 1. Lebensjahr sind die „Gichter“ (d. h. in ca. 60%), so behaupten wenigstens die Leichenbücher. Die „Gichter“ spielen im Bezirk eine sehr große Rolle. Das Wort deckt so bequem alle die Sünden zu, welche eine unvernünftige, der Belehrung unzugängliche Erziehung gegen die kindliche Wohlfahrt begeht, daß man es sogar für nöthig gefunden hat, verschiedene Unterabtheilungen der Krankheit „Gichter“ aufzustellen („drückende“, „zehrende“, „stille“, „schreiende“ etc.) Da nach der Volksmeinung gegen „Gichter“ „kein Kraut gewachsen“ ist, so findet man regelmäßig (unter 100 Fällen ca. 90mal) die Rubrik „ärztliche Hilfe“ der Leichenbücher mit einem Striche ausgefüllt. In Wirklichkeit sind es Erschöpfungszustände aus sehr verschiedenen Ursachen, mangelhafte Verdauung und Blutbereitung durch meist zu reichliche und schlechte Nahrung, schleichende Darmkatarrhe mit Verhärtung der Gekrösdrüsen, Störung der Haut- und Lungenthätigkeit durch übertriebene Wärme, Unredlichkeit, Luftverderbnis etc. Es werden zwar etwa 80% der Kinder von den Müttern gestillt; allein daneben herrscht der unvermeidliche Brei, und die Muttermilch selbst wird durch frühes Verlassen des Wochenbetts, hartes Arbeiten und spärliche Kost in vielen Fällen eine schlechtere Nahrungsquelle als Kuhmilch. Die brennende Tagesfrage der abnormen Kindersterblichkeit wird wohl keine befriedigende Lösung finden, so lange nicht der Werth des kindlichen Lebens höher taxirt und die Verantwortlichkeit für dasselbe ernster genommen wird, als dies bisher geschah. Die Zahl der Selbstmörder vom Jahr 1818 bis 1877 (incl.) beträgt 119; darunter sind 99 männliche, 20 weibliche. Es endeten durch Erhangen 78 " Ertränken 24 " Schußwaffen 10 " schneidende Werkzeuge 4 " Gift 2 " Nahrungsverweigerung 1. Die muthmaßlichen Anlässe waren wie gewöhnlich theils geistige, theils körperliche Zerrüttung, Furcht vor Strafe u. s. w. Es erübrigt, die herrschenden Krankheiten zu besprechen. Von epidemischen sind es Scharlach, Masern, die in kürzeren, der Keuchhusten, der in längeren Zwischenräumen {{Seite|101}} wiederkehrt. Hiezu trat seit 1–2 Decennien als fast ständige Erscheinung, wenn auch meist in milder und zerstreuter Form, die sog. Halsbräune (Diphtherie). Im Allgemeinen ist zu sagen, daß bösartige Epidemien im Bezirk und hauptsächlich in der Oberamtsstadt eine Seltenheit sind. Der Typhus tritt meist ganz vereinzelt auf, Wechselfieber, Dysenterie und Pocken sind so gut wie unbekannt. Nur von letzteren sind aus den Jahren 1853, 1856 und 1869 beschränkte, auf Einschleppung zurückzuführende Epidemien verzeichnet. Die akuten, nicht epidemischen Krankheiten betreffen meist die Athmungsorgane, auf welche die vielen wässrigen Nieder- schläge, die häufigen Nebel und starken Winde gleich ungünstig einwirken. Sehr häufig sind Mandelentzündung, Katarrhe, Entzündungen der Lunge und des Rippenfelles. Etwa 10% der in der Oberamtsstadt Gestorbenen haben an Lungenentzündung gelitten. Ebenso häufig ist der Brechdurchfall, die Sommerdiarrhöe der kleinen Kinder. Chronische Krankheiten: Der früher im Bezirk sehr verbreitete Kretinismus hat sich in den letzten 20 Jahren auffallend vermindert. – Epileptiker gab es zu Anfang dieses Jahres 32, in welche Zahl sich beide Geschlechter gleichmäßig theilten. – Skrophulosis und Rhachitis sind selten und demgemäs auch Drüsen-, und Knochenleiden, Verkrümmungen. Ihre Ursachen findet man theils in Vererbung, theils in häufigen Geburten, allzulangem Stillen (sehr oft). Bewohnen überfüllter, feuchter und dumpfer Räume. Chronische Lungenkatarrhe mit Emphysem, außerordentlich häufig, die schwerste Plage des Landmannes und durch Zutritt von Herzerweiterung, Leberschwellung und Wassersucht eine alltägliche Todesursache. Die extremen Gewohnheiten des Landmannes, überheizte, nie ventilirte Stuben und eine übermäßig dichte Bekleidung, unter welcher die Haut beständig transspirirt, daneben Wind und Wetter und höchste Gleichgiltigkeit gegen anhaltende Durchnässungen machen diese Leiden sehr erkärlich. Störungen der Magen- und Darmfunktion durch Diätfehler jeder Art sind ebenso häufig. An sie schließen sich die organischen Erkrankungen des Magens an, Katarrhe, Geschwüre und der nicht seltene Krebs. Ein sehr häufiges Vorkommnis sind auch die Unterleibsbrüche. {{Seite|102}} Besondere Erwähnung verdient noch die Lungenschwindsucht, welche meist rasch verläuft und der etwa 9% sämmtlicher in der Oberamtsstadt Gestorbenen unterliegen. Dies bezieht sich jedoch nur auf bestehende erbliche Anlage, während eine „Neubildung“ der Lungenschwindsucht sehr selten beobachtet wird. Die nachfolgende Tabelle I S. 103 gestattet eine Vergleichung der Geburts- und Sterblichkeitsverhältnisse von 6 je 10 Jahre umfassenden Perioden 1818 bis 1877 incl. (Die Striche bezeichnen mangelnde Notizen.) Tabelle II S. 104 u. 105 ergibt die gleichen Verhältnisse der Jahre 1874–78 im Durchschnitt, nach den einzelnen Gemeinden ausgeschieden. {{Headline|110|0.2|II. Charakter der Bevölkerung.}} Die Bewohner des Bezirks gehören ursprünglich mit Ausnahme von Matzenbach, Deufstetten und Wildenstein dem fränkischen Stamme an. Die Herrschaftsverhältnisse, die Konfession wie die soziale Lage, Einwanderung fremder Elemente haben im Laufe der letzten Jahrhunderte so verschiedenartig gewirkt, daß wir vier Gruppen unterscheiden: 1. Die echtfränkischen , ganz den Hohenlohern gleichenden Gemeinden in der nördlichen Hälfte des Bezirks, meist mit größerem bäuerlichem Besitz. 2. In einem Halbkreis von Ost nach West die Orte von Leukershausen bis Gründelhardt, mit kleinerem, meist solidem Besitz. Entsprechend dem Wald, der hier die Landschaft beherrscht, ist das Leben einfach, die Ansprüche an das Leben bescheidener, die Bevölkerung in ihrem Denken und Sprechen etwas schwerfälliger, derber und ernster. 3. Durch enge Verbindung mit Ellwangen ist der ursprünglich fränkischen Gemeinde Stimpfach mit ihren Parzellen sammt den kleinen Orten längs der Grenze des Oberamts Ellwangen der schwäbische Typus in Sprache und Tracht aufgedrückt. 4. Einen gemischten Typus tragen die durch fremden Zuzug aus rein bäuerlichen Orten zu Handelsorten gewordenen Gemeinden Matzenbach, Deufstetten, Wildenstein, Lautenbach an sich, sowie die unter dem Druck der feudalen Verhältnisse neugegründeten, ungesund angeschwollenen Orte Beeghof, Sattelweiler, (Fortsetzung S. 106,) {{Seite|103}} Tab. I. Geburts- und Sterblichkeitsverhältnisse des OA.Bezirks Crailsheim in je zehnjährigen Zeitperioden. Durchschnittsberechnung pro Jahrgang. Periode Durchschnittliche Bevölkerung Durchschnittliche Zahl der jährlich Geborenen Auf 100 Einwohner kommen Geborene Zahl der künstlich entbundenen Mütter Zahl der Zwillingsgeburten Zahl der in Folge der Geburt gestorbenen Mütter Zahl der Todtgeborenen Durchschnittliche Zahl der jährlich Gestorbenen überhaupt männlich weiblich Summe männlich weiblich Summe männlich weiblich Summe natürl. künstlich. Geburten 1818/27 10.203 10.822 21.025 346,9 339,1 686,0 3,26 – –_ – – 22,1 – – 566,2 1828/37 11.110 12.846 23.956 419,6 405,1 824,7 3,44 24,0 12,8 – – 29,0 – – 695,5 1838/47 12.047 12.648 24.695 480,7 434,5 915,2 3,70 32,7 15,7 2,6 2,6 27,2 – – 767,7 1848/57 12.774 13.241 26.015 438,4 416,3 854,7 3,28 26,4 13,6 2,2 1,6 35,8 350,0 342,2 692,2 1858/67 12.390 13.082 25.472 483,3 419,7 903,0 3,54 40,8 14,0 1,5 2,9 35,0 383,3 362,8 746,1 1868/77 12.251 13.078 25.329 608,0 572,1 1180,1 4,65 52,8 17,2 2,0 2,8 48,4 433,1 414,9 848,0 Periode Auf 100 Einwohner kommen Gestorbene Alter der Gestorbenen und Zahl der Von 100 Gestorbenen mit Ausschluß der Todtgeborenen starben Von 100 lebend geborenen Kindern starben im 1. Lebensjahr Zahl der Von 100 Ge- storbenen mit Ausschluß der Todtgeboren. wurden im 1. nach d. 70. nach d. 80. im 1. nach d. 70. nach d. 80. ärztlich nicht ärztl. ärztlich nicht ärztl. Lebensj. Gestorbene Lebensjahr Behandelten behandelt 1818/27 2,68 206,9 – – 38,03 – – 31,16 – – – – 1828/37 2,90 271,2 – – 40,69 – – 34,07 – – – – 1838/47 3,10 313,6 – – 42,98 – – 35,31 251,3 488,2 33,93 65,92 1848/57 2,66 243,8 86,7 19,4 37,14 13,20 2,95 29,77 250,2 406,3 38,11 61,88 1858/67 2,96 291,0 66,9 25,5 40,92 9,40 3,58 33,52 281,5 429,6 39,58 60,41 1868/77 3,34 335,1 91,4 22,5 41,90 11,43 2,81 29,61 327,6 472,0 40,97 59,02 {{Seite|104}} Tab. II. Geburts- und Sterblichkeitsverhältnisse durchschnittlich Gemeinden Ortsanwesende Einwohner am 1. Dezbr. 1875 Zahl der Geburten Es kommen Geborene auf 100 Einwohner a) Zahl Gestor- über- männl. weibl. Summe männl. Weibl. Summe männl. weibl. Crailsheim 2180 2302 4482 107,4 111,2 218,6 4,87 66,8 78,4 Ellrichshausen 402 477 879 20 26,4 46,4 5,27 14,8 15,0 Goldbach 217 244 461 14,8 9,2 24,0 5,20 9,4 7,0 Gröningen 569 582 1151 24,8 20,4 45,2 3,93 14,6 14,6 Gründelhardt 720 796 1516 39,2 33,4 72,6 4,78 22,0 24,0 Honhardt 856 914 1770 46,2 39,4 85,6 4,83 28,4 24,0 Jagstheim 585 646 1231 37,2 28,2 65,4 5,23 21,2 20,2 Ingersheim 473 504 977 34,2 29,0 63,2 6,26 21,0 21,6 Lautenbach 536 610 1146 28,8 26,8 55,6 4,93 19,6 22,8 Leukershausen 295 296 591 15,4 13,4 28,8 4,87 7,0 6,4 Markt-Lustenau 552 517 1069 19,8 21,4 41,2 3,85 13,2 13,2 Mariä-Kappel 265 307 572 14,6 17,0 31,6 5,52 8,6 9,6 Matzenbach 403 397 800 21,0 19,2 40,2 5,02 12,8 14,8 Ober-Speltach 310 321 631 13,6 11,2 24,8 3,93 10,8 5,8 Onolzheim 362 419 781 22,6 16,2 38,2 4,83 13,0 10,6 Rechenberg 230 256 486 15,8 15,0 30,8 6,33 11,8 7,6 Roßfeld 276 276 552 9,6 14,4 24,0 4,34 8,0 9,0 Satteldorf 605 602 1207 35,0 35,2 70,2 5,81 25 22,8 Stimpfach 373 414 787 22,0 19,2 41,2 5,23 15,2 16,4 Tiefenbach 296 323 619 13,4 11,8 25,2 4,07 6,8 9,2 Triensbach 273 276 549 15,4 11,0 26,4 4,81 9,4 6,6 Unter-Deufstetten 461 523 984 31,0 23,0 54,0 5,48 20,8 16,6 Waldthann 363 407 770 17,6 16,6 34,2 4,44 13,0 9,4 Weipertshofen 274 291 565 9,6 10,8 20,4 3,61 7,6 7,8 Westgartshausen 286 289 575 14,4 13,6 28,0 4,87 8,4 8,2 Wildenstein 388 388 776 21,4 19,2 40,6 5,23 16,2 14,8 {{Seite|105}} vom 1. Januar 1874 bis 31. Dezember 1878, berechnet. der benen haupt b) Zahl der Todtgeborenen Es kommen Gestorbene auf 100 Einwohner Es starben Von 100 Gestorbenen befanden sich im 1. Lebensjahr 1) Zahl der Von 100 Gestorbenen 1) wurden im ersten nach dem 70. nach dem 80. ärztlich nicht ärztlich Lebensjahre ärztlich behandelt nicht ärztlich behandelt Summe Knaben Mäd- chen Summe behandelt Gestorbenen 145,2 9,4 3,23 30 26,2 56,2 23,0 7,6 41,38 101,6 34,2 74,81 25,18 29,8 3,6 3,45 7,4 7,0 14,4 6,6 2,0 54,96 6,2 20,0 23,66 76,33 16,4 0,8 3,56 5,6 1,4 7,0 2,6 1,0 44,87 5,8 9,8 37,17 62,81 29,2 1,2 2,53 5,6 5,0 10,6 9,2 2,2 37,80 8,8 19,2 31,42 68,57 46,0 2,4 3,03 10,8 6,8 17,6 8,4 2,2 40,36 11,0 32,6 25,22 74,77 52,4 3,2 3,01 12,8 6,8 19,6 16,2 2,2 39,83 12,8 36,4 26,01 73,94 41,4 2,2 3,36 10,2 7,4 17,6 9,8 2,2 44,89 19,4 19,8 49,48 50,51 42,6 3,6 4,36 9,4 8,8 18,2 8 1,6 46,66 12,8 26,2 32,82 67,17 42,4 1,2 3,69 10,6 7,6 18,2 7,0 2,2 44,17 4,6 36,6 11,16 88,83 13,4 0,4 2,26 2,4 2,0 4,4 3,6 1,6 33,84 2,2 10,8 16,92 83,07 26,4 0,8 2,45 6,6 5,0 11,6 7,4 1,4 45,31 2,2 23,4 8,59 91,40 18,2 1,4 3,18 3,2 3,8 7,0 4,2 0,6 41,66 4,8 12,0 28,57 71,42 27,6 1,0 3,45 8,4 6,4 14,8 6,2 1,4 55,64 6,4 20,2 24,06 75,93 16,6 1,2 2,68 4,8 1,4 6,2 4,2 1,2 40,27 3,8 11,6 24,67 75,32 23,6 2,0 3,02 5,6 4,2 11,6 5,6 1,0 53,17 6,0 15,6 27,77 72,22 19,4 1,6 3,99 6,2 2,8 9,0 3,2 1,0 50,56 3,2 14,6 17,97 82,02 17,0 0,8 3,07 3,2 4,6 7,8 3,6 1,2 48,14 8,2 8,0 50,61 49,38 47,8 3,8 3,96 12,2 9,2 21,4 11,4 1,4 48,63 13,6 30,4 30,90 69,09 31,6 1,8 4,02 7,4 5,0 12,4 4,4 2,4 41,61 15,4 14,4 51,67 48,32 16,0 0,2 2,58 2,6 2,6 5,2 3,8 0,8 32,91 9,8 6,0 62,02 37,97 16,0 1,2 2,91 5,2 2,4 7,6 3,4 0,6 51,35 7,8 7,0 52,70 47,29 37,4 1,8 3,80 9,2 6,2 15,4 6,8 2,0 43,25 15,6 20,0 43,82 56,17 24,4 2,0 3,17 5,6 3,6 9,2 4,2 1,2 41,07 5,8 16,6 25,89 74,10 15,4 1,2 2,72 1,4 1,0 2,4 3,6 1,4 16,90 3,4 10,8 23,94 75,91 16,6 1,2 2,88 3,8 4,4 8,2 2,6 0,8 53,24 5,6 9,8 36,36 63,63 31,0 2,2 3,99 7,4 5,4 12,8 5,2 1,0 44,44 6,0 22,8 20,83 79,16 1) mit Ausschluß der Todtgeborenen. {{Seite|106}} (Fortsetzung von S. 102.) Neidenfels. Sehr vieler Herren Länder haben beigesteuert, um hier eine Bevölkerung kosmopolitischen Charakters zu gründen, welche mühsam mit dem Leben ringt und dem Mangel eines auch nur annähernd genügenden Grundbesitzes theils durch Hausirhandel in ganz Deutschland und der Schweiz, theils durch Kleingewerbe, wie in Neidenfels und Beeghof, abzuhelfen sucht. Der „Matzenbacher“, unter welchem Namen der Schwabe den Händler von der Crailsheimer Hardt kennt, obgleich Unter-Deufstetten den eigentlichen Mittelpunkt des sehr ansehnlichen Handelsbetriebs bildet, ist eine in Württemberg, ja in ganz Süd- und Mitteldeutschland bekannte Gestalt, weit besser als sein Ruf. Draußen mühsam und kümmerlich sich nährend in saurem und ehrlichem Handel, ärmlich sich kleidend, immer muthig und munter auch bei schlechten Geschäftsverhältnissen, glücklich, unter der derblinnenen Decke seines Wagens ein Obdach für Weib und Kind zu haben, hält er darauf, den Zusammenhang mit der Heimat sich zu wahren. Pietätsvoll will er am Allerseelentag daheim sein und die Gräber in der Heimat schmücken. Hat man sich acht Monate lang im Wagen und in den Scheunen beholfen, so will man nun die traulichen Wintermonate im eigenen, wenn auch kleinen, so doch sauberen Häuschen zubringen. Hat man draußen vielfach auf Kredit Handel getrieben, so werden bei der Heimkehr mit dem sauer erworbenen und mühsam oft unter Anspruchnahme der Wohlthätigkeit gesparten Gewinn die Schulden ehrlich bezahlt. Daß bei reichlichem Gewinn und gutem Geschäftsbetrieb im Winter daheim manchmal mehr aufgeht, zumal bei der Jugend, als nöthig ist, läßt sich bei den Entbehrungen und Beschwerden der Wanderschaft vom Frühjahr bis zum Spätherbst wohl verstehen. Der Eindruck, den die Handelsorte auf einen unbefangenen Besucher machen, die Beobachtung, wie der „Matzenbacher“ bei dem hohenlohischen Bauern mit seinem Scharfblick und seinem Mißtranen dennoch Aufnahme findet, die keineswegs unverhältnismäßigen Ansprüche an die Thätigkeit der Gerichte sind wohl geeignet, das landläufige Urtheil über den Charakter dieses Handelsvölkleins zu berichtigen. In Bezug auf die konfessionellen Verhältnisse der gemischten Bevölkerung ist zu beobachten, daß der Drang nach Seßhaftigkeit und Grundbesitz beim evangelischen Theil größer ist, als beim katholischen. Über die Besonderheit der schwäbischen Gemeinde Stimpfach ist aus der Feder eines scharfblickenden Crailsheimers im Schw. {{Seite|107}} Merkur 1844 Nr. 316 zu lesen: „Man muß von Ellwangen herab sehen, wie mit dem letzten Keuperrand bei Randenweiler Gesicht, Kleid, Farbe, Arm und Bein und Sprache anders wird, nemlich ruhiger, schmucker, weicher, ebener. Mit Stimpfach, dem einzigen ganz katholischen Pfarrdorf (früher ellwangisch) sind die rothen Weiberröcke und Brustflecke, ist Schwaben und Ellwangen haarscharf abgeschnitten. Wo die Jagst in die Ebene geht, jagt auch ein anderes Blut in den Adern. In Appensee, nur eine Viertelstunde von Stimpfach, ist Franken. Zwar zunächst noch etwas langsam voran hinaus in das muntere hohenloher Leben, dem über die östliche Keuperhöhe die rein fränkische Luft nur oben hereinweht, und dem der Muschelkalk den Tritt immer noch etwas zäher hält als sein Sandboden dem Vollblutfranken. Der Stamm ist minder stark, aber die Glieder beweglicher, der ebenere Gang rascher, die Köpfe ovaler, der Teint weicher, die Kleidung reicher, die Tracht geschmeidiger, als in Schwaben.“ Die goldene Mittelstraße ist für die ganze Art des Volkes maßgebend. Nirgends begegnen uns hünenhafte mächtige Gestalten wie in Oberschwaben, aber auch nicht unmäßige Beleibtheit wie in Bayern, sondern wohl proportionirte, untersetzte und gedrungene Gestalten. Vereinzelt tritt Gesichtsbildung mit slavischem Typus auf, plattgedrückte, breite Gesichter mit dunkler Hautfarbe, z. B. in der Gegend von Waldthann. Geistig wohlbegabt und aufgeweckt, hat die Bevölkerung eine gute Anzahl tüchtiger Männer hervorgebracht (s. Ortsbeschr. v. Crailsheim), aber im Ganzen hält das Geistesleben mit seinen Anlagen, Äußerungen und Bedürfnissen das gute Mittelmaß ein. Das Gemüthsleben ist für die Eindrücke von Freud und Leid leicht empfänglich, daher auch allenthalben Theilnahme an freudigen und traurigen Ereignissen zu finden ist, die sich in bereitwilliger Hilfeleistung und Wohlthätigkeit kund thut. Heiter und doch gesetzt, immer ein gewisses Maß des Anstandes und der Sitte wahrend, äußert der Franke des Bezirks seine Lebenslust bei seinen Vergnügungen, zeigt Neigung zu harmlosem Scherz, zum Lustigmachen über Andere, über Nachbarorte, aber immer in den Schranken der Gutmüthigkeit. Im Jahre 1787 schreibt der stark vom Aufklärungsgeist erfaßte Fischer in seiner statistisch-topographischen Beschreibung des Burggrafenthums Nürnberg von unserem Bezirk: „Die Religionsbegriffe sind noch sehr umnebelt, aber diese Begriffe sind von sehr geringem Einfluß auf das praktische Leben.“ Dem {{Seite|108}} gegenüber ist zu sagen: das Volk zeigt sich im Großen und Ganzen kirchlich-religiös gesinnt. Gottesdienst und Sakrament werden hochgehalten, die Hausandacht ist nach väterlicher Weise festgehalten. Ja, während nur vereinzelt Hand in Hand mit ökonomischem Rückgang die alte Kirchlichkeit gesunken, ist in den letzten Jahrzehnten in das kirchliche Leben des Bezirks ein frischerer lebensvollerer Geist gekommen. Wahr ist, der Aberglaube ist theilweise noch sehr stark eingewurzelt, aber welcher Bezirk hat nicht ähnliche Erscheinungen aufzuweisen? Als Bürger ist der Franke des Bezirks leicht zu leiten. In seiner ganzen Art und Lebensanschauung liegt ein konservativer Zug, der sich im Leben der Gemeinden stark geltend macht, in der älteren Generation die Erinnerung an den „Markgrafen“ lange erhalten hat, aber in Zeiten, welche viele Änderungen und Neuerungen in der Gesetzgebung mit sich bringen, in die Arme der Oppositionsparteien treiben kann. Der Obrigkeit und den Gerichten wird die richtige Behandlung der Bevölkerung nicht erschwert. Prozeßsucht ist eine vereinzelte Erscheinung, die theils in den Handelsverhältnissen, theils auch im ökonomischen Rückgang einzelner Gemeinden ihren Grund hat. Fleiß, Arbeitsamkeit und Betriebsamkeit sind zu rühmen. Im Sommer darf man nur ins Bett „knieen“. Nach dem anstrengenden Sommer genießt die Bevölkerung die behagliche Winterruhe und sammelt neue Kraft durch kräftigere Nahrung. Im Umgang ist der Franke des Bezirks zuvorkommend, dienstfertig, bescheiden, redselig, jedem seine Ehre gebend, ja womöglich etwas dazuthuend, aber auch für sich die gebührende Ehre erwartend. Eine alte Chronik rühmt „die leutseligen Burger zu Crailsheim, mit denen wohl zu handeln und umzugehen ist,“ und die erwähnte Schilderung von 1844 sagt: „Der Schwabe läßt den Fremden stehen, der Franke kommt entgegen und zuvor, der innerliche Anschluß ist für beide gleichermaßen erst Folge und Entwicklung wesentlicher Zusammengehörigkeit und längerer Bekanntschaft. Die äußere Zuthunlichkeit, mit welcher der Schwabe höchstens aufhört, ist bei dem Franken gleich der Anfang und damit noch nicht so wie dann beim Schwaben endlicher Ausdruck innerlichsten Zusammenschlusses.“ Die alte stattliche Tracht mit ihren soliden Stoffen ist nahezu ganz verschwunden. An der Stelle des Dreispitzes ist der schwarze niedere Hut, an die Stelle der Pelzkappe die Tuchkappe getreten. Der Sonntagsmutzen (Rock), früher aus selbstgemachtem, {{Seite|109}} lebenslänglichem Wolltuch, wird jetzt von modernem Fabrikat bereitet. Zum männlichen Staat gehört die silberbeschlagene Pfeife mit Rehkrone und Silberkette, die, wenn nicht geraucht, aus der Seitentasche hervorsehen muß. Bei den Frauen wird die schwarze Radhaube von Flor immer seltener. Die äußerst wohlstehende weiße Radhaube der Jugend ist ganz verschwunden, dagegen hat sich die niedere Bandhaube, welche in der Form eines Nachens das Hinterhaupt bedeckt, an der eine ganze Reihe über 10 cm breiter und 70–80cm langer seidener Bänder hängt (15–20 M. im Werth), erhalten. Beim Überfeldgehen hüllen sich die Frauen in ein großes dreieckig zusammengeschlagenes Kopftuch, das vorn zusammengeknotet wird, während der dritte Zipfel auf dem Rücken liegt. Im Allgemeinen ist bei der evangelischen Bevölkerung die dunkle, bei der katholischen die helle und bunte Farbe in der Tracht vorherrschend. Die Nahrung ist einfach, aber kräftig. Beim Landvolk gibts in der Frühe Kartoffeln und Wassersuppe, mit Milch geschmelzt, Mittags im Winter meist Sauerkraut mit Fleisch, gesalzen oder geräuchert, im Sommer Mehlspeisen mit Salat, Sonntags Nudeln und „grünes“ d. h. frisches Fleisch mit „Krê“, Meerrettig, zum Vesper oder „Ohnabrot“ Brot meist aus Roggenmehl, im Sommer „gestockte“ Milch, häufig ohne den Rahm, hie und da Most oder Weißbier, zum Nachtessen Wassersuppe, Milch und Kartoffeln. In die Milch wird das Brot gebrockt, ja nicht geschnitten. Denn dadurch schneidet man den Kühen die Milch ab. Der Bauer schlachtet jeden Spätherbst eine fette Kuh oder ein Rind, im Frühjahr 1–2 Schweine. Bei Festessen, als Taufe oder Hochzeit darf das Süßbrühfleisch oder Voressen nicht fehlen. Allsonntäglich erscheint wo möglich in jedem Hause „Galoppen“ d. h. Gugelhopfen, und „Plâtz“. Im Herbst fährt der Bauer gern ins „Weinland“ an der Tauber, Jagst, Kocher und Sulm, im Sommer bezieht er sein Fäßchen Bier aus der Brauerei. Die Sitten und Gebräuche im Bezirk sind im Ganzen die des fränkischen Stammes und darf hier auf die eingehende Schilderung des Gemeinsamen in Sitten und Gebräuchen auf die Oberamtsbeschreibungen Künzelsau und Mergentheim verwiesen werden. Hier heben wir unter kurzer Angabe des Gleichartigen das Eigenthümliche, dort nicht Erwähnte heraus. {{Seite|110}} 1. Sitten und Gebräuche im Anschluß an das Kirchenjahr 1). A. Wochentage. Dienstag und Freitag sind Glückstage, an denen die Brautleute einziehen, Dienstboten nach Lichtmeß „anstehen“ d. h. ihren Dienst antreten, gekauftes Vieh eingestellt, Jungvieh angewöhnt wird. Montag und Freitag gibt man keine Milch aus dem Hause, an gewöhnlichen Tagen auch nicht mehr nach „Betläuten“ und nie ohne drei Körnchen Salz darin. Der Donnerstag ist ein Unglückstag. Am Freitag wird der Stall nicht ausgemistet. Samstag Nachmittags wird kein Dung geführt, überhaupt kein größeres landwirthschaftliches Geschäft begonnen, in Triensbach in Folge eines Gelübdes bei einer Viehseuche. B. Das Kirchenjahr. Der erste Hinweis auf die kommende Festzeit ist der „Pelzmärte“ oder „Nußmärte“, der den Kindern heimlich Nüsse in die Stube wirft. Die Bauernjungfer erwartet von ihrem Geliebten einen „Märtisweck,“ einen großen Ring. „Der Märtisweck dingt ’s Neujahr an,“ d. h. an Neujahr macht sie ihr Gegengeschenk. Wer nach Martini noch schort, schort einen der Seinen hinein, d. h. es stirbt bald Jemand aus dem Hause. An den Donnerstagen der Adventszeit wird angeklopft. Am Thomasfeiertag Nachts 11–12 Uhr kann man seinen „Künftigen“ durch Bleigießen und Auskehren der Stube erfahren. Mit Weihnachten beginnen die Nächte, die alte Julzeit. In Tiefenbach wird jeden Morgen 6 Uhr mit allen Glocken auf Grund einer alten Stiftung geläutet. Mist wird nicht geführt, kein Vieh geschlachtet, da sonst ein Stück fällt, auch die Stiefel nicht geschmiert, da sonst das Vieh Läuse bekommt oder Kröpfe sich zeigen, Haare und Nägel werden nicht geschnitten, keine Hülsenfrüchte gekocht. Die Witterung der 12 Nächte ist maßgebend für die Witterung der kommenden 12 Monate, der Gebrauch der 12 Zwiebelschüsselchen ist allgemein verbreitet. Wer in den 12 Nächten Nachts von 11–12 zum Fenster hinaussieht, aber die ganze Stunde ja nie zurück ins Zimmer sieht, der bekommt alle Leichen des folgenden Jahrs zu sehen, ebenso wer sich in dieser Zeit unter das Kirchthor stellt. An Weihnachten wie überhaupt an den drei großen Festen soll man die Stube nicht kehren und zuerst in der Kirche sein. Am Weihnachtsabend gehen die Rollesel oder Christesel d. h. Jünglinge mit dem Rollengeschirr durchs Dorf. Beim Feierabendläuten werden die Bäume mit Strohbündeln umbunden, daß sie tragen. Wer an Weihnachten siebenerlei Holz und ein paar neue Schuhe in die Kirche nimmt, kann die Hexen verkehrt in der Kirche sitzen sehen. Am Weihnachtsabend werden alle Besen aufrecht in eine Ecke gestellt. Am Morgen finden sich geknickte Reiser zum Zeichen, daß die Hexen sie benützt haben. Wer an Weihnachten zuerst tränkt, ist das ganze Jahr zuerst fertig. 1). Reiche Beiträge diesem Abschnitt, wie den Sagen und der Mundart haben Kantor Abelein in Creglingen, Schullehrer Ostertag in Westgartshausen und andere Lehrer, sowie mehrere Geistliche geliefert. {{Seite|111}} Am Stefanstag muß man die Pferde über die Markung hinausreiten, damit sie keine Darmgicht bekommen, und das Vieh unbeschrieen 9 mal putzen, sonst wird es lausig. Früher sah man auch die Sternsänger durch den Ort gehen. An der Fastnacht werden „Küchle“ gebacken. Das übrige Schmalz dient dazu, die Jochriemen, auch die Achsen am Erntewagen zu schmieren, zum Schutz gegen Ratten und Mäuse. Ebenso macht der Bauer die Strohbänder an Fastnacht, daß die Mäuse nicht in die Frucht kommen. Wer an der Fastnacht zuerst aufsteht, ist das ganze Jahr voran. Bei Nachtessen an Fastnacht wird von jeder „Richt“ etwas in ein Gefäß gelegt und dem Fuchs hinausgetragen, damit er die Hühner nicht holt. An St. Valentinstag 14. Februar gedeiht kein Geschäft, das man neu unternimmt, es fällt dahin. Karfreitag. Nachts 12 Uhr ist Wasser Wein, Baden in fließendem Wasser vor Sonnenaufgang ist ein Heilmittel gegen alle Hautkrankheiten. Wasser, beim „Schiedläuten“ d. h. dem Zusammenläuten nach dem Gottesdienst, in Bölgenthal Wasser, aus dem Osterbrunnen vor Sonnenaufgang geholt, wird für alle Schäden das Jahr durch aufbewahrt. Vor Sonnenaufgang wird Immergrün gepflückt und ins Hühnernest gelegt, daß „nichts Böses beikommen kann.“ (Bronnholzheim.) Ein Schnitt in ein Holz an diesem Tag vertreibt die Hexen. Ostern. Eierlesen in Ellrichshausen ist neuerdings aufgekommen. Himmelfahrt. Allgemein werden die Himmelfahrtsblümchen gesammelt zum Schutz gegen Wetterschlag, Pfingsten. Das Maienstecken hat sich, jedoch sehr beschränkt, erhalten. An Hiob muß man Bohnen stecken (9. Mai), am Hanstack, an St. Joh, Baptist den 24. Juni die Zwiebeln niedertreten. „Niederfallet“ ist am Schluß der Winterfruchternte. Zur Kirchweih wird Plâtz gebacken, Kraut und Fleisch reichlich auf den Tisch gebracht. Nach dem Nachmittagsgottesdienst beginnt das „Tellerlesgspiel“ an manchen Orten. Früher war auch der „Hammel-“ oder Maientanz gebräuchlich. Die ledige Jugend und die dazu eingefangenen Schulkinder tanzten um einen Maien. Wer bei dem auf ein Zeichen ertönenden Schuß die herumgehende Ruthe in der Hand hatte, war der glückliche Gewinner. Jetzt ist die Sitte seltener geworden. Am Kirchweihtanz betheiligt sich, was noch irgend tanzen kann. 2. Die Sitte im Menschenleben von der Wiege bis zum Grab. Eine Frau darf, während sie mit dem Kind geht, nirgends durchschlüpfen und nie über einen kreuzartigen Gegenstand, z. B. eine Pflugschleife, schreiten. Bei der Geburt eines Kindes (aber auch beim Kalben einer Kuh) darf nichts ausgeliehen werden. Bis zur Taufe muß des Nachts ein Licht brennen und dem Kind ein Gebetbuch in die Wiege gelegt werden. Auch darf es keinem Fremden gezeigt werden. Die Taufen sind feierlich und immer ein von dem übrigen Gottesdienst gesonderter Akt mit Gesang und Schießen bei Knaben. Die Zahl {{Seite|112}} der Taufpathen steigt mit dem Reichthum. Taufschmaus oder Kindleskirwe ist auch beim geringsten Mann. Wer zum ersten mal Pathe wird, gibt dem Pfarrer ein „Hentsche“ (Handschuh) geld. (Honh.) Sehr gerne tauchen die Hebammen den Schlozer ins Taufwasser. Wenn eine Taufe am gleichen Tag mit einer Beerdigung ist, stirbt das Kind; jedenfalls muß das Grab vor der Taufe geschlossen werden. Auch gleichzeitge Taufe zweier Kinder bringt einem den Tod. Die Pathen (Doten) schenken dem Kind 5 Mark oder mehr, im ersten Jahr ein Dotenkleid, an Weihnachten und Ostern einen gebackenen Ring, farbige Eier und Lebkuchen, bei der Konfirmation Gesangbuch, Hemd und Halsbinde. Die Wöchnerin darf vor 6 Wochen nicht an den Brunnen, in den Garten oder Keller, sonst werden diese verunreinigt. Werden kleine Kinder zum ersten mal in ein Haus getragen, so erhalten sie ein Ei, damit sie leichter zahnen. Im ersten Lebensjahr dürfen Kinder nicht in den Spiegel sehen, ihre Haare dürfen nicht geschnitten werden, auch sollen sie keine Schläge bekommen, sonst lernen sie hart. Suppenschnitten dürfen Kinder nicht essen, sonst können sie einmal nichts „merken“ d. h. ihr Verstand entwickelt sich nicht. Die ledige Jugend vergnügt sich im Winter am Vorsitz, der in den südöstlichen Gemeinden der „Harlis“ heißt. Man geht „ins Dorf.“ Unzarte Witze bleiben dabei nicht aus. Ist Metzelsuppe in einem Hause, dessen Jugend auch ins Dorf geht, d. h. zur Vorsitzgesellschaft gehört, so verkleidet sich ein Paar als Bettler, erscheint mit großen Töpfen und bittet von der Metzelsuppe seinen Theil Kraut und Fleisch. Die Gabe ist so reich, daß die ganze Gesellschaft davon bekommt. Auf den Ehestand wirkt „die Vorsitz“ mit den daran sich knüpfenden Liebesverhältnissen wenig ein. Meist wird von den Eltern über das junge Paar, das sich „nehmen“ soll, einfach vom Standpunkt des Geldes verfügt. Verlöbnis, „Heiratstag“ ist meist am Freitag, aber wie auch die Hochzeit nicht im abnehmenden Mond. Spreuerstreuen zum Spott für die „Sitzengebliebenen“ sowie Hühnerkrähen ist auch in unserem Bezirk am Verlöbnistag Sitte. Der Einzug vor (oder auch nach, s. OA.Beschr. Künzelsau) der Hochzeit verläuft wie sonst in Franken. Beim Laden des Brautwagens darf weder Braut noch Bräutigam sich betheiligen. Zuletzt kommts an die Bettstücke. Die Gebetbücher, welche die Braut mit bekommt, werden in die Betten gesteckt. Um die Wiege entsteht hier der obligate Streit zwischen „Hochzi“knechten und „Hochzi“maden. Oft wird die Wiege im Streit aus einander gezerrt oder von den Hochzeitknechten mit Ketten an einen Scheunenbalken gehängt. In Triensbach, Tiefenbach und den nördlichen Bauerngemeinden des Oberamts erhält der Pfarrer und Lehrer an der Hochzeit von den Brautjungfern ein Tüchlein, Citrone und Rosmarin. Hochzeitsträuße werden allmählig üblich. Zur Trauung nimmt die Braut einen Lebkuchen mit, den das junge Paar nach der Trauung mit einander ißt. (Bronnh.) Dem Bräutigam streut man in den Hochzeitstrauß Leinsamen, daß der Flachs gedeiht. Auf dem Weg zur Kirche soll man so schnell als möglich gehen, ebenso heimwärts. Früher trugen die Hochzeitknechte ein farbiges Band, einen Degen an der Seite, auf dem Gang zur Kirche. {{Seite|113}} Bei der Trauung ist das nahe Zusammenstehen des Paares üblich, ebenso das Ringen, wer die Hand beim Zusammenlegen oben behält und damit Aussicht auf das Hausregiment hat. Die Hochzeiten sind meist Freihochzeiten, im nördlichen Theil mehr im Haus, im südlichen im Wirthshaus. Zechhochzeiten sind in Rechenberg und Umgegend üblich, jeder zahlt seine Zeche. Der zweite Hochzeittag hieß früher der Rockentag, vgl. Bavaria 3, 966 (Kirchenb. von Honhardt und Segringen-Deufstetten). Eigenthümlich war das „Hennenreiten“ in der Gegend von Deufstetten-Segringen. 1595 wird eine Frau von Hardthof bei Segringen „beim Hennenreiten an ihrer Tochter Hochzeit von einem Pferd erstoßen.“ Eine große Hochzeit währt 4–6 Tage, kostet das junge Paar oft z. B. in Gründelhardt 600–700 Mark. In Honhardt war es früher Sitte, daß der Lehrer am Schluß der Hochzeit die Zeche ausrief zum Beweis der reichen Bewirthung und des Wohlstandes des Paares, dann folgt der Eierplâtz, heute noch das Zeichen zum Aufbruch für die Jugend, der das Scheiden oft schwer genug wird. Die Eier dazu werden von der Jugend in den Häusern gesammelt. Vierzehn Tage oder etwas später nach der Hochzeit kommt die junge Hochzeitsgesellschaft noch einmal im neuen Hause zusammen zum Tischrücken, einer Art Nachhochzeit. Die Ehen sind fast ohne Ausnahme friedlich. Die Dienstboten, „Ehehalten“, werden aufs Jahr gedingt. Das Dienstjahr beginnt mit Lichtmeß. Unter den Dienstboten herrscht strenge Rangordnung und Geschäftstheilung. Außer gutem Lohn und reichlicher Kost erhalten die Dienstboten ihre „Zugehörung“ an Wolle, Leinwand, Schuhe und Kleider. Im landwirthschaftlichen Betrieb hat alles seine Regel und seine Zeit. Z. B. in der Ernte schneidet jeder sein Beet. Soll ein Kalb losgebunden d. h. entwöhnt werden, so nimmt man den Strick Sonntags zuvor in die Kirche (Roßs.). Beim „Gerstengrätten“ (Dreschen) kommt der Scherz vor, einfältige Leute zum Nachbar zu schicken, um den „Gerstengrätter“ (gibts nicht) zu holen; derselbe schiebt eine Last Steine oder Holz in einen alten Sack und lädt ihn dem Boten, den man heimlich mit Ruß beschmiert, auf den Rücken mit dem Wunsch: „So nun bring den Gerstengrätter gut heim.“ Auf den frisch angeschnittenen Laib Brot macht man 3 Kreuze. In den letzten Laib, den es beim Backen gab, drückt die Hausfrau die 3 Schwurfinger. Dieser sog. „Stupflaib“ muß nach den andern gegessen werden. Bringt die Jahreszeit eine neue Speise, z. B. der Vorsommer grünen Salat, der Herbst Sauerkraut, so gibt der Hausherr seinem Tischnachbar eine leichte Ohrfeige mit den Worten: Neue Speis, laß umme gehn, und so macht die Ohrfeige die Runde am Tisch. Beim Aufrichten eines neuen Hauses ist der Zimmerspruch üblich. Der Obergeselle spricht den Glückwunsch, leert dabei ein Glas und wirft es auf den Boden (Rasen oder Dunghaufen). Um das Glas entsteht ein Wettlauf. Denn bleibt es ganz, so hat es eine Heilkraft gegen die Fallsucht. Nach dem Spruch werden auf die Schuljugend Huzeln herabgeworfen, denen zum Denkzeichen ein Wasserguß folgt. {{Seite|114}} Im Handel ist das Schmußen und das Weinkauftrinken allgemein. Da die Realgemeinde noch fast allgemein besteht, so daß alle Güter der Gemeinde nur den Realgemeinderechtsbesitzern gehören, aber auch alle Lasten z. B. Wegbauten von ihnen zu tragen sind, so sind Gemeindeversammlungen mit Beratung über Wege, Schafweide, Pferch fast alle 4 Wochen. Die Geschäfte der Realgemeinde leitet der Bauermeister (Bürgermeister), dessen Amt mit der Gemeindelade, d. h. den auf diese Rechte bezüglichen Urkunden, von Haus zu Haus geht. Am Ende des Jahres ist Gemeindeerneuerung mit Rechnungsabschluß. Der Bauermeister trägt den Zweck der Zusammenkunft vor, dann folgt freie Aussprache ohne parlamentarischen Zwang. Aus dem Gewirr der Meinungsäußerungen hat der Bauermeister die Ansicht der Mehrheit herauszumerken. Markungsumgang in Begleitung der Jugend war früher alle 2–3 Jahre Sitte. Die meisten Bauern giengen mit. Jeder wichtige Stein wurde besichtigt. Der Bauermeister legte einen Kreuzer darauf, wer von den Knaben ihn zuerst sah und aufhob, erhielt ihn, bekam aber dabei eine Ohrfeige, damit er den Stein merke. Der Tag schloß mit einem allgemeinen Trunk der Gemeinde auf Gemeindekosten. Bei Krankheiten spielt der Hexenmeister noch eine große Rolle. Ganz besonders heilkräftig ist der angeblich im 30jährigen Krieg in einem Baum mit Gebrauchsanweisung gefundene Hubertusschlüssel in Gröningen, ein Stück Eisen, das glühend gemacht wird, um den Biß wüthender Hunde auszubrennen (so auch in der Haller und Mergentheimer Gegend). Beulen werden kreuzweise mit einem Brotmesser, das 3 Kreuze hat, gedrückt, um nicht stärker aufzuschwellen. Um sich von Krankheiten zu befreien, opfern manche Evangelische am Gründonnerstag in der evangelischen Kirche zu Dombühl (Bayern). Ringe, die aus Nägeln gemacht wurden, welche man aus den Gräbern grub, halfen, mit 3 Kreuzen versehen, wider die Gicht. Bei Verwundungen kann das Blut gestillt werden, wenn man das Messer etc. zu dem Mann, „der dafür thun kann“, trägt. Dieser steckt das Messer unter bestimmten Formeln in „das Schmer“ oder bindet es auf besondere Art. Vorzeichen des Todes sind das Glockengeläute während des Stundenschlags, das „Knängern“ der Glocke, eigenthümlicher Ton beim Läuten, das Wachsen weißer Pflanzen (Kohl, Rüben, Bohnen) auf einem Grundstück, das truppenweise Bilden eines Leichenzugs, der Leichenzug bei Kinderspielen, das Graben der sog. Todtenuhr, des Holzkäfers. Unmittelbar nach dem Verscheiden wird ein Kübel Wasser ausgeschüttet. Schön ist die Theilnahme bei Todesfällen und Beerdigungen, sowie die thätige Hilfeleistung der Nachbarn. Wird der Sarg mit der Leiche aus dem Zimmer getragen, so wird er dreimal auf der Schwelle niedergesetzt. In Roßfeld werden die Särge der Jugend noch mit Messingkronen, welche darauf gebunden werden, geschmückt. Die Särge von den Filialien wurden mit 4 Ochsen zum Gottesacker geführt. Vornen auf dem Sarg saßen die 2 ältesten Frauen. Eine Beerdigung ohne kirchlichen Akt ist kaum denkbar. Der Todte wird mit entblößtem Haupte am Grabe „vergrienen“. Den Schluß der Beerdigung bildet der Leichentrunk mit Kaffee, Bier oder Wein und Leichenwecken. Im Hause, wo die Leiche lag, muß alles was lebt und {{Seite|115}} verderben kann, Bienenkörbe, Vieh, Blumen verstellt werden. Die Todtenkränze werden vielfach in der Kirche oder Gottesackerkapelle aufbewahrt. Leichenkosten müssen alsbald bezahlt werden, sonst findet der Todte keine Ruhe. {{Headline|110|0.2|Sagen und Aberglaube.}} Der Bezirk ist reich an Sagen, in welchen sich theils der alte deutsche Göttermythus erhalten, theils einzelne Züge aus der mittelalterlichen Geschichte des Bezirks widerspiegeln. Wodan und das wilde Heer. Der Reiter ohne Kopf zieht in den 12 Nächten durch den Burgberger Wald, weiter von der Speltacher Platte gegen Altenmünster, ebenso von Westgartshausen gegen den Gipsbruch bei Ingersheim (Reihengräber) in Begleitung von schwarzen Hunden. In derselben Gegend sieht man auch einen „Stümmel“ (Zwerg) gehen. Das wilde Heer hört man zwischen dem Reinholz und Häspelein nach Triensbach, von Tiefenbach nach der Eulenburg und an der Rudolfsberger Steige. In der Gegend von Maulach hatte sich einst ein Bauer zum Spott in einen Acker gelegt, um das wilde Heer zu sehen. Da wurde ihm von oben ein Beil in den Hintern geschleudert, das Niemand herausziehen konnte. Im folgenden Jahr legte sich der Mann wieder an dieselbe Stelle. Da zog der „Teufel“ das Beil wieder heraus. In Breitenau nahe der württembergischen Grenze in Bayern fuhr einst das wilde Heer durch ein Haus und zerriß Dach und Giebel. Siehe auch die Sage vom Rechenberger. Auf der Schönebürg hört man zu Zeiten ein Geräusch wie von 100 Holzhackern. Eine sehr verbreitete Sage ist die vom Hehmann, der von Nürnberg nach Hall auf der alten Straße einherzieht, die von Schnelldorf über Volkershausen nach Satteldorf geht. Man hört ihn bei Volkershausen rufen. Heh, heh, hopp! Licht und Feuer. Über den Schanzbuck bei Roßfeld kommen 3 Lichter, welche mit einander streiten und dann plötzlich verschwinden. Von Onolzheim ziehen feurige Männer gegen die Rothmühle und den Stöckenhof, sie schreien und klagen sich unter einander. In Bachfeld bei Weipertshofen geht ein einsames Licht. Nixen und Geisterweiblein. Die Sage von den Wasserfräulein, welche die Leute besuchen, zu bestimmter Zeit in die Wassertiefe zurückkehren, aber weil sie ihre Zeit versäumen, sterben müssen, indem ein Blutstrahl aus der Tiefe aufschießt, findet sich beim Dielbronnen Mark. Bronnholzheim und in der Nähe von Ellrichshausen an der Gronach. Im „gründischen“, einem angeblich unergründlichen Brunnen bei Unterspeltach und Gründelhardt hausten Meerfräulein, welche ins Dorf kamen und prophezeiten, es werden bald Männer kommen, welche das Meßopfer und die katholische Religion abschaffen werden. Birl. Volksth. 1, 134. {{Seite|116}} Auf dem Pfannenberg zwischen Alexandersreut und Weipertshofen erscheinen zuweilen drei weiße Fräulein, mitunter auch schwarz gekleidet an einem Kreuzweg Mittags 12 Uhr. Sie winseln wie junge Hunde und verschwinden, während es im Wald drin kracht und knallt, wie bei einer gewaltigen Jagd oder einem Sturm. Bei Stimpfach am Weg nach Rechenberg ist der Hainenberg und das Hainenfeld. Dort geht das Hainenweible, eine schwarze Gestalt, welche die Leute erschreckt, quält und prügelt. Zwischen Gröningen und Bölgenthal aber geht eine Frau, mit einer Mistgabel bewaffnet. Pädagogische Sagen. Beim Burgberg muß ein alter Steinsetzer zur Strafe für ungerechtes Steinsetzen gehen. (Maulach, mündlich.) In Ellrichshausen hat die Schneidersmarie, welche den alten Todtenweg von Volkershausen her mit Gewalt abtrieb, keine Ruhe gefunden. Ein Amtmann in Crailsheim hatte die Armen in seinem Dienst schwer gedrückt und mußte nun nach seinem Tod alle Nacht im Amthaus gehen. Er machte viel Lärm, erschien seiner Frau, endlich ließ diese den Schornsteinfeger kommen, welcher den Geist in einen Sack hinein beschwor. Beim Hineinschlüpfen drohte der Geist, er komme wieder, wenn man ihm kein Bett mitgebe, was er auch wiederholte, als der Schornsteinfeger ihn am Wald auf dem Galgenberg nächst einem Kreuzweg aus dem Sack ließ. Da er wirklich wieder erschien, ließ ihn die Frau Amtmann wieder an den vorigen Ort schaffen und dort ein Bett hinlegen. Ein vorbeifahrender Bauer von Rudolfsberg lud das Bett als gute Beute auf seinen Wagen, der nun so schwer wurde, daß die Pferde ihn nur mit der größten Anstrengung nach Hause brachten. Dort legte der Bauer das Bett in eine Kammer, wo fortan der Amtmann so wild hauste, daß das Haus von Menschen und Vieh verlassen wurde. (Mone, Anzeiger 1838, S. 364.) Als man einst im Jagstgrund am Tag vor Jakobi den Feiertag einläutete, hörten alle Leute auf, Heu zu machen. Nur ein Bauer sprach, obwohl sein Knecht ihn abmahnte: Jokele hin, Jokele her, mein Heu muß heut noch heim. Der Wagen wurde geladen und heimgeführt. Unterwegs überfiel den Bauern ein Unwetter und Wolkenbruch. Der Mann mit Vieh und Wagen gieng im Wasser zu Grund, mühsam rettete sich der Knecht. Seit dem hört man alljährlich an Jakobivorabend an der Unglücksstelle ein Rauschen von Wasser, durch das sich Jemand mit geladenem Wagen durcharbeiten will. (Mone, Anzeiger 1839, S. 175.) Auf der Markung Honhardt (Mainkling), Jagstzell, Stimpfach, Rechenberg geht ein geisterhaftes, dickes, hundartiges Thier von ungeheurer Stärke, das Gaisklingenthierle, das die Leute in die Irre führt. Es ist ein verfluchter Jäger, der einst das Frauenkloster Jagstzell, dem er diente, betrog. (Birlinger Volksth. 1, 169.) Ähnlich ist die Sage vom verfluchten Holzwart, der bei Appensee und Honhardt geht, ein arger Bösewicht bei Lebzeiten. Er ist 7–8′ hoch und führt die Leute in den Jagstgumpen, wo sie ertrinken. (Birl. 1, 294.) {{Seite|117}} Sagen, welche sich an historische Orte und Personen knüpfen. Crailsheim. Adelheid von Hohenlohe, die Wohlthäterin von Crailsheim, wohnte in ihrem Schloß auf der Schönebürg. Aus einem unterirdischen Gang fuhr sie von ihrem Schloß vor das Ansbacher Thor in Crailsheim, das sich von selbst vor ihr aufthat. Entfiel ihr Handschuh oder Fächer, so flogen sie von selbst ihr wieder zu. Einst begegnete ihr am Thor eine Menge Volks, das einen armen Sünder zum Hochgericht begleitete. Sie fragte nach seinem Verbrechen und, als sie es erfahren, sprach sie zu ihm: dann geschieht dir Recht. Da fuhren die Thorflügel zu und öffneten sich niemals mehr von selbst vor der Gräfin, der unterirdische Gang fiel ein. Ganz ähnlich ist die Sage, womit Onolzheim seine Wohlthäterin Barbara v. Zipplingen verherrlichte. Ihre Handschuhe flogen in geheimer Kraft neben ihr her wie 2 Vögel. Auf die Äußerung: „Dir geschieht recht,“ fielen sie alsbald zu Boden und hatten ihre magische Kraft verloren. Mone Anzeiger 1838, S. 364. Das Zauberbuch. Ein Pfarrer von Crailsheim hatte in einer gewölbten Stube alte große Bücher, die mit Ketten an die Decke und Wände befestigt waren. Eine neugierige Magd, die allein in der Stube war, öffnete einst ein Buch und las eine Stelle. Da wimmelte die Stube plötzlich von Mäusen. Auf den Hilferuf der erschrockenen Magd eilte der Pfarrer herbei, ließ sich das Geschehene erzählen und las nun die Stelle des Buches von hinten nach vornen, worauf alle Mäuse verschwanden. Mone Anzeiger 1837, S. 309. (Der gelehrte Pfarrer und Reformator Ad. Weiß hatte seiner Vaterstadt seine große Bibliothek mit Folianten vermacht.) Die verlorenen Akten. In einem Rechtsstreit war ein für eine rechtschaffene Familie wichtiges Schriftstück verloren gegangen. Der Stadtschreiber suchte im Rathsaal bis nach Mitternacht darnach. Endlich rief er unwillig: Teufel, gib die Schriften her, du hast sie doch in den Klauen. Da fiel das Heft plötzlich von oben zu seinen Füßen, die Thürflügel flogen auf, der Teufel und hinter ihm die Weiber der 12 Rathsherren auf Ofengabeln stürmten mit Gebraus zum Saal herein und zur andern Thüre wieder hinaus. Mone I. c. 1837, S. 307. – Die Geschichte von der gebannten Hexe und vom erlösten Schatz im Kessel s. Mone Anz. 1837, S. 307, 309. Als einst der Wein, den man auf dem Kreckelberg baute, sehr schlecht gerathen war, fieng man an die Marienkapelle auf dem Markt zu bauen und machte den Mörtel mit dem mißrathenen Wein an. Schwäbischer Merkur 1844 Nr. 316. Die Haaraffensage s. Ortsbeschr. Burleswagen. Als noch Herzoge in Rothenburg a. d. T. saßen, wohnte in einem der 7 Häuser des Städtchens ein Kürschner, der bei Hof gut gelitten war. Eines Tags erbeuteten die Edelleute von Burleswagen auf einem Raubzug von Kaufleuten einen großen Stübich mit Rauchwerk und verkauften ihn an den Kürschner. Als nun der Kürschner den Stübich öffnete, fand er viel Gold und Silber in den Fellen versteckt. Der Kürschner brachte das Geld dem Herzog, der erst zürnte über den Raub, aber auf den Zuspruch seiner Räthe und anderer ehrbaren Leute dem Kürschner das Geld überließ, da er viel hübscher Knaben habe, die wohl zu frommen Leuten erwachsen möchten. Der Kürschner hielt sich redlich, der Herzog machte ihn zum {{Seite|118}} Küchenmeister und begnadigte ihn mit einem Wappen. Von seinen Söhnen stammen die Herren von Nortenberg. Schönhuth, Burgen und Klöster 5, 414. Gröningen. Der Berlesstein und Appele v. Galen oder Gailingen (Gailenau bayr., vgl. Bav. 3, 908). Der gefürchtete Strauchritter Eckelin v. Gailingen, dessen Namen durch ganz Franken bis Nürnberg in der Sage wiederklingt, hatte durch seinen Bund mit der Hölle ein Roß erhalten, das ihn aus allen schwierigen Lagen forttrug und auf den Ruf: „Appele Hopp“ über Abgründe hinwegsetzte, so über den Burggraben zu Nürnberg. Einst wollte er auch Erkenbrechtshausen überfallen, aber verfolgt konnte er sich nur durch einen Sprung vom Berlesstein oder Beierlesstein, einer 40–50 m jäh in den Fluß abfallenden Felswand, in die Jagst retten. Auf dem großen Steinblock mitten im Fluß, wo das Pferd aufsetzte, zeigte man sich noch zu Anfang dieses Jahrhunderts den Eindruck des Hufeisens. Einst wollte er auch den freiherrlich von Ellrichshausenschen Hof in Crailsheim überfallen, der Anschlag mißlang, man sperrte das Thor hinter ihm zu, da rief er: Appele hopp und setzte über die Hofmauer weg. Das Pferd schleuderte dabei eins seiner Hufeisen auf das Dach des Nachbarhauses, wo es noch an einer kurzen Kette zu sehen ist. Fichtenhof bei Wildenstein. Dort steht der sogenannte Schwedenhof. Ein Schwede hauste und mordete da im 30jährigen Krieg, wurde aber todtgeschlagen. Sein Kopf ist zum ewigen Andenken unter dem Dach aufbewahrt. Birl. Volksth. 1, 165. Jagstheimer Eierleger. Eine Frau, welche nur wenige Hühner hatte, brachte immer viel Eier zu Markte. Das erregte Neid. Man paßte ihr auf. Ihr Knecht sah, daß die Frau immer für sich halbweißes Brot, für die andern Hausgenossen schwarzes buck. Eines Tags als die Frau fort war, griff er nach dem halbweißen Brot und aß. Aber alsbald erhob er ein Gegacker, eilte nach dem Hühnernest und legte Eier. Das gleiche widerfuhr dem Hausherrn, der aus des Knechtes Ruf herbeigekommen und auch von dem Zauberbrot gegessen hat. – Die Sage ist ein Reflex des alten, wohl beneideten Wohlstands von Jagstheim. Mone Anz. 1839, S. 61. Onolzheim. Barb. v. Zipplingen siehe oben. Auf dem Pfannenberg zwischen Alexandersreut und Stimpfach stand ein altes Schloß (s. Alterth.). Heute noch hört man dort die Waffen vom Zweikampf zweier Ritter erklirren. Vom Pfannenberg fährt ein Geist an gewissen Häusern in Wittau vorüber oder durch den Wald Schillinghalde auf die Schönebürg. Mündl. Rechenberg. Unter der alten Burg stand am See die Kreuzkapelle, in der man früher die Vesper betete. Die Frösche im See quackten aber so laut, daß die Geistlichen nicht mehr beten konnten. Da beschworen sie die Frösche und hatten fortan Ruhe. Auch jetzt noch sollen sich dort keine Frösche hören lassen, während im nahen Schwindelweiher alles zusammenquackt. Birl. Volksth. 1, 117. Auf der Burg zu Rechenberg saß einst ein Ritterl Wilhelm, der Wilde genannt, ein gottloser Herr. Er ritt oft spät in der Nacht von Hall heim, wo er mit dem Thanner, Kecken, Rappenburger, Hohenhardter und Hellmannshofer und dem Schenken von Limpurg beim {{Seite|119}} Wein gezecht hatte, Einmal fuhr das Muotisheer hinter ihm her. Den Schluß bildete ein schwarzer Reiter in grünem Kleid mlt 2 Pferden, von denen er eines ritt, das andere mitführte. Wilhelm fragte, wem das Roß gehöre und erhielt die Antwort: Einem gewissen Wilhelm v. Rechenberg dem Wilden. der wird eben auf diesem Roß über ein Jahr in der nämlichen Stunde in den Höllenabgrund fahren. Wilhelm erschrack, ritt schnurstracks nach Ellwangen, klagte dem Abte die Sache, vermachte all sein Hab und Gut dem Kloster um seines Seelenheils willen und wurde des Klosters Marschalk oder Stallmeister. Er war der letzte Rechenberger. Nach Birl. Volksth. 1, 31. – Die Sage, auf altgermanischem Volksglauben ruhend, ist zugleich Reflex der schweren Konflikte Wilhelm Adelmanns auf Rechenberg um 1490 mit dem Propst von Ellwangen. W. Fronken Neue Folge 1, 40. Stimpfach. Nahe bei der Kirche in Stimpfach stand ein altes Sühnekreuz. Dort hatte einst Wilhelm von Rechenberg der Wilde seinen Knecht niedergestochen. Er war am heil. Osterfest zur Kirche nach Stimpfach gefahren, kam aber zu spät. Da entbrannte sein Zorn über den Kutscher, dem er die Schuld beimaß, und er erstach ihn auf der Stelle. In bitterer Reue vermachte er dem Kloster Ellwangen die Burg und all sein Hab und Gut und soll später selbst von seinem Stallknecht erstochen worden sein. Mündl. und Birl. Volksth. 1, 169. Wirklich hatte ein Adelmann, aber nicht Wilhelm, um 1510 einen Knecht in Stimpfach erschlagen. Eine Stunde von Stimpfach ist die Ulrichshalde. Dort rastete der heil. Ulrich B. v. Augsburg, wenn er an den Rhein zog und bei den Grafen v. Flügelau übernachtete. Vgl. die Ulrichskirchen bei Dinkelsbühl und Ellrichshausen. Nach Birl. Volksth. 1. 407. Unter-Deufstetten. Das dortige Schloß gehörte einst den Herrn v. Drechsel. Ein Fräulein v. Drechsel, die Pelzlisel genannt, erschien öfters den Leuten in einem mit Pelz verbrämten Mieder und einen Schlüsselbund in der Hand. So einem Schäfersmädchen, dem sie einen Schatz im Keller zeigen wollte. In einem Zimmer sah man oft ein Licht, das wie eine helle Flamme aufloderte. Auch im Keller hörte man sie rumoren, Birl. Alem. 7, 140. 41. (1621 ist Sabina Polzlerin Beschließerin im Schloß zu Unter-Deufstetten. Segringer Kirchenb.) Wanderkirchen und Wanderglocken. Die Kirche von Honhardt sollte bei Steinbach auf den Kirchbühl gebaut werden, wie es die Steinbacher haben wollten. Aber jede Nacht wanderten Holz und Steine von dort nach Honhardt und wurden auf der Stelle der heutigen Kirche gefunden. (Mündl.) Die große Glocke zu Bernhardtsweiler wurde vielfach begehrt. Einst hatte man sie bereits nach Dinkelsbühl geführt, wo sie schon auf dem Thurm hieng, aber so oft man sie läutete, tönte es in der Luft: Anna Susanna Z Berndsweiler will i hangan, Will läutan, will schlagan Wills Wetter verjugan Mündl. Vgl. auch Steichele, Bisth. Augsb. 3, 531. So tönte es fort, bis man sie wieder nach Bernhardsweiler brachte. {{Seite|120}} Wahrzeichen. Auf der Höhe zwischen Westgartshausen, Ofenbach und Neuhaus im Brentenschlag liegt ein großer Stein im Gehölz Brentenschlag, auf dem roh ein Zeichen wie ein Kelch ohne Fuß oder eine kleine Amphora abgebildet ist. Die Sage erzählt, es sei einst ein König die Straße von Dinkelsbühl hergekommen. Unterwegs sei es zu einem Kampfe gekommen, der König, zum Tode verwundet, habe an der Stelle das heil. Abendmahl empfangen. Überaus zahlreich sind die steinernen Kreuze, die zur Sühnung von Mordthaten errichtet wurden und theilweise mit Bildern der Mordwaffen versehen sind. Das jüngste dieser Kreuze ist wohl das an der Kirche zu Oberspeltach zur Erinnerung an den 1634 erschlagenen Meßner. Solche Kreuze finden sich 2 bei Appensee, 3 bei Siglershofen, 4 bei Honhardt am Ende des Dorfes, 2 in Westgartshausen, 1 am „Lottenplatz,“ wo 2 Weiber einander mit der Sichel erschlagen, 1 in Likartshausen, wo ein Kind zum Fenster heraus sich todt fiel, beim Hübnershof, am Imberger See bei Honhardt (Sandhof), bei Ofenbach, Röthlein, Markertshofen, Tiefenbach, Weipertshofen. {{Headline|110|0.2|Mundart.}} Im Allgemeinen herrscht im Bezirk der fränkische Dialekt. Nur an der Südgrenze ist der Einfluß des unmittelbar angrenzenden Schwabenlandes in der Sprache zu verspüren. Man spricht von Stimpfach bis Unterdeufstetten ellwangisch d. h. schwäbisch in der um Ellwangen gebräuchlichen Lautfärbung. Vielfach ist die Grenze zwischen schwäbischem und fränkischem Dialekt durch ein und denselben Ort gezogen, indem z. B. die Katholiken in Großenhub, Gerbertshofen, Weipertshofen mehr schwäbisch, die evangelischen mehr fränkisch sprechen, so daß man den Leuten zwar die Konfession nicht ansehen, aber anhören kann. Der Katholik sagt: koan, oarla, onawë, der Evangelische kān, ānerlă, anawê. In Weipertshofen sagen die Katholiken Ähle, die Evangelischen Herle für Großvater. Im Jagstthal ist der Unterschied zwischen dem schwäbischen Stimpfach und dem fränkischen Appensee sehr scharf. Dort spricht man: noi, jau, ghairt, hier ja, na, ghärt. Dort hat das Diminutiv in der Mehrzahl die Endung le, hier lich. Auch auf den hart an das Oberamt Ellwangen grenzenden Höfen der Pfarrei Honhardt läßt sich das Eindringen des schwäbischen Sprachelements beobachten. In dem ehemaligen Haller Gebiet in den Gemeinden Honhardt, Gründelhardt, Oberspeltach ist die langjährige Beziehung zu Hall nicht ohne Einfluß gewesen. Der Dialekt klingt vielfach an das Hällische an. Hier hört man Lëhrer, {{Seite|121}} Mëhl, in Jagstheim Mêhl. Ähnlich ist der Unterschied im Gebrauch der Zeitwörter sein und sagen, im hällischen Gebiet sind die schwäbisch-fränkischen Mischformen: gwë, gsōgt zu vernehmen, im ansbacher Land gwêsə, gsŏcht. Macht sich dort schon schwäbische Breite, so hier fränkische Abschleifung geltend, die besonders stark auf Ortsnamen wirkt z. B.: Nörlə, Nördlingen, Triensbə, Triensbach, Belchetə, Bölgenthal, Onsə, Onolzheim, Honart, Grindert. Von hohenlohischem Dialekt unterscheidet sich der des ehemaligen Ansbacher Gebiets bei aller Verwandtschaft doch in seinen Nüancen. Der Gebrauch des o statt a wird hier auf Wörter ausgedehnt, die der Hohenloher mit a spricht z. B. vōder statt vadder, schotz, schotzele statt schatz, schätzle. Die Diminutivform le klingt als reines kurzes a: haffela frālā. Sagt der Hohenloher: er hat wacker trunkən, so sagt der Gröninger: er hat braff trunkə, der Westgartshäuser gar: er hat herrli trunkə, glacht. Für die fränkische Laut- und Wortlehre sei auf die OA.-Beschr. Mergentheim verwiesen. Wortschatz. Namen: er schreibt se er heißt mit seinem Familiennamen. Allgemein gebräuchlich ist der sich forterbende Hausname, z. B. der Langenbauer, der Bäckenmärte, der Afasine (Grön.). Von Vornamen sind die gebräuchlichsten: Johann, Hann, Fritz, Georg selten mehr Jerg, meist jetzt Schorsch, früher überaus beliebt Jergmichel; Leonhardt, Hardle, Heinrich, Heiner, Katharine, Kätter, Marie, Barbara, Babett, früher Bäwele, Rosine, früher Rosel, jetzt Rösle. Menschenleben. Familie: voder, muader, kindlich daddə, mammə, s kind. d’kind Mehrzahl, herle, frala Großvater, Großmutter. ma lait oder d’lait (Leute) d. h. Eltern. von siwə beet ə schrolle (Scholle) weitläufig verwandt. ëltən Ehehalten, Dienstboten. Die Kinder mit einander heißen nerschlich, kerllich; einzeln dr buə, s madle. d’freind Verwandte. Geburt, Taufe: dick werrə, mit vier agə ufstehnə in der Hoffnung sein. werrə geboren werden. er is im schneidə worre in der Ernte geboren, einkummə, gvatterlaid, der dod, d’dode. Mer sann dodekind zammə, dodanüss von ledigen Gevatterinnen den Gästen nach der Taufe gereichtes Konfekt, kindles-kerwe, zullə schlotzen, zuller oder schnuller, geiferläpple. Ein Kind gront d. h. gedeiht, wird weltlich, wenn es zu spielen anfängt, und kann alles annamə, wünsch Glück zuə de sechs wuche Wunsch an die Wöchnerin. Kinderleben: Bember, quatt, gramp, aiai gêbə liebkosen, schmusbatsch Kußhand, plëgə schreien, flannə, röhrə weinen; er ist grimmelich lebhaft, kräftig; hossə schaukeln, wiegen, schookə {{Seite|122}} einen Stoß geben, dachtel Ohrfeige, abdachteln, bantschə, känzlə, verkänzelt verzärtelt; man schlägt net mit 2 ruthə. Ledige Jugend: de leddig wor, nix scheuer as de leddige johr, a leddiger mensch, s’harles Vorsitz se hat net gfolgt, er hat anə – er ist mit einem Mädchen verhängt. NB. Unzucht heißt Unordnung, Unanständigkeit. Heirat: s grîs, ən anstand howə, mer geht uf d’gschau, gschauleut, heirə. heiretsdôch verloben, Verlobungstag. ə blättle, a fickele, ə eckele kriechə, hëarkrewerli Hühnerkrähen (Westg.) sallə heirə js verbotə, d. h. er möchte wohl heiraten, findet aber niemand, hogset, hogsetknecht, hogsetmad, hogsetzucker, ausruafə, zammgêwə, schwêhrvader, schwiger, im abnehmendə (mond) ist die Hochzeit, a verhoktə eine sitzengebliebene, mer mecht s’omed net vor əm hâ, d. h. man verheiratet die jüngere nicht vor der älteren Tochter, schneidt mer a də hawwer vor am korə? Krankheit: gsund hersêchə, net fest sannə. knarzə kränklich, aber wehleidig sein, ziefə, verziefe auszehren, låsə zur Ader lassen, off, offə san auf sein, dossə, aufdossə, gedunsen (vom Gesicht), er hats in de fiessə, madere, hieselich Ausschlag, pletzə, fletzə Beule, Hautscherfung, durschlechtə, friesel, raudə, dalle, schilchə schielen, gëgə Brechreiz haben, hirchlə schwer athmen, husserə frieren. Leib und Glieder: goschə, lefzə, gërwel Scheitel, bort- Kinn, kartausche Nacken, Kragen, i nimm de bei dr kartauscha, kindliche Ausdrücke: bampferlich Füße, batschelich Hände, guckerlich Augen, hackerlich Zähne, kienstecklich Stockzähne, mammelich Brüste. Tod: er hat se empfohlə, trucha, uf d’leichd lodə, leichdweck. Leibliche Thätigkeiten, Fähigkeiten, Gebrechen: es werd mer eitel magenschwach, greusch, hâchel (heikel) wählerisch, schindklapperdürr, spröd mager, doshörig übelhörig, bausə intrans. die Wangen bei vollem Mund, es baust, kiefə, nagen, mofflə nagen, kauen ohne Zähne, pfiterə versteckt, kotterə schätternd lachen, pfusə, greinə weinen, drânftrə im Schlaf schwer athmen (auch beim Vieh (gebräuchlich), schnurchlə schnarchen, durch die unreine Nase athmen, gorksə, koppə, workə schlucken, delfə undeutlich reden, staksə, stottern, schmeckə riechen, sputzə, spuchə ausspucken, repplə mit den Händen reiben. hocklə auf dem Rücken tragen z. B. Kinder. abfleterə jemand schlagen, dosslə leicht schlafen, hotterə vor Schmerz Kälte, Altersschwäche zusammensinken, nein proffə mit dem Oberleib auf den Tisch liegen, gruwlə kitzeln, borzə das Hintertheil emporheben, bitzlə brennen vor Frost an den Extremitäten, fisperə Hände und Füße leicht bewegen, gamberə die Füsse unter dem Tisch bewegen, glunkerə, schlackə die Glieder schlottern lassen, schnechlə mit Händen und Füßen schlagen, wenn man am Boden liegt, rumschnechlə schmeichelnd wegen eines Gewinns, herumschleichen: – Arten des Gangs: dichlə schleichen, duchlə gebückt schleichen, dorchlə unsicher gehen, fenzi laufen affektirt. gratschə weitbeinig gehen, ummerdolpə umhertappen, hosslə schlotterig gehen, pfatschə hörbar im Wasser gehen. trottlə in kleinen Schritten gehen, fortdrawallə, schlounzə schlendern, stutterə hervorstieren, knatschə {{Seite|123}} kneten, zerdrücken z. B. eine Raupe. brünzlə nach Urin riechen. strampfə stampfen, streng = rasch laufen. Seelische Eigenschaften und Regungen: gschmitzt, gsund und gråd körperlich und geistig gesund, hirədipplə hirnverrückt, g’schossə unbesonnen. wampələ beklommen, ängstlich. wisele wohl. gneissen ahnen. es is mer wie vor ich ahne. es greuselt am Grauen haben. se trauə, auch einfach trauə wagen. and thun Heimweh haben. gheiənt reuen. lass me ungheit ungeschoren. es geht mer wider də mann, wider d’hor widersteht mir. Sittliche Eigenschaften, Untugenden und Thätigkeiten: acheltə pedantisch, pünktlich, net endlich nicht gefällig, gamelig wollüstig, gmein umgänglich. handig eifrig bei der Hand. es handi howə. verschmächelə empfindlich, weich. (sensu bono Gröningen.) hinterscheghörnt verdreht, verkehrt, wie ein Ochse mit hinterwärts gehenden Hörnern, kisig wählerisch, liddelig umgänglich, pfotig unnöthig geschäftig, verwegen, schnärzig unfreundlich, abstoßend. an anschnerzə. unrnüssig unruhig, unsellig ungeschickt, unbrauchbar, verdächtig ein wüster, grober Mensch, verzwickt dumm affektirt, a drückser. des is a hërzel ein Geizhals. der hat schneid. gutdenkend. verdilzt erbost, grattel. an stolz führen stolz sein. gast z. B. a wüster gast, a letzer. kritle. Schimpfwörter: du golopp einfältiger Mensch. holzkatz eine Frau, die aus Geiz nicht genug kriegen kann und immer „nothwendig hat“, aber auch Schimpfwort für Frauen aus der rauheren Waldgegend, hungermuck. klamhok Geizhals. alte krustel altes Weib. spavogel Spaßvogel, Spottvogel. schussbartel. drallewatsch, dallawulli. – a weltsdiere, schaffige diere starke, fleißige Dirne (sensu bono). grawə inständig bitten, nëtə nöthigen (durch Bitten) klotzə trutzig dreinsehen, mockə trutzen, zipperə peinigen. anmachə, versuhlə anführen, belügen. utzə foppen, zerrə necken. aus- lassə nachgeben. lamplə, er hat sein sach verlampelt mit Prassen durchgebracht. strandlə zweifeln, nicht sicher sein. gerə sechə gerne haben. a ibriger kon net sterbə vor gerə sêchə ironisch von dem, dessen man überdrüssig ist. Reden: plauderə. er kon mit der red net fort, âm in d’red fallə größte Ehrenkränkung. vergesses ihr red net. dem howi s’maul rågschlåchə abkanzeln, daß er nicht zu antworten weiß. der is net ufs maul gfallə. ankohlə, aufleixə belügen. bäfferə belfern, preigə wild, unartikulirt schreien. brisslə leis ins Ohr reden, pipperə vorlaut, popperə tadelnd reden, prudlə. schammlə geschäftig schnell reden. schmalgə, schmalger, gschmalg einfältig reden. se verredə, verwortə betheuern, ein Gelübde thun. aus- schreien, batschen, vermassern verläumden, schänden schimpfen, zâchnen auch plagen. an närrsch hinstellen abkanzeln. Kleidung: der Mann trägt də mutzə und a haubə, die Frau ən kitte!, ən papperlisrock (wollener selbstgemachter Rock) und ə kappə. s schneuzfleckli. hendsche. stümpf. schlappə Pantoffel. storhaubə. d’klader sporə. äwig letzte Seite. rum dreht is äwi. knerklə, zamma grümplə zerknittern z. B. den Schurz. a ruəsiger schorz eine schmutzige Schürze. ficklə, durchficklə durchreißen. d’schuch rifflə reiben am Knöchel. {{Seite|124}} Haus und Hof. d’hoffert Hofreite. der dennə Öhrn, stubə, benk, dischkastə, stiəle Schemel hellhåfə, d’ spon assel Stange um den Ofen, s schmeckəbridd Blumenbrett. d’kammer, d’bettstat, der b’helter, druchə. scherbə Nachtgeschirr. kiche- brôtes-scherbə Bratpfanne, scholeck Schalk, aufrecht stehender Eisenkamm am Herd zum Einhängen der Pfanne. schaff Waschgelte. stütze hölzernes Wassergefäß, stürzle irdener Deckel auf einen Topf. kollöffel Holzkochlöffel. zôchə Docht. golliecht Unschlittlicht. guckə Düte. blåtz Fladen, Kuchen. ein kuəch und ein blåtz ein Kuchen und ein Mus. bërgele kleiner Laib aus dem letzten Taigrest, der verschenkt wird. knërwle Stück Brotrinde, auch zahnloses mageres Frauenzimmer, åschnadle Abschnitt, Abfall von Eßwaaren, onråsə Überbleibsel. iohəbrot oder onəbrot Vesperbrot. golopp Gugelhopfen, hawerschedel Gebäck aus Habermehl, hôraffə Crailsheimer Gebäck am Stadtfeiertag. maultasche gefüllte Nudeln, nudel, flâsch, greə oder gsalzen und greə Meerettig ist Sonntagsessen. gmockelts, êbirəgmockelts oder eier gm. Eierhaber. Ähnlich stopfer und gschmorgel. zwërla Mehlbrei aus Sauerkraut. ëchetlə eßbarer Pilz- die worst riecht noch dr hamət der schlecht ausgewaschene Darm riecht nach dem Bauch des Thieres. dandschə unnöthig backen. knadschə kneten. Das Brot schimpert schimmelt, schimperig. schimper Schimmel. Das Wasser ist matt, schwäb. lack, d. h. abgestanden. fêgə mit dem Besen, suddlə mit Wasser aufwaschen. bêtzi Kehricht. molgig teigig. knatschi weich zum kneten z. B. der Boden. rasoli Branntwein, Liqueur. Vieh: ə raup junges Stück, knetzel im Wachsthum zurückgebliebenes Stück Vieh. dr handochs und bêtochs. gelt stehnə nicht trächtig werden. wist, hott, herja! schunk altes, werthloses Stück, alter Gaul. knopplə, knopperə langsam fressen. heinzerlə Füllen. hanseln wiehern wie ein Füllen. moggelə. bezelə, hamperlə Lamm. d’schåf bëpfə stoßen mit dem Kopf zusammen. bëpfə. auch von 2 Eiern, die zusammenstoßen. zickeln. fackel Schwein. fackellich Milchschweine. betz männliches, nunnə weibliches kastrirtes Schwein. beiss Eber, tauschə Mutterschwein. kerrə Schreien des Schweins. rumsə brünstig sein von Schwein. geckerich Eichelernte für die Schweine, gîgen Schweinstechen. docherle Hund. wurrli Kätzchen. randel läufige Katze, auch männersüchtiges Weib. kitzele Junge werfen. s’ zifer, ziferle Geflügel, herrlə Gänse. d’hëar, der geiker. buddelich, pippelich, ziwelich junge Hühner. bërzel schwanzloses Huhn, aber auch Erhöhung in Wald und Wiese. emesbërzel Ameisenhaufe, fuchsbërzel Fuchsbau. gackelich. ufpflusterə aufblähen, herrschlə zur Ruhe beisammensitzen ober liegen, von Geflügel und Schafen, daher Flurname herschel, herschelsee. gazen gackern, auch bellen vom Hund. rucksə girren der Tauben, fâst fett. dr imm die Biene. schepfə Wasser pumpen aus dem Brunnen. Scheuer: dreschə. rëdə sieben. a schober 60 Garben, gër Schürze voll, hampfel Handvoll. im ärvele in den Armen getragen, Armvoll. Landbau: dr aggr hat bêter wird zu Beeten gepflügt. summer und winterflur. da hawer ins klaw (feuchter, klebriger {{Seite|125}} Thonboden), s kårəin staw (Staub), da dinkel in schrollə (Schollen), so gräth alles im vollə. Der Strohmist sagt: Wachs, i hilf derzuə. Der Schafmist sagt: Wenn d’net willt, no muast. Der Laubmist sagt: Mach, was du willt, i flieg dervon. z’agger forə, mêinə, reissə stürzen. hëwerə Haber säen, s’ha machə, im hâ machə Heuet, oməd Öhmd, d’ërə Ernte. wîschə fêchə Wiesen säubern, êchə eggen. schletterle eine kleine Fuhr. ratteln den Wagen binden. spotə Schore. krêwə Korb, ränzlə das Gras am Rand der Wiese abmähen. Gewächse: s korə Roggen. s traad Getreide, ranschə Angersen. zwiffel Zwiebel. keid Krautsetzlinge. krautrüwə Bodenrüben. kripsi Obst, kripsen entwenden. obes Pflaumen (Westg.) schmeckə kindlich für Blumen. masero majoran Lein- Flachssamen êschwingan Rauhwerg, achel Abfall von Hanf. kimmerling Gurken zirrädle (Grön.), josephlich (Hörbühl) Bohnenkraut, lummelə, halbverwelkt. Wald: holz Wald. braubêr Brombeer, hoolbeer Himbeere. rothbêr Erdbeere. schwarzbêr Heidelbeere. mêsi Moos. drudennest Mistel, masselter oder messelter Maßholder, wechelter Wachholder, hieffelter Hagenbutten. lanweri Laub, fîchtküə, ochsenmotschel Tannenzapfen. brausch vom Holz spröde, brüchig. drêmel Prügel. Im Wald hüllerts hallt es wieder. Thiere: emes Ameise, katholische e. rothe Ameisen, wefzgə Wespen, schrötel Hirschhornkäfer. morchəstehler Schmetterling. Der Holzkäfer „die Todtenuhr", Anobium pertinax, heißt auch Erzschmidle oder Dengelschmidle. Zeit: bichenëttle (bigenot) kaum z. B. hats gereicht, inemol hie und da. nou né noch nicht. a nîtle kurze Zeit. vor ama klanə weng soeben, allbot alle Augenblicke. alləwail eben jetzt. aber allemol allerdings. uf bêtleitə bis zum Morgen- und Abendgeläute owed nach Mittagessen, heind heute Nacht, z halwer owed um die Mitte des Nachmittags, nechde gestern Nacht, vornechde vorgestern. vorder wuche, hinter uff d’wuche. in de erstə dåch. im dusel im Finstern. s langt se no. so lang mer singt, is d’kerch net aus. Witterung: s niwelt Nebelregen. s kisselt. des is a mol a butzə ein Regen- oder Schneeschauer, do kummd a gûs ein starker Platzregen, das gîs Überschwemmung. d’ keld stosst se. s gschlafft thaut auf. s baurəneck Nordwest, wo’s hell werden muß, wenn beständige Witterung kommen soll, dr bairisch wind der kalte Ostwind. Wetterregeln: Vorzeichen des Regens, wenn die Flöhe rührig sind, der Ruß an der Pfanne glänzt, die Hennen krähen, die Raben ins Dorf fliegen. Wenns am Sonntag regnet, dauerts die ganze Woche. Wenn die Gänse steigen (auf Holz oder Steinhaufen) wirds kalt. Urschele thu s kraut heim, sonst kommt der Simmele und schneit nein (zwischen 21. und 28. Oktober muß das Kraut heimgebracht werden. Bürgerliches und kirchliches Gemeinwesen: s oord, s is nor so a drecknest, a saubers êrtle mit starkə baurə (reiche {{Seite|126}} Bauern) und weng gringe lait. dr schulz. dr baurəmaster, klenkə mit einer Glocke zur Gemeindeversammlung oder zur Schule läuten. ganke die Glocke nur auf einer Seite anschlagen lassen. der gëhweg Fußweg, s kummt weider wird prozessirt. sein sach dem affekatə iwergeben einen Anwalt nehmen. zum papier gehnə aufs Rathhaus gehen. mir is mein herberi geschriwə der Wohnsitz ist mir urkundlich gesichert. wie mer bricht, so richt mer. er lässt se net brichtə beschwichtigen. er git se gibt nach, willigt ein. er hat am beide hend gnummə sich mit ihm versöhnt. d’borkerch, dr pfarr. der kaunns wie noch a mol a pfarr. zum nachtmål gehen. für gstellt werrə konfirmirt werden. anführen zum Konfirm.-Unterricht anmelden, der Konfirm.-Unterricht heißt die Kinderlehre. er lert hart lernt schwer. vorstand howə vor eine Behörde geladen sein, aber vorstand leistə, vorstehə einer Sache, Aufgabe, Amt gewachsen sein. Berufsarten: dr båder, dr blichner Flaschner, fuggerə Tauschhandel treiben. de markt bauə befahren mit Vieh. um des kon mers brauchə. lumpəsemmler. Umgang: einkehr howə Besuch haben. übernächtig werrə übernachten. goddə morgə, goddə owed Gruß. Gruß an den Eintretenden: Gsundheit is mer liəb. Willkumm’s. s is mer en ër, s is dankswert, a guts gsprëch? verrasə se? i will net liəchə, i sag, wiə s’is. des deffst keck glawə. geltə’s nicht wahr? i mogs net hawə. s braucht se net ist unnöthig (besonders beim Empfang des Trinkgelds). des wer z’gar unverschämt (wenn man eine Einladung anzunehmen sich genirt). jetz mach əs mer d’zech! Abschied eines Bewirtheten. kehr bal wieder ein Abschiedsformel. gros dank, bis is widder ebi machə oder vergleichə kon. s schickt se, schickt se net: Zeit und Umstände erlauben es. s is mer net gättli oder ongättli unbequem. Neujahrswunsch: i wenscht dr â ə glickseligs neujåhr, ə gsunds, ə friedles, ə langs lêwə und alles, was dr an leib und sel nutz und guəd is. Fremdwörter: dischkerirə, dischpetirə. dischpetirle widerspenstig. nex extras nichts besonderes. obsenat statt obstinat. salvene = salva venia. stante bene statt pede. stiblirə stipuliren. traktirə belästigen. triwlirə plagen. vichelant lebhaft. buxirə. därmeli schwindlig. kanduttenirle tout ne rien. meschant häßlich. parbleu: parapluie, parasol. er is praforsch (par force) er ist frech. rawellisch rebell. repetirlich anständig. reperme reprimande Tadel. schuk schuk = toujours (Honh.). straplizirə stark benützen. trawallə schwerfällig gehen. salvent (solvent) aufgelegt, auf dem Schick sein, es geit glei so ə laborand macht gleich Aufsehen. Hebraismen: achlə essen, balanschə schwätzen, oberbarnass Rädelsführer. bschummlə betrügen, betuch reich, betucht sein verdutzt. broches zornig. ganfə stehlen. kuchem verständig. kufferə prüfen. lusem freie Zeit. mobäres schwanger. (?) schmarakə schimpfen. vermosselt schläfrig mit ungeordnetem Haar. Redensarten: gräuseli viel. s’ is an handel. s hat kan sach – es hat nichts zu sagen oder keine Gefahr – z. B. bei Kranken: jetzt hat s’ kan sach mehr. s is an thuə es ist eins, wie mans macht. des kaf i daier halte nicht viel davon. steckə und staudə {{Seite|127}} Alles. schaffə und schanzə fleißig arbeiten. s bart net. s ia net schützi gibt nicht aus. s faselt se net gedeiht nicht. s gackelt se glückt. verdeikert verzweifelt. strutsauer sehr sauer. ə årtliche diere ein eigenartiges Mädchen. i hows unmüssi habe viel zu arbeiten. der hat s grüwli ruhig. der hat sein beet naus gschnîdə hat sein Schäfchen im Trockenen. des hat me åbänkert die Last hat mich schwer gedrückt. 8 verzeffert se geht leicht verloren. wenzeln wandern, daher wenzellaib den die abgehenden Dienstboten erhalten, aber auch faullenzen. gottwolkeit [i tuXoi]gebräuchlich in Goldbach, Westgartshausen, Waldthann, setzt den möglichen Fall. gottwolkeit s regnet es wird wohl regnen. jetzt fasst ers buəch an fängt zu beten, religiös zu werden. i ben schon lang mit unserem herrgott ummegâlfə bin längst religiös. ə gotslə donə sich Gottes Lohn, durch Gutesthun ein Verdienst erwerben. Besonders hoch gehaltene Äußerungen der Frömmigkeit: drei vaterunser bêdə, in drei kerchə opferə, dreimol unterm freiə himmel naknieben. o du liebs himmelsvadderle im himmel dobberə. widervergoltə is a kan sind. er sagt net gik und net gack, gickert und gackert net spricht sich nicht aus. er is net z schätzə man kann nicht wissen, was er will. der is aungmacht wie salåt angelogen. er is net neugierig, er mecht nor alles wissə. der kon s lobə leidə d. h. brauchen. er hat s g’lob (man lobt ihn). hat a guəds gmerch guten Verstand, hat a leichte seit Neigung zum Leichtsinn. hat d’lëwer uf der summerseitə ist stets durstig, is net nebe draussə steht gut. der hat se putzt viel gegessen, der hat ’s loch gfäddelt ist einer Verlegenheit rechtzeitig entgangen. dem muas mer d’hosə mit der beisszangə anziehə ist nur mit Gewalt zu bewegen. dem kälwert dr holzschlegel uf dr achsel ist ein Glückskind, dem unversehens ein Glück wird, als ob selbst der Holzschlegel Junge bekäme. vörthlə Vortheile zuwenden. Die Mutter vörthelt ein krankes Kind, wendet glückliche Mittel an. Der Geizhals ist net von Gebəhausə, awer von Holləbach. der singt s blab (das Blaue) vom himmel ro singt lustig in den Tag hinein, i wâs, worum mi d lait net mêigə, i ben halt der noch. i ho s ausgangə beobachtet, in Erfahrung gebracht. es is mer verrådə worra ich habe von Andern erfahren. i ho 30 Jår mit əm suppə gessə bin vertraut mit ihm. du sollst versaurə in der süsse brüəh. bis du kommst, is katz da bâm nuff. du bis a glei owə dauss bald beleidigt. Bei neuem Zorn des Empfindlichen heißts: jetz is schon widder s kätzle da bâm nuff. du bis wia 9 dåg rêchəwêder. du lachst mit am ganzə gsîcht wie dr maiəkäfer. zu dir soll mer immer „wurrli wurrli“ sågə sagt man zum Empfindlichen. leck mi in Krakau, no hast net weit noch Bolə. Es is mer ums gwärg um das Ausstehen und die Umstände. i spürs, wenn me a ochs trît. er is net von der dischlåd wegkummə nicht aus des Vaters Haus in die Fremde gekommen, versteht auch keine fremden Sitten. zur mussich gehn d. h. zum Tanz. heng mer dein ehrlichanama net an sagt man zu dem Lästerer. Die vorlauten Kinder bekommen zu hören: du mußt schweigen, bis die alte Kuh die Leiter hinauf will, dann darfst aber schreien: Alte, bleib unten. do hangt dr werti iwer də sunnti no unter dem schönen Oberkleid sieht das schlechte Unterkleid hervor. es is halt {{Seite|128}} iweråll ebbes d. h. es ist nichts vollkommen unter der Sonne. des is ə rechter dumm und dumm rechter Lärm. es brennt uf allə decher oder in allə gassə allgemeine Aufregung im Ort. Sprichwörter: do gehts iwerhabt wie der Teufel d’baurə holt. Ume dreizehne gehnə d’Schneider ham. zêiti (zottige) fillə und rotzige buewə sann net z schätə. was gessə und trunkə is, is verzehrt. klane heffellich laafə bald iwer. jeds heffelə kriəcht ə stärzlə (Deckel), nor ’s sauheffelə net (wüste Personen müssen ledig bleiben). stolze madlich, schlampfige weiber. aussə fix, innə nix. nebərum geht aa ə wêg. eins verbricht s heffelə und der anner s schüsselə. plauderə macht liəchə. da reichə iait ir madlich sann ball gross und də armə lait ire sei ball fett. morchərechə und altweibertanz dauern net lang. vil brüəder, schmålə güəder. wenns nor all dåch sunnti wär und all sunti kërwə! an der kërwə werd s a nåcht. wenn Gott nicht will, steht alles still. wo net mistes ist, ist a net Christes: Dem Acker, welcher keinen Dung bekommt, hilft auch nicht göttlicher Segen. də ausgang wâs mer, awer net da eingang. dem klagenden ist zu helfen, dem prangenden nicht. mit nachbarn kann man häuser bauen. wer närrsch glaabt, dem gehts närrsch. a bissle regt an äderle. z’ guəd is aa a stick liederlichkeit. rumdreht is äwi umgekehrt ist auch gefahren. was d’frâ im schorz ausdrêcht, kon dr maun mit am wåcha net einfihrə: bei einer nicht haushälterischen Frau kann der Mann nicht genug erwerben. der reu is a schelm, er reit hinda nåch. I ben von Belchədål Mi kennt mer äwerål Dass i a lustiger baurəbuə ben. In der mühle is wacker, Wos klingelt und klappert, Im werthshaus is guəd, Wo mer einschenkə duəd. Behüat es Gott vor dairer zeit, Vor mairer und vor zimmerlait. Mairer und zimmerlait Könən sehen danzə, Aber zu ihrəm geld Brauchə’s kan ranzə. Wenn d’ bettellait danzə, No wacklə die franzə, No schüttelt se s’brot In der këzə (Tragkorb) schier z’dodt. {{Seite|129}} Alle lait, wo bucklig sind, Die danzə uf der seidə, Bruder nimm ka bucklichs weib, Schäm de vor de laidə. Gelt, schätzle, du bist mein, Du hast me 13 kraizer kost’, Jetz geb i di um 9, An batzən büəss i ein. Wenn dr Schneider gstohlən hat, No wass er net wo naus. No schlupft er nei in sein nådelbüchs Und mäckelt obən raus. A schüsselə und a häffelə Is all ma heiretguəd, Des låd i uf ə wächelə, No is e ganze fuəhr. {{Headline|140|0.2|Wohnorte.}} {{Headline|120|0.2|Orte.}} {{Headline|110|0.2|A. Zahl, Gattung und Areal.}} Der Oberamtsbezirk zählt im Ganzen 184 Wohnplätze, worunter 1 Stadt, 21 Pfarrdörfer (3 davon mit Marktgerechtigkeit), 4 Dörfer, 1 Pfarrweiler, 104 Weiler, 22 Höfe und 31 einzelne Wohnsitze; dieselben vertheilen sich auf 26 politische Gemeinden, wovon 10 II. Klasse 1) und 16 III. Klasse mit 150 Markungen. Das Areal der Ortschaften umfaßt nach den Ergebnissen der Landesvermessung vom Jahr 1835 –:. 476 2/8 Morgen = 150,10 ha. 1) Gemeinde II. Klasse sind die Gemeinden von 1000–5000 Einwohner, III. Klasse Gemeinden bis 1000 Einwohner, I. Klasse haben über 5000 Einwohner. {{Seite|130}} {{Headline|110|0.2|B. Lage, Größe und Beschaffenheit.}} Die zahlreichen, aber meist kleinen Ortschaften des Bezirks liegen theils im Jagstthal und den Abhängen der Seitenthäler, theils auf der Hochfläche ob dem Jagstthal und in dem stark bewaldeten Hügelland zwischen der Bühler und Wörnitz. Fast im Mittelpunkt des Oberamts auf dem rechten Ufer der Jagst, jenseits welcher in neuster Zeit durch die Bahnhofanlage der Grund zu einem neuen Stadttheil gelegt ist, liegt die Oberamtsstadt Crailsheim an der Einmündung des Truiden- und Lohbachs; nicht weit davon in südwestlicher Richtung der Pfarrweiler Altenmünster; ferner liegen im Jagstthal von Süd nach Nord: links Randenweiler, der Mündung des Seegrabens gegenüber, rechts an der Mündung des Reiglerbachs Stimpfach, weiter unten links an der Mündung des Klingen- und Steinbachs Steinbach, sodann Jagstheim, der größte Ort nach der Oberamtsstadt bei der Einmündung der Speltach; beim Einfluß des Flachbachs liegt auf dem rechten Jagstufer Ingersheim. In den rechten Seitenthälern liegen von Süd nach Nord: Im Thal des südlich außerhalb des Bezirks einmündenden Rothbachs: Rechenberg mit Connenweiler, dahinter in den Wäldern Krettenbach, Wildenstein (Wasserscheide zwischen Donau und Rhein), Wäldershub, Matzenbach, auf der Höhe zwischen Rothbach und Seegraben: Hörbühl. Im Reiglersbachthal liegen: Gerbertshofen, Weipertshofen und Siglershofen; oben auf der Höhe: Schüttberg und Bergbronn. Am Degenbach: Alexandersreut. An dem in den Truidenbach mündenden Hummersbach liegt in den Wäldern Westgartshausen und am Mühlbach, der weiter oben in den Truidenbach fließt, Goldbach. An dem durch die Teufelsklinge der Jagst zufließenden Kreuzbach Beuerlbach und oben auf der Höhe Rudolfsberg. Auf der Höhe ob der Jagst zwischen dem Kreuz- und Entenbach liegt Satteldorf, an letzterem Sattelweiler, Neidenfels und Burleswagen. Im Thal der Gronach, welche unterhalb Beeghof entspringt, folgen sich Ellrichshausen, Bronnholzheim, Gröningen, oberhalb der Jagst bei ihrem Ausfluß aus dem Bezirk: Bölgenthal. Endlich an der Brettach: Triftshausen. In den linken Seitenthälern liegen: {{Seite|131}} Auf der Höhe am Ursprung des Zobach und Henkenbach: Mainkling, am Steinbach Honhardt; beim Einfluß des Lanzenbachs in die Speltach liegt Oberspeltach, auf der Höhe: Waldbuch. Daselbst zwischen Bezen- und Maderbach das hochgelegene Gründelhardt, an dem in die Speltach fließenden Stettbach liegt oben Hellmannshofen, weiter unten Stetten und Unterspeltach. An der Maulach liegt der Weiler gleichen Namens und Onolzheim. Am Ursprung des Sauerbrunnenbachs auf der Höhe liegt Roßfeld, am Schmidtebach Tiefenbach; am Grund liegen Triensbach und Erkenbrechtshausen. In der Südwestecke des Bezirks liegen Markertshofen und Hinteruhlberg, welche durch den in die Bühler mündenden Nesselbach mit dem Kocher in Verbindung stehen. Der östliche Theil des Bezirks, dem Stromgebiet der Donau angehörend, begreift folgende Orte: Am Zusammenfluß des Kesselbachs (auf der Höhe Seelgenstadt) und Haselklinge, Leukershausen, sodann am Langenbach Bergertshofen, Unterstelzhausen, Marktlustenau, Riegelbach. Westlich von Leukershausen, Mariä-Kappel und Haselhof, südöstlich am Asbach Wüstenau, am Brühlbach in den Wäldern Waldthann, beim Einfluß des Rothbachs Tempelhof. Südlich davon liegen am Ursprung der Roth Neustädtlein, Röthlein und Bernhardsweiler, weiter abwärts Lautenbach, Ober- und Unter-Deuffstetten. Die größten Gemeinden sind der Einwohnerzahl nach Crailsheim, Jagstheim, Unter-Deufstetten, die kleinsten Westgartshausen, Rechenberg und Leukershausen, dem Areal der Ortschaften nach die größten sind Honhardt aus 23, Crailsheim (eine Parzelle) und Gröningen aus 10 Parzellen bestehend, die kleinsten Unter-Deufstetten mit 2, Rechenberg mit 7 und Goldbach mit 1 Parzelle. {{Headline|120|0.2|Gebäude.}} {{Headline|110|0.2|A. Anzahl und Gattung.}} Das Brandversicherungskataster von 1883 weist 4190 Haupt- oder Wohngebäude und 4327 Nebengebäude, zus. 8517 Gebäude auf im Brandversicherungsanschlag von 17.953.580 M. Zu öffentlichen Zwecken dienen 278 Gebäude, worunter 27 Kirchen, 2 Synagogen, 9 Kapellen, 56 Rath- und Schulhäuser, 90 Spital-, Kranken- und Armenhäuser, 6 Stationsgebäude, {{Seite|132}} 21 Bahnwärterhäuser und 67 sonstige Gebäude. Unter den Wohngebäuden befinden sich 12 Schlösser und Amtswohnungen für Staats- und Gemeindediener, darunter 41 für Lehrer und 26 Pfarrhäuser. Auf 1 Wohnhaus kommen durchschnittlich 6,46 Bewohner; die meisten mit 9,8 in Crailsheim, die wenigsten in Matzenbach mit 4,7 (s. u. Tab. I). {{Headline|110|0.2|B. Bauart und -Material.}} Der Mangel an geeignetem Steinmaterial und der Reichthum an Holz in einem großen Theil des Bezirks sind die Ursachen, daß derselbe an Holzbauten reicher ist als die benachbarten Oberämter. Zwar sind die neueren Wohnungen meist auf steinernem Untergrund mit Riegelfachwerk aufgebaut, besonders in der bäuerlichen Nordhälfte, aber die Wetterseiten sind meist mit Brettern verschalt. Die Seitenwände der Scheunen bilden vielfach große Bretter. Ziegeldächer sind allgemein. Die Wände sind meist ganz verputzt, wie in Crailsheim und wie die kleinen saubern Häuschen in Unter-Deufstetten; in den reicheren Bauernorten ist das Balkenwerk sichtbar und bemalt, was einen guten Eindruck macht. Die eichenen Eckbalken sind vielfach geschnitzt und mit Jahreszahlen versehen. Besonders reich an schönen großen und alten Holzhäusern ist Tiefenbach. Die Bausteine kommen theils aus dem Jura, theils aus dem Keuper, für Innenwände gewinnen die aus Schlacken hergestellten hohlen Backsteine Eingang. Die architektonisch werthvolleren Gebäude im Bezirk stammen meist aus älterer Zeit. Der größte Theil der Kirchen auf dem Lande ist im 18. Jahrhundert stillos umgebaut, der Chor zugemauert und Altar, Kanzel und Orgel über einander an die Ostwand des Schiffes gesetzt. Hervorragend an architektonischem Werth sind die Stadtkirche in Crailsheim und der Chor der Kirche zu Mariä-Kappel, sowie das alte Schloß zu Rechenberg, ein mächtiger Holzbau, auch Schloß Burleswagen. Weiterhin sind zu nennen: das Schloß und die Kapelle zu Crailsheim, die Kirche in Gröningen (Chor), Gründelhardt (Chor), Ingersheim (Chor), der große Chor der nicht vollendeten Kirche zu Bernhardsweiler, die Kirche zu Lustenau (mit romanischen Spuren), das Schloß im Tempelhof und das neue Schloß in Rechenberg (beide Renaissance), sowie die Kirche daselbst, die Kirche in Stimpfach (Rokokko), Triensbach, Waldthann {{Seite|133}} (Chor) und Westgartshausen. Würdig restaurirt ist, soweit es der stilverderbende Umbau im 18. Jahrhundert zuließ, die Kirche zu Onolzheim. Von neueren Gebäuden sind besonders der große Bahnhof in Crailsheim, einige Häuser in der Wilhelmsstraße daselbst, sowie die Kirche in Unter-Deufstetten und die Kapelle in Hinteruhlberg hervorzuheben. {{Headline|110|0.2|C. Werths- und Eigenthumsverhältnisse.}} Der Werth sämmtlicher Gebäude beträgt nach dem Gebäudekataster von 1883 bei 3877 Haupt- und 4319 Nebengebäuden, zus. bei 8196 Gebäuden 19.350.250 M., worunter 25 Haupt- und 29 Neben- zus. 54 Gebäude mit einem Katasteranschlag von 567.200 M. nur zu Amts- und Gemeindeumlagen pflichtig sind. Nach dem Brandversicherungskataster vom Jahr 1883 dagegen zählt der Bezirk 4190 Haupt- und 4327 Neben- also zus. 8517 Gebäude im Versicherungswerth von 17.953.580 M., so daß der durchschnittliche Werth eines Gebäudes nach dem Steuerkataster auf ca. 2361 M., nach dem Brandversicherungskataster auf 2108 M., sich berechnet. Von sämmtlichen vorhandenen Gebäuden befinden sich im Eigenthum des Staats 61 Gebäude, der Amtskörperschaft oder der Gemeinde gehören: 149, den Stiftungen 81 Gebäude. {{Headline|140|0.2|Nahrungsstand.}}⏎ ⏎ ⏎ {{Seite|107}} Merkur 1844 Nr. 316 zu lesen: „Man muß von Ellwangen herab sehen, wie mit dem letzten Keuperrand bei Randenweiler Gesicht, Kleid, Farbe, Arm und Bein und Sprache anders wird, nemlich ruhiger, schmucker, weicher, ebener. Mit Stimpfach, dem einzigen ganz katholischen Pfarrdorf (früher ellwangisch) sind die rothen Weiberröcke und Brustflecke, ist Schwaben und Ellwangen haarscharf abgeschnitten. Wo die Jagst in die Ebene geht, jagt auch ein anderes Blut in den Adern. In Appensee, nur eine Viertelstunde von Stimpfach, ist Franken. Zwar zunächst noch etwas langsam voran hinaus in das muntere hohenloher Leben, dem über die östliche Keuperhöhe die rein fränkische Luft nur oben hereinweht, und dem der Muschelkalk den Tritt immer noch etwas zäher hält als sein Sandboden dem Vollblutfranken. Der Stamm ist minder stark, aber die Glieder beweglicher, der ebenere Gang rascher, die Köpfe ovaler, der Teint weicher, die Kleidung reicher, die Tracht geschmeidiger, als in Schwaben.“ Die goldene Mittelstraße ist für die ganze Art des Volkes maßgebend. Nirgends begegnen uns hünenhafte mächtige Gestalten wie in Oberschwaben, aber auch nicht unmäßige Beleibtheit wie in Bayern, sondern wohl proportionirte, untersetzte und gedrungene Gestalten. Vereinzelt tritt Gesichtsbildung mit slavischem Typus auf, plattgedrückte, breite Gesichter mit dunkler Hautfarbe, z. B. in der Gegend von Waldthann. Geistig wohlbegabt und aufgeweckt, hat die Bevölkerung eine gute Anzahl tüchtiger Männer hervorgebracht (s. Ortsbeschr. v. Crailsheim), aber im Ganzen hält das Geistesleben mit seinen Anlagen, Äußerungen und Bedürfnissen das gute Mittelmaß ein. Das Gemüthsleben ist für die Eindrücke von Freud und Leid leicht empfänglich, daher auch allenthalben Theilnahme an freudigen und traurigen Ereignissen zu finden ist, die sich in bereitwilliger Hilfeleistung und Wohlthätigkeit kund thut. Heiter und doch gesetzt, immer ein gewisses Maß des Anstandes und der Sitte wahrend, äußert der Franke des Bezirks seine Lebenslust bei seinen Vergnügungen, zeigt Neigung zu harmlosem Scherz, zum Lustigmachen über Andere, über Nachbarorte, aber immer in den Schranken der Gutmüthigkeit. Im Jahre 1787 schreibt der stark vom Aufklärungsgeist erfaßte Fischer in seiner statistisch-topographischen Beschreibung des Burggrafenthums Nürnberg von unserem Bezirk: „Die Religionsbegriffe sind noch sehr umnebelt, aber diese Begriffe sind von sehr geringem Einfluß auf das praktische Leben.“ Dem {{Seite|108}} gegenüber ist zu sagen: das Volk zeigt sich im Großen und Ganzen kirchlich-religiös gesinnt. Gottesdienst und Sakrament werden hochgehalten, die Hausandacht ist nach väterlicher Weise festgehalten. Ja, während nur vereinzelt Hand in Hand mit ökonomischem Rückgang die alte Kirchlichkeit gesunken, ist in den letzten Jahrzehnten in das kirchliche Leben des Bezirks ein frischerer lebensvollerer Geist gekommen. Wahr ist, der Aberglaube ist theilweise noch sehr stark eingewurzelt, aber welcher Bezirk hat nicht ähnliche Erscheinungen aufzuweisen? Als Bürger ist der Franke des Bezirks leicht zu leiten. In seiner ganzen Art und Lebensanschauung liegt ein konservativer Zug, der sich im Leben der Gemeinden stark geltend macht, in der älteren Generation die Erinnerung an den „Markgrafen“ lange erhalten hat, aber in Zeiten, welche viele Änderungen und Neuerungen in der Gesetzgebung mit sich bringen, in die Arme der Oppositionsparteien treiben kann. Der Obrigkeit und den Gerichten wird die richtige Behandlung der Bevölkerung nicht erschwert. Prozeßsucht ist eine vereinzelte Erscheinung, die theils in den Handelsverhältnissen, theils auch im ökonomischen Rückgang einzelner Gemeinden ihren Grund hat. Fleiß, Arbeitsamkeit und Betriebsamkeit sind zu rühmen. Im Sommer darf man nur ins Bett „knieen“. Nach dem anstrengenden Sommer genießt die Bevölkerung die behagliche Winterruhe und sammelt neue Kraft durch kräftigere Nahrung. Im Umgang ist der Franke des Bezirks zuvorkommend, dienstfertig, bescheiden, redselig, jedem seine Ehre gebend, ja womöglich etwas dazuthuend, aber auch für sich die gebührende Ehre erwartend. Eine alte Chronik rühmt „die leutseligen Burger zu Crailsheim, mit denen wohl zu handeln und umzugehen ist,“ und die erwähnte Schilderung von 1844 sagt: „Der Schwabe läßt den Fremden stehen, der Franke kommt entgegen und zuvor, der innerliche Anschluß ist für beide gleichermaßen erst Folge und Entwicklung wesentlicher Zusammengehörigkeit und längerer Bekanntschaft. Die äußere Zuthunlichkeit, mit welcher der Schwabe höchstens aufhört, ist bei dem Franken gleich der Anfang und damit noch nicht so wie dann beim Schwaben endlicher Ausdruck innerlichsten Zusammenschlusses.“ Die alte stattliche Tracht mit ihren soliden Stoffen ist nahezu ganz verschwunden. An der Stelle des Dreispitzes ist der schwarze niedere Hut, an die Stelle der Pelzkappe die Tuchkappe getreten. Der Sonntagsmutzen (Rock), früher aus selbstgemachtem, {{Seite|109}} lebenslänglichem Wolltuch, wird jetzt von modernem Fabrikat bereitet. Zum männlichen Staat gehört die silberbeschlagene Pfeife mit Rehkrone und Silberkette, die, wenn nicht geraucht, aus der Seitentasche hervorsehen muß. Bei den Frauen wird die schwarze Radhaube von Flor immer seltener. Die äußerst wohlstehende weiße Radhaube der Jugend ist ganz verschwunden, dagegen hat sich die niedere Bandhaube, welche in der Form eines Nachens das Hinterhaupt bedeckt, an der eine ganze Reihe über 10 cm breiter und 70–80cm langer seidener Bänder hängt (15–20 M. im Werth), erhalten. Beim Überfeldgehen hüllen sich die Frauen in ein großes dreieckig zusammengeschlagenes Kopftuch, das vorn zusammengeknotet wird, während der dritte Zipfel auf dem Rücken liegt. Im Allgemeinen ist bei der evangelischen Bevölkerung die dunkle, bei der katholischen die helle und bunte Farbe in der Tracht vorherrschend. Die Nahrung ist einfach, aber kräftig. Beim Landvolk gibts in der Frühe Kartoffeln und Wassersuppe, mit Milch geschmelzt, Mittags im Winter meist Sauerkraut mit Fleisch, gesalzen oder geräuchert, im Sommer Mehlspeisen mit Salat, Sonntags Nudeln und „grünes“ d. h. frisches Fleisch mit „Krê“, Meerrettig, zum Vesper oder „Ohnabrot“ Brot meist aus Roggenmehl, im Sommer „gestockte“ Milch, häufig ohne den Rahm, hie und da Most oder Weißbier, zum Nachtessen Wassersuppe, Milch und Kartoffeln. In die Milch wird das Brot gebrockt, ja nicht geschnitten. Denn dadurch schneidet man den Kühen die Milch ab. Der Bauer schlachtet jeden Spätherbst eine fette Kuh oder ein Rind, im Frühjahr 1–2 Schweine. Bei Festessen, als Taufe oder Hochzeit darf das Süßbrühfleisch oder Voressen nicht fehlen. Allsonntäglich erscheint wo möglich in jedem Hause „Galoppen“ d. h. Gugelhopfen, und „Plâtz“. Im Herbst fährt der Bauer gern ins „Weinland“ an der Tauber, Jagst, Kocher und Sulm, im Sommer bezieht er sein Fäßchen Bier aus der Brauerei. Die Sitten und Gebräuche im Bezirk sind im Ganzen die des fränkischen Stammes und darf hier auf die eingehende Schilderung des Gemeinsamen in Sitten und Gebräuchen auf die Oberamtsbeschreibungen Künzelsau und Mergentheim verwiesen werden. Hier heben wir unter kurzer Angabe des Gleichartigen das Eigenthümliche, dort nicht Erwähnte heraus. {{Seite|110}} 1. Sitten und Gebräuche im Anschluß an das Kirchenjahr 1). A. Wochentage. Dienstag und Freitag sind Glückstage, an denen die Brautleute einziehen, Dienstboten nach Lichtmeß „anstehen“ d. h. ihren Dienst antreten, gekauftes Vieh eingestellt, Jungvieh angewöhnt wird. Montag und Freitag gibt man keine Milch aus dem Hause, an gewöhnlichen Tagen auch nicht mehr nach „Betläuten“ und nie ohne drei Körnchen Salz darin. Der Donnerstag ist ein Unglückstag. Am Freitag wird der Stall nicht ausgemistet. Samstag Nachmittags wird kein Dung geführt, überhaupt kein größeres landwirthschaftliches Geschäft begonnen, in Triensbach in Folge eines Gelübdes bei einer Viehseuche. B. Das Kirchenjahr. Der erste Hinweis auf die kommende Festzeit ist der „Pelzmärte“ oder „Nußmärte“, der den Kindern heimlich Nüsse in die Stube wirft. Die Bauernjungfer erwartet von ihrem Geliebten einen „Märtisweck,“ einen großen Ring. „Der Märtisweck dingt ’s Neujahr an,“ d. h. an Neujahr macht sie ihr Gegengeschenk. Wer nach Martini noch schort, schort einen der Seinen hinein, d. h. es stirbt bald Jemand aus dem Hause. An den Donnerstagen der Adventszeit wird angeklopft. Am Thomasfeiertag Nachts 11–12 Uhr kann man seinen „Künftigen“ durch Bleigießen und Auskehren der Stube erfahren. Mit Weihnachten beginnen die Nächte, die alte Julzeit. In Tiefenbach wird jeden Morgen 6 Uhr mit allen Glocken auf Grund einer alten Stiftung geläutet. Mist wird nicht geführt, kein Vieh geschlachtet, da sonst ein Stück fällt, auch die Stiefel nicht geschmiert, da sonst das Vieh Läuse bekommt oder Kröpfe sich zeigen, Haare und Nägel werden nicht geschnitten, keine Hülsenfrüchte gekocht. Die Witterung der 12 Nächte ist maßgebend für die Witterung der kommenden 12 Monate, der Gebrauch der 12 Zwiebelschüsselchen ist allgemein verbreitet. Wer in den 12 Nächten Nachts von 11–12 zum Fenster hinaussieht, aber die ganze Stunde ja nie zurück ins Zimmer sieht, der bekommt alle Leichen des folgenden Jahrs zu sehen, ebenso wer sich in dieser Zeit unter das Kirchthor stellt. An Weihnachten wie überhaupt an den drei großen Festen soll man die Stube nicht kehren und zuerst in der Kirche sein. Am Weihnachtsabend gehen die Rollesel oder Christesel d. h. Jünglinge mit dem Rollengeschirr durchs Dorf. Beim Feierabendläuten werden die Bäume mit Strohbündeln umbunden, daß sie tragen. Wer an Weihnachten siebenerlei Holz und ein paar neue Schuhe in die Kirche nimmt, kann die Hexen verkehrt in der Kirche sitzen sehen. Am Weihnachtsabend werden alle Besen aufrecht in eine Ecke gestellt. Am Morgen finden sich geknickte Reiser zum Zeichen, daß die Hexen sie benützt haben. Wer an Weihnachten zuerst tränkt, ist das ganze Jahr zuerst fertig. 1). Reiche Beiträge diesem Abschnitt, wie den Sagen und der Mundart haben Kantor Abelein in Creglingen, Schullehrer Ostertag in Westgartshausen und andere Lehrer, sowie mehrere Geistliche geliefert. {{Seite|111}} Am Stefanstag muß man die Pferde über die Markung hinausreiten, damit sie keine Darmgicht bekommen, und das Vieh unbeschrieen 9 mal putzen, sonst wird es lausig. Früher sah man auch die Sternsänger durch den Ort gehen. An der Fastnacht werden „Küchle“ gebacken. Das übrige Schmalz dient dazu, die Jochriemen, auch die Achsen am Erntewagen zu schmieren, zum Schutz gegen Ratten und Mäuse. Ebenso macht der Bauer die Strohbänder an Fastnacht, daß die Mäuse nicht in die Frucht kommen. Wer an der Fastnacht zuerst aufsteht, ist das ganze Jahr voran. Bei Nachtessen an Fastnacht wird von jeder „Richt“ etwas in ein Gefäß gelegt und dem Fuchs hinausgetragen, damit er die Hühner nicht holt. An St. Valentinstag 14. Februar gedeiht kein Geschäft, das man neu unternimmt, es fällt dahin. Karfreitag. Nachts 12 Uhr ist Wasser Wein, Baden in fließendem Wasser vor Sonnenaufgang ist ein Heilmittel gegen alle Hautkrankheiten. Wasser, beim „Schiedläuten“ d. h. dem Zusammenläuten nach dem Gottesdienst, in Bölgenthal Wasser, aus dem Osterbrunnen vor Sonnenaufgang geholt, wird für alle Schäden das Jahr durch aufbewahrt. Vor Sonnenaufgang wird Immergrün gepflückt und ins Hühnernest gelegt, daß „nichts Böses beikommen kann.“ (Bronnholzheim.) Ein Schnitt in ein Holz an diesem Tag vertreibt die Hexen. Ostern. Eierlesen in Ellrichshausen ist neuerdings aufgekommen. Himmelfahrt. Allgemein werden die Himmelfahrtsblümchen gesammelt zum Schutz gegen Wetterschlag, Pfingsten. Das Maienstecken hat sich, jedoch sehr beschränkt, erhalten. An Hiob muß man Bohnen stecken (9. Mai), am Hanstack, an St. Joh, Baptist den 24. Juni die Zwiebeln niedertreten. „Niederfallet“ ist am Schluß der Winterfruchternte. Zur Kirchweih wird Plâtz gebacken, Kraut und Fleisch reichlich auf den Tisch gebracht. Nach dem Nachmittagsgottesdienst beginnt das „Tellerlesgspiel“ an manchen Orten. Früher war auch der „Hammel-“ oder Maientanz gebräuchlich. Die ledige Jugend und die dazu eingefangenen Schulkinder tanzten um einen Maien. Wer bei dem auf ein Zeichen ertönenden Schuß die herumgehende Ruthe in der Hand hatte, war der glückliche Gewinner. Jetzt ist die Sitte seltener geworden. Am Kirchweihtanz betheiligt sich, was noch irgend tanzen kann. 2. Die Sitte im Menschenleben von der Wiege bis zum Grab. Eine Frau darf, während sie mit dem Kind geht, nirgends durchschlüpfen und nie über einen kreuzartigen Gegenstand, z. B. eine Pflugschleife, schreiten. Bei der Geburt eines Kindes (aber auch beim Kalben einer Kuh) darf nichts ausgeliehen werden. Bis zur Taufe muß des Nachts ein Licht brennen und dem Kind ein Gebetbuch in die Wiege gelegt werden. Auch darf es keinem Fremden gezeigt werden. Die Taufen sind feierlich und immer ein von dem übrigen Gottesdienst gesonderter Akt mit Gesang und Schießen bei Knaben. Die Zahl {{Seite|112}} der Taufpathen steigt mit dem Reichthum. Taufschmaus oder Kindleskirwe ist auch beim geringsten Mann. Wer zum ersten mal Pathe wird, gibt dem Pfarrer ein „Hentsche“ (Handschuh) geld. (Honh.) Sehr gerne tauchen die Hebammen den Schlozer ins Taufwasser. Wenn eine Taufe am gleichen Tag mit einer Beerdigung ist, stirbt das Kind; jedenfalls muß das Grab vor der Taufe geschlossen werden. Auch gleichzeitge Taufe zweier Kinder bringt einem den Tod. Die Pathen (Doten) schenken dem Kind 5 Mark oder mehr, im ersten Jahr ein Dotenkleid, an Weihnachten und Ostern einen gebackenen Ring, farbige Eier und Lebkuchen, bei der Konfirmation Gesangbuch, Hemd und Halsbinde. Die Wöchnerin darf vor 6 Wochen nicht an den Brunnen, in den Garten oder Keller, sonst werden diese verunreinigt. Werden kleine Kinder zum ersten mal in ein Haus getragen, so erhalten sie ein Ei, damit sie leichter zahnen. Im ersten Lebensjahr dürfen Kinder nicht in den Spiegel sehen, ihre Haare dürfen nicht geschnitten werden, auch sollen sie keine Schläge bekommen, sonst lernen sie hart. Suppenschnitten dürfen Kinder nicht essen, sonst können sie einmal nichts „merken“ d. h. ihr Verstand entwickelt sich nicht. Die ledige Jugend vergnügt sich im Winter am Vorsitz, der in den südöstlichen Gemeinden der „Harlis“ heißt. Man geht „ins Dorf.“ Unzarte Witze bleiben dabei nicht aus. Ist Metzelsuppe in einem Hause, dessen Jugend auch ins Dorf geht, d. h. zur Vorsitzgesellschaft gehört, so verkleidet sich ein Paar als Bettler, erscheint mit großen Töpfen und bittet von der Metzelsuppe seinen Theil Kraut und Fleisch. Die Gabe ist so reich, daß die ganze Gesellschaft davon bekommt. Auf den Ehestand wirkt „die Vorsitz“ mit den daran sich knüpfenden Liebesverhältnissen wenig ein. Meist wird von den Eltern über das junge Paar, das sich „nehmen“ soll, einfach vom Standpunkt des Geldes verfügt. Verlöbnis, „Heiratstag“ ist meist am Freitag, aber wie auch die Hochzeit nicht im abnehmenden Mond. Spreuerstreuen zum Spott für die „Sitzengebliebenen“ sowie Hühnerkrähen ist auch in unserem Bezirk am Verlöbnistag Sitte. Der Einzug vor (oder auch nach, s. OA.Beschr. Künzelsau) der Hochzeit verläuft wie sonst in Franken. Beim Laden des Brautwagens darf weder Braut noch Bräutigam sich betheiligen. Zuletzt kommts an die Bettstücke. Die Gebetbücher, welche die Braut mit bekommt, werden in die Betten gesteckt. Um die Wiege entsteht hier der obligate Streit zwischen „Hochzi“knechten und „Hochzi“maden. Oft wird die Wiege im Streit aus einander gezerrt oder von den Hochzeitknechten mit Ketten an einen Scheunenbalken gehängt. In Triensbach, Tiefenbach und den nördlichen Bauerngemeinden des Oberamts erhält der Pfarrer und Lehrer an der Hochzeit von den Brautjungfern ein Tüchlein, Citrone und Rosmarin. Hochzeitsträuße werden allmählig üblich. Zur Trauung nimmt die Braut einen Lebkuchen mit, den das junge Paar nach der Trauung mit einander ißt. (Bronnh.) Dem Bräutigam streut man in den Hochzeitstrauß Leinsamen, daß der Flachs gedeiht. Auf dem Weg zur Kirche soll man so schnell als möglich gehen, ebenso heimwärts. Früher trugen die Hochzeitknechte ein farbiges Band, einen Degen an der Seite, auf dem Gang zur Kirche. {{Seite|113}} Bei der Trauung ist das nahe Zusammenstehen des Paares üblich, ebenso das Ringen, wer die Hand beim Zusammenlegen oben behält und damit Aussicht auf das Hausregiment hat. Die Hochzeiten sind meist Freihochzeiten, im nördlichen Theil mehr im Haus, im südlichen im Wirthshaus. Zechhochzeiten sind in Rechenberg und Umgegend üblich, jeder zahlt seine Zeche. Der zweite Hochzeittag hieß früher der Rockentag, vgl. Bavaria 3, 966 (Kirchenb. von Honhardt und Segringen-Deufstetten). Eigenthümlich war das „Hennenreiten“ in der Gegend von Deufstetten-Segringen. 1595 wird eine Frau von Hardthof bei Segringen „beim Hennenreiten an ihrer Tochter Hochzeit von einem Pferd erstoßen.“ Eine große Hochzeit währt 4–6 Tage, kostet das junge Paar oft z. B. in Gründelhardt 600–700 Mark. In Honhardt war es früher Sitte, daß der Lehrer am Schluß der Hochzeit die Zeche ausrief zum Beweis der reichen Bewirthung und des Wohlstandes des Paares, dann folgt der Eierplâtz, heute noch das Zeichen zum Aufbruch für die Jugend, der das Scheiden oft schwer genug wird. Die Eier dazu werden von der Jugend in den Häusern gesammelt. Vierzehn Tage oder etwas später nach der Hochzeit kommt die junge Hochzeitsgesellschaft noch einmal im neuen Hause zusammen zum Tischrücken, einer Art Nachhochzeit. Die Ehen sind fast ohne Ausnahme friedlich. Die Dienstboten, „Ehehalten“, werden aufs Jahr gedingt. Das Dienstjahr beginnt mit Lichtmeß. Unter den Dienstboten herrscht strenge Rangordnung und Geschäftstheilung. Außer gutem Lohn und reichlicher Kost erhalten die Dienstboten ihre „Zugehörung“ an Wolle, Leinwand, Schuhe und Kleider. Im landwirthschaftlichen Betrieb hat alles seine Regel und seine Zeit. Z. B. in der Ernte schneidet jeder sein Beet. Soll ein Kalb losgebunden d. h. entwöhnt werden, so nimmt man den Strick Sonntags zuvor in die Kirche (Roßs.). Beim „Gerstengrätten“ (Dreschen) kommt der Scherz vor, einfältige Leute zum Nachbar zu schicken, um den „Gerstengrätter“ (gibts nicht) zu holen; derselbe schiebt eine Last Steine oder Holz in einen alten Sack und lädt ihn dem Boten, den man heimlich mit Ruß beschmiert, auf den Rücken mit dem Wunsch: „So nun bring den Gerstengrätter gut heim.“ Auf den frisch angeschnittenen Laib Brot macht man 3 Kreuze. In den letzten Laib, den es beim Backen gab, drückt die Hausfrau die 3 Schwurfinger. Dieser sog. „Stupflaib“ muß nach den andern gegessen werden. Bringt die Jahreszeit eine neue Speise, z. B. der Vorsommer grünen Salat, der Herbst Sauerkraut, so gibt der Hausherr seinem Tischnachbar eine leichte Ohrfeige mit den Worten: Neue Speis, laß umme gehn, und so macht die Ohrfeige die Runde am Tisch. Beim Aufrichten eines neuen Hauses ist der Zimmerspruch üblich. Der Obergeselle spricht den Glückwunsch, leert dabei ein Glas und wirft es auf den Boden (Rasen oder Dunghaufen). Um das Glas entsteht ein Wettlauf. Denn bleibt es ganz, so hat es eine Heilkraft gegen die Fallsucht. Nach dem Spruch werden auf die Schuljugend Huzeln herabgeworfen, denen zum Denkzeichen ein Wasserguß folgt. {{Seite|114}} Im Handel ist das Schmußen und das Weinkauftrinken allgemein. Da die Realgemeinde noch fast allgemein besteht, so daß alle Güter der Gemeinde nur den Realgemeinderechtsbesitzern gehören, aber auch alle Lasten z. B. Wegbauten von ihnen zu tragen sind, so sind Gemeindeversammlungen mit Beratung über Wege, Schafweide, Pferch fast alle 4 Wochen. Die Geschäfte der Realgemeinde leitet der Bauermeister (Bürgermeister), dessen Amt mit der Gemeindelade, d. h. den auf diese Rechte bezüglichen Urkunden, von Haus zu Haus geht. Am Ende des Jahres ist Gemeindeerneuerung mit Rechnungsabschluß. Der Bauermeister trägt den Zweck der Zusammenkunft vor, dann folgt freie Aussprache ohne parlamentarischen Zwang. Aus dem Gewirr der Meinungsäußerungen hat der Bauermeister die Ansicht der Mehrheit herauszumerken. Markungsumgang in Begleitung der Jugend war früher alle 2–3 Jahre Sitte. Die meisten Bauern giengen mit. Jeder wichtige Stein wurde besichtigt. Der Bauermeister legte einen Kreuzer darauf, wer von den Knaben ihn zuerst sah und aufhob, erhielt ihn, bekam aber dabei eine Ohrfeige, damit er den Stein merke. Der Tag schloß mit einem allgemeinen Trunk der Gemeinde auf Gemeindekosten. Bei Krankheiten spielt der Hexenmeister noch eine große Rolle. Ganz besonders heilkräftig ist der angeblich im 30jährigen Krieg in einem Baum mit Gebrauchsanweisung gefundene Hubertusschlüssel in Gröningen, ein Stück Eisen, das glühend gemacht wird, um den Biß wüthender Hunde auszubrennen (so auch in der Haller und Mergentheimer Gegend). Beulen werden kreuzweise mit einem Brotmesser, das 3 Kreuze hat, gedrückt, um nicht stärker aufzuschwellen. Um sich von Krankheiten zu befreien, opfern manche Evangelische am Gründonnerstag in der evangelischen Kirche zu Dombühl (Bayern). Ringe, die aus Nägeln gemacht wurden, welche man aus den Gräbern grub, halfen, mit 3 Kreuzen versehen, wider die Gicht. Bei Verwundungen kann das Blut gestillt werden, wenn man das Messer etc. zu dem Mann, „der dafür thun kann“, trägt. Dieser steckt das Messer unter bestimmten Formeln in „das Schmer“ oder bindet es auf besondere Art. Vorzeichen des Todes sind das Glockengeläute während des Stundenschlags, das „Knängern“ der Glocke, eigenthümlicher Ton beim Läuten, das Wachsen weißer Pflanzen (Kohl, Rüben, Bohnen) auf einem Grundstück, das truppenweise Bilden eines Leichenzugs, der Leichenzug bei Kinderspielen, das Graben der sog. Todtenuhr, des Holzkäfers. Unmittelbar nach dem Verscheiden wird ein Kübel Wasser ausgeschüttet. Schön ist die Theilnahme bei Todesfällen und Beerdigungen, sowie die thätige Hilfeleistung der Nachbarn. Wird der Sarg mit der Leiche aus dem Zimmer getragen, so wird er dreimal auf der Schwelle niedergesetzt. In Roßfeld werden die Särge der Jugend noch mit Messingkronen, welche darauf gebunden werden, geschmückt. Die Särge von den Filialien wurden mit 4 Ochsen zum Gottesacker geführt. Vornen auf dem Sarg saßen die 2 ältesten Frauen. Eine Beerdigung ohne kirchlichen Akt ist kaum denkbar. Der Todte wird mit entblößtem Haupte am Grabe „vergrienen“. Den Schluß der Beerdigung bildet der Leichentrunk mit Kaffee, Bier oder Wein und Leichenwecken. Im Hause, wo die Leiche lag, muß alles was lebt und {{Seite|115}} verderben kann, Bienenkörbe, Vieh, Blumen verstellt werden. Die Todtenkränze werden vielfach in der Kirche oder Gottesackerkapelle aufbewahrt. Leichenkosten müssen alsbald bezahlt werden, sonst findet der Todte keine Ruhe. {{Anker|A3_23}}{{Headline|110|0.2|Sagen und Aberglaube.}} Der Bezirk ist reich an Sagen, in welchen sich theils der alte deutsche Göttermythus erhalten, theils einzelne Züge aus der mittelalterlichen Geschichte des Bezirks widerspiegeln. Wodan und das wilde Heer. Der Reiter ohne Kopf zieht in den 12 Nächten durch den Burgberger Wald, weiter von der Speltacher Platte gegen Altenmünster, ebenso von Westgartshausen gegen den Gipsbruch bei Ingersheim (Reihengräber) in Begleitung von schwarzen Hunden. In derselben Gegend sieht man auch einen „Stümmel“ (Zwerg) gehen. Das wilde Heer hört man zwischen dem Reinholz und Häspelein nach Triensbach, von Tiefenbach nach der Eulenburg und an der Rudolfsberger Steige. In der Gegend von Maulach hatte sich einst ein Bauer zum Spott in einen Acker gelegt, um das wilde Heer zu sehen. Da wurde ihm von oben ein Beil in den Hintern geschleudert, das Niemand herausziehen konnte. Im folgenden Jahr legte sich der Mann wieder an dieselbe Stelle. Da zog der „Teufel“ das Beil wieder heraus. In Breitenau nahe der württembergischen Grenze in Bayern fuhr einst das wilde Heer durch ein Haus und zerriß Dach und Giebel. Siehe auch die Sage vom Rechenberger. Auf der Schönebürg hört man zu Zeiten ein Geräusch wie von 100 Holzhackern. Eine sehr verbreitete Sage ist die vom Hehmann, der von Nürnberg nach Hall auf der alten Straße einherzieht, die von Schnelldorf über Volkershausen nach Satteldorf geht. Man hört ihn bei Volkershausen rufen. Heh, heh, hopp! Licht und Feuer. Über den Schanzbuck bei Roßfeld kommen 3 Lichter, welche mit einander streiten und dann plötzlich verschwinden. Von Onolzheim ziehen feurige Männer gegen die Rothmühle und den Stöckenhof, sie schreien und klagen sich unter einander. In Bachfeld bei Weipertshofen geht ein einsames Licht. Nixen und Geisterweiblein. Die Sage von den Wasserfräulein, welche die Leute besuchen, zu bestimmter Zeit in die Wassertiefe zurückkehren, aber weil sie ihre Zeit versäumen, sterben müssen, indem ein Blutstrahl aus der Tiefe aufschießt, findet sich beim Dielbronnen Mark. Bronnholzheim und in der Nähe von Ellrichshausen an der Gronach. Im „gründischen“, einem angeblich unergründlichen Brunnen bei Unterspeltach und Gründelhardt hausten Meerfräulein, welche ins Dorf kamen und prophezeiten, es werden bald Männer kommen, welche das Meßopfer und die katholische Religion abschaffen werden. Birl. Volksth. 1, 134. {{Seite|116}} Auf dem Pfannenberg zwischen Alexandersreut und Weipertshofen erscheinen zuweilen drei weiße Fräulein, mitunter auch schwarz gekleidet an einem Kreuzweg Mittags 12 Uhr. Sie winseln wie junge Hunde und verschwinden, während es im Wald drin kracht und knallt, wie bei einer gewaltigen Jagd oder einem Sturm. Bei Stimpfach am Weg nach Rechenberg ist der Hainenberg und das Hainenfeld. Dort geht das Hainenweible, eine schwarze Gestalt, welche die Leute erschreckt, quält und prügelt. Zwischen Gröningen und Bölgenthal aber geht eine Frau, mit einer Mistgabel bewaffnet. Pädagogische Sagen. Beim Burgberg muß ein alter Steinsetzer zur Strafe für ungerechtes Steinsetzen gehen. (Maulach, mündlich.) In Ellrichshausen hat die Schneidersmarie, welche den alten Todtenweg von Volkershausen her mit Gewalt abtrieb, keine Ruhe gefunden. Ein Amtmann in Crailsheim hatte die Armen in seinem Dienst schwer gedrückt und mußte nun nach seinem Tod alle Nacht im Amthaus gehen. Er machte viel Lärm, erschien seiner Frau, endlich ließ diese den Schornsteinfeger kommen, welcher den Geist in einen Sack hinein beschwor. Beim Hineinschlüpfen drohte der Geist, er komme wieder, wenn man ihm kein Bett mitgebe, was er auch wiederholte, als der Schornsteinfeger ihn am Wald auf dem Galgenberg nächst einem Kreuzweg aus dem Sack ließ. Da er wirklich wieder erschien, ließ ihn die Frau Amtmann wieder an den vorigen Ort schaffen und dort ein Bett hinlegen. Ein vorbeifahrender Bauer von Rudolfsberg lud das Bett als gute Beute auf seinen Wagen, der nun so schwer wurde, daß die Pferde ihn nur mit der größten Anstrengung nach Hause brachten. Dort legte der Bauer das Bett in eine Kammer, wo fortan der Amtmann so wild hauste, daß das Haus von Menschen und Vieh verlassen wurde. (Mone, Anzeiger 1838, S. 364.) Als man einst im Jagstgrund am Tag vor Jakobi den Feiertag einläutete, hörten alle Leute auf, Heu zu machen. Nur ein Bauer sprach, obwohl sein Knecht ihn abmahnte: Jokele hin, Jokele her, mein Heu muß heut noch heim. Der Wagen wurde geladen und heimgeführt. Unterwegs überfiel den Bauern ein Unwetter und Wolkenbruch. Der Mann mit Vieh und Wagen gieng im Wasser zu Grund, mühsam rettete sich der Knecht. Seit dem hört man alljährlich an Jakobivorabend an der Unglücksstelle ein Rauschen von Wasser, durch das sich Jemand mit geladenem Wagen durcharbeiten will. (Mone, Anzeiger 1839, S. 175.) Auf der Markung Honhardt (Mainkling), Jagstzell, Stimpfach, Rechenberg geht ein geisterhaftes, dickes, hundartiges Thier von ungeheurer Stärke, das Gaisklingenthierle, das die Leute in die Irre führt. Es ist ein verfluchter Jäger, der einst das Frauenkloster Jagstzell, dem er diente, betrog. (Birlinger Volksth. 1, 169.) Ähnlich ist die Sage vom verfluchten Holzwart, der bei Appensee und Honhardt geht, ein arger Bösewicht bei Lebzeiten. Er ist 7–8′ hoch und führt die Leute in den Jagstgumpen, wo sie ertrinken. (Birl. 1, 294.) {{Seite|117}} Sagen, welche sich an historische Orte und Personen knüpfen. Crailsheim. Adelheid von Hohenlohe, die Wohlthäterin von Crailsheim, wohnte in ihrem Schloß auf der Schönebürg. Aus einem unterirdischen Gang fuhr sie von ihrem Schloß vor das Ansbacher Thor in Crailsheim, das sich von selbst vor ihr aufthat. Entfiel ihr Handschuh oder Fächer, so flogen sie von selbst ihr wieder zu. Einst begegnete ihr am Thor eine Menge Volks, das einen armen Sünder zum Hochgericht begleitete. Sie fragte nach seinem Verbrechen und, als sie es erfahren, sprach sie zu ihm: dann geschieht dir Recht. Da fuhren die Thorflügel zu und öffneten sich niemals mehr von selbst vor der Gräfin, der unterirdische Gang fiel ein. Ganz ähnlich ist die Sage, womit Onolzheim seine Wohlthäterin Barbara v. Zipplingen verherrlichte. Ihre Handschuhe flogen in geheimer Kraft neben ihr her wie 2 Vögel. Auf die Äußerung: „Dir geschieht recht,“ fielen sie alsbald zu Boden und hatten ihre magische Kraft verloren. Mone Anzeiger 1838, S. 364. Das Zauberbuch. Ein Pfarrer von Crailsheim hatte in einer gewölbten Stube alte große Bücher, die mit Ketten an die Decke und Wände befestigt waren. Eine neugierige Magd, die allein in der Stube war, öffnete einst ein Buch und las eine Stelle. Da wimmelte die Stube plötzlich von Mäusen. Auf den Hilferuf der erschrockenen Magd eilte der Pfarrer herbei, ließ sich das Geschehene erzählen und las nun die Stelle des Buches von hinten nach vornen, worauf alle Mäuse verschwanden. Mone Anzeiger 1837, S. 309. (Der gelehrte Pfarrer und Reformator Ad. Weiß hatte seiner Vaterstadt seine große Bibliothek mit Folianten vermacht.) Die verlorenen Akten. In einem Rechtsstreit war ein für eine rechtschaffene Familie wichtiges Schriftstück verloren gegangen. Der Stadtschreiber suchte im Rathsaal bis nach Mitternacht darnach. Endlich rief er unwillig: Teufel, gib die Schriften her, du hast sie doch in den Klauen. Da fiel das Heft plötzlich von oben zu seinen Füßen, die Thürflügel flogen auf, der Teufel und hinter ihm die Weiber der 12 Rathsherren auf Ofengabeln stürmten mit Gebraus zum Saal herein und zur andern Thüre wieder hinaus. Mone I. c. 1837, S. 307. – Die Geschichte von der gebannten Hexe und vom erlösten Schatz im Kessel s. Mone Anz. 1837, S. 307, 309. Als einst der Wein, den man auf dem Kreckelberg baute, sehr schlecht gerathen war, fieng man an die Marienkapelle auf dem Markt zu bauen und machte den Mörtel mit dem mißrathenen Wein an. Schwäbischer Merkur 1844 Nr. 316. Die Haaraffensage s. Ortsbeschr. Burleswagen. Als noch Herzoge in Rothenburg a. d. T. saßen, wohnte in einem der 7 Häuser des Städtchens ein Kürschner, der bei Hof gut gelitten war. Eines Tags erbeuteten die Edelleute von Burleswagen auf einem Raubzug von Kaufleuten einen großen Stübich mit Rauchwerk und verkauften ihn an den Kürschner. Als nun der Kürschner den Stübich öffnete, fand er viel Gold und Silber in den Fellen versteckt. Der Kürschner brachte das Geld dem Herzog, der erst zürnte über den Raub, aber auf den Zuspruch seiner Räthe und anderer ehrbaren Leute dem Kürschner das Geld überließ, da er viel hübscher Knaben habe, die wohl zu frommen Leuten erwachsen möchten. Der Kürschner hielt sich redlich, der Herzog machte ihn zum {{Seite|118}} Küchenmeister und begnadigte ihn mit einem Wappen. Von seinen Söhnen stammen die Herren von Nortenberg. Schönhuth, Burgen und Klöster 5, 414. Gröningen. Der Berlesstein und Appele v. Galen oder Gailingen (Gailenau bayr., vgl. Bav. 3, 908). Der gefürchtete Strauchritter Eckelin v. Gailingen, dessen Namen durch ganz Franken bis Nürnberg in der Sage wiederklingt, hatte durch seinen Bund mit der Hölle ein Roß erhalten, das ihn aus allen schwierigen Lagen forttrug und auf den Ruf: „Appele Hopp“ über Abgründe hinwegsetzte, so über den Burggraben zu Nürnberg. Einst wollte er auch Erkenbrechtshausen überfallen, aber verfolgt konnte er sich nur durch einen Sprung vom Berlesstein oder Beierlesstein, einer 40–50 m jäh in den Fluß abfallenden Felswand, in die Jagst retten. Auf dem großen Steinblock mitten im Fluß, wo das Pferd aufsetzte, zeigte man sich noch zu Anfang dieses Jahrhunderts den Eindruck des Hufeisens. Einst wollte er auch den freiherrlich von Ellrichshausenschen Hof in Crailsheim überfallen, der Anschlag mißlang, man sperrte das Thor hinter ihm zu, da rief er: Appele hopp und setzte über die Hofmauer weg. Das Pferd schleuderte dabei eins seiner Hufeisen auf das Dach des Nachbarhauses, wo es noch an einer kurzen Kette zu sehen ist. Fichtenhof bei Wildenstein. Dort steht der sogenannte Schwedenhof. Ein Schwede hauste und mordete da im 30jährigen Krieg, wurde aber todtgeschlagen. Sein Kopf ist zum ewigen Andenken unter dem Dach aufbewahrt. Birl. Volksth. 1, 165. Jagstheimer Eierleger. Eine Frau, welche nur wenige Hühner hatte, brachte immer viel Eier zu Markte. Das erregte Neid. Man paßte ihr auf. Ihr Knecht sah, daß die Frau immer für sich halbweißes Brot, für die andern Hausgenossen schwarzes buck. Eines Tags als die Frau fort war, griff er nach dem halbweißen Brot und aß. Aber alsbald erhob er ein Gegacker, eilte nach dem Hühnernest und legte Eier. Das gleiche widerfuhr dem Hausherrn, der aus des Knechtes Ruf herbeigekommen und auch von dem Zauberbrot gegessen hat. – Die Sage ist ein Reflex des alten, wohl beneideten Wohlstands von Jagstheim. Mone Anz. 1839, S. 61. Onolzheim. Barb. v. Zipplingen siehe oben. Auf dem Pfannenberg zwischen Alexandersreut und Stimpfach stand ein altes Schloß (s. Alterth.). Heute noch hört man dort die Waffen vom Zweikampf zweier Ritter erklirren. Vom Pfannenberg fährt ein Geist an gewissen Häusern in Wittau vorüber oder durch den Wald Schillinghalde auf die Schönebürg. Mündl. Rechenberg. Unter der alten Burg stand am See die Kreuzkapelle, in der man früher die Vesper betete. Die Frösche im See quackten aber so laut, daß die Geistlichen nicht mehr beten konnten. Da beschworen sie die Frösche und hatten fortan Ruhe. Auch jetzt noch sollen sich dort keine Frösche hören lassen, während im nahen Schwindelweiher alles zusammenquackt. Birl. Volksth. 1, 117. Auf der Burg zu Rechenberg saß einst ein Ritterl Wilhelm, der Wilde genannt, ein gottloser Herr. Er ritt oft spät in der Nacht von Hall heim, wo er mit dem Thanner, Kecken, Rappenburger, Hohenhardter und Hellmannshofer und dem Schenken von Limpurg beim {{Seite|119}} Wein gezecht hatte, Einmal fuhr das Muotisheer hinter ihm her. Den Schluß bildete ein schwarzer Reiter in grünem Kleid mlt 2 Pferden, von denen er eines ritt, das andere mitführte. Wilhelm fragte, wem das Roß gehöre und erhielt die Antwort: Einem gewissen Wilhelm v. Rechenberg dem Wilden. der wird eben auf diesem Roß über ein Jahr in der nämlichen Stunde in den Höllenabgrund fahren. Wilhelm erschrack, ritt schnurstracks nach Ellwangen, klagte dem Abte die Sache, vermachte all sein Hab und Gut dem Kloster um seines Seelenheils willen und wurde des Klosters Marschalk oder Stallmeister. Er war der letzte Rechenberger. Nach Birl. Volksth. 1, 31. – Die Sage, auf altgermanischem Volksglauben ruhend, ist zugleich Reflex der schweren Konflikte Wilhelm Adelmanns auf Rechenberg um 1490 mit dem Propst von Ellwangen. W. Fronken Neue Folge 1, 40. Stimpfach. Nahe bei der Kirche in Stimpfach stand ein altes Sühnekreuz. Dort hatte einst Wilhelm von Rechenberg der Wilde seinen Knecht niedergestochen. Er war am heil. Osterfest zur Kirche nach Stimpfach gefahren, kam aber zu spät. Da entbrannte sein Zorn über den Kutscher, dem er die Schuld beimaß, und er erstach ihn auf der Stelle. In bitterer Reue vermachte er dem Kloster Ellwangen die Burg und all sein Hab und Gut und soll später selbst von seinem Stallknecht erstochen worden sein. Mündl. und Birl. Volksth. 1, 169. Wirklich hatte ein Adelmann, aber nicht Wilhelm, um 1510 einen Knecht in Stimpfach erschlagen. Eine Stunde von Stimpfach ist die Ulrichshalde. Dort rastete der heil. Ulrich B. v. Augsburg, wenn er an den Rhein zog und bei den Grafen v. Flügelau übernachtete. Vgl. die Ulrichskirchen bei Dinkelsbühl und Ellrichshausen. Nach Birl. Volksth. 1. 407. Unter-Deufstetten. Das dortige Schloß gehörte einst den Herrn v. Drechsel. Ein Fräulein v. Drechsel, die Pelzlisel genannt, erschien öfters den Leuten in einem mit Pelz verbrämten Mieder und einen Schlüsselbund in der Hand. So einem Schäfersmädchen, dem sie einen Schatz im Keller zeigen wollte. In einem Zimmer sah man oft ein Licht, das wie eine helle Flamme aufloderte. Auch im Keller hörte man sie rumoren, Birl. Alem. 7, 140. 41. (1621 ist Sabina Polzlerin Beschließerin im Schloß zu Unter-Deufstetten. Segringer Kirchenb.) Wanderkirchen und Wanderglocken. Die Kirche von Honhardt sollte bei Steinbach auf den Kirchbühl gebaut werden, wie es die Steinbacher haben wollten. Aber jede Nacht wanderten Holz und Steine von dort nach Honhardt und wurden auf der Stelle der heutigen Kirche gefunden. (Mündl.) Die große Glocke zu Bernhardtsweiler wurde vielfach begehrt. Einst hatte man sie bereits nach Dinkelsbühl geführt, wo sie schon auf dem Thurm hieng, aber so oft man sie läutete, tönte es in der Luft: Anna Susanna Z Berndsweiler will i hangan, Will läutan, will schlagan Wills Wetter verjugan Mündl. Vgl. auch Steichele, Bisth. Augsb. 3, 531. So tönte es fort, bis man sie wieder nach Bernhardsweiler brachte. {{Seite|120}} Wahrzeichen. Auf der Höhe zwischen Westgartshausen, Ofenbach und Neuhaus im Brentenschlag liegt ein großer Stein im Gehölz Brentenschlag, auf dem roh ein Zeichen wie ein Kelch ohne Fuß oder eine kleine Amphora abgebildet ist. Die Sage erzählt, es sei einst ein König die Straße von Dinkelsbühl hergekommen. Unterwegs sei es zu einem Kampfe gekommen, der König, zum Tode verwundet, habe an der Stelle das heil. Abendmahl empfangen. Überaus zahlreich sind die steinernen Kreuze, die zur Sühnung von Mordthaten errichtet wurden und theilweise mit Bildern der Mordwaffen versehen sind. Das jüngste dieser Kreuze ist wohl das an der Kirche zu Oberspeltach zur Erinnerung an den 1634 erschlagenen Meßner. Solche Kreuze finden sich 2 bei Appensee, 3 bei Siglershofen, 4 bei Honhardt am Ende des Dorfes, 2 in Westgartshausen, 1 am „Lottenplatz,“ wo 2 Weiber einander mit der Sichel erschlagen, 1 in Likartshausen, wo ein Kind zum Fenster heraus sich todt fiel, beim Hübnershof, am Imberger See bei Honhardt (Sandhof), bei Ofenbach, Röthlein, Markertshofen, Tiefenbach, Weipertshofen. {{Anker|A3_24}}{{Headline|110|0.2|Mundart.}} Im Allgemeinen herrscht im Bezirk der fränkische Dialekt. Nur an der Südgrenze ist der Einfluß des unmittelbar angrenzenden Schwabenlandes in der Sprache zu verspüren. Man spricht von Stimpfach bis Unterdeufstetten ellwangisch d. h. schwäbisch in der um Ellwangen gebräuchlichen Lautfärbung. Vielfach ist die Grenze zwischen schwäbischem und fränkischem Dialekt durch ein und denselben Ort gezogen, indem z. B. die Katholiken in Großenhub, Gerbertshofen, Weipertshofen mehr schwäbisch, die evangelischen mehr fränkisch sprechen, so daß man den Leuten zwar die Konfession nicht ansehen, aber anhören kann. Der Katholik sagt: koan, oarla, onawë, der Evangelische kān, ānerlă, anawê. In Weipertshofen sagen die Katholiken Ähle, die Evangelischen Herle für Großvater. Im Jagstthal ist der Unterschied zwischen dem schwäbischen Stimpfach und dem fränkischen Appensee sehr scharf. Dort spricht man: noi, jau, ghairt, hier ja, na, ghärt. Dort hat das Diminutiv in der Mehrzahl die Endung le, hier lich. Auch auf den hart an das Oberamt Ellwangen grenzenden Höfen der Pfarrei Honhardt läßt sich das Eindringen des schwäbischen Sprachelements beobachten. In dem ehemaligen Haller Gebiet in den Gemeinden Honhardt, Gründelhardt, Oberspeltach ist die langjährige Beziehung zu Hall nicht ohne Einfluß gewesen. Der Dialekt klingt vielfach an das Hällische an. Hier hört man Lëhrer, {{Seite|121}} Mëhl, in Jagstheim Mêhl. Ähnlich ist der Unterschied im Gebrauch der Zeitwörter sein und sagen, im hällischen Gebiet sind die schwäbisch-fränkischen Mischformen: gwë, gsōgt zu vernehmen, im ansbacher Land gwêsə, gsŏcht. Macht sich dort schon schwäbische Breite, so hier fränkische Abschleifung geltend, die besonders stark auf Ortsnamen wirkt z. B.: Nörlə, Nördlingen, Triensbə, Triensbach, Belchetə, Bölgenthal, Onsə, Onolzheim, Honart, Grindert. Von hohenlohischem Dialekt unterscheidet sich der des ehemaligen Ansbacher Gebiets bei aller Verwandtschaft doch in seinen Nüancen. Der Gebrauch des o statt a wird hier auf Wörter ausgedehnt, die der Hohenloher mit a spricht z. B. vōder statt vadder, schotz, schotzele statt schatz, schätzle. Die Diminutivform le klingt als reines kurzes a: haffela frālā. Sagt der Hohenloher: er hat wacker trunkən, so sagt der Gröninger: er hat braff trunkə, der Westgartshäuser gar: er hat herrli trunkə, glacht. Für die fränkische Laut- und Wortlehre sei auf die OA.-Beschr. Mergentheim verwiesen. Wortschatz. Namen: er schreibt se er heißt mit seinem Familiennamen. Allgemein gebräuchlich ist der sich forterbende Hausname, z. B. der Langenbauer, der Bäckenmärte, der Afasine (Grön.). Von Vornamen sind die gebräuchlichsten: Johann, Hann, Fritz, Georg selten mehr Jerg, meist jetzt Schorsch, früher überaus beliebt Jergmichel; Leonhardt, Hardle, Heinrich, Heiner, Katharine, Kätter, Marie, Barbara, Babett, früher Bäwele, Rosine, früher Rosel, jetzt Rösle. Menschenleben. Familie: voder, muader, kindlich daddə, mammə, s kind. d’kind Mehrzahl, herle, frala Großvater, Großmutter. ma lait oder d’lait (Leute) d. h. Eltern. von siwə beet ə schrolle (Scholle) weitläufig verwandt. ëltən Ehehalten, Dienstboten. Die Kinder mit einander heißen nerschlich, kerllich; einzeln dr buə, s madle. d’freind Verwandte. Geburt, Taufe: dick werrə, mit vier agə ufstehnə in der Hoffnung sein. werrə geboren werden. er is im schneidə worre in der Ernte geboren, einkummə, gvatterlaid, der dod, d’dode. Mer sann dodekind zammə, dodanüss von ledigen Gevatterinnen den Gästen nach der Taufe gereichtes Konfekt, kindles-kerwe, zullə schlotzen, zuller oder schnuller, geiferläpple. Ein Kind gront d. h. gedeiht, wird weltlich, wenn es zu spielen anfängt, und kann alles annamə, wünsch Glück zuə de sechs wuche Wunsch an die Wöchnerin. Kinderleben: Bember, quatt, gramp, aiai gêbə liebkosen, schmusbatsch Kußhand, plëgə schreien, flannə, röhrə weinen; er ist grimmelich lebhaft, kräftig; hossə schaukeln, wiegen, schookə {{Seite|122}} einen Stoß geben, dachtel Ohrfeige, abdachteln, bantschə, känzlə, verkänzelt verzärtelt; man schlägt net mit 2 ruthə. Ledige Jugend: de leddig wor, nix scheuer as de leddige johr, a leddiger mensch, s’harles Vorsitz se hat net gfolgt, er hat anə – er ist mit einem Mädchen verhängt. NB. Unzucht heißt Unordnung, Unanständigkeit. Heirat: s grîs, ən anstand howə, mer geht uf d’gschau, gschauleut, heirə. heiretsdôch verloben, Verlobungstag. ə blättle, a fickele, ə eckele kriechə, hëarkrewerli Hühnerkrähen (Westg.) sallə heirə js verbotə, d. h. er möchte wohl heiraten, findet aber niemand, hogset, hogsetknecht, hogsetmad, hogsetzucker, ausruafə, zammgêwə, schwêhrvader, schwiger, im abnehmendə (mond) ist die Hochzeit, a verhoktə eine sitzengebliebene, mer mecht s’omed net vor əm hâ, d. h. man verheiratet die jüngere nicht vor der älteren Tochter, schneidt mer a də hawwer vor am korə? Krankheit: gsund hersêchə, net fest sannə. knarzə kränklich, aber wehleidig sein, ziefə, verziefe auszehren, låsə zur Ader lassen, off, offə san auf sein, dossə, aufdossə, gedunsen (vom Gesicht), er hats in de fiessə, madere, hieselich Ausschlag, pletzə, fletzə Beule, Hautscherfung, durschlechtə, friesel, raudə, dalle, schilchə schielen, gëgə Brechreiz haben, hirchlə schwer athmen, husserə frieren. Leib und Glieder: goschə, lefzə, gërwel Scheitel, bort- Kinn, kartausche Nacken, Kragen, i nimm de bei dr kartauscha, kindliche Ausdrücke: bampferlich Füße, batschelich Hände, guckerlich Augen, hackerlich Zähne, kienstecklich Stockzähne, mammelich Brüste. Tod: er hat se empfohlə, trucha, uf d’leichd lodə, leichdweck. Leibliche Thätigkeiten, Fähigkeiten, Gebrechen: es werd mer eitel magenschwach, greusch, hâchel (heikel) wählerisch, schindklapperdürr, spröd mager, doshörig übelhörig, bausə intrans. die Wangen bei vollem Mund, es baust, kiefə, nagen, mofflə nagen, kauen ohne Zähne, pfiterə versteckt, kotterə schätternd lachen, pfusə, greinə weinen, drânftrə im Schlaf schwer athmen (auch beim Vieh (gebräuchlich), schnurchlə schnarchen, durch die unreine Nase athmen, gorksə, koppə, workə schlucken, delfə undeutlich reden, staksə, stottern, schmeckə riechen, sputzə, spuchə ausspucken, repplə mit den Händen reiben. hocklə auf dem Rücken tragen z. B. Kinder. abfleterə jemand schlagen, dosslə leicht schlafen, hotterə vor Schmerz Kälte, Altersschwäche zusammensinken, nein proffə mit dem Oberleib auf den Tisch liegen, gruwlə kitzeln, borzə das Hintertheil emporheben, bitzlə brennen vor Frost an den Extremitäten, fisperə Hände und Füße leicht bewegen, gamberə die Füsse unter dem Tisch bewegen, glunkerə, schlackə die Glieder schlottern lassen, schnechlə mit Händen und Füßen schlagen, wenn man am Boden liegt, rumschnechlə schmeichelnd wegen eines Gewinns, herumschleichen: – Arten des Gangs: dichlə schleichen, duchlə gebückt schleichen, dorchlə unsicher gehen, fenzi laufen affektirt. gratschə weitbeinig gehen, ummerdolpə umhertappen, hosslə schlotterig gehen, pfatschə hörbar im Wasser gehen. trottlə in kleinen Schritten gehen, fortdrawallə, schlounzə schlendern, stutterə hervorstieren, knatschə {{Seite|123}} kneten, zerdrücken z. B. eine Raupe. brünzlə nach Urin riechen. strampfə stampfen, streng = rasch laufen. Seelische Eigenschaften und Regungen: gschmitzt, gsund und gråd körperlich und geistig gesund, hirədipplə hirnverrückt, g’schossə unbesonnen. wampələ beklommen, ängstlich. wisele wohl. gneissen ahnen. es is mer wie vor ich ahne. es greuselt am Grauen haben. se trauə, auch einfach trauə wagen. and thun Heimweh haben. gheiənt reuen. lass me ungheit ungeschoren. es geht mer wider də mann, wider d’hor widersteht mir. Sittliche Eigenschaften, Untugenden und Thätigkeiten: acheltə pedantisch, pünktlich, net endlich nicht gefällig, gamelig wollüstig, gmein umgänglich. handig eifrig bei der Hand. es handi howə. verschmächelə empfindlich, weich. (sensu bono Gröningen.) hinterscheghörnt verdreht, verkehrt, wie ein Ochse mit hinterwärts gehenden Hörnern, kisig wählerisch, liddelig umgänglich, pfotig unnöthig geschäftig, verwegen, schnärzig unfreundlich, abstoßend. an anschnerzə. unrnüssig unruhig, unsellig ungeschickt, unbrauchbar, verdächtig ein wüster, grober Mensch, verzwickt dumm affektirt, a drückser. des is a hërzel ein Geizhals. der hat schneid. gutdenkend. verdilzt erbost, grattel. an stolz führen stolz sein. gast z. B. a wüster gast, a letzer. kritle. Schimpfwörter: du golopp einfältiger Mensch. holzkatz eine Frau, die aus Geiz nicht genug kriegen kann und immer „nothwendig hat“, aber auch Schimpfwort für Frauen aus der rauheren Waldgegend, hungermuck. klamhok Geizhals. alte krustel altes Weib. spavogel Spaßvogel, Spottvogel. schussbartel. drallewatsch, dallawulli. – a weltsdiere, schaffige diere starke, fleißige Dirne (sensu bono). grawə inständig bitten, nëtə nöthigen (durch Bitten) klotzə trutzig dreinsehen, mockə trutzen, zipperə peinigen. anmachə, versuhlə anführen, belügen. utzə foppen, zerrə necken. aus- lassə nachgeben. lamplə, er hat sein sach verlampelt mit Prassen durchgebracht. strandlə zweifeln, nicht sicher sein. gerə sechə gerne haben. a ibriger kon net sterbə vor gerə sêchə ironisch von dem, dessen man überdrüssig ist. Reden: plauderə. er kon mit der red net fort, âm in d’red fallə größte Ehrenkränkung. vergesses ihr red net. dem howi s’maul rågschlåchə abkanzeln, daß er nicht zu antworten weiß. der is net ufs maul gfallə. ankohlə, aufleixə belügen. bäfferə belfern, preigə wild, unartikulirt schreien. brisslə leis ins Ohr reden, pipperə vorlaut, popperə tadelnd reden, prudlə. schammlə geschäftig schnell reden. schmalgə, schmalger, gschmalg einfältig reden. se verredə, verwortə betheuern, ein Gelübde thun. aus- schreien, batschen, vermassern verläumden, schänden schimpfen, zâchnen auch plagen. an närrsch hinstellen abkanzeln. Kleidung: der Mann trägt də mutzə und a haubə, die Frau ən kitte!, ən papperlisrock (wollener selbstgemachter Rock) und ə kappə. s schneuzfleckli. hendsche. stümpf. schlappə Pantoffel. storhaubə. d’klader sporə. äwig letzte Seite. rum dreht is äwi. knerklə, zamma grümplə zerknittern z. B. den Schurz. a ruəsiger schorz eine schmutzige Schürze. ficklə, durchficklə durchreißen. d’schuch rifflə reiben am Knöchel. {{Seite|124}} Haus und Hof. d’hoffert Hofreite. der dennə Öhrn, stubə, benk, dischkastə, stiəle Schemel hellhåfə, d’ spon assel Stange um den Ofen, s schmeckəbridd Blumenbrett. d’kammer, d’bettstat, der b’helter, druchə. scherbə Nachtgeschirr. kiche- brôtes-scherbə Bratpfanne, scholeck Schalk, aufrecht stehender Eisenkamm am Herd zum Einhängen der Pfanne. schaff Waschgelte. stütze hölzernes Wassergefäß, stürzle irdener Deckel auf einen Topf. kollöffel Holzkochlöffel. zôchə Docht. golliecht Unschlittlicht. guckə Düte. blåtz Fladen, Kuchen. ein kuəch und ein blåtz ein Kuchen und ein Mus. bërgele kleiner Laib aus dem letzten Taigrest, der verschenkt wird. knërwle Stück Brotrinde, auch zahnloses mageres Frauenzimmer, åschnadle Abschnitt, Abfall von Eßwaaren, onråsə Überbleibsel. iohəbrot oder onəbrot Vesperbrot. golopp Gugelhopfen, hawerschedel Gebäck aus Habermehl, hôraffə Crailsheimer Gebäck am Stadtfeiertag. maultasche gefüllte Nudeln, nudel, flâsch, greə oder gsalzen und greə Meerettig ist Sonntagsessen. gmockelts, êbirəgmockelts oder eier gm. Eierhaber. Ähnlich stopfer und gschmorgel. zwërla Mehlbrei aus Sauerkraut. ëchetlə eßbarer Pilz- die worst riecht noch dr hamət der schlecht ausgewaschene Darm riecht nach dem Bauch des Thieres. dandschə unnöthig backen. knadschə kneten. Das Brot schimpert schimmelt, schimperig. schimper Schimmel. Das Wasser ist matt, schwäb. lack, d. h. abgestanden. fêgə mit dem Besen, suddlə mit Wasser aufwaschen. bêtzi Kehricht. molgig teigig. knatschi weich zum kneten z. B. der Boden. rasoli Branntwein, Liqueur. Vieh: ə raup junges Stück, knetzel im Wachsthum zurückgebliebenes Stück Vieh. dr handochs und bêtochs. gelt stehnə nicht trächtig werden. wist, hott, herja! schunk altes, werthloses Stück, alter Gaul. knopplə, knopperə langsam fressen. heinzerlə Füllen. hanseln wiehern wie ein Füllen. moggelə. bezelə, hamperlə Lamm. d’schåf bëpfə stoßen mit dem Kopf zusammen. bëpfə. auch von 2 Eiern, die zusammenstoßen. zickeln. fackel Schwein. fackellich Milchschweine. betz männliches, nunnə weibliches kastrirtes Schwein. beiss Eber, tauschə Mutterschwein. kerrə Schreien des Schweins. rumsə brünstig sein von Schwein. geckerich Eichelernte für die Schweine, gîgen Schweinstechen. docherle Hund. wurrli Kätzchen. randel läufige Katze, auch männersüchtiges Weib. kitzele Junge werfen. s’ zifer, ziferle Geflügel, herrlə Gänse. d’hëar, der geiker. buddelich, pippelich, ziwelich junge Hühner. bërzel schwanzloses Huhn, aber auch Erhöhung in Wald und Wiese. emesbërzel Ameisenhaufe, fuchsbërzel Fuchsbau. gackelich. ufpflusterə aufblähen, herrschlə zur Ruhe beisammensitzen ober liegen, von Geflügel und Schafen, daher Flurname herschel, herschelsee. gazen gackern, auch bellen vom Hund. rucksə girren der Tauben, fâst fett. dr imm die Biene. schepfə Wasser pumpen aus dem Brunnen. Scheuer: dreschə. rëdə sieben. a schober 60 Garben, gër Schürze voll, hampfel Handvoll. im ärvele in den Armen getragen, Armvoll. Landbau: dr aggr hat bêter wird zu Beeten gepflügt. summer und winterflur. da hawer ins klaw (feuchter, klebriger {{Seite|125}} Thonboden), s kårəin staw (Staub), da dinkel in schrollə (Schollen), so gräth alles im vollə. Der Strohmist sagt: Wachs, i hilf derzuə. Der Schafmist sagt: Wenn d’net willt, no muast. Der Laubmist sagt: Mach, was du willt, i flieg dervon. z’agger forə, mêinə, reissə stürzen. hëwerə Haber säen, s’ha machə, im hâ machə Heuet, oməd Öhmd, d’ërə Ernte. wîschə fêchə Wiesen säubern, êchə eggen. schletterle eine kleine Fuhr. ratteln den Wagen binden. spotə Schore. krêwə Korb, ränzlə das Gras am Rand der Wiese abmähen. Gewächse: s korə Roggen. s traad Getreide, ranschə Angersen. zwiffel Zwiebel. keid Krautsetzlinge. krautrüwə Bodenrüben. kripsi Obst, kripsen entwenden. obes Pflaumen (Westg.) schmeckə kindlich für Blumen. masero majoran Lein- Flachssamen êschwingan Rauhwerg, achel Abfall von Hanf. kimmerling Gurken zirrädle (Grön.), josephlich (Hörbühl) Bohnenkraut, lummelə, halbverwelkt. Wald: holz Wald. braubêr Brombeer, hoolbeer Himbeere. rothbêr Erdbeere. schwarzbêr Heidelbeere. mêsi Moos. drudennest Mistel, masselter oder messelter Maßholder, wechelter Wachholder, hieffelter Hagenbutten. lanweri Laub, fîchtküə, ochsenmotschel Tannenzapfen. brausch vom Holz spröde, brüchig. drêmel Prügel. Im Wald hüllerts hallt es wieder. Thiere: emes Ameise, katholische e. rothe Ameisen, wefzgə Wespen, schrötel Hirschhornkäfer. morchəstehler Schmetterling. Der Holzkäfer „die Todtenuhr", Anobium pertinax, heißt auch Erzschmidle oder Dengelschmidle. Zeit: bichenëttle (bigenot) kaum z. B. hats gereicht, inemol hie und da. nou né noch nicht. a nîtle kurze Zeit. vor ama klanə weng soeben, allbot alle Augenblicke. alləwail eben jetzt. aber allemol allerdings. uf bêtleitə bis zum Morgen- und Abendgeläute owed nach Mittagessen, heind heute Nacht, z halwer owed um die Mitte des Nachmittags, nechde gestern Nacht, vornechde vorgestern. vorder wuche, hinter uff d’wuche. in de erstə dåch. im dusel im Finstern. s langt se no. so lang mer singt, is d’kerch net aus. Witterung: s niwelt Nebelregen. s kisselt. des is a mol a butzə ein Regen- oder Schneeschauer, do kummd a gûs ein starker Platzregen, das gîs Überschwemmung. d’ keld stosst se. s gschlafft thaut auf. s baurəneck Nordwest, wo’s hell werden muß, wenn beständige Witterung kommen soll, dr bairisch wind der kalte Ostwind. Wetterregeln: Vorzeichen des Regens, wenn die Flöhe rührig sind, der Ruß an der Pfanne glänzt, die Hennen krähen, die Raben ins Dorf fliegen. Wenns am Sonntag regnet, dauerts die ganze Woche. Wenn die Gänse steigen (auf Holz oder Steinhaufen) wirds kalt. Urschele thu s kraut heim, sonst kommt der Simmele und schneit nein (zwischen 21. und 28. Oktober muß das Kraut heimgebracht werden. Bürgerliches und kirchliches Gemeinwesen: s oord, s is nor so a drecknest, a saubers êrtle mit starkə baurə (reiche {{Seite|126}} Bauern) und weng gringe lait. dr schulz. dr baurəmaster, klenkə mit einer Glocke zur Gemeindeversammlung oder zur Schule läuten. ganke die Glocke nur auf einer Seite anschlagen lassen. der gëhweg Fußweg, s kummt weider wird prozessirt. sein sach dem affekatə iwergeben einen Anwalt nehmen. zum papier gehnə aufs Rathhaus gehen. mir is mein herberi geschriwə der Wohnsitz ist mir urkundlich gesichert. wie mer bricht, so richt mer. er lässt se net brichtə beschwichtigen. er git se gibt nach, willigt ein. er hat am beide hend gnummə sich mit ihm versöhnt. d’borkerch, dr pfarr. der kaunns wie noch a mol a pfarr. zum nachtmål gehen. für gstellt werrə konfirmirt werden. anführen zum Konfirm.-Unterricht anmelden, der Konfirm.-Unterricht heißt die Kinderlehre. er lert hart lernt schwer. vorstand howə vor eine Behörde geladen sein, aber vorstand leistə, vorstehə einer Sache, Aufgabe, Amt gewachsen sein. Berufsarten: dr båder, dr blichner Flaschner, fuggerə Tauschhandel treiben. de markt bauə befahren mit Vieh. um des kon mers brauchə. lumpəsemmler. Umgang: einkehr howə Besuch haben. übernächtig werrə übernachten. goddə morgə, goddə owed Gruß. Gruß an den Eintretenden: Gsundheit is mer liəb. Willkumm’s. s is mer en ër, s is dankswert, a guts gsprëch? verrasə se? i will net liəchə, i sag, wiə s’is. des deffst keck glawə. geltə’s nicht wahr? i mogs net hawə. s braucht se net ist unnöthig (besonders beim Empfang des Trinkgelds). des wer z’gar unverschämt (wenn man eine Einladung anzunehmen sich genirt). jetz mach əs mer d’zech! Abschied eines Bewirtheten. kehr bal wieder ein Abschiedsformel. gros dank, bis is widder ebi machə oder vergleichə kon. s schickt se, schickt se net: Zeit und Umstände erlauben es. s is mer net gättli oder ongättli unbequem. Neujahrswunsch: i wenscht dr â ə glickseligs neujåhr, ə gsunds, ə friedles, ə langs lêwə und alles, was dr an leib und sel nutz und guəd is. Fremdwörter: dischkerirə, dischpetirə. dischpetirle widerspenstig. nex extras nichts besonderes. obsenat statt obstinat. salvene = salva venia. stante bene statt pede. stiblirə stipuliren. traktirə belästigen. triwlirə plagen. vichelant lebhaft. buxirə. därmeli schwindlig. kanduttenirle tout ne rien. meschant häßlich. parbleu: parapluie, parasol. er is praforsch (par force) er ist frech. rawellisch rebell. repetirlich anständig. reperme reprimande Tadel. schuk schuk = toujours (Honh.). straplizirə stark benützen. trawallə schwerfällig gehen. salvent (solvent) aufgelegt, auf dem Schick sein, es geit glei so ə laborand macht gleich Aufsehen. Hebraismen: achlə essen, balanschə schwätzen, oberbarnass Rädelsführer. bschummlə betrügen, betuch reich, betucht sein verdutzt. broches zornig. ganfə stehlen. kuchem verständig. kufferə prüfen. lusem freie Zeit. mobäres schwanger. (?) schmarakə schimpfen. vermosselt schläfrig mit ungeordnetem Haar. Redensarten: gräuseli viel. s’ is an handel. s hat kan sach – es hat nichts zu sagen oder keine Gefahr – z. B. bei Kranken: jetzt hat s’ kan sach mehr. s is an thuə es ist eins, wie mans macht. des kaf i daier halte nicht viel davon. steckə und staudə {{Seite|127}} Alles. schaffə und schanzə fleißig arbeiten. s bart net. s ia net schützi gibt nicht aus. s faselt se net gedeiht nicht. s gackelt se glückt. verdeikert verzweifelt. strutsauer sehr sauer. ə årtliche diere ein eigenartiges Mädchen. i hows unmüssi habe viel zu arbeiten. der hat s grüwli ruhig. der hat sein beet naus gschnîdə hat sein Schäfchen im Trockenen. des hat me åbänkert die Last hat mich schwer gedrückt. 8 verzeffert se geht leicht verloren. wenzeln wandern, daher wenzellaib den die abgehenden Dienstboten erhalten, aber auch faullenzen. gottwolkeit [i tuXoi]gebräuchlich in Goldbach, Westgartshausen, Waldthann, setzt den möglichen Fall. gottwolkeit s regnet es wird wohl regnen. jetzt fasst ers buəch an fängt zu beten, religiös zu werden. i ben schon lang mit unserem herrgott ummegâlfə bin längst religiös. ə gotslə donə sich Gottes Lohn, durch Gutesthun ein Verdienst erwerben. Besonders hoch gehaltene Äußerungen der Frömmigkeit: drei vaterunser bêdə, in drei kerchə opferə, dreimol unterm freiə himmel naknieben. o du liebs himmelsvadderle im himmel dobberə. widervergoltə is a kan sind. er sagt net gik und net gack, gickert und gackert net spricht sich nicht aus. er is net z schätzə man kann nicht wissen, was er will. der is aungmacht wie salåt angelogen. er is net neugierig, er mecht nor alles wissə. der kon s lobə leidə d. h. brauchen. er hat s g’lob (man lobt ihn). hat a guəds gmerch guten Verstand, hat a leichte seit Neigung zum Leichtsinn. hat d’lëwer uf der summerseitə ist stets durstig, is net nebe draussə steht gut. der hat se putzt viel gegessen, der hat ’s loch gfäddelt ist einer Verlegenheit rechtzeitig entgangen. dem muas mer d’hosə mit der beisszangə anziehə ist nur mit Gewalt zu bewegen. dem kälwert dr holzschlegel uf dr achsel ist ein Glückskind, dem unversehens ein Glück wird, als ob selbst der Holzschlegel Junge bekäme. vörthlə Vortheile zuwenden. Die Mutter vörthelt ein krankes Kind, wendet glückliche Mittel an. Der Geizhals ist net von Gebəhausə, awer von Holləbach. der singt s blab (das Blaue) vom himmel ro singt lustig in den Tag hinein, i wâs, worum mi d lait net mêigə, i ben halt der noch. i ho s ausgangə beobachtet, in Erfahrung gebracht. es is mer verrådə worra ich habe von Andern erfahren. i ho 30 Jår mit əm suppə gessə bin vertraut mit ihm. du sollst versaurə in der süsse brüəh. bis du kommst, is katz da bâm nuff. du bis a glei owə dauss bald beleidigt. Bei neuem Zorn des Empfindlichen heißts: jetz is schon widder s kätzle da bâm nuff. du bis wia 9 dåg rêchəwêder. du lachst mit am ganzə gsîcht wie dr maiəkäfer. zu dir soll mer immer „wurrli wurrli“ sågə sagt man zum Empfindlichen. leck mi in Krakau, no hast net weit noch Bolə. Es is mer ums gwärg um das Ausstehen und die Umstände. i spürs, wenn me a ochs trît. er is net von der dischlåd wegkummə nicht aus des Vaters Haus in die Fremde gekommen, versteht auch keine fremden Sitten. zur mussich gehn d. h. zum Tanz. heng mer dein ehrlichanama net an sagt man zu dem Lästerer. Die vorlauten Kinder bekommen zu hören: du mußt schweigen, bis die alte Kuh die Leiter hinauf will, dann darfst aber schreien: Alte, bleib unten. do hangt dr werti iwer də sunnti no unter dem schönen Oberkleid sieht das schlechte Unterkleid hervor. es is halt {{Seite|128}} iweråll ebbes d. h. es ist nichts vollkommen unter der Sonne. des is ə rechter dumm und dumm rechter Lärm. es brennt uf allə decher oder in allə gassə allgemeine Aufregung im Ort. Sprichwörter: do gehts iwerhabt wie der Teufel d’baurə holt. Ume dreizehne gehnə d’Schneider ham. zêiti (zottige) fillə und rotzige buewə sann net z schätə. was gessə und trunkə is, is verzehrt. klane heffellich laafə bald iwer. jeds heffelə kriəcht ə stärzlə (Deckel), nor ’s sauheffelə net (wüste Personen müssen ledig bleiben). stolze madlich, schlampfige weiber. aussə fix, innə nix. nebərum geht aa ə wêg. eins verbricht s heffelə und der anner s schüsselə. plauderə macht liəchə. da reichə iait ir madlich sann ball gross und də armə lait ire sei ball fett. morchərechə und altweibertanz dauern net lang. vil brüəder, schmålə güəder. wenns nor all dåch sunnti wär und all sunti kërwə! an der kërwə werd s a nåcht. wenn Gott nicht will, steht alles still. wo net mistes ist, ist a net Christes: Dem Acker, welcher keinen Dung bekommt, hilft auch nicht göttlicher Segen. də ausgang wâs mer, awer net da eingang. dem klagenden ist zu helfen, dem prangenden nicht. mit nachbarn kann man häuser bauen. wer närrsch glaabt, dem gehts närrsch. a bissle regt an äderle. z’ guəd is aa a stick liederlichkeit. rumdreht is äwi umgekehrt ist auch gefahren. was d’frâ im schorz ausdrêcht, kon dr maun mit am wåcha net einfihrə: bei einer nicht haushälterischen Frau kann der Mann nicht genug erwerben. der reu is a schelm, er reit hinda nåch. I ben von Belchədål Mi kennt mer äwerål Dass i a lustiger baurəbuə ben. In der mühle is wacker, Wos klingelt und klappert, Im werthshaus is guəd, Wo mer einschenkə duəd. Behüat es Gott vor dairer zeit, Vor mairer und vor zimmerlait. Mairer und zimmerlait Könən sehen danzə, Aber zu ihrəm geld Brauchə’s kan ranzə. Wenn d’ bettellait danzə, No wacklə die franzə, No schüttelt se s’brot In der këzə (Tragkorb) schier z’dodt. {{Seite|129}} Alle lait, wo bucklig sind, Die danzə uf der seidə, Bruder nimm ka bucklichs weib, Schäm de vor de laidə. Gelt, schätzle, du bist mein, Du hast me 13 kraizer kost’, Jetz geb i di um 9, An batzən büəss i ein. Wenn dr Schneider gstohlən hat, No wass er net wo naus. No schlupft er nei in sein nådelbüchs Und mäckelt obən raus. A schüsselə und a häffelə Is all ma heiretguəd, Des låd i uf ə wächelə, No is e ganze fuəhr. {{Anker|A4}}{{Headline|140|0.2|Wohnorte.}} {{Anker|A4_1}}{{Headline|120|0.2|Orte.}} {{Anker|A4_11}}{{Headline|110|0.2|A. Zahl, Gattung und Areal.}} Der Oberamtsbezirk zählt im Ganzen 184 Wohnplätze, worunter 1 Stadt, 21 Pfarrdörfer (3 davon mit Marktgerechtigkeit), 4 Dörfer, 1 Pfarrweiler, 104 Weiler, 22 Höfe und 31 einzelne Wohnsitze; dieselben vertheilen sich auf 26 politische Gemeinden, wovon 10 II. Klasse 1) und 16 III. Klasse mit 150 Markungen. Das Areal der Ortschaften umfaßt nach den Ergebnissen der Landesvermessung vom Jahr 1835 –:. 476 2/8 Morgen = 150,10 ha. 1) Gemeinde II. Klasse sind die Gemeinden von 1000–5000 Einwohner, III. Klasse Gemeinden bis 1000 Einwohner, I. Klasse haben über 5000 Einwohner. {{Seite|130}} {{Anker|A4_12}}{{Headline|110|0.2|B. Lage, Größe und Beschaffenheit.}} Die zahlreichen, aber meist kleinen Ortschaften des Bezirks liegen theils im Jagstthal und den Abhängen der Seitenthäler, theils auf der Hochfläche ob dem Jagstthal und in dem stark bewaldeten Hügelland zwischen der Bühler und Wörnitz. Fast im Mittelpunkt des Oberamts auf dem rechten Ufer der Jagst, jenseits welcher in neuster Zeit durch die Bahnhofanlage der Grund zu einem neuen Stadttheil gelegt ist, liegt die Oberamtsstadt Crailsheim an der Einmündung des Truiden- und Lohbachs; nicht weit davon in südwestlicher Richtung der Pfarrweiler Altenmünster; ferner liegen im Jagstthal von Süd nach Nord: links Randenweiler, der Mündung des Seegrabens gegenüber, rechts an der Mündung des Reiglerbachs Stimpfach, weiter unten links an der Mündung des Klingen- und Steinbachs Steinbach, sodann Jagstheim, der größte Ort nach der Oberamtsstadt bei der Einmündung der Speltach; beim Einfluß des Flachbachs liegt auf dem rechten Jagstufer Ingersheim. In den rechten Seitenthälern liegen von Süd nach Nord: Im Thal des südlich außerhalb des Bezirks einmündenden Rothbachs: Rechenberg mit Connenweiler, dahinter in den Wäldern Krettenbach, Wildenstein (Wasserscheide zwischen Donau und Rhein), Wäldershub, Matzenbach, auf der Höhe zwischen Rothbach und Seegraben: Hörbühl. Im Reiglersbachthal liegen: Gerbertshofen, Weipertshofen und Siglershofen; oben auf der Höhe: Schüttberg und Bergbronn. Am Degenbach: Alexandersreut. An dem in den Truidenbach mündenden Hummersbach liegt in den Wäldern Westgartshausen und am Mühlbach, der weiter oben in den Truidenbach fließt, Goldbach. An dem durch die Teufelsklinge der Jagst zufließenden Kreuzbach Beuerlbach und oben auf der Höhe Rudolfsberg. Auf der Höhe ob der Jagst zwischen dem Kreuz- und Entenbach liegt Satteldorf, an letzterem Sattelweiler, Neidenfels und Burleswagen. Im Thal der Gronach, welche unterhalb Beeghof entspringt, folgen sich Ellrichshausen, Bronnholzheim, Gröningen, oberhalb der Jagst bei ihrem Ausfluß aus dem Bezirk: Bölgenthal. Endlich an der Brettach: Triftshausen. In den linken Seitenthälern liegen: {{Seite|131}} Auf der Höhe am Ursprung des Zobach und Henkenbach: Mainkling, am Steinbach Honhardt; beim Einfluß des Lanzenbachs in die Speltach liegt Oberspeltach, auf der Höhe: Waldbuch. Daselbst zwischen Bezen- und Maderbach das hochgelegene Gründelhardt, an dem in die Speltach fließenden Stettbach liegt oben Hellmannshofen, weiter unten Stetten und Unterspeltach. An der Maulach liegt der Weiler gleichen Namens und Onolzheim. Am Ursprung des Sauerbrunnenbachs auf der Höhe liegt Roßfeld, am Schmidtebach Tiefenbach; am Grund liegen Triensbach und Erkenbrechtshausen. In der Südwestecke des Bezirks liegen Markertshofen und Hinteruhlberg, welche durch den in die Bühler mündenden Nesselbach mit dem Kocher in Verbindung stehen. Der östliche Theil des Bezirks, dem Stromgebiet der Donau angehörend, begreift folgende Orte: Am Zusammenfluß des Kesselbachs (auf der Höhe Seelgenstadt) und Haselklinge, Leukershausen, sodann am Langenbach Bergertshofen, Unterstelzhausen, Marktlustenau, Riegelbach. Westlich von Leukershausen, Mariä-Kappel und Haselhof, südöstlich am Asbach Wüstenau, am Brühlbach in den Wäldern Waldthann, beim Einfluß des Rothbachs Tempelhof. Südlich davon liegen am Ursprung der Roth Neustädtlein, Röthlein und Bernhardsweiler, weiter abwärts Lautenbach, Ober- und Unter-Deuffstetten. Die größten Gemeinden sind der Einwohnerzahl nach Crailsheim, Jagstheim, Unter-Deufstetten, die kleinsten Westgartshausen, Rechenberg und Leukershausen, dem Areal der Ortschaften nach die größten sind Honhardt aus 23, Crailsheim (eine Parzelle) und Gröningen aus 10 Parzellen bestehend, die kleinsten Unter-Deufstetten mit 2, Rechenberg mit 7 und Goldbach mit 1 Parzelle. {{Anker|A4_2}}{{Headline|120|0.2|Gebäude.}} {{Anker|A4_21}}{{Headline|110|0.2|A. Anzahl und Gattung.}} Das Brandversicherungskataster von 1883 weist 4190 Haupt- oder Wohngebäude und 4327 Nebengebäude, zus. 8517 Gebäude auf im Brandversicherungsanschlag von 17.953.580 M. Zu öffentlichen Zwecken dienen 278 Gebäude, worunter 27 Kirchen, 2 Synagogen, 9 Kapellen, 56 Rath- und Schulhäuser, 90 Spital-, Kranken- und Armenhäuser, 6 Stationsgebäude, {{Seite|132}} 21 Bahnwärterhäuser und 67 sonstige Gebäude. Unter den Wohngebäuden befinden sich 12 Schlösser und Amtswohnungen für Staats- und Gemeindediener, darunter 41 für Lehrer und 26 Pfarrhäuser. Auf 1 Wohnhaus kommen durchschnittlich 6,46 Bewohner; die meisten mit 9,8 in Crailsheim, die wenigsten in Matzenbach mit 4,7 (s. u. Tab. I). {{Anker|A4_22}}{{Headline|110|0.2|B. Bauart und -Material.}} Der Mangel an geeignetem Steinmaterial und der Reichthum an Holz in einem großen Theil des Bezirks sind die Ursachen, daß derselbe an Holzbauten reicher ist als die benachbarten Oberämter. Zwar sind die neueren Wohnungen meist auf steinernem Untergrund mit Riegelfachwerk aufgebaut, besonders in der bäuerlichen Nordhälfte, aber die Wetterseiten sind meist mit Brettern verschalt. Die Seitenwände der Scheunen bilden vielfach große Bretter. Ziegeldächer sind allgemein. Die Wände sind meist ganz verputzt, wie in Crailsheim und wie die kleinen saubern Häuschen in Unter-Deufstetten; in den reicheren Bauernorten ist das Balkenwerk sichtbar und bemalt, was einen guten Eindruck macht. Die eichenen Eckbalken sind vielfach geschnitzt und mit Jahreszahlen versehen. Besonders reich an schönen großen und alten Holzhäusern ist Tiefenbach. Die Bausteine kommen theils aus dem Jura, theils aus dem Keuper, für Innenwände gewinnen die aus Schlacken hergestellten hohlen Backsteine Eingang. Die architektonisch werthvolleren Gebäude im Bezirk stammen meist aus älterer Zeit. Der größte Theil der Kirchen auf dem Lande ist im 18. Jahrhundert stillos umgebaut, der Chor zugemauert und Altar, Kanzel und Orgel über einander an die Ostwand des Schiffes gesetzt. Hervorragend an architektonischem Werth sind die Stadtkirche in Crailsheim und der Chor der Kirche zu Mariä-Kappel, sowie das alte Schloß zu Rechenberg, ein mächtiger Holzbau, auch Schloß Burleswagen. Weiterhin sind zu nennen: das Schloß und die Kapelle zu Crailsheim, die Kirche in Gröningen (Chor), Gründelhardt (Chor), Ingersheim (Chor), der große Chor der nicht vollendeten Kirche zu Bernhardsweiler, die Kirche zu Lustenau (mit romanischen Spuren), das Schloß im Tempelhof und das neue Schloß in Rechenberg (beide Renaissance), sowie die Kirche daselbst, die Kirche in Stimpfach (Rokokko), Triensbach, Waldthann {{Seite|133}} (Chor) und Westgartshausen. Würdig restaurirt ist, soweit es der stilverderbende Umbau im 18. Jahrhundert zuließ, die Kirche zu Onolzheim. Von neueren Gebäuden sind besonders der große Bahnhof in Crailsheim, einige Häuser in der Wilhelmsstraße daselbst, sowie die Kirche in Unter-Deufstetten und die Kapelle in Hinteruhlberg hervorzuheben. {{Anker|A4_23}}{{Headline|110|0.2|C. Werths- und Eigenthumsverhältnisse.}} Der Werth sämmtlicher Gebäude beträgt nach dem Gebäudekataster von 1883 bei 3877 Haupt- und 4319 Nebengebäuden, zus. bei 8196 Gebäuden 19.350.250 M., worunter 25 Haupt- und 29 Neben- zus. 54 Gebäude mit einem Katasteranschlag von 567.200 M. nur zu Amts- und Gemeindeumlagen pflichtig sind. Nach dem Brandversicherungskataster vom Jahr 1883 dagegen zählt der Bezirk 4190 Haupt- und 4327 Neben- also zus. 8517 Gebäude im Versicherungswerth von 17.953.580 M., so daß der durchschnittliche Werth eines Gebäudes nach dem Steuerkataster auf ca. 2361 M., nach dem Brandversicherungskataster auf 2108 M., sich berechnet. Von sämmtlichen vorhandenen Gebäuden befinden sich im Eigenthum des Staats 61 Gebäude, der Amtskörperschaft oder der Gemeinde gehören: 149, den Stiftungen 81 Gebäude. {{Anker|A5}}{{Headline|140|0.2|Nahrungsstand.}} {{Anker|A5_1}}{{Headline|120|0.2|Hauptnahrungsquellen.}} Wie der Bezirk landschaftlich und nach dem Charakter seiner Einwohner in vier Gruppen zerfällt, so auch in Bezug auf die Haupterwerbsquellen. In der Nordhälfte des Bezirks, wie im Jagstgrund der Südhälfte finden wir ausgedehnten Grundbesitz mit Feldbau und Viehzucht. Die Armenkolonien mit beschränktem Handwerksbetrieb und nahezu ohne Grundbesitz, wie Beeghof und Neidenfels, sind Gründungen des 17. Jahrhunderts, die mitten zwischen rein bäuerliche Gemeinden hineing(contracted; show full) {{Seite|552}} Wollmershausen 3. 36. 156. 170. 171. 175. 233. 454. 457. 459. Wolpertshausen 228. 245. Worms 240. Wössingen 258. Würzburg 231. 238. Wüstenau s. auch Wüstenhof 4. 37. 131. 152. 155. 171. 174. 189. 233. 375 f. 379. 455. 457. Wüstenhof 190. 239. 242. 416. 422. Zagelbach 290. Zankhof 4. 157. 174. 517. Zeuzleben 239. Zischendorf 239. 242. 505. Znaim 236. Zöbingen 258. Zottishofen 417. Zumhaus 239. 242. Zwerenberg 239. 386. <references/> All content in the above text box is licensed under the Creative Commons Attribution-ShareAlike license Version 4 and was originally sourced from https://de.wikisource.org/w/index.php?diff=prev&oldid=1891148.
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