Difference between revisions 1891148 and 1891447 on dewikisource

== OCR durchgesehen ==
(fehlende Anfangsseiten bereits für Einstellung aufbereitet durch Pfaerrich)



{{Seite|107}}

Merkur 1844 Nr. 316 zu lesen: „Man muß von Ellwangen herab sehen, wie mit dem letzten Keuperrand bei Randenweiler Gesicht, Kleid, Farbe, Arm und Bein und Sprache anders wird, nemlich ruhiger, schmucker, weicher, ebener. Mit Stimpfach, dem einzigen ganz katholischen Pfarrdorf (früher ellwangisch) sind die rothen Weiberröcke und Brustflecke, ist Schwaben und Ellwangen haarscharf abgeschnitten.(contracted; show full)t denen wohl zu handeln und umzugehen ist,“ und die erwähnte Schilderung von 1844 sagt: „Der Schwabe läßt den Fremden stehen, der Franke kommt entgegen und zuvor, der innerliche Anschluß ist für beide gleichermaßen erst Folge und Entwicklung wesentlicher Zusammengehörigkeit und längerer Bekanntschaft. Die äußere Zuthunlichkeit, mit welcher der Schwabe höchstens aufhört, ist bei dem Franken gleich der Anfang und damit noch nicht so wie dann beim Schwaben endlicher Ausdruck innerlichsten Zusammenschlusses.“ 




Die alte stattliche ''Tracht'' mit ihren soliden Stoffen ist nahezu ganz verschwunden. An der Stelle des Dreispitzes ist der schwarze niedere Hut, an die Stelle der Pelzkappe die Tuchkappe getreten. Der Sonntagsmutzen (Rock), früher aus selbstgemachtem,

{{Seite|109}}

lebenslänglichem Wolltuch, wird jetzt von modernem Fabrikat bereitet. Zum männlichen Staat gehört die silberbeschlagene Pfeife mit Rehkrone und Silberkette, die, wenn nicht geraucht, aus der Seitentasche hervorsehen muß. Bei den Frauen wird die schwarze Radhaube von Flor immer seltener. Die äußerst wohlstehende weiße Radhaube der Jugend ist ganz verschwunden, dagegen hat sich die niedere Bandhaube, welche in der Form eines Nachens das Hinterhaupt bedeckt, an der eine ganze Reihe über 10 cm breiter und 70–80  cm langer seidener Bänder hängt (15–20 M. im Werth), erhalten. Beim Überfeldgehen hüllen sich die Frauen in ein großes dreieckig zusammengeschlagenes Kopftuch, das vorn zusammengeknotet wird, während der dritte Zipfel auf dem Rücken liegt. Im Allgemeinen ist bei der evangelischen Bevölkerung die dunkle, bei der katholischen die helle und bunte Farbe in der Tracht vorherrschend.

Die ''Nahrung'' ist einfach, aber kräftig. Beim Landvolk gibts in der Frühe Kartoffeln und Wassersuppe, mit Milch geschmelzt, Mittags im Winter meist Sauerkraut mit Fleisch, gesalzen oder geräuchert, im Sommer Mehlspeisen mit Salat, Sonntags Nudeln und „grünes“ d. h. frisches Fleisch mit „Krê“, Meerrettig, zum Vesper oder „Ohnabrot“ Brot meist aus Roggenmehl, im Sommer „gestockte“ Milch, häufig ohne den Rahm, hie und da Most oder Weißbier, zum Nachtessen Wassersuppe, Milch und Kartoffeln. In die Milch wird das Brot gebrockt, ja nicht geschnitten. Denn dadurch schneidet man den Kühen die Milch ab. Der Bauer schlachtet jeden Spätherbst eine fette Kuh oder ein Rind, im Frühjahr 1–2 Schweine. Bei Festessen, als Taufe oder Hochzeit darf das Süßbrühfleisch oder Voressen nicht fehlen. Allsonntäglich erscheint wo möglich in jedem Hause „Galoppen“ d. h. Gugelhopfen, und „Plâtz“. Im Herbst fährt der Bauer gern ins „Weinland“ an der Tauber, Jagst, Kocher und Sulm, im Sommer bezieht er sein Fäßchen Bier aus der Brauerei.

Die ''Sitten und Gebräuche'' im Bezirk sind im Ganzen die des fränkischen Stammes und darf hier auf die eingehende Schilderung des Gemeinsamen in Sitten und Gebräuchen auf die Oberamtsbeschreibungen Künzelsau und Mergentheim verwiesen werden. Hier heben wir unter kurzer Angabe des Gleichartigen das Eigenthümliche, dort nicht Erwähnte heraus.

{{Seite|110}}

{{Headline|120||1. Sitten und Gebräuche im Anschluß an das Kirchenjahr 1).

<ref>Reiche Beiträge diesem Abschnitt, wie den Sagen und der Mundart haben Kantor ''Abelein'' in Creglingen, Schullehrer ''Ostertag'' in Westgartshausen und andere Lehrer, sowie mehrere Geistliche geliefert.</ref>.


{{idt}''A. Wochentage.''

Dienstag und Freitag sind Glückstage, an denen die Brautleute einziehen, Dienstboten nach Lichtmeß „anstehen“ d. h. ihren Dienst antreten, gekauftes Vieh eingestellt, Jungvieh angewöhnt wird. Montag und Freitag gibt man keine Milch aus dem Hause, an gewöhnlichen Tagen auch nicht mehr nach „Betläuten“ und nie ohne drei Körnchen Salz darin.

Der Donnerstag ist ein Unglückstag. Am Freitag wird der Stall nicht ausgemistet. Samstag Nachmittags wird kein Dung geführt, überhaupt kein größeres landwirthschaftliches Geschäft begonnen, in Triensbach in Folge eines Gelübdes bei einer Viehseuche.


{{idt}''B. Das Kirchenjahr.''

Der erste Hinweis auf die kommende Festzeit ist der ''„Pelzmärte“'' oder „Nußmärte“, der den Kindern heimlich Nüsse in die Stube wirft. Die Bauernjungfer erwartet von ihrem Geliebten einen „Märtisweck,“ einen großen Ring. „Der Märtisweck dingt ’s Neujahr an,“ d. h. an Neujahr macht sie ihr Gegengeschenk. Wer nach Martini noch schort, schort einen der Seinen hinein, d. h. es stirbt bald Jemand aus dem Hause.

An den Donnerstagen der Adventszeit wird angeklopft.

Am ''Thomasfeiertag'' Nachts 11–12 Uhr kann man seinen „Künftigen“ durch Bleigießen und Auskehren der Stube erfahren.

Mit ''Weihnachten'' beginnen die Nächte, die alte Julzeit. In Tiefenbach wird jeden Morgen 6 Uhr mit allen Glocken auf Grund einer alten Stiftung geläutet. Mist wird nicht geführt, kein Vieh geschlachtet, da sonst ein Stück fällt, auch die Stiefel nicht geschmiert, da sonst das Vieh Läuse bekommt oder Kröpfe sich zeigen, Haare und Nägel werden nicht geschnitten, keine Hülsenfrüchte gekocht. Die Witterung der 12 Nächte ist maßgebend für die Witterung der kommenden 12 Monate, der Gebrauch der 12 Zwiebelschüsselchen ist allgemein verbreitet. Wer in den 12 Nächten Nachts von 11–12 zum Fenster hinaussieht, aber die ganze Stunde ja nie zurück ins Zimmer sieht, der bekommt alle Leichen des folgenden Jahrs zu sehen, ebenso wer sich in dieser Zeit unter das Kirchthor stellt.

An ''Weihnachten'' wie überhaupt an den drei großen Festen soll man die Stube nicht kehren und zuerst in der Kirche sein. Am Weihnachtsabend gehen die Rollesel oder Christesel d. h. Jünglinge mit dem Rollengeschirr durchs Dorf.

Beim Feierabendläuten werden die Bäume mit Strohbündeln umbunden, daß sie tragen. Wer an Weihnachten siebenerlei Holz und ein paar neue Schuhe in die Kirche nimmt, kann die Hexen verkehrt in der Kirche sitzen sehen. Am Weihnachtsabend werden alle Besen aufrecht in eine Ecke gestellt. Am Morgen finden sich geknickte Reiser zum Zeichen, daß die Hexen sie benützt haben. Wer an Weihnachten zuerst tränkt, ist das ganze Jahr zuerst fertig.

1). Reiche Beiträge diesem Abschnitt, wie den Sagen und der Mundart haben Kantor Abelein in Creglingen, Schullehrer Ostertag in Westgartshausen und andere Lehrer, sowie mehrere Geistliche geliefert.

{{Seite|111}}

Am ''Stefanstag'' muß man die Pferde über die Markung hinausreiten, damit sie keine Darmgicht bekommen, und das Vieh unbeschrieen 9 mal putzen, sonst wird es lausig. Früher sah man auch die Sternsänger durch den Ort gehen.

An der ''Fastnacht'' werden „Küchle“ gebacken. Das übrige Schmalz dient dazu, die Jochriemen, auch die Achsen am Erntewagen zu schmieren, zum Schutz gegen Ratten und Mäuse. Ebenso macht der Bauer die Strohbänder an Fastnacht, daß die Mäuse nicht in die Frucht kommen. Wer an der Fastnacht zuerst aufsteht, ist das ganze Jahr voran. Bei Nachtessen an Fastnacht wird von jeder „Richt“ etwas in ein Gefäß gelegt und dem Fuchs hinausgetragen, damit er die Hühner nicht holt.

An ''St. Valentinstag'' 14. Februar gedeiht kein Geschäft, das man neu unternimmt, es fällt dahin.

''Karfreitag''. Nachts 12 Uhr ist Wasser Wein,. Baden in fließendem Wasser vor Sonnenaufgang ist ein Heilmittel gegen alle Hautkrankheiten. Wasser, beim „Schiedläuten“ d. h. dem Zusammenläuten nach dem Gottesdienst, in Bölgenthal Wasser, aus dem Osterbrunnen vor Sonnenaufgang geholt, wird für alle Schäden das Jahr durch aufbewahrt. Vor Sonnenaufgang wird Immergrün gepflückt und ins Hühnernest gelegt, daß „nichts Böses beikommen kann.“ (Bronnholzheim.) Ein Schnitt in ein Holz an diesem Tag vertreibt die Hexen.

''Ostern''. Eierlesen in Ellrichshausen ist neuerdings aufgekommen.

''Himmelfahrt''. Allgemein werden die Himmelfahrtsblümchen gesammelt zum Schutz gegen Wetterschlag, . ''Pfingsten''. Das Maienstecken hat sich, jedoch sehr beschränkt, erhalten.

An ''Hiob'' muß man Bohnen stecken (9. Mai), am ''Hanstack'', an St. Joh,. Baptist den 24. Juni die Zwiebeln niedertreten. ''„Niederfallet“'' ist am Schluß der Winterfruchternte.

Zur Kirchweih wird Plâtz gebacken, Kraut und Fleisch reichlich auf den Tisch gebracht. Nach dem Nachmittagsgottesdienst beginnt das „Tellerlesgspiel“ an manchen Orten. Früher war auch der „Hammel-“ oder Maientanz gebräuchlich. Die ledige Jugend und die dazu eingefangenen Schulkinder tanzten um einen Maien. Wer bei dem auf ein Zeichen ertönenden Schuß die herumgehende Ruthe in der Hand hatte, war der glückliche Gewinner. Jetzt ist die Sitte seltener geworden. Am Kirchweihtanz betheiligt sich, was noch irgend tanzen kann.


{{Headline|120||2. Die Sitte im Menschenleben von der Wiege bis zum Grab.}}

Eine Frau darf, während sie mit dem Kind geht, nirgends durchschlüpfen und nie über einen kreuzartigen Gegenstand, z. B. eine Pflugschleife, schreiten. Bei der Geburt eines Kindes (aber auch beim Kalben einer Kuh) darf nichts ausgeliehen werden. Bis zur Taufe muß des Nachts ein Licht brennen und dem Kind ein Gebetbuch in die Wiege gelegt werden. Auch darf es keinem Fremden gezeigt werden. Die Taufen sind feierlich und immer ein von dem übrigen Gottesdienst gesonderter Akt mit Gesang und Schießen bei Knabe(contracted; show full)

Auf den Ehestand wirkt „die Vorsitz“ mit den daran sich knüpfenden Liebesverhältnissen wenig ein. Meist wird von den Eltern über das junge Paar, das sich „nehmen“ soll, einfach vom Standpunkt des Geldes verfügt. Verlöbnis, „Heiratstag“ ist meist am Freitag, aber wie auch die Hochzeit nicht im abnehmenden Mond. Spreuerstreuen zum Spott für die „Sitzengebliebenen“ sowie Hühnerkrähen ist auch in unserem Bezirk am Verlöbnistag Sitte.

Der Einzug vor (oder auch nach, s. 
[[Beschreibung des Oberamts Künzelsau/Kapitel A 3#Einzug|OA.Beschr. Künzelsau]]) der Hochzeit verläuft wie sonst in Franken. Beim Laden des Brautwagens darf weder Braut noch Bräutigam sich betheiligen. Zuletzt kommts an die Bettstücke. Die Gebetbücher, welche die Braut mit bekommt, werden in die Betten gesteckt. Um die Wiege entsteht hier der obligate Streit zwischen „Hochzi“knechten und „Hochzi“maden. Oft wird die Wiege im Streit aus einander gezerrt oder von den Hochzeitknechten mit Ketten an einen Scheunenbalken gehängt.

(contracted; show full)

{{Seite|552}}

Wollmershausen 3. 36. 156. 170. 171. 175. 233. 454. 457. 459. Wolpertshausen 228. 245. Worms 240. Wössingen 258. Würzburg 231. 238. Wüstenau s. auch Wüstenhof 4. 37. 131. 152. 155. 171. 174. 189. 233. 375 f. 379. 455. 457. Wüstenhof 190. 239. 242. 416. 422.

Zagelbach 290. Zankhof 4. 157. 174. 517. Zeuzleben 239. Zischendorf 239. 242. 505. Znaim 236. Zöbingen 258. Zottishofen 417. Zumhaus 239. 242. Zwerenberg 239. 386.

<references/>